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Depressive Episode (ICD-10)
G1-G3: allgemeine Kriterien für depressive Episoden
G1. Dauer mindestens zwei Wochen
G2. Kriterien einer manischen oder hypomanischen Episode nicht erfüllt
G3. Nicht zurückführbar auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organische psychische Störung
Kodierung des Vorliegens eines somatischen Syndroms (4 aus 8):
Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
mangelnde Fähigkeit einer emotionalen Reaktion auf Ereignisse/Aktivitäten
Früherwachen
Morgentief
psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
Appetitverlust
Gewichtsverlust (5+ % im vergangenen Monat)
Libidoverlust
Schweregrade Depression
Leichte Episode (F32.0)
Mittelgradige Episode (F32.1)
Schwere Episode ohne psychotische Symptome (F32.2)
Leichte, mittelgradig, schwere depressive Episode (ICD-10: F32.0)
Erfüllung der allgemeinen Kriterien
B. Mindestens 2 aus 3 von:
1. depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmaß, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag, im Wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen und mindestens zwei Wochen anhaltend
2. Interessen- oder Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren
3. verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit
C. 1 oder mehr von (so dass insgesamt 4-5+):
1. Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls
2. Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
3. wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid oder suizidales Verhalten
4. Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
5. psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv)
6. Schlafstörungen jeder Art
7. Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung
Für mittelgradige Episode (F32.1): 2 aus B., insgesamt 6-7+ Symptome
Für schwere Episode (F32.2): 3 aus B., insgesamt 8+ Symptome
Depressive Episode (ICD-10) - Kodierung mit/ohne psychotische Symptome
Entweder/Oder
1.Wahnideen oder Halluzinationen kommen vor, aber andere als „typisch schizophrene“, d.h. die Wahngedanken sind nicht bizarr oder kulturell unangemessen; bei den Halluzinationen handelt es sich nicht um Rede in der dritten Person oder kommentiere Stimmen. Am häufigsten sind depressiver, Schuld-, hypochondrischer, nihilistischer, Beziehungs- oder Verfolgungswahn
2. depressiver Stupor
Depressive Episode (ICD-10) - weitere Kodierung
synthym (z.B. Schuldwahn, Wahn von Wertlosigkeit u.a.)
oder parathym (z.B. Verfolgungs- oder Beziehungswahn)
Rezidivierende (wiederkehrend) depressive Störung (ICD-10: F33)
Gekennzeichnet durch wiederholte depressive Episoden
Keine Episoden mit gehobener Stimmung und vermehrtem Antrieb (Manie) (möglich in milder Form durch antidepressive Behandlung mitbedingt)
G1. zuvor mindestens eine depressive Episode in der Anamnese, mindestens zwei Wochen Dauer, mindestens zwei Monate zurückliegend
G2. keine manische/hypomanische Episode in der Anamnese
G3. nicht zurückführbar auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organische psychische Störung
Dazu Kodierung der Art der aktuellen Episode nach F32.0-2
Auch als F33.4 möglich: „gegenwärtig remittiert“ (nachlassen)
Dysthymia (ICD-10: F34.1)
A. Konstante oder konstant wiederkehrende Depression über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren
Dazwischenliegende Perioden normaler Stimmung dauern selten länger als einige Wochen, hypomanische Episoden kommen nicht vor
B. Keine oder nur sehr wenige der einzelnen depressiven Episoden während eines solchen Zwei-Jahres-Zeitraumes sind so schwer oder dauern so lange an, dass sie die Kriterien für eine rezidivierende leichte depressive Störung erfüllen
Dysthymia (ICD-10: F34.1)
C. mindestens 3 aus:
1. verminderter Antrieb oder Aktivität
2. ausgeprägte Schlafstörungen
3. Verlust des Selbstvertrauens oder Gefühl von Unzulänglichkeit
4. Konzentrationsschwierigkeiten
5. Sozialer Rückzug
6. Verlust des Interesses oder der Freude an Sexualität und anderen angenehmen Aktivitäten
7. Verminderte Gesprächigkeit
8. Pessimismus im Hinblick auf die Zukunft oder Grübeln über die Vergangenheit
9. erkennbares Unvermögen, mit den Routineanforderungen des täglichen Lebens fertig zu werden
10. Neigung zum Weinen
11. Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung
Depression im DSM-5
Depressive Störungen:
Disruptive Affektregulationsstörung
Major Depression, einzelne Episode
Major Depression, rezidivierend
Persistierende Depressive Störung (Dysthymie)
Prämenstruelle Dysphorische Störung
Substanz-/Medikamenteninduzierte Depressive Störung
Andere
Nicht näher bezeichnete
Psychodynamik der Depression
symptomatisch: niedergedrückte Stimmung, Anhedonie, Antriebsminderung; Schlafstörungen, Suizidalität, Selbstwertprobleme etc.
Psychodynamisches Modell:
Versorgungskonflikte/orale Konflikte
• Selbstwahrnehmung als gierig, eigene Wünsche als unangemessen oder
unerfüllbar
Ambivalenzkonflikte (interpersoneller Ausdruck „negativer“ Affekte)
• Sorge, mit Ärger Beziehungen zu zerstören (Aggressionshemmung)
Narzissmus
• Zweifel am Selbstwert und daran, was man „verdient“ hat
Psychodynamik der Depression
Zusammenhang Versorgungswünsche, Aggressionshemmung und Selbstwert:
Versorgungswünsche werden frustriert
Aufgrund der Aggressionshemmung wird die Enttäuschungswut nicht gespürt oder geäußert (dann würde das Erfüllen der Wünsche noch unwahrscheinlicher)
Stattdessen depressive Verarbeitung: „Ich hab es nicht verdient, das zu bekommen, was ich brauche.“
Psychodynamik der Depression - weiteres Modell
Depression als chronifizierter dysfunktionaler Trauerprozess
Realer oder fantasierter Verlust (Person, Fähigkeit u.a.)
„Rückzug in die Innerlichkeit“ (Anhedonie, Antriebsminderung etc.)
Kein Durchgangsstadium wie bei gelingender Trauer
Statt „Es ist schlimm, dass Du weg bist“, wird erlebt „Du bist weg, weil ich
Psychodynamik der Depression - zwei Arten
Anaklitische Depression
„offen abhängige Depression“
„anklammernd“, hoher Grad an Bedürftigkeit und geäußerter Versorgungswünsche → äußert sich (vor allem) interpersonell
Introjektive Depression
„selbstkritische Depression“
Pseudo-autark, strenges Über-Ich, Selbstzweifel, Schuld → äußert sich (vor allem) intrapsychisch
Psychodynamik der Depression - Leitende Abwehrmechanismen & Auslösende Situationen
Leitende Abwehrmechanismen
Verdrängung, Verleugnung, Wendung gegen das Selbst, Affektisolation, Intellektualisierung, Rationalisierung, Introjektion
Auslösende Situationen
„Versuchungs- oder Versagungssituation“
Verluste
Psychodynamische Psychotherapie depressiver Störungen
Übertragung und Gegenübertragung als zentrale Elemente
Mobilisierung der Symptomatik in der therapeutischen Beziehung: Verstehen und Verändern
Durcharbeiten der eigenen Wünsche und der abgewehrten Aggression
„klassische“ Übertragung:
„depending and demanding“- Interaktionsverhalten
(verdeckte) Versorgungswünsche, „Klagen und Jammern“
Abgewehrte Aggression
Angepasstheit
„klassische“ Gegenübertragung:
Ärger (Patienten „durchschütteln“ wollen)
„Problemtrance“
„Therapieresistenz“
Therapieresistente Depression = zwei oder mehr fehlgeschlagene Versuche einer medikamentösen Therapie
Transfer auf psychotherapeutische Behandlungen
Psychodynamisch:
Abwehr und Widerstand in der Behandlung von Menschen mit Diagnose einer Depression
Dynamik, auch die Zuwendung und Wirkung einer Psychotherapie nicht verdient zu haben
Therapieresistenz als Äußerungsform der Symptomatik im Prozess der Therapie
Psychische Störungen im Alter
Somatoforme Störungen
Demenz
Abhängigkeitserkrankungen
Angststörungen
Demenz in der ICD-10
G1 Nachweis aller folgenden Bedingungen
1. Abnahme der Gedächtnisleistung - leicht, mittelgradig, schwer
2. Abnahme anderer kognitiver Fähigkeiten (z.B. Urteilsfähigkeit, Planung, Informationsverarbeitung)
G2 Fehlen einer Bewusstseinstrübung
G3 Verminderung der Affektkontrolle und des Antriebs oder eine Veränderung des Sozialverhaltens
G4 Vorhandensein von G1 über mindestens sechs Monate
Demenz in der ICD-10
F0 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
F00 Demenz bei Alzheimer-Krankheit
F01 Vaskuläre Demenz
→ Plötzlicher Beginn, rasche Progredienz
F02 Demenz bei andernorts klassifizierten Krankheiten
– Pick-Krankheit
– Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
– Chorea Huntington
– Parkinson
– HIV
Psychodynamik der Depression im Alter
Hohe Bedeutung von Verlusterfahrungen (Angehörige/Freunde, aber auch „Fähigkeiten“ und/oder eine veränderte Welt)
Häufig Form/Beginn als eine somatisierte Depression (= Beschwerden werden als körperliche erlebt) → Gefahr einer Nicht- oder Fehldiagnose
Stigmatisierung von psychischer Erkrankung und/oder Therapie-Bedarf
„altersangepasste“ Therapieziele
Aber nicht bloß Sich-Abfinden-Lernen!