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Tragen Sie Athen, Rom, Jerusalem, Sizilien, Trier und Delphi auf der rückseitigen Karte jeweil mit einem kleinen Kreuz ein

Wofür stehen die Abkürzungen JHS, RE, HZ, IG, HGIÜ?
JHS = Journal of Hellenic Studies
RE = Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
HZ = Historische Zeitschrift
IG = Inscriptiones Graecae
HGIÜ = Historische Griechische Inschriften in Übersetzung
Wie zitieren Sie einen
Zeitschriftenaufsatz
Zeitschriftenaufsatz
Nachname, Vorname, Titel des Aufsatzes, Zeitschrift, Band, Jahr, Seiten.
Nennen Sie wichtige Literatur zum PS-Thema Koine Eirene (Monographien, Sammelbandbeiträge, Zeitschriftenaufsätze).
Monographien
Martin Jehne: Koine Eirene. Untersuchungen zu den Befriedungs- und Stabilisierungsbemühungen in der griechischen Poliswelt des 4. Jahrhunderts v. Chr. (1994)
Raimund Schulz/Uwe Walter: Griechische Geschichte ca. 800–322 v. Chr. Band 1. Darstellung (2022)
Zeitschriftenaufsätze
Ernst Baltrusch: „Frieden und Selbstbestimmung. Die Koine-Eirene-Verträge des 4. Jahrhunderts v. Chr.“ (GWU 70, 2019)
Friedemann Quaß: „Der Königsfriede vom Jahr 387/6 v. Chr. Zur Problematik einer allgemein-griechischen Friedensordnung“ (HZ 252, 1991)
Sammelbandbeiträge
Polly Low: „Peace, Common Peace, and War in Mid-Fourth-Century Greece“, in: Maintaining Peace and Interstate Stability in Archaic and Classical Greece (2012)
Ian Worthington: „IG i² 236 and Philip's common peace of 337“, in: Greek History and Epigraphy. Essays in honour of P. J. Rhodes (2009)
Nennen Sie vier wichtige Quellen für das PS-Thema (unterschiedliche Autoren und Werktitel).
Historien – Herodot (Ägypten-Exkurs, ethnographische Beschreibung fremder Kulturen)
Hellenika – Xenophon (u. a. Antalkidasfrieden und Mantineia-Darstellungen)
Historien (Polybios) – Polybios (Nachwirkungen von Mantineia und Bündnispolitik im Hellenismus)
Über den Frieden – Andokides (Argumentation für Frieden und politische Ordnung in Athen)

Quellensteckbrief zu Herodot, Historien (Ägypten-Exkurs)
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Quellensteckbrief zu Herodot, Historien (Ägypten-Exkurs)
Autor
Herodot
Übersetzung: J. Feix (dt. Übersetzung der griechisch–deutschen Ausgabe)
Lebensdaten
ca. 490/480–425 v. Chr.
Soziale Stellung
Angehöriger der griechischen Oberschicht
Gebildeter, reisender Intellektueller
Inhalt des Gesamtwerks
Darstellung der Perserkriege (Griechen vs. Perser)
Ethnographische Beschreibungen fremder Völker
Exkurse über Länder, Sitten und Religionen (z. B. Ägypten)
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Ägypten wird als „umgekehrte Welt“ beschrieben
Herodot betont radikale Unterschiede zu Griechenland:
Geschlechterrollen
Arbeitsteilung
Alltagsgewohnheiten
religiöse Praxis
Begründung der Ägypter: „Schamhaftes soll verborgen sein“
Ziel: Darstellung von Fremdheit und kultureller Andersartigkeit
Unbekannte Begriffe (zeitgenössisch erklärt)
Frauen treiben Handel | Herodot berichtet, dass Frauen auf dem Markt kaufen und verkaufen. Das passt grundsätzlich dazu, dass ägyptische Frauen im Vergleich zu vielen griechischen Frauen rechtlich und wirtschaftlich relativ selbstständig sein konnten: Sie konnten Eigentum besitzen und es vererben. Dennoch bedeutet das nicht, dass sie im modernen Sinn gleichberechtigt waren |
Männer weben | Weben war im Alten Ägypten ein wichtiger Bereich der Textilherstellung, denn Leinen aus Flachs wurde für Kleidung und auch für Mumienbinden benötigt. Herodot hebt besonders hervor, dass Männer weben, weil diese Tätigkeit in seiner griechischen Vergleichsperspektive eher dem Bereich der Frauen zugeordnet wurde |
Sitten und Bräuche | Damit meint Herodot die Regeln des Alltagslebens, etwa Arbeitsteilung, Essen, Körperpflege und Familienpflichten. Er schreibt, die ägyptischen Bräuche seien vielfach das Gegenteil derjenigen „der übrigen Menschen“; dadurch stellt er Ägypten bewusst als fremdartig und außergewöhnlich dar. |
Priesteramt | Ein Priesteramt bezeichnet den Dienst für Götter in Tempeln und Kulten. Priester führten Opfer und Rituale aus und hatten in Ägypten eine wichtige religiöse Stellung; Herodot betont hier, dass keine Frau einem Gott oder einer Göttin als Priesterin diente, sondern Männer für alle Gottheiten zuständig waren |
Götter und Göttinnen | Der Ausdruck zeigt den Polytheismus des Alten Ägypten, also den Glauben an viele Gottheiten. Ägyptische Religion war eng mit Staat und Alltag verbunden; Tempel waren religiöse Zentren und zugleich bedeutende wirtschaftliche Einrichtungen mit Land, Personal und Vorräten. |
Fürsorge für die Eltern | Damit ist die Pflicht der Kinder gemeint, ihre Eltern materiell zu unterstützen und im Alter zu versorgen. Herodot behauptet, Söhne seien dazu nicht gezwungen, Töchter dagegen schon; damit unterstreicht er erneut die für Griechen ungewöhnliche Rolle ägyptischer Frauen und Töchter |
Intention
Darstellung fremder Kulturen (Erklärung von Vielfalt)
Unterhaltung durch „Wunderbares“ (thaumata)
kulturelle Selbstverortung der Griechen (Abgrenzung)
Bildung von Weltwissen über Ägypten
Quellenwert für PS-Thema
sehr wichtige Quelle für griechische Fremdwahrnehmung Ägyptens
zeigt frühantike ethnographische Denkweise
hilfreich für:
Geschlechterrollenbilder
Kulturvergleich Griechenland–Ägypten
kritisch:
stark verallgemeinernd und stereotypisierend
weniger „objektive Realität“ als griechische Perspektive auf das Fremde

Quellensteckbrief zu Xen. Hell. 5,1,29-31; 35f.
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor
Xenophon
Übersetzungen / Editionen:
J. Hatzfeld (frz. Edition)
Gisela Strasburger (dt. Ausgabe)
Lebensdaten
ca. 430–354 v. Chr.
Soziale Stellung
Angehöriger der athenischen Oberschicht
Schüler des Sokrates
politisch eher spartanfreundlich eingestellt
Inhalt des Gesamtwerks
Fortsetzung von Thukydides’ Geschichtswerk
Darstellung der griechischen Geschichte von 411–362 v. Chr.
Fokus: Peloponnesischer Krieg und Folgezeit
Machtverschiebungen zwischen Sparta, Athen und Theben
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Darstellung der Situation vor dem Antalkidasfrieden (387/386 v. Chr.)
Kriegserschöpfung bei Athenern, Spartanern und Argeiern
Einfluss des persischen Großkönigs Artaxerxes
Tiribazos verkündet Friedensbedingungen
Städte müssen Autonomie akzeptieren (mit Ausnahmen für persische Interessen)
Auflösung der Streitkräfte
Sparta gewinnt politische Vormachtstellung als „Friedenshüter“
Unbekannte Begriffe (in 6 kulturgeschichtlichen Kategorien erklärt)
Großkönig | Der „Großkönig“ ist der persische Herrscher Artaxerxes II.. Er tritt im Text als entscheidende Macht auf, die die Friedensbedingungen vorgibt. Das zeigt, dass Persien nach den griechischen Konflikten wieder starken Einfluss auf die griechische Politik ausüben konnte. |
Bundesgenosse | Ein Bundesgenosse ist ein politischer oder militärischer Verbündeter. Die Lakedaimonier, also die Spartaner, hatten im Großkönig einen wichtigen Verbündeten, weil Persien ihre Politik unterstützte und ihnen bei Bedarf Geld sowie Flottenhilfe versprach. |
Unabhängigkeit der Städte | Gemeint ist die politische Selbstständigkeit der einzelnen griechischen Poleis. Im Königsfrieden sollte jede Stadt unabhängig bleiben; tatsächlich nutzte Sparta dieses Prinzip später, um größere Bündnisse und besonders den Einfluss Thebens in Böotien zu schwächen. |
Eid | Ein Eid ist eine feierliche, meist religiös bekräftigte Verpflichtung. Die griechischen Städte verpflichteten sich durch einen Eid, die vom persischen König bestimmten Friedensbedingungen einzuhalten; dadurch erhielt der Vertrag einen verbindlichen Charakter. |
Schirmherren des Friedens | Als „Schirmherren“ verstanden sich die Spartaner als diejenigen, die den Frieden überwachen und durchsetzen sollten. Diese Rolle stärkte ihre Vorrangstellung in Griechenland, denn sie konnten nun militärisch gegen Staaten vorgehen, denen sie einen Verstoß gegen die „Unabhängigkeit“ vorwarfen. |
Lakedaimonier | Die Lakedaimonier sind die Bewohner Lakoniens; meist sind damit die Spartaner gemeint. Sparta war nach dem Peloponnesischen Krieg eine führende Macht in Griechenland und gewann durch den Antalkidasfrieden zeitweise noch mehr politische Autorität. |
Intention
politische Darstellung und Deutung griechischer Machtverhältnisse
Legitimation spartanischer Politik (teilweise)
Erklärung des Friedens als Ergebnis von Erschöpfung und Machtpolitik
Darstellung persischer Einflussnahme auf Griechenland
Quellenwert für PS-Thema
zentrale Quelle für den Antalkidasfrieden und griechische Außenpolitik
zeigt:
Rolle Persiens als Machtfaktor in Griechenland
Instabilität der griechischen Poliswelt
Spannungen zwischen Autonomie-Ideal und Realität
kritisch zu bewerten:
parteiische Perspektive (spartanfreundlich)
selektive Darstellung politischer Prozesse
dennoch sehr hoher Wert für politische Geschichte des 4. Jh. v. Chr.

Quellensteckbrief zu Diod. 14,110
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor: Diodoros von Sizilien (Diodorus Siculus)
Quellenstelle: Bibliotheca Historica 14,110
Thema: Antalkidasfrieden bzw. Königsfrieden von 387/386 v. Chr.
Übersetzungen / Editionen
Diodori, Bibliotheca Historica, Bd. 2, hg. von I. Bekker und L. Dindorf, überarbeitet von Fr. Vogel, Stuttgart 1964.
Diodoros, Griechische Weltgeschichte, Buch XIV–XV, übersetzt von Otto Veh, überarbeitet, eingeleitet und kommentiert von Thomas Frigo, Stuttgart 2001.
Lebensdaten
Diodoros stammte aus Agyrium auf Sizilien und lebte im 1. Jahrhundert v. Chr.; seine genaue Lebenszeit ist nicht sicher überliefert. Er wirkte in der Zeit Julius Caesars und des Augustus, reiste unter anderem nach Ägypten und hielt sich mehrere Jahre in Rom auf.britannica
Soziale Stellung
Diodoros war ein griechisch schreibender Historiker aus Sizilien, vermutlich gebildet und finanziell in der Lage, längere Reisen zu unternehmen. Über seine Familie, politische Ämter oder eine mögliche Zugehörigkeit zur Oberschicht ist jedoch kaum Verlässliches bekannt.wikipedia
Anders als Xenophon war er kein unmittelbarer Zeitzeuge des Antalkidasfriedens: Er schrieb mehrere Jahrhunderte nach den Ereignissen und verarbeitete ältere historische Darstellungen.wikipedia
Inhalt des Gesamtwerks
Diodoros verfasste mit der Bibliotheca Historica eine Universalgeschichte in 40 Büchern. Sie reicht von mythischer Frühzeit bis ungefähr 60 v. Chr.; erhalten sind die Bücher 1–5 und 11–20 vollständig, darunter auch Buch 14.wikipedia
Die Bücher 11–20 behandeln ungefähr die Jahre 480 bis 302 v. Chr. Buch 14 umfasst vor allem die Zeit nach dem Peloponnesischen Krieg bis zur Einnahme Roms durch die Gallier und behandelt damit wichtige Machtkonflikte zwischen Sparta, Athen, Theben, Persien und Sizilien.wikipedia
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Diodoros schildert den Abschluss des Antalkidasfriedens. Die Spartaner befinden sich wegen ihrer Konflikte gegen griechische Gegner und Persien in einer schwierigen Lage und schicken deshalb ihren Nauarchen Antalkidas zum persischen Großkönig Artaxerxes II., um über Frieden zu verhandeln.penelope.uchicago
Artaxerxes formuliert die Friedensbedingungen: Die griechischen Städte in Kleinasien sollen dem Perserkönig unterstehen, während die übrigen griechischen Poleis autonom bleiben sollen. Gegen alle Staaten, die diese Bedingungen ablehnen, kündigt der König gemeinsam mit den Vertragspartnern Krieg an.penelope.uchicago
Sparta akzeptiert die Bedingungen. Athen, Theben und weitere Poleis reagieren zwar empört auf die Aufgabe der kleinasiatischen Griechen, stimmen dem Frieden aber zu, weil sie allein militärisch zu schwach für einen weiteren Krieg sind. Anschließend kann Artaxerxes seine Streitkräfte gegen Euagoras auf Zypern einsetzen.penelope.uchicago
Unbekannte Begriffe
Nauarch
Ein Nauarch war der oberste Befehlshaber der spartanischen Flotte. Antalkidas handelte nicht als Privatperson, sondern als offizieller Vertreter Spartas und führte dessen außenpolitische Interessen beim persischen König aus.
Lakedaimonier
Mit den Lakedaimoniern sind in der Regel die Spartaner gemeint. „Lakedaimon“ bezeichnete den spartanischen Staat in Lakonien; Sparta war nach dem Peloponnesischen Krieg zunächst die stärkste griechische Macht.
Großkönig
Der Großkönig war der Herrscher des persischen Achämenidenreiches, hier Artaxerxes II. Der Titel betont seinen übergeordneten Rang gegenüber regionalen Königen, Satrapen und griechischen Poleis.
Autonomie
Autonomie bedeutet die politische Selbstverwaltung bzw. Unabhängigkeit einer Polis. Im Königsfrieden sollte keine griechische Stadt von einer anderen beherrscht werden; in der Praxis nutzte Sparta dieses Prinzip später, um gegnerische Bündnisse zu schwächen.
Griechische Städte in Asien
Gemeint sind die griechischen Poleis an der kleinasiatischen Westküste, etwa in Ionien und Aiolis. Sie waren kulturell griechisch geprägt, lagen aber im Einflussbereich des Perserreichs und wurden durch den Frieden ausdrücklich Persien überlassen.
Königsfrieden / Antalkidasfrieden
Der Vertrag heißt „Königsfrieden“, weil die Bedingungen von Artaxerxes II. vorgegeben und garantiert wurden. Die moderne Bezeichnung „Antalkidasfrieden“ verweist auf den spartanischen Unterhändler Antalkidas, der den Vertrag beim persischen Hof aushandelte.penelope.uchicago
Intention
Diodoros möchte die politischen Folgen von Krieg, militärischer Erschöpfung und ungleichen Machtverhältnissen zeigen. Seine Darstellung macht deutlich, dass der Frieden nicht als freiwillige Einigung gleichberechtigter Griechen erscheint, sondern als Ergebnis persischer Macht und der Schwäche der einzelnen Poleis.penelope.uchicago
Zugleich hebt er die problematische Seite des Vertrags hervor: Die kleinasiatischen Griechen werden dem persischen Reich überlassen. Die Verärgerung Athens und Thebens zeigt, dass die Friedensordnung innerhalb Griechenlands umstritten war.penelope.uchicago
Quellenwert für das PS-Thema
Die Stelle ist eine zentrale Quelle zum Antalkidas- beziehungsweise Königsfrieden und zur Rolle Persiens in der griechischen Politik des frühen 4. Jahrhunderts v. Chr. Sie enthält eine knappe, aber klare Wiedergabe der Friedensbedingungen sowie der Reaktionen Spartas, Athens und Thebens.penelope.uchicago
Besonders wertvoll ist die Quelle, weil sie Persien nicht nur als äußeren Gegner Griechenlands darstellt: Artaxerxes bestimmt die Vertragsbedingungen, setzt sie militärisch durch und nutzt den Frieden anschließend, um seine Ressourcen gegen Zypern einzusetzen.penelope.uchicago
Kritisch ist jedoch, dass Diodoros etwa vier Jahrhunderte nach dem Ereignis schrieb und sein Werk weitgehend auf älteren Historikern beruht, deren Quellenangaben er nicht immer offenlegt. Für die griechische Geschichte dieser Zeit gilt Ephoros als eine wichtige, aber nicht sicher ausschließlich verwendete Vorlage.bmcr.brynmawr+1
Im Vergleich zu Xenophon ist Diodoros deshalb keine unmittelbare zeitgenössische Stimme. Seine Quelle ergänzt Xenophons Darstellung aber sinnvoll, weil sie stärker die persische Vorgabe des Friedens und die erzwungene Zustimmung der griechischen Poleis betont.

Quellensteckbrief zu Inschrift aus Argos („Common Peace“ / Satrapenaufstand, 362/1 v. Chr.)
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor
kein einzelner Autor bekannt (anonyme offizielle Inschrift / Staatsdokument)
moderne Editionen/Übersetzungen in der Forschung überliefert (z. B. SIG, CIG, moderne Epigraphiker)
Lebensdaten
keine Person → Entstehung ca. 362/1 v. Chr. (klassische griechische Spätklassik)
Soziale Stellung
offizielles politisches Dokument einer Polis
Ausdruck kollektiver Beschlussorgane (Volksversammlung / Rat
Inhalt des Gesamtwerks
Einzeltext (kein Gesamtwerk)
Bezug auf:
griechische Friedenspolitik
Reaktion auf persische Satrapenaufstände
Verhältnis Griechenland – Perserreich
Idee eines „Gemeinsamen Friedens“ (koinē eirēnē)
Inhaltsangabe der Quellenstelle
griechische Städte erklären Bereitschaft zu einem gemeinsamen Frieden
Ziel: Beendigung innergriechischer Konflikte
Fokus auf:
Frieden als Grundlage von Wohlstand
Autonomie der Städte
Warnung an den persischen Großkönig:
keine Einmischung in griechische Angelegenheiten
sonst gemeinsamer Widerstand der Griechen
diplomatische Antwort an persische Gesandte (Satrapen)
Unbekannte Begriffe (kulturhistorisch erklärt – 6 zentrale Begriffe)
Common Peace / Gemeinsamer Frieden | Der Gemeinsame Frieden bezeichnet einen Vertrag, der den Frieden zwischen mehreren griechischen Poleis sichern sollte. Anders als ein Bündnis gegen einen konkreten Gegner verpflichtete er die Beteiligten dazu, die politische Selbstständigkeit aller griechischen Städte zu respektieren und gemeinsam gegen Friedensbrecher vorzugehen. |
Griechen | Mit den „Griechen“ sind die griechischen Poleis gemeint, also selbstständige Stadtstaaten wie Athen, Sparta, Theben oder Argos. Die Formulierung zeigt den Anspruch, dass die griechischen Staaten trotz ihrer Konkurrenz gemeinsam handeln und ihre Konflikte ohne persische Einmischung lösen sollen. |
Satrapen | Satrapen waren die Statthalter des Perserreiches in einzelnen Großprovinzen. Um 362/361 v. Chr. erhoben sich mehrere kleinasiatische Satrapen gegen den persischen Großkönig; deshalb war die Frage wichtig, ob griechische Städte oder Söldner in diesen Konflikt hineingezogen würden. |
König | Der „König“ meint den persischen Großkönig, zu dieser Zeit Artaxerxes II. Er wird in der Inschrift nicht als Partner behandelt, der den Frieden bestimmt, sondern als mögliche Bedrohung, falls er Griechenland angreift oder griechische Konflikte durch Geld und politische Einflussnahme wieder anheizt. |
Eid | Der Eid ist eine feierliche und religiös verbindliche Zusage, den Friedensvertrag einzuhalten. Wer den Eid schwört, verpflichtet sich hier nicht nur selbst zum Frieden, sondern auch zur gemeinsamen Abwehr jedes Angriffs auf einen anderen eidleistenden Staat. |
„Alle werden gemeinsam Widerstand leisten“ | Diese Aussage beschreibt eine kollektive Sicherheitsgarantie: Wird ein Teilnehmer des Friedens angegriffen oder versucht jemand, den Frieden zu zerstören, sollen alle Vertragspartner gemeinsam handeln. Damit soll verhindert werden, dass einzelne Poleis oder Persien die anderen gegeneinander ausspielen können |
Intention
politische Positionierung im Konflikt zwischen Griechen und Persern
Sicherung griechischer Autonomie
Abschreckung persischer Einmischung
Legitimation einer Friedensordnung
Darstellung von Frieden als Grundlage von Wohlstand und Stärke
Quellenwert für PS-Thema
sehr wichtig für:
Entwicklung der „Common Peace“-Idee im 4. Jh. v. Chr.
griechisch-persische Beziehungen
politische Ideologie von Autonomie und Frieden
zeigt:
Friedensrhetorik als Machtinstrument
Verbindung von innergriechischer Politik und Perserreich
kritisch:
fragmentarisch überliefert
Interpretation stark abhängig von Rekonstruktion
unklarer politischer Kontext (Datierung umstritten)

Quellensteckbrief zu IG I² 236 / „Common Peace & League of Corinth“ (Eidtext, 338/7 v. Chr.)
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor
kein individueller Autor (anonymer Staats- und Bündniseid)
überliefert in epigraphischen Sammlungen:
Inscriptiones Graecae (IG I² 236)
moderne Übersetzung: Kai Brodersen, Wolfgang Günther, Hatto Schmitt (1996)
Lebensdaten
Entstehung: 338/7 v. Chr. (Spätklassik / früher Hellenismus)
Soziale Stellung
offizielles Staats- und Bündnisdokument
Ausdruck der politischen Elite (Makedonischer König + griechische Poleis)
Inhalt des Gesamtwerks
kein Gesamtwerk (Einzelinschrift)
Teil des Korinthischen Bundes:
Friedensordnung zwischen griechischen Poleis
militärisches Bündnissystem unter makedonischer Führung
Verpflichtung zu Frieden und Nichtangriff
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Eid der griechischen Poleis im Rahmen des Korinthischen Bundes
Verpflichtung:
keine Kriege gegeneinander
keine Angriffe zu Land und zu Wasser
keine Veränderung bestehender Verfassungen
Anerkennung von Philipp II. von Makedonien und seinen Nachfolgern
gemeinsames Vorgehen gegen Vertragsbrecher
Einrichtung eines gemeinsamen Rates (Synhedrion)
Ziel: Stabilität und Frieden unter makedonischer Hegemonie
Unbekannte Begriffe (kulturhistorisch erklärt – 6 zentrale Begriffe)
Eid | Der Eid ist eine feierliche und religiös bekräftigte Verpflichtung. Die Vertragspartner schwören bei wichtigen Göttern, den Frieden und das Bündnis einzuhalten; ein Eidbruch galt daher nicht nur als politischer Vertragsbruch, sondern auch als Verstoß gegen die göttliche Ordnung. |
Philipp der Makedone | Gemeint ist Philipp II. von Makedonien, der nach seinem Sieg über Athen und Theben bei Chaironeia 338 v. Chr. den Korinthischen Bund durchsetzte. Im Text wird ausdrücklich zugesichert, dass weder seine Herrschaft noch diejenige seiner Nachkommen gestürzt werden darf: Der Frieden schützt also direkt die makedonische Vorherrschaft. |
Bündnis / Frieden / Vertrag | Die Begriffe bezeichnen die Ordnung des Korinthischen Bundes: Die griechischen Staaten mussten untereinander Frieden halten und waren zugleich in einem Bündnis unter der Führung Philipps zusammengeschlossen. Es ist deshalb kein Frieden zwischen völlig gleich starken Partnern, sondern ein von Makedonien dominierter Friedensbund. |
Königsherrschaft | Die Königsherrschaft bezeichnet die monarchische Herrschaft Philipps und seiner Nachkommen. Dass der Eid diese ausdrücklich schützt, zeigt den Unterschied zu vielen Poleis, die andere Verfassungen hatten: Die Autonomie der Städte wird anerkannt, solange sie die Herrschaft des makedonischen Königs nicht gefährden. |
Verfassungen | Verfassungen sind die politischen Ordnungen einzelner Poleis, etwa Demokratie, Oligarchie oder Mischformen. Der Vertrag verbietet, die bestehende Verfassung einer Mitgliedsstadt zu verändern; dadurch sollte verhindert werden, dass äußere Mächte durch Umstürze oder die Unterstützung politischer Gruppen Unruhe schaffen. |
Gemeinsames Synhedrion | Das Synhedrion war der gemeinsame Rat des Korinthischen Bundes, in dem die Mitgliedsstaaten vertreten waren. Es konnte über Verstöße gegen den Frieden beraten und Maßnahmen beschließen; formal waren die Poleis beteiligt, tatsächlich besaß Philipp als Hegemon die entscheidende militärische und politische Macht. |
Intention
Stabilisierung Griechenlands nach Jahrzehnten der Kriege
Sicherung makedonischer Vorherrschaft
rechtliche Bindung der Poleis an Frieden und Bündnis
Kontrolle innergriechischer Konflikte
Legitimation der neuen Machtordnung
Quellenwert für PS-Thema
extrem wichtige Quelle für:
Entstehung makedonischer Hegemonie
Institutionalisierung des „Common Peace“
Übergang von Polis-System zu Großmachtstruktur
zeigt:
formale Friedensideologie vs. reale Machtpolitik
Verbindung von Religion, Recht und Politik
kritisch:
stark normativ und propagandistisch
tatsächliche Gleichberechtigung der Poleis eingeschränkt
stark von makedonischer Dominanz geprägt

Quellensteckbrief zu Andokides, Über den Frieden (And. 3,12–17)
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor
Andokides
Übersetzung: A. G. Becker (1832)
Lebensdaten
ca. 440–390 v. Chr.
Soziale Stellung
Angehöriger der athenischen Oberschicht
politisch umstrittene Figur (zeitweise Exilant)
Inhalt des Gesamtwerks
Rede zur Verteidigung des Friedens zwischen Athen und Sparta
Kritik an Kriegspolitik Athens
Argumentation für Stabilität und politische Vernunft
Vergleich früherer Friedensbedingungen mit aktuellen Regelungen
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Vergleich früherer und aktueller Friedensbedingungen
Kritik an früheren Einschränkungen Athens (Mauern, Flotte, Exilregeln)
Argument: aktueller Frieden sei günstiger für Athen
zentrale These:
Frieden stärkt Demokratie (Volksherrschaft)
Krieg gefährdet politische Stabilität
Appell zur Friedenspolitik
Unbekannte Begriffe (kulturhistorisch erklärt – 6 zentrale Begriffe)
Mauern | Gemeint sind vor allem die Stadtmauern Athens sowie die Langen Mauern zum Hafen Piräus. Sie waren für die Verteidigung und für Athens Verbindung zur See lebenswichtig. Nach dem Peloponnesischen Krieg mussten sie 404 v. Chr. auf spartanischen Zwang geschleift werden; im nun verteidigten Frieden dürfen sie bestehen bleiben. |
Lakedämonier | Die Lakedämonier sind die Spartaner. Nach dem Peloponnesischen Krieg war Sparta zunächst die führende Macht Griechenlands; im Königsfrieden akzeptierte es die Autonomie der Poleis, behielt aber erheblichen Einfluss. |
Zwölf Schiffe | Nach der Niederlage gegen Sparta 404 v. Chr. durfte Athen nur eine sehr kleine Flotte behalten. Andokides stellt dem gegenüber, dass Athen im neuen Frieden wieder so viele Schiffe bauen und ausrüsten darf, wie es möchte; das bedeutet eine deutliche Wiederherstellung athenischer Seemacht. |
Lemnos, Imbros und Skyros | Diese drei Inseln in der nördlichen Ägäis waren für Athen strategisch wichtig. Sie halfen, die Seewege Richtung Hellespont und Schwarzes Meer zu sichern, über die Athen besonders Getreide bezog; im Frieden werden sie als athenisches Eigentum anerkannt. |
Verbannte | Verbannte waren Bürger, die ihre Polis aus politischen Gründen verlassen mussten oder aus ihr verbannt worden waren. Andokides erinnert daran, dass Athen nach 404 v. Chr. Gegner der demokratischen Ordnung aufnehmen musste; diese unterstützten später den Umsturz zur Herrschaft der Dreißig Tyrannen. |
Volksherrschaft | Volksherrschaft ist die deutsche Übersetzung von Demokratie: In Athen übten die männlichen Vollbürger politische Macht in der Volksversammlung aus. Andokides behauptet, der Frieden sichere diese demokratische Ordnung, während Krieg politische Krisen und Umstürze begünstige. |
Intention
Überzeugung der Athener zur Friedenspolitik
Kritik an kriegerischer Expansion
Stabilisierung der Demokratie durch Frieden
rationale Abwägung von Kriegskosten
politische Einflussnahme durch Rhetorik
Quellenwert für PS-Thema
wichtige Quelle für:
attische Friedenspolitik im 4. Jh. v. Chr.
innenpolitische Argumente für/gegen Krieg
Verhältnis Demokratie – Außenpolitik
zeigt:
Frieden als politisches Argument (nicht nur moralisch)
Spannungen zwischen Machtpolitik und Idealpolitik
kritisch:
stark rhetorisch geprägt (Überzeugungsrede)
selektive Darstellung zugunsten der eigenen Position
keine neutrale historische Beschreibung

Quellensteckbrief zu Isokrates, Panegyrikos / politische Rede (Isokrates 8,25–30)
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor
Isokrates
Übersetzung: Christine Ley-Hutton
Herausgeber/Einleitung: Kai Brodersen (1993)
Lebensdaten
436–338 v. Chr.
Soziale Stellung
wohlhabender athenischer Bürger
intellektuelle Elite
politisch einflussreicher Rhetorik-Lehrer
Inhalt des Gesamtwerks
politische und moralische Reden über:
Einheit der Griechen
Kritik an Machtpolitik Athens und Spartas
Forderung nach gerechter Außenpolitik
Bildungsideal (Paideia)
Ziel: moralische Reform der griechischen Politik
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Kritik an athenischer Außenpolitik
Forderung nach:
dauerhaftem Frieden
Abkehr von Expansion und Einmischung
These:
gerechtes Handeln bringt mehr Nutzen als Machtpolitik
Rückblick:
frühere Größe Athens durch gerechte Politik
Warnung:
aktuelle Politik führt zu Krieg, Hass und Kosten
Unbekannte Begriffe (kulturhistorisch erklärt – 6 zentrale Begriffe)
Gesandte | Gesandte waren offizielle Vertreter anderer Staaten oder Bündnispartner, die in einer Polis über Krieg, Frieden oder Verträge verhandelten. Dass Isokrates auf ihre „Angebote“ reagiert, zeigt: Außenpolitik wurde in Athen öffentlich in der Volksversammlung beraten. |
Versammlung | Gemeint ist die athenische Volksversammlung (Ekklesia). Dort beschlossen die vollberechtigten männlichen Bürger über zentrale politische Fragen, etwa Bündnisse, Krieg und Frieden. Isokrates versucht daher, die Bürger direkt zu einem Kurswechsel zu bewegen. |
Friedensbeschluss | Ein Friedensbeschluss ist die offizielle Entscheidung, einen Krieg oder Konflikt zu beenden und die Bedingungen eines Friedens anzunehmen. Isokrates betont aber, dass ein Beschluss allein nicht genügt: Frieden müsse auch langfristig politisch gesichert werden. |
Frieden bewahren | Isokrates meint nicht nur das Ende aktueller Kämpfe, sondern eine dauerhafte Friedensordnung. Seine Kritik richtet sich gegen die Gewohnheit der Poleis, nach kurzen Friedensphasen erneut Konflikte zu beginnen und damit die eigene Sicherheit zu gefährden. |
Sich in fremde Angelegenheiten einmischen | Gemeint ist eine aktive, oft militärische Außenpolitik, bei der Athen in Konflikte anderer Poleis eingreift. Isokrates kritisiert damit Expansionspolitik und kostspielige Interventionen, weil sie neue Kriege, Belastungen für Bürger und politische Instabilität erzeugen können. |
Gier nach fremdem Besitz | Damit kritisiert Isokrates das Streben nach Land, Macht, Einnahmen oder Einflussgebieten anderer Staaten. Er stellt diese Politik als ungerecht und schädlich dar und fordert stattdessen, Athen solle sich auf die eigenen Angelegenheiten und den eigenen Wohlstand konzentrieren. |
Intention
moralische Reform der athenischen Politik
Kritik an imperialer Machtpolitik
Werbung für dauerhaften Frieden
Aufwertung gerechter Außenpolitik
Einflussnahme durch politische Bildung
Quellenwert für PS-Thema
sehr wichtig für:
politische Ideologie des 4. Jh. v. Chr.
Friedensdiskurse in Athen
Kritik an imperialer Hegemonie
zeigt:
Frieden als moralisch-ökonomische Vernunftentscheidung
Verbindung von Ethik und Politik
kritisch:
stark idealisierend und normativ
keine Beschreibung realer Politik, sondern Soll-Zustand
rhetorisch konstruiertes Argumentationsmodell

Quellensteckbrief zu Xenophon, Hellenika 7,5,26f. (Schlacht von Mantineia)
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor
Xenophon
Übersetzung: Gisela Strasburger (1988)
Lebensdaten
ca. 430–354 v. Chr.
Soziale Stellung
Angehöriger der athenischen Oberschicht
Schüler des Sokrates
politisch eher spartanfreundlich geprägt
Inhalt des Gesamtwerks
Fortsetzung der Geschichtsdarstellung nach Thukydides
Geschichte Griechenlands ca. 411–362 v. Chr.
Fokus auf:
Peloponnesischer Krieg
Machtkämpfe zwischen Sparta, Athen, Theben
Darstellung des politischen Zerfalls der griechischen Welt
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Beschreibung der Schlacht von Mantineia (362 v. Chr.)
überraschendes Ergebnis:
keine Seite erringt klare Vorherrschaft
beide Seiten beanspruchen Sieg
Austausch der Gefallenen unter Waffenstillstand
Ergebnis:
keine Machtverschiebung trotz großer Schlacht
Griechenland bleibt politisch zersplittert und instabil
Xenophon beendet bewusst seine Darstellung
Unbekannte Begriffe (kulturhistorisch erklärt – 6 zentrale Begriffe)
Griechenland / Hellas | Hellas bezeichnet die griechische Welt mit vielen selbstständigen Poleis, nicht einen einheitlichen Nationalstaat. Im 4. Jahrhundert v. Chr. kämpften besonders Theben, Sparta, Athen und ihre jeweiligen Bündnispartner um die Vorherrschaft in Griechenland. |
Herrschaft | Mit Herrschaft ist die politische und militärische Vorherrschaft einer Polis über andere griechische Staaten gemeint, also Hegemonie. Nach Mantineia konnte keine Macht diese Rolle dauerhaft durchsetzen; daher blieb Griechenland politisch zersplittert. |
Untertan sein | Untertan zu sein bedeutet, einer übergeordneten Macht politisch oder militärisch unterworfen zu werden. Xenophon beschreibt die Erwartung, dass die Verlierer nach einer Entscheidungsschlacht von den Siegern abhängig würden; genau das trat aber nicht ein. |
Siegeszeichen | Ein Siegeszeichen, griechisch tropaion, war ein am Schlachtfeld errichtetes Denkmal des Siegers. Dass beide Seiten eines aufstellten und die Gegenseite es nicht verhinderte, macht für Xenophon deutlich, dass keine Seite einen eindeutigen Erfolg errungen hatte. |
Vertrag | Gemeint ist ein Waffenstillstandsabkommen, durch das beide Seiten ihre Gefallenen bergen und bestatten durften. Im griechischen Kriegsrecht galt das Erbitten bzw. Gewähren der Herausgabe der Toten als Hinweis darauf, wer die Kontrolle über das Schlachtfeld hatte; hier erscheint die Lage deshalb widersprüchlich. |
Unordnung und Verwirrung | Xenophon meint die fortdauernde politische Instabilität und die wechselnden Bündnisse zwischen den griechischen Poleis. Die Schlacht von Mantineia beendete die Rivalität nicht; Theben verlor zudem kurz nach dem Sieg seinen führenden Feldherrn Epaminondas, wodurch keine neue stabile Hegemonie entstand. |
Intention
Darstellung der Sinnlosigkeit griechischer Bürgerkriege
Kritik an permanenter innergriechischer Konkurrenz
Betonung politischer Instabilität Griechenlands
moralische Reflexion über Krieg und Macht
Abschluss der historischen Darstellung (bewusster Endpunkt)
Quellenwert für PS-Thema
sehr wichtige Quelle für:
Ende der klassischen griechischen Hegemoniekämpfe
Zustand Griechenlands nach Mantineia
politische Fragmentierung der Poliswelt
zeigt:
keine klare Dominanz mehr möglich
Krieg führt nicht zu stabiler Ordnung
kritisch:
Xenophon deutet stark moralisch
Fokus auf „Sinnlosigkeit“ statt objektiver Analyse
selektive Darstellung politischer Realität

Quellensteckbrief zu Polybios, Historien 4,33,8f. (Nachwirkung von Mantineia / Arkadien)
Lebensdaten
Soziale Stellung
Inhalt des Gesamtwerks
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Unbekannte Begriffe
Intention
Quellenwert für das PS-Thema
Autor
Polybios
Übersetzung: Hans Drexler (1978)
Lebensdaten
ca. 200–120 v. Chr.
Soziale Stellung
Angehöriger der griechischen Oberschicht (aristokratische Familie in Arkadien)
politisch aktiv in der Achaierliga
später enger Kontakt zur römischen Führungsschicht
Inhalt des Gesamtwerks
Universalgeschichte des Mittelmeerraums (ca. 220–146 v. Chr.)
Aufstieg Roms zur Großmacht
Analyse politischer Systeme und Machtverschiebungen
Schwerpunkt: römische Expansion und griechische Politik
Inhaltsangabe der Quellenstelle
Rückblick auf die Zeit nach der Schlacht von Mantineia (362 v. Chr.)
Machtkämpfe zwischen Griechen:
Arkadische und messenische Gruppen gegen Sparta
politische Isolation Spartas:
Ausschluss aus Verträgen und Eiden
Stärkung anti-spartanischer Koalitionen
Ergebnis:
Sparta wird diplomatisch isoliert
neue politische Ordnung in Griechenland entsteht
Unbekannte Begriffe (kulturhistorisch erklärt – 6 zentrale Begriffe)
Schlacht bei Mantineia | Die Schlacht bei Mantineia fand 362 v. Chr. in Arkadien statt. Theben unter Epameinondas kämpfte gegen Sparta, Athen und deren Verbündete; obwohl Theben militärisch nicht klar unterlag, starb Epameinondas, sodass keine Polis dauerhaft die Vorherrschaft in Griechenland gewann. |
Epameinondas’ Tod | Epameinondas war der wichtigste thebanische Feldherr und Staatsmann. Er hatte Sparta zuvor durch den Sieg bei Leuktra 371 v. Chr. entscheidend geschwächt; sein Tod bei Mantineia bedeutete einen großen Verlust für Theben und machte den Ausgang der Schlacht politisch unsicher. |
Verträge und Eide | Verträge regelten die Friedensordnung zwischen Poleis, während Eide ihre Einhaltung feierlich und religiös absicherten. Wer in Verträge und Eide einbezogen wurde, wurde als gleichberechtigter Teilnehmer der neuen Friedensordnung anerkannt. |
Messenier / Messenien | Messenien war eine Landschaft im Südwesten der Peloponnes. Sparta hatte das Gebiet lange beherrscht und viele Messenier zu Heloten, also abhängigen und unfreien Landarbeitern, gemacht; nach Spartas Niederlage bei Leuktra wurde die Stadt Messene 369 v. Chr. gegründet und Messenien wieder unabhängig. |
Messenien zurückzugewinnen | Sparta wollte Messenien zurückerobern, weil der Verlust des Landes seine wirtschaftliche und militärische Grundlage stark schwächte. Ohne die Arbeit und Abgaben der Heloten aus Messenien konnte Sparta deutlich weniger spartanische Vollbürger als Soldaten einsetzen. |
Arkadische Bundesgenossen | Arkadien liegt im Zentrum der Peloponnes. Nach Spartas Schwächung schlossen sich mehrere arkadische Poleis zu einem Bund zusammen; Megalopolis wurde als wichtige neue Stadt gegründet, um arkadische Zusammenarbeit zu stärken und einen erneuten spartanischen Einfluss in der Region abzuwehren. |
Intention
Erklärung politischer Machtverschiebungen nach Mantineia
Analyse griechischer Bündnispolitik
Darstellung der Schwäche Spartas
objektivierende Geschichtserklärung
Einordnung griechischer Politik in größere Machtzusammenhänge
Quellenwert für PS-Thema
wichtig für:
politische Ordnung Griechenlands nach klassischen Hegemoniekämpfen
Übergang zur hellenistischen Machtstruktur
Bedeutung von Bündnissystemen und Friedensverträgen
zeigt:
langfristige Schwächung Spartas
zunehmende diplomatische statt militärische Konfliktlösung
kritisch:
zeitlich weit nach den Ereignissen (retrospektive Analyse)
Interpretation durch hellenistische Perspektive
Fokus auf politische Struktur, weniger Detailgenauigkeit einzelner Ereignisse
Nennen Sie vier wichtige Kriege im 5. und 4. Jh. mit Datum!
Perserkriege: 499–449 v. Chr.
Peloponnesischer Krieg: 431–404 v. Chr.
Korinthischer Krieg: 395–387/386 v. Chr.
Böotischer Krieg: 378–371 v. Chr.
Nennen Sie vier wichtige politische Akteure (Einzelstaaten) im 4. Jh.!
Athen
Sparta
Theben
Makedonien
Definieren Sie drei zentrale Werte/Ziele in den Allgemeinen Friedensschlüssen!
Autonomie: Jede Polis soll politisch selbstständig bleiben.
Frieden (Eirene): Beendigung innergriechischer Kriege.
Sicherheit/Stabilität: Schaffung einer dauerhaften Ordnung und Verhinderung von Hegemonialkriegen.
Wann war der sogenannte Königsfrieden und wie war er konzipiert?
Datum: 387/386 v. Chr.
Auch Antalkidasfrieden genannt.
Vom Perserkönig Artaxerxes II. garantiert:
Autonomie aller griechischen Poleis
Anerkennung der persischen Herrschaft über die griechischen Städte Kleinasiens
Sparta überwacht die Einhaltung des Friedens.
Nennen Sie vier kleinere Mächte im 4. Jh.!
Korinth
Argos
Megalopolis
Phokis
Nennen Sie vier politisch wichtige Personen im 4. Jh.!
Epameinondas (Theben)
Philipp II. von Makedonien
Alexander der Große
Demosthenes (Athen)
Charakterisieren und datieren Sie zwei politische Bündnisse zwischen 400 und 340 v. Chr.!
Zweiter Attischer Seebund
378/377 v. Chr.
Führung durch Athen.
Schutzbündnis gegen Sparta.
Offiziell Wahrung der Autonomie der Mitglieder.
Korinthischer Bund
338/337 v. Chr.
Von Philipp II. gegründet.
Allgemeiner Frieden (Koinē Eirēnē) + Militärbündnis.
Vorbereitung des Perserfeldzugs.
Wie war der Korinthische Bund (338) aufgebaut?
Aufbau
Philipp II. als Hegemon.
Gemeinsamer Frieden (Koinē Eirēnē).
Bundesversammlung (Synhedrion) mit Vertretern der Mitgliedstaaten.
Gemeinsame Verpflichtung zum militärischen Beistand und zur Wahrung der Friedensordnung.
Charakterisieren Sie kurz Xenophon, Diodor, Andolkides und Isokrates und je ein passendes Werk für das PS-Thema mit Quellenwert (wie glaubwürdig die Quelle ist)
Autor | Charakterisierung | Passendes Werk | Quellenwert |
|---|---|---|---|
Xenophon (ca. 430–354 v. Chr.) | Athener, Soldat, Schüler des Sokrates, spartanerfreundlich | Hellenika | Sehr wichtig für die Geschichte Griechenlands von 411–362 v. Chr.; Zeitgenosse vieler Ereignisse. Allerdings parteiisch zugunsten Spartas und oft moralisch wertend. |
Diodor (ca. 90–30 v. Chr.) | Universalhistoriker, schrieb Jahrhunderte nach den Ereignissen | Bibliotheke Historike | Wichtig, da viele ältere Quellen verloren sind und nur durch ihn überliefert werden. Problematisch wegen zeitlicher Distanz und gelegentlichen Fehlern. |
Andokides (ca. 440–390 v. Chr.) | Politiker und Redner, direkt in die athenische Politik eingebunden | Über den Frieden | Sehr wertvoll für zeitgenössische politische Debatten und Friedensvorstellungen. Als politische Rede jedoch stark interessengeleitet und rhetorisch. |
Isokrates (436–338 v. Chr.) | Bedeutender Rhetoriklehrer und politischer Denker | Areopagitikos (euer Text: Isokrates 8,25–30) | Wichtig für politische Ideale, Friedensvorstellungen und Kritik an der athenischen Außenpolitik. Weniger als Tatsachenbericht, sondern als programmatische politische Schrift zu nutzen. |
Merksatz für die Klausur
Xenophon = Zeitzeuge → viele Informationen, aber spartanisch geprägt.
Diodor = spätere Zusammenfassung → oft einzige Quelle, aber nicht zeitgenössisch.
Andokides = Politiker → zeigt aktuelle Friedensdebatten, aber parteiisch.
Isokrates = politischer Denker → zeigt Ideale und Vorstellungen, keine neutrale Geschichtsschreibung.
Schulz/Walter: Griechische Geschichte ca. 800–322 v. Chr. Bd. 1. Darstellung, Berlin 2022, S. 82–91 und 167–229.
These
In den behandelten Abschnitten (2.6; 4.3–4.5; 5.1–5.2) zeigen die Autoren:
Krieg, Bündnisse, Hegemonie und „allgemeine Friedensordnungen“ (z. B. Königsfriede/koinē eirēnē) gehören zu einem zusammenhängenden System der griechischen Staatenwelt.
Versuche, durch allgemeine Friedensverträge eine stabile Ordnung zu schaffen, bleiben immer an Machtinteressen, Rivalität und strukturelle Ungleichgewichte der Poleis gebunden.
Inhaltsangabe
Die Seiten 82–91 erläutern Formen von Krieg und zwischenstaatlichen Beziehungen: von kleinräumigen Beutezügen über die Entwicklung der Hoplitenphalanx bis zur strategischen Großkriegführung im 5./4. Jh. v. Chr.
Die Seiten 167–229 behandeln (vereinfacht): Ionischer Aufstand, Perserkriege, Aufstieg Athens zur Seemacht, Attischer Seebund, spartanische Gegenhegemonie, Korinthischer Krieg, Königsfriede (Antalkidasfrieden) und die neuen Machtkonstellationen bis zu Philipp II.
Argumente
Zentrale Argumente sind u. a.:
Krieg ist in der griechischen Welt allgegenwärtig, nimmt aber je nach Region und Zeit unterschiedliche Formen und Ziele an.
Ehre, Prestige und pleonexia („mehr haben/mehr sein“) sind dauerhafte Treiber von Konflikten, nicht bloß materielle Not.
Bündnisse und Hegemonien (Seebund, Peloponnesischer Bund, boiotischer Bund usw.) strukturieren das System, schaffen aber neue Spannungen.
Der Königsfriede/koinē eirēnē ist ein „Allgemeiner Friede“, der formal Autonomie der Poleis garantiert, in der Realität aber persische und spartanische Interessen absichert und andere Bündnisse auflöst.
Allgemeine Friedenslösungen reduzieren offene Großkonflikte, verschieben aber Konkurrenz und Gewalt in andere Formen (Innenpolitik, kleinere Kriege, Randgebiete).
Bezug zum Seminar (Allgemeiner Friede 4. Jh. v. Chr.)
Die Texte sind für das Seminarthema direkt zentral:
Sie erklären die Vorgeschichte des Königsfriedens und der koinē eirēnē und zeigen, warum man im 4. Jh. überhaupt einen „allgemeinen Frieden“ für nötig hielt.
Sie machen deutlich, wie Autonomie, Bündnisverbot und persische Oberaufsicht zusammenspielen und warum dieser „Allgemeine Friede“ zugleich Friedensordnung und Machtinstrument ist.
Damit liefern sie das historische Fundament, um die Friedenskonzepte des 4. Jh. v. Chr. (Königsfriede, spätere koinē‑eirēnē‑Regelungen, Philipp II., Korinthischer Bund) im Seminar einordnen und kritisch diskutieren zu können.
Ernst Baltrusch, „Frieden und Selbstbestimmung. Die Koine‑Eirene‑Verträge des 4. Jahrhunderts v. Chr.“, in: GWU 70, 2019, 237–260.
These
Baltrusch argumentiert, dass im 4. Jh. v. Chr. mit der Koine Eirene ein neues Friedenskonzept entsteht, das Frieden und Autonomie aller Poleis verbindet und eine Art „internationale Rechtsordnung“ schafft, das aber immer im Spannungsfeld von Machtpolitik, Hegemonie und Selbstbestimmung der Städte steht.
Inhaltsangabe
Der Aufsatz skizziert zunächst die Erfahrungen mit Krieg und „internationalen“ Beziehungen vom Peloponnesischen Krieg bis zum Vertrag von 446/5 und zeigt, wie diese Krisen ein Umdenken in Richtung allgemeiner Friedensordnungen auslösen.
Dann analysiert er die Entwicklung des Koine‑Eirene‑Konzepts, seine Vorformen, die Rolle der Autonomie, die einzelnen Allgemeinen Friedensverträge (v. a. Königsfriede 386, weitere Friedensschlüsse bis zum Korinthischen Bund 337) und diskutiert ihre Wirkung und Grenzen.
Argumente
Der Peloponnesische Krieg und die ständige Kinesis („Erschütterung“) machen die zerstörerischen Folgen von Großmachtkriegen und Machtkonzentration sichtbar.
Der Vertrag von 446/5 schafft eine neue, aber starre Rechtsordnung, die Autonomie der Verbündeten einschränkt und langfristig zum Bruch und Krieg beiträgt.
Im 4. Jh. wird daher Frieden als Wert an sich gedacht, der aktiv vertraglich hergestellt werden soll (Friedensreden, Koine‑Eirene‑Idee).
Die Koine‑Eirene‑Verträge kombinieren multilateral abgeschlossenen Frieden, Autonomiegarantien und Sanktionsmechanismen und bilden damit eine innovative, wenn auch fragile „internationale“ Ordnung.
Zugleich bleibt die Ordnung abhängig von Hegemonen (Perser, später Makedonen) und wird immer wieder zur Machtpolitik instrumentalisiert; Ideal (Frieden + Autonomie) und Realität (Hegemonialinteressen) klaffen auseinander.
Bezug zum Seminar (Allgemeiner Friede 4. Jh. v. Chr.)
Der Aufsatz ist für dein Seminarthema zentral, weil er genau das Konzept des „Allgemeinen Friedens“ (Koine Eirene) im 4. Jh. analysiert: Voraussetzungen, Ziele (Frieden + Autonomie), konkrete Vertragsinhalte und ihre praktische Umsetzung.
Er liefert Begriffe, Beispiele (Königsfriede, spätere Koine‑Eirene‑Verträge, Korinthischer Bund) und eine klare Diskussion darüber, wie weit diese Friedensordnungen wirklich selbstbestimmten Frieden der Poleis bringen oder doch primär Machtpolitik absichern – genau die Fragen, die ihr im Seminar wahrscheinlich diskutiert.
Friedemann Quaß, „Der Königsfriede vom Jahr 387/6 v. Chr. Zur Problematik einer allgemein‑griechischen Friedensordnung“, HZ 252, 1991, 33–56.
These
Quaß versteht den Königsfrieden 387/6 v. Chr. als erste allgemein‑griechische Friedensordnung, die Frieden und Autonomie aller Poleis als Norm setzt, aber zugleich stark von spartanischer Machtpolitik und persischen Interessen geprägt ist.
Er zeigt, dass der Königsfriede sowohl Fortschritt (multilateraler Dauerfrieden, Autonomieprinzip) als auch Problem (Herrschaftsinstrument Spartas, Persereinfluss) bedeutet.
Inhaltsangabe
Der Aufsatz rekonstruiert die Vorgeschichte des Königsfriedens: Sieg Spartas 404, persische Rolle, spartanisch‑persischer Bruch, Antialkidas‑Diplomatie und der Boiotisch‑Korinthische Krieg.
Dann analysiert Quaß Entstehung, Wortlaut und Struktur des Königsfriedens, seine Neuartigkeit als multilateraler Dauerfrieden mit Autonomie‑Klausel sowie seine praktische Umsetzung und die spartanische Nutzung zur Sicherung der eigenen Hegemonie.
Zum Schluss diskutiert er Wirkung, Brüche und „Erneuerungen“ des Königsfriedens und fragt, inwiefern er trotz Missbrauchs ein dauerhaft wirksames Modell allgemeiner Friedensordnung bleibt.
Argumente
Der Königsfriede ist der erste multilaterale, unbefristete Friede der griechischen Geschichte; Friede wird zur Normalnorm, Krieg zum Ausnahmezustand.
Das Autonomie‑Prinzip (Freiheit, Unabhängigkeit, keine Tribute, keine Besatzungen) formuliert ein Ideal der Polis‑Souveränität, das politisch breit akzeptiert wird.
Gleichzeitig dient die Autonomieklausel Sparta zur Zerschlagung gegnerischer Bündnisse (z. B. Boiotischer Bund, Argos–Korinth‑Fusion, Chalkidischer Bund), während der Peloponnesische Bund unangetastet bleibt.
Der Perserkönig setzt den Frieden zwar durch sein Diktat in Gang, spielt aber praktisch keine dauerhafte Garantenrolle; faktischer „Schirmherr“ ist Sparta.
Trotz spartanischer Vertragsbrüche behalten die Normen „Frieden + Autonomie“ politische Autorität und werden auch von Athen beim 2. Attischen Seebund programmatisch aufgegriffen.
Bezug zum Seminar (Allgemeiner Friede 4. Jh. v. Chr.)
Der Aufsatz ist für dein Thema Königsfriede / allgemeine Friedensordnung ein Schlüsseltext.
Er zeigt, wie mit dem Königsfrieden 387/6 die Idee eines allgemeinen, dauerhaften Friedens mit Autonomie aller Poleis erstmals klar formuliert wird, aber sofort in die Spannung zwischen Norm (Frieden + Selbstbestimmung) und realer Hegemonialpolitik (Sparta, Persien, später Athen/Theben) gerät – genau die Grundproblematik der Koine‑Eirene‑Ordnung im 4. Jh. v. Chr.
Polly Low, Peace, Common Peace, and War in Mid-Fourth-Century Greece, in: Wilker, J. (Hg.), Maintaining Peace and Interstate Stability in Archaic and Classical Greece, Berlin 2012, 118-134.
These
Frieden (eirene) ist im Griechenland des 4. Jahrhunderts v. Chr. nicht automatisch das Gegenteil von Krieg, sondern Friedensabkommen dienen vor allem politischer Stabilität und Ordnung, nicht dauerhafter Gewaltfreiheit.
Inhaltsangabe
Der Text untersucht die Bedeutung von „Frieden“ im 4. Jh. v. Chr. ausgehend von einer Inschrift von 362/361 v. Chr., in der die Griechen eine Teilnahme an einem Krieg gegen Persien ablehnen und stattdessen Ruhe sowie den bestehenden „Common Peace“ bewahren wollen.
Low zeigt, dass Frieden vor allem als Mittel zur Sicherung von Stabilität und politischer Ordnung verstanden wurde; Friedensverträge schlossen militärische Handlungen und künftige Kriege nicht aus.
Argumente
Frieden (eirene) im 4. Jh. v. Chr. ist kein pazifistisches Ideal, sondern ein pragmatisches Instrument zur Organisation, Stabilisierung und auch Vorbereitung von Kriegen (S. 131).
Der Gemeinsame Friede (koine eirene, z. B. RO 42) dient erschöpften Staaten als Erholungsphase, um Wirtschaft und Militär für zukünftige Konflikte zu stärken (S. 119, 126). Neue Verträge verbinden Friedensbedingungen aktiv mit militärischen Allianzen (symmachiai), statt nur ein passives Einstellen von Kämpfen (spondai) zu verlangen (S. 124–125).
Politiker wie Isokrates nutzen die begriffliche Doppeldeutigkeit von eirene (Zustand vs. Vertrag) strategisch, um unter dem Vorwand des Friedens neue Kriegsbündnisse zu legitimieren (S. 128–129).
Auch der Kult der Eirene in Athen ist imperial geprägt: Opferhandlungen werden von Strategen als ritueller Auftakt für neue Feldzüge durchgeführt (S. 130).
Bezug zum Seminar (Allgemeiner Friede 4. Jh. v. Chr.)
Der Beitrag macht deutlich, dass der „Allgemeine Friede“ (koine eirene) im 4. Jahrhundert kein pazifistisches Gegenmodell zum Krieg ist, sondern ein völkerrechtliches Instrument zur ökonomischen Stabilisierung der Poleis und zur effizienteren Organisation zukünftiger Kriege und Militärbündnisse (symmachiai). Damit passt er direkt zur Frage, wie „allgemeiner Friede“ als Ordnungskonzept im 4. Jh. funktioniert.
Ian Worthington, „IG II² 236 and Philip’s common peace of 337“, in: L. Mitchell/L. Rubinstein (Hg.), Greek History and Epigraphy. Essays in honour of P. J. Rhodes, Swansea 2009, 213–224
These
Worthington stellt die gängige Deutung von IG II² 236 als attische Fassung von Philipps „Common Peace“ von 337 v. Chr. in Frage. Er argumentiert, dass der Text eher zu einem bilateralen Friedens‑ und Bündnisvertrag zwischen Athen und Philipp nach der Schlacht von Chaironeia (338) gehört und dass insbesondere Fragment b möglicherweise gar nicht mit Fragment a zusammengehört.
Inhaltsangabe
Der Aufsatz skizziert zunächst kurz Bedeutung und Struktur von Philipps Gemeinfriede von 337 und des daran anschließenden Korinthischen Bundes. Anschließend stellt Worthington die Inschrift IG II² 236 vor, die üblicherweise als Athenische Kopie dieses Gemeinfriedens interpretiert wird, und zeigt, wie stark der Text durch Ergänzungen aus [Demosthenes] 17 rekonstruiert ist.
Danach diskutiert er Probleme dieser Standarddeutung: die starke Fragmentierung und Ergänzungsbedürftigkeit des Textes, das Fehlen eindeutiger Hinweise auf „koine eirene“ oder Autonomie‑Garantien, die ungewöhnliche Liste von Poleis und Ethne mit Zahlen sowie die Tatsache, dass nur eine einzige (athenische) Fassung überliefert ist. Im letzten Teil schlägt er vor, Fragment a als Text eines Friedens- und Bündnisvertrags 338 Athen–Philipp zu deuten und Fragment b als eigenständige, falsch zugeordnete Liste (etwa der Stimmen oder Kontingente der Bundesmitglieder).
Argumente
IG II² 236 ist stark fragmentarisch; viele zentrale Begriffe (koine eirene, bestimmte Vertragsformeln) sind Ergänzungen, die maßgeblich aus [Demosthenes] 17 übernommen wurden.
Es ist auffällig, dass in dem erhaltenen Text keine eindeutige Autonomie‑Klausel erscheint, obwohl diese für Philipps Gemeinfrieden zentral war.
Die merkwürdige, geographisch „unsortierte“ Liste von Poleis/ethne mit Zahlen (Fragment b) und das Fehlen weiterer Kopien in anderen Städten sprechen gegen eine sichere Zuordnung als allgemeiner Gemeinfriede.
Sprachform und Inhalte von Fragment a passen gut zu einem bilateralen Frieden/Bündnis (philia kai symmachia) zwischen Athen und Philipp, der den Krieg seit 340 beendet und die Stellung Athens (v. a. im zweiten Seebund) neu regelt.
Es ist plausibel, dass Fragment b ursprünglich eine eigene Liste (z. B. der Stimmen eines synedrion oder von Kontingenten im Korinthischen Bund) war, die später irrtümlich mit Fragment a kombiniert wurde.
Bezug zum Seminar (Allgemeiner Friede 4. Jh. v. Chr.)
Der Aufsatz ist für das Seminarthema wichtig, weil er zeigt, wie unsicher unsere epigraphische Grundlage für den „Gemeinfrieden“ von 337 ist. Er macht deutlich, dass die Rekonstruktion von Gemeinfriede und Korinthischem Bund stark von Interpretation abhängt und dass angebliche „Belege“ für allgemeine Friedensordnungen kritisch geprüft werden müssen. Damit liefert der Text methodische Reflexionen darüber, wie wir Quellentexte zu „Allgemeinem Frieden“ und koine eirene im 4. Jh. v. Chr. überhaupt verwenden und deuten können.
Martin Kahl/Bernhard Rinke, „Frieden in den Theorien der Internationalen Beziehungen“, in: Gießmann/Rinke (Hgg.), Handbuch Frieden, Wiesbaden² 2019, 65–82
These
Die Autoren zeigen, dass die großen IB‑Theorieschulen jeweils eigene Friedensstrategien und eigene „eingebaute“ Friedensrisiken haben:
Realismus/Neorealismus: Frieden nur als prekäre Sicherheitslage durch Gleichgewicht und Abschreckung.
Institutionalismus: Frieden durch Verrechtlichung und Institutionen.
Liberalismus: Frieden durch Freihandel und Demokratie.
Inhaltsangabe
Der Beitrag stellt zunächst das „Aufblühen“ liberaler und institutionalistischer Ansätze und den Rückgang der realistischen Dominanz nach dem Ost‑West‑Konflikt dar.
Dann werden für Realismus/Neorealismus, Institutionalismus und Liberalismus jeweils Friedenskonzeptionen, zentrale Kategorien (z. B. Anarchie, Verrechtlichung, Demokratisierung) und die Grenzen dieser Ansätze erläutert. Abschließend werden neuere Governance‑Ansätze (z. B. Security Governance) als Reaktion auf innerstaatliche und komplexe Konfliktlagen diskutiert.
Argumente
(Neo‑)Realismus: Internationale Politik ist ein anarchisches Selbsthilfesystem; Frieden bleibt fragil, wird über Machtbalance und Abschreckung gesichert, ist eher „Sicherheitspolitik“ als Friedenspolitik.
Institutionalismus: Trotz Anarchie können Institutionen und Regime durch Normen und Regeln Erwartungsstabilität schaffen und Gewalt eindämmen – kooperativer Rechts‑/Ordnungsfriede.
Liberalismus: Freihandel, Interdependenz und demokratische Verfasstheit mindern Kriegsneigung und fördern einen „demokratischen Frieden“.
Klassische Großtheorien erklären v. a. zwischenstaatliche Konflikte und stoßen bei innerstaatlichen/gesellschaftlichen Konflikten an Grenzen; Governance‑Ansätze versuchen diese Lücke zu schließen.
Bezug zum Seminar (Allgemeiner Friede 4. Jh. v. Chr.)
Der Beitrag bietet dir moderne theoretische Perspektiven, mit denen du antike Friedensordnungen (Königsfriede, koine eirene) analytisch spiegeln kannst:
Realismus/Neorealismus helfen, Koine‑Eirene‑Verträge als machtpolitische Arrangements unter Hegemonen (Persien, Sparta, Makedonien) zu deuten.
Institutionalismus macht verständlich, wie allgemeine Friedensverträge als „Regime“ mit Normen, Regeln und Sanktionsmechanismen funktionieren.
Liberalismus zeigt, was in der Antike fehlt (keine Demokratien im modernen Sinn, begrenzte wirtschaftliche Integration), und warum antike Gemeinfrieden eher „Ordnung“ als „dauerhafte Gewaltfreiheit“ bringen.
Martin Jehne, Koine Eirene. Untersuchungen zu den Befriedungs‑ und Stabilisierungsbemühungen in der griechischen Poliswelt des 4. Jahrhunderts v. Chr., Stuttgart 1994, S. 269–284
These
Die koine eirene ist strukturell überambitioniert und wirkt nicht befriedend, sondern dynamisierend:
Die Kernbestimmung „Autonomie für alle griechischen Staaten“ erzeugt Legitimationsressourcen für Intervention und Krieg und schiebt den Krieg eher an, als ihn zu begrenzen.
Die spürbare Stabilisierung ab 337 beruht nicht auf der koine eirene selbst, sondern auf der makedonischen Hegemonie, für die der Allgemeine Friede vor allem ideologische Rechtfertigung liefert.
Inhaltsangabe
Jehne zieht im Schlusskapitel eine insgesamt negative Bilanz der allgemeinen Friedensschlüsse: Vor der makedonischen Hegemonie kommt es nie zu längerfristigem Frieden; das liegt nicht nur an „Pech“ oder ungünstigen Konstellationen, sondern an der Struktur des Konzepts selbst.
Er zeigt, wie die allgemeine Autonomieklausel („Autonomie für alle Griechen“) einen programmatischen Idealzustand behauptet, der von der Realität weit entfernt ist und damit alle mächtigen Poleis strukturell zur „Durchsetzung“ dieses Ideals gegen vermeintliche Autonomieverletzer ermutigt.
Ein großer Teil des Textes analysiert die inhaltliche Unschärfe des Autonomiebegriffs (Tyrannis, Garnisonen, Tribute, Bundesorganisationen), die vielfältige Auslegungen und Vorwände für Einmischung ermöglicht.
Anhand von Beispielen (Samos‑Dekret, Aristoteles‑Dekret, spartanisch‑thebanische Auseinandersetzungen, Prothoos’ Vorschlag zum „Autonomie‑Test“ über Delphispenden, Spartaner vs. Theben 371, Philipp von Makedonien) zeigt Jehne, wie die Autonomieparole Aggression rechtfertigt und Symmachien anheizt.
Im weiteren Verlauf verfolgt er die Entwicklung der Sanktions‑ und Exekutionsklauseln und die steigende Institutionalisierung (bis zum Synedrion des Korinthischen Bundes 337), ohne dass dadurch eine überzeugende, von den Griechen akzeptierte Stabilitätsordnung entsteht.
Die koinè eirḗnē von 337 bringt zwar faktisch einen Rückgang an Kriegen, aber Jehne interpretiert dies als Folge makedonischer Übermacht und Status‑quo‑Fixierung, nicht als Erfolg der partnerschaftlichen Friedensidee.
Methodik
Jehne verbindet:
sehr genaue Lektüre von literarischen Quellen (v. a. Xenophon, Demosthenes) und Inschriften (Verträge, Dekrete),
begriffs‑ und strukturgeschichtliche Analyse des Autonomie‑ und Friedensbegriffs,
politische Deutung der Entwicklung von Vertragsformen, Sanktionsmechanismen und Institutionen (Synedrion, Korinthischer Bund).
Er arbeitet erklärend‑strukturell: Aus den Grundprinzipien der koine eirene (besonders der universalen Autonomiegarantie) leitet er systematische, nicht zufällige destabilisierende Effekte ab.
Argumente
Die koine eirene transformiert den Friedensvertrag von einem bilateralen/bipolaren Kriegsbeendigungsinstrument zu einer allgemeinen Ordnungsnorm für ganz Hellas („Autonomie für alle außer wenigen Ausnahmen“).
Autonomie wird zum programmatischen Ideal und erzeugt Handlungsdruck; da es keine neutrale Prüf‑ und Sanktionsinstanz gibt, definiert jede machtvolle Polis selbst, wo Autonomie verletzt ist, und legitimiert so Intervention.
Wegen der Unschärfe des Autonomiebegriffs (Bundesverhältnisse, Garnisonen, Tribute, Innenpolitik) steigt das Manipulations‑ und Propagandapotential; „Autonomie“ wird ein politischer Kampfbegriff.
Die Exekutionsklauseln und späteren Institutionen (Synedrion) mindern diese Willkür nicht wirksam, weil sie entweder freiwillig sind, nicht funktionieren oder unter Hegemonial‑Interessen (Makedonien) stehen.
Vor 337 erzeugen Allgemeine Friedensschlüsse vor allem eine „Dynamisierung“: sie liefern zusätzliche Legitimation und Antrieb für Kriege, sobald Großmächte wieder Kräfte gesammelt haben.
337 verschiebt Philipp die Dynamik: Die koine eirene wird in eine hegemoniale Ordnung eingebettet; Stabilisierung ist nun „von oben“ (Hegemonie), während die partnerschaftliche Gleichberechtigung nur formal gewahrt bleibt.
Bezug zum Seminar (Allgemeiner Friede 4. Jh. v. Chr.)
Für ein Seminar zum „Allgemeinen Frieden“ im 4. Jh. v. Chr. ist dieses Schlusskapitel besonders wichtig, weil:
es eine klare, gut begründete Gesamtinterpretation liefert: koine eirene als strukturell destabilisierend, weil sie die Schwelle zur Einmischung senkt und Konflikte ideologisch auflädt;
es dir erlaubt, die Königsfrieden und späteren koine eirene‑Verträge nicht nur als „gescheiterte Friedensversuche“, sondern als eigenständige Phase einer dynamisierten, zunehmend normativ aufgeladenen Großmachtpolitik zu deuten;
es eine scharfe Unterscheidung anbietet zwischen „partnerschaftlicher“ Friedensordnung und hegemonialer Stabilisierung (Korinthischer Bund), die du mit modernen Ordnungs‑ und IB‑Theorien (Neorealismus, Hegemoniale Stabilität, Neoliberalismus, Konstruktivismus) produktiv verknüpfen kannst.