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F30.0 Hypomanie
A:
mind. 4 Tage hintereinander gehobene/gereizte Stimmung
B: mind 3
gesteigerte Aktivität/motorische Ruhelosigkeit
gesteigerte Gesprächigkeit
Konzentrationsschierigkeiten, Ablenkbarkeit
vermindertes Schlafbedürfnis
gesteigerte Libido
übertriebene Geldausgaben/leichtsinniges Verhalten
gesteigerte Geselligkeit
C:
keine Manie (F30.1), bipolare affektive Störung (F31), depressive Episode (F32), Zyklothymia (F34.0), Anorexia Nervosa (F50.0)
D:
keine F1 oder F0
F30.1 Manie ohne psychotische Symptome
A:
Stimmung vorwiegend gehoben/expansiv/gereizt und für den Betroffenen deutlich abnorm. Stimmungswechsel dominiert und hält mind. 1W an
B: mind 3, wenn Stimmung gereizt 4
gesteigerte Aktivität/motorische Ruhelosigkeit
gesteigerte Gesprächigkeit
Ideenflucht, Gedankenrasen
Verlust normaler sozualer Hemmungen, unangemessenes Verhalten
vermindertes Schlafbedürfnis
überhöhte Selbsteinschätzung/Größenwahn
Ablenkbarkeit, andauerender Wechsel von Aktivtiäten oder Plänen
tollkühnes, rücksichtsloses Verhalten dessen Risiken nicht erkannt wird
gesteigerte Libido, sexuelle Taktlosigkeit
C:
keine Hallus oder Wahn, Wahrnehmungsstörungen aber möglicht (z.B. leuchtende Farben)
D:
keine F1 oder F0
F30.2 Manie mit psychotischen Symptomen
A:
erfüllt kriterien von F30.1 außer C
B: keine Schizophrenie (F20.0-F20.3) oder schizomanische Störung (F25.0)
C: Wahnideen oder Halluzinationen kommen vor aber nicht im Sinne von B, sondern Gröen, Liebs, Beziehungs und Verfolgungswahn
D:keine F0 oder F1
F30.20: Manie mit synthymen psychotischen Symptomen (Größenwahn, Stimmen für übermenschliche Kräfte)
F30.21: Manie mit parathymen psychotischen Symptomen (Beziehungs,Verfolgungswahn, Stimmen die zum Betroffenen von affektiv neutralen Dingen sprechen)
Kommentar: DD zu Schizophrenie schwierig, aber bei Manie keine schizophrenen Ich-Störungen oder akustischen Halluzinationen, wie z. B. kommentierende Stimmen
F31.0 bipolare affektive Störung gegenwärtig hypomanische Episode
A:
gegenwärtige Episode erfüllt die Kriterien einer Hypomanie (F30.0)
B:
In der Anamnese findet sich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
F31.1 bipolare affektive Störung gegenwärtig manische Episode ohne psychotische Symptome
sA:
gegenwärtige Episode erfüllt die Kriterien einer Manie ohne psychotische Symptome (F30.1)
B:
In der Anamnese findet sich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
F31.2 bipolare affektive Störung gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen
A:
gegenwärtige Episode erfüllt die Kriterien einer Manie mit psychotischen Symptomen (F30.2)
B:
In der Anamnese findet sich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
fünfte Stelle
F31.20 synthym
F31.21 parathym
F31.3 bipolare affektive Störung gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive Episode
A:
gegenwärtige Episode erfüllt die Kriterien einer leichten (F32.0) oder mittelgradigen (F32.1) depressiven Episode
B:
In der Anamnese findet sich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
fünfte Stelle
F31.30: ohne somatisches Syndrom
F31.31: mit somatischem Syndrom
F31.4 bipolare affektive Störung gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
A:
gegenwärtige Episode erfüllt die Kriterien einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (F32.2)
B:
In der Anamnese findet sich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
F31.5 bipolare affektive Störung gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
A:
gegenwärtige Episode erfüllt die Kriterien einer depressiven Episode mit psychotischen Symptomen
B:
In der Anamnese findet sich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
F31.50 mit synthym
F31.51 mit parathym
F31.6 bipolare affektive Störung gegenwärtig gemischte Episode
A:
gegenwärtige Episode entweder durch eine Mischung oder einen schnellen Wechsel (d.h. innerhalb von wenigen Stunden) von hypomanischen, manischen und depressiven Symptomen charakterisiert
B:
Manische und depressive Symptome müssen die meiste Zeit während eines Zeitraumes von mindestens zwei Wochen deutlich vorhanden sein
C:
In der Anamnese findet sich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
DD: einzelne gemischte affektive Episode
F31.7 bipolare affektive Störung gegenwärtig remittiert
A:
gegenwärtiges Nichterfüllen einer Depression, Manie oder generell F3
B:
In der Anamnese findet sich mind. eine eindeutig belegte (hypo)manische Episode und zusätzlich mind. eine andere affektive Episode (F30 (hypo)manie, F32 depressive episode, F38.00 gemischte affektive Episode)
F31.8 sonstige bipolare affektive Störungen (BP2??) (ANHANG)
F31.80 bipolare Störung II
A: eine oder mehrere depressive Episoden
B: Eine oder mehrere hypomanische Episoden
C: keine manischen Episoden
F31.81 bipolare Störung mit schnellem Phasenwechsel
A: Kriterien der bipolaren affektiven Störung erfüllt
B: mind. 4 Episoden einer BPI innerhalb von 12 Monaten
F31.82 rezidivierende manische Episoden
DD bipolar affektive Störung
einzelne manische Episode (F30.x)
einzelne depressive Episode (F32)
rezidivierende depressive Störung (F33)
Zyklothymia (F34.0)
ADHS: Symptome wie Ablenkbarkeit und Impulsivität treten auch bei bipolaren Störungen auf, aber sie treten episodenhaft auf und sind an Veränderungen in der Stimmung und des Antriebs gebunden.
Schizophrenie und schizoaffektive Störung: Wenn psychotische und affektive Symptome ausschließlich zeitgleich auftreten, wird eine bipolare Störung mit psychotischen Merkmalen (siehe Tabelle 27.10, S. 412) diagnostiziert. Wenn Wahnphänomene oder Halluzinationen (für mindestens zwei Wochen) auch auftreten, ohne dass gleichzeitig Symptome einer affektiven Episode erfüllt sind, ist die Diagnose einer schizoaffektiven oder schizophrenen Störung zu erwägen.
Persönlichkeitsstörungen: Personen im (hypo-)manischen Zustand können selbstverliebt, egoistisch, narzisstisch, dramatisch, emotional, antisozial und/oder impulsiv erscheinen, aber wenn diese Merkmale die Person nicht auch außerhalb affektiver Episoden gut beschreiben, ist es nicht gerechtfertigt, zusätzlich eine Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren.
Unipolare Depression: wichtigste DD – BP beginnt oft mit Depression; keine sicheren klinischen Marker zur Unterscheidung, nur Risikofaktoren/Prädiktoren
Schizoaffektive Störung: schwierig; nur als Ausschlussdiagnose nach längerer Verlaufsbeobachtung
Substanzinduziert (Kokain, Ecstasy, Amphetamine): Symptome bilden sich nach Entzug rasch zurück → bei Verdacht Eigen-/Fremdanamnese + Drogenscreening (Empf. 31, KKP)
Bei jungen Erwachsenen mit Emotionsregulationsstörungen (ADHS, emotional-instabile PS, Impulskontrollstörungen, Substanzkonsum): sorgfältige DD in Richtung BP (Empf. 24, Grad 0)
Mögliche organische Ursachen: Schilddrüsen-/Nebennierenrindenerkrankungen, Hypophysentumoren, Epilepsie, Enzephalitis, MS, HIV, zerebrovaskulär, frontotemporale Demenz, M. Cushing, Thyreotoxikose, Neurosyphilis
Unterschiede ICD 11
In der ICD-11 wird erstmals explizit die Unterscheidung zwischen Bipolar-I- (mit manischen Episoden, Code 6A60) und Bipolar-II-Störung (mit ausschließlich hypomanischen Episoden, Code 6A61) eingeführt, und der gegenwärtige Schwere oder Remissionsgrad der aktuellen Symptomatik wird zudem verschlüsselt.
Zudem sind die einzelnen Episoden keine eigenständigen Diagnosen mehr. Beides stellt eine Angleichung an das DSM-5 dar. Während im DSM-5 das Kapitel „Bipolare Störungen“ ein eigenständiges Kapitel wurde, bleiben sie in der ICD-11 zusammen mit den Depressionen im Kapitel „Affektive Störungen“. Zyklothymie wird den bipolaren Störungen zugeordnet.
Diagnostische Instrumente
HCL-32 und MDQ können zum Screening auf manische/maniforme Symptome eingesetzt werden – auch in der Primärversorgung (Empf. 22, Grad 0); besonders bei primär depressiven Patienten
⚠ Screening ≠ Diagnose: ein Screeninginstrument reicht nie zur Diagnosestellung
Bei positivem Screening → Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie hinzuziehen (Empf. 23, KKP)
Bei erschwerter Krankheitseinsicht (v. a. in der Manie): Fremdanamnese zentral