Medienpsychologie Mischmasch UE5

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Prime

Medienstimulus (»Prime«) -> Verfügbarkeit von gespeicherten Wissenseinheiten wird temporär erhöht. Ø Aktivierte Gedächtnisinhalte werden mit grösserer Wahrscheinlichkeit bei der Interpretation einer nachfolgenden Information (»Zielstimulus«) genutzt (Peter, 2002)

2
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Priming - Knoten

• Vorstellung, dass unser Gedächtnis ein Netzwerk von Knoten (= Wissenseinheiten / Konzepten) ist, die mehr oder weniger stark miteinander verbunden sind (Roskos-Ewoldsen & Roskos-Ewoldsen, 2009) • Knoten kann durch externen Stimulus aktiviert werden und “feuern”

3
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Stärke des Primes

Stärke des Priming-Effekts

1. Längere Zeit und häufigere Wiederholungen -> stärkerer Effekt

2. Zeitlicher Abstand zwischen Prime und Zielstimulus • Direkt nach Prime -> stärkerer Effekt

• Hauptsächlich kurzfristige Medienwirkung (ca. 15-20 Minuten)

• Längerfristige Medienwirkung = Kumuliertes/Chronisches Priming seltener (z.B. Politische Kommunikation - 24 Stunden später noch Effekt auf Bewertung des US-Präsidenten)

4
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Gewahlthaltige Medienstimuli als Prime für … & … (Roskos Ewoldsen et al., 2007)

aggressionsbezogene Konzepte und Verhaltensweisen

• Aktivierung von Stereotypen (Mastro, 2009) • Geschlechtsstereotypen • Ethnische und rassistische Stereotypen

→ Priming nicht nur Abruf, kann auch kognitive Prozesse anregen!

5
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Sozial-kognitive Theorie der Massenkommunikation (Bandura, 2001)

→ Bandura berücksichtigt soziale Komponente der Medienwirkung:

• Soziales Lernen von «Modellen» (Bandura, 1986)

1. Direkte eigene Erfahrung ist keine notwendige Voraussetzung für Lernprozesse

2. Lernen durch das beobachten von anderen Personen («Modelle»)

3. Wenn das beobachtete Verhalten belohnt wird, hat man eine positive Erfolgserwartung und kopiert das Verhalten eher

4. Es ist förderlich, wenn das beobachtete Modell als attraktiv und der eigenen Person ähnlich wahrgenommen wird

6
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Medien und Medienakteure beeinflussen unsere Gedanken und unser Verhalten:

→ Priming nicht nur Abruf, kann auch kognitive Prozesse anregen!

1. Sozialer Vergleichsmassstab, anhand dessen wir die Richtigkeit und Angemessenheit unserer Kognitionen und Verhaltensweisen abgleichen

2. Medien als Quelle für soziale Vorbilder und Modelle, anhand derer wir uns neues Wissen und neue Verhaltensweisen aneignen können.

→ Vorbildfunktion der Medien kann positive & negative Lernkonsequenzen haben (Kritische Reflextion durch Gnu, Esstörung durch Models)

→ Nicht alle gleichermassen anfällig für Medienwirkung (alter, Selbstwirksamkeitserwartungen)

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Selbstwirksamkeitserwartungen

• Erwartung, inwiefern man eine Handlung erfolgreich ausführen kann, um ein Ziel zu erreichen

• Brücke zwischen Wissen und Verhalten

• Kann stellvertretend durch das Beobachten von Modellen aufgebaut werden

→ Wie lange man an einem Ziel festhält hält stark von Selbstwirksamkeitserwartungen ab.

—> Eigene Erfahrungen am prägendsten, aber;

—> Medien und Medienakteure sind eine wichtige Einflussgrösse auf die Selbstwirksamkeit

8
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»Entertainment Education«

• Medien haben ein Wirkungspotenzial zur gesundheitlichen und politischen Aufklärung Zum Beispiel:

• Spiel »Re-Mission«, um Selbstwirksamkeit bei krebskranken Kindern zu steigern (Kato, Cole, Bradlyn & Pollock, 2008)

• Südafrikanische TV-Serie »Soul City«, die auf HIV- und AIDS-Prävention zielt (Singhal & Rogers, 2002)

9
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Elaboration-Likelihood-Model (Petty & Cacioppo, 1986)

→ Einflussreichstes psychologisches Modell zur Persuasion und Einstellungsänderung

Einstellungen:

  • Allgemeine Bewertungen, die Individuen in Bezug auf sich selbst, andere Personen, Objekte oder Themen aufweisen.

  • Können in ihrer Valenz (positive vs. negative Einstellungen) und Stärke bzw. Stabilität variieren

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Elaboration-Likelihood-Model (Petty & Cacioppo, 1986)

Zwei-Prozess-Modell

1. Zentrale Route der Informationsverarbeitung

  • Intensive kognitive Verarbeitung

  • Mit Vorwissen in Bezug gesetzt

  • Stärke und Qualität der Argumente ist entscheidend für Persuasion

2. Periphere Route der Informationsverarbeitung

  • Keine intensive Auseinandersetzung

  • Geringer kognitiver Aufwand

  • Periphere Hinweisreize (z.B. Glaubwürdigkeit, Auftreten, Attraktivität) haben grösseren Einfluss auf Einstellungsänderung Ø Routen können parallel ablaufen!

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Intensitä/ Einstellungsänderung & Alltagsrationalität - Elaboration-Likelihood-Model

Intensität der Elaboration (desto intensiver, desto eher zentrale Route!)

  • Abhängig von: Fähigkeit und Motivation

  • Beeinflusst Stärke und zeitliche Stabilität der resultierenden Einstellungsänderungen

Einstellungsänderungen durch zentrale Route…

  • Sind zeitlich stabiler

  • Sind robuster gegenüber Gegenargumenten

  • Haben stärkeren Einfluss auf das Verhalten

→ Alltagsrationalität wegen Overflow an Informationen:

  • oft nur wenig involviert bei der Nachrichtenrezeption → periphere Route: nicht alle verfügbaren Informationen, sondern nur leicht zugängliches/vertrautes

  • Anteil erinnerten Fakten & Einfluss auf die Meinungsbildung häufig gering.

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Emotionale Desensibilisierung (Krahé et al., 2011)

• Habituation => Prozess der emotionalen Abstumpfung gegenüber emotional erregenden (Medien-)Stimuli durch die wiederholte Konfrontation mit gleichen oder ähnlichen Reizen

• Verringerte Reaktion in Bezug auf das subjektive emotionale Erleben (z. B. verringerte Angstreaktionen) und verringerte physiologischer Erregung

→ Kann positiv und negativ sein (Abstumpfung kann auch zurückgehen!)

(Verhaltenstherapie bei Phobien vs. Abstumpfung von emotionaler Reaktion bei Gewaltdarstellung oder Pornografie!)

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Medienwirkungen auf aggressives Verhalten

  • Boho Doll Experiment von Bandura (Modelllernen: Sorge dass Kriminalität und Gewalt verursacht wird!)

  • Längsschnittstudie zur Wirkung von Gewaltdarstellung im TV (Eron Huesmann, Lefkowitz & Wader): Stärkere Präferenz für gewalthaltige TV-Inhalte = 10 Jahre später Neigung zu aggresivem Verhalten

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Begriffe Aggression und Gewalt

Aggression

  • Verhalten, das sich auf eine andere Person richtet und bewusst das Ziel verfolgt, dieser Person zu schaden

Gewalt

  • Aggressives Verhalten, das darauf zielt, einer anderen Person extremen Schaden (z. B. Verletzungen oder Tod) zuzufügen

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Erklärung - Medienwirkungen auf aggressives Verhalten

Insgesamt zeigt Forschung, dass Mediengewalt kurzfristige und langfristige Wirkungen auf die Kognitionen, Emotionen und das Verhalten haben kann:

Erklärende theoretische Ansätze • Priming • Sozial-kognitive Theorie der Massenkommunikation • Emotionalen Desensibilisierung

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General Aggression Model und kurzfristige Medienwirkung (Anderson & Bushman, 2002) - Faktoren der Person

• Integratives Modell

Faktoren der Person

• aggressive Persönlichkeit

• feindseliger Attributionsstil

• bestehende Wissensstrukturen

• Erwartungen

• Einstellungen

• moralische Werte

<p>• Integratives Modell</p><p></p><p>Faktoren der Person </p><p>• aggressive Persönlichkeit </p><p>• feindseliger Attributionsstil </p><p>• bestehende Wissensstrukturen </p><p>• Erwartungen </p><p>• Einstellungen </p><p>• moralische Werte</p>
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Faktoren der Situation (die Aggressives halten fördern) - General Aggression Model und kurzfristige Medienwirkung

Faktoren der Situation

  • Verfügbarkeit aggressionsbezogener Hinweisreize in der Umwelt

  • Auftreten von Provokation oder Frustration in der Episode

  • Faktoren wie Hitze, Kälte, Schmerz und Lärm

<p>Faktoren der Situation </p><ul><li><p>Verfügbarkeit aggressionsbezogener Hinweisreize in der Umwelt </p></li><li><p>Auftreten von Provokation oder Frustration in der Episode </p></li><li><p>Faktoren wie Hitze, Kälte, Schmerz und Lärm</p></li></ul><p></p>
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Internaler Zustand und Primingwirkung beim General Aggression Model und kurzfristige Medienwirkung

Interaktion - Person und Situationsfaktoren

Setzt sich aus Affekt, Kognitionen und Erregung zusammen und beeinflusst Bewertungs- und Entscheidungsprozesse (Kommt es zu überlegtem oder impulsivem Handeln?)

Priming-Wirkung

• Gewalthaltiges Video -> schnellere Reaktionszeiten bei der Identifikation von aggressionsbezogenen Wörtern (Bushman, 1998) Interaktion Person und Situation

• Gewaltbezogene Abbildungen & aggressive Persönlichkeitsstruktur -> stärkere Priming-Wirkung (Lindsay und Anderson, 2000)

<p>Interaktion - Person und Situationsfaktoren </p><p>Setzt sich aus Affekt, Kognitionen und Erregung zusammen und beeinflusst Bewertungs- und Entscheidungsprozesse (Kommt es zu überlegtem oder impulsivem Handeln?)</p><p></p><p>Priming-Wirkung </p><p>• Gewalthaltiges Video -&gt; schnellere Reaktionszeiten bei der Identifikation von aggressionsbezogenen Wörtern (Bushman, 1998) Interaktion Person und Situation </p><p>• Gewaltbezogene Abbildungen &amp; aggressive Persönlichkeitsstruktur -&gt; stärkere Priming-Wirkung (Lindsay und Anderson, 2000)</p>
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General Aggression Model und langfristige Medienwirkung

Wiederholte Nutzung von gewalthaltigen Medien =

→ Erwerb und Verstärkung aggressionsbezogener Wissensstrukturen

→ Zunahme aggressiver Persönlichkeitsmerkmale!

<p>Wiederholte Nutzung von gewalthaltigen Medien =</p><p>→ Erwerb und Verstärkung aggressionsbezogener Wissensstrukturen </p><p>→ Zunahme aggressiver Persönlichkeitsmerkmale!</p>
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Nenne die 5 Langzeitauswirkungen von wiederholter Nutzung von gewalthaltiger Medien nach dem General Aggression Modell

  1. Aggressive Überzeugungen und Einstellungen

  2. Aggressive Wahrnehmungsschemata

  3. Aggressive Erwartungsschemata

  4. Aggressive Verhaltensskripte

  5. Desensibilisierung für Aggression

= Steigerung aggresiver Persönlichkeitsmerkmale

→ Beeinflussen wiederum Sitations- und Personenmerkmale

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Studienlage General Aggression Model (langfristige Wirkung)

Studien sprechen insgesamt für den im GAM postulierten längerfristigen aggressionsförderlichen Effekt gewalthaltiger Medien (Anderson et al. 2010)

Aber: Datenlage ist aber in vielen Punkten widersprüchlich!

  • Wählen Personen, die bereits über eine aggressive Persönlichkeit haben, eher gewalthaltige Medienprodukte aus? = komplexes Wechselspiel!

  • Publication Bias (das Studien die Resultate bestätigen eher Publiziert werden also neutrale) wirkt mit!

  • Befundlage ist heterogen und Zusammenhänge sind gering

  • Alltagsübertragbarkeit von Experimenten?

  • Kontext von weiteren Schutz- und Risikofaktoren muss auch einbezogen werden (Gewalttätiges Elternhaus, Missbrauch?)

<p>Studien sprechen insgesamt für den im GAM postulierten längerfristigen aggressionsförderlichen Effekt gewalthaltiger Medien (Anderson et al. 2010)</p><p>Aber: Datenlage ist aber in vielen Punkten widersprüchlich!</p><ul><li><p>Wählen Personen, die bereits über eine aggressive Persönlichkeit haben, eher gewalthaltige Medienprodukte aus? = komplexes Wechselspiel!</p></li><li><p>Publication Bias (das Studien die Resultate bestätigen eher Publiziert werden also neutrale) wirkt mit!</p></li><li><p>Befundlage ist heterogen und Zusammenhänge sind gering</p></li><li><p>Alltagsübertragbarkeit von Experimenten?</p></li><li><p>Kontext von weiteren Schutz- und Risikofaktoren muss auch einbezogen werden (Gewalttätiges Elternhaus, Missbrauch?)</p></li></ul><p></p>
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Wirkung von Medien auf prosoziales Verhalten

• Führen Gewaltmedien zu einer Verringerung oder Verstärkung prosozialer Verhaltensweisen?

• Ziel, einer anderen Person/sozialen Gruppe freiwillig (ohne Beeinflussung) zu helfen oder diese zu unterstützen

Drei Wirkmechanismen, welche den möglichen negativen Effekt erklären:

  1. Emotionale Desensibilisierung und Empathieverlust

  2. Normerosion (Verschiebung der Norm, Gewalt = Legitim)

  3. Vertrauen und Kooperationsbereitschaft

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Prosoziale Spiele zeigen

.. positives Wirkungspotential kann gefördert werden durch prosoziale (Teamplay) Spiele.

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Wie manifestiert sich Emotionale Desensibilisierung (Krahé et al., 2011) Manifestiert sich im Verhalten?

• Aggressiveres Verhalten und geringere Hemmschwelle bei wiederholter Nutzung von Gewaltmedien

• Verringerte physiologische Erregung durch pornografische Inhalte und geringere Zufriedenheit mit dem eigenen Sexualleben bei wiederholter Nutzung von Pornografie

—> Effekte von Desensibilisierung bilden sich zurück, wenn man nicht mehr mit den entsprechenden Medienstimuli konfrontiert wird (Mullin & Linz, 1995)

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Fazit Lernvideo 05

• Insgesamt signifikante aber schwache Langzeitwirkung gewalthaltiger Medien

• Andere Risikofaktoren spielen auch eine Rolle und müssen in Zukunft genauer angeschaut werden

• Positives Potenzial von Medien rückt immer mehr in den Fokus