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Diese Flashcards decken die zentralen Konzepte der Vorlesung 'Wahrnehmung 2' ab, einschließlich des auditiven Systems, der Olfaktorik, des Geschmackssinns und der Somatosensorik.
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Somatosensorisches System
Das somatosensorische System ist das körperliche Wahrnehmungssystem, das grob in zwei Bereiche unterteilt wird: die Oberflächensensibilität (Exterozeption) für Reize von außen und die Tiefensensibilität (Propriozeption) für Signale aus dem eigenen Körperinneren.
Beispiel: Du spürst gleichzeitig den kalten Wind auf deiner Haut und merkst ohne hinzusehen, ob dein Knie gerade gebeugt oder gestreckt ist.
Exterozeption
Die Exterozeption beschreibt die reine Oberflächensensibilität des Körpers. Sie umfasst alle Wahrnehmungen, die über die Haut von außen aufgenommen werden, wie das Tasten (taktil), das Greifen (haptisch) sowie Temperatur- und Schmerzwahrnehmungen.
Beispiel: Wenn du eine heiße Kaffeetasse anfasst, spürst du sofort die Hitze auf der Haut deiner Finger.
Propriozeption
Die Propriozeption ist die Tiefensensibilität des Körpers, die uns ohne den Blick der Augen sagt, wie unser Körper im Raum steht. Sie setzt sich aus dem Stellungssinn der Glieder, dem Bewegungssinn und dem Kraftsinn der Muskeln zusammen.
Beispiel: Du kannst mit geschlossenen Augen deine Nasenspitze zielsicher mit dem Zeigefinger berühren, weil dein Gehirn genau weiß, wo sich dein Arm befindet.
Multimodale Wahrnehmung
Darunter versteht man das Zusammenspiel und die Verschmelzung von Informationen aus völlig verschiedenen Sinneskanälen (wie Sehen, Hören und Schmecken), um in unserem Kopf einen einzigen, stimmigen Gesamteindruck zu erzeugen.
Beispiel: Das Erlebnis beim Essen im Restaurant entsteht erst dadurch, dass wir das Essen gleichzeitig riechen, schmecken und auf dem Teller schön angerichtet sehen.
Warum erscheinen entfernte Objekte kleiner, werden aber als normal groß wahrgenommen? (Größenkonstanz)
Dieses Phänomen nennen wir Größenkonstanz. Unser Gehirn ist so schlau, dass es die geschätzte Entfernung eines Objekts automatisch mitberechnet, sodass wir dessen tatsächliche, reale Größe immer korrekt einschätzen können.
Beispiel: Ein Flugzeug am Himmel sieht winzig wie eine Fliege aus, aber dein Kopf weiß ganz genau, dass es in Wirklichkeit riesig ist.
Gestaltgesetz der Geschlossenheit
Dieses Gesetz besagt, dass unser Gehirn dazu neigt, einzelne Elemente, die zusammen eine geschlossene Form bilden könnten, als eine Einheit wahrzunehmen. Unvollständige Linien werden im Kopf automatisch zu einer bekannten Form ergänzt.
Beispiel: Ein Kreis, der an drei kleinen Stellen unterbrochen ist, wird von uns trotzdem sofort als ein ganzer Kreis wahrgenommen.
Gestaltgesetz der guten Fortsetzung
Dieses Prinzip beschreibt unsere Neigung, Linien oder Muster immer so wahrzunehmen, als würden sie in ihrer gelernten Richtung fließend weiterlaufen, selbst wenn sie durch andere Elemente oder Linien mitten drin unterbrochen werden.
Beispiel: Wenn zwei Seile sich auf dem Boden kreuzen, sieht unser Auge automatisch zwei durchgehende Linien und nicht vier einzelne, aneinandergestoßene Stücke.
Gestaltgesetz der Ähnlichkeit
Dieses Gesetz betrifft die Wahrnehmung von Objekten, die sich optisch ähnlich sehen (z. B. durch dieselbe Farbe oder Form). Sie werden vom Gehirn automatisch als zusammengehörige Gruppe angesehen, völlig unabhängig von ihrer räumlichen Nähe.
Beispiel: Auf einem Spielfeld sortiert dein Auge die Spieler sofort in zwei Teams, nur weil die einen rote und die anderen blaue Trikots tragen.
Gestaltgesetz der Nähe
Dieses Gesetz besagt, dass Objekte, die sich räumlich nah beieinander befinden, von unserer Wahrnehmung ganz automatisch als eine zusammengehörige Gruppe oder Einheit abgespeichert werden.
Beispiel: Wenn auf einem Blatt Papier Punkte eng paarweise nebeneinanderstehen, sehen wir keine lose Punktesammlung, sondern feste Paare.
Tonhöhe, Lautstärke, Klangfarbe
Das sind die drei physikalischen Grundmerkmale, mit denen man Schallwellen in der auditiven Wahrnehmung beschreibt. Die Tonhöhe wird durch die Frequenz bestimmt, die Lautstärke durch die Amplitude und die Klangfarbe durch die Reinheit der Welle.
Beispiel: Eine Flöte und eine Gitarre können exakt dieselbe Tonhöhe und Lautstärke spielen, aber wir unterscheiden sie sofort durch ihre typische Klangfarbe.
Shepard-Ton
Der Shepard-Ton ist eine verblüffende auditive Täuschung. Sie entsteht durch das geschickte Übereinanderlagern verschiedener Töne und erzeugt im Kopf die Illusion einer akustisch unendlich ansteigenden oder unendlich fallenden Tonleiter.
Beispiel: Es klingt für das Ohr so, als würde der Ton auf einer Tonleiter ewig weiter nach oben klettern, obwohl er in Wirklichkeit immer in derselben Tonlage bleibt.
Wahrnehmungsschwelle vs. Erkennungsschwelle
Das beschreibt einen Unterschied in unserem Geruchssystem (olfaktorisch). Die Wahrnehmungsschwelle ist der Punkt, an dem wir bloß bemerken, dass da irgendein Geruch ist – die Erkennungsschwelle liegt höher, denn erst ab dort können wir genau benennen, wonach es riecht.
Beispiel: Du betrittst eine Wohnung und riecht sofort, dass es dort intensiv riecht. Erst Sekunden später erkennst du an der höheren Schwelle, dass es frisch gebackener Kuchen ist.
Torwächter-Funktion
Das ist die lebenswichtige biologische Rolle unseres Geruchs- und Geschmackssinns. Sie funktionieren zusammen als eingebauter Schutzmechanismus für den gesamten Organismus, um gefährliche oder giftige Stoffe rechtzeitig zu erkennen, bevor sie in den Körper gelangen.
Beispiel: Wenn Milch verdorben ist, riechen und schmecken wir das sofort als sauer und ekelig, was uns davor schützt, sie herunterzuschlucken.
Was beschreibt der McGurk-Effekt?
Dieses Phänomen zeigt, wie stark visuelle Informationen (wie die Lippenbewegung) unsere auditive Wahrnehmung beim Hören beeinflussen. Wenn das Auge etwas anderes sieht, als das Ohr hört, mischt das Gehirn daraus einen völlig neuen Höreindruck.
Beispiel: Ein Sprecher sagt den Ton „ba“, aber das Video zeigt die Lippenbewegung für „ga“. Unser Gehirn wird verwirrt und wir hören stattdessen plötzlich den Ton „da.
Was sind Wahrnehmungsillusionen?
Illusionen sind falsche oder verzerrte Wahrnehmungen von realen Objekten oder Ereignissen. Sie entstehen im Gehirn durch das Zusammenspiel von Kontext, Perspektive, falscher Interpretation der Umgebung oder anderen optischen Faktoren.
Beispiel: Wenn wir zwei Linien sehen, die exakt gleich lang sind, aber durch Pfeile an den Enden eine Linie für unser Auge viel länger wirkt (Müller-Lyer-Täuschung).
Wie kombinieren Schmecken und Riechen den Geschmack?
Erst die enge Kombination aus dem Geschmackssinn auf der Zunge und dem Geruchssinn in der Nase ermöglicht uns eine komplexe Geschmackserfahrung. Dabei hat das Riechen einen unglaublich großen, wesentlichen Einfluss auf das, was wir als Geschmack abspeichern.
Beispiel: Wenn du dir beim Essen fest die Nase zuhältst, schmeckt eine Zwiebel plötzlich fast genauso süßlich wie ein Apfel, weil das Riecharoma komplett fehlt.
Welchen Einfluss haben Kontext und Lernen auf das Schmecken?
Die Umgebung (Kontext) und unsere früheren Erfahrungen beeinflussen das Schmecken massiv, indem sie im Kopf feste Erwartungen aufbauen. Diese psychologischen Erwartungen verändern dann direkt die biologische Erfahrung beim Essen.
Beispiel: Wenn man eine günstige Flasche Wein in eine teure Luxus-Flasche umfüllt, schmeckt der Wein den Testpersonen wegen der hohen Erwartung plötzlich viel besser.
Geschmackswahrnehmung (Mythen vs. Fakten)
Es ist ein reiner Mythos, dass es auf der Zunge isolierte Regionen für süß, sauer, salzig oder bitter gibt (wir schmecken alles überall). Fakt ist: Der Gesamteindruck entsteht erst durch die Mischung aus Zunge (Schmecken) und Nase (Riechen), stark beeinflusst von Kontext und Gelerntem.
Beispiel: Du schmeckst ein Erdbeereis auf der gesamten Zunge süß und fruchtig, aber das typische 'Erdbeer-Gefühl' entsteht erst, weil die Aromen beim Kauen hoch in die Nase steigen.