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Top-down vs. Bottom-up Processing
Wenn Menschen Sprache verstehen (lesen oder hören), nutzen sie nicht nur eine Strategie. In der Sprachdidaktik unterscheidet man zwei grundlegende Verarbeitungsprozesse:
Bottom-up Processing
Top-down Processing
In der Realität laufen beide meist gleichzeitig ab.
1. Bottom-up Processing
Das Verstehen beginnt bei den kleinsten sprachlichen Einheiten und arbeitet sich Schritt für Schritt nach oben.
Buchstaben → Wörter → Sätze → Bedeutung
Beim Hörverstehen:
Laute → Wörter → Sätze → Bedeutung
Wann ist Bottom-up besonders wichtig?
Vor allem für Anfängerinnen und Anfänger.
Sie verfügen oft noch nicht über genügend Wortschatz oder Sprachgefühl und müssen viele Wörter einzeln entschlüsseln.
Auch bei unbekannten Wörtern nutzt man Bottom-up-Prozesse.
2. Top-down Processing
Beim Top-down-Prozess läuft es genau andersherum.
Hier nutzt das Gehirn:
Vorwissen
Erfahrungen
Kontext
Erwartungen
um Sprache zu verstehen.
Man muss also nicht jedes einzelne Wort kennen, um den Sinn zu erfassen.
Warum funktioniert das?
Unser Gehirn möchte Informationen möglichst effizient verarbeiten.
Es bildet ständig Hypothesen darüber, was wahrscheinlich als Nächstes kommt.
Das nennt man Predictive Processing.
Zusammenspiel
In der modernen Sprachdidaktik geht man davon aus, dass beide Prozesse gleichzeitig stattfinden.
Beispiel:
Du liest einen Zeitungsartikel.
Du erkennst einzelne Wörter (Bottom-up).
Gleichzeitig weißt du aufgrund der Überschrift bereits, worum es wahrscheinlich geht (Top-down).
Beide Prozesse ergänzen sich.
Warum ist dieses Wissen für Lehrkräfte wichtig?
Wenn Lehrkräfte wissen, wo das Problem liegt, können sie gezielt helfen.
Bei Bottom-up-Problemen:
Wortschatzarbeit
Aussprachetraining
Phonics
Grammatikübungen
Bei Top-down-Problemen:
Vorwissen aktivieren
Bilder einsetzen
Überschriften besprechen
Vorhersagen treffen lassen
Kontextstrategien vermitteln