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1. Was ist das zentrale Argument des Global-City-Konzepts nach Saskia Sassen?
Sassens zentrale These: Die zunehmende Komplexität der globalen Ökonomie führt dazu, dass bestimmte Städte strategische Standorte werden, an denen globale Wirtschaftsbeziehungen koordiniert werden.
Dies geschieht, weil global operierende Unternehmen hochgradig spezialisierte Dienstleistungen benötigen, die nur in bestimmten urbanen Zentren konzentriert sind.
Beispiel aus Folien:
Auf Folie 3 wird diese Schlüsselidee hervorgehoben: Städte koordinieren aufgrund ökonomischer Komplexität globale Prozesse.
Einordnung:
Dieses Konzept ist Ausgangspunkt für spätere Kritik und für alternative Ansätze wie Transnationaler Urbanismus und Ordinary Cities, die in VL5 eingeführt werden.
2. Was versteht man unter Advanced Producer Services (APS) und welche Rolle spielen sie in der Global City?
APS sind hoch spezialisierte unternehmensbezogene Dienstleistungen, die global agierende Firmen für ihre Funktionsfähigkeit benötigen. Dazu gehören:
Finanzdienstleistungen
Rechnungsprüfung
Unternehmensberatung
Werbung
Versicherungen
Rechtsberatung
IT + Kommunikationstechnologien
Diese Services clustern räumlich in Global Cities, weil die räumliche Nähe Kommunikation und Arbeitsabläufe beschleunigt.
Beispiel aus den Folien:
Folie 4 listet zentrale APS-Bereiche auf.
Einordnung:
Das Clustering der APS ist entscheidend für sozialräumliche Polarisierungsprozesse und für die Herausbildung der Global City-Hierarchien.
3. Wie entsteht sozialräumliche Polarisierung in der Global City?
Durch das Clustering hochbezahlter APS-Jobs entstehen extreme Einkommensunterschiede – Marcuse nennt dies „hourglass society“.
Diese Polarisierung wirkt sich räumlich aus:
Zuzug von Hochqualifizierten → Aufwertung bestimmter Quartiere
Verdrängung einkommensschwacher Haushalte
Abwanderung benachteiligter Gruppen
Abwertung bestimmter Stadtteile
Beispiel:
Folie 6 beschreibt die Kopplung von sozioökonomischer und räumlicher Polarisierung.
HS25_GEO112_VL5
Einordnung:
Diese Polarisierung ist eine der stärksten Kritikpunkte am Global-City-Modell, da es auf Eliten und formale Ökonomie fokussiert.
4. Welche Hauptkritik wird am Global-City-Ansatz geübt?
Mehrere Kritikpunkte:
Elitenfokus: konzentriert sich auf Firmen, Eliten, Finanzkapital (Appadurai).
Datenprobleme: empirische Schwächen.
Überbetonung weniger Städte: Fokus auf westliche Metropolen (London, New York, Tokio).
Ausblendung der Ungleichheitsfolgen globaler Mobilität.
Was wird ausgeblendet?
Die Realität vieler anderer mobilitätserfahrener Gruppen:
Migrantische Arbeiter*innen, die unter prekären Bedingungen migrieren müssen
Geflüchtete, deren Mobilität nicht freiwillig ist
Illegale oder irreguläre Migration
Hausangestellte, Pflegearbeiterinnen, Bauarbeiter in globalen Arbeitsketten
Menschen, die aufgrund von Passregimen stark eingeschränkt sind
Diese Menschen sind ebenfalls Teil globaler Mobilität — aber ihr Beitrag zur Stadt wird nicht im Global City Modell gesehen, weil sie nicht zu den „APS-Eliten“ gehören.
Vernachlässigung von Alltagspraktiken & Urbanismus „von unten“ – „transnationalism from below“ (Smith 2001).
Beleg aus Folien: Folie 7 listet diese Kritikpunkte.
Einordnung:
Diese Kritik bildet die Grundlage für neue Perspektiven: Transnational Urbanism und Ordinary Cities.
5. Was ist der Kern des Ansatzes „Transnational Urbanism“ (Michael Peter Smith, 2001)?
Antwort:
Transnational Urbanism untersucht, wie globale Verflechtungen in lokalen städtischen Kontexten entstehen, durch:
Alltagspraktiken
soziale Netzwerke
transnationale Kommunikation
Migration & Diaspora
politische und ökonomische Aktivitäten von unten
Es fokussiert auf die historische Spezifität von Orten und die aktive Rolle der Bewohner*innen („transnationalism from below“) in der Gestaltung globaler Urbanität.
Beleg: Folie 9 definiert den Ansatz.
Einordnung:
Dieser Ansatz verschiebt den Blick weg vom Top-down-Modell der Global City hin zu bottom-up Praktiken.
Transnational Urbanism erklärt, wie globale Beziehungen „von unten“ durch alltägliche Praktiken von Migrantinnen, Händlerinnen, Familien, religiösen Gruppen und Netzwerken entstehen und sich in lokalen städtischen Räumen einschreiben. Beispiele: migrantische Geschäftsstraßen wie Rye Lane in London (Hall 2015); transnationale Familien und Geldtransfers; informelle globale Handelsketten; religiöse Netzwerke; Migration-finanzierte Hausaufstockungen (Priština). Globalisierung wird als alltagsweltlicher, sozialer und kultureller Prozess sichtbar.

6. Was bedeutet „transnationalism from below“?
Damit bezeichnet Smith die alltäglichen Praktiken von Migrantinnen und anderen städtischen Bewohnerinnen, durch die globale Prozesse lokal umgesetzt, verändert und neu interpretiert werden.
Dies reicht von:
transnationalen Geschäftsnetzwerken
sozialem Austausch (Familie, Diaspora)
kulturellen Praktiken (Religion, Sprache, Waren)
alltägliche Raumaneignung
Beispiel:
Rye Lane in London (Folie 11–14) zeigt zahlreiche migrantische Geschäfte und transnationale Netzwerke.
Einordnung:
Das Konzept steht im Gegensatz zur Global-City-Perspektive, die Mobilität aus Sicht von Eliten betrachtet.
7. Wie prägen Alltagspraktiken globaler Migration urbane Räume?
Alltagshandlungen wie Handel, Konsum, Kommunikation oder religiöse Praktiken schreiben globale Beziehungen in lokale Räume ein.
Dies geschieht:
durch Ladenlokale
Warenketten
transnationale Arbeitsketten
Sprachlandschaften
symbolische Repräsentationen
Beleg:
Folie 14: Hall über den „banalen“ Alltag der Migrant Street, in dem Ideen und Menschen global zirkulieren.
Einordnung:
→ Globalisierung wird als alltagsweltlicher, sozialer und kultureller Prozess verstanden, nicht nur als ökonomisches System.
8. Was bedeutet „throwntogetherness“ (Massey 2005) im Kontext transnationaler Urbanität?
Massey beschreibt damit das Zusammentreffen unterschiedlicher Menschen, Geschichten, Waren und Bedeutungen, die in städtischen Räumen koexistieren und neue Dynamiken erzeugen.
Beispiel aus Folien:
Folie 14: Hall zeigt, wie migrantische Straßen voller überraschender, prekärer und kreativer Begegnungen sind.
Einordnung:
Wichtiger Begriff, um urbane Diversität als produktive, wenn auch konflikthafte, Realität zu verstehen.
9. Was kritisiert Robinson am Eurozentrismus der Stadttheorie?
Robinson argumentiert, dass „universelle“ Stadtforschung sich fast ausschließlich auf erfahrungsreiche, privilegierte westliche Städte stützt und diese fälschlicherweise als Norm und Maßstab für alle Städte präsentiert.
Entwicklungsforschung wird bei globalem süden angewendet und nicht mal stadtforschung
Beleg:
Folie 18: Stadttheorie basiert auf Erfahrungen der „privilegiertesten 700 Mio. Menschen“, beansprucht aber globale Gültigkeit.
Einordnung:
Damit wird die wissenschaftliche Hierarchie infrage gestellt, die Städte des Südens marginalisiert.
10. Was versteht man unter der „Geopolitik des Wissens“ (Mignolo 2002)?
Der Begriff beschreibt die ungleiche globale Verteilung epistemischer Autorität, d. h. Wissen aus Europa/Nordamerika gilt als universell, während Wissen aus dem globalen Süden als „lokal“, „partikulär“ oder „entwicklungsrelevant“ gilt.
Beleg: Folie 18 erwähnt die Geopolitik des Wissens.
HS25_GEO112_VL5
Einordnung:
Ordinary-Cities-Forschung versucht, diese Hierarchie aufzubrechen.
11. Wie definiert Robinson das Konzept „Ordinary City“?
Robinson schlägt vor, alle Städte – ob reich, arm, groß, klein – als gewöhnlich (ordinary) zu betrachten.
Argument:
Jede Stadt verfolgt Modernitätsprojekte.
Jede Stadt ist in globale Prozesse eingebunden.
Keine Stadt ist Modell oder Vorbild für andere.
Forschung soll sich nicht nur auf „Weltstädte“ konzentrieren, sondern Diversität städtischer Erfahrungen anerkennen.
Beleg: Folien 24–28.
Einordnung:
Ziel: Dekolonisierung der Stadtforschung.
12. Was ist die Kritik am Entwicklungsparadigma der „nachholenden Modernisierung“?
Das Paradigma unterstellt, Städte im globalen Süden müssten „aufholen“, um den Zustand westlicher Moderne zu erreichen.
Probleme:
betrachtet südliche Städte als defizitär
verschleiert koloniale Machtstrukturen
homogenisiert südliche Urbanität zu „Slums“ oder „Krisenräumen“
schränkt das Denken über alternative urbane Zukünfte ein
Beispiel aus Folien:
Folie 25: Dickens beschreibt 19.-Jh.-London als Slum – zeigt, dass „Armut = Rückstand“ ein historisch falscher Schluss ist.
13. Wie pathologisiert klassische Urbanismusforschung Städte des globalen Südens?
Sie beschreibt südliche Städte häufig als:
apokalyptisch
chaotisch
dysfunktional
Slums / Megacity-Katastrophen
„dritte Welt“
Entwicklungsprobleme
Beispiel:
Mike Davis Planet of Slums (Folie 27) reproduziert diese Erzählung.
Robinson fordert eine Dekonstruktion dieser Darstellungen.
14. Welchen alternativen Vorschlag macht Robinson?
Statt defizitärer Darstellungen sollen Forschung & Politik:
Städte Südens als innovativ, komplex, bedeutsam anerkennen
alle Städte als gleichwertige Ausgangspunkte für Theorie sehen
Stadtentwicklung nicht im Vergleich mit westlichen Städten bewerten
Diversität statt Hierarchie denken
Beleg:
Folie 28: „Alle Städte als ordinary fassen“.
15. Was bedeutet „Theoriebildung aus dem Süden“ (Roy 2009)?
Roy fordert, dass Theoriebildung nicht länger aus westlichen Städten abgeleitet werden soll.
Stattdessen sollen südliche urbane Erfahrungen:
neue Konzepte ermöglichen
neue Perspektiven öffnen
globale Theorieproduktion mitprägen
Beleg:
Folie 32 zitiert Roy: Erfahrungen des Südens können „produktive und provokative theoretische Frameworks“ liefer
16. Warum braucht es eine Öffnung wissenschaftlicher Journals für Forschende aus dem globalen Süden?
Weil epistemische Ungleichheiten dazu führen, dass:
Forschung aus dem Süden unterrepräsentiert bleibt
westliche Perspektiven weiterhin dominieren
alternative Sichtweisen fehlen
globale Urbanität aus einer Eurozentrischen Perspektive interpretiert wird
Beleg: Folie 33 zeigt diese Forderung.
17. Was bedeutet „Interreferenzieren“ in der globalen Urbanismusforschung?
Interreferencing beschreibt, dass Städte nicht einfach Modelle kopieren, sondern globale Leitbilder lokal anpassen, selektiv übernehmen und weiterentwickeln.
Beispiel:
Folie 35 zeigt Eco-City-Modelle in Singapur, Lagos, Tianjin, Chengdu.
Sie sind keine Kopien westlicher Vorbilder, sondern lokale Iterationen globaler Modelle.
Einordnung:
Damit wird Kopieren als kreativer, hybrider Prozess verstande
18. Wie zeigt das Beispiel Bus Rapid Transit (BRT) globale urbanistische Zirkulation?
Das BRT-Modell verbreitete sich von Bogotá in Städte weltweit (u. a. Guangzhou, Dar es Salaam).
Botschaft:
Innovation kommt nicht nur aus Norden
Städte im Süden werden Vorbilder
globale Ideen zirkulieren in nicht-linearen und ungewöhnlichen Wegen
Beleg: Folie 36 zeigt die globale Verbreitung des BRT-Systems.
19. Welche alternativen Narrative bietet „Southern Theory“ (Roy)?
Southern Theory versucht:
Städte des Südens nicht als defizitär, sondern als handlungsfähige Akteure zu beschreiben
urbane Zukunft jenseits westlicher Modelle zu denken
Alltagsstrategien, Spekulation, Improvisation als urbane Kompetenz zu verstehen
Beleg: Folien 37–38 (z. B. „Politics of anticipation“, Menschen als Unternehmer*innen).
20. Was bedeutet „Politics of Anticipation“ (Simone)?
Menschen handeln proaktiv in Erwartung zukünftiger Chancen – trotz mangelnder Infrastruktur. (Bewohner*innen in Städten mit instabiler Infrastruktur (z. B. Lagos, Kinshasa, Jakarta) müssen häufig antizipieren, wie sich ihre soziale oder ökonomische Situation entwickeln könnte, und darauf basierend handeln.)
Beispiel:
Jemand baut ein kleines Geschäft an einer Straße, bevor die Straße offiziell ausgebaut wird – in der Erwartung, dass dort bald mehr Verkehr und Kundschaft entsteht.
Dies ist kein Defizit, sondern eine urbanistische Strategie, um soziale und ökonomische Gelegenheiten zu schaffen.
Beispiel: Folie 38.
21. Postkolonialer Urbanismus
betrachtung andauernder Auswirkungen des Kolonialusmus in Städten - konkret achtet man auf aus der kolonialisierungg entstandene Merkmale Normen und repräsentations-Systeme
Bsp.:
Ist Gentrifizierung westlich oder auf alle Städte anwendbar?
nur auf städte mit kolonialer Vergangenheit - weil:
In postkolonialen Städten existiert Verdrängung durchaus, sie folgt jedoch oft anderen Logiken als im Westen. Andere Forschende sehen Gentrifizierung jedoch als globalen Prozess, der weltweit beobachtbar ist.
