naturalismus

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1
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Was ist die zentrale Weltanschauung hinter dem Naturalismus?

Der Positivismus. Man glaubte, dass nur das wahr ist, was messbar und durch die Wissenschaft (Biologie, Soziologie) belegbar ist. Die Literatur soll daher wie eine Wissenschaft funktionieren.

2
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Erkläre die Milieutheorie. Welche drei Faktoren bestimmen laut Naturalisten den Menschen?

Die Theorie besagt, dass der Mensch ein Produkt seiner Umstände ist (Determination). Er wird bestimmt durch:

  1. Erbe (genetische Anlagen),

  2. Milieu (soziales Umfeld/Klasse),

  3. Historische Situation (Zeitpunkt des Erlebens).

3
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Wie unterscheidet sich der Naturalismus vom Realismus in der Darstellung des „Hässlichen“?

Der Realismus klammerte das Extreme, Kranke und Elende oft aus oder stellte es „verklärt“ dar. Der Naturalismus verfolgt eine Ästhetik des Hässlichen – Elend, Dreck und soziale Abgründe werden bewusst und detailgetreu gezeigt, um Sozialkritik zu üben.

4
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Was ist das Ziel des „Sekundenstils“ in der Prosa?

Das Ziel ist die totale Objektivität und Realitätstreue. Durch das Festhalten kleinster Details (Pausen, Atemgeräusche, Dialekt) soll die Zeitlücke zwischen Erzählen und Geschehen (Erzählzeit vs. erzählte Zeit) fast verschwinden.

5
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Warum war das Bürgertum oft schockiert von naturalistischen Theaterstücken?

  • Weil die Stücke Tabuthemen (Prostitution, Alkoholsucht, psychische Krankheiten) auf die Bühne brachten und dem Bürgertum die Schattenseiten des Fortschritts und der Industrialisierung gnadenlos vorhielten.


6
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Was bedeutet die Formel „Kunst = Natur - x“ praktisch für einen Autor?

Ein Autor soll versuchen, das „x“ (seine eigene Meinung, künstlerische Ausschmückung, Stilmittel) so klein wie möglich zu halten. Das Werk soll eine exakte Kopie der Natur sein.

7
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Welche sprachlichen Besonderheiten findet man häufig in naturalistischen Dialogen?

Man findet viel Dialekt, Soziolekt (Arbeitersprache), Satzabbrüche (Anakoluth) und Interjektionen (Ach, Oh, Hm). Das soll zeigen, dass Menschen in Stresssituationen oder aufgrund ihrer Bildung nicht „hochgestochen“ sprechen.

8
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Warum gibt es im naturalistischen Drama oft keinen klassischen „Helden“?

Weil ein Held aktiv sein Schicksal bestimmen müsste. Da die Figuren aber determiniert (vorbestimmt) sind, sind sie eher „Opfer“ ihrer Umstände. Oft steht auch eine ganze Gruppe (ein „Kollektivheld“, wie die Weber) im Zentrum.

9
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Nenne drei zentrale Motive, die typisch für die Epoche sind.

  1. Die Großstadt (als Ort der Entfremdung und des Elends),

  2. Der Generationenkonflikt,

  3. Die soziale Frage / Ausbeutung der Arbeiterschicht.

10
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Wer war der bedeutendste Theoretiker des Naturalismus (aus Frankreich)?

Émile Zola. Er forderte, dass der Romanautor wie ein Forscher vorgehen muss, der seine Charaktere einem Experiment unterwirft.

11
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Was versteht man unter dem „Prosaexperiment“ bei Holz und Schlaf (in Papa Hamlet)?

Sie wollten testen, ob man das sekundenstilistische Prinzip des Dramas (wo alles direkt gesprochen wird) auf die Erzählprosa übertragen kann. Das Ziel war, den Erzähler fast komplett verschwinden zu lassen, sodass nur noch die nackte Wirklichkeit (Geräusche, Wortfetzen) übrig bleibt.

12
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Wie wird das Milieu in Die Ratten und Papa Hamlet konkret dargestellt?

  • Durch die detaillierte Beschreibung der Armut und Enge. In Die Ratten ist es ein „Dachgeschoss einer ehemaligen Kavallerie-Kaserne“, in Papa Hamlet eine „ärmliche Dachwohnung“. Das Milieu wird als schmutzig, dunkel und beengend beschrieben, was die Hoffnungslosigkeit der Figuren unterstreicht.


13
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Analysiere die Sprache in den Textstellen. Welches Merkmal sticht besonders hervor?

Der extreme Gebrauch von Dialekt (Berlinerisch) und Soziolekt. Sätze wie „Ick schreibe Zettel...“ oder „...wenn se bloß wollten Obacht jeben“ zeigen die soziale Herkunft der Figuren und wirken authentisch („kopierte Wirklichkeit“).

14
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Was bedeuten die „punktierten Linien“ (Auslassungspunkte) in Papa Hamlet?

Sie symbolisieren den Sekundenstil. Sie stehen für Pausen, Schweigen oder Momente, in denen nichts gesagt wird, die aber zur realen Zeitdauer dazugehören. Die Erzählzeit soll genau so lange dauern wie das Geschehen selbst.

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Was ist die „Freie Bühne“ und warum war sie für den Naturalismus wichtig?

Die „Freie Bühne“ war ein Theaterverein in Berlin, der gegründet wurde, um die staatliche Zensur zu umgehen. Da es ein privater Verein war, konnten dort provokante, naturalistische Stücke (wie von Hauptmann) aufgeführt werden, die sonst verboten worden wären.

16
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Erkläre die Darstellung des „Hässlichen“ anhand der Figur Thienwiebel in Papa Hamlet.

Thienwiebel wird als gescheiterter, kranker und hungernder Schauspieler gezeigt, der in seinen eigenen Ausdünstungen und im Dreck lebt. Diese ungeschönte Darstellung von körperlichem Verfall und Elend ist ein Kernmerkmal des Naturalismus.

17
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Inwiefern zeigt die Regieanweisung in Die Ratten den Kontrast zwischen Kunst und Realität?

  • Die Regieanweisung beschreibt einen Dachboden voller Theater-Requisiten (Schwerter, Kostüme), die für die „schöne Kunst“ stehen. Diese lagern aber im Dreck und Elend einer Kaserne. Dieser Kontrast betont, dass die klassische Kunst die soziale Wirklichkeit oft ignoriert hat.


18
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Merksatz

Der Sekundenstil in Papa Hamlet zeigt sich durch die lautmalerische Wiedergabe von Geräuschen (z. B. das Röcheln) und die Übereinstimmung von Erzähl- und erzählter Zeit, wodurch der Leser zum unmittelbaren Beobachter des Elends wird.“

Klausur-Tipp: Wenn du eine Textstelle analysierst, achte auf Satzabbrüche (Anakoluth) und Pausen. Erkläre diese immer damit, dass die Sprache im Naturalismus die „wahre“, oft unbeholfene Kommunikation von Menschen unter Stress zeigen will.

19
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Welchen Eindruck vermitteln die Weber in dieser Szene und wie passen sie zu den Abbildungen auf der Seite? (Bezug zu Aufgabe 1)

Die Weber wirken extrem devot (unterwürfig), körperlich gezeichnet und verzweifelt. Sie werden als „Scharen“ beschrieben, die „gehetzt“ und „abgezehrt“ sind (Regieanweisung).Bezug zum Bild: Das Szenenbild zeigt diese Enge und die bedrückende Atmosphäre. Die Menschen wirken wie eine graue Masse, die dem Kassierer ausgeliefert ist – das unterstreicht das naturalistische Motiv des Kollektivschicksals.

20
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Wie ist die Äußerung des Ersten Webers zu deuten: „A Weber wart’t an Stunde oder an’n Tag. A Weber is ock ’ne Sache“? (Bezug zu Aufgabe 2)

  • Diese Aussage ist ein Paradebeispiel für die Objektivierung/Entmenschlichung des Proletariats. Der Weber hat sein Selbstwertgefühl so weit verloren, dass er sich selbst nur noch als „Sache“ oder Material wahrnimmt.

  • Deutung: Es zeigt die totale Resignation. Zeit spielt für ihn keine Rolle mehr, da sein Leben nur noch aus Warten und Ausbeutung besteht. Er sieht sich nicht mehr als Individuum mit Rechten.

21
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Welche Besonderheiten weisen die Regieanweisungen zum Bühnenbild und zum Verhalten der Figuren auf? (Bezug zu Aufgabe 3a)

  • Die Regieanweisungen sind extrem detailliert und lang (Sekundenstil-Elemente). Sie beschreiben nicht nur den Raum („grau getüncht“, „fensterlos“), sondern auch kleinste körperliche Details („zittern mit den Fingern“, „beugt sich flehentlich“).

  • Funktion: Das Bühnenbild soll eine totale Realität erzeugen. Das Verhalten der Figuren (wie das Reiben der Hände oder das Husten) macht die physische Not und die Kälte im Raum für das Publikum spürbar.

22
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Was fällt an der Art des Sprechens (Sprachvarietät) auf und was sagt das über die soziale Rolle aus? (Bezug zu Aufgabe 3b)

  • Die Figuren sprechen in einem starken schlesischen Dialekt.

  • Bedeutung: Dies dient der sozialen Charakterisierung. Während der Kassierer Neumann eher Hochdeutsch (die Sprache der Macht) spricht, markiert der Dialekt die Weber als bildungsfern und stigmatisiert sie als untere Schicht. Es macht das Stück authentisch und unbeschönigt.

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Weber

In einer Analyse solltest du unbedingt erwähnen, dass es hier keinen einzelnen Helden gibt. Das Schicksal der Weber ist ein Massen- oder Kollektivschicksal. Die Sprache (Dialekt) und die körperlichen Gebrechen sind direkte Folgen ihres Milieus – sie können gar nicht anders sein, als sie sind (Determination).