Wahrnehmung - Begriffe

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1
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Der biologische Vorgang, bei dem Reize aus der Umwelt mithilfe der Sinnesorgane aufgenommen und verarbeitet werden. Die Wahrnehmung verläuft eher unbewusst, unstrukturiert und spontan. Sie geht der geplanten und strukturierten Beobachtung als professionelle Handlung voran.

Wahrnehmung

2
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Die Wahrnehmung einer Person durch andere. In der Pflege ist der Abgleich von Fremd- und Selbstwahrnehmung zentral für die Beziehungsgestaltung und die partizipative Pflegeplanung.

Fremdwahrnehmung

3
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Die Wahrnehmung des eigenen Körpers bzw. der eigenen Person. Eine gestörte Selbstwahrnehmung kann ein wichtiges Symptom bei neurologischen oder psychischen Erkrankungen sein.

Selbstwahrnehmung

4
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Sinne, die auf chemische Reize reagieren, bei denen Moleküle an Rezeptoren andocken und einen elektrischen Impuls auslösen. Hierzu zählen das Riechen (olfaktorische Wahrnehmung) und Schmecken (gustatorische Wahrnehmung).

Chemische Sinne

5
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Sinne, die auf physikalische Reize wie Druck, Temperaturänderungen oder Licht reagieren und dadurch einen elektrischen Impuls auslösen. Hierzu gehören Sehen, Hören, Fühlen und der Gleichgewichtssinn.

Physikalische Sinne

6
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Die Aufnahme und Verarbeitung von visuellen Reizen (Licht) durch die Augen und das Gehirn, um Formen, Farben, Bewegungen und räumliche Beziehungen zu interpretieren.

Visuelle Wahrnehmung

7
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Die Aufnahme und Verarbeitung von akustischen Reizen (Schallwellen) durch die Ohren und das Gehirn, um Töne, Geräusche und Sprache zu deuten.

Auditive Wahrnehmung

8
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Die Aufnahme und Verarbeitung von Geruchsmolekülen durch die Nase. Dieser Sinn kann in der Pflege auf Infektionen, mangelnde Hygiene oder bestimmte Stoffwechselstörungen hinweisen.

Olfaktorische Wahrnehmung

9
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Die Aufnahme und Verarbeitung von chemischen Reizen im Mund, die als Geschmacksqualitäten (süß, sauer, salzig, bitter, umami) interpretiert werden. Veränderungen sind relevant für die Ernährungsberatung und die Einschätzung von Mangelernährung.

Gustatorische Wahrnehmung

10
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Umfasst das Tasten (Mechanorezeption), die Temperaturwahrnehmung (Thermorezeption) sowie andere Wahrnehmungen über Rezeptoren in der Haut, den inneren Organen, Muskeln und Gelenken.

Taktile Wahrnehmung

11
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Die Wahrnehmung der Körperorientierung und -bewegung im Raum, die durch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr gesteuert wird. Eine präzise Einschätzung ist entscheidend für die Sturzprophylaxe.

Vestibuläre Wahrnehmung

12
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Die Wahrnehmung von Schmerzen, die durch potenziell schädigende mechanische, thermische oder chemische Reize ausgelöst wird. Das Verständnis dieses Prozesses ist die Grundlage für eine professionelle Schmerzeinschätzung und -behandlung.

Nozizeption

13
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Die Wahrnehmung von Druck und Berührung über spezifische Rezeptoren in der Haut, z. B. beim Tasten.

Mechanorezeption

14
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Die Wahrnehmung von Wärme und Kälte über spezifische Rezeptoren in der Haut.

Thermorezeption

15
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Ein mehrstufiger Prozess, der sich in vier Phasen gliedert: 1. Reizaufnahme: Sinnesorgane nehmen Reize auf und wandeln sie in elektrische Nervenimpulse um. 2. Weiterleitung: Die Impulse werden an das zuständige Zentrum im Gehirn weitergeleitet. 3. Verarbeitung: Dort werden die Reize sortiert, mit gespeicherten Erinnerungsmustern verglichen und als spezifische Wahrnehmung erkannt (z. B. ein Geruch). Das Gehirn filtert dabei Unwichtiges heraus, um eine Reizüberflutung zu verhindern. 4. Reaktion/Gefühlsreaktion: Gegebenenfalls erfolgt eine Weiterleitung an andere Hirnareale (z. B. das limbische System), was zu emotionalen und körperlichen Reaktionen führt.

Wahrnehmungsprozess

16
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Ein psychologischer Prozess, bei dem bestimmte Reize zugunsten anderer ausgeblendet werden. Die Aufmerksamkeit wird bewusst oder unbewusst auf das gerichtet, was man wahrnehmen möchte oder zu wahrnehmen erwartet. Pflegefachpersonen müssen trainieren, ihre Selektion bewusst zu steuern, um nicht nur erwartete, sondern auch unerwartete Symptome zu erkennen.

Selektion (selektive Wahrnehmung)

17
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Der Vorgang, bei dem das Gehirn lückenhafte Informationen automatisch mit vertrauten Mustern ergänzt und einzelne Sinneseindrücke zu einem einheitlichen Gesamtbild organisiert und strukturiert. Dies birgt das Risiko, fehlende Informationen falsch zu ergänzen, z. B. bei der Interpretation des Verhaltens von desorientierten Patientinnen und Patienten.

Ergänzung und Strukturierung

18
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Die subjektive Auswertung von Wahrnehmungen hinsichtlich ihrer Bedeutung, um angemessen darauf reagieren zu können. Diese Auswertung basiert auf Wissen, Erfahrungen und Erwartungen.

Interpretation

19
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Ein körperlicher Einflussfaktor, bei dem die Wahrnehmung eines Reizes nachlässt, wenn man ihm über längere Zeit ausgesetzt ist (z. B. das Nicht-mehr-Riechen von Wundgeruch während der Versorgung).

Gewöhnungseffekt

20
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Ein körperlicher Einflussfaktor, bei dem zwei verschiedene, gleichzeitig auftretende Reize zu einem neuen, einzigen Eindruck verschmelzen.

Verschmelzung

21
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Die individuelle Intensität, ab der ein Reiz wahrgenommen wird. Diese Schwelle ist von Faktoren wie Alter, Tageszeit und Gesundheitszustand abhängig. Dies ist z. B. bei der Beurteilung der Sensibilität von Diabetikern relevant.

Wahrnehmungsschwelle

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Einflüsse, die durch den Entwicklungsstand einer Person bedingt sind. Bei Kindern sind beispielsweise Sinnesorgane teils noch nicht vollständig entwickelt und es fehlen Erfahrungen zur Interpretation von Sinneseindrücken.

Entwicklungsbedingte Einflussfaktoren

23
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Ein Überbegriff für Einflüsse auf die Wahrnehmung, die aus der Psyche stammen. Dazu gehören unter anderem Interessen, Motivation, Emotionen, Bedürfnisse, Erfahrungen, Werte und die soziale Situation.

Psychische Einflussfaktoren

24
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Ein Überbegriff für Einflüsse auf die Wahrnehmung, die aus physiologischen Gegebenheiten resultieren. Dazu gehören unter anderem der Gewöhnungseffekt, die Verschmelzung von Reizen, die Wahrnehmungsschwelle oder entwicklungsbedingte Gegebenheiten.

Körperliche Einflussfaktoren

25
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Psychische Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, bei denen eine Diskrepanz zwischen der realen Reizquelle und der subjektiven Wahrnehmung besteht, wie zum Beispiel bei optischen Täuschungen.

Wahrnehmungstäuschungen

26
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Systematische Verzerrungen der Wirklichkeit, die aus der subjektiven Natur der psychologischen Wahrnehmungsprozesse (Selektion, Ergänzung, Interpretation) resultieren und das Wahrgenommene verfälschen.

Wahrnehmungsfehler (Wahrnehmungsverzerrungen)

27
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Ein Beobachter lässt sich durch das Urteil, die Erwartungshaltung oder die Einschätzung anderer in seiner Beobachtung und Beurteilung beeinflussen.

Rosenthal-Effekt

28
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Eine Eigenschaft, die dem Wahrnehmenden besonders wichtig ist (z. B. Ordentlichkeit, Freundlichkeit), überstrahlt alle anderen Eigenschaften einer Person und beeinflusst so das Gesamturteil unverhältnismäßig stark.

Halo- oder Hofeffekt

29
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Vorab erhaltene Informationen (z. B. aus einer Übergabe: „der Patient ist schwierig“ oder einem Befund) beeinflussen die eigene Wahrnehmung und Interpretation einer Situation, bevor man sich ein eigenes Bild gemacht hat.

Vorabinformation

30
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Ein Merkmal wird im direkten Vergleich zu etwas anderem überdeutlich oder verzerrt wahrgenommen (z. B. erscheint eine normalgewichtige Person neben einer sehr dünnen Person dicker).

Kontrastfehler

31
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Mitgliedern bestimmter Gruppen werden pauschal und undifferenziert bestimmte Eigenschaften zugeordnet, was die individuelle Wahrnehmung trübt (z. B. „Alle Drogenabhängigen sind ungepflegt“).

Stereotype

32
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Die Beobachtung und Beurteilung einer Person wird durch persönliche Sympathie unbewusst positiv verfälscht, was eine sachliche Kritik erschwert.

Milde-Effekt

33
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Die Tendenz, bei mangelndem Fachwissen oder Unsicherheit im mittleren oder neutralen Bereich zu bewerten, um mögliche Fehler zu vermeiden.

Effekt der zentralen Tendenz

34
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Die zielgerichtete und systematische Wahrnehmung eines Vorgangs oder Umstands, um diesen genau zu erfassen. Im Gegensatz zur unbewussten Wahrnehmung ist sie eine bewusste, geplante und strukturierte Handlung.

Beobachtung

35
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Die gezielte Wahrnehmung des körperlichen und psychischen Zustands eines Patienten sowie seines Umfelds auf Grundlage von Fachwissen. Sie findet bei allen pflegerischen Prozessen statt und ist eine Domäne der Pflege, da keine andere Berufsgruppe so viel Zeit mit den Patientinnen und Patienten verbringt.

Patientenbeobachtung

36
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Die Gewinnung von Informationen oder Daten, die messbar, überprüfbar und vergleichbar sind (z. B. Gewicht, Blutdruck, Urinausscheidung).

Objektive Beobachtung

37
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Die Gewinnung von Informationen aus dem Blickwinkel des Beobachters (z. B. Einschätzung der Gefühlslage, Schmerzsituation, Übelkeit). Sie kann durch den gezielten Einsatz von Skalen objektiviert werden.

Subjektive Beobachtung

38
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Instrumente, die Beobachtungskriterien durch definierte physikalische Einheiten objektivieren. Beispiele sind Thermometer, Blutdruckmessgerät, Waage, Stoppuhr oder Maßband.

Messinstrumente

39
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Instrumente, die definierte Normwerte nutzen, um gemessene oder beobachtete Werte zu interpretieren und einzuschätzen. Sie dienen der Klassifizierung von Zuständen oder der Einschätzung von Risiken. Beispiele sind die Glasgow-Koma-Skala (GCS) zur Beurteilung der Bewusstseinslage, das Mini Nutritional Assessment (MNA) zur Erfassung von Mangelernährung oder Schmerzskalen (z. B. Visuelle Analogskala, Numerische Ratingskala).

Skalen / Assessmentinstrumente

40
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Vorgefertigte Formulare für spezielle Beobachtungskriterien, die die Dokumentation erleichtern und sicherstellen, dass relevante Aspekte systematisch erfasst und nicht übersehen werden. Beispiele sind Vitalwerteprotokolle, Schmerzprotokolle oder Wunddokumentationsbögen.

Beobachtungsbögen

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Ein pflegerisches Modell von Monika Krohwinkel, das als Rahmenkonzept für eine systematische und ganzheitliche Beobachtung dient. Es strukturiert die Datenerhebung und wird häufig bei Aufnahmegesprächen zur Erstellung der Pflegeanamnese genutzt.

ABEDL (Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des täglichen Lebens)

42
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Ein pflegerisches Modell von Liliane Juchli, das ebenfalls als Orientierungsrahmen für eine systematische und ganzheitliche Patientenbeobachtung dient, insbesondere im Kontext von Aufnahmegesprächen und der Pflegeanamnese.

ATL (Aktivitäten des täglichen Lebens)

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Ein Zustand, bei dem durch eine gegenwärtige oder bevorstehende Gefahr die Entwicklung eines Kindes gefährdet ist und eine körperliche, geistige oder seelische Schädigung erwartet wird (§ 1666 I BGB).

Kindeswohlgefährdung

44
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Bezeichnet alle Formen von physischen Misshandlungen eines Kindes, die zu Verletzungen oder Schäden führen.

Körperliche Misshandlung

45
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Eine Form der Misshandlung, die sich auf vielfältige Weise äußern kann, z. B. durch Ablehnung, Liebesentzug, Ausnutzen, Terrorisieren oder Isolieren des Kindes, und die zu schweren seelischen Schäden führt.

Emotionale Misshandlung

46
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Die Unterlassung fürsorglichen Handelns, wodurch die körperlichen (z. B. Hunger, Durst, angemessene Kleidung) oder emotionalen Bedürfnisse (z. B. nach Liebe, Geborgenheit) des Kindes nicht befriedigt werden. Auch eine unzureichende medizinische Versorgung oder Beaufsichtigung fällt darunter.

Vernachlässigung

47
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Umfasst alle sexuellen Handlungen, die einem Kind aufgedrängt oder aufgezwungen werden, und stellt einen schweren Eingriff in dessen körperliche und seelische Integrität dar.

Sexualisierte Gewalt