Diagnostik VL 05 Rechenstöung

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1
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Wie wird die Rechenstörung nach ICD-11 beschrieben?

  • Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten nicht durch Intelligenzminderung oder unangemessene Beschulung erklärbar

  • Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden

  • Man würde schauen in welchen Teilen (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division) die Probleme liegen und dann nur diesen Bereich fördern.

2
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Auf welchen drei Ebenen kann eine Rechenstörung diagnostiziert werden?

-       Fähigkeiten: Gehirnentwicklung, Exekutive Funktion (Ziel vorgegeben), Arbeitsgedächtnis (Ziel noch nicht vorgegeben)

-       Basiskompetenzen: Wenn man die Fähigkeiten hat, ohne die Rechenprozeduren gelernt zu haben.

-       Fertigkeit

3
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Warum wird die Prävalenz der Rechenstörung wird sehr unterschiedlich angegeben. Warum ist das so?

  • Unterschiedliche Diagnosekriterien (ICD-10; ICD-11 oder DSM-5)

  • Unterschiedliche Grenzwerte (ICD-10 = 2SD ; DSM = 1,2-1,5 SD)

  • Verschiedene Testverfahren: Nicht alle Rechentests messen dieselben Fähigkeiten, Die Normen der Tests unterscheiden sich ebenfalls.

  • Unterschiedliche Stichproben (Alter, Schulform, Land oder Region, Größe und Zusammensetzung der Stichprobe)

  • Berücksichtigung von Begleiterkrankungen (Manche Studien schließen Kinder mit ADHS, einer Intelligenzminderung oder anderen Entwicklungsstörungen aus. Andere schließen sie ein.)

4
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Welche Aussagen treffen die CDDR der WHO (2024, S. 134) zur Diagnostik der Rechenstörung (6A03.2 ICD-11) ?

  • Anhaltende und deutliche Schwierigkeiten beim Rechnen

  • Leistung deutlich unter dem altersentsprechenden Niveau, trotz angemessener Beschulung

  • Führt zu erheblichen Beeinträchtigungen in Schule, Beruf oder Alltag

  • Nicht besser erklärbar durch Intelligenzminderung, Sinnesstörungen, neurologische Erkrankungen oder mangelnde Bildung

5
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Was steht zu diagnostischen Kriterien in der Leitlinie Rechenstörung der AWMF (2018, S. 20f) ?

  • Die AWMF empfiehlt eine Diagnose auf Grundlage psychometrischer, klinischer und qualitativer Kriterien.

  • Die Rechenleistung muss deutlich unterdurchschnittlich sein

≤ PR 7 (−1,5 SD), wenn keine weiteren klinischen oder qualitativen Hinweise vorliegen.

≤ PR 16 (−1 SD), wenn klinische und qualitative Befunde den Verdacht auf Rechenstörung zusätzlich stützen.

  • Das IQ-Diskrepanzkriterium wird nicht empfohlen

  • Komorbiditäten sollen mit untersucht werden.

  • Prävalenz wird in Wahrscheinlichkeit etwa 5-6 % sein

6
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Wie lauten die drei Hauptmerkmale für Rechenstörung (Kriterien A, B, C) im DSM-5 (Falkei et al. 2018, S.90f) ?

A: Anhaltende Schwierigkeiten beim Erlernen und Anwenden schulischer Fertigkeiten (≥ 6 Monate trotz Förderung)

B: Beeinträchtigung und unterdurchschnittliche Leistung

C: Beginn im Schulalter

7
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Wie lauten die wichtigsten Merkmale der Intelligenz (DSM-5 - Falkai et al., 2018,S. 91f) ?

  • Eine Intelligenzminderung muss ausgeschlossen werden.

  • Es ist aber kein IQ-Diskrepanzkriterium mehr erforderlich. Das bedeutet: Es muss nicht nachgewiesen werden, dass die Rechenleistung deutlich schlechter ist als aufgrund des IQs zu erwarten wäre.

  • Die Diagnose kann also auch bei durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz gestellt werden, solange die übrigen DSM-5-Kriterien erfüllt sind.

8
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Wofür steht die Abkürzung AMR und wie sieht es grafisch abgebildet aus?

Analogue magnitude representation (Analoge Größenvorstellungen)

9
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Was sind die AMR´s?

  • Angeborene Fähigkeit, kontinuierliche Größen (Entfernung, Zeit, Helligkeit) ungefähr zu schätzen, ohne Ziffern oder Zählprozesse zu verwenden

  • Analoge Größenvorstellungen

  • Diese Fähigkeit gilt als eine grundlegende Vorläuferkompetenz des Rechnens.

  • AMR ist ein Baustein der Zahlbegriffsentwicklung

10
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Was ist die Zahlenbegriffsentwicklung?

-       Entwicklung des Verständnisses der Bedeutung von Zahlen und Mengen in ihren Relationen und Kontexten.

-       was ist viel, was ist wenig mit Bezug auf Mengen, semantischer Gehalt der Zahl

-       Beispiel: Was sagt die Zahl 7 aus? 7 Nasen in einem Gesicht sind viel, 7 Tage in einem Leben sind wenig

-       Es geht also IMMER um REALTIONEN

11
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Was ist der semantische Gehalt einer Zahl und woraus besteht er?

Beschreibt die Bedeutung einer Zahl, die sich aus Kardinal- und Ordinalaspekt ergibt

Kardinalzahlaspekt:

Bezeichnet die Anzahl der Elemente einer Menge. Sie entspricht der Zahl, die beim Zählen als letztes genannt wird.

  • 7 bedeutet eine Menge von sieben Elementen

  • Mächtigkeit der Mengen

  • Der letzte Zählschritt bezeichnet die Mächtigkeit der Menge

  • Man kann durch die Ordinalzahl den Kardinalaspekt mit Inhalt füllen - Kardinalaspekt gibt die absolute Größe an, aber man braucht den Ordinalaspekt der Zahl, um das einordnen zu können.

 

Ordinalzahlaspekt:

Beschreibt die Reihenfolge von Mengen. Dabei wird das näherungsweise Schätzen von Größen (angeborene AMR) mit

  • der erlernten Zahlwortsequenz kombiniert, um Mengen und ihre Relationen exakt oder näherungsweise zu vergleichen

  • Bedeutung einer Zahl (Menge) als relativ zu anderen Zahlen (Mengen)

  • Platz ist eine relative Zahl

  • Größe (mehr oder weniger)

  • Relationen (Order, Reihenfolge, Mehr oder weniger)

12
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Was ist Konzeptwissen vs. Prozeduralwissen im AMR?

Konzeptwissen:

  • Einsicht in Relationen des semantischen Gehaltes der Zahl bildet die Grundlage für das mathematische Konzeptwissen

  • Verständnis von viel und wenig, von mehr (+/x) und weniger (-/:)

Prozeduralwissen

  • Das regelgeleitete Anwenden des Konzeptwissens stellt das Prozeduralwissen dar

  • Beherrschung von Rechenprozeduren als Prozessieren von Mengenvorstellungen (Zahlen) – Regeln auswendig lernen

  • Wissen über die Ausführung von Handlungen oder Verfahren ("Wie-Wissen")

13
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Was sind Fähigkeiten vs. Fertigkeiten im AMR?

Verständnis mathematischer Konzepte (größer/kleiner/ Größe, mehr/ weniger/ Menge, Reihenfolge, Ordinal- und Kardinalaspekt der Zahl) basieren auf grundlegenden Fähigkeiten/ Funktionen/Prozessen

-       Fähigkeiten sind angeboren und in geringem Maße trainierbar

-       Fertigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen)sind erworben/erlernt sind (angemessene Beschulung)

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Was ist Latent vs. Manifest im AMR?

Latent: Beeinträchtigungen in Fähigkeiten bestehen bereits vor Einsetzen der Beschulung

Manifest: Latente Beeinträchtigungen in Fähigkeiten manifestieren sich nach Einsetzen der Beschulung als Lernentwicklungsstörungen

  • Damit erweist sich die LEW nicht als eigentliche Störung, sondern als Symptom einer früheren, grundlegenderen Beeinträchtigung von Funktionen (Defizit), die eng verbunden sind mit der biologischen Reifung des ZNS.

  • Es kommt daher bei der ipsativen (Vergleich einer Person mit sich selbst) Gegenüberstellung von Intelligenz und schulischer Fertigkeit (IQ-Diskrepanz) regelmäßig zu inhaltlicher Überlappung

15
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Wie ist mathematisches Wissen grafisch aufgebaut?

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Was ist das Weber´sche Gesetz?

-       erklärt, dass Wahrnehmung relativ erfolgt

-       Veränderung eines Reizes wird nur wahrgenommen, wenn sie in bestimmtes Verhältnis zur Ausgangsreizstärke steht.

-       Je größer der Ausgangsreiz, desto größer muss die Veränderung sein, damit sie bemerkt wird.

o    R = Ausgangsreiz

o    ΔR = kleinste gerade noch bemerkbare Reizänderung

o    k = Weber-Konstante (je nach Sinnesmodalität unterschiedlich)

 

Beispiele:

-       Hältst du 100 g in der Hand, bemerkst du vielleicht erst 10 g mehr.

-       Hältst du 1 kg, brauchst du etwa 100 g zusätzlich, um den Unterschied wahrzunehmen.

17
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Was bedeutet Zahlenverarbeitung nach dem Triple-Code-Modell?

1.        symbolische Repräsentation: arabische Notation – Ziffer (mehrstellige Rechenoperationen)

2.        verbale Repräsentation: Zahlwort (Faktenwissen, Einmaleins - auswendig)

3.        analoge Repräsentation (AMR): Position auf dem mentalen Zahlenstrahl, Schätzen, Überschlagsrechnung,

18
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Was ist mit Basiskompetenzen gemeint?

  • Mengenbilden

  • Mengenschätzen

  • Sofortige Mengenerfassung

  • Zahlen, Abzählen,

  • Mengen-Zahl-Zuordnung

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Sollte man für die Diagnostik der Rechenstörung Selektions- oder Modifikationsdiagnostik nutzen?

Selektion: Auswahl / Auslese = Um eine Rechenstörung festzustellen, kann nicht zur Modifikation angewendet werden

Modifikation: Nur für Veränderung – Diagnose Rechenstörung auch möglich, aber es wären zu viel enthaltene Teile

20
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Welche Bereiche würden für die Diagnose einer Rechenstörung ausreichen?

-       Kopfrechnen in den vier Grundrechenarten

-       Schriftliches Rechnen in den vier Grundrechenarten

-       Rechnen mit Platzhalteraufgaben

21
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