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Umfassende Flashcards zu klinischen Sprachstörungen, Klassifikationssystemen (ICD/ICF), Diagnostik, Spracherwerbstheorien und Präventionsmaßnahmen basierend auf den Vorlesungsnotizen.
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Sprachstörung
Beeinträchtigung der expressiven und/oder rezeptiven Sprache bzw. der Sprachentwicklung auf Ebenen wie phonetisch-phonologisch, semantisch-lexikalisch, morphologisch-syntaktisch oder pragmatisch-kommunikativ.
Sprechstörung
Sprechmotorische Störung, die sich vor allem in einer Beeinträchtigung der Artikulationsfähigkeit äußert (z. B. Sigmatismus).
Stimmstörungen
Veränderungen der tonproduzierenden Organsysteme (Dysphonien), die organische oder funktionelle Ursachen haben können.
Redeflussstörugen
Einschränkung der Redefähigkeit in ihrem Tempo und/oder ihrer Flüssigkeit, wie z. B. Stottern oder Poltern.
SLCN
Abkürzung für (Children with) Speech, Language and Communication Needs; internationaler Terminus für diverse klinische Störungsbilder.
Sprachentwicklungsstörung (SES)
Nicht regelhafte oder erwartungsgemäße Entwicklung der Sprache, die einen oder mehrere Bereiche betreffen kann; Prävalenz liegt bei ca. 7×10% bis 10×10%.
Specific Language Impairment (SLI)
Traditioneller Begriff für Sprachentwicklungsstörungen, die ohne offensichtliche Ursache (wie Intelligenzminderung) auftreten; primär über Ausschlusskriterien definiert.
Developmental Language Disorder (DLD)
Neuer konsensualer Begriff für Sprachentwicklungsstörungen, der begleitende Auffälligkeiten in anderen Entwicklungsbereichen nicht automatisch ausschließt.
Dysphonie
Stimmstörung, bei der das Schwingungs- und Schließverhalten der Stimmlippen beeinträchtigt ist; die Stimme kann hauchig, heiser oder kraftlos sein.
Rhinophonie
Näseln; eine Störung, bei der das Gaumensegel nicht vollständig schließt und die Stimme nasal klingt.
Tachylalie
Quantitative Veränderung des Sprechablaufs durch extreme Beschleunigung des Sprechtempos.
Bradylalie
Quantitative Veränderung des Sprechablaufs durch extreme Verlangsamung des Sprechtempos.
Stottern
Hemmung und Unterbrechung des Sprechablaufs durch Blockierungen, Lautdehnungen oder Wiederholungen von Lauten und Silben unabhängig vom Willen des Sprechers.
Poltern
Redeflussstörung mit zu schnellem oder irregulärem Sprechtempo, auffälligem Zusammenziehen von Silben und eingeschränkter Verständlichkeit.
Selektiver Mutismus
Psychisch bedingter, partieller Nichtgebrauch der Lautsprache gegenüber bestimmten Personen oder in spezifischen Situationen bei ansonsten normaler Sprachentwicklung.
Sprechangst
Psychisch bedingte Kommunikationsstörung (z. B. Lampenfieber) mit Symptomen wie zu hoher/leiser Stimme, Wortfindungsverzögerungen und Atembeschleunigung.
ICD-10/ICD-11
Hierarchisches biomedizinisches Klassifikationssystem der WHO zur Verschlüsselung von Krankheiten wie z. B. Artikulationsstörungen (F80.0).
ICF
International Classification of Functioning, Disability and Health; ein biopsychosozialer Ansatz zur Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit.
Reliabilität
Hauptgütekriterium der Diagnostik, das die Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Messung beschreibt.
Validität
Hauptgütekriterium der Diagnostik, das die inhaltliche Gültigkeit der Messung angibt (wird gemessen, was gemessen werden soll?).
Objektivität
Hauptgütekriterium der Diagnostik; die Unabhängigkeit der Ergebnisse von der Person des Untersuchers.
Spontansprachanalyse
Diagnostische Methode zur Auswertung spontaner sprachlicher Äußerungen nach standardisierten Rastern, z. B. zur Ermittlung der Mean Length of Utterance (MLU).
Signifikant
Die Form eines sprachlichen Zeichens (Lautbild oder Schriftbild) nach Saussure.
Signifikat
Der Inhalt oder die begriffliche Bedeutung eines sprachlichen Zeichens nach Saussure.
Arbitrarität
Merkmal sprachlicher Zeichen, das besagt, dass die Beziehung zwischen Form (Signifikant) und Bedeutung (Signifikat) willkürlich ist.
Late Talker
Kinder, die erste Wörter erst nach 1,5 Jahren oder Wortkombinationen/50 Wörter erst nach dem 2. Geburtstag sprechen.
Nativismus
Spracherwerbstheorie nach Noam Chomsky, die von einer angeborenen Grammatikkompetenz und einem Language Acquisition Device (LAD) ausgeht.
Kognitivismus
Theorie nach Jean Piaget, wonach die Sprachentwicklung von der generellen kognitiven Denkentwicklung determiniert wird.
Usage-based-Ansatz
Sozial-interaktionistische Theorie (z. B. Tomasello), nach der Sprache durch soziale Interaktion und Analogienbildung gelernt wird.
Scaffolding
Stützende Sprache der Bezugspersonen, die den Spracherwerb des Kindes durch angepasste Hilfestellungen unterstützt.
Code Switching
Übliches Phänomen bei mehrsprachigen Personen, bei dem zwischen verschiedenen Sprachen innerhalb einer Interaktion gewechselt wird.
Bilingual Advantage
Theoretische Annahme, dass mehrsprachige Kinder über eine höhere metasprachliche Bewusstheit und bessere Voraussetzungen für weitere Sprachen verfügen.
Primäre Prävention
Zielt auf die allgemeine Sprachbildung aller Kinder ab, um die Entstehung von Störungen zu verhindern.
Sekundäre Prävention
Gezielte Intensivierung der Sprachbildung bei Kindern mit identifizierten spezifischen Förderbedarfen (z. B. bei sprachanregungsarmem Umfeld).
Basisqualifikationen
Nach Ehlich et al. (2008) notwendige sprachliche Mindestfähigkeiten (phonetisch, semantisch, pragmatisch etc.) für den Schulerfolg.
GKV-Heilmittelrichtlinien
Regeln für die gesetzliche Krankenversicherung bezüglich Dauer und Frequenz von Therapien (z. B. ca. 60 Sitzungen bei SES).