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Rezeptive Kompetenzen
Die Fähigkeit Informationen aus verschiedenen Textformen aufzunehmen und zu verarbeiten. Dazu zählen Hörverstehen und Leseverstehen, sowie seit den 90ern auch das Hör-Seh-Verstehen (Audiovisuelles Verstehen) dazu.
Es sind aktive Interaktionsvorgänge, also nicht passiv wie oft vermutet wird. Leser/ Hörer oder Zuschauer konstruieren aktiv bedeutung aus dem erhaltenen Input.
In der Grundschule liegt der Fokus primär auf der Mündlichkeit, also dem Hörverstehen und dem Hör-Seh-Verstehen.
(Surkamp, 2018)
Hörverstehen (Listening)
Rezeption auditiver Texte steht im Mittelpunkt (z.B Gespräche, Podcasts, Durchsagen, etc). Basis für alle Verstehensprozesse in einer Fremdsprache (Surkamp, 2018).
“Ermöglicht die Teilhabe an Kommunikationssituationen in denen die Rezeption von auditiv vermittelten Texten im Mittelpunkt steht. Die Anforderungen in den rezeptiven Anteilen solcher Kommunikationssituationen werden durch die Merkmale der Hörtexte geprägt (unvollständige Sätze, Undeutlichkeit, etc) und hängen außerdem von den konkreten Verstehensabsichten ab (will ich Text erfassen, Meinung verstehen, Informationen sammeln?).” (KMK Bildungsstandards, 2023)
Erfolgreiches Hören erfordert eine aktive metakognitive Steuerung (Goh und Vandergrift, 2021)
Herausforderungen beim Hörverstehen
Hörverstehen gilt als schwieriger als Leseverstehen.
Warum?
Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache (Unvollständige Äußerungen, Verkürzte Formen, Umgangssprache, Umstrukturierung von Sätzen, Unklare Wortgrenzen)
Keine Kontrolle über Geschwindigkeit des Inputs
Unbekannte Themen wofür der Wortschatz und das Vorwissen fehlt
Mehrere Personen sprechen, schwieriger zum zuhören
Unbekannte Akzente, Dialekte, etc.
Ablenkende Hintergrundgeräusche
Trotz dieser Herausforderungen sind authentische Hörverstehenssituationen wichtig, um die Sprache auch für Situationen im Alltag zu üben.
(Surkamp, 2018)
Model zu Kognitive Prozesse beim Hören nach Goh und Vandergrift, 2021
Hörverstehen ist ein Zusammenspiel von Wissen(sprachliches, Weltwissen, pragmatisches) und den drei kognitiven Hauptphasen.
Perception (Wahrnehmung): Dekodieren der akustischen Signale, z.B Phoneme erkennen. Linguistisches Vorwissen notwendig. (Hier buttom-up-Prozess)
Parsing (Verarbeitung): Die zuvor wahrgenommenen Signale werden in eine mentale Repräsentation ihrer kombinierten Bedeutung umgewandelt. Linguistisches Vorwissen notwendig. Den Lauten einen Sinnzusammenhang/ eine Bedeutung geben. Ergebnis dabei ist die verarbeitete Sprache (parsed speech)(Hier top-down-Prozess)
Utilization (Nutzung): Die Ergebnisse der vorherigen Phase werden mit dem bereits vorhandenen Wissen verbunden, es findet ein Abgleich statt. Am Ende gibt es eine Repräsentation der Sprache im Gedächtnis und die Informationen werden dort gespeichert.
Dabei ist die Metakognition die Kontrollinstanz für alle drei Phasen, die den gesamten Prozess beeinflusst.

Metakognition nach Goh und Vandergrift, 2021
Ist das Bewusstsein des Hörers über die kognitiven Prozesse beim Verstehen und außerdem die Fähigkeit, diese Prozesse zu regulieren, zu überwachen und zu lenken.
Metakognition ist die kontrollierende Instanz in dem Modell zu kognitive Prozesse beim Hören. Dabei nutzten Hörende metakognitive Strategien, um Schwierigkeiten in den drei Phasen zu bewältigen, z.B durch Planung, Überwachung, Problemlösung und Bewertung
Herausforderungen im kognitiven Prozess beim Hören nach Goh und Vandergrift, 2021
Perception (Wahrnehmung): SuS erkennen die eigentlich bekannten Wörter nicht, Überhören etwas weil sie über Bedeutung nachdenken, Können Sprachströme nicht segmentieren, Den Anfang verpassen, Konzentration nicht ganz da oder zu sehr.
Parsing (Verarbeitung): Gehörte vergessen bevor Bedeutung zugeordnet wurde, konnten kein mentales Bild konstruieren, Haben Schwierigkeiten Kontext zu verstehen weil sie vorher Probleme hatten
Utilization (Nutzung): SuS verstehen Wörter aber erkennen Intention oder tieferen Sinn nicht, Verwirrt über Kernaussage der Äußerung
Förderung des Hörverstehens nach Goh 2023
Das Verständnis der LK für die Schwierigkeiten der SuS in jeder Phase vertiefen. Pädagogische Strategien anwenden, die helfen Verständnisprobleme und Einschränkungen beim Zuhören zu bewältigen.
Lehrer müssen also auch ein Verständnis der Metakognition ihrer SuS haben.
7 Möglichkeiten:
Phonologisches, lexikalisches, grammatikalisches und pragmatisches Wissen ermöglicht einen kombinierten Top-down- und Bottom-up-Prozess: Vervollständigung und selektives Zuhören (Vorhersagen helfen, Verständnislücken zu schließen!)
Wahrnehmungsübungen: ausgewählte Laute, Inhaltswörter, Aussprache neuer Wörter
Kognitive Strategien: den Input verstehen
Metakognitive Strategien: Bewältigung kognitiver Prozesse und Schwierigkeiten beim Zuhören
Soziale Strategien: Andere Menschen „nutzen“, d. h. Fragen stellen, um eine Wiederholung anzuregen
Affektive Strategien: Umgang mit unproduktiven Emotionen beim Zuhören, z. B. Entspannungsübungen
Förderung des metakognitiven Bewusstseins (Selbstbewusstsein): Zum Beispiel durch individuelle Reflexion mithilfe von Tagebüchern oder integrierten, erfahrungsorientierten Hörübungen
Förderung der Metakognition nach Goh und Vandergrift, 2021
Metacognitive Pedagogical Sequence (MPS) ist ein systematischer Ansatz der SuS helfen soll ihre Hörstrategien bewusst zu steuern udn ihr Verstehen aktiv zu kontrollieren. Diese Abfolge soll die SuS schrittweise durch den Prozess des verstehens führen.
Planung/Vorhersage: Zunächst Kontextualisieren. SuS aktivieren ihr Vorwissen zu dem Thema und stellen Hypothesen/Vorhersagen auf was sie hören werden. (bereitet Top-down Prozess vor)
Erstes Überprüfen und Planen: SuS hören Text zum ersten Mal, danach Abgleich mit Partner(n), Planen worauf man beim zweiten Hören achtet um Lücken zu schließen (mindert Stress und Unsicherheit)
Zweites Überprüfen und Rekonstruktion o.ä: Überprüfen der Lücken, Verstärkter Einsatz von Überwachungs- und Problemlösungsstrategien.
Finale Überprüfung: Drittes Mal angehört (vielleicht sogar mit einem Transkript), letzte Überprüfung der Details, SuS stellen sicher dass ihnen die Bedeutung des Textes nun klar ist.
Reflektion und Zielsetzung: SuS reflektieren über ihren Lernprozess, nennen welche Strategien für sie funktioniert hat und wo noch Schwierigkeiten bestehen. Auf Basis dieser Punkte setzten sie sich Ziele für zukunftige Höraufgaben