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Lektion 1: Lernen
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3 wesentliche Merkmale des Lernens: (nach Gerrig und Zimbardo, 2008)
Prozess
resultiert in relativ konsistenter Veränderung des Verhaltens/-potenzials (dauerhaft, erfahrungsbasiert)
basiert auf Erfahrung
man erkennt die drei Kernmerkmale an:
Bewirkt Änderung Verhalten/-srepertoir: nach außen sichtbar (z.B. in Form erbrachter Leistung/unmittelbar oder später gezeigtes verändertes Verhalten durch veränderte Haltung/erweitertes Verständnis eines Gegenstands, die Verhaltenspotenzial verändert hat)
Gelernte Verhaltensänderungen: sind relativ konsistent und nachhaltig (z.B. gelerntes Fahhradfahren wird nach längerer Pause nicht verlernt oder es fällt leicht, Verhalten nach etwas Übung erneut zu zeigen)
Lernen ist ein erfahrungsbasierter Prozess, in dem Informationen aufgenommen, bewertet, transformiert und auf sie reagiert werden mit dem Ziel, unsere Umwelt zu beeinflussen oder uns an sie anzupassen
Unterscheidung erworbenes Verhalten: (Bodenmann/Perrez/Schär)
Verhaltensdisposition
erlernte und erfahrungsbasierte vs. genetische und biologische Verhaltensdispositionen
… durch Aneignen v. Wissen vs. Auf-/Abbau von Verhaltensdispositionen
… Bereitschaft, sich unter mehr oder weniger spezifischen Bedingungen in einer bestimmten Weise zu verhalten (z.B. Gedächtnisinhalte abrufen/bestimmte Probleme lösen können/mit Angst reagieren)
… oft eng miteinander verbunden und voneinander abhängig (z.B. um Fliegen zu lernen fehlen genetische und körperliche Voraussetzungen)
genetische und biologische Verhaltensdispositionen:
Reflexe
Instinkte
…
… charakteristisch für bestimmte Arten; nicht erlernt, sondern vererbt
… (z.B. Lidschlussreflex) unwillkürliche Reaktionen auf mit unseren Sinnen wahrgenommene Reize
… (z.B. Nestbau Vögel) angeborene Muster von Verhaltensweisen, die Überlebenschancen von Mitgliedern einer Gattung erhöhen sollen; müssen nicht gelernt werden
…
Prägung
Reifung
… (z.B. Bindungsverhalten beim Mensch)
… (biologische Wachstumsprozesse) von innen gesteuerter, überwiegend genetisch bedingter Wachstumsprozess; führt über Lebensspanne hinweg kontinuierlich zu altersbedingten Veränderungen des Körpers und Verhaltens
Gelerntes Verhalten: basiert nicht…
Lernen wird unterschieden in implizit und inzidentell vs. explizit und hypothesengeleitet
… auf natürlichen Reifungs-/Alterungsprozessen, Schädigungen und Erkrankungen des Gehirns, Ermüdung oder Einfluss psychoaktiver Substanzen (wegen Wirkursache konsumierte bewusstseinsverändernde Mittel wie Drogen/Alkohol)
… implizit: erfolgt eher beiläufig (inzidentell) ohne besondere geistige Anstrengung, automatisch und schnell (Kinder lernen Mutter-sprache implizit, ohne vorher über grammatikalische Regeln nachzudenken, meist am Vorbild und durch Unterstützung Eltern sowie mit Übung)
… explizit und hypothesengeleitet: erfordert Lernbereitschaft, geplant, vergleichsweise mühsam und verbunden mit kognitiver Anstrengung (z.B. schulisches Lernen)
Habituation
wiederholte Darbietung visueller Reiz bei Säuglingen:
… (Gewöhnung) basale Form des Lernens, bei der durch wiederholte Darbietung eines Reizes die Verhaltensreaktion nachlässt; führt zu einer (nicht dauerhaften) Verhaltensänderung (da andere Umgebungsreize das Verhalten erneut ändern können)(Alltagsbeispiele: Laufgeräusch Computer; nicht mehr bewusst wahrgenommener Geruch eines gewohnten Parfums)
… bewirkt zunehmende Vertrautheit und gleichzeitiges wachsendes Desinteresse (schauen Stimulus immer seltener an, wenden zuletzt Blick frühzeitig ab)
Klassisches Konditionieren: (grundlegende Formen erfahrungsbasierter Verhaltensänderung in Abgrenzung zu schulischem Lernen und genetischen und biologischen Verhaltensdispositionen) Reiz…
Neutraler Stimulus (NS)
Unkonditionierte Stimuli (UCS)
…(oder Stimulus) alle Ereignisse oder Situationen, die in der Lage sind eine Reaktion auszulösen
…unerwarteter Reiz; ruft keine starke Abneigung hervor, sondern (durch fehlende besondere Bedeutung) individuell sehr unterschiedliche Orientierungsreaktionen (OR); allgemein reagiert Organismus mit erhöhter Aufmerksamkeit und Aktivierung, um bei Bedrohung Kampf oder Flucht zu ermöglichen
…Reize, bei deren Wahrnehmung unmittelbar eine spezifische, angeborene unkonditionierte Reaktion (UCR) erfolgt (z.B. Hand wird nach Berühren heißer Herdplatte zurückgezogen), verschiedene Arten: (siehe Tabelle Skript)
verschiedene Arten umkonditionierter Stimuli: (siehe Tabelle Skript)
Schmerzreize: olfaktorisch (z.B. Salmiak), taktil (z.B. Hitze), visuell (z.B. grelles Licht), auditiv (z.B. Knall)
Physiologische Reize: starkes Herzrasen, Ohnmachtsgefühl, Erstickungsgefühl, Schwindel
Schreckreize: lautes Geräusch, unerwarteter Knall; Dunkelheit (plötzlich eintretend/als Verstärker auf sonst nicht erschreckender Reize, z.B. Astknacken bei Tag vs. Dunkelheit)
Positive Reize: Süßigkeiten, ansprechendes Lächeln, sexuelle Attraktivität
Das Paradigma des klassischen Konditionierens: gilt…
Paradigma
Assoziative Lernprozesse
Auffassung Pawlows
… als bewährte Methode zur Erforschung grundlegender assoziativer Lernprozesse; geht zurück auf russischen Forscher Iwan P. Pawlow (russisch Pavlov; Reflexologe)
…wissenschaftliches Denkmuster/Lehrmeinung mit breiter Anerkennung in einer Forschergemeinschaft
…Lernen von Menschen und Tieren durch das gemeinsame Auftreten bestimmter Ereignisse
… gesamtes Verhaltensspektrum von Organismen basiert auf Reflexen
Forschung Pawlows
Ergebnisse
… zur Verdauungstätigkeit von Hunden; von grundlegender Bedeutung für in Amerika erstarkenden Behaviorismus (reduzierte psychologische Forschung auf objektive Reize, Reaktionen und deren Verbindungen)
… nach einigen Versuchen reagierten Hunde bereits wenn Versuchsleiter Labor betrat (nicht nur auf Fütterung) mit Speichelfluss; bezeichnete vorwegnehmende (antizipatorische) Reaktion als "konditionierten Reflex"
Klassisches Konditionieren (siehe Abb. Skript)
vor Konditionierung
… Lernform, bei der zwei Reize miteinander verbunden (assoziiert) werden, um ein Ereignis vorwegzunehmen
… UCS (Essen) ruft eine UCR (Speichel)-, und NS (Glocke) eine OR hervor
US: unkonditionierter Stimulus; Futter löst bei Hund automatisch Speichelfluss als natürliche und unkonditionierte Reaktion (Response UR) aus
NS: neutraler Stimulus; Glocke, die vor Konditionierung keine besondere (nur ORientierungs-) Reaktion verursacht (z.B. Ohren aufstellen)
während Konditionierung
nach Konditionierung
… NS gepaart mit UCS ruft UCR hervor;
Lernprozess: in dem neutraler Stimulus wiederholt mit Futter dargeboten wird; als Folge wird Glocke (ursprünglich ein NS) zu einem konditionierten Stimulus (CS)
… CS (Glocke) bewirkt eine CR (Speichel);
Ergebnis Lernprozess: führt zu konditionierter Reaktion (CR); indem Ton der Glocke (CS) ebenfalls Speichelfluss erzeugt, auch wenn ohne Futter dargeboten
Reflexkette klassisches Pawlowsches Hundeexperiment: (Ablauf Erwerbs konditionierter Reaktion, siehe Abb. Skript)
Konditionierung höherer Ordnung
NS (Glocke) -> OR (Orientierungsreaktion = Ohren aufstellen)
UCS (Futter) -> UCR (Speichelsekretion)
NS (Glocke) + UCS (Futter) -> UCR (Speichelsekretion)
CS (Glocke) -> UCR (Speichelsekretion)
… zuvor konditionierter Reiz (Konditionierung erster Ordnung; Glocke) wird mit weiterem neutralen Stimulus (Lichtsignal) verbunden und damit durch diesen vorhergesagt, wodurch er ebenfalls die konditionierte Reaktion (Speichelfluss) auslösen kann (fällt meist schwächer aus als Konditionierung erster Ordnung)
5 wesentliche Konditionierungsprozesse (Pawlow et al.)
Erwerb, Löschung und Spontanerholung beim klassischen Konditionieren: (siehe Abb. Skript)
Erwerb der konditionierten Reaktion:
Kontiguität
Darbietung des konditionierten Stimulus ist am effektivsten
Wahrscheinlichkeit für konditionierte Reaktion
… Erwerb, Löschung, Spontanerholung, Reizdiskrimination und -generalisierung
… entscheidende Rolle spielt Kontiguität (nach Koch und Stahl) (steiler Anstieg Kurve durch schnell verstärkende CR bei wiederholter gleichzeitiger Darbietung von US und NS, letztere entwickelt sich zu einem CS)
… räumlich-zeitliche Nähe (von Reizen und Reaktionen) zwischen Präsentation konditionierter und unkonditionierter Reiz
… 250 - 2.500 ms vor US; simultan nicht so effektiv
… steigt mit Anzahl CS-US-Paarungen und Intensität unkonditionierter Stimulus (je stärker Stimulus (US), desto schneller erfolgt konditionierte Reaktion)
Löschung (oder Extinktion)
Spontanerholung
wird möglicherweise nicht wirklich verlernt, …
… Wahrscheinlichkeit für konditionierte Reaktion nimmt ab, wenn unkonditionierter Stimulus über längeren Zeitraum nicht mehr konditionierten Stimulus folgt (Extinktionsphase: (Löschungsphase) CR schwächt sich ab, sobald CS allein präsentiert wird und sinkt schließlich auf 0)
… der gelöschten (konditionierten) Reaktion kann dazu führen, dass sie nach gewissem Zeitraum wieder auftritt (nach einer Ruhephase kann es zu einer Spontanerholung kommen: (erneute) CR nicht so stark ausgeprägt wie in Erwerbsphase, wodurch Phase zuletzt ebenfalls in Löschung enden kann)
… nur abgeschwächt/überlagert von anderer im Löschungszeitraum erlernten Reaktion (verhindert Abruf) und tritt nach Umgebungswechsel/wenn nach längerer Zeit überlagernde Reaktion vergessen wird wieder auf
Spontanremission unterscheidet sich durch: (nach Bodenmann et al., 2011)
Konditionierte Inhibition (Hemmung): (laut Koch und Stahl)
(Experiment Zimmer-Hart und Rescorla)
Kontingenz
… viele psychische Erkrankungen bessern sich ohne therapeutische Intervention, z.B. ursprüngliche Lernerfahrung Person (von Hund gebissen) wird (durch Erfahrung aus weiterem Hundekontakt, dass sie nicht beißen) gelöscht -> wieder angstfrei
… Darbietung zwei konditionierter Stimuli (erster positiv und zweiter negativ mit unkonditionierten Stimulus assoziiert) in abwechselnden Versuchsdurchgängen: CS1 (Ton) kündigt US (Stromschlag) an oder CS1 (Ton) und CS2 (Licht) ohne Stromschlag (US)
… Durchgänge mit zu befürchtenden aversiven Konsequenzen resultierten anfangs in konditionierter Reaktion; Tiere lernten schnell, bei Kombination beider Reize bleibt Stromschlag aus, so verschwand Reaktion auf gekoppelte Darbietung über Zeit völlig)
… Qualität, mit der ein CS den US vorhersagen kann (je zuverlässiger, desto größer die Stärke des Lernens); zentrale Rolle neben Kontiguität in erfolgreichem Lernprozess (nach Kiesel und Koch)