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Die pragmatischen Axiome menschlicher Kommunikation (Axiom 1)
enthält die weltweit wohl bekannteste these zum Thema Kommunikation: “Man kann nicht nicht kommunizieren.”
Selbst wenn wir nichts sagen und den Blickkontakt vermeiden, signalisieren wir etwas. Auch Wegsehen ist kommunikatives Verhalten. Mit anderen Worten, die K-Röhre ist nie leer.
Die pragmatischen Axiome menschlicher Kommunikation (Axiom 2)
Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei der Beziehungsaspekt den Inhaltsaspekt bestimmt.
K-Röhren enthalten somit zwei Informationen. Eine betrifft die Sachebene, das eigentliche Gesprächsthema; eine betrifft die Beziehungsebene, die zwischenmenschliche Komponente. Und letztere entscheidet darüber, ob und wie wir die inhaltskomponente interpretieren.
Die pragmatischen Axiome menschlicher Kommunikation (Axiom 3)
“Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens des Partners bedingt.”
Mit Hilfe bewusster und unbewusster Regeln und Signale zeigen wir an, wer die Röhre wann zum Senden seiner Informationen benutzen will, darf oder muss. Verbal teilt man das durch entsprechende Hinweise mit.
Nonverbal signalisieren das z.b das Heben der Stimme am satzende, ein deutlicher Blick oder eine Pause
Die pragmatischen Axiome menschlicher Kommunikation (Axiom 4)
Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Informationen.
Jede Röhre besitzt zwei Informationskanäle. Digitale Informationen bestehen aus Zeichen oder Ziffern. Verbale Mikromuster übermitteln demzufolge digitale Information.
Analoge Informationen bestehen dagegen aus Bildern oder aus Prozessveränderungen. Nonverbale Mikromuster übermitteln demzufolge analogen informationen.
Zwei Aspekte sind zentral: die zugrunde liegenden Regeln und Eignung für den inhalts- oder Beziehungsaspekt gemäß Axiom 2.
Proxemik: Räumliche Distanz
räumliche Distanz wird nonverbal geregelt und spielt für unser soziales und gesellschaftliches Leben eine große Rolle.
sie ist kulturell überformt und muss, wenn sie als richtig wahrgenommen wird, die Art, Intensität und rollenverteilung widerspiegeln.
Verletzungen der räumlichen Distanz-Praxis wird als Übergriff oder alles Abweisung erlebt.
Proxemik
situationsabhängige räumliche Distanz
Abstand, Körperhöhe, Körperausrichtung und Formen der Berührung
hängt von individuellen Eigenschaften ab (Persönlichkeit), ist aber auch geschlechts- und kulturabhäng
konntest du in Situation ist entscheidend
-Intime Zone (<50cm)
-Persönliche Zone (50-150cm)
-Gesellschaftliche Zone (150-350cm)
-Fluchtdistanz (>350cm)
Proxemik, Kontext und Kultur
Kruse und Graumann untercheiden soziofugale und soziopetale Räume
-soziofugal: reduzieren Kontaktverhalten (z.B. Bibliothek, Fahrstuhl)
-soziopetal: regen Kontaktverhalten an (z.B. Bars, Bahnhofswartestelle)
-Solche Raumpraxen sind kulturell- und kontextspezifisch
-Macht, Status und Hierarchie verändern toleriertes Raumverhalten, ebenso wie Ausnahmesituationen
Taktile Kommunikation
Organ: Haut (das größte menschliche Sinnesorgan)
wir haben spezifische Rezeptoren, die auf Druck, Spannung und Dehnung, Wärme und Kälte, Vibration, Schmerz reagieren.
die Sensibilität ist unterschiedlich: es gibt sehr sensible Bereiche (Lippen, Fingerkuppen, geschlechtsorgane) und weniger sensible Bereiche (Rücken, Beine)
das aktive Tasten ist eine wichtige Quelle, um Informationen über Gegenstände zu sammeln.
Bedeutung taktiler Kommunikation
zentrale Bedeutung für soziales und gesellschaftliches Leben
Zuneigung, Intimität: Hilfe, Pflege, Begrüßung, Abschied, Liebe, Sexualität
Dominanz, Aggression: Feindschaft, körperliche Schläge, Über- und Unterlegenheit
zentrale Fähigkeit in den ersten Lebensjahren und unabdingbar für die emotionale und soziale Entwicklung bei Tieren und Menschen
Säuglinge und Kleinkinder, die ohne oder mit wenig körperkontakt in Berührung aufwachsen, entwickeln kein (soziales) Vertrauen und bleiben in der Intelligenz zurück
Taktile Kommunikation und Kultur
in unserer und anderen Kulturen unterliegen Berührungen unser Erwachsenen strengen und sozialkontextualisierten Regeln.
Kulturen normieren unter welchen Bedingungen welche Körperteile des eigenen und anderen Geschlechts berührt werden sollten
Kontaktkulturen: Araber, Lateinamerikaner und Südeuropäer haben häufiger Körperkontakte in der Öffentlichkeit
Nichtkontaktkulturen: Asiaten, Inder und Nordeuropäer haben wenig Körperkontakte im öffentlichen Raum (Ausnahme: asiatische Kulturen und volle öffentliche Räume).
für taktile Kommunikation gibt es keine reguläres zeichensystem, aber Rituale: Grußgesten, Sport (z.b Boxen, Tanzen)
künstliche taktile Zeichensysteme
taktile Komm. ist unverzichtbar für Menschen ohne Sehkraft oder Sprechfähigkeit. Dann nutzt man taktiler Sprachsubstitute, die meisten übertragen die Buchstaben des Alphabets in Berührungsreize:
-Lorm’sches Fingeralphabet, das auf den Handteller “geschrieben” wird
-Braille-Schrift, bei der Erhebungen auf dem Papier abgetastet werden.
-Taktiles Morsen, bei dem das Morse-Alphabet in Druckreize transportiert wird
Bilder und Grafiken können taktil erschlossen werden, bei denen die Konturen in eine Matrize gefräst werden.
Taktile Komm. ist bei Tieren ebenso unverzichtbar.
Körperkontakt und nonverbale Kommunikation durch Interaktion
Arbeiten von Harlow & Harlow (1965)
Ziel:
-Bindungverhalten: Was steuert die emotionale Bindung im Unterschied zur Grundversorgung (Nahrung)
Kontext und experimentelles Setting:
-Rhesusaffenkinder wurden nach der Geburt von ihrem leiblichen Müttern getrennt und an künstlichen Ersatzmüttern aufgezogen.
-Zwei Varianten: Draht- und Handtuchmama (Frotteebezug)
-Die Säugung wurde an beiden Mama-Dummies vorgenommen
Bedeutung des Körperkontakts durch Interaktion
Arbeiten von Harlow & Harlow (1965)
-Bei den unbekannten Reizen und in bedrohlichen Situationen kuschelten sich die Affen an die Handtuchmama
-Affen verbrachten fast die gesamte Zeit an der Handtuchmama, unabhängig davon wo sie gefüttert wurden
-Normales Spielverhalten
-Normales Interaktionsverhalten
-Normale Entwicklung in der bestehenden Generation
-In der nächsten Generation entwickelten sich dramatische Entwicklungsstörungen
-Affen zeigten große Schwierigkeiten im Sexualverhalten und Brutpflegeverhalten
Olfaktorische Kommunikation
Die Organe der okfaktorischen Wahrnehmung sind Nase und Gaumen/ Zunge. Sie bilden eine Einheit.
Geschmack: Er umfasst die Qualitäten “salzig”, “sauer”, “süß”, “bitter”, die auf die Zunge von Geschmacksrezeptoren kodiert werden.
Geruch: Gerüche werden über Luftströme in der Nase wahrgenommen, eine Einteilung in Qualitäten ist schwierig, weil wir keine eindeutige Geruchs”sprache” haben. Gerüche werden in der Bibliographie “erlernt” und im Langzeitgedächtnis gespeichert. Das Geruchsgedächtnis löscht in der Regel nicht (höchstens die Zuordnung zu den Geruchsobjekten)
Gerüche und Gesellschaft
Menschen=Mikrosmaten, also mit einem sehr schwachen und in unserer Kultur verkümmerten Geruchssinn
Gerüche sind in unserer Kultur extrem sanktioniert – sie werden an kulturfähigkeiten gebunden (sauber, Festlegung der guten (tolerierten Gerüche) und der nicht tolerierten Gerüche.
Aber: Gerüche drücken Emotionen aus; sie sind automatisch geregelt (Angstschweiß, sexuelles Handeln, Zugehörigkeit und Hingabe). Wir tolerieren Gerüche je nach Sozialkontext und Kultur.
Gerüche sind handlungs- und verhaltensleitend (Paarverhalten, Feindverhalten, Abwehr und Zuneigung). Gerüche sind Zeichen des “Eigenen” und des “Fremden” – dies ist auch für Kulturwahrnehmung zentral.
In a Nutshell: Kommunikation braucht Kontext
-Wir haben verschiedene Systeme der nonverbalen Kommunikation die wir soziokulturell erlernen.
-nicht immer sendet die Signale und Botschaften jedoch eindeutig zunicht immer sendet die Signale und Botschaften jedoch eindeutig zu verstehen
-ein und dieselbe Verhaltensweise kann unterschiedliches bedeuten, je nach Situation, den KommunikationspartnerInnen oder dem soziokulturellen Kontext
-nur das Wissen um den jeweiligen Kontext, also die Situation, in der wir kommunizieren, macht die Botschaft verständlich.
Kommunikation braucht Etikette
-jedes Kommunikationsmedium hat seine tolerierten Eigenheiten, die wir respektieren sollten
-jedes Kommunikationsmedium benötigt deshalb eine eigene Benutzungsregel, eine adäquate Umgangsform z.B. richtige Zeit Punkt, richtige Form, richtige Dosierung, richtiger Ton, richtiges Medium
-bei den Mensch-Medien haben wir solche Etiketten über lange Zeit erlernt (Generation, Entwicklung, Kultur)
-Bei den digitalen Medien müssen wir die Etikette (das wie der Nutzung, das wann und das warum und in welchen Situation) noch und immer wieder erarbeiten