Teil 2 Kultur&Gesellschaft

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130 Terms

1
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KULTUR&GESCHLECHT BIS 1850

Bedeutung von Begriffen

  1. Nicht festgelegt

  2. Erhält Sinn im Kontext und Laufe der Zeit

  3. Immer im Wandel → abhängig von Perspektive, Theorie und Zeit

2
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Kulturbegriff

  1. Entwicklung von der Bedeutung der Landwirtschaftspflege

  2. Definition: Kultur als ganzheitliche Lebensweise

3
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Geschichte

  1. In der Vergangenheit → historische Ereignisse → ihre Darstellung durch Geschichtsschreibung (erfolgt aus einer bestimmten Perspektive, ist zeitlich&räumlich geprägt)

  2. Verbindung Vergangenheit | Gegenwart | Zukunft → durch Geschichtsphilosophie

4
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Gegenwärtige Kulturgeschichte

  1. untersucht die Vergangenheit aus kulturgeschichtlicher Perspektive

  2. Themenfelder wie: Politik, Wirtschaft, Recht, Geschlechterordnung

5
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Geschichtswissenschaft

  1. Die Interessen, Fragen, Methoden, Kategorien und Interpretationen werden von der Theorie und Perspektive bestimmt

6
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Kulturgeschichte

  1. Historien von Herodot (antiken Schriften) → Menschheitsgeschichte, keine Fortschrittsgeschichte

  2. Lateinischer Mittelalter → Geschichte im Kontext der Heilsgeschichte (Wiederkehr Jesus)

  3. Frühe Neuzeit Humanismus 16. Jh. → Ad Fontes (Motto = Zu den Quellen zurück)

  4. Geschichtsschreibung Teil der Literatur, erzählende Geschichte

  5. Aufklärung 18. Jh. → Bruch von heilsgeschichtlichen Erzählungen, Interesse an außereuropäischen Kulturen

  6. Paradigma der Fortschrittsgeschichte (besagt, dass sich die Gesellschaft immer zum Besseren entwickelt)

7
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Voltaire

  1. Definierte die Geschichte als Erzählung von wahren Fakten im Gegensatz zu Fabel

  2. Betonte die Bedeutung von Topografie und Sittenbeschreibungen anderer Länder in der Geschichtsschreibung

8
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Christoph Adelung

  1. Kulturstufenmodell

  2. Definierte Kultur als die Veredelung oder Verfeinerung der geistigen und körperlichen Kräfte eines Volkes

  3. Fortschrittsnarativ → beschreibt die Entwicklungslinie von barbarisch bis zivilisiert

9
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Kultur&Geschlecht 18. Jh.

  1. Umbau der europäischen Gesellschaften von ständisch → patriarchalisch-bürgerlich Geschlechtergesellschaft

  2. Naturrecht ↑ Religion ↓

  3. Rousseau Aufklärungsphilosophen beeinflusste das neuzeitliches Naturrecht, betonte auch die Rolle der Frauen in der Erziehung

10
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Marie-Olympe-de-Gouges

  1. Französische Frauenrechtlerin

  2. Schriftstellerin

  3. Revolutionärin

  4. Verfasste politische Texte (Broschüren, Flugbllätter, Plakate)

11
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Marie-Olympe-de-Gouges: Remarque patriotiques

Forderung: soziale Maßnahmen für die ärmsten Teile der Bevölkerung

Finanzierung: Einführung einer Luxus- und Glücksspielsteuer

Bildung für alle Bevölkerungsschichten, Männer wie Frauen

Trennung von Kirche und Staat

Strafrechtsreform

Abschaffung der Todesstrafe

Freie Wahlen

Verfassung

Abschaffung der Sklaverei

Gleichberechtigung der Frauen

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Marie-Olympe-de-Gouges: Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte

  1. 1789 von der französischen Nationalversammlung verabschiedet

  2. machte Olympe bekannt

13
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Marie-Olympe-de-Gouges: Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin

  1. 1791 forderte die Gleichstellung der Geschlechter

  2. betonte die natürlichen und unverjährbaren Rechte von Frauen

  3. kritisierte den Verlauf der Revolution

  4. verhaftet, angeklagt und schließlich hingerichtet

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Mary Wollstonecraft

  1. veröffentlichte Werke zur Bildung von Mädchen und zur Verteidigung der Rechten der Frauen

  2. Kritik an die Ideologie des Weiblichen und die Unterdrückung von Frauen

15
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Traditionelle Geschlechterordnung

  1. Laut Enzyklopädie Brockhaus 1815

  2. Männer als schaffend, kraftvoll und im öffentlichen Leben aktiv betrachtet

  3. Frauen als schön, passiv und im häuslichen Bereich aktiv angesehen

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18.&19. Jh. Rechtliche Veränderungen

  1. fügte zur Umgestaltung der Rolle der Frau von Hausmutter Hausfrau

  2. ABGB 1786 → Gütertrennung, Vermögensverwaltung

  3. ABGB 1811 → Ausbau der bürgerlich-patriarchalen Geschlechterlogik

17
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19. Jh. Patriarchale Geschlechterlogik

  1. Nationalökonomische Diskurse → Männer Lohn = Lebensunterhalt einer Familie, Frauen Lohn = alleinstehend / Zusatzverdienst

  2. Sozialpolitische Diskurse → Ärzte: biologische Differenzen zw. Mann und Frau

  3. Praktiken der Arbeitgeberinnen → Redefinition von Arbeitsschritten um diese weiblicher zu konnotieren: Büroarbeit (Niedriger Lohn: statt unqualifizierter Männer gut ausgebildete Frauen zu rekrutieren)

  4. Professionalisierung vieler Berufsfelder und Bildungspolitik → berechtigt nur Absolventen höherer Bildungseinrichtung

18
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Revolution 1848

  1. brachte Frauen in politische Bewegungen

  2. demonstrierten gegen die Lohnpolitik

  3. ökonomische Absicherung von Berufsgruppen wie: Wäscherinnen, Blumenmacherinnen, Kupferstichmalerinnen, Handschuhnäherinnen

  4. aber nach der Niederschlagung → Aktivistinnen verhaftet oder verloren ihre Rechte

19
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Karolin von Perin

  1. Initiatorin des Frauenvereins Wiener demokratischer Frauenverein

  2. Aufgabe: politische, soziale und humane

  3. Nach der Niederschlagung Karolin und Gefährte verhaftet, er wurde hingerichtet, sie durfte nach München emigrieren, kam 1849 zurück und starb verarmt

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KULTURBEGRIFF 19. JH. (2 HÄLFTE)

Jacob Burckhardt → Begriff der Hochkultur, definierte Kultur als Vorliebe der sozialen Eliten (Kunstgeschichte)

Differenz zw. Staat, Wirtschaft, Religion und Kultur

Edward B. Tylor → erweiterte den Kulturbegriff auf Wissens- und Glaubenssysteme, Kunst, Moral, Recht = alles was den Menschen zum Mitglied der Gesellschaft macht

Abgrenzung primitive Kulturen → gehört zu Anthropologie / Ethnologie

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Karl Lamprecht

Geschichtswissenschaft

  1. Individualistische oder Politikgeschichte → sieht den Menschen als Persönlichkeit: Individualpsychologie; rekonstruiert den Einzelwillen (große Männer)

  2. Kollektivistische und Kulturgeschichte → sieht den Menschen als Gattungswesen: Sozialpsychologie; rekonstruiert den Gesamtwillen eines „Volkes“, einer „Rasse“ (Kultur)

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Max Weber

  1. Sozialwissenschaft = Kulturwissenschaft → Einbeziehung von politischen, religiösen und klimatischen Kontexten

  2. Sozialwissenschaft als Wirklichkeitswissenschaft soll auf empirische Beobachtungen basieren und nicht nur auf Gedanken beruhen

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KULTUR&GESCHLECHT

  1. 19. Jh. 2 Hälfte kämpfte die Frauenbewegung für die Öffnung der höheren Bildungseinrichtungen für Frauen → Habsburgermonarchie ab 1897

  2. Joseph Späth betonte dass Frauen die Fähigkeit zur wissenschaftlichen Ausbildung nicht generell abgesprochen werden könne und verwies auf erfolgreiche weibliche Absolventinnen

  3. Theodor Bischoff argumentierte hingegen für die geistige Inferiorität von Frauen aufgrund von Gehirnunterschieden

  4. Widerstand gegen das Studium von Frauen → man befürchtete Gefahren für den wissenschaftlichen Ernst und eine Veränderung der Geschlechterordnung

24
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Ludwig Kleinwächter

Gynäkologe behauptete dass die Menstruation die Psyche der Frauen beeinflusse und zu einer Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten führe

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Paul Julius Möbius

Arzt veröffentlichte 1900 das Pamphlet Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes, in dem er behauptete, dass Frauen aufgrund übermäßiger geistiger Aktivität krank und ungeeignet für Geburt und Mutterschaft seien

26
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Gegenstimmen Rosa Mayreder

warnte vor einer Einschränkung der Frauenrolle in der Zukunft und forderte, dass Frauen selbst bestimmen sollten, wer sie sein möchten

27
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Ende 19. Jh. Frauenstimmrechtsbewegung in Österreich

  1. entwickelte sich insbesondere nachdem steuerzahlende Frauen in NÖ 1889 ihr Wahlrecht verloren hatten

  2. Bürgerlich-liberale Frauen setzten auf Petitionen

28
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Die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SDAPÖ)

  1. Aufnehmen 1892 des Frauenwahlrechts im Parteiprogramm

  2. zuerst das allgemeine Wahlrecht für Männer erkämpft werden müsse

  3. Verein Sozialdemokratische Frauen und Mädchen 1902 gegründet, um die Rechte von Frauen innerhalb der Partei zu fördern

29
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Gewerkschaftsbewegung

  1. Frauen für Mutterschaft und Hausarbeit bestimmt

  2. nicht als Gewerkschaftlerinnen geeignet seien → viele Gewerkschaften Frauen ablehnten

  3. Arbeit von Frauen wurde häufig unterschätzt und fand wenig Beachtung → Frauenberufe gedrängt / Frauengewerkschaften organisiert

30
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Frauentag 19. März 1911

  1. Strategie, als Frauen in verschiedenen Ländern für ihre Rechte demonstrierten

  2. 1911 Österreich beteiligten sich sowohl sozialistische als auch bürgerliche Frauen an den Demonstrationen

  3. Verteuerung von Lebensmittel;

    Arbeitszeitverkürzung;

    freie Samstagnachmittage;

    Witwen und Waisenversorgung;

    Wöchnerinnenschutz;

    gegen Kinderarbeit;

    die Abschaffung des §30 des Vereinsgesetzes, der Frauen die Mitgliedschaft in politischen Parteien verbot

  4. Einige der Forderungen wurden nach dem Ersten Weltkrieg – je nach Nachfolgestaat der zerfallenen Reiche – umgesetzt.

31
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Manifest der 93

  1. 1914 verfasst von Ludwig Fulda

  2. unterzeichnet von 93 deutschen Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern

  3. Das Manifest protestierte gegen die Lügen und Verleumdungen, mit denen die Feinde Deutschlands im Krieg versuchten, das Land in Verruf zu bringen

  4. Es betonte die angebliche Verteidigung der europäischen Zivilisation und lehnte Anschuldigungen gegen Deutschland ab.]

32
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REPRÄSENTATION | GENDER | ERFAHRUNG

Stuart Hall

  1. britischer Soziologe

  2. Mitbegründer Cultural Studies + New Left Review

  3. Forschungsschwerpunkte: Kultur, Macht, Identität, Ideologie, Rassismus, Repräsentation, Populismus, Hegemonie, Globalisierung, Differenz, Ethnizität

33
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Stuart Hall: Repräsentation

  1. In NLR betonte er → Kulturphänomene wie Kino und Jugendkultur direkte Relevanz für die sozialen Unzufriedenheiten und Bedürfnisse der Menschen innerhalb des kapitalistischen Systems haben

  2. Die Bezeichnung von Dingen, Tieren beruht auf sozialer Übereinkunft

  3. Beispiel: Schafe könnten auch Hunde genannt werden, trees auch seerts

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Stuart Hall: Representation. Cultural Representations and Signifying Practices

Buch von Stuart Hall

  1. Wie entstehen geteilte Vorstellungen? → Voraussetzung: gemeinsame Sprache (Zeichen und Symbole) = Laute, Wörter, Bilder, Musiknoten, Objekte

  2. betonte die Bedeutung der Sprache und anderer Zeichen und Symbole bei der Produktion von Bedeutung: Sprache fungiert als Repräsentation von Gedanken, Ideen, Gefühlen

  3. wies darauf hin, dass Sprache nicht geschlechtsneutral ist und Geschlecht erzeugt

  4. Beispiel: Das linguistische Zeichen „Physiker“ (m) evoziert(e) ? das

    Vorstellungsbild eines Mannes und nicht jenes einer Frau.

    Das linguiste Zeichen „Sekretärin“ (w) evoziert(e) ? das

    Vorstellungsbild einer Frau und nicht jenes eines Mannes.

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Ferdinand de Saussure

  1. Theorie der Zeichen besagt, dass die Beziehung zwischen Gegenstand und Wort willkürlich, aber durch Konventionen festgelegt ist

  2. (Bezeichnetes vs. Bezeichnendes)

  3. Beispiel: Holzstock kann auf vieles verweisen

    • Politikgeschichte: Herrscherstab

    • Wirtschaftsgeschichte: Relevanz von Holz für die Energiegewinnung

    • Sozialgeschichte: Element der sozialen Differenzierung

    • Frauengeschichte: Mittel für physischen Gewalt

    • Kulturgeschichte: welche Bedeutungen konnten mit dem Holzstab verbunden sein – was sagt uns das über die Gesellschaft.

  4. Kontext der Aussage: Bedeutungen ändern sich mit der Zeit → Historische Semantik unterscheidet sich je nach kulturellem Kontext → Übersetzung

36
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Andere Repräsentationssysteme

  1. Zeichen, wie Piktogramme, Geräusche, Gesten, Musik, Kleidung

  2. Beispiel: Ampel → Die Bedeutung, die wir den Farben rot, gelb und grün

    geben, ist nicht den Farben inhärent, sondern basiert auf – in diesem Fall sogar

    internationellen – Aushandlungsprozessen

  3. Ampel in den letzten Jahren zunehmend genützt, um die heterosexuelle Geschlechterordnung + Konzepte wie Frausein / Mannsein zu dekonstuieren

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I. Bedeutung von Vorstellungsbilder

  1. Repräsentation erfolgt nicht nur von realen Objekten, sondern auch von abstrakten Konzepten wie Freundschaft, Liebe, Ehe, Paradies und Himmel

  2. Ohne conceptual maps / Vorstellungsbilder im Kopf kann man die Welt nicht interpretieren

  3. Ohne ähnliche conceptual maps kann man nicht miteinander kommunizieren → ständige Missverständnisse

  4. Voraussetzung → nicht eine gemeinsame Sprache als Deutsch / Englisch, sonder gemeinsame Vorstellungsbilder

38
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II. Bedeutung von Vorstellungsbilder

  1. Konzeption von Kultur ist nicht auf Sprache oder Nationalität beschränkt, sondern basiert auf gemeinsame Vorstellungsbilder und einer ähnlichen Wahrnehmung der sozialen Welt

  2. Kultur als shared conceptual maps oder ähnliche Wahrnehmung der sozialen Welt

  3. Repräsentation ist der Link zw. Wort - Zeichen - Vorstellung im Kopf

  4. Kommunikation kann nur funktionieren, wenn die Kodierung auch von den Rezipient*innen dekodiert werden kann

39
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Jacque Derrida

  1. französischer Philosoph + Sprachwissenschaftler

  2. verwies, dass die Bedeutung eines Begriffs oft in Opposition zu einem anderen Begriff / Konzept erzeugt wird

  3. Beispiel: Mann - Frau; gut - böse; schön - hässlich

40
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Roland Barthes

  1. Ausdehnung auf alle Objekte und auch Praktiken, die als Zeichen verstanden und damit gelesen werden können

  2. Beispiel: Kleidungsstücke (Bezeichnetes) → elegant, formell, casual (Bezeichnende) = Kleidungsstücke werden zu Zeichen

  3. Denotation: Grundbedeutung → Jeans

    Konnotation: mitschwingende Bedeutungen, kontextabhängig, situativ

    Sprache der Mode

    Voraussetzung: kulturelles Wissen

  4. Die Bezeichnende stehen in enger Verbindung mit der Kultur, dem Wissen und der Geschichte, und durch sie dringt die Umwelt (der Kultur) sozusagen in das System der Repräsentation ein (Barthes nach Hall zitiert)

41
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Bausteine zur Analyse der Produktion von Bedeutung

  1. Sprache im weitesten Sinn – von Wörtern bis zu Gesten

  2. Vorstellungsbilder | Referenzrahmen

  3. Kulturbegriff, der Kultur als Prozess versteht – doing culture

  4. Sensibilität für den Kontext – Stein, Grenzstein, Pflasterstein

  5. SenderIn und EmpfängerIn

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<p>Encoding / Decoding (von Medien)</p>

Encoding / Decoding (von Medien)

Postulat: wie die Botschaft gelesen wird, hängt von der Leser*in / Konsument*in ab

  1. Dominant-hegemoniale Lesart (die gewünschte Lesart)

  2. Ausgehandelte Lesart - Zwischenstufe

  3. Oppositionelle Lesart - widerständige Lesart

43
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Kulturgeschichte | Pluralisierung

  1. von wissenschaftlichen Zugängen und Gegenständen

  2. in der Gegenwart wie auch in der Vergangenheit:

  3. gegen Homogenisierung: die Frau in der Neuzeit, die Araber, die Christen, die Muslime

44
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Gender

Um Frauen überhaupt als Objekte der Geschichtsforschung einzuführen, wurde zu Beginn kaum zwischen den Frauen differenziert, sondern sehr allgemein nach den historischen Ursachen der Unterdrückung von Frauen gefragt

45
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1970er Frauen- und Geschlechtergeschichte

  1. Entstand mit, aber auch gegen die Sozial- und Gesellschaftsgeschichte

  2. Ausgangspunkt 2te Frauenbewegung USA

  3. Institutionalisierung von Women‘s Studies an verschiedenen US-Universitäten

  4. Gründung der ersten interdisziplinären Zeitschriften Feminin Studies + Signs

  5. 1975/76 erste programmatische Überlegung zur Frauen- und Geschlechtergeschichte

46
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Gerda Lerner

  1. Österreichische Historikerin

  2. Begründerin des ersten Graduate Degree Program in Women's History

  3. Fokus auf die Erforschung der tatsächlichen Erfahrungen von Frauen in der Geschichte → zuerst Rekonstruktion der Geschichte der Frauen, erst dann Vergleich mit der Geschichte von Männern = Allgemeine Geschichte

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Natalie Zemon Davis

  1. kanadisch-amerikanische Historikerin

  2. Betonung der Geschlechterrollen und sexuellen Symbolismen in verschiedenen Zeiten zu entdecken, herauszufinden wie sie funktionierten, aber auch warum sie sich veränderten

  3. Historisierung der Geschlechterordnung

  4. gegen die isolierte Betrachtung von Frauen

48
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Rezeption der Frauen- und Geschlechtergeschichte

  1. Gerda Lerner wurde im deutschen Sprachraum rezipiert, während die Arbeiten von Natalie Zemon Davis und Joan Scott weniger Beachtung fanden

  2. Ausnahme: Frühneuzeitforschung → Frühneuzeitlerinnen gründeten

    den bis heute existierenden Arbeitskreis 1994 explizit als Geschlechtergeschichte; zu den Tagungen waren als Teilnehmer* innen wie auch als Vortragende von Beginn auch Männer eingeladen

49
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1970er Sex-Gender-Unterscheidung

  1. Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht (Sex) und sozialer Geschlechtsidentität (Gender)

  2. Die kulturwissenschaftliche Definition → "Sex" als biologischen Unterschieden und "Gender" als sozialer Klassifizierung in "männlich" und "weiblich"

  3. Die sexualwissenschaftliche Definition → "Sex" als physische Merkmale und "Gender" als psychologische Transformation des Selbst

50
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Problem der sex-gender Unterscheidung

  1. Debatte über die angeborenen und erlernten Verhaltensweisen

  2. Keine Historisierung der Vorstellungen vom Körper + Geschlechterordnung

  3. Verbleibt im binären Rahmen → Natur (sex) / Kultur (gender)

51
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Geschlecht als analytische Kategorie

Ausgangspunkt:

  1. Erforschung und Sichtbarmachung der Konstruktionsprozesse der Geschlechterdifferenz

  2. Methode: Geschlecht als analytische Kategorie

  3. Definition von Gender laut Joan Scott:

    "Gender ist ein konstitutives Element sozialer Beziehungen, die auf wahrgenommenen Unterschieden zwischen den Geschlechtern beruhen, und das Geschlecht ist ein primäres Mittel, um Machtverhältnisse zu kennzeichnen.”

  4. ACHTUNG → wichtig ist vor allem das oft überlesene Wort „perceived“ (wahrgenommen). Joan Scott trennt damit nicht zwischen sex und gender, sondern berücksichtigt, dass historische Gesellschaften ganz andere Körperkonzepte hatten.

52
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Joan Wallach Scott

  1. US-amerikanische Historikerin

  2. betont, dass Gender auf verschiedenen Ebenen konstruiert wird, darunter kulturelle Symbole, normative Konzepte, soziale Institutionen und individuelle Identitäten

  3. betont, dass Geschlecht auf allen Ebenen der Gesellschaft erzeugt wird, darunter rechtliche Regulierungen, aber auch der geschlechtsspezifische Arbeitsmarkt und das Bildungssystem

53
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Erfahrung Joan Scott: The Evidence of Experience, in: Critical Inquiry, vol. 17

  1. Joan Scott betont auch die Bedeutung von Sichtbarmachung der Erfahrung als Ausgangspunkt der Forschung und die Frage nach Macht- und Herrschaftsprozessen bei der Konstitution von Differenzen

  2. Kritik an der mangelnden Theoretisierung des Erfahrungsbegriffes

  3. Methode: Erfahrung nicht als Ergebnis, sonder als Ausgangspunkt der Forschung

  4. Wichtig: Multiplizierung der historischen Subjekte - Erzählperspektiven

  5. Problem: ist die Sichtweise jener Person, die die Erfahrung machte / darüber berichtet, Ausgangspunkt der Erklärung?

    → so wird die Frage "subjects are constituted as different in a first place" ebenso beiseite gelassen, wie jene nach Sprache, Diskurs und Geschichte

54
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E. P. Thompson

  1. Britischer marxistischer Historiker, Intellektueller, Friedensaktivist

  2. Mitgründer der Zeitschrift Past & Present

  3. betont die Klassenbildung und das Klassenbewusstsein → Klassen = soziale Beziehungen, die durch historische Prozesse entstehen, bei denen Menschen ihre eigene Geschichte leben

  4. Klasse: nicht eine Struktur, sondern eine soziale Beziehung

    Klassenbewusstsein: sowohl eine kulturelle wie auch ökonomische Erzeugung

    Agency: Handlungsfähigkeit als ein zentrales Element im Machen der Arbeiterklasse

  5. Joan Scott knüpft mit ihren Überlegungen, sowohl zur Konzeptualisierung von Geschlecht wie auch von Erfahrung auch beim Klassenbegriff von E.P. Thompson an

55
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Subjekt | Identität | Intersektionalität

Subjekt

  1. Die Frage, warum wir handeln, wie wir handeln, und wie soziale Praxis entsteht, steht im Fokus der Untersuchungen von Michel Foucault und Pierre Bourdieu

  2. Beide Philosophen lehnen das traditionelle Konzept des autonomen Subjekts ab

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Michel Foucault

  1. französischer Philosoph, Psychologe, Historiker, Soziologe,

  2. politischer Intellektueller

  3. Begründer der Diskursanalyse

  4. Ausgangspunkt seiner Überlegungen: Verbindung von Strukturen und individuellen Existenzen

  5. kritisiert den vorherrschenden Subjektbegriff und seine strukturalistische Reduktion auf die umgebenden Strukturen → postuliert ein konstituiertes Subjekt

  6. Forschungsinteresse: Wissens- und Machtregime; Abgrenzung von der traditionellen Ideen- und Geistesgeschichte → Diskursanalyse

57
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Michel Foucault: Diskurs

  1. Diskurse / diskursive Formationen bringen die Gegenstände hervor, die sie angeblich abbilden

  2. Beispiel: Geschlechterdiskurs, Körperdiskurs, Hygienediskurs etc.

58
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Michel Foucault: Was ist ein Autor?

  1. Das buch wendet sich gegen den traditionellen Begriff des Autors / Geniekonzepts

  2. Kritik an Roland Barth

  3. Frage nach der Funktion des Autors → Historisierung der Funktion des Autors

  4. Diskurse, in denen der Autor wichtig ist vs. wo er keine Rolle spielt (Karl Marx, Sigmund Freud, Ferdinand de Saussure und auch Michel Foucault selbst)

59
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Das autonome Subjekt

  1. geht auf René Descartes zurück

  2. damit gemeint ist ein mit Bewusstsein ausgestattetes, denkendes, erkennendes, handelndes Subjekt, welches mit einem Wesenskern (Seele / Geist) ausgestattet ist, welcher sich nicht verändert

  3. Kritik von: Bertholt Brecht, Simone de Beauvoir, Judith Butler

60
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Pierre Bourdieu

  1. französischer Soziologe, Ethnologe, politischer Intellektueller

  2. Ablehnung subjektivistischer und objektivistischer Modellen → argumentiert, dass objektive Strukturen und subjektive Erfahrungen in einer dialektischen Beziehung stehen

  3. geht davon aus, dass der Subjektbegriff untrennbar mit alten Vorstellungen behaftet ist → neuer Begriff Akteur

61
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Pierre Bourdieu: Praxeologische Herangehensweise

  1. Grundannahme: Soziale Welt schreibt sich dem Körper ein und bringt damit den

  2. Habitus hervor. Einschreibung auf drei analytisch trennbaren Ebenen

    • Wahrnehmungsschemata → strukturiert die alltägliche Wahrnehmungen der Welt

    • Denkschemata → die Akteure interpretieren und ordnen kognitiv die soziale Welt und entwickeln moralische und ästhetische Maßstäbe

    • Handlungsschemata → bringt die Praktiken der Akteure hervor

  3. => werden unbewusst / unreflektiert angewandt → ihre Geschichte wird vergessen

62
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Pierre Bourdieu: Wie entsteht Agency?

Menschen sind mit Widersprüchen konfrontiert = Raum an potentiellen Handlungsmöglichkeiten → bedingte Freiheit zu wählen = Akteure

63
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Pierre Bourdieu: Relationales Denken

Über den Habitus regiert die Struktur / soziale Welt, die ihn erzeugt hat, die Praxis und gleichzeitig bringt die Praxis die Struktur / soziale Welt hervor

64
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Pierre Bourdieu: Doxische Erfahrung

  1. ist dann gegeben, wenn objektive und verinnerlichte Strukturen übereinstimmen

  2. Beispiel: Geschlechterordnung → indem die duale Ordnung der Geschlechter objektiviert in der sozialen Welt und inkorporiert im Habitus präsent ist, scheint sie in der Natur der Dinge zu liegen

65
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Judith Butler

  1. US-amerikanische Philosophin

  2. Ausgangspunkt: These von Maurice Merleau-Ponty the body is an “historical idea” rather than a “natural species”

  3. Kritik: Körper wird als passives Medium gedacht

  4. Körper → nicht mit gender core / gender identity ausgestattet

  5. Alternative zw. den Denkoptionen → Gender als performativ

  6. Performativität orientiert an der heterosexuellen Matrix

  7. Am Körper festmachbare und historisch auch festgemachte Differenzen

    • Farbe der Haut | der Haare | der Augen

    • groß | klein; dick | dünn; schön | häßlich

    • Gesichtsbehaarung

    • Ausformung der Hüften

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Identität

  1. verschiedene Verwendungen und Bedeutungen → semantisch immer mit der Konnotation von Beständigkeit

  2. Ursprünglich → Feststellung der Identität einer Person / Identitätsnachweis

  3. Ab 1960er verbreitet als innere Einheit in Bereichen, wie Sozialwissenschaften, Psychoanalyse und Soziologie

  4. Ab 1980er verbreitet in den Geistes- und Kulturwissenschaften → mit Konzepten wie Rasse, Geschlecht, Klasse, Sexualität, Religion und Nationalität in Verbindung gebracht = identity Politics / Identitätspolitik

  5. Versuche, Identität als fragmentiert, vielfältig, instabil, vereinbart, konstruiert und fließend zu konzipieren → diese Ansätze bleiben einer essentialistischen Vorstellung des Subjekts verhaftet

  6. Problem → Identität wird heute sowohl als Praxis- als auch als Analysekategorie betrachtet

67
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Rogers Brubaker and Frederick Cooper Beyond Identity, in: Theory and Society, Vol.

29

Verwendung des Identitätsbegriffs

  1. Identität und politische Interesse → Position im sozialen Raum

  2. Kollektive Identität → Sameness

  3. Kernaspekt des Selbst → Selfhood (Psychologie)

  4. Produkt und Basis politischen Handels

  5. Konzeption des zeitgenössischen Subjekts → Produkt konkurrierender Diskurse

68
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Rogers Brubaker and Frederick Coope kann man auf den Identitätsbegriff verzichten?

Nein, aber anders

  1. Stuart Hall → Wer braucht „Identität“ ?

  2. Laurence Grossberg → neu konzipieren

  3. Margaret Somers → Erzählungen in einem historisch spezifischen relationalen Umfeld platzieren

  4. Charles Tilly → Verbindung von Erfahrung und Identität

69
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Rogers Brubaker and Frederick Coope Gegenvorschlag

  1. Verwendung anderer Begriffe statt eines Begriffes → Auflösung des Gewirrs der Bedeutungen

  2. Identifikation = prozessualer aktiver Begriff, muss nicht zu einer Gruppenidentität führen → Selbst- und Fremdidentifikation kann sich unterscheiden

  3. unterscheiden zw. relationaler Identifikation → besteht in Beziehungen wie Verwandtschaft und kategorialer Identifikation → betrifft die Zugehörigkeit zu einer Klasse oder einem Geschlecht

70
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Externe Identifikation

  1. bezieht sich auf formalisierte und kodifizierte Systeme wie staatliche Klassifizierungsraster für Geschlecht, Religion, Nationalität, Bildung und Gesundheit

  2. Kategorien können bestritten werden

    Beispiel: Debatte um drittes Geschlecht

71
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Soziale Bewegungen

  1. interaktiv, diskursiv vermittelte Prozesse zur Erzeugung von Solidaritäten → Ergebnis muss nicht Identität sein

  2. Selbstverständnis → veränderbarer situativer sozialer Sinn (Bourdieu)

  3. Gemeinsamkeit

  4. Verbundenheit

  5. Zusammengehörigkeitsgefühl (Max Weber)

72
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Intersektionalität

Kimberly Crenshaw

  1. Intersektionalitätsbegriff geprägt

  2. entsandt als Antwort auf die in 80er Identitätspolitiken

  3. Diese Identitätspolitiken betrachteten Menschen aufgrund einer analytischen Kategorie wie Geschlecht, Rasse oder sexuelles Begehren als homogene Gruppen

  4. Vorschlag: die Identität von schwarzen Frauen am Schnittpunkt von gender und race zu verorten, da ihre Erfahrungen und Interessen sowohl von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung als auch von der Frauenbewegung marginalisiert wurden

73
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Kimberly Crenshaw analysiert Fallbeispiel

  1. Klage von schwarzen Frauen gegen die Einstellungpolitik von General Motors

  2. Antidiskriminierungsgesetze boten den schwarzen Frauen keine Hilfe → General Motors wies zurück den Vorwurf des Sexismus und Rassismus, da er sowohl weiße Frauen als auch schwarze Männer einstellte

  3. Da die patterns of subordination bei schwarzen Frauen sich überkreuzen / intersect, hätten sie als Gruppe spezifische politische Anliegen und Bedürfnisse / intersectional needs

  4. Dazu Joan Scott: das politische Ziel kann nicht den Anspruch von equality sein, sondern von Gleichberechtigung / equal Rights

74
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Intersektionalität – Rezeption

  1. Sozialwissenschaften → Kulturwissenschaften

  2. um verschiedene Unterdrückungsregime wie Klasse, “Rasse“ und Geschlecht gemeinsam zu betrachten

75
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Intersektionalität 80er + 90er

  1. Entstehung sozialer Bewegungen, die die klassische Trias „Rasse“, Klasse, Geschlecht in Frage stellten → weil es eine Reihe anderer soziokultureller Zugehörigkeiten gebe, welche für die Erfahrung von Menschen bestimmend sein können und politisch bedeutsam werden = Identity Politics

  2. Die Kategorien, an deren Schnittpunkt sich "Identitäten" bilden, haben sich vervielfacht

  3. Sie schien die Lösung zu sein, um die Vorstellung von homogenen Gruppen beizubehalten

  4. Problem: Beschränkung auf die jeweils benachteiligte Position → Frau, schwarz, lesbisch etc. Dabei wird übersehen, dass personale Zugehörigkeit nicht nur diskriminierend, sonder auch privilegierende Effekte haben

76
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Intersektionalität - Relationalität

  1. alternatives Instrument, um soziale Ungleichheit nicht nur zu beschreiben, sondern auch historisch zu analysieren

  2. Statt eines Denkens in festgeschriebenen Substanzen, ein Denken in Relationen und Prozessen

  3. Historisierung der Kategorien

  4. Begriffe = Denkwerkzeuge → es macht einen Unterschied, ob man Wechselwirkungen als intersektional oder interagierend, relational oder interdependent denken

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Identitätspolitik und Übersetzung

  1. Die Gedichte von Amanda Gorman, darunter »The Hill We Climb«, welches sie bei der Inauguration von Joe Biden vortrug, sollten von Marieke Lucas Rijneveld ins Niederländische übersetzt werden. Nach heftiger Kritik an ihrer Person – weiß und nichtbinär – legte Marieke Lucas Rijneveld den Übersetzungsauftrag zurück.

  2. Übersetzung des Gedichts ins Identitätspolitik und Cultural Appropriation entstand eine Kontroverse → Übersetzer (Mann)

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Identitätspolitik und Cultural Appropriation / kulturelle Aneignung

  1. Kritik der Aneignung bestimmter Bestandteile einer Kultur, die zur Ware gemacht werden → Schmuck, Kleidung, Haartracht, Symbole

    Beispiel: von indigenen Amerikaner*innen im Sport

  2. Kritik, dass weiße Schauspieler*innen nicht-weiße Personen spielen

    Beispiel: Johnny Depp als indigenen Amerikaner

  3. Kritik, dass die Rolle von queer Personen an heterosexuelle Personen vergeben wird

  4. Identitätsdiebstahl, bei denen Personen vorgaben, zu bestimmten Kulturen oder Ethnien zu gehören, obwohl dies nicht der Fall war

    Beispiel: Jessica Krug, Historikerin in einer amerikanische Universität, Forschungsschwerpunkte: Afrikanische und Lateinamerikanische Geschichte

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I. Gramsci und Benjamin

  1. Sie haben sich nie begegnet und nie voneinander gelesen

  2. Gründerväter der Cultural Studies, aus unterschiedlichen, aber durchaus vergleichbaren Gründen

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Gramsci Biografisches

  1. 1891 auf Sardinien geboren

  2. genetischer defekt → Kleinwüchsigkeit, Brustkorbdeformation

  3. verarmte Familie

  4. schulische Ausbildung in Sardinien, Gymnasium in Cagliari

  5. abgebrochenes Studium der Linguistik in Turin

  6. berühmteste Werk → Die Gefängnisbriefe

  7. 1921 Einer der Gründer der italienischen kommunistischen Partei

  8. 1924 - 26 Gewählter Abgeordneter in Italien

  9. 1926 Verhaftung

  10. Verurteilung zu 20 Jahre im Gefängnis

  11. 1937 gestorben

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Benjamin Biografisches

  1. 1892 Berlin geboren

  2. Aufgewachsen in einer wohlhabende jüdisch-deutschen Familie

  3. schulische Ausbildung in ausgezeichneten Schulen

  4. Werk → Berliner Kindheit um 1900

  5. Studium an verschiedenen Unis → Doktorat

  6. 1925 Habilitationsschrift von der Uni Frankfurt abgelehnt

  7. 1933 Emigration nach Paris, finanzielle Notlage

  8. 1940 Versuch der Flucht nach USA, nach der Überquerung der Pyrenäen nimmt er sich das Leben

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Gefängnishefte

  1. geschrieben 1929-1935 im faschistischen Gefängnis → beschränkte Lektüremöglichkeiten, Auswege aus der Zensur → Marxismus

  2. 1975 erste vollständige Edition in Italien

  3. Sammelsurium von Exzerpten und eigenen Texten, mache sehr fortgeschritten

  4. Gegliedert in Hefte, spätere Hefte erweitern und modifizieren erste Notizen → eigene Irrtümer korrigieren

  5. Themen: Philosophie, Literaturkritik, Geschichte, Kultur, Popularkultur → ein transdisziplinärer Zugang

  6. Die tragende Rolle in allen Heften ist das Denken der Politik

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Gefängnisheft 11: Einführung in das Studium der Philosophie

  1. eher eine Einführung in die Methodologie des kritischen Denken aus einer marxistischen (nicht stalinistische) Sicht

  2. enthält den vielzitierten Abschnitt über die filologia vivente / lebendige Philologie

  3. Beispiel für lebendige Philologie: Gefängnisheft 25 und 27

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I. Gefängnisheft 25 und 27

  1. 25. Heft → Geschichte des Sozialrebellen Davide Lazzaretti

  2. ein ur-christlich inspirierter Sozialismus

  3. Autor von Schriften

  4. von der katholischen Kirche als Häretiker verurteilt → er + Anhänger ermordet von Militär

  5. Gramsci berichtet weiter, dass Lazarettes Leiche im Auftrag von Cesare Lombroso exhumiert wurde, um erbliche Neigung zu Kriminalität festzustellen

  6. Lombroso → Vertreter der positivistischen Anthropologie

  7. Gramscis Interesse an marginale Figur der italienischen Geschichte → entwickelt seine Theorie zu Folklore und zu den Subalternen

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II. Gefängnisheft 25 und 27

  1. Die Geschichte der Subalternen → bruchstückhaft + episodisch

  2. Die Subalternen unterliegen der Hegemonie der Herrschenden, selbst und genau dann, wenn sie revoltieren

  3. Die Geschichte der Subalternen darf nicht allgemein verfahren → sond. muss sich mit einzelnen Figuren und Phänomenen befassen

  4. Folklore ist kein pittoreskes Element der Vergangenheit → sond. eine Auffassung von der Welt und vom Leben daher menschlich und politisch ernst zu nehmen

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Gramscis Folklore → ihre Folgen

  1. International: Gayatri Spivak: Can the Subaltern speak?

  2. In Italien: Ernesto De Martino → Anthropologe, der auf den Spuren Gramscis den italienischen Süden seiner Zeit untersucht hat

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Passagenwerk

  1. Sammelsurium von Texten, eigenen Textfragmenten und Zitaten, die Benjamin kommentiert und bearbeitet

  2. Benjamin untersucht das 19. Jh. Paris und befasst sich mit Themen, wie Ökonomie (Warenhäuser, Luxus), Architektur (Eisenkonstruktionen, Passagen), Meiden (Fotografie vs. Malerei), Kunst/Literatur (der Jugendstil)

  3. Transdisziplinärer / kulturwissenschaftlicher Zugang

  4. “Doe materialistische Geschichtsdarstellung führt die Vergangenheit dazu, die Gegenwart in ein kritisches Licht zu bringen“ Zitat Benjamin

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Passagenwerk: Erkenntnistheoretisches, Theorie des Fortschritts

  1. Methode des Werks → literarische Montage

  2. Kritik: Fortschritt = ambivalenter Begriff

    am Faschismus

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II. Gramsci und Benjamin

Einleitung Gramsci: Zeitungen und Feuilletonroman

  1. Medientheorie nicht ohne Mediengeschichte

  2. Zeitungen (17 Jh.) → erst ab 19. Jh. technisch möglich täglich / wöchentlich zu produzieren

  3. 19. - 20 Jh. Feuilletonroman = Fortsetzungsroman in den Zeitungen

  4. → ökonomisches Kalkül: zuerst publizieren Autoren (Alexandre Dumas) im Feuilletonroman, dann als Buch

    → ökonomisches Kalkül der Zeitungshalter → Ökonomisches Kalkül der Zeitungshg: das Publikum bei der Stange halten und zum Kauf anleiten

    = heute vergleichbar mit Fernsehserien, früher mit Serienfilme

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Gramsci –Zeitung und Feuilletonroman

  1. Popularliteratur verstreut über viele Hefte

  2. Lektüremöglichkeiten des Gefangenen → Zeitungen und Zeitschriften des ital. Faschismus

  3. Gramsci interessierte, dass italienische Zeitungen die französischen Feuilletonromane des 19. Jh. nach wie vor veröffentlichen

  4. Gramscis Feststellung → in Italien keine Popularliteratur, da es keine gemeinsame Weltanschauung zw. Schriftstellern und dem Volk gibt

  5. Feuilletonroman für die Gebildeten, die Intellektuelle kommen nicht aus dem Volk

  6. Feuilletonroman ersetzt und bevorzugt das Phantasieren des Mannes aus dem Volk

  7. Autor nicht so wichtig, es kommt auf die Figur des Helden an = historische Persönlichkeit

  8. Gramsci erkennt den Einfluss von popularen Kulturprodukten (serielles Erzählen) auf die politischen Ansichten

  9. Gramscis Überlegungen-Folgen → Bond-Filme / Umberto Eco Apocalittici e integrati

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Einleitung Benjamin: Fotografie, Film und Stummfilm

  1. Medientheorie nicht ohne Mediengeschichte

  2. Fotografie relativ altes Medium, bekannt ab 1830, etabliert seit Mitte 19. Jh.

  3. Film: erste Filmvorführung der Brüder Lumière 1895

  4. Stummfilm bis 1930, danach etabliert sich der Tonfilm

  5. Benjamin im Unterschied zu Gramsci hatte die Möglichkeit Filme zu sehen

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Benjamin - Kunstwerkaufsatz

  1. 1935 im Pariser Exil verfasst Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und erscheinen in der Zeitschrift für Sozialforschung → Exilzeitschrift

  2. Benjamin beabsichtigt eine kulturwissenschaftliche informierte Technik-Geschichte der Medien → gegen Begriffe wie Genialität und Ewigkeitswert

  3. Neu: die technische Möglichkeit der Reproduktion des Kunstwerks

  4. betont den Verlust der Aura eines Kunstwerks in reproduzierten Formen wie der Fotografie → vergleiche heute die Reproduktionen von Klimts Kuss auf Teetassen

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Benjamin - Fotographie

  1. das erste wirklich revolutionäre Reproduktionsmittel

  2. Fotografie vs. Malerei im 19. Jh. → sinnloser Streit

  3. Heute: Medienumbruch

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Benjamin - Film

  1. Der Film verändert u. a. die Wahrnehmungsweisen der Menschen die → ist nicht immer geschichtlich gleich

  2. Theaterschauspieler vs. Filmschauspieler

  3. analysiert die Veränderungen in der Wahrnehmung durch den Film und die Zuschauerreaktionen in einer zerstreuten Rezeption

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I. Übersetzung

Umberto Eco

  1. bekannter Semiotik und Schriftsteller

  2. erklärt die Notwendigkeit, bestimmte Ausdrücke und Redewendungen in verschiedenen Kontexten anders zu übersetzen

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Friedrich Schleiermacher

  1. deutscher Philosoph

  2. vielfaltige Erscheinungsformen des Übersetzers, betont, dass sogar innerhalb einer Sprache Übersetzung erforderlich sein kann, um Missverständnisse zu vermeiden

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Translational Studies - Einführung

  1. Übersetzungsprozessen

  2. Übersetzung zw. natürlichen Sprachen

  3. Übersetzen zw. Kulturen

  4. metaphorische Ausweitung des Übersetzungsbegriffs → Translational Turn

  5. Übersetzungswissenschaft → heute Translationswissenschaft

  6. anglophonen Translation Studies interessieren sich für die Sichtbarkeit von Übersetzer*innen und die Verbindung zu den Postcolonial Studies

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Translation Studies und Postcolonial Studies

  1. Kolonisationsprozess hat zu vielfache Vorgänge des Übersetzens geführt

    Beispiel: Bibelübersetzung für den asiatischen Raum

  2. Machthierarchien und das kulturelle Prestige bestimmter Sprachen und Kulturen

  3. zw. philologischer Treue

    Beispiel: Übersetzung lateinischer, griechischer und hebräischer Texte der Antike in der Renaissance

  4. und produktive Anverwandlung

    Beispiel: Galland

  5. Sichtbarmachung der sprachlichen und kulturellen Fremdheit des übersetzten Textes

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Gramsci und Benjamin als Übersetzer

  1. Gramsci: am Anfang des Gefängnisaufenthaltes Übersetzungen aus dem Russischen und Deutschen → 23 Märchen der Gebrüder Grimm

  2. traducibilità / translatability → frühe Theorie der kulturellen Übersetzung

  3. Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers → einer der meiszitierteste Texte der Translational Studies

  4. Benjamin spricht in einem emphatischen Sinn von Übersetzen, vom literarischen Übersetzen als einer Aufgabe

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Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers

  1. Übersetzungen kommen immer später als das Original

  2. übersetzen zw. den Sprachen aber auch zw. den Epochen → Original bleibt immer gleich, eine Übersetzung kann durch eine neue ersetzt werden (Kritik)

  3. alle Sprachen sind miteinander verwandt in dem was sie ausrücken wollen

  4. die reine Sprache wäre, der die Realität völlig transparent wäre → in Benjamins Worten: eine messianische Vorstellung

  5. unter anderen Martin Luther → “haben die Grenzen des Deutschen erweitert“