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Karcher (2023)
(0) Karcher 2023; Kritik der kybernetischen Regierung im Bildungswesen (Kap. 5) → Analyse der Neuen Steuerung als kybernetische Regierungsrationalität im Bildungswesen; zentrale Elemente: evidenzbasierte Politik, standards-based reforms, Monitoring, Daten- und Indikatorensteuerung; Ziel: Komplexitätsreduktion + „knowledge for action“ → Erweiterung politischer Handlungsfähigkeit; Wissenschaft nicht nur Beratung, sondern Teil der Steuerung; Kernspannung: pädagogische Offenheit / Bildung ↔ technische Steuerung, Berechenbarkeit, Kontrolle.
Neue Steuerung = wissensbasiert / indikatorengestützt / datenbasiert; Steuerung über Information; Empirie erzeugt Steuerungswissen; Governance durch Daten-Feedback → System soll sich selbst regulieren.
(A) Frühere Steuerung: Input-Steuerung / Detailsteuerung → Ressourcen, Gesetze, Bürokratie, Curricula // Neue Steuerung: Output-Steuerung → Ziele / Standards festlegen; Mittelwahl den Institutionen überlassen; Kontrolle über Messung, Vergleich, Evaluation, Feedback.
Formal Autonomie der Schule, faktisch Steuerung durch Datenrückmeldung; Sollwert ↔ Istwert; Anpassung über Feedback.
ABER Outputsteuerung paradoxerweise weiterhin Inputsteuerung über Feedback-Information (Selbstanpassung).
(B) Historischer Hintergrund: Bildungsplanung → Krise der Steuerung
1960er/70er Bildungsplanung: ökonomisches Wachstum + soziale Gerechtigkeit + Demokratisierung // Kontext: (a) Pichts „Bildungskatastrophe“, (b) Lehrermangel 1970er, (c) Ölkrise 1973, (d) Bildungsexpansion.
Institution: Deutscher Bildungsrat → Reformmodelle (teilweise „utopisch“): frühe Schulpflicht, längere Bildung, Weiterbildung → Scheitern: (a) normative Wissenschaft / politische Konflikte, (b) Föderalismus, (c) Komplexität moderner Gesellschaft.
Resultat: „Krise der Steuerung“ → Zweifel an staatlicher Planbarkeit sozialer Systeme; Picht: Bildungspolitik gescheitert // Parallel: Technokratiedebatte → Expertenherrschaft vs Demokratie.
(C) Paradigmenwechsel: Planung → Steuerung
Reaktion auf Komplexitätsproblem: Top-down-Planung → informationsbasierte Regulation MIT neuen Instrumenten: empirische Bildungsforschung, Indikatoren, Monitoring, Evaluation.
Ziel: Handlungsfähigkeit herstellen, Komplexität reduzieren, politisches Entscheiden rationalisieren.
(D) Internationale Leistungsvergleiche (PISA; (a) international vergleichbare Leistungsdaten, (b) Legitimation für Reformen, (c) Aufbau datenbasierter Steuerungsinfrastruktur) → politischer Reformdruck → Folge: dauerhafte Messung / Vergleich / Evaluation des Bildungssystems.
(E) Monitoring: Sichtbarkeitsregime; Bildungsmonitoring → systematische Datenerhebung über Outputs des Bildungssystems; Übersetzung komplexer pädagogischer Realität in Daten / Indikatoren / Statistiken.
Funktion: Komplexitätsreduktion + Transparenz + Vergleichbarkeit (Versprechen: Ursachenanalyse + evidenzbasierte Intervention)→ Grundlage politischer Steuerung, WOBEI Monitoring = technisch präfigurierte Sichtbarkeit → ausgewählte Aspekte werden messbar / sichtbar, andere verschwinden.
(F) Daten – Wissen – Indikatoren
Steuerungsmedium: Daten // Diskurslogik: Information → Rohmaterial / „Rohstoff“ der Wirklichkeit // Wissen → verarbeitete Information // Indikatoren → Bündel ausgewählter Daten für politische Steuerung.
ABER Problem: Selektionskriterien unklar → Entscheidung, welche Daten „relevant“ sind; Indikatoren erzeugen Bild technischer Objektivität → scheinbar faktenbasierte Steuerung ohne Interpretation (z. B. Ziel: Abschlüsse vs Kompetenzen).
(G) Feedback / Regelkreis: Grundmodell: kybernetischer Regelkreis; Mechanismus: Sollwert ↔ Istwert → Feedback → Gegensteuerung (Steuerung über Informationsrückmeldung statt direkter Intervention)
Versprochene Vorteile: automatische Anpassung, Vergleichbarkeit, algorithmische Steuerung → scheinbar frei von politischer Interpretation / Unterbrechung; Feedback etabliert Selbststeuerung des Systems.
(H) Autonomie – Verantwortung – Accountability; Neue Steuerung koppelt Autonomie + Kontrolle // Schulen erhalten Handlungsspielräume → gleichzeitig Monitoring, Ranking, Evaluation; Autonomie = Voraussetzung für Zurechenbarkeit von Erfolg/Misserfolg → Accountability → Folge: Wettbewerb zwischen Schulen + permanenter Optimierungsdruck.
(I) Verknüpfung aller Systemebenen; Daten verbinden Makro-, Meso-, Mikroebene: (a) Bildungssystem, (b) Schule / Organisation, (c) Unterricht / Lehrkraft / Schüler durch gemeinsame Sprache: Standards + Indikatoren + Daten → Resultat: Systemmodellierung des Bildungssystems → kontinuierlicher Mess-, Vergleichs-, Anpassungskreislauf.
Tree (Karcher (2023))

Heitger (1986)
(0) Heitger 1986; Die Abrichtung des Menschen – Von der Gefahr gegenwärtiger Pädagogik, ihr Subjekt zu verlieren → Kritik moderner Erziehungswissenschaft als wissenschaftlich-technische Steuerungsdisziplin; zentrale These: moderne Pädagogik ersetzt Bildung des Subjekts durch Verhaltenssteuerung und funktionale Qualifikation; Orientierung an empirisch-sozialwissenschaftlichen Methoden + Effizienzlogik; Mensch zunehmend Objekt wissenschaftlicher Intervention; Ziel: planbare gesellschaftliche Funktionstüchtigkeit; Kernspannung: Bildung des autonomen Subjekts ↔ technische Steuerung / Verhaltenskontrolle / gesellschaftliche Funktionalisierung.
Moderne Erziehungswissenschaft → Orientierung an Effektivität, Steuerbarkeit, Operationalisierung; Lernen als Informationsspeicherung, Erziehung als Verhaltenserzeugung; Pädagogik droht zum Instrument politischer, ökonomischer und administrativer Zwecke zu werden.
(A) Grundproblem der Pädagogik: Einfluss ↔ Autonomie // Pädagogisches Grundparadox → Erziehung verlangt Einfluss auf den Lernenden, darf aber dessen Autonomie als Subjekt nicht zerstören.
Anthropologische Voraussetzung von Bildung: Mensch als Person mit Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung, ABER Moderne Pädagogik verschiebt Fokus: Zweck- und Wahrheitsfragen treten zurück → Interesse richtet sich auf Effektivität pädagogischer Methoden → Konsequenz: Legitimation von Bildung verschiebt sich von normativen Zielen ↔ technischer Wirksamkeit.
(B) „Realistische Wende“ der Erziehungswissenschaft; Emanzipation von Philosophie und Theologie → Anpassung an empirische Sozial- und Naturwissenschaften // Zwei zentrale Motive: (a) technologisch-ökonomisches Interesse → Bildung produziert funktionale Individuen für gesellschaftliche Systeme; (b) wissenschaftlicher Anspruch → Quantifizierung, Messbarkeit, Kausalmodelle → Ziel: Gesetzmäßigkeiten zwischen pädagogischem Einfluss ↔ Verhaltensergebnis identifizieren → Vorhersage und Steuerung pädagogischer Prozesse.
(C) Behavioristische Forschungslogik; Forschungsstrategie: Eliminierung des subjektiven Faktors → Experimente (anfangs mit Tieren), um kausale Verhaltensgesetze zu isolieren // Grundannahme: Gleichartige Ursachen → gleiche Wirkungen, WOBEI Individuelle Besonderheiten erscheinen als Störfaktor für Vorhersagbarkeit und Steuerbarkeit → Ziel: Verhaltenskontrolle durch gezielte Umweltgestaltung.
(D) Skinner und die Abschaffung des autonomen Subjekts; Behaviorismus; Werk Beyond Freedom and Dignity mit These: autonomes Subjekt = mythische Erklärung für unerklärtes Verhalten + Wissenschaftlicher Fortschritt → ersetzt innere Autonomie durch Umweltkausalität // Mensch = komplexes System / Maschine, Verhalten durch Umweltbedingungen erklärbar und steuerbar, WOBEI Autonomie erscheint als Hindernis für wissenschaftliche Steuerung, da nur kontrollierbares Verhalten gesellschaftliche Probleme lösbar machen soll (z. B. Gewalt, Ressourcenverteilung, Stabilität)
Für Skinner: notwendige Konsequenz wissenschaftlichen Fortschritts VS. Für Heitger: systematische Eliminierung des Subjekts und Auflösung von Freiheit, Verantwortung und moralischer Urteilskraft.
(E) Transformation pädagogischer Begriffe; Sprachliche Indikatoren der Entwicklung: (a) Erziehung → Sozialisation, (b) Haltung → Verhalten, (c) Tugend → Qualifikation, (d) Persönlichkeit → Kompetenz
Bildungsideal verschiebt sich: (1) Traditionell → Wahrheit, Charakterbildung, moralische Orientierung, (2) Modern → funktionale Leistungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Effizienz.
(F) Veränderung von Lernen und Unterricht; Lernen = Speichern und Abrufen verwertbarer Informationen // Unterrichten = strategische Organisation effizienter Informationsübertragung // Erziehung = Produktion gewünschten Verhaltens, WOBEI Individuelle Eigenständigkeit wird problematisch, weil sie Standardisierung, Flexibilität und planbaren Einsatz von Qualifikationen behindert.
(G) Illusion der Wertfreiheit; Wissenschaft kümmert sich nur um Mittel, Zwecke werden von Politik oder Gesellschaft vorgegeben // Heitgers Kritik: Reduktion auf Mittel schafft verdeckte Normativität → Dominante Normen werden: (1) Flexibilität, (2) Anpassung, (3) Opportunismus, (4) Standpunktlosigkeit.
Wahrheit wird ersetzt durch funktionalen Erfolg → Wissen gilt, solange es operativ funktioniert.
(H) Bürokratisierung und technokratische Steuerung; Vorstellung wissenschaftlich steuerbarer Bildung → Expansion administrativer Kontrolle // Lehrerrolle verändert sich: pädagogische Persönlichkeit / Ethos → Anwendung standardisierter Programme und Methoden.
Folgen: (1) zunehmende Regulierung, (2) Standardisierung von Unterricht, (3) Integration von Schülern und Lehrern als Träger gesellschaftlicher Funktionen.
(I) Politische Konsequenzen; Demokratie benötigt Bürger mit kritischem Urteilsvermögen, moralischer Verantwortung und autonomem Denken, ABER Verhaltenssteuernde Pädagogik erzeugt dagegen manipulierbare Individuen (Techniken der Steuerung können zu Instrumenten politischer Macht werden / Bezug: Orwell, 1984 → Macht wird Selbstzweck; Mittel werden zum Zweck)
(J) Pädagogische Alternative; Heitgers Gegenmodell: dialogische, humanistische Pädagogik als legitimer Zwang nur zur Sicherung der Bedingungen freier Bildung.
Zentrale Ziele: (a) autonomes Urteil, (b) moralische Verantwortung, (c) Wahrheitsorientierung, (d) dialogische Kommunikation // Traditionslinien: Sokratische Philosophie; Pestalozzis Bildungsidee.
→ Kernforderung: Wiederherstellung des Menschen als selbstbestimmendes Subjekt → Bildung als Entfaltung des Menschseins im Menschen.
Tree (Heitger (1986))

Anhalt (2025)
(0) Anhalt 2025; Bildung in Gemeinschaft → Analyse des Zusammenhangs von Bildung und Demokratie; Kernproblem: Bildung im Alleingang (individualisierte Kompetenzorientierung) ↔ Bildung in Gemeinschaft (demokratische Praxis); zentrale These: empirische Bildungsforschung verschiebt Bildung von demokratischer Bürgerbildung zu individueller Leistungsoptimierung → Gefahr für demokratische Stabilität.
Historisch: Bildung als kultureller Mechanismus demokratischen Zusammenlebens → Bürger müssen Gleichheit anerkennen + gemeinsam urteilen können. VS. Heute: Fokus auf Kompetenzen / Leistung / Employability → Individualisierung + Ökonomisierung von Bildung → demokratische Dimension tritt zurück.
(A) Idee der Demokratie: Büchi 1918: Demokratie = Gleichheit unter Gleichen + gemeinsame Verantwortung für Gesellschaft, WOBEI Gleichheit ≠ empirische Gleichheit (Menschen unterscheiden sich) → gemeint: politisch-rechtliche Gleichheit.
Philosophische Grundlage: Menschen erkennen sich gegenseitig als Subjekte mit eigenen Perspektiven // Fichte: „Nötigung der Präsenz“ → Begegnung zwingt zur Anerkennung anderer Perspektiven → demokratische Verständigung (entsteht in Nahräumen / lokalen sozialen Räumen (Familie, Schule, Gemeinschaft usw.)) + benötigt freiwillige Mitarbeit der Bürger (nicht Zwang wie in Diktaturen / Oligarchien) → Voraussetzung: Bildung + Selbstunterweisung → Dauerproblem moderner Gesellschaften.
(B) „Dschungel der Geschichte“ – Komplexität: Camus: moderne Welt = „Dschungel der Geschichte“ → menschliches Zusammenleben grundsätzlich komplex / unsicher, WOBEI Komplexität in drei Dimensionen: (a) Perspektivität / Situation → viele Perspektiven (Perspektivität); keine vollständige Übersicht möglich, (b) Dynamik / Sachverhalte → soziale Phänomene verändern sich ständig, (c) Methodenvielfalt / Methodik → verschiedene wissenschaftliche Methoden → unterschiedliche Weltbeschreibungen // → Resultat: Regellosigkeit → keine sichere Technik zur Lösung gesellschaftlicher Probleme → Menschen müssen ständig Orientierung suchen → zeigt Imperfektion menschlichen Wissens → Aufgabe von Bildung: Umgang mit Unsicherheit + Perspektivenvielfalt.
(C) Begriff der Bildung = historischer Lösungsversuch für komplexe Welt → Menschen sollen Herausforderungen aus eigener Kraft gemeinsam bewältigen (Anthropologische Grundlage: Vernunftbegabung (Kant) → Menschen können denken / reflektieren / begründen (im Unterschied zu instinktgeleitetem Tierverhalten) → ermöglicht Kommunikationsgemeinschaft + demokratische Praxis // Zwei Dimensionen: (a) individuell → Entwicklung von Urteilskraft, Freiheit, öffentlichem Vernunftgebrauch, (b) sozial → Orientierung an gemeinsamen Normen des Zusammenlebens.
Demokratie benötigt kritische Masse vernünftiger Bürger → Bereitschaft zur Selbstverpflichtung auf gemeinsame Regeln, ABER diese Haltung kann nicht technisch produziert, sondern nur durch Praxis / Erziehung / Gemeinschaft kultiviert werden // Historisch: Bildung ↔ Demokratie eng verbunden.
(D) Bildung im Alleingang: Dominanz der empirischen Bildungsforschung → Fokus auf Kompetenzen / Qualifikationen / messbare Leistung (Theoretische Orientierung: sozialtechnologische Modelle (Behaviorismus, Kybernetik)) // Mechanismen: Standards / Kompetenzmodelle; Selbstregulation / Selbstoptimierung; standardisierte Tests (PISA, TIMSS, IGLU) // Einheit der Analyse: Individuum → Leistung im Wettbewerb + Ökonomische Logik: (a) Kompetenz = Employability / berufliche Leistungsfähigkeit; (b) Individuum = „Unternehmer seiner selbst”, (c) Ziel: beruflicher Erfolg / Karriereplätze → Systemeffekte: (a) Bildung = Wettbewerbssystem („winner takes all“), (b) notwendige Bildungsverlierer, (c) menschlicher Wert = ökonomische Nützlichkeit (+Individuen sollen Aufgaben erfüllen, nicht System reflektieren → Kritik könnte Programme / Steuerung stören)
→ Zentrales Problem: keine Theorie, wie ökonomisch trainierte Individuen später moralisch-demokratische Bürger werden; Moralität entsteht nicht kurzfristig → sondern durch Übung gemeinschaftlicher Lebensformen.
(E) Bildung in Gemeinschaft: Bildungstheorie (vs. empirische Bildungsforschung) betont soziale Natur von Bildungsprozessen; Bildung entsteht nicht nur individuell, sondern zwischen Perspektiven (vgl. Benner / Stępkowski (Platon Höhlengleichnis): Bildungsprozesse = interindividuelle Verständigung)
Empirische Bildungsforschung (Strukturen / Daten) ↔ Bildungstheorie (normative Grundlagen des Zusammenlebens) = komplementär
Camus / Arendt: Menschen leben weiterhin im „Dschungel der Geschichte“ → Fortschritt + Gewalt / Ungerechtigkeit gleichzeitig, WOBEI zentrale Gefahr: Gedankenlosigkeit (Arendt) → Unfähigkeit, vom Standpunkt anderer zu denken → Bildung in Gemeinschaft soll diese Fähigkeit kultivieren: Perspektivübernahme, Anerkennung von Gleichheit, gemeinsame Verantwortung. → Voraussetzung für demokratisches Zusammenleben und Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen.
Tree (Anhalt (2025))
