F7 Komorbidität + PT-Modifikation

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F7 Kernkonzept: Was ist "diagnostic overshadowing" — und was ist das Gegenstück?

DIAGNOSTIC OVERSHADOWING: psychopathologische Symptome (z.B. Depression, Angst) werden fälschlich als bloßer Ausdruck der Intelligenzminderung gedeutet und übersehen → psych. Störung bleibt unbehandelt (Reiss et al. 1982) • GEGENSTÜCK: UNDERREPORTING — Menschen mit IM berichten weniger spontan über Symptome (Sturmey 1999) • FOLGE für die Diagnostik: aktiv nach Komorbidität screenen, Verhaltensänderungen ernst nehmen, Fremdanamnese (Bezugspersonen) einbeziehen, Beobachtung über Zeit • MERKSATZ: „Verhaltensauffälligkeit ist nicht automatisch die Behinderung — erst Komorbidität ausschließen"

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F7 Komorbidität: Wie häufig, welche Störungen typisch?

HÄUFIGKEIT: gepoolt 33,6 % (Mazza et al. 2019) bzw. 3–4× höher als Allgemeinbevölkerung • TYPISCH häufiger: Autismus, atypisch verlaufende Psychosen, Verhaltensauffälligkeiten (auto-/fremdaggressiv) • seltener, aber vorhanden: affektive Störungen, Angst-, Zwangsstörungen, Abhängigkeiten • CAVE: Symptome weichen oft vom üblichen Manifestationsmuster ab + werden durch eingeschränkte Kommunikation schwerer erfasst → besondere diagnostische Sorgfalt (S2k 028-042)

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F7 Behandlungslogik: Ist Intelligenzminderung selbst behandelbar — was ist dann das PT-Ziel? [PatInfAuf-relevant]

[PATIENT] Die Intelligenzminderung selbst kann man nicht wegtherapieren oder mit Medikamenten heilen — aber wir können sehr viel tun: Alltagsfähigkeiten stärken, Selbstständigkeit fördern, und wenn zusätzlich seelische Belastungen dazukommen (z.B. Ängste, Niedergeschlagenheit), sind DIESE gut behandelbar. • ▸▸▸ FACH → IM ist eine stabile Entwicklungsbedingung, medikamentös/psychotherapeutisch nicht "heilbar". PT-Ziele: (1) Erwerb/Verbesserung alltagspraktischer Fertigkeiten + Teilhabe, (2) Behandlung KOMORBIDER psych. Störungen — deren Indikationen sind grundsätzlich dieselben wie bei Menschen ohne IM (Krankheitsspektrum identisch), nur die Handhabung wird angepasst

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F7 PT-Modifikation: Wie passt man Psychotherapie bei Menschen mit IM an? [PatInfAuf-relevant]

[PATIENT] Ich erkläre alles in einfacher, klarer Sprache, arbeite mit Bildern und Wiederholungen, mache kleinere Schritte und beziehe wichtige Bezugspersonen mit ein, damit das Gelernte auch im Alltag ankommt. • ▸▸▸ FACH → Anpassungen: einfache/konkrete Sprache, Visualisierung, Kleinschrittigkeit + hohe Wiederholung, mehr Struktur, kürzere Einheiten, Einbezug Bezugssystem (Angehörige/Betreuende) zur Generalisierung, Orientierung am emotionalen Entwicklungsniveau (nicht nur kalendarisch) • bei herausforderndem Verhalten (challenging behaviour) OHNE komorbide Ursache: teamweites Gesamtkonzept mit Verhaltensanalyse, Kompetenz-/Bedarfsbestimmung, Anpassung der Umgebungsstruktur — nicht Verhalten "unterdrücken"

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F7 Pharmakotherapie: Was gilt bei Medikation bei Menschen mit IM?

GRUNDSATZ: IM selbst ist medikamentös NICHT behandelbar — Psychopharmaka nur bei behandelbaren komorbiden psych. Störungen, mit denselben Grundindikationen wie ohne IM • REALITÄT: Verordnungsrate sehr hoch (stationär 12–40 %), oft Off-Label / bei herausforderndem Verhalten → kritisch, Gefahr symptomunterdrückender Dauermedikation • BESONDERHEITEN: erschwerte Diagnostik, hohe Komorbidität/Mehrfachmedikation, atypische Wirkungen/UAW, Compliance/Kommunikation → engmaschige Kontrolle, niedrig dosiert starten • PT/psychosoziale + Umgebungsmaßnahmen sind vorrangig zu prüfen

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F7 Beziehung & Aufklärung: Worauf achten bei Aufklärung/Einbezug (ThBezGe + PatInfAuf)?

[PATIENT] Ich spreche direkt mit Ihnen — nicht über Sie hinweg —, in einer Sprache, die für Sie passt, und Sie entscheiden mit. Wenn Sie möchten, beziehe ich Ihre Vertrauensperson ein. • ▸▸▸ FACH → Prinzipien: Aufklärung an Aufnahmefähigkeit anpassen (einfache Sprache, Rückversicherung des Verständnisses), Betroffene DIREKT ansprechen (Autonomie/Selbstbestimmung, UN-BRK), Bezugsperson ergänzend statt ersetzend, Einwilligungsfähigkeit gesondert prüfen (nicht pauschal absprechen — sie ist entscheidungs- und situationsspezifisch) → Detail auf Recht/Teilhabe-Karte (Block C)