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Was ist der Lexical Approach?
Der Lexical Approach wurde Anfang der 1990er Jahre vom britischen Sprachdidaktiker Michael Lewis entwickelt.
Seine wichtigste Aussage lautet:
Sprache besteht nicht hauptsächlich aus Grammatik, sondern aus Lexik.
Mit Lexik sind nicht nur einzelne Wörter gemeint, sondern auch Wortverbindungen, die häufig zusammen vorkommen.
Das bedeutet:
Früher dachte man: Man lernt Grammatik, dann setzt man Wörter ein.
Lewis sagt: Menschen lernen zunächst typische Wortkombinationen. Daraus entwickelt sich das Sprachgefühl.
Was ist Lexis?
Lexis umfasst den gesamten Wortschatz einer Sprache:
einzelne Wörter (house)
feste Wendungen (Good morning)
Redewendungen (It's raining cats and dogs.)
Kollokationen (make a decision)
Satzbausteine (Would you mind...?)
Der Lexical Approach legt den Schwerpunkt vor allem auf Chunks.
Was sind Chunks?
Chunks sind feste oder halb feste Wortgruppen, die Muttersprachler als Einheit speichern und verwenden.
Beispiele:
How are you?
Nice to meet you.
At the end of the day
I don't know.
Would you like...?
Niemand bildet diese Sätze jedes Mal Wort für Wort neu. Sie werden als ganze Einheiten aus dem Gedächtnis abgerufen.
Collocations
Eine Collocation ist eine Wortkombination, die besonders häufig zusammen auftritt.
Beispiele:
Richtig | Falsch |
|---|---|
make a mistake | do a mistake |
heavy rain | strong rain |
fast food | quick food |
take a photo | make a photo |
Grammatik allein hilft hier oft nicht weiter. Man muss lernen, welche Wörter typischerweise zusammengehören.
Warum funktioniert der Lexical Approach?
Die Idee stammt unter anderem aus der Corpus Linguistics.
Ein Corpus ist eine große Sammlung authentischer Texte und gesprochener Sprache.
Wenn Linguisten Millionen von Wörtern analysieren, erkennen sie Muster:
bestimmte Wörter treten häufig gemeinsam auf,
andere Kombinationen kommen fast nie vor.
Der Unterricht soll deshalb diese natürlichen Sprachmuster vermitteln.
Rolle der Grammatik
Der Lexical Approach sagt nicht, dass Grammatik unwichtig ist.
Grammatik bleibt wichtig.
Aber:
Sie sollte nicht der Ausgangspunkt des Unterrichts sein.
Stattdessen lernen Schülerinnen und Schüler zunächst häufige sprachliche Muster und erkennen später die zugrunde liegende Grammatik.
Wie sieht Unterricht nach dem Lexical Approach aus?
Stell dir vor, das Thema ist Travelling.
Traditioneller Unterricht
Der Lehrer erklärt zuerst: Present Perfect.
Dann machen die Lernenden Grammatikübungen.
Lexical Approach
Die Lernenden lesen einen Reiseblog und sammeln typische Ausdrücke:
book a flight
catch a train
miss the bus
pack a suitcase
go sightseeing
Danach überlegen sie:
Welche Wörter treten oft zusammen auf?
Welche Ausdrücke kann ich selbst verwenden?
So wird der Wortschatz im Kontext gelernt.
Typischer Unterricht
Collocations finden
Chunks markieren
Vorteile des Lexical Approach
Sprache klingt natürlicher.
Der Wortschatz wächst schneller.
Die Sprachflüssigkeit (fluency) verbessert sich.
Lernende produzieren weniger unnatürliche Formulierungen.
Authentische Kommunikation wird gefördert.
Kritik
Der Lexical Approach hat aber auch Grenzen:
Es ist schwer zu entscheiden, welche Chunks besonders wichtig sind.
Ohne Grammatik können Lernende keine völlig neuen Sätze bilden.
Für Anfänger kann die große Menge an Chunks überwältigend sein.
Deshalb kombinieren viele Lehrkräfte heute den Lexical Approach mit einem gezielten Grammatikunterricht.
Merkhilfe für die Klausur
Stelle dir bei jeder Aufgabe die Frage:
Geht es um Grammatikregeln oder um typische Wortverbindungen?
Typische Wortverbindungen (Chunks, Collocations, feste Ausdrücke) → Lexical Approach
Isolierte Grammatikformen → kein typischer Lexical Approach