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Begriffe und Aufbau des Flächenschirmes S.130
Bel der Diskussion der verschiedenen Fallschirmmodelle soll eine einheitliche Terminologie verwendet werden. Darum nennen wir, nebst den in der Schweiz üblichen Bezeichnungen, auch die ursprünglichen amerikanischen Bezeichnungen. Da die meisten Manuals nur in englischer Sprache verfasst sind, wird dadurch ein Vergleich mõglich.

Konstruktionsmerkmale von Flächenfallschirmen
Die spezifischen Eigenschaften eines Schirmes sind durch die verschiedenen aerodynamischen Details, Konstruktionstechniken und Materialien, die bei der Entwicklung und Herstellung von Fallschirmen angewendet werden, definiert. Eine Beurteilung der verschiedenen Schirme ist von diversen Faktoren abhāngig. Einige dieser Kriterien werden wir uns etwas genauer anschauen.
Profil S.130
Der Querschnitt durch den Flügel zeigt das aerodynamische Profil. Durch Form und Umströmung entstehen die Auftriebs- und Widerstandskräfte. Generell gilt:
Dickes Profil mit grosser Wölbung, wird bei langsamen Schirmen verwendet.
Dünnes Profil mit kleinerer Wölbung, wird bei schnellen Schirmen angewendet.
Siehe dazu Kapitel Aerodynamik, S. 38.

Einstellwinkel/Trimmung S.131
Der Einstellwinkel wird vom Konstrukteur des Schirmes je nach Anforderung an Geschwindigkeit und Gleitwinkel optimiert. Durch die Variation der Länge der Leinengrugpen A-0 kann der Einstellwinkel verändert werden. Je stärker die Eintrittskante hinunter gezogen wird, desto grösser der Einstellwinkel und die daraus resultierende Geschwindigkeit. Der Schirm fliegt steiler, der Gleitwinkel wird dadurch verschlechtert.

Spannweite und Flügeltiefe «span/chord»
Zwei charakteristische Masse eines Flügels sind seine Spannweite span (Distanz zwischen den Flügelenden) und die Flügeltiefe chord» (Distanz zwischen Eintritts- und Austrittskante). Aus dem Verhältnis dieser Masszahlen wird die Flügelstreckung ermittelt (Streckung = Quadrat der Spannweite durch die Fläche des Flügels). Bei rechteckigen Schirmen ist dieses Verhältnis einfach zu ermitteln: die Spannweite dividiert durch die Flügeltiefe.
Streckung
Als Streckung «aspect ratio» bezeichnet man das Verhältnis der Spannweite zur Flügeltiefe. Bei den Fallschirmen liegt dieses Verhältnis im Bereich 1,7:1 bis 3:1. Generell gilt, dass mit grösserer Streckung ein besserer Gleitwinkel erreicht werden kann. (Die Streckung von Segelflugzeugen liegt bei 50:1). Schirme mit kleiner Streckung sind meist langsam fliegende Schirme wie spezielle Zielschirme (ZERO 1,74: 1) oder Notschirme (PD Reserve 2,1:1) und Schulschirme (NAVIGATOR 2,52:1). Bei den ursprünglich rechteckigen Schirmen “square canopies” kann das Verhältnis einfach durch Division der Spannweite durch die Flügeltiefe berechnet werden. Da bei elliptischen Schirmen die Flügeltiefe unterschiedlich, gegen die Flügelenden schmaler ist, wird die Streckung berechnet, indem das Quadrat der Spannweite durch die Flügelfläche geteilt wird.
(Competition VELOCITY ca. 2,7:1).

Flügelform

Flächenbelastung
Mit der Flächenbelastung wird ausgedrückt, welches Gewicht von der entsprechenden Schirmfläche getragen werden muss. Das sogenannte “exit weight” ist das Gewicht des Springers mit allen Ausrüstungsteilen. In unserem Masssystem wäre dies in Kilogramm pro Quadratmeter Schirmfläche.
Um den Vergleich mit den Herstellerangaben zu vereinfachen, werden wir diese Angaben in die US Einheiten «pounds» (Ib) pro «square foot» (sq.ft.) umrechnen. Der Faktor 2,2 in der Formel steht für die Umrechnung Kilogramm (kg) in Pound (lb).

Schirmtypen S.133
Die Fallschirmhersteller haben eine Klassierung der Schirme entwickelt, welche auf den Flãchenbelastungswerten basiert.
Die unterschiedlichen Schirmtypen werden in Klassen von 1 bis 6 eingeteilt.
Unten am Bild hängt noch der Fallschirmspringer.
S.133 bis 134 sind die Klassen beschrieben

Schirmtypen Klasse 4 👁 Info
High Performance: Mit Belastungen von 1,25 bis 1,65 lb/sq.ft. und einem grossen Einstellwinkel erreichen diese Schirme hohe Geschwindigkeiten. Die Schirme reagieren sehr fein auf Steuerbewegungen und auf Gewichtsverlagerung im Gurtzeug. Brüske Steuerbewegungen in der Landephase können mit diesen Schirmen gefährlich werden. Ein stândiges Training ist unbedingt nötig.
👁 Achtung: Bei Fehlõffnungen können bei diesen Schirmen sehr grosse Drehgeschwindigkeiten entstehen. Schnelle Beurteilung der Situation und Höhenkontrole sind äusserst wichtig!
Notschirme S.135 👁
Notschirme müssen vor allem:
sicher und schnell öffnen
stabil fliegen
einfach zu landen sein
Damit ein Fallschirmwart (Rigger) deinen Notschirm in ein Gurtzeug packen kann, müssen beide Komponenten geprüft sein. Die Zulassung nach den TSO Vorschriften ist dabei der übliche Standard (Angaben dazu, findest du auf der nächsten Seite). In den TSO Vorschriften werden die Maximalwerte in Bezug auf Gewicht und Geschwindigkeit festgelegt. für die der Schirm zugelassen ist.
👁 Achtung: Wenn der Notschirm mit einem grösseren Gewicht als dem «maximum exit weight gesprungen wird, verletzt man die Zulassungsbedingung.
Moderne Notschirme
Moderne Notschirme sind durchwegs 7-Zelle-Kalotten mit einer moderaten Streckung von ca. 2,1:1. Um die Forderung nach kleinen Ausrüstungen erfüllen zu können, werden auch die Notschirme immer kleiner gebaut. Die Notschirme, die heute verwendet werden, sind noch oft aus F-111 Lo-Porosity Ripstop Nylon oder ähnlichem Material. Neu hat Performance Designs (PD) für ihre OPTIMUM Notschirme ein Material entwickelt, welches ein kleineres Packvolumen als das bisher verwendete F-111 hat. Damit kann bei gleichem Packvolumen ein grösserer Notschirm verwendet werden.
Wahl eines Notschirmes
Bei der Wahl eines Notschirmes müssen unbedingt die Limiten der Hersteller bezüglich Gewicht sowie die Erfahrung des Springers beachtet werden. Generell wird empfohlen, dass der Notschirm etwa gleich gross oder höchstens 15 % kleiner als der Hauptschirm sein sollte. So wird der Notschirm mit einer ähnlichen Flächenbelastung wie der Hauptschirm gesprungen. Zudem zeigt eine Studie von PD über «dual canopies», dass im Fall von zwei geöffneten Schirmen die Situation am besten beherrscht werden kann, wenn beide Schirme ungefähr gleich gross sind.
Bezüglich der Flächenbelastung empfiehlt PD für ihre Reserven (PD Reserve Owner's Manual):
Flächenbelastung zwischen 0,45 und 0,7 lb/sq. ft.
Bereich für Schüler und unerfahrene Springer sowie für Pilotenrettungsschirme.
Flächenbelastung zwischen 0,7 und 1,0 lb/sq. ft.
Angemessene Belastung für fortgeschrittene und erfahrene Springer.
Flächenbelastung zwischen 1.0 und 1,4 lb/sq, ft.
Hohe bis sehr hohe Belastung. Für eine gute Landung wird eine entsprechende Erfahrung Vorausgesetzt. Für den Fall, dass du bewusstlos am Schirm bist und die Landung unkontrolliert erfolgt. musst du mit schwerwiegenden Verletzungen rechnen.
Flächenbelastung zwischen 14 lb/sq. ft. und dem maximal Gewicht.
Sehr hohe Belastung. Nur für extrem erfahrene Springer mit spezieller Einweisung, Es gilt wie oben, dass im Falle einer unkontrollierten Landung mit schwersten Verletzungen gerechnet werden muss.

Rippen oder Zellwände
Die Zellwände verbinden die Ober- und Unterseite der Kalotte und geben dem Flügel die aerodynamische Form. Die Rippen, an welchen die Leinen angebracht sind, bezeichnet man als belastete Rippen “loaded ribs”, die dazwischenliegenden als unbelastete Rippen “unloaded ribs”

Als Zelle bezeichnet man den Teil der Fallschirmkalotte, welcher zwischen zwei belasteten Rippen liegt. Darin werden jeweils eine oder in seltenen Fällen zwei unbelastete Rippen eingebaut. Dadurch wird die aerodynamische Form der Oberflache verfeinert. Um eine zusätziche Leistungssteigerung zu erreichen, werden bei Hochleistungsschirmen noch weitere Zellzwischenwände eingebaut, die diagonal verstärkt sind “cross braced canopy".
Crossports S.138
Diese in den Rippen ausgeschnittenen Löcher ermöglichen den Druckausgleich innerhalb des Schirmes. Dies ist besonders bei der Öffnung oder auch bei turbulenten Verhältnissen wichtig, um den Druckausgleich in die äusseren Zellen zu garantieren.
Anzahl der Zellen S.138
Bei einer gegebenen Spannweite erreicht man mit einer grösseren Anzahl Zellen eine feinere Oberfläche (siehe «cross braced canopies»). Je feiner die Oberfläche, desto bessere Auftriebswerte können erreicht werden. Gewicht und Packvolumen der Kalotte werden jedoch grösser und bedingt durch die zusätzlichen Leinen, nimmt auch der Widerstand zu.
Stabilisatoren
Sie reduzieren den induzierten Widerstand und erhöhen die Stabilität (siehe Aerodynamik S. 40 “Druckverteilung um das Profil”). Einzelne Schirmtypen haben Stabilos, welche - wie die Zellen - durch die Anströmung mit Luft gefüllt werden.
Fangleinen
Das Befestigen der Fangleinen am Schirm wird auf verschiedene Arten gelöst. Bei den meisten modernen Schirmen werden die Fangleinen an der Unterseite, in die an den Verstärkungsbändern angebrachten Schlaufen befestigt «direct line attachment. Die Kraftübertragung erfolgt über die auf den Rippen eingenähten Verstärkungsbänder «load tapes».
Unterschiedliche Befestigung der Fangleinen S.139
Mit Verstärkungsbändern oder Flores. Bei Notschirmen auch ohne Bänder oder Fares mit Fangleinen an den Rippen.

Kaskadenleinen
Bei den Kaskaden-Leinen wird im oberen Drittel eine weitere Leine eingezogen, die somit eine Verzweigung bildet. Im Beispiel sieht man, dass die A- und B-Leinen von der Aufhängung bis zur Kaskade führen und von da in einer Leine zu den vorderen Traggurten.
Durch Kaskadenleinen werden das Packvolumen, das Gewicht und der Luftwiderstand vermindert. Deshalb wird bei modernen, kleinen Schirmen vorwiegend diese Technik angewandt.

Durchgehende Leinen
Durchgehende Leinen haben den Vorteil, dass die Kalotte bei einem Leinenriss weniger verformt wird als bei einem Riss einer Leine unter der Kaskade. Damit sich die Springer nicht in den Kaskaden verfangen, besitzen Kappenrelativschirme durchgehende Centerleinen.

Bezeichnung der Leinen S.139
Von den Aufhăngepunkten an der Schirmunterseite führen die Fangleinen in vier Grupen zu den Traggurten, die A-, B- C- und D-Leinen. Mit der Länge der einzelnen Leinengruppen wird die Trimmung des Schirmes festgelegt. Bel der Messung von Leinenlängen wird meist von den kürzesten A-Leinen ausgehend die Differenz zu der nächsten Leinengruppe A- zu B-zu C-Leinen angegeben.
Öffnungsverzögerungssystem Slider
Als Öffnungsverzögerung wird bei den Flächenschirmen vorwiegend der Slider verwendet. Die Optimierung der Slider-Fläche und -Form ist ein wichtiger Bestandteil zur Kontrolle der Fallschirmöffnung, Um den Luftwiderstand des Sliders während des Fluges zu minimieren, können die meisten Slider entweder über die Leinenschlösser hinter den Kopf genommen oder durch spezielle Vorrichtungen zusammengezogen werden.
Materialien S.140
Die zur Herstellung verwendeten Stoffe, Verstärkungsbänder und Leinen sind ausschiesslich aus Kunstfasern gefertigt. Diese Materialien müssen hohen Anforderungen bezüglich Reissfestigkeit, Dehnung, Luftdurchlässigkeit, Lichtbeständigkeit usw. entsprechen.
Fallschirmstoff
Das Kalottenmaterial ist Ripstop Nylon, wobei Ripstop die spezielle Fabrikation dieses Stoffes bezeichnet. Bei dieser Webart werden, zur Erhöhung der Reissfestigkeit, im Abstand von ca. 4 Millimetern doppelte Fäden eingewoben. Dadurch entsteht das für diese Webart typische Quadratmuster. Zur Herstellung von Flächenschirmen ist ein mõglichst luftundurchlässiges Material gefragt. Im Jahr 1982 patentierte George Harris das speziel für Fallschirme entwickelte F111. Das sogenannte F111 Ripstop Nylon hat eine sehr kleine Luftdurchlässigkeit. (Permeabilität von 0-3 “cubic feet” pro Minute und “square feet”). Dieses Material wird heute meist noch für Not- und Zielschirme verwendet. Da es nicht beschichtet ist, wird die Luftdurchlässigkeit schon nach einigen Sprüngen grösser. Das Gewebe wird durch die Belastung, Faltungen, Sprünge ins Wasser oder bei Regen usw. poröser. Dadurch werden die Offnungen länger und die Flugleistung schlechter. Mit verschiedenen Verfahren wurde versucht, die Qualität dieses Stoffes zu verbessern.
Die heutigen Hochleistungskalotten sind aus No-Po-Material hergestellt (Permeabilität = 0 “cubic feet” pro Minute und “square feet”): Das Nylon-Gewebe wird zusätzlich mit einer auf Silikon basierenden Masse beschichtet. Aufgrund dieser flexiblen Beschichtung wird die Luftdurchlässigkeit des Gewebes gleich null. Zusätzlich nimmt die Reisstestigkeit zu.
Schirme aus No-Po Material halten teilweise mehrere tausend Sprünge, ohne Verminderung der Flugleistung. Die Nachteile sind das grössere Packvolumen und das Falten des glitschigen Materials. Einige der Indermediate- oder Schulschirme einem Mix von No-Po und F-11 Material hergestellt: Die Oberfläche besteht aus No-Po: damit sind die Flugleistungen über einen längeren Zeitraum gut. Durch die luftdurchlässige Unterseite des Schirmes wird das Packen einfacher.
Achtung bei Fallschirmstoffen
Achtung: Alle Fallschirmstoffe und Leinen reagieren sehr empfindlich auf UV Strahlen, also Sonnenlicht. Fallschirmstoff, der während einer Woche intensiver Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist, kann bis zu ca. 50 % der Reissfestigkeit einbüssen.

Leinenmaterial 👁
Die Leinen werden, je nach Verwendungszweck und Anforderungen, aus den verschiedensten Fasern hergestellt. Die meisten Schirme werden heute mit Spectra-Leinen produziert (Microline). Spectra ist eine Polyethylen-Leine mit hoher Festigkeit und geringer Dehnung. Dank dieser dünnen Leinen konnten das Packvolumen und der Luftwiderstand reduziert werden. Der Nachteil von Leinen mit geringer Dehnung sind harte Offnungen. Weitere Faktoren welche die Offnung beeinflussen sind: Faltung, 0fnungsposition, Geschwindigkeit usw. Für Schulschirme werden daher noch öfters Dacron-Leinen verwendet. Diese Leinen sind elastischer als Spectra, dauerhaft und schrumpfen nicht. Für Hochleistungsschirme werden meist Vectran- oder HMA-Leinen verwendet. Sie sind, bei gleicher Festigkeit, noch dünner als die Spectra-Leinen und- ganz wichtig - sie schrumpfen nicht. Durch die Reibung des Sliders beim Öffnungsvorgang werden die Leinen erhitzt und verändern sich in der Länge. Der Einstellwinkel und somit die Flugleistung der Schirme werden verändert, was speziell für die Hochleistungsschirme nicht akzeptierbar ist.
👁 Auch bei Intermediate-Schirmen, besonders mit Spectra-Leinen, kann sich die Trimmung nach einigen hundert Sprüngen verändern. Das macht sich durch schlechtere «flare»-Leistung bemerkbar. Dein Fallschirmwart hilft dir gerne dabei, die Trimmung des Schirmes zu kontrollieren.

In der folgenden Tabelle sind die Eigenschaften der meist verwendeten Leinen beschrieben Info

Gurtzeug «harness/container»
Als Fallschirmgurtzeug bezeichnen wir die Gurten wie auch die Verpackung des Haupt- und Notschirms «harness/container». Auch beim Gurtzeug werden, wo sinnvoll, die deutschen und englischen Bezeichnungen verwendet. Bei einigen speziellen Begriffen wurde der englische Ausdruck im deutschen Sprachgebrauch übernommen.

Gurtzeug vorne S.142


Gurtzeug hinten S.143

Aufbau von Fallschirmgurtzeugen
Bei Sportausrüstungen sind die Not- und Hauptschirmcontainer im Gurtzeug integriert. Die funktionellen Elemente sind bei den verschiedenen Gurtzeugtypen vereinheitlicht worden. Das heisst, dass besonders die Notschirmverfahren bei allen Gurtzeugen identisch sind. Die verschiedenen Gurtzeuge unterscheiden sich vor allem in Bezug auf Ausstattung, Tragkomfort etc., also Faktoren, welche von jedem Springer nach seinen Erfahrungen und Ansprüchen beurteilt werden können.
Leinenschlösser «connector links» S.144 Info
Die Verbindung der Fangleinen zu den Gurten erfolgt mittels Leinenschlössern «links». Die meisten Schirme sind heute mit «soft links» an den Traggurten befestigt. Diese «soft links» sind aus gespleissten Leinen hergestellt und in zwei Varianten, für Haupt- und Notschirme, erhältlich. Kontrolliere bei der Faltung, dass der Verschluss- «tab» oder -Ring der «soft links» in der Schlaufe der Traggurten liegt, da sonst Brems- oder Fangleinen daran einhängen könnten.

maillots rapid Info
Eine weitere Variante der Leinenschlösser sind «maillots rapid>, Schraubschlösser mit denen die Fangleinen an den Gurten befestigt werden können. Bei diesen Schlössern muss beachtet werden. dass beim Festziehen die Mutter Von Hand angezogen und danach mit dem Schraubenschlüssel noch eine Vierteldrehung gesichert wird. Wenn stärker angezogen wird, kann die Schraubenmutter überdreht und beschädigt werden. Beim Falten müssen die Leinenschlösser regelmässig kontrolliert werden. Dazu kann man von Hand kontrollieren, ob sich die Mutter bewegen lässt und zusätzlich kann die Position der Schraube mit Lack oder Farbe markiert werden. Der Nachteil dieser Schösser ist, dass die Sliderösen durch diese «stainless steel» Schlösser beschädigt werden können und die Leinen durch die defekten Sliderösen stärker abgenützt werden. Diese Schlösser werden meist nur noch für Notschirme verwendet.

Hauptschirmgurten «main risers»
Als Hauptschirmgurten werden breite Typ VIlI- oder schmale Typ XVII-Gurten verwendet. An schnellen Schirmen werden meist Typ XVII-Gurten montiert, da das Packvolumen und der Luftwiderstand dieser Gurten kleiner sind. Zusätzlich kann der Slider problemlos über die Gurten zur Schulter gezogen werden. An den hinteren Traggurten sind die Vorrichtungen zur Befestigung der Bremsleinen und Steuergriffe angebracht. An den vorderen Traggurten können zusätzlich Schlaufen «dive loops» montiert werden. Damit kann der Schirm besser an den Gurten gesteuert und/oder beschleunigt werden.
3-Ring-Trennsystem «3-ring release assembly» S.145
Die Verbindung der Hauptschirmgurten zum Gurtzeug muss vom Springer bei Bedarf gelöst werden können. Als Kappentrennsysteme waren lange Zeit diverse mechanische Vorrichtungen im Gebrauch. Diese waren ursprünglich dazu gedacht, die Fallschirmkalotte nach der Landung, bei hohen Windgeschwindigkeiten oder im Wasser, vom Gurtzeug trennen zu können. Mit der Entwicklung der Flächenfallschirme wurde daraus ein Notprozedere, damit fehlerhaft geöffnete Hauptschirme vor dem Auslösen des Notfallschirmes abgetrennt werden können. Glücklicherweise wurden diese meist komplizierten Systeme völlig durch das, von Bill Booth 1976 erfundene, 3-Ring-System ersetzt. Die drei ineinander gelegten Ringe wirken wie ein Hebelsystem, mit dem die Traggurten mit einem Griff vom Gurtzeug getrennt werden können.
Durch die Hebelwirkung wird die Kraft, die von den Traggurten über die Ringe und den Loop auf das Trennkabel wirkt, etwa um 200:1 verkleinert. Diese Werte gelten für das Standard 3-Ring-System. Bei den Mini-Ringen verkleinert sich diese Hebelwirkung bis auf ca. 100:1. Für die Funktion des Systems ist es wichtig, dass der Loop und die Aufhängung der Ringe flexibel und nicht beschädigt oder verschmutzt sind.
Kabelschlauch des Trennkabels «cutaway cable housing»
Das 3-Ring-Auslösekabel wird in je einem Kabelschlauch vom Trenngriff zu den Traggurten geführt. Die beiden Kabelschläuche werden meist unter der rechten 3-Ring-Abdeckung am Gurtzeug befestigt und führen von da zu den beiden Hauptschirmaufhāngepunkten. Die richtige Befestigung und das Verlegen der Kabelschläuche im Gurtzeug ist für die korrekte Funktion des 3-Ring-Systems sehr wichtig (unbedingt das Hersteller-Manual beachten). Eine Variante zu den harten Kabelschläuchen aus Metall sind die soft-housings, die aus Verstärkungsbändern zusammengenäht sind.
Bei diesen soft-housings können jedoch durch falsches Verlegen im Gurtzeug hohe Trennkräfte entstehen, welche ein Trennen des Hauptschirmes verzögern oder sogar verunmöglichen kõnnen.
Achtung: Bei Systemen mit einem MARD (Main Assisted Reserve Deployment) wird das Trennkabel zusätzlich noch durch eine Schlaufe des «reserve lanyards» geführt, (siehe S. 154).
Notschirmgurten «reserve risers»
Die Notschirmgurten dienen der Aufhāngung des Notschirmes. Sie sind in den Hauptqurten des Gurtzeuges integriert. Diese Gurten werden vorwiegend aus Typ 7 oder aus Typ 8 Webbing angetertigt (Typ 7 ca. 2720 kg. Typ 8 ca. 1820 kg Reissfestigkeit).
Notschirm-Container «reserve container»
In Notschirmcontainer wird der Reserveschirm mit Freebag und Extraktor und in den meisten Fällen ein automatisches Öffnungsgerät, wie z2. B. ein CYPRES, verpackt. Diese Container sind so optimiert, dass für die vorgesehenen Grössen der Reserveschirme ein möglichst kleines Packvolumen benötigt wird und gleichzeitig die für eine Zulasung nötigen Bedingungen erfüllt werden. Die Gestaltung der Notschirmcontainer ist bei den modernen Gurtzeugen ein wichtiges Design-Element, welches die Aerodynamik des Systems unterstützen soll. Ausserlich erkennt man besonders die Pop-Top-Systeme daran, dass der Notschirmextraktor auf den oberen Klappen sitzt und nur durch kleine Verschlussklappen gehalten wird. Der Vorteil dieser Anordnung ist, dass der Notschirmextraktor bei einer Öffnung möglichst schnell, ohne vorher weitere Flaps zur Seite schieben zu müssen, in die Luft gelangt und die Notschirmöffnung einleiten kann.
Die Unterhaltsarbeiten an Notschirmsystemen, wie die periodischen Kontrollen und Faltungen, werden von ausgebildeten Falschirmwarten (Riggern) durchgeführt.

Notschirmpod «reserve freebag assembly» S.147
Der Notschirm wird vom Rigger in das für das jewelige Gurtzeug optimierte freebag» gefaltet. Ein solches «freebag» hat keine feste Verbindung von der Notschirmkalotte zum Pod. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Notschirmöffnung auch im Fall einer Verwicklung des Extraktors am Gurtzeug - oder amSpringer - mit grösster Wahrscheinlichkeit erfolgt. Das heisst jedoch auch, dass das «freebag» nach der Notschirmöffnung ohne Kontrolle Ianden wird und meist irgendwo, hoffentlich in der Nähe des Hauptschirmes, zu Boden kommt.

Notschirmloop «reserve closing loop»
Dabei handelt es sich um ein kleines aber äusserst wichtiges Teil an der Ausrüstung. Die zum Verschliessen des Notschirmcontainers verwendeten Loops sind ausschliesslich «CYPRES-Loops» Sie bestehen aus einem speziellen Material, sind sehr dünn, extrem flexibel und besitzen eine glatte Oberfläche. Dadurch wird sichergestelt, dass bei einer Notschirmöffnung keine Verzögerung durch ein Hängenbleiben des Loops auftreten kann. Der Notschirmloop wird bei jeder Faltung ausgewechselt. Achte bei jeder Kontrolle darauf, ob der Loop verletzt oder ausgefranst ist. Prüfe, ob du den Pin von Hand leicht verschieben kannst. Falls ja, ist der Loop eventuell zu lang und sollte von einem Rigger kontrolliert werden. Gemäss den TS0 Vorschriften muss die Auszugskraft für den Pin zwischen 2,2 kg und 9,9 kg sein, (wobei 2,2 kg sehr wenig ist und die Gefahr besteht, dass der Pin durch Bewegungen im Gurtzeug verschoben wird).
Hauptgurten «main lift web»
Die Hauptgurten sind bei Gurtzeugen mit Ringen in «upper main lift web» und «lower main lift web» unterteilt. Die Aufhängepunkte der Notschirm- und Hauptschirmgurten (grosser Ring des 3-Ring-Systems) sind im oberen Teil des Hauptgurtes integriert. Am unteren Hauptgurt sind die Trennkissen und der Notschirmgriff angebracht.
Brustgurt «chest strap»
Der Brustgurt verbindet die beiden Hauptgurten und hält sie, was besonders wichtig ist, während der Öffnungsphase parallel. Auch beim Brustgurt hat man die Wahl zwischen den schmalen Typ XVII- oder den breiten Typ VIII-Gurten.
Beingurten «leg straps»
Die Beingurten führen aus den Hauptgurten respektive vom Hüftring aus zu den verstellbaren Schlössern. Bei Sportausrüstungen sind die Beingurten, nebst dem Brustgurt, die einzige Möglichkeit, das Gurtzeug anzupassen. Meistens werden «thread thru adapters» verwendet, welche nicht geöffnet sondern nur verstellt werden können. Bei Rettungsschirmen und Militärausrüstungen werden «quick ejector snaps» verwendet, die auch unter Zug geöffnet werden können, (ein Vorteil bei Landungen im Wasser oder wo immer das Gurtzeug schnell abgezogen werden muss).
Notschirmgriff «reserve ripcord»
Der Notschirmgriff besteht aus dem eigentlichen Griff (welcher heute vielfach ein «soft handle» ist, ähnlich dem Trennkissen), dem Kabel und dem Pin zum Verschliessen des Notschirmcontainers. Um eine unbeabsichtigte Notschirmöffnung zu verhindern, muss der Griff bei der Kontrolle gut in der Tasche respektive auf der Velcro-Halterung sitzen.
Trennkissen «3-ring release handle»
Das Trennkissen dient der Auslösung des 3-Ring-Systems und ist mit Velcro zwischen resp. an den Hauptgurten befestigt. Bei Systemen mit RSL (Reserve Static Line) und/oder Skyhook ist speziell darauf zu achten, dass das Kabel an der Seite, wo das RSL angebracht ist, länger ist als dasjenige auf der anderen Seite. Der Traggurt der RSL-Seite wird dadurch später ausgelöst. Damit wird verhindert, das sich der Notschirm öffnen kann, solange der Hauptschirm noch nicht vollständig vom Gurtzeug getrennt ist.
RSL = automatische Auslösung des Notschirmes durch eine Verbindung von der Hauptschirmtraggurte zum Notschirmauslösekabel (Reserve Static Lanyard, siehe S. 153)
Skyhook = Auslösung und Unterstützung der Notschirmöffnung durch den abgetrennten Hauptschirm (MARD = Main Assisted Reserve Deployment, siehe S. 154)
Hauptschirmcontainer «main container» 👁
👁 In den Hauptschirmcontainer wird das Hauptschirmpod gepackt. Wichtig dabei: Beachte im Manual des Herstellers die Reihenfolge in der die Klappen verschlossen werden müssen und wie die Hilfsschirmverbindungsleine verlegt wird. Kontrolliere beim Verschliessen des Hauptschirmcontainers den Zustand des Loops, ein kleiner aber wichtiger Bestandteil deiner Ausrüstung.

Hilfsschirm Verbindungsleine «main pilotchute bridle» 👁
Als Verbindungsleine vom Hauptschirmpod zum Hilfsschirm wird bei schnellen Schirmen meist eine «kill-line»-Version verwendet. Das bedeutet, dass der Scheitel «apex» des Hilfsschirms über eine in der Verbindungsleine laufende «Centerline» nach der Hauptschirmöffnung herunter gezogen wird. Dadurch wird der Hilfsschirm wirkungslos und kann sich durch die Anströmung am offenen Schirm nicht mehr öffnen und ungewünschten Zug auf den Hauptschirm ausüben.
👁 Wichtig: Die «kill-line muss bei der Faltung wieder gespannt werden, ansonsten bleibt der Hilfsschirm für die nächste Öffnung wirkungslos.
Öffnungssysteme Hauptschirm 👁
👁 Eine Hauptschirmöffnung erfolgt grundsätzlich immer im selben sequentiellen Ablauf:
Nachdem der Hauptschirmcontainer geöffnet ist, wird das Pod durch die Kraft des Hilfsschirmes aus dem Container gehoben;
die Leinen werden aus den Gummischlaufen gezogen und gestreckt;
mit den letzten Leinenschlägen wird der Verschluss des Pod geöffnet. Die Leinen sind nun vollständig gestreckt. In diesem Moment spürt man die «snatch force». Der Hilfisschirm und das Pod werden wieder auf die Geschwindigkeit des Springers beschleunigt und die Kraft über die Leinen auf den Springer übertragen. Ein Hilfsschirm in der korrekten Grösse, die Verwendung von doppelt gewickelten Gummis in gutem Zustand sowie die Wahl der Fangleinen, vermindern die schlagartige Belastung durch die «snatch force».
der Schirm wird aus dem Pod gezogen und der Füllprozess beginnt von der Mitte ausgehend;
durch den Luftdruck wird der Slider gegen die Unterseite des Schirmes gedrückt und verhindert eine explosionsartige Ausbreitung der Kalotte;
mit der Abnahme der Sinkgeschwindigkeit wird der Slider durch die sich ausbreitende Kalotte nach unten gedrückt bis der Schirm vollständig geöffnet ist.
Je nach Ausrüstungstyp oder Schulungssystem werden verschiedene 0ffnungssysteme für den Hauptschirm verwendet.
Automatische Öffnungen S.151
Schirme mit automatischer Öffnung werden heute noch im Militär und in der Schulung verwendet. Zusätzlich wird zwischen vollautomatischen und halbautomatischen Öffnungen unterschieden.
Zwangsöffnungssystem von Rundkappenschirmen:
Vollautomatische Öffnungen «direct bag system»:
Halbautomatische Öffnungen:
Zwangsöffnungssystem von Rundkappenschirmen
Bei Zwangsöffnungssystemen wird die Öffnung durch eine Reissleine eingeleitet, die am Flugzeug befestigt ist. Am Ende dieser Reissleine ist der innere Verpackungssack (āhnlich dem Pod) angebracht, worin sich der Hauptschirm befindet. Der Hauptschirm ist zusätzlich am Scheitel mit einem Sollbruchband an diesem Verpackungssack befestigt (Reissfestigkeit ca. 70 kg). Dieser Verpackungssack wird in den Container am Gurtzeug gelegt und dieser wiederum mit einem Sollbruchband und der Reissleine verschlossen (Reissfestigkeit ca. 35 kg).
Sobald der Springer das Flugzeug verlässt, wird durch die Reissleine zuerst das Rückenpack geöffnet, dann der innere Verpackungssack und erst wenn der Hauptschirm gestreckt ist, wird auch die Verbindung vom Scheitel des Schirmes zur Reissleine zerrissen. Dieses System wird nur für Rundkappensprünge und vorwiegend im militärischen Einsatz verwendet.
Vollautomatische Öffnungen «direct bag system»
Der Hauptschirmcontainer wird durch die Reissleine geöffnet. Der innere Verpackungssack (Pod) ist fest mit der Reissleine verbunden. Demzufolge wird der Hauptschirm nicht durch einen Hilfsschirm aus dem Container gezogen, sondern durch die Reissleine. Nach dem Abhaspeln der Fangleinen vom inneren Verpackungssack wird der Schirm freigegeben und kann sich vollständig entfalten. Die Reissleine und der innere Verpackungssack (Pod) bleiben am Flugzeug hängen.
Halbautomatische Öffnungen
Bei einer halbautomatischen Öffnung wird wie bei einem manuellen Sprung nur der Hauptschirmcontainer durch die Reissleine geöffnet. Die weitere Schirmöffnung durch den Extraktor entspricht im Ablauf einer manuellen Öffnung. Als Variante kennt man bei den halbautomatischen Öffnungen ein Pilotchute Assist. Bei dieser Methode besteht eine Velcro-Verbindung von der Reissleine zum Extraktor, die sicherstellen soll, dass der Hilfsschirm in den Luftstrom gezogen wird. Bei weiteren Varianten werden Ausrüstungen mit «throw out hand deploys» oder «drogue chutes» mit Hilfe von Instruktoren «instructor assisted» oder Reissleinen geöffnet.
Manuelle Öffnungen S.151
Grundsätzlich sind drei Arten von manuellen Öffnungssystemen bekannt: die Öffnung des Hauptschirmcontainers durch einen Griff, die Methode der -hand-deployed»-Systems und speziell für Tandemausrüstungen, das Drogue-System.
Öffnung mittels Griff
Öffnung mittels «hand deployed pilotchute»
Öffnung mittels «drogue chute»
Öffnung mittels Griff
Die Griff-Ausrüstungen werden vorwiegend zur Schulung verwendet. Vom Griff führt ein Kabel zur Verschlussschlaufe des Hauptschirmcontainers. Wird das Kabel aus der Schlaute gezogen, drückt der Extraktor durch die Kraft der Feder die Klappen des Containers weg. wird in den Luftstrom katapultiert und leitet die Falschirmöffnung ein. Die Anordnung des Griffes ist je nach Ausrüstung verschieden. Bei modernen Schulausrüstungen wird darauf geachtet, dass die Griffposition derjenigen an Standardausrüstungen entspricht.
Öffnung mittels «hand deployed pilotchute»
Auch bei dieser Art existieren zwei verschiedene Varianten, der throw-out Und der -pul-out Hilfsschirm. Der Vorteil dieser Systeme ist, dass keine Feder im Hilfsschirm eingebaut ist und dadurch das Packvolumen deutlich verkleinert wird. Zudem wird der Hilfsschirm durch den Springer direkt in den Luftstrom gelegt wodurch keine Öffnungsverzögerungen entstehen sollten.
Beim «pull-out» wird der Hilfsschirm im Hauptschirmcontainer verpackt. Der Griff «handle» ist einer kurzen Leine, die an der Basis des Hilfsschirms durch eine Öse läuft, direkt mit dem Verschlussstift «pin» verbunden. Bei der Öffnung zieht der Springer am «handle», öffnet damit den Hauptschirmcontainer und zieht den Hilfsschirm aus dem Container. Wichtig beim «pul-Out» ist, dass der Hilfsschirm im Luftstrom sofort losgelassen wird. Dies, um zu Verhindern, dass das Hauptschirmpod aus dem geöffneten Container fällt, solange der Hilfsschirm noch festgehalten wird. In einem solchen Fall erfolgt die Öffnung nicht kontinuierlich, eine Öffnungsstörung kann die Folge sein.
Beim «throw-out» wird der Hilfsschirm ausserhalb des Containers in einer Spandextasche auf der Unterseite des Hauptschirmcontainers verpackt «bottom of container». Ein Stück Plastkrohr, eln kleiner Lederball «hacky sack» oder ein «pud» ist als Handgriff am Scheitel des Hilfschirmes montiert. Wird der Hilfsschirm in den Luftstrom gezogen, flattert er zunächst und füllt sich erst, nachdem er losgelassen wurde. Über die Verbindungsleine zieht die Kraft des Hilfsschirms den gekrümmten Verschlussstift «curved pin» aus dem Loop, öffnet den Hauptschirmcontainer und leitet die Schirmöffnung ein. Mit speziellen Einrichtungen wie Gummibändern oder «kill-lines» werden die Hilfsschirme nach der Fallschirmöffnung deaktiviert, damit sie sich durch de Vorwärtsgeschwindigkeit nicht öffnen können. Die Zugkraft eines offenen Hilfsschirms kann die Manövrier- und Flugeigenschaften eines Hochleistungsschirms empfindlich stören.
Öffnung mittels «drogue chute»
Als «drogue chute bezeichnet man einen Hilfsschirm, welcher bereits nach dem Abgang vom Flugzeug geöffnet wird. Durch diesen Hilfsschirm wird der oder werden die Springer stabilisiert (Geschwindigkeit. Quer- und Längsachse) bis der «drogue» auf der gewünschten Höhe durch einen Griff ausgelöst wird. Danach wirkt er wie ein normaler Hilfisschirm, der die Fallschirmöffnung einleitet. «drogue»-Systeme werden bei allen Tandemausrüstungen und vereinzelt zur Schulung oder bei militärischen Ausrüstungen verwendet.
Öffnungssysteme Notschirm 👁 S.152
👁 Zur Notschirmöffnung wird wie bei der manuellen Hauptschirmöffnung ein Extraktor/ Hilfsschirm mit einer Feder eingesetzt «spring loaded pilotchute». Die Auslösung geschieht manuell oder durch diverse Hilfseinrichtungen, die den Notschirm nach dem Abwurf «cut away» des Hauptschirmes auslösen. Die Notauslösung wird, falls eingebaut, durch automatische Ofnungsgeräte (AAD - Automatic Activation Device) wie z.B. dem CYPRES eingeleitet. Dle Funktionsweise dieser Geräte wird auf S. 155 erklärt.
Freebag
Ein wichtiger Unterschied im Öffnungsvorgang von Flächen-Hauptschirmen zu -Notschirmen besteht darin, dass beim Notschirm ein sogenanntes Freebag zur Anwendung kommt. Beim Frebag wird der Notschirm in das Pod gefaltet, es besteht jedoch keine Verbindung vom Notschirm zum Pod. Die Extraktor-Verbindungsleine «bridle» ist direkt am Pod vernäht. Bei einer Öffnung wird das Pod durch den Hilfsschirm aus dem Container gezogen, die Leinen werden gestreckt und, sobald durch die letztern Leinenschläge das Pod geöffnet wird, löst sich das gesamte «freebag assembly» (Extraktor - Verbindungsleine - Notschirmpod) vom Schirm und fliegt selbstständig zu Boden. Ein grosser Vorteil dieses Freebags ist, dass sich der Notschirm auch mit einer grossen Wahrscheinlichkeit öffnen kann, wenn der Extraktor und/oder die Verbindlungsleine mit Teilen der Ausrüstung oder am Springer verwickelt ist.
Reserve Static Line und LOR-2
Um nach Kappentrennungen sichere Notschirmöffnungen zu gewährleisten, wurden verschiedene Vorrichtungen entwickelt die, auch ohne Aktion des Springers, den Notschirm öffnen. Prinzipiell wird dabei der Notschirm durch eine Verbindung von den Traggurten des Hauptschirms zum Notschirmauslösesystem aktiviert.
Im Gebrauch sind das RSL (Reserve Static Line) und das LOR-2 (Systèrme de Liberation et Ouverture de la Réserve).
Das RSL ist immer über einen auch im Flug trennbaren Schäkel mit einer Traggurte des Hauptschirmes verbunden. Beil Wasserlandungen und weiteren speziellen Sprüngen wie Kappenformationsspringen (CRW) wird empfohlen, das RSL zu lösen. Damit kann der Hauptschirm getrennt werden, ohne dass sofort der Notschirm ausgelöst wird.
Reserve Static Line und LOR-2 S.153
Das RSL ist immer über einen auch im Flug trennbaren Schäkel mit einer Traggurte des Hauptschirmes verbunden. Bei Wasserlandungen und weiteren speziellen Sprüngen wie Kappenformationsspringen (CRW) wird empfohlen, das RSL zu lösen. Damit kann der Hauptschirm getrennt werden, ohne dass sofort der Notschirm ausgelöst wird.
Beim LOR-2 wird der Notschirm erst aktiviert, wenn beide Tragurten vom System getrennt und die zwei Pins durch die wegflegende Hauptschirmkalotte gezogen sind. Dadurch wird sichergestellt, dass der Notschirm nicht geóffnet wird, solange noch eine Traggurte am System befestig ist. Das wāre eine sehr gefährliche Situation, die zur Verwicklung von Haupt- und Notschirm führen könnte. Dieses System wird vor allem bei den französischen Ausrüstungen angewendet.
Der Notschirmcontainer ist mit zwei Pins verschlosen, die im Notfall über die Verbindungsleine von den Traggurten gezogen werden. Das Notschirmkabel führt in einem Loop um die beiden Pins, um eine manuelle Öffnung zu ermöglichen.
Beim RSL wird der Notschirm durch eine Verbindungsleine aktiviert. Dabei ist zu beachten, dass das Trennkabel vom 3-Ring-System auf der Selte. wo das RSl am Tragurt befestig wird, länger ist, als dasjenige auf der Gegenseite. So wird sichergestellt, dass die RSL-Seite erst getrennt wird, nachdem die andere Traggurte gelöst ist.

RSL-Varianten
Bei einigen RSL-Varianten wird der Notschirm durch den Pin an der Verbindungsleine gezogen, bei anderen Systemen wird der Zug von der Traggurte auf das Notschirmkabel übertragen. Dazu wird das Notschirmkabel durch einen Ring geführt, welcher an der RSL-Verbindungsleine befestigt ist.
Bild A: RSL an der gepackten Ausrüstung, Bild B: RSL am offenen Schirm.

Skyhook/MARD Systeme (Main Assisted Reserve Deployment) S.154
Eine Weiterentwicklung der Reserve Static Line ist der Skyhook. Bei diesem System wird durch den abgetrennten Hauptschirm, wie beim RSL, der Notschirmcontainer geöffnet. Zusäzlich dient der wegfliegende Hauptschirm als Extraktor für den Notschirm. Uber den Skyhook zieht der getrennte Schirm an der «bridle» des Notschirmpods und leitet so die Notschirmöffnung ein. Die Öffnung wird dadurch stark beschleunigt. Bei einer normalen Öffnung muss der Hilfsschirm zuerst den nötigen Zug entwickeln, um das Notschirmpod aus dem Container ziehen zu können.
Diskussion RSL-Skyhook
Die hohen Drehgeschwindigkeiten, welche bei Öffnungsstörungen von Hochleistungsschirmen auftreten können, sind die Ursache von Diskussionen für und gegen die Anwendung von Reserve Lanyards bzw. Skyhook-Systemen. Die Befürchtung ist, dass die Notschirmöffnung in einer Unstablen Lage (Drehung) erfolgt oder dass sich die beiden Schirme miteinander verwickeln können Die Statistiken sprechen kar gegen eine solche Aussage Gemäss Daten aus den USA sind im Zeitraum von 1999 bis 2013, 25 Springer tödlich verunfallt, weil sie nach einem Cut-away den Notschirm zu tief oder gar nicht gezogen haben. Fünf Springer waren nach der Kappentrennung im Notschirm verwickelt, da sie in einer unstabilen Lage geöffnet hatten. Ein funktonierendes RSL/MARD hätte mit grösster Wahrscheinlichkeit die meisten dieser Springer gerettet. Im selben Zeitraum starben vier Springer, die mit RSL ausgerüstet waren, infolge einer Verwicklung mit dem Notschirm. Dies waren Springer, die bisher weniger als 20 Sprünge absolviert hatten Zwei von ihnen waren bereits mit Teilen des Hauptschirms verwickelt, bevor sie den Notschirm gezogen hatten.
Dle Auswirkungen von extremen Beschleunigungen, welche bei Fehlaffnungen von Hochleistungsschirmen auftreten, können dazu führen, dass die Reaktionsfähigket eingeschränkt ist. Zudem sind dle Griffe meistens nicht mehr an dem Platz den wir vom Bodentraining kennen, da Zug auf dem System ist. Ein RSL/MARD wird nach dem «Cut-away» die Notschirmöffnung ohne Zeitverlust einleiten (Bericht aus parachutistonline.com/ieature/rsl-fact-fiction).
Der Einbau von RSL/MARD-Systemen in Schüler- und Intermediate-Ausrüstungen ist in der Zwischenzeit zum Standard geworden.
Automatische Öffnungsgeräte
Im Gegensatzzu den Hilfsvorrichtungen wie RSL und LOR-2 sind automatische Öffnungsgeräte unabhängig von den verschiedenen Gurtzeugen entwickelt worden. Das Ziel ist, dass der Notschirm auch ohne Aktion des Springers, geöffnet wird, falls auf einer gegebenen Höhe eine bestimmte Sinkgeschwindigket überschritten wird.
CYPRES
Durch die relativ hohen Toleranzen in der Auslösehöhe und teilweise Fehlauslösungen wurden de auf barometrisch-mechanischen Auslösekriterien basierenden Geräte der 70er- und 80er-Jahre von den Springern nie richtig akzeptiert. Sie wurden fast ausschliesslich von Schülern verwendet.
Glücklicherweise wurde 1991 das CYPRES auf den Markt gebracht. Die elektronische Steuerung des Gerätes bewirkt eine hohe Präzision und Zuverlässipkeit. Nach einiger Skepsis zu Beginn hat sich das CYPRES ZU einem Standard für Sicherheit und Zuverlässigkeit entwickelt und ist inzwischen ein fester Bestandteil jeder Fallschirmausrüstung.
CYPRES Funktionsprinzip S.156
Das CYPRES bestimmt die Höhe und Geschwindigkeit des Springers mittels Luftdruckmessungen. Plötzliche Druckänderungen, die beim Fallschirmspringer in verschiedenen Situationen auftreten können, beispielsweise durch das Öffnen einer Flugzeugtüre im Flug, die Änderung der Freifallposition, das Fliegen in der Wirbelzone eines anderen Springers usw., die bei den früheren Geräten zu Fehlauslösungen führen konnten, korrigiert das CYPRES mittels eines Mikroprozessors. Dabel werden die gemessenen Druckwerte mit den maximal möglichen Beschleunigungs- und Geschwindigkeitswerten eines Springers verglichen und berichtigt. In unserem Beispiel befindet sich der Springer bei Punkt A auf ca. 3000 m im Freifall und fliegt einen Salto. Der effektiv gemessene Druckwert entspricht, bei Punkt A1, einer Höhe von ca. 2700 m. Da es für einen Springer nicht möglich ist, in dieser sehr kurzen Zeit von 3000 auf 2700 m zu fallen, korrigiert der Rechner den Messwert auf die tatsächliche Höhe. Sind für das CYPRES die Auslösekriterien erfüllt, durchtrennt das Schneideelement den Notschirmloop und die Notschirmöffnung wird eingeleitet
Natürlich werden noch weitere Parameter als die in diesem Beispiel genannten geprüft und ausgewertet, bis das CYPRES auslöst.

System CYPRES-Einbau im Notschirmcontainer
Der Cutter soll möglichst hoch platziert werden damit sich das abgeschnittene Teil des Loops nicht in den Ösen der Klappen verklemmen kann.

Auslösekriterien CYPRES 👁 S157
Die Auslsung eines Expert-CYPRES ertolgt. wenn de Falgeschwindigkeit auf 225 m. ü. G. noch grösser als 35 m/s ist. Ein Schüler-CYPRES hat gesplittete Aulösekriterien, 300 m. ü. G, wenn der Springer mit einer Geschwindigkeit > 13 m/s sinkt und 225 m. ü. G. wenn de Geschwindigkelt > 35 m/s beträgt. Beim Schüler- wie auch beim Expert-CYPRES ist zu beachten, dass im Steigflug 450 m über Grund erreicht werden müssen, um das Gerät zu aktivieren.
Mit der Weiterentwicklung der Fallschirmdisziplinen haben sich auch de Anforderungen an ein Öffnungsgerät verändert. Momentan (2014) sind im Sportbereich Schüler-, Expert, Tandem-, Speed- und Pilot-CYPRES im Einsatz. Für miltärische und weitere Einsatzarten sind noch viele zusätzliche Varianten entwickelt worden.
👁 Alle Geräte haben ihre spezifischen Einstellungen, welche du im jeweiligen Handbuch findest. Beachte unbedingt das Manual, wenn du de Einstellungen am
Gerät ändern willst.
Weitere Öffnungsgeräte 👁 S.167
Basierend auf dem Funktionsprinzip des CYPRES sind weitere Geräte gebaut worden, deren Beschreibung hier allerdings zu weit gehen würde. Ganz wichtig ist jedoch, dass ein CYPRES-Standard in Bezug auf Funktion und Einstellungen nicht auch für dle anderen AAD-Typen gilt.
👁 Beachte unbedingt das gültige Manual des jeweiligen Herstellers.
Höhenmesser
Höhenmesser dienen der Bestimmung der verschiedenen wichtigen Hühen beim Fallschirmspringen wie Absprung-, Separations-, Auslöse- und Entscheidungshöhe. Die Höhe wird barometrisch bestimmt, das heisst, der aktuelle Druck wird auf einer Skala am Höhenmesser angezeigt. Die Anzeige erfolgt auf den ursprünglichen, mechanischen Höhenmessern analog und bei modernen, elektronischen Geräten analog oder digital.

Funktionsprinzip Höhenmesser S.157
Über ein kleines Loch im Gehäuse des Höhenmessers kann Druck entweichen oder eindringen. Dieser statische Druck wirkt auf eine oder mehrere, beinahe luftleere, selbstfedernde Aneroid-Dosen respektive digitale Drucksensoren. Bei zunehmender Höhe nimmt der Druck ab, die Aneroid-Dosen dehnen sich aus und diese Bewegung wird auf den Zeiger übertragen. Bei digitalen Geräten werden die Daten des Sensors von eliem Prozessor verarbeitet. Die Einheit der Höhenmeterskalen ist Meter oder Feet, Geeicht werden die Höhenmesser gemäss der Standardatmosphäre lSA. Bei Temperaturabweichungen zu dlesen Standardwerten werden die am Höhenmesser angezeigten Werte verfälscht. Diese Abweichung hat jedoch für den Fallschirmspringer keine praktische Bedeutung, da man die Grundeinstellung jeweils vor dem Sprung überprüft und wesentliche Änderungen in Bezug auf Druck und Temperatur während eines Sprungverlaufes nicht zu erwarten sind.
Höhenmessereinstellung 👁
👁 Grundsätzlich wird der Höhenmesser bei Sprüngen auf dem Startflugplatz vor dem Start auf Null gestellt. Bei Sprüngen ausserhalb des Flugplatzes soll der Höhenmesser so eingestellt werden, dass er die Höhe über dem Aussenlandeplatz anzeigt. Nach der Landung sollte der Zeiger auf 0 m zeigen.
Landeplatz höher als Startplatz 👁 S.158

Landeplatz tiefer als Startplatz 👁 S.158

Höhenwarngeräte
Als Zusatz zum Höhenmesser werden vermehrt akustische Höhenwarngeräte verwendet. In den verschiedenen Disziplinen sind diese Geräte eine grosse Hilfe, da man sich voll auf das vorgesehene Programm konzentrieren kann und auf der gewählten Höhe den Input/Warnton des Instruments erhält. Je nach Typ können mehere Warnhöhen eingestellt werden wie z. B. Separationshöhen, Auslösehöhen oder auch die Entscheidungshöhe für das Notschirmprozedere. Als weitere nützliche Funktion werden von einigen Geräten die Sprungdaten aufgezeichnet, sodass sie als digitales Sprungbuch verwendet werden können.

Unterhalt von Fallschirmsystemen S.159
Sofern sorgfältig mit Fallschirmsystemen umgegangen wird, ist es ohne weiteres möglich, damit hundert Sprünge auszuführen. Die neuen Materialien, welche zur Herstellung der Fallschirmkalotten verwendet werden, sind durch die Silikonbeschichtung sehr dauerhaft. Es ist bekannt, dass Schirme mit über 2000 bis 3000 Sprüngen im Einsatz sind, deren Flugeigenschaften nicht wesentlich gelitten haben. Es sind eher die Leinen, welche nach ca. 500-700 Sprüngen ausgewechselt werden müssen.
Periodische Kontrollen und Unterhaltsarbeiten
Vor jedem Sprung wird selbstredend eine Kontrolle durchgeführt. Dabei wird die gesamte Ausrüstung systematisch einer visuellen Inspektion unterzogen. Details dazu sind im Kapitel Absprungpraxis aufgeführt.
Mindestens einmal pro Jahr - bei intensiver Benützung selbstverständlich öfters - sollte die Ausrüstung eingehender geprüft werden. Natürlich ist jeder Rigger gerne bereit, bei der jährlichen Notschirmfaltung, wo er das Gurtzeug und den Notschirm kontrollieren wird, auch den Hauptschirm anzuschauen. Zusätzlich wird beim CYPRES alle 4 Jahre eine Überprüfung durch den Hersteller fällig. Dabei werden alle Komponenten geprüft und wo nötig justiert sowie die Software auf den neuesten Stand gebracht.
Spezielle Kontrollpunkte
3-Ring- System
Leinenschlösser «connector links»
Ösen «grommets»
Fangleinen «lines»$
Verschlussschlaufen «closing loops»
Velcros
Kabelschläuche «cable housings»
Gurten «webbing»
Schlösser/ Metallteile «hardware»
Griffe «ripcord/handle»
Verschlussstifte / Pins