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Wie wird die Rechenstörung nach ICD-11 beschrieben?
Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten nicht durch Intelligenzminderung oder unangemessene Beschulung erklärbar
Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden
Man würde schauen in welchen Teilen (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division) die Probleme liegen und dann nur diesen Bereich fördern.
Auf welchen drei Ebenen kann eine Rechenstörung diagnostiziert werden?
- Fähigkeiten: Gehirnentwicklung, Exekutive Funktion (Ziel vorgegeben), Arbeitsgedächtnis (Ziel noch nicht vorgegeben)
- Basiskompetenzen: Wenn man die Fähigkeiten hat, ohne die Rechenprozeduren gelernt zu haben.
- Fertigkeit
Warum wird die Prävalenz der Rechenstörung wird sehr unterschiedlich angegeben. Warum ist das so?
Unterschiedliche Diagnosekriterien (ICD-10; ICD-11 oder DSM-5)
Unterschiedliche Grenzwerte (ICD-10 = 2SD ; DSM = 1,2-1,5 SD)
Verschiedene Testverfahren: Nicht alle Rechentests messen dieselben Fähigkeiten, Die Normen der Tests unterscheiden sich ebenfalls.
Unterschiedliche Stichproben (Alter, Schulform, Land oder Region, Größe und Zusammensetzung der Stichprobe)
Berücksichtigung von Begleiterkrankungen (Manche Studien schließen Kinder mit ADHS, einer Intelligenzminderung oder anderen Entwicklungsstörungen aus. Andere schließen sie ein.)
Welche Aussagen treffen die CDDR der WHO (2024, S. 134) zur Diagnostik der Rechenstörung (6A03.2 ICD-11) ?
Anhaltende und deutliche Schwierigkeiten beim Rechnen
Leistung deutlich unter dem altersentsprechenden Niveau, trotz angemessener Beschulung
Führt zu erheblichen Beeinträchtigungen in Schule, Beruf oder Alltag
Nicht besser erklärbar durch Intelligenzminderung, Sinnesstörungen, neurologische Erkrankungen oder mangelnde Bildung
Was steht zu diagnostischen Kriterien in der Leitlinie Rechenstörung der AWMF (2018, S. 20f) ?
Die AWMF empfiehlt eine Diagnose auf Grundlage psychometrischer, klinischer und qualitativer Kriterien.
Die Rechenleistung muss deutlich unterdurchschnittlich sein
≤ PR 7 (−1,5 SD), wenn keine weiteren klinischen oder qualitativen Hinweise vorliegen.
≤ PR 16 (−1 SD), wenn klinische und qualitative Befunde den Verdacht auf Rechenstörung zusätzlich stützen.
Das IQ-Diskrepanzkriterium wird nicht empfohlen
Komorbiditäten sollen mit untersucht werden.
Prävalenz wird in Wahrscheinlichkeit etwa 5-6 % sein
Wie lauten die drei Hauptmerkmale für Rechenstörung (Kriterien A, B, C) im DSM-5 (Falkei et al. 2018, S.90f) ?
A: Anhaltende Schwierigkeiten beim Erlernen und Anwenden schulischer Fertigkeiten (≥ 6 Monate trotz Förderung)
B: Beeinträchtigung und unterdurchschnittliche Leistung
C: Beginn im Schulalter
Wie lauten die wichtigsten Merkmale der Intelligenz (DSM-5 - Falkai et al., 2018,S. 91f) ?
Eine Intelligenzminderung muss ausgeschlossen werden.
Es ist aber kein IQ-Diskrepanzkriterium mehr erforderlich. Das bedeutet: Es muss nicht nachgewiesen werden, dass die Rechenleistung deutlich schlechter ist als aufgrund des IQs zu erwarten wäre.
Die Diagnose kann also auch bei durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz gestellt werden, solange die übrigen DSM-5-Kriterien erfüllt sind.
Wofür steht die Abkürzung AMR und wie sieht es grafisch abgebildet aus?
Analogue magnitude representation (Analoge Größenvorstellungen)

Was sind die AMR´s?
Angeborene Fähigkeit, kontinuierliche Größen (Entfernung, Zeit, Helligkeit) ungefähr zu schätzen, ohne Ziffern oder Zählprozesse zu verwenden
Analoge Größenvorstellungen
Diese Fähigkeit gilt als eine grundlegende Vorläuferkompetenz des Rechnens.
AMR ist ein Baustein der Zahlbegriffsentwicklung
Was ist die Zahlenbegriffsentwicklung?
- Entwicklung des Verständnisses der Bedeutung von Zahlen und Mengen in ihren Relationen und Kontexten.
- was ist viel, was ist wenig mit Bezug auf Mengen, semantischer Gehalt der Zahl
- Beispiel: Was sagt die Zahl 7 aus? 7 Nasen in einem Gesicht sind viel, 7 Tage in einem Leben sind wenig
- Es geht also IMMER um REALTIONEN
Was ist der semantische Gehalt einer Zahl und woraus besteht er?
Beschreibt die Bedeutung einer Zahl, die sich aus Kardinal- und Ordinalaspekt ergibt
Kardinalzahlaspekt:
Bezeichnet die Anzahl der Elemente einer Menge. Sie entspricht der Zahl, die beim Zählen als letztes genannt wird.
7 bedeutet eine Menge von sieben Elementen
Mächtigkeit der Mengen
Der letzte Zählschritt bezeichnet die Mächtigkeit der Menge
Man kann durch die Ordinalzahl den Kardinalaspekt mit Inhalt füllen - Kardinalaspekt gibt die absolute Größe an, aber man braucht den Ordinalaspekt der Zahl, um das einordnen zu können.
Ordinalzahlaspekt:
Beschreibt die Reihenfolge von Mengen. Dabei wird das näherungsweise Schätzen von Größen (angeborene AMR) mit
der erlernten Zahlwortsequenz kombiniert, um Mengen und ihre Relationen exakt oder näherungsweise zu vergleichen
Bedeutung einer Zahl (Menge) als relativ zu anderen Zahlen (Mengen)
Platz ist eine relative Zahl
Größe (mehr oder weniger)
Relationen (Order, Reihenfolge, Mehr oder weniger)
Was ist Konzeptwissen vs. Prozeduralwissen im AMR?
Konzeptwissen:
Einsicht in Relationen des semantischen Gehaltes der Zahl bildet die Grundlage für das mathematische Konzeptwissen
Verständnis von viel und wenig, von mehr (+/x) und weniger (-/:)
Prozeduralwissen
Das regelgeleitete Anwenden des Konzeptwissens stellt das Prozeduralwissen dar
Beherrschung von Rechenprozeduren als Prozessieren von Mengenvorstellungen (Zahlen) – Regeln auswendig lernen
Wissen über die Ausführung von Handlungen oder Verfahren ("Wie-Wissen")
Was sind Fähigkeiten vs. Fertigkeiten im AMR?
Verständnis mathematischer Konzepte (größer/kleiner/ Größe, mehr/ weniger/ Menge, Reihenfolge, Ordinal- und Kardinalaspekt der Zahl) basieren auf grundlegenden Fähigkeiten/ Funktionen/Prozessen
- Fähigkeiten sind angeboren und in geringem Maße trainierbar
- Fertigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen)sind erworben/erlernt sind (angemessene Beschulung)
Was ist Latent vs. Manifest im AMR?
Latent: Beeinträchtigungen in Fähigkeiten bestehen bereits vor Einsetzen der Beschulung
Manifest: Latente Beeinträchtigungen in Fähigkeiten manifestieren sich nach Einsetzen der Beschulung als Lernentwicklungsstörungen
Damit erweist sich die LEW nicht als eigentliche Störung, sondern als Symptom einer früheren, grundlegenderen Beeinträchtigung von Funktionen (Defizit), die eng verbunden sind mit der biologischen Reifung des ZNS.
Es kommt daher bei der ipsativen (Vergleich einer Person mit sich selbst) Gegenüberstellung von Intelligenz und schulischer Fertigkeit (IQ-Diskrepanz) regelmäßig zu inhaltlicher Überlappung
Wie ist mathematisches Wissen grafisch aufgebaut?

Was ist das Weber´sche Gesetz?
- erklärt, dass Wahrnehmung relativ erfolgt
- Veränderung eines Reizes wird nur wahrgenommen, wenn sie in bestimmtes Verhältnis zur Ausgangsreizstärke steht.
- Je größer der Ausgangsreiz, desto größer muss die Veränderung sein, damit sie bemerkt wird.
o R = Ausgangsreiz
o ΔR = kleinste gerade noch bemerkbare Reizänderung
o k = Weber-Konstante (je nach Sinnesmodalität unterschiedlich)
Beispiele:
- Hältst du 100 g in der Hand, bemerkst du vielleicht erst 10 g mehr.
- Hältst du 1 kg, brauchst du etwa 100 g zusätzlich, um den Unterschied wahrzunehmen.
Was bedeutet Zahlenverarbeitung nach dem Triple-Code-Modell?
1. symbolische Repräsentation: arabische Notation – Ziffer (mehrstellige Rechenoperationen)
2. verbale Repräsentation: Zahlwort (Faktenwissen, Einmaleins - auswendig)
3. analoge Repräsentation (AMR): Position auf dem mentalen Zahlenstrahl, Schätzen, Überschlagsrechnung,
Was ist mit Basiskompetenzen gemeint?
Mengenbilden
Mengenschätzen
Sofortige Mengenerfassung
Zahlen, Abzählen,
Mengen-Zahl-Zuordnung
Sollte man für die Diagnostik der Rechenstörung Selektions- oder Modifikationsdiagnostik nutzen?
Selektion: Auswahl / Auslese = Um eine Rechenstörung festzustellen, kann nicht zur Modifikation angewendet werden
Modifikation: Nur für Veränderung – Diagnose Rechenstörung auch möglich, aber es wären zu viel enthaltene Teile
Welche Bereiche würden für die Diagnose einer Rechenstörung ausreichen?
- Kopfrechnen in den vier Grundrechenarten
- Schriftliches Rechnen in den vier Grundrechenarten
- Rechnen mit Platzhalteraufgaben