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Konzept Psychosomatische Medizin
Unabhängig von spezifischer Fachrichtung
Impliziert anthropologisches-ganzheitliches Menschenbild (Psyche und Körper beeinflussen sich gegenseitig)
Psychosomatische Medizin/Psychotherapie eigenständiger Facharzt Qualifikation
Beziehung zwischen Psyche und Körper (Soma) nicht das schulde Ursache Wirkung zu denken
Unterschiede zwischen organische Krankheiten und funktionelle Körperbeschwerden
Die Trennung organischer Krankheiten von funktionellen Körperbeschwerden sind nicht eindeutig
auch können somatoforme Beschwerden teilweise organisch gemessen werden
auch “rein Organ medizinische” Krankheiten können erheblich von psychologischen Prozessen beeinflusst werden
Anstatt diese Begriffe strikt zu trennen wurde der Begriff “Somatische Belastungsstörung” eingeführt
Charakteristika von Somatisierungs- und Somatoforme Störung
Oft keine objektivierbaren pathologischen Befund → Patienten werden oft nicht ernst genommen
Aber 12-Monats Prävalenz von ca. 11% in DE gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen
Diskrepanz Subjektives Befinden vs. objektivierbare Befunde
Patienten fühlen sich abgewertet, wenn sie “nur etwas seelisches” langer Prozess → Ziel, endlich einen krankhaften Befund/ eine Richtige Diagnose zu bekommen
Hauptkategorien somatoformer Störungen nach ICD-10 F45
F45.0 Somatisierungsstörung
F45.1Undifferenzierte Somatisierungsstörung
F45.2Hypochondrische Störung
F45.3Somatoforme autonome Funktionsstörung
F45.4 Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
- Mindestens sechs Monate kontinuierlicher, an den meisten Tagen anhaltender, schwerer und belastender Schmerz in einem Körperteil, der nicht adäquat durch den Nachweis eines physiologischen Prozesses oder einer körperliche Störung erklärt werden kann, und der anhaltend der Hauptfokus der Aufmerksamkeit der Patienten ist - Form von chronischem Schmerz
F45.8Sonstige somatoforme Störungen
F45.9Nicht näher bezeichnete somatoforme Störungen
Ausblick:
ICD-11 6C20 Somatische Belastungsstörung
Mehrere Monate subjektiv belastende Beschwerden, übermäßige Aufmerksamkeit
mit negativen Auswirkungen auf das Leben/-squalität
Diagnosekriterien Somatisierungsstörung F45.0 and

6 D´s der somatoformer Störungen
Dienen dazu unbewusste psychische MEchanismen hinter den chronischen Beschwerden zu erkennen und verstehen
Disability: hohe Beeinträchtigung der Lebensqualität
Depression: hohe Komorbidität mit Depression
Disuse & Degeneration: Schonung & Rückzug
Drug misuse: (nicht verordnungsgemäße) Einnahme von Medikamenten
Doctor shopping: Erhöhte Inanspruchnahme medizinischer Dienste bzw. häufige Arztwechsel
Dramatic accounts of illness: Verdeutlichungstendenz aufgrund von Vorerfahrungen
Bio-Psycho-soziales Krankheitsmodell (Engel 1977)

Therapie somatoformer Störungen
- Immer organische und psychische Diagnostik (parallele Behandlung günstig!)
- Hinreichend sicherer Ausschluss organischer Ursachen der Beschwerden: geplant, nicht redundant, zeitlich gerafft
Beziehungsaufbau
Beschwerden schildern lassen, ernst nehmen, aktives Zuhören
Kränkungserleben, Validierung des Leidensdrucks, Stigmatisierung
Angebot eines multifaktoriellen Erklärungsmodells unter Einbeziehung psychosomatischer Aspekte
Erweiterung der organischen Kausalattribution zu einem psychosomatischen Krankheitsverständnis (Wechselwirkungen zwischen Körperbeschwerden und psychosozialen Faktoren)
Zieldefinition
Reduktion der Beschwerden, Bewältigung statt Heilung, Verbesserung der Lebensqualität, soziale Reintegration
- Hinweise für aktuelle psychosoziale und für biographische Belastungen?
- Exploration von akuten Belastungsfaktoren & möglichem Krankheitsgewinn
- Pharmakotherapie bei spezifischer Indikation zur Linderung psychischer Symptome und Schmerzen (ggf. sinnvoll bei komorbider Depression/Angst) → jedoch: keine generelle Indikation zur Pharmakotherapie
Psychotherapie in der Psychosomatik
Symptomtagebuch: Strukturierte Aufmerksamkeit; Zusammenhang Emotionen & Körpersensationen
Aktivitäten Aufbau: Soziale Reintegration, Verbesserung der Lebensqualität, positive Erlebnisse
Psychoedukation: z.b. Demonstration des Aufschaukelungs Prozesses zwischen Aufmerksamkeitsfokussierung und Körpermissempfindungen; Ableitung des Interventionsrationals zur kontrollierten Aufmerksamkeitslenkung auf externalen sensorischen Input
Kognitive Ansätze: Entkatastrophisierung Umbewertung, Risikoakzeptanz
Reduktion von Vermeidungs- und Schonverhalten; Aufbau eines adäquaten Belastungsverhaltens
Achtsamkeits und Genuss Training: Körper positiv empfinden
Entspannungstechniken: Vegetative Anspannung verringern; Zugang zu. Therapeutischen Interventionen
Emotionsfokussierte Arbeit: Z.B Akzeptanz & Commitment Therapie (ACT)
Verbesserung der Psychischen Flexibilität bedeutet
mit Fachwörtern inneren Erlebnissen, wie z.b. Belagerungen Gedanken, Gefühle und Körperwahrnehmungen annehmend umzugehen &
zu wissen, was einem im Leben wichtig ist und darauf zuzugehen
Akzeptanz als Psychische Fertigkeit und Anwendung in der Psychotherapie
Es gibt kein wirksames Rezept, um unerwünschte Gedanken zu verhindern, loszuwerden oder auf andere Weise zu kontrollieren.
Aber es ist auch nicht nötig, dies zu tun, um ein gutes, erfülltes, »gesundes« Leben zu führen.
Überwindung der Kontrollagendavon Gedanken und Gefühlen
(1) Gegen welche inneren Reaktionen kämpfe ich?
(2) Auf welche Weise tue ich dies?
(3) Was ist bislang dabei herausgekommen?
Hilfsmittel für den diagnostischen Prozess
persönliches diagnostisches Gespräch
z. B. aufbauend auf Composite International Diagnostic Interview nach ICD-10 und DSM-IV (APA, 2000)
oder diagnostischen Checklisten, wie z. B. den Internationalen Diagnosechecklisten nach der ICD-10 (Hiller et al., 1997)
Beschwerdelisten i. d. R. Auflistungen von Körperbeschwerden, die von Patienten im Selbstbericht nach deren Schwere- oder Belastungsgrad eingestuft werden sollen.
z.B. Patienten-Gesundheitsfragebogen 15 (Kroenke et al.,2002)
Fragebögen zur Exploration von psychologischen Faktoren, die mit den Körperbeschwerden assoziiert sind
z. B. Krankheitsängste und -verhaltensweisen.
Einsatz eines Befindlichkeitstagebuches (zeitlich begrenzt)
Beispiele für Bewältigungsstrategien - Psychotherapie
• Verbesserung Stresstoleranz
• Verbesserung Selbstfürsorge
• Hinterfragen Denkstile und Bewertungen zu körperlichen Veränderungen
• Auseinandersetzen mit und Verstehen prägender Erfahrungen in der Kindheit und deren Einfluss auf das Verhalten
• Erhöhung Wahrnehmungsschwelle für körperliche Veränderungen
• Aufmerksamkeitslenkung
• Kognitive Umstrukturierung u.a. Erlernen selbstberuhigender Gedanken
• Akzeptanz gegenüber körperlichen Veränderungen verbessern
• Reduktion von Krankheitsverhalten
• Verhaltensaktivierung
• Verbesserung interpersoneller Fertigkeiten
• Emotionsregulation
Übersicht Psychoonkologie
Displizin, die sich wissenschaftlich und klinisch mit den psychosozialen Aspekte in Entstehung, Verlauf und Behandlung von Tumorerkrankungen beschäftigt und diese Erkenntnisse in die Versorgung der Patienten integriert
Nach aktuellem Stand der Forschung besteht bei ca. 30% aller Tumorpatienten psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsbedarf
Häufigste komorbide Störungen sind v.a. Depressive- und Angststörungen, aber auch Therapieindikation bei Distress zu Verbesserung der Lebensqualität
Was ist Psycho-Onkologie?
Beschäftigt sich mit psychosozialen Aspekte in Entstehung, Verlauf und Behandlung von Tumorerkrankungen und diese Erkenntnisse werden in die Versorgung der Patienten integriert
bei ca. 30% aller Tumorpatienten psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsbedarf
Es beinhaltet
Präventionen zb. Rauchentwöhnung
Aufklärung und Informationsvermittlung
Vermittlung: Familiäre, soziale und spirituelle Unterstützung
Individuelle Diagnose: Distress, Anspannungsstörung, Depression, Angst, Fatigue, Gedächtnis, Konzentration
Interventionen: Rehabilitationen, Psychotherapie (1-1, GRuppe; DiGA, Ergo, künstl. Virtuell,) Psychopharmaka
S3-Leitlinie mit neue Ausgabe 2023
Epidimiologie der Psychoonkologie
Und Risikofaktoren
30% der Patienten mit Krebserkrankungen haben psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungsbedarf
Höhere Prävalenz bei gynäkologischen- urologischen und Lungentumoren
5-10% benötigt sofortige Hilfe und. Psychoonkologische Beratung Risikofaktoren sind
weibliches Geschlecht
Junges Alter
Schmerzen
Stressbelastung
Fortgeschrittenes Tumorstadium
Psychische Vorerkrankungen
¼ der Angehörigen haben behandlungs-bedürftige Störungsbilder (Anpassungsstörungen, depressive- und Angsstörungen)
Ätiologie Psychoonkkologie
Direkte bio-psychische Einflussfaktoren des Krebswachstums wie parakrine, inflammatorische oder anämische; und Schmerzsyndrome etc.
Krebs und Krebstherapiefolgen sind nicht zu trennen
Fatigue meist erst im Rahmen eines Strahlen Chemotherapie beobachtet
Keine monokausale Zuordnung sondern psycho-bio-sozialen Modell
Diagnostische Leitlinien Psychoonkologie
Welche psychischen Störungen tauchen oft auf bei Krebs Patienten
Nach allgemeinem Kapitel F des ICD-10
Anpassung / post-traumatische Störung
Affektive Störungen
Angststörungen
Distress (neutraler Sammelbegriff für psychosoziale Belastung bei Krebs)
Psychologische Screening müssen standardmäßig durchgeführt werden
Symptome Psychoonkologie
Krankheitsverarbeitung, Adaption an die neuen Lebensumstände ist ein Prozess
Verlauf und Therapie der Krebserkranung Klamm psychische Vor-Erkrankungen triggern (Psychosen,
Direkte organische Psychosen zb. Delir
Bio-psycho-soziale Genese Onkologie
Bio-psycho-soziales Modell:
Bio
• Schmerzen, Erschöpfung
• Hormonelle Auswirkungen (Kortison, IL-6, …)
• Hirnveränderungen
Psycho
• Reaktion auf Belastung und Trauma
• (Re-)Aktivierung von bestehenden psychischen Erkrankungen
Sozial
• Isolation (Arbeitsunfähigkeit, …)
• Finanzielle Belastungen
Diagnose und Komorbidität
Am häufigsten :
Belastungsreaktionen (akut bzw. länger dauernd) mit
Anpassungsstörungen ICD-10 F43.0-43.9
Depressive Störungen ICD-10 F32.0-33.9
Angststörungen ICD-10 F40.0-41.9
Posttraumatische Belastungsreaktion ICD-10 F43.1
Nach S3-Leitlinie Psychoonkologie kann auch erhöhter Distress eine Behandlungsindikation sein
Wie bei anderen chronischen Erkrankungen, besteht auch bei Tumorpatienten ein erhöhtes Suizidrisiko
Verlauf und Prognosen
Stark von Grunderkrankung abhängig: rasche Sterbefällen bis kurativen Therapieergebnissen
Frühes Angebot von psycho-sozialen Interventionen verbessert die Lebensqualität
Strittig sind:
• Verbesserung von Compliance
• Verlängerung der Überlebenszeit
Realistische Ziele bei Behandlung psychischer Symptome bei Krebs Und Methoden
Reduktion von belastenden Symptomen
Verbesserung der Lebensqualität
Aufbau eines adäquaten Coping-Verhaltens
Methoden
psychoedukative gruppen
Spiritueller Beistand
Soziales Netzwerk stärken
Pharmakotherapie