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"Was ist die Aufgabe des betrieblichen Rechnungswesens?
Systematische Ermittlung, Aufbereitung, Darstellung, Analyse und Auswertung von Informationen über den Betrieb und seine Beziehungen zu anderen Betrieben (überwiegend in Zahlen)."
"Was bedeutet ""richtig messen heißt zweckmäßig messen""?
Rechengrößen im Rechnungswesen können nicht richtig oder falsch sein, sondern nur mehr oder weniger zweckmäßig für den jeweiligen Zweck."
"Welche vier Teilbereiche hat das betriebliche Rechnungswesen, und welche Größen verwenden sie?
Investitionsrechnung (Ein-/Auszahlungen), Finanzrechnung (Einnahmen/Ausgaben), Kosten- und Leistungsrechnung (Kosten/Leistungen) – alle intern/zukunftsbezogen"
"Welcher Teilbereich des Rechnungswesens ist gesetzlich normiert und warum?
Nur das externe Rechnungswesen (Finanzbuchhaltung/Rechnungslegung), da es sich an externe Adressaten richtet (HGB, IFRS, EStG)."
"Nenne die vier Primärzwecke der Finanzbuchhaltung.
Dokumentation, Information, Kapitalerhaltung/Gläubigerschutz, Grundlage der Zahlungsbemessung (Steuern"
"Was ist Bilanzpolitik?
Die bewusste Gestaltung von Rechnungslegungsobjekten im Rahmen rechtlicher Vorschriften, um Adressaten zu unternehmenszielkonformem Handeln zu bewegen (Gestaltung wirtschaftlicher Tatbestände oder Ausnutzen von Wahlrechten/Ermessensspielräumen)."
"Was ist Bilanzanalyse und wie verhält sie sich zur Bilanzpolitik?
Das Gegenstück zur Bilanzpolitik – methodische Untersuchung von Rechnungslegungsobjekten zur Gewinnung entscheidungsrelevanter Informationen und zur Aufdeckung betriebener Bilanzpolitik (Informationsaufbereitung, Kennzahlenbildung/-analyse)."
"Wo ist der Begriff der Buchführung gesetzlich kodifiziert, und wie wird er inhaltlich verstanden?
§ 238 HGB (kodifiziert, nicht definiert) – laufende, systematische, in Geldgrößen vorgenommene Dokumentation von Geschäftsvorfällen."
"Wo ist der Begriff des Jahresabschlusses definiert, und woraus besteht er?
§ 242 HGB – besteht aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung"
"In welcher zeitlichen Reihenfolge stehen Buchführung, Inventur und Jahresabschluss zueinander?
Buchführung (während des Geschäftsjahres) → Inventur (am Ende des Geschäftsjahres) → Jahresabschluss (nach Ende des Geschäftsjahres)."
"Wie unterscheiden sich Verbraucher, Unternehmer und Kaufmann rechtlich?
Verbraucher (§ 13 BGB) = natürliche Person ohne gewerbliche/selbständige Tätigkeit"
"Nenne die Positiv- und Negativmerkmale eines Gewerbebetriebs.
Positiv: Selbständigkeit, Nachhaltigkeit, Gewinnerzielungsabsicht, Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr. Negativ: keine Land-/Forstwirtschaft, keine Ausübung selbständiger Tätigkeit/freier Beruf."
"Wann ist ein Gewerbebetrieb ein Handelsgewerbe?
Jeder Gewerbebetrieb ist Handelsgewerbe, es sei denn, er erfordert nach Art und Umfang keinen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb (Gesamtbild der Verhältnisse maßgeblich)."
"Was ist ein Istkaufmann (§ 1 HGB)?
Kaufmann kraft Gewerbebetrieb – ein Gewerbebetrieb, der einen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert."
"Was ist ein Kannkaufmann (§§ 2–3 HGB)?
Kaufmann kraft Eintragung bei Kleingewerbe oder Land- und Forstwirtschaft (freiwillige Eintragung ins Handelsregister)."
"Was ist ein Formkaufmann (§ 6 HGB)?
Kaufmann kraft Rechtsform – Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften sind unabhängig von der Tätigkeit Kaufmann."
"Was ist ein Fiktivkaufmann (§ 5 HGB)?
Kaufmann kraft Eintragung bei Kleingewerbe (dient der Sicherheit im Geschäftsverkehr)."
"Was ist ein Scheinkaufmann (§ 242 BGB)?
Wer gegenüber Dritten als Kaufmann auftritt, muss sich daran festhalten lassen – Voraussetzung ist die Gutgläubigkeit des Dritten."
"Für welche Unternehmensgruppe gelten §§ 264 ff. HGB als Aufstellungsgrundlage?
Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, KGaA) und Personenhandelsgesellschaften ohne natürliche Person als Vollhafter (OHG, KG) – zusätzlich zu §§ 238 ff. HGB, die für alle Kaufleute gelten."
"Welche Bestandteile des Jahresabschlusses sind für eine kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaft verpflichtend?
""Bilanz, GuV, Anhang, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel, Segmentberichterstattung sowie grundsätzlich der Lagebericht (Ausnahme: Klassifizierung als """"kleines"""" Unternehmen i. S. d. § 267 HGB)."""
"Unter welchen Voraussetzungen entfällt die handelsrechtliche Buchführungs-/Bilanzierungspflicht für Ist-/Kannkaufleute (§ 241a HGB)?
Wenn Umsatzerlöse ≤ 800.000 € und Jahresüberschuss ≤ 80.000 € an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen unterschritten werden (§§ 241a, 242 Abs. 4 HGB) – dann Wahlrecht: freiwillige Buchführung oder Einnahmenüberschussrechnung."
"Was ist der Unterschied zwischen derivativer und originärer steuerlicher Buchführungspflicht?
Derivativ (§ 140 AO) = abgeleitet aus einer bereits bestehenden handelsrechtlichen Pflicht. Originär (§ 141 AO) = entsteht eigenständig steuerrechtlich bei Überschreiten der Grenzwerte (Umsatz > 800.000 € oder Gewinn > 80.000 €)."
"Was besagt die Kernvorschrift zur Buchführung nach § 238 Abs. 1 HGB / § 145 Abs. 1 AO?
Die Buchführung muss so beschaffen sein, dass sie einem sachverständigen Dritten in angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und die Lage des Unternehmens vermittelt"
"Was besagt der Grundsatz ""Keine Buchung ohne Beleg""?
Jeder Buchung muss ein Buchungsbeleg zugrunde liegen, der sowohl den Sachverhalt beschreibt (Aussteller, Datum, Art/Ursache, Beträge, Unterschrift) als auch Buchführungsangaben enthält (Buchungsdatum, Kontonummer, ggf. § 14 UStG-Angaben)."
"Nenne die Systembücher der Buchführung.
Inventar- und Bilanzbuch, Grundbuch (Journal), Hauptbuch (Konten)."
"Wie lange müssen Buchungsbelege aufbewahrt werden – handels- und steuerrechtlich?
8 Jahre (§ 257 HGB und § 147 AO, mindestens jedoch bis Ablauf der Festsetzungsfrist)."
"Wie lange müssen Handelsbücher, Jahresabschlüsse und Inventare aufbewahrt werden?
10 Jahre."
"Wie lange müssen empfangene und abgesandte Handelsbriefe aufbewahrt werden?
6 Jahre."
"Wann beginnt die Aufbewahrungsfrist, und kann sie handels-/steuerrechtlich unterschiedlich beginnen?
Mit Schluss des Kalenderjahres der letzten Eintragung/Aufstellung/des Empfangs/der Belegentstehung (§§ 257 Abs. 5 HGB, 147 Abs. 4 AO). Ja – wenn Aufstellung handels- und steuerrechtlich in unterschiedlichen Jahren erfolgt, beginnen die Fristen entsprechend versetzt."
"Welche Konsequenz hat eine fehlende Einzelaufzeichnung der Kasse nach § 146 Abs. 1 AO?
(Teil-/Voll-)Schätzung der Besteuerungsgrundlagen gem. § 162 AO."
"Welche Konsequenz hat eine nicht ordnungsgemäße Aufzeichnung von Bewirtungsaufwendungen aus geschäftlichem Anlass?
Vollständiges Abzugsverbot gem. § 4 Abs. 7 EStG (statt regulär 70 % Abzugsfähigkeit nach § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 2 EStG)."
"Was ist der Unterschied zwischen körperlicher und buchmäßiger Bestandsaufnahme?
Körperlich = Messen, Zählen, Wiegen (z. B. Rohstoffe, Waren)"
"Was zeichnet die Stichtagsinventur aus, und wann ist sie zwingend?
Inventur erfolgt exakt am Bilanzstichtag (§ 240 Abs. 1/2 HGB). Zwingend bei: fehlenden buchmäßigen Unterlagen, großen unkontrollierten Bestandsdifferenzen, besonders wertvollen Beständen, leicht verderblicher Ware."
"Was zeichnet die permanente Inventur aus, und wann ist sie unzulässig?
Wert- und mengenmäßige Fortschreibung, mit mindestens einer körperlichen Aufnahme pro Jahr (§ 241 Abs. 2 HGB). Unzulässig bei unkontrollierbaren Abgängen, besonders wertvollen Wirtschaftsgütern, Schwund-/Zerbrechlichkeits-/Verderbrisiko."
"Was ist die vor-/nachgelagerte Inventur (§ 241 Abs. 3 HGB)?
Inventur innerhalb der letzten 3 Monate vor oder ersten 2 Monate nach dem Bilanzstichtag, mit wertmäßiger Fortschreibung bzw. Rückrechnung bis zum Bilanzstichtag."
"Nenne die Formel der wertmäßigen Fortschreibung.
Bestand am vorverlegten Inventurstichtag + Wert der Zugänge seit Aufnahmestichtag − Wert der Abgänge seit Aufnahmestichtag = Wert der Bestände am Bilanzstichtag."
"Warum dürfen bei der Warenbestandsformel keine Steuervergünstigungen wie das LiFo-Verfahren genutzt werden?
Weil diese Vergünstigungen (z. B. § 6 Abs. 1 Nr. 2 lit. a EStG) auf der tatsächlichen Zusammensetzung der Bestände am Bilanzstichtag basieren – bei vor-/nachgelagerter Inventur ist diese aber nicht bekannt (Ausnahme: tatsächliche Bestandsaufnahme am Stichtag)."
"Was ist ein Inventar, und was zeigt es?
""Verzeichnis der einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden nach Art, Menge und Wert"
"Wer muss eine Bilanz aufstellen, und was ist die Ausnahme?
Jeder Kaufmann (§ 240 HGB, § 141 AO), außer die Grenzwerte des § 241a HGB werden unterschritten."
"Was besagen die Aufstellungsgrundsätze nach § 243 HGB?
Einhaltung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB), klare und übersichtliche Form, Aufstellung innerhalb angemessener Frist nach dem Bilanzstichtag."
"In welcher Sprache und Währung ist der Jahresabschluss aufzustellen?
Deutsch und Euro (§ 244 HGB)."
"Was bedeutet ""Aktiva = Mittelverwendung, Passiva = Mittelherkunft""?
Aktiva zeigen, wofür das Kapital verwendet wurde (Vermögen)"
"Nach welchem Prinzip sind Aktiva bzw. Passiva in der Bilanz gegliedert (§ 266 HGB)?
Aktiva von oben nach unten nach steigender Liquidierbarkeit"
"Wie lautet der Grobaufbau der Aktivseite der Bilanz?
A. Anlagevermögen, B. Umlaufvermögen, C. Rechnungsabgrenzungsposten, D. Aktive latente Steuern, E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung."
"Wie lautet der Grobaufbau der Passivseite der Bilanz?
A. Eigenkapital, B. Rückstellungen, C. Verbindlichkeiten, D. Rechnungsabgrenzungsposten, E. Passive latente Steuern."
"Wie ist Anlagevermögen definiert (§ 247 HGB)?
Sämtliche Gegenstände, die bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen."
"Wie ist Umlaufvermögen definiert?
Sämtliche Gegenstände, die zum Verbrauch oder zur Weiterveräußerung bestimmt sind."
"Wie ist Fremdkapital definiert?
Verbindlichkeiten + Rückstellungen – befristetes und rückzahlbares Kapital, das von Gläubigern zur Verfügung gestellt wurde."
"Welche Kapitalgesellschaften dürfen eine verkürzte Bilanz aufstellen, und wo ist das geregelt?
Kleine Kapitalgesellschaften (§ 267 HGB) mit römischen Ziffern"
"Welche Posten müssen Personenhandelsgesellschaften mit natürlicher Person als Vollhafter / Einzelkaufleute mindestens gesondert ausweisen (§ 247 Abs. 1 HGB)?
Anlage- und Umlaufvermögen, Eigenkapital, Schulden, Rechnungsabgrenzungsposten – hinreichend aufgegliedert, aber ohne Pflicht zur Gliederung nach § 266 HGB."
"Warum werden in der Praxis Konten statt einer permanenten Neuaufstellung der Bilanz verwendet?
Eine permanente Änderung/Neuaufstellung der Bilanz bei jedem Geschäftsvorfall ist nicht praktikabel"
"Wie ist ein Aktivkonto aufgebaut?
Soll: Anfangsbestand (AB) + Zugänge der Periode"
"Wie ist ein Passivkonto aufgebaut?
Haben: Anfangsbestand (AB) + Zugänge der Periode"
"Wie lautet die Grundregel für einen Buchungssatz?
""""""(per) Soll an Haben"""" – jede Buchung betrifft mindestens zwei Konten mit betragsgleicher Gegenbuchung (doppelte Buchführung)"
"Was ist ein Aktivtausch? Nenne ein Beispiel.
Zunahme einer Aktivposition bei gleichzeitiger Abnahme einer anderen Aktivposition. Beispiel: Kauf einer Maschine gegen Barzahlung."
"Was ist ein Passivtausch? Nenne ein Beispiel.
Zunahme einer Passivposition bei gleichzeitiger Abnahme einer anderen Passivposition. Beispiel: Lieferantenverbindlichkeit wird durch Aufnahme eines Bankkredits abgelöst."
"Was ist eine Aktiv-Passiv-Mehrung (Bilanzverlängerung)? Nenne ein Beispiel.
Zunahme einer Aktivposition bei gleichzeitiger Zunahme einer Passivposition. Beispiel: Kauf einer Maschine auf Ziel."
"Was ist eine Aktiv-Passiv-Minderung (Bilanzverkürzung)? Nenne ein Beispiel.
Abnahme einer Aktivposition bei gleichzeitiger Abnahme einer Passivposition. Beispiel: Begleichung einer Lieferantenverbindlichkeit durch Barzahlung."
"Wozu dienen Eröffnungsbilanzkonto (EBK) und Schlussbilanzkonto (SBK)?
EBK überträgt die Anfangsbestände der Bilanz auf die Bestandskonten"
"Warum reicht die reine Eigenkapital-Differenz zwischen zwei Bilanzstichtagen nicht aus, um den Jahresüberschuss zu erklären?
Sie zeigt zwar die Höhe der Veränderung (Distanzrechnung), aber nicht deren Ursachen – dafür braucht es die Aufgliederung über die Gewinn- und Verlustrechnung (Erfolgskonten)."
"Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Bestandskonten und Erfolgskonten?
""Bestandskonten haben einen Anfangsbestand und werden ins nächste Jahr übertragen"
"Wo ist die GuV als Pflichtbestandteil des Jahresabschlusses geregelt, und wo ihre Gliederung?
Pflichtbestandteil: § 242 Abs. 2 HGB. Gliederung der Aufwands-/Ertragskonten: § 275 HGB."
"Wie ist ein Aufwandskonto aufgebaut?
Soll: Aufwandspositionen des Jahres"
"Wie ist ein Ertragskonto aufgebaut?
Haben: Ertragspositionen des Jahres"
"Wie wird ein Gewinn bzw. Verlust aus der GuV buchhalterisch auf das Eigenkapital übertragen?
""Gewinnfall: """"Gewinn an Eigenkapital"""""
"Wie wird eine Bestandserhöhung von fertigen Erzeugnissen gebucht, und welchen Charakter hat sie?
""""""Fertige Erzeugnisse an Bestandsveränderungen"""" – Charakter: Ertrag (es wurde mehr produziert als verkauft)."""
"Wie wird eine Bestandsminderung von fertigen Erzeugnissen gebucht, und welchen Charakter hat sie?
""""""Bestandsveränderungen an Fertige Erzeugnisse"""" – Charakter: Aufwand (es wurde aus dem Lager verkauft, also mehr verkauft als produziert)."""
"Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?
Kontenrahmen = branchenspezifisches Gerüst für den äußeren Betriebsvergleich (Vergleich mit branchengleichen Unternehmen). Kontenplan = betriebsindividuelle Ausprägung eines Kontenrahmens für den inneren Betriebsvergleich (Vergleich verschiedener Zeiträume desselben Betriebs)."
"Wofür stehen SKR03 und SKR04?
SKR03 = Kontenrahmen nach dem Prozessgliederungsprinzip"
"Wie ist die Nummernstruktur eines Kontenplans aufgebaut (am Beispiel Kontonummer 1133)?
Kontenklasse (1 Ziffer, z. B. 1 = Umlaufvermögen) → Kontengruppe (2 Ziffern, z. B. 11 = Warenvorräte) → Kontenart (3 Ziffern, z. B. 113 = Warenvorräte Getränke) → Kontenunterart (4 Ziffern, z. B. 1133 = Warenvorräte Wein und Sekt)"