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Heimatkunde
keine eindeutig einheitliche Konzeption, sondern verschiedene historische Ausprägungen
ältere Formen orientieren sich an der volkstümlichen Bildung, neuere Formen stärker an der Aufklärung über die reale Lebenswelt
Ziel: Einblicke in den heimatlichen Lebensraum gewinnen, Heimatgefühl entwickeln und sich in bestehende gesellschaftliche Verhältnisse einfügen
Inhalte: Heimat, Geographie, Geschichte, Brauchtum, Familie, Berufe, Landwirtschaft, Tierwelt; naturwissenschaftliche Inhalte spielen kaum eine Rolle
starke Orientierung an Ganzheitlichkeit, Kindgemäßheit, Anschaulichkeit, Lebensnähe und Brauchbarkeit
Methoden: Erzählen, Lehrer-Schüler-Gespräch, Anschauung; teilweise auch Experimente und Problemlösungen
Medien: Lehrbücher, Filme, Karten, Schautafeln, biologische Präparate
Grundlage: Ganzheits- und Gestaltungspsychologie, statischer Begabungsbegriff
Kennzeichnung: erlebnisbezogen, konkret, kindzentriert und halboffen
Kritik: Was als „kindgemäß“ gilt, wird häufig vom Lehrenden bestimmt
Strukturorientierter Sachunterricht
entstand aus der Forderung nach stärkerer Wissenschaftsorientierung im Sachunterricht
Ziel: Vermittlung grundlegender wissenschaftlicher Begriffe, Konzepte und Strukturen
Sachunterricht dient als Propädeutik für wissenschaftliches Denken
Lernziele sind verbindlich festgelegt und stark vorgegeben
Inhalte: vor allem naturwissenschaftliche Konzepte aus Physik und Chemie, teilweise fächerübergreifend
Wissenschaftliche Begriffe und Strukturzusammenhänge stehen im Mittelpunkt
Methode: experimentell-induktiv-deduktives Vorgehen
Lernweg: Exploration → Invention → Discovery
Kinder beobachten, experimentieren, vergleichen, ordnen und abstrahieren
Medien: vorgegebene Materialkoffer und genau abgestimmte Unterrichtsmaterialien
Grundlage: genetisches Verständnis der Begriffsbildung; neues Wissen wird mit vorhandenem Wissen verknüpft
Kennzeichnung: wissenschaftsorientiert, stark geplant und wenig offen
Kritik: starke Steuerung durch Curricula, wenig Raum für spontane Entwicklungen und Interessen der Kinder
Verfahrensorientierter Sachunterricht (S-APA)
naturwissenschaftliches Elementarcurriculum aus den USA
Entwicklung beeinflusst durch Robert Gagné und Jean Piaget
Ziel: Vermittlung naturwissenschaftlicher Verfahren statt einzelner Fachinhalte
Kinder sollen wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen erwerben
wichtige Verfahren: Beobachten, Klassifizieren, Messen, Hypothesen bilden, Experimentieren
Inhalte dienen hauptsächlich als Übungsmaterial für Verfahren
Wissenschaft wird als Sammlung von Methoden zur Problemlösung verstanden
Methodik: exakt geplante Unterrichtseinheiten mit festgelegten Lernzielen
Unterricht ist stark lernzielorientiert und kontrolliert
Medien: vorgegebene Materialien und Experimentierkästen
Grundlage: neobehavioristische Lerntheorie
Lernen wird als Aufbau von Reiz-Reaktions-Verbindungen verstanden
Kennzeichnung: geschlossenes Curriculum mit hoher Steuerung
Kritik:
Inhalte werden vernachlässigt
Kinderinteressen und Lebenswelt spielen kaum eine Rolle
Lehrer- und Schülerhandlungen sind stark eingeschränkt
Lernen ähnelt eher einem Training als einem offenen Bildungsprozess
Nuffield Junior Science Project (NJSP) & Science 5/13
englische Konzeptionen der 1960er- und 1970er-Jahre
entstanden als Gegenbewegung zu stark wissenschaftsorientierten Curricula
beeinflusst durch Jean Piagets Entwicklungs- und Erkenntnistheorie
Ziel: Kinder sollen naturwissenschaftliche Denkweisen durch eigenes Handeln entwickeln
Mittelpunkt: Entdeckendes Lernen („discovery learning“)
Kinder sollen Probleme selbst auswählen, untersuchen und Lösungen entwickeln
Inhalte orientieren sich an Interessen, Erfahrungen und Fragen der Kinder
keine festen Lehrgänge, sondern offene Unterrichtsbeispiele („classroom examples“)
Methoden:
Experimentieren
Forschen
Beobachten
Gruppenarbeit
selbstständiges Lernen
Rolle der Lehrkraft: Begleiter und Unterstützer, nicht Wissensvermittler
Medien: Materialien aus der Lebenswelt der Kinder, selbst hergestellte Materialien
Grundlage: Piagets Vorstellung vom Kind als aktivem Konstrukteur von Wissen
Kennzeichnung: offen, kindorientiert und erfahrungsbezogen
Kritik:
Gefahr eines unsystematischen Wissenserwerbs
fachliche Inhalte können zu kurz kommen
hohe Anforderungen an Lehrkräfte
Mehrperspektivischer Unterricht (MPU)
entwickelt Anfang der 1970er-Jahre durch die Arbeitsgruppe Reutlinger Didaktiker / CIEL-Forschergruppe
entstand als Kritik an:
einseitiger Wissenschaftsorientierung
Fachaufteilung des Sachunterrichts
Vernachlässigung gesellschaftlicher Aspekte
Ziel: Entwicklung von Handlungsfähigkeit und kritischer Reflexionsfähigkeit
Kinder sollen Alltagswirklichkeit verstehen, hinterfragen und rekonstruieren
Inhalte orientieren sich an gesellschaftlichen Handlungsfeldern
Beispiele:
Supermarkt
Krankenhaus
Schule
Fernsehen
Geburtstagsfeier
Überwindung der Fächertrennung durch Verbindung natur- und sozialwissenschaftlicher Perspektiven
Methoden:
Rollenspiele
Modellbildung
Collagen
Verfremdung
Rekonstruktion von Handlungsfeldern
Lehrende unterstützen und strukturieren komplexe Lernprozesse
Medien: vorbereitete Materialsammlungen für Lehrende und Lernende
Grundlage:
konstruktivistische Ansätze
strukturalistische Vorstellungen
Kennzeichnung: gesellschaftsorientiert, mehrperspektivisch und handlungsorientiert
Kritik:
Auswahl der Handlungsfelder erfolgt durch Erwachsene
hohe Anforderungen an Lehrkräfte
Gefahr der Überforderung durch komplexe Modelle
hoher Zeit- und Materialaufwand
Genetisch-sokratisch-exemplarischer Unterricht (nach Martin Wagenschein)
entwickelt von Martin Wagenschein (1896–1988)
ursprünglich für den Physikunterricht am Gymnasium entwickelt, später durch Thiel auf die Grundschule übertragen
beeinflusst durch die Odenwaldschule und Paul Geheeb
Ausgangspunkt: Kritik an Stofffülle, mangelnder Schülerorientierung und selektiver Schule
Ziel: Aus Erfahrungen der Kinder heraus zu wissenschaftlichem Verständnis gelangen
zentrale Idee: „Von der Sache aus, die Sache des Kindes ist“
Prinzipien:
exemplarisches Lernen
sokratisches Lernen
genetisches Lernen
Exemplarisches Lernen
Auswahl einzelner bedeutsamer Beispiele, an denen allgemeine Strukturen erkannt werden
vom Besonderen zum Allgemeinen
soll Stofffülle reduzieren und tiefes Verständnis ermöglichen
Sokratisches Lernen
Wissen wird durch Fragen und Dialog entwickelt
Ausgangspunkt ist ein überraschendes Phänomen, das zum Nachdenken anregt
Genetisches Lernen
Orientierung am Entstehungsprozess von Wissen
Kinder entwickeln Begriffe durch eigenes Erfahren und Handeln
Inhalte:
vor allem Naturphänomene aus Physik, Chemie und Biologie
Methoden:
Experimentieren
Beobachten
Dialog
gemeinsames Forschen
Medien:
die Sache selbst
selbst gebaute Experimente
Sprache als Erkenntnismittel
Grundlage: kognitive Strukturtheorie, Erfahrung als zentraler Bildungsbegriff
Kennzeichnung: erfahrungsorientiert, wissenschaftsbezogen und dialogisch
Kritik:
schwierig im Unterricht umzusetzen
sehr zeitaufwendig
keine feste Auswahl exemplarischer Themen
teilweise romantisches Bild vom Kind
Vielperspektivischer Sachunterricht
moderne Weiterentwicklung des Sachunterrichts auf Grundlage konstruktivistischer Vorstellungen
Erkenntnis entsteht durch kontinuierliche Konstruktion und verschiedene Perspektiven
Wirklichkeit wird als plural, heterogen und vielschichtig verstanden
Vorläufer:
Martin Wagenschein („Die beiden Monde“, 1979)
Komponentenmodell von Hartwig Fiege
Mehrperspektivischer Unterricht (MPU)
Grundsätze von Hartmut von Hentig
Schlüsselprobleme nach Wolfgang Klafki
Funktionsziele nach Köhnlein
Ziel:
Förderung vielperspektivischen Denkens
Aufbau belastbaren Sachwissens
Entwicklung von Pluralismusfähigkeit
Verbindung verschiedener Zugänge zu einer Sache
Inhalte:
neun inhaltliche Dimensionen nach Köhnlein
fünf Perspektiven des Perspektivrahmens der GDSU (2013):
sozialwissenschaftliche Perspektive
naturwissenschaftliche Perspektive
geographische Perspektive
historische Perspektive
technische Perspektive
Kompetenzbereiche:
deklaratives Wissen (Sachwissen)
prozedurales Wissen (Methodenwissen)
metakognitives Wissen (Reflexionswissen)
Methoden:
exemplarisches Lernen
handlungsorientierter Unterricht
Projektunterricht
Epochenunterricht
lehrgangsbezogener Unterricht
Wissenschaftsverständnis:
integrativ
multidimensional
wissenschaftsfreundlich
Ziel ist die Verbindung von Fachwissen, Lebenswelt und kindlichen Vorstellungen
Kennzeichnung: offen, konstruktivistisch und perspektivenverbindend