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Sprechen/ Speaking
Einer der komplexestens kognitiven, liguistischen und motorischen Fertigkeiten im Fremdsprachenerwerb. (Surkamp, 2018)
“Ist auf die produktion mündlicher texte ausgerichtet. Sprechen ist immer (auch bei Vortrag) ein interaktiver Vorgang, der Reaktionen des Publikums einplant, antizipiert, aufgreift. Man unterscheidet zwischen mündlicher Interaktion (Dialog) und mündlicher Produktion (Monolog), weil diese unterschiedliche Teilkompetenzen erfordern. Beide umfassen narrative, expositorische udn argumentative Genres, die für die Alltagskommunikation der SuS relevant sind. Die Kommunikation kann sowohl face-toface als auch digital stattfinden. Bei den digitalen Medien ist dabei eine neue Form der Mündlichkeit entstanden.” (KMK Bildungsstandards, 2023)
Kommunikationsstrategien sind eine essenzielle Teilkomponente der kommunikativen Kompetenz und spielen eine entscheidende Rolle für die produktive Fertigkeit Sprechen. (Surkamp, 2018)
Kommunikationsstrategien (CSs) - Allgemein
Sprachlernende verfügen in Gesprächen nur über eine begrenzte Verarbeitungskapazität, da sie unter Zeitdruck gleichzeitig überlegen müssen, was und wie sie etwas sagen. Dadurch fällt es ihnen oft schwer, passende Wörter zu finden oder grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden. Zusätzlich können Schwierigkeiten beim Hörverstehen ihre aktive Teilnahme an der Kommunikation erschweren. (Goh, 2000)
Kommunikationsstrategien sind ein zentraler Bestandteil der kommunikativen Kompetenz (Canale & Swain 1980).
Sie sind sowohl in der Erst- als auch in der Zweitsprache wichtig, haben jedoch für Sprachlernende mit geringen Sprachkenntnissen eine besondere Bedeutung.
Kommunikationsstrategien helfen Lernenden, Zeit für die Sprachverarbeitung zu gewinnen und den Gesprächsfluss aufrechtzuerhalten (Hughes 2013).
Sie können sprachliche Schwierigkeiten ausgleichen und dadurch die Effektivität der persönlichen Kommunikation verbessern (Nakatani 2005).
Kommunikationsstrategien unterstützen Lernende dabei, sowohl kognitive als auch soziale Anforderungen in Interaktionen erfolgreich zu bewältigen (Goh, 2017).
Kommunikationstrategien sollen Lernenden helfen mit Kommunikationssituationen umzugehen. Sind also eher eine Hilfe.
Konkrete Kommunikationsstrategien nach Kirchhoff, 2018
Paraphrasieren: SuS drücken das was sie sagen möchten mit anderen Worten aus und/oder umschreiben es.
Code-Switching: Sprecher nutzen mehr als nur eine Sprache um etwas zu beschreiben/erzählen
Verwendung von Allzweckwörtern: Wörter wie Ding, Zeug, machen, tun (thing, stuff, make, do, etc)
Wortbildung: Sprecher wandeln ein Wort aus einer anderen Sprache in ein englisch klingendes Wort um, bzw sprechen es englisch aus.
Nonverbale/ paralinguistische Kommunikation: SPrecher nutzen Gesten und Mimik um eine Bedeutung zuvermitteln
Um Hilfe/ Klarheit bitten: Sprecher fragen jemand anderes um Hilfe/ Klarheit/ Hilfestellung
Vermeidung: Wenn Sprecher vor einer zu großen Herausforderung stehen, eine bestimmte Idee auszudrücken, vereinfachen sie ihre beabsichtigte Botschaft auf eine weniger komplexe Form.
Was Goh, 2017 als wichtige Kommunikationsstrategien nannte
Sprachliche Kompetenzen
Werden of synoynm mit dem Begriff “Verfügen über sprachliche Mittel” verwendet. Sie bilden das Werkzeug, das SuS benötigen um überhaupt kommunizieren zu können. Sie stellen also das dafür notwendige WIssen und Können bereit (Grammatik, Wortschatz, Aussprache, Lexik, etc.) (Meyer, 2015)
Diese Bereiche werdenin der GS gezielt gefördert:
Sprachliche Kompetenzen allgemein: Fokus auf expliziten, kognitiven Wissen über die Sprache. Frühe Förderung zentral für langfristigen Erfolg.
Sprachbewusstsein: Fähigkeit Sprache zu beobachten und zu reflektieren, natürlich altersgemäß auf niedrigem Niveau, baut Brücken für späteres Sprachenlernen, Bewusstes Vergleichen von Deutsch und Englisch.
Sprachgefühl: Entwickelt sich parallel zum Sprachbewusstsein, soll eine intuitive Sprachsicherheit sein die nur intensiven, authentischen Sprachinput entsteht (lieder, Reime, Storytelling)
Wortschatz: Elementar und lebensnah, Wörter sollen nicht isoliert sondern in Chunks (Phrasen) gelernt werden.
Grammatik: Aufbau erfolgt parallel zum Wortschatz, Sturkturen werden odt unbewusst durch Wiederholte Anwendung ganzer Sprachmuster erworben, kann auch systematisch udn bewusst passieren.
Phonetik + Intonation: Da SuS sehr gut im imitieren sind, ist das Ziel die korrekte Aussprache durch Nachahmung.
Orthografie (Rechtschreibung): Spielt in der GS eine untergeordnete Rolle, Fehler sind Teil der normalen Entwicklungsstufe, Aufbau durch Lesen, Abschreiben und in Verbindung mit der Muttersprache Schreiben.
(Böttger, 2020)
Modell zu Prozess der Sprechproduktion
Sprechen finden in Echtzeit statt udn erfordert eine simultane Verarbeitung verschiedener Phasen. Burns, 2017 hat das Modell von Levelt ergänzt und sieht nun so aus:
Konzeptuelle Vorbereitung: Sprecher plant, was er sagen möchte. Gedanken und Absichten werden geplant und relevante Informationen werden ausgewählt und geordnet.
Formulierung: Die Nachricht wird in einem phonetischen Plan umgewandelt. Das Gehirn greift hier auf das mentale Lexikon zu, um passende Wörter auszuwählen und um grammatikalische sowie phonologische Regeln anzuwenden. Diese oft am anspruchvollsten, weil Wortschatz udn Grammatik nicht automatisiert sind.
Artikulation: SPrecher nutzt seine Sprechorgane (Lippen, Zunge, Mund, etc) um die Nachricht lautlich zu äußern.
Selbstüberwachung: Während oder nach dem Sprechen überprüft der Sprecher seine eigenen Äußerungen. Fehler fallen auf und möglicherweise korrigiert.
Die Stufen können wiederholt auftreten, überlappen und miteinander interagieren während der Sprachproduktion. Vorallem in Zeitdurck können diese Prozesse gleichzeitig stattfinden.

Qulitätsmerkmale der Lerner-Sprache
(Kirchoff, 2018)
Qualität wird anhand von drei kriterien beurteilt:
Flüssigkeit: Kann der SuS Botschaften kohärent mit wenigen Pausen kommunizieren, Fokus ist hier bei der Bedeutung
Korrektheit: Wichtig ist hier die korrekte Anwendung von Grammatik, Wortschatz und Aussprache. Fokus liegt hier auf die Form
Komplexität: Wichtig ist hier die Verwendung von fortgeschrittener grammatikalischer Strukturen und eines differenzierten Wortschatzes. Fokus liegt hier auf Bedeutung und Form!
Sprechen im Unterricht fördern
Das Modell von Thornbury, 2005 zeigt, dass die Sprechkompetenz schrittweise aufgebaut wird. Die Kompetenz entwickelt sich also nicht nur durch freies Sprechen, sondern durch einen gezielten Lernprozess mit unterschiedlichen Unterstützungsgraden.
Aktivitäten für die Bewusstmachung: Bewusstsein für Merkmale gesprochener Sprache entwickeln, durch z.B Hörbeispiele analysieren. Dabei liet der Fokus auf: soziokulturelle Aspekte, Sprechhandlungen, gesprochene Grammatik, Wortschatz, Betonungen
Aktivitäten zur Aneignung: Sprachliche Mittel durch angeleitete Übungen verinnerlichen und mit unterstützung durch Lehrkraft oder Mittschüler (Scaffolding!!), zusätzliche Übungen mit zunehmender Selbstständigkeit, z.B Vorlesen, Dialoge, gesprächsgerüste, Schreiben als Vorbereitung auf das Sprechen.
Automatisierung und Selbstständigkeit fördern: gelernte Sprache möglichst flüssig und eigenständig anwenden mit nur wenig Unterstützung der Lehrkraft, erschaffen von authentischen Sprechanlässen, z.B. Präsentationen, Rollenspiele, Theater, Simulationen, Diskussionen, etc.
In der GS z.B Man hat Bilder in einem Buch und die Lehrerin erzählt etwas dazu kurz. 1. Aufgabe zur Bewusstmachung: Listen and point at the times 2. Aufgabe zur Aneignung: Check the time and speak with the teacher, 3. Aufgabe zur Automatisierung: Set the clock and ask your partner.
Task Repetition/ Aufgabenwiederholung
Lernende bearbeiten dieselbe Sprechaufgabe erneut, teils direkt im Anschluss teils nach einer gewissen Zeit. Die Aufgabe kann mit identichem Inhalt sein, oder mit verändertem Inhalt and selben Prozess. Das ziel ist die Verbesserung der mündlichen Sprachproduktion durch die Wiederholung.
Grundlage ist das Sprechproduktionsmodell von Levelt. SuS können die Erfahrungen aus dem ersten Durchgang nutzen un dihre kenntnisse und fertigkeiten besser integrieren. Dadurch wird die kognitive belastung reduziert, da geplante und formulierte Inhalte wiederverwendet werden können. Dies führt zu einer teilweisen AUtomatisierung der Sprechprozesse und kann Sprechflüssigkeit verbessern und Sicherheit bieten. (Goh, 2017)
Beispiele: Rollenspiel mit zwei unterschiedlichen Perntern üben, Wegbeschreibung zwei mal machen nur mit Tagen dazwischen, Präsentation nach Übungsrunde vor kleiner Gruppe wiederholen vor ganzer Klasse
Pre-task Planning/ Planung vor der Aufgabe
Bzeichnet die Planungszeit vor einer Sprechaufgabe. SuS bekommen zeit vor dem Sprechen, wo sie sich überlegen können was und wie sie es ausdrücken wollen. Diese Vorbereitung entlastet das Arbeitsgedächtnis, da Teil der Planung bereits vor dem Sprechen erfolgt.
Dadurch können sich die SuS stärker auf die mündliche Umsetzung konzentrieren, die eigene Sprache besser Überwachen und mehr auf die Selbstkorrektur konzentrieren.
(Goh, 2017)
Vorteile nach Skehan, 1998:
Förderung einer komplexeren Sprachverwendung
Inhaltlich anspruchvollere und besser durchdachte Beiträge
Größere Bereitschaft, neue sprachlcihe Strukturen auszuprobieren
Verbessere Selbstkontrolle während dem Sprechen
Insgesamt flüssigeres Sprechen
Korrekte Aussprache fördern
Die 6 Prinzipien nach Summer (2018) die gute Ausspracheübungen ausmachen:
Integriert: Aussprachetraining findet in Verbindung mit anderen Fertigkeiten udn Kompetenzen statt, z.B grammatik, Hören, etc.
Kontextualisiert: Ausspracheaktivitäten erfolgen kontextualisiert, sodass die Ausspracheschulung in kommunikative Settings eingebunden wird
Reproduktion: Lernende erhalten zahlreiche Möglichkeiten, Phoneme zu wiederholen und zu reproduzieren (call and response), auch in neuen Zusammenhängen.
Visuell: Lernende erhalten einen visuellen Einblick in das Bilden verschiedener Phoneme des Englischen
Sensibilisierung: SuS erhalten ein Bewusstsein dafür, dass das Schriftbild und die Aussage im Englischen viele Unregelmäßigkeiten aufweist und zudem die Aussprache des Englischen viele besonderheiten enthält, die es so im Deutschen nicht gibt.
Spielerisch: Aktivitäten udn Übungen werden möglichst häufig spielerisch udn humorvoll gestaltet - auch wird die Verbidnung zwischen Lautbild udn Schiftbild spielerisch hergestellt
Besonders aussprachegefährdet sind:
Laute die im Deutschen nicht vorkommen (th)
Laute die ähnlich wie deutsche Laute klingen und vllt sogar eingedeutscht wurden (water vs vater)
Sonderfälle wie das th, y in tiny, e am ende eines Wortes
Vermittlung von Wortschatz
Erfolgt im Wesentlichen in drei Schritten:
Auswahl und Präsentation
Aufnahme und Verarbeitung
Übung und Wiederholung
Problem: Schiftbild dient als Gedächtnisstütze, aber man läuft Gefahr der Fossilisation (= Verfestigung und Einschleifen von falscher Aussprache oder fehlerhafter EInprägung und Internalisierung einer Wortaussprache, oft schwer umlernbar)
Ideen:
Brickwords: SuS bekommen nur die Wortteile präsentiert die lautgetreu sind (p_umkin p_ _)
Anagrame: SuS sollen die Buchstaben eines Wortes in einem Buchstabensalat schreiben und die anderen SuS versuchen es herauszufinden
Minimalpaare: Ähnlich klingende Wörter üben (ship - sheep, think - sink)
Task-repetition
Produktive Kompetenzen
bezeichnen die Fähigkeit, Sprache aktiv zu erzeugen um Informationen, Gedanken oder Gefühle auszudrücken und zu vermitteln. Bei den rezeptiven Kompetenzen steht die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen im Mittelpunkt, bei produktiven Kompetenzen ist die Sprachproduktion und die Sinnkonstruktion im Vordergrund.
Es werden in zwei Hauptbereiche unterschieden, in moderneren Modellen in drei. Speaking/ Sprechen, Writing/ Schreiben und Mediation/ Sprachmittlung (Sprecher als Mittler zwischen zwei Personen/Seiten die sich nicht direkt verstehen und SuS produziert dabei einen neuen, adressatengerechten Text in der Zielsprache)
(Surkamp, 2018)