Spracherwerb

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Behaviorismus

Kernaussage (Skinner, 1957):

Sprache ist ein Set von Gewohnheiten. Sprache wird durch Gewohnheitsbildung erworben. Dabei erhalten sie Input, dann ĂŒben sie ihn und wenn sie das korrekt machen, dann wird das Verhalten mit Lob verstĂ€rkt oder falsches mit Negativer/neutraler Äußerung bewertet. (= Konditionierung). Je hĂ€ufiger eine Äußerung positiv verstĂ€rkt wurde, desto mehr festigen sie sich im Sprachrepertoir.

Hören→Nachahmen→Wiederholen→VerstĂ€rken→Gewohnheit

Fehler werden als Gewohnheiten der Erstsprache betrachtet, die den Erwerb der Zweitsprache beeintrÀchtigen. Das Kind wird als unbeschriebenes Blatt (Tabula rasa) gesehen, dass durch die Reize der Umwelt geformt wird.

StÀrken:

Fokussiert auf beobachtbares Verhalten und ermöglicht eine klare Strukturierung von Lernprozessen.

Grenzen:

  • Betrachtet das Kind noch von Außen, innere Prozesse wie Kognition oder Emotionen werden ignoriert

  • Behaviorismus erklĂ€rt Sprache nur durch Nachahmung, Übung und VerstĂ€rkung, erklĂ€rt aber nicht wie SuS komplexe Grammatikregeln verstehen oder eigene, neue SĂ€tze bilden.

  • Sprache ist viel komplexer und umfasst auch Denken, Regelbildung und KreativitĂ€t

Konsequenz fĂŒr die GS:

  • Einsatz der Audiolingualen Methode (Annahme das Sprache durch hĂ€ufiges Hören udn Nachahmen zu einer Gewohheit wird) damit sich Satzmuster einprĂ€gen.

  • Starke Nutzung von Liedern, Reimen udn Chants, um Aussprache und Wortschatz spielerisch durch Wiederholungen einzuschleifen.

  • Lehrkraft als sprachliches Vorbild

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Nativismus

Kernaussage nach Chomsky, 1959:

Spracherwerb erfolgt durch angeborene sprachspezifische FĂ€higkeiten. Kinder sind kein unbeschriebenes Blatt (Tabula rasa), sondern besitzen angeborene Voraussetzungen fĂŒr den Spracherwerb. Sprache entwickelt sich biologisch, genauso wie viele andere FĂ€higkeiten. Diese angeborenen Voraussetzungen, nennt man LAD = Language Acquisition Device. Alle Sprachen haben gemeinsame, grammatische Prinzipien (= Universalgrammatik), deswegen entwickelt sich Sprache und Grammatik relativ unabhĂ€ngig von der kognitiven Entwicklung.

StÀrken:

  • ErklĂ€rt das Problem des Spracherwerbs, dass Kinder komplexe Regeln trotz eines mangelhaften/ begrenzten Inputs erwerben.

  • Betont die aktive, genetisch Programmierte Rolle des Lernenden

Grenzen:

  • VernachlĂ€ssigt soziale und pragmatische Aspekte der Kommunikation und Einfluss der kognitiven FĂ€higkeiten auf Spracherwerb

  • ErklĂ€rt nicht ausreichend, warum Lernende unterschiedlicher Muttersprachen verschiedene Fehlertypen machen

  • Theorie der Universalgrammatik eher umstritten, weil es Sprachen gibt mehr sehr unterschiedlichen Grammatiken

  • Konzentriert sich zu sehr auf Endzustand bei einem erwachsenen Muttersprachler, anstatt auf Entwicklung beim Spracherwerb

Konsequenz fĂŒr GS:

  • Nativismus hat Kinder als besonders sprachlernfĂ€hig angesehen und sich dafĂŒr eingesetzt dass Fremdspracherwerb frĂŒh beginnt

  • Fokus auf kommunikativen Ansatz: Bedeutung und Kommunikation wichtiger als formale Korrektheit

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Kognitivismus nach Piaget

Kernaussage:

Sprache entwickelt sich nicht isoliert, sondern zusammen mit der allgemeinen kognitiven Entwicklung des Kindes. Sprache entsteht duch Denken, Erfahrungen und soziale Interaktion. SuS konstruieren Wissen aktiv und lernen nicht nur durch Nachahmung (Behaviorismus).

Idee:

Sprache baut auf der kognitiven Ebene auf. Kinder lernen durch aktives Handeln und Erfahrungen mit ihrer Umwelt → Lernen mit allen Sinnen, Sprache dient dazu bereits erworbenes Wissen auszudrĂŒcken.

Kinder mĂŒssen zuerst bestimmte DenkfĂ€higkeiten entwickeln, bevor sie Sprache sinnvoll nutzen können (Das zeigt dann das Sprache nicht unabhĂ€ngig vom Denken ist - mit vygotsky einig):

  1. Objektpermanenz: Dinge existieren, auch wenn man sie nicht im Moment wahrnimmt

  2. SymbolverstĂ€ndnis: Zeichen oder Wörter können fĂŒr GegenstĂ€nde stehen.

  3. Theory of Mind: Kinder können sich in andere hinenversetzen (Entwicklung davon erlaubt Perspektivenwechsel)

Objektpermanenz, SymbolverstĂ€ndnis und Theory of Mind sind Voraussetzungen fĂŒr den Spracherwerb.

Bedeutung fĂŒr GS:

  • Handlungsorientierter Unterricht

  • Lernen mit konkreten Materialien, Bildern und Spielen

  • Sprache immer mit Handlungen und Erfahrungen verknĂŒpfen.

Kritik:

  • Fokus auf Informationsverarbeitung

  • EMotionen werden nur wenig berĂŒcksichtigt

  • Komplexe Lernprozesse werden vereinfacht dargestellt.

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Soziokulturelle Theorie nach Vygotsky

Kernaussage:

Sprache entwickelt sich vor allem durch soziale Interaktion. GesprÀche mit Erwachsenen und anderen Kindern fördern Sprach- und Denkentwicklung. Denken und Sprache sind eng miteinander verbunden, sogar untrennbar.

Zone of Proximal Development (ZPD) = Bereich zwischen dem, was ein Kind alleine kann udn dem, was es mit UnterstĂŒtzung schaffen kann.

Vygotsky beobachtete, dass GesprĂ€che mit Lehrkraft oder anderen SuS von großer Bedeutung sind, sowohl fĂŒrs Sprechen als auch fĂŒr Denken. →Scaffolding

Scaffolding = LernunterstĂŒtzung durch Lehrer oder MitschĂŒler. UnterstĂŒtzende Sturktur die hilft, das Beste auf dem vorhandenen Wissen zu machen und neues WIssen zu erwerben.

Zusammengefasst:

Nach Vygotsky entstehen kognitive Entwicklung und Sprachentwicklung durch soziale Interaktion. Denken und Sprache sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Sprache unterstĂŒtzt das Denken: Durch GesprĂ€che und spĂ€ter auch Schreiben verinnerlichen Kinder Wissen und lernen, ihre Denkprozesse zu steuern

Bedeutung fĂŒr GS:

  • Viel Partner- und Gruppenarbeiten, Dialoge und gemeinsames Lernen

  • Lehrkraft bietet Hilfestellungen (Scaffolding)

  • Aufgaben orientieren sich an ZPD (Zone of Proximal Development)

  • Erst 1985 verwies Bruner auf die Parallele zwischen dem Begriff des Scaffoldings und
    Vygotskys ZPD

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Unterschied zwischen Kognitivismus - Piaget und Soziokulturelle Theorie - Vygotsky

Piaget:

Lernen durch Handeln, eigene Erfahrungen und Umwelt. Sprache folgt der kognitiven Entwicklung, also bestimmte kognitive FĂ€higkeiten entwicklen sich und bestimmte sprachliche FĂ€higkeiten dann auch. Heißt: Entwicklung lĂ€uft parallel, aber kognitive Entwicklung treibt den Spracherwerb an und begrenzt ihn aber auch (wenn gewisse FĂ€higkeiten fehlen)

Das Individuum als Informationsverarbeiter im Zentrum. Lernen ist intern, mental. Sieht Denken und Sprechen als verwandte, aber unabhÀngige Prozesse.

Vygotsky:

Lernen durch soziale Interaktionen, Sprache unterstĂŒtzt und steuert das Denken. Durch Soziale Interaktionen können SuS Dinge können, die sie alleine möglicherweise noch nicht könnten. Sprechen und Denken sind untrennbar verwoben.

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Interaktionismus nach Bruner, 1983

Spracherwerb is ein Ergebnis der Interaktion zwischen dem Lernenden und seiner sozialen Umwelt. Sprache wird erworben durch die Teilnahme an Kommunikation, also dem Austausch mit Bezugspersonen.

Kinder besitzen eine angeborene LernfĂ€higkeit, benötigen aber die UnterstĂŒtzung ihrer sozialen Umwelt. also Sprache entsteht durch gemeinsames Handeln und Kommunikation (erweiterung von Nativismus, chomsky).

Bei Kommunikationsproblemen passen die GesprÀchspartner ihre Sprache an, damit der input verstÀndlicher wird.

Sprache als Mittel zu Bedeutungsaushandlung. lernen ist eine aktive Mitkonstruktion duch Dialog

StÀrken:

  • Praxisnah: Durch KlĂ€rungsfragen udn VerstĂ€ndnischecks tragen SuS zu eigenem lernerfolg bei (wie in der Schule)

  • Zeigt, dass nur Input nicht reicht sonern erst die interaktive bearbeitung den Input festigt

  • UnterstĂŒtzt auch das Prinzip des Interkulturellen Sprechers: Entwicklung der kommunikativen Werkzeuge notwendig fĂŒr reale verstĂ€ndigung.

Kritik:

  • Viele Erkenntnisse basieren auf sehr spezifischen Beispielen, die sich nicht immer verallgemeinern lassen.

  • Zu stark auf Struktur fokussiert. Teils ist man zu sehr auf die sprachliche Struktur kontentriert udn vernachlĂ€ssigt andere wichtige Faktoren wie kognitive prozesse.

  • NUR die Interaktion wichtig? Etwas starre Ansicht.

Einfluss fĂŒr den Englischunterricht an der GS:

  • Lehrkraft passt intuitiv seine Sprache an das Niveau der Kinder an, also lehrkaft als LASS (Language Aquisition Support System) = UnterstĂŒtzungssystem, mit deutlicher Betonung, kurzen SĂ€tzen und vielen Wiederholungen. Diese Sprache heißt Ammensprache.

  • SuS werden ermutigt Paraphrasieren oder Gestik zu nutzen, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten auch wenn das Sprachwissen fehlt.

  • korrektives Feedback, also das Wiederholen in korrekter Form sind heutzutage essenziell fĂŒr den Fremdspracherwerb

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Krashen's Monitor Modell 1982

Wurde 1982 von von Krashen entwickelt udn eins der einflussreichsten theoretischen AnsÀtze zur ErklÀrung des zweitspracherwerbs. Weg von lehrerzentrierten Methoden, hin zum kommunikativen Fremdsprachenunterricht.

SPrachen werden vor allem durch verstÀndlichen sprachlcihen Input in einer angstfreien und motivierenden Lernumgebung erworben, nicht durch das bewusste Lernen von Grammatikregeln

Das Modell besteht aus fĂŒnf zentralen Hypothesen:

  1. Acquisition-Learning-Hypothese: Es gibt zwei Wege der Aneignung. Acquisition = ist der unbewusste Prozess des Aufschnappens von Sprache in natĂŒrlichen Situationen, Ă€hnlich wie Muttersprachenerwerb; Learning = der bewusste Prozess, Es werden explizit Regeln und Fakten gelernt. Normalerweise im Klassenzimmer. → Krashen sacht dass fĂŒr echte Sprachkompetenz ist der unbewusste Erwerb entscheidend.

  2. Monitor Hypothese: Das bewusst gelernte Wissen dient nur als Monitor also als Kontrollinstanz. Die gelernten Grammatikreglen helfen nicht beim eigentlichen Sprechen, sondern helfen nur um Fehler nachtrĂ€glich zu korrigieren. Un das auch nur wenn genĂŒgend Zeit da ist, die Regel bekannt ist und man auf Richtigkeit achtet.

  3. Natural Order Hypothese: Sprachliche Strukturen werden in einer natĂŒrlichen Reihenfolge erworben. Manche Grammatiksturkturen werden immer frĂŒher gelernt als andere, die Reihenfolge lĂ€sst sich kaum Ă€ndern.

  4. Input Hypothese: Kinder lernen Sprache NUR durch verstÀndlichen Input. Input sollte etwas schwieriger sein als das aktuelle Sprachniveau (Soziokulturelle Theorie!). Krashen bezeichnet das als i + 1, i ist dabei das aktuelle Sprachniveau.

  5. Affective Filter Hypothese: Emotionen beeinflussen den Spracherwerb, ein hoher affektiver Filter verhindert Lernen. Filter steigt durch Angst, Stress, leistungsdruck und Unsicherheit. Filter sinkt durch Motivation, positive LernatmosphÀre, Erfolgserlebnisse, angstfreies Sprechen.

→ im Endeffekt sagt krashen, dass Spracherwerb hauptsĂ€chlich durch verstĂ€ndlichen, natĂŒrlichen Input in einer motivierenden, angstfreien Lernumgebung erfolgt. Grammatikregeln reichen dafĂŒr nicht aus und spielen nur eine unterstĂŒtzende, kontrollierende Rolle. Das Angebot sollen die Kinder zwar verstehen aber auch gleichzeitig etwas herausfordern. Sprachliche Strukturen entwickelns ich dabei schrittweise in einer natĂŒrlichen Reihenfolge.

StÀrken:

  • erklĂ€rt Bedeutung von verstĂ€ndlichen Input

  • berĂŒcksichtigt Motivation und Emotionen

  • bildet eine wichtige Grundlage des kommunikativen Unterrichts

  • passt sehr gut zum frĂŒhen Fremdsprachenlernen in der Grundschule

Grenzen/Kritik:

  • unterschĂ€tzt die Bedeutung von grammatikunterricht

  • erklĂ€rt zu wenig welche Rolle das aktive Sprechen beim Lernen spielt

  • aktuelle Forschung zeigt dass der Input allein nicht reicht, Output und Interaktion ist auch wichtig

  • Hypothese des natĂŒrlichen Erwerbs nicht empirisch eindeutig belegt.

bedeutung fĂŒr die Grundschule:

Vermehrter Einsatz von Storytelling, Hörtexte, Lieder und Chants, Lehrkraft spielt möglichst viel Englisch, etc.

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Unterschiede zwischen Krashen's Monitor Modell und der Soziokulturellen Theorie

Krashen:

  • VerstĂ€ndlicher Input am wichtigsten

  • SuS lernen Sprache indem sie viel verstĂ€ndliches Englisches hören/lesen

  • Kommunikation und andere personen sind wichtig wegen dem verstĂ€ndlichen Input

→ Kind lernt die Wörter apple und banana, indem es eine Geschichte ĂŒber obst hört und sie grĂ¶ĂŸtenteils versteht. Durch den verstĂ€ndlichen Input lernt es neue Wörter.

Vygotsky:

  • soziale Interaktion ist am wichtigsten

  • SuS lernen Sprache durch den Austausch mit anderen

  • GesprĂ€che, gemeinsames Problemlösen und Scaffolding treiben Sprachentwicklung voran

  • Spracvhe entwickelt sich gemeinsam mit anderen

→ Kind lernt die Wörter apple udn banana, indem es mit der Lehrkraft oder einem Partner ĂŒber Obst spricht. Lehrkraft stellt Fragen, gibt Hilfen (bildkarten) udn erweitert die Aussagen des Kindes.

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Output-Hypothese und Interaktionshypothese

Beide können als Erweiterungen oder Reaktionen auf Krashens Monitor Modell verstanden werden. Sollen die Kritik mit einbeziehen.

Output-Hypothese:

verstĂ€ndlicher Input allein reicht nicht aus um eine kommunikative Kompetenz zu erlernen, vor allem fĂŒr grammatikalische Korrektheit.

Beim bloßen Hörverstehen reicht eine sematische Verabreitung, aber bei der Sprachproduktion muss der Input auch syntaktisch Verarbeitet werden. ALso eine aktive Auseinandersetzung mit den grammatikalischen Strukturen.

Denn: bei der Sprachproduktion bemerken Lernende die LĂŒcke zwischen dem was sie sagen möchten und was sie tatsĂ€chlich sagen können (noticing the gap/ LĂŒckenerkennung)

Pushed output= um fortschirtte zu machen, mĂŒssen Lernende dazu angeregt werden ĂŒber ihr aktuelles Komfortniveau hinaus zu produzieren.

Die Sprachproduktion lÀsst lernende ihr Wissen reflektieren udn internalisieren.

Interaktionshypothese:

Soziale Interaktion und die Aushandlung von Bedeutung sind die entscheidenden Faktoren fĂŒr den Spracherwerb.

Aushandlung von bedeutung: Bei Kommunikationsproblemen passen die GesprÀchspartner ihre Sprache an um VerstÀndnis zu sichern, also z.B Lernender frÀgt nochmal nach wenn VerstÀndnis fehlt.

Bei diesen Modifikationen gehören techniken wie VerstÀndnischecks (u know?), KlÀrungsfragen (can u repeat?) und das Paraphrasieren und das Wiederholen des Lehrers dazu.

Zusammenhang von Input und Erwerb: Dadurch wird der Input verstÀndlciher udn das Lernen automatisch gefördert, weil sie den Input verstehen udn (Krashen=) den jetzt verstÀndlichen Input lernen.

Auch Feedback hier eine zentrale rolle: korrektives Feedback, entweder durch konkrete Korrekturen oder durch Recasts (das korrekte WIederholen einer fehlerhaften Äußerung durch das GegenĂŒber)

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Interimsprache (Interlanguage) nach Selinker, 1972

Ist die eigene, vorĂŒbergehende Sprachform eines Lernenden beim Erwerb einer Zweitsprache. Sie ist ein eigenstĂ€ndiges und systematisches regelsystem und besteht aus Elementen der Erstsprache (L1) und der Zielsprache (L2) sowie selbst entwickelten Regeln.

Merkmale der Interimssprache:

  • Systematisch udn regelgeleitet: Sprache folgt einer eigenen, internen Regelbuch des lernenden udn ist in ihrer Entwicklung vorhersehbar.

  • Dynamisches Kontinuum: Sie verĂ€ndert sich stĂ€ndig und schrittweise, wĂ€hrend der Lernende neue Hypothesen ĂŒber die Zielsprache bildet, testet udn anpasst.

  • Mischsystem: Sie enthĂ€lt Merkmale der Muttersprache (L1), der Zielsprache (L2) und völlig neue Strukturen, die in keiner der beiden Sprachen vorkommen.

  • Ohne ausreichende Lerngelegenheiten udn Feedback kann die Interimssprache fossilisieren (Fehler verfestigen sich dauerhaft)

Nach Ellis (1994) hat Interimssprache drei bedeutungen:

  1. Die Abfolge der Entwicklungsstufen beim Zweitspracherwerb.

  2. Das aktuelle Sprachsystem eines Lernenden zu einem bestimmten Zeitpunkt.

  3. Die Beziehung zwischen einer bestimmten Erst- und Zielsprache, z. B. Deutsch–Französisch.

Bedeutung fĂŒr den Unterricht:

LehrkrĂ€fte sollten Fehler als natĂŒrliche Entwicklungsschritte betrachten. Sie sind ein notwendiger Bestandteil des Lernprozesses und ein Indikator fĂŒr den aktuellen Entwicklungsstand des SuS.

Ziel ist es, die Interlanguage durch Feedback, Übung und sprachliche Anregungen kontinuierlich weiterzuentwickeln und eine Fossilisierung zu vermeiden.

Message before accuracy: Fehler sind entwicklungsbedingt teil des Prozesses und sollten im kommunikativen Unterricht toleriert werden solange die Botschaft verstÀndlich bleibt.

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behalten und Vergessen beim Spracherwerb

1. Mentales Lexikon – Speicherung von Wörtern

  • Wörter werden im mentalen Lexikon (Teil des LangzeitgedĂ€chtnisses) gespeichert.

  • Speicherung erfolgt nicht wie in einem Wörterbuch, sondern in Netzwerken:

    • Bedeutungen (semantische Verbindungen)

    • Ähnlichkeiten (z. B. Synonyme, Oberbegriffe)

    • Lautstrukturen (phonologische Verbindungen)

  • Je stĂ€rker Wörter vernetzt sind, desto leichter können sie beim Sprechen abgerufen werden.


2. Vom KurzzeitgedÀchtnis ins LangzeitgedÀchtnis

  • Das ArbeitsgedĂ€chtnis verarbeitet neue Informationen, hat aber eine begrenzte KapazitĂ€t.

  • Zu viele neue Informationen gleichzeitig → hoher cognitive load → erschwert Speicherung.

  • FĂŒr langfristiges Behalten mĂŒssen neue Wörter:

    • mit vorhandenem Wissen verknĂŒpft werden (Wortnetze)

    • mehrfach angewendet werden

    • in sinnvollen Kontexten vorkommen

Förderlich fĂŒr das Behalten:

  • Tiefe Verarbeitung: Wörter mit persönlichen Erfahrungen, Bildern oder Emotionen verbinden.

  • Dual Coding: Verbindung von Bild + Wort unterstĂŒtzt Speicherung.


3. Warum vergessen Lernende Wörter?

  • Isoliertes Lernen: Vokabellisten ohne Kontext fĂŒhren oft nur zu kurzfristigem Lernen.

  • Fehlende Verbindungen: Wörter haben keine „Anker“ im mentalen Lexikon.

  • Interferenzen: Einfluss der Erstsprache kann den Abruf stören (z. B. False Friends).

  • Zu wenig Anwendung/Wiederholung: Sprachliche Verbindungen werden schwĂ€cher.


4. Fossilisierung als problematische Form des Behaltens

  • Fossilisierung bedeutet, dass fehlerhafte sprachliche Strukturen dauerhaft gespeichert und automatisiert werden.

  • Beispiele:

    • falsche Aussprache

    • Grammatikfehler

  • Deshalb wichtig:

    • frĂŒhzeitiges Feedback

    • Bewusstmachung korrekter Sprachmuster (Awareness-raising)


5. Strategien zur Förderung des Behaltens im Englischunterricht

Task Repetition

  • Wiederholung einer Aufgabe fĂŒhrt dazu, dass Lernende sich weniger auf den Inhalt und mehr auf die Sprache konzentrieren.

  • Sprachliche Prozesse können dadurch automatisiert werden.

Elaboration

  • Aktive BeschĂ€ftigung mit Wörtern (z. B. Bedeutung aus Kontext erschließen) verbessert das Erinnern.

Kontextualisierung und Visualisierung

  • Wörter in sinnvollen Situationen lernen.

  • Bilder, GegenstĂ€nde und reale Situationen (Realia) unterstĂŒtzen besonders in der Grundschule das Behalten.


Merksatz:

Sprachliches Wissen bleibt langfristig erhalten, wenn es im mentalen Lexikon gut vernetzt, mehrfach angewendet und in bedeutungsvolle Kontexte eingebettet wird. Isoliertes Lernen und fehlende Anwendung fördern Vergessen oder Fossilisierung.

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Language Awareness (Sprachbewusstheit) – Verbindung zu Spracherwerb und interkulturellem Lernen Kernaussage

  • Language Awareness bedeutet, Sprache bewusst wahrzunehmen und ĂŒber Sprache nachzudenken.

  • Sie verbindet Spracherwerb (Wie lernen Menschen Sprache?) und interkulturelles Lernen (Wie ist Sprache mit Kultur verbunden?).

  • Sie hilft Lernenden, Sprache nicht nur zu benutzen, sondern auch zu reflektieren.


1. Bedeutung fĂŒr den Spracherwerb

  • Bewusstheit hilft Lernenden, sprachliche Besonderheiten im Input wahrzunehmen (Noticing).

  • Lernende erkennen Unterschiede zwischen ihrer eigenen Sprache und der Zielsprache (Noticing the Gap).

  • Durch Interaktion und Feedback werden sie auf sprachliche Probleme aufmerksam.

  • Beim Languaging sprechen Lernende ĂŒber Sprache und entwickeln dadurch ein tieferes VerstĂ€ndnis.


2. Verbindung von Sprache und Kultur

  • Sprache ist nicht nur ein System aus Wörtern und Grammatik, sondern vermittelt auch kulturelle Bedeutungen.

  • Sprachbewusstheit zeigt, dass Kommunikation durch kulturelle Regeln geprĂ€gt ist (z. B. Höflichkeit, BegrĂŒĂŸungen, GesprĂ€chsformen).

  • Lernende erkennen, dass die eigene Wahrnehmung kulturell geprĂ€gt ist und entwickeln Offenheit fĂŒr andere Perspektiven.


3. Bedeutung fĂŒr interkulturelle Kompetenz (Byram ICC)

  • Language Awareness unterstĂŒtzt das Critical Cultural Awareness (Savoir s’engager):

    • eigene und fremde kulturelle Praktiken kritisch betrachten.

  • Fördert Dezentrierung:

    • eigene kulturelle Vorstellungen hinterfragen und andere Sichtweisen verstehen.

  • Ziel: Entwicklung vom reinen Sprachlernenden zum Intercultural Speaker.


4. Umsetzung im Grundschulunterricht

  • Sprachvergleich: Deutsch und Englisch vergleichen (z. B. Wörter, Strukturen, Kommunikationsweisen).

  • Authentische Materialien: Texte, Filme oder Medien nutzen, um Sprache und Kultur zu reflektieren.

  • Language Play: Spielerisches Experimentieren mit Sprache fördert Sprachbewusstsein und Sicherheit.


Merksatz:

Language Awareness ist die FĂ€higkeit, Sprache bewusst wahrzunehmen und ĂŒber ihre Strukturen und kulturellen Bedeutungen zu reflektieren. Sie unterstĂŒtzt den Spracherwerb und fördert interkulturelle Kompetenz, indem Lernende Sprache als Ausdruck kultureller Perspektiven verstehen.