Annelida

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Annelida (Ringelwürmer)

Stamm der Lophotrochozoa innerhalb der Bilateria; umfasst ca. 17.000 bis 23.000 Arten (z. B. Regenwurm, Seeringelwurm, Egel).

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Segmentierung (Metamerie)

Wiederholung von morphologischen Strukturen entlang der Anterior-Posterior-Achse, wobei jedes einzelne Segment eine eigene A-P-Polarität besitzt.

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Homonome vs. Heteronome Segmentierung

Homonome Segmentierung (typisch für die Mehrheit der Anneliden-Organe) bezeichnet die Abfolge weitgehend gleichartig gebauter Segmente. Heteronome Segmentierung (typisch für Arthropoden wie Insekten) meint spezialisierte, ungleichförmig gestaltete Körperabschnitte.

4
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Vorteile der Segmentierung

Die Untergliederung des Cöloms in separate Kompartimente mittels Septen optimiert die Effizienz und feine Kontrolle beim Graben. Modularität ermöglicht hohe Flexibilität und die funktionelle Differenzierung einzelner Abschnitte für spezialisierte Aufgaben. Sie begünstigte zudem die Evolution eines hochentwickelten Nervensystems.

5
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Prostomium & Pygidium

Das Prostomium bildet den vordersten Körperabschnitt (oft mit Antennen, Palpen oder Augen) und das Pygidium den hintersten. Beide Abschnitte stellen biologisch keine echten Segmente dar und besitzen keine Cölomhöhle.

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Metameres Organmuster

Pro echtem Segment findet sich typischerweise ein Paar Cölomsäcke, ein Paar Nervenganglien, ein Paar Nephridien (Exkretionsorgane), ein Paar Gonaden und ein Paar Parapodien (Fortbewegungsorgane).

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Cölom-Aufbau & Hydrostatisches Skelett

Die segmentalen Leibeshöhlenabschnitte sind paarig angelegt und werden durch Querwände (Dissepimente) sowie mediane Septen (Mesenterien) aus zweischichtigem Cölomepithel getrennt. Die flüssigkeitsgefüllten Kammern fungieren als hocheffizientes hydrostatisches Skelett, gegen dessen Innendruck die Ring- und Längsmuskulatur kontrahiert. Über verschließbare Poren kann die Flüssigkeit bei Bedarf flotieren.

8
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Strickleiter-Nervensystem

Typisches Nervensystem der Gastroneuralia (Bauchmarkstiere). Es besteht aus einem paarigen Oberschlundganglion (Cerebralganglion/Gehirn) über dem Pharynx, das via Schlundkonnektive um den Pharynx herum mit dem ventralen Bauchmark verbunden ist. In jedem Segment liegt ein Paar Ganglien, die longitudinal durch Konnektive und transversal durch Kommissuren verknüpft sind.

9
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Blutgefäßsystem (Annelida)

Weitgehend geschlossenes System, dessen Lumen den Rest der primären Leibeshöhle darstellt. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptstämmen – dem kontraktilen Dorsalgefäß (Blutfluss nach cranial) und dem Ventralgefäß (Blutfluss nach caudal) – sowie einem Subneuralgefäß und lateralen Verbindungsschleifen (z. B. fünf Paare kontraktiler Aortenbögen/Lateralherzen beim Regenwurm).

10
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Blutfarbstoffe (Annelida)

Zur Sauerstoffbindung nutzen verschiedene Annelidengruppen Hämoglobin, Chlorokruorin oder Hämerythrin.

11
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Parapodien

Segmentale, stummelfüßige, laterale Körperanhänge der Polychaeten (Vielborster). Sie dienen der Fortbewegung sowie der Atmung und bestehen aus einem dorsalen Ast (Notopodium) und einem ventralen Ast (Neuropodium). Sie sind mit Chitinborsten (unterstützt durch innere Stützstäbe, die Acicula) und Sinnescirren ausgestattet.

12
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Respirationstypen

Die Atmung erfolgt bei Polychaeten vorwiegend über Parapodien, Kiemen oder eine Tentakelnkrone, wohingegen Oligochaeten (Wenigborster wie der Regenwurm) den Gasaustausch komplett durch die Haut vollziehen.

13
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Metanephridien-Exkretion

Der Wimperntrichter (Nephrostom) liegt im Cölom eines Segments, filtert die Cölomflüssigkeit als Primärharn und leitet sie durch das Dissepiment in das nachfolgende Segment. Dort verläuft der Nephridialkanal (Tubulus) stark gewunden und von einem Kapillarnetz umgeben, bis der Endharn über einen seitlichen Porus (Harnblase) nach außen abgegeben wird.

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Ultrafiltration & Harnmodifikation

Die Ultrafiltration zur Primärharnbildung erfolgt durch die mit Podozyten besetzte Wand der Blutgefäße direkt in das Cölom. Im Tubulus finden aktive Sekretionsprozesse (Abgabe von Harnstoff, Harnsäure, NH_3) und Absorptionsprozesse (Rückresorption von Na^+, K^+, Cl^-, Proteinen und Glucose) sowie die Osmoregulation statt.

15
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Darmtrakt des Regenwurms

Der Verdauungskanal von Lumbricus terrestris gliedert sich sukzessive in: Pharynx (Schlund mit Drüsenzellen) -> Ösophagus (Speiseröhre mit Kalksäckchen zur Regulation des Calcium-/pH-Haushalts) -> Kropf -> Muskelmagen (Kaumagen zur mechanischen Zerkleinerung) -> Mitteldarm -> After.

16
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Typhlosolis

Eine markante, dorsal weit in das Lumen des Mitteldarms einstürzende Falte beim Regenwurm. Sie dient der signifikanten Vergrößerung der inneren Darmoberfläche, um die Nährstoffresorption zu maximieren.

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Chloragogzellen (Chloragoggewebe)

Spezialisierte Zellen des viszeralen Peritonealepithels, die die Außenseite des Mitteldarms und der Gefäße umkleiden. Sie fungieren als zentrales Stoffwechselorgan (analog zur Wirbeltierleber): Sie speichern Fette, synthetisieren Glykogen, bauen Proteine ab, bilden Harnstoff/Harnsäure, regulieren den Eisenstoffwechsel und enthalten Ferritin sowie Hämoglobin.

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Fortpflanzungsbiologie

Polychaeten sind meist getrenntgeschlechtlich und pflanzen sich im Meer fort. Clitellaten (Gürtelwürmer wie Regenwürmer und Egel) sind ausnahmslos simultane Hermaphroditen (Zwitter). Gonaden entstehen als lokale Bildungen des Cölothels.

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Geschlechtsapparat des Regenwurms

Männlicher Teil: Hoden, Samenkapseln, große Samenblasen (Spermienzreifung) und Samenleiter, die im 15. Segment münden. Weiblicher Teil: Ovarien, Eihälter und Eileiter, die im 14. Segment münden. Zudem liegen in den Furchen des 9. und 10. Segments paarige Samentaschen (Receptacula seminis/Spermatheken) zur Aufnahme von Partnersperma.

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Kopulationsverlauf beim Regenwurm

Zwei Partner legen sich bauchseitig und gegenläufig aneinander, sodass das Clitellum des einen auf der Höhe der Receptacula seminis (Segmente 9–10) des anderen liegt. Drüsen des Clitellums scheiden eine schleimige Manschette aus. Das Sperma tritt aus der männlichen Genitalöffnung aus, wandert über die äußere Samenrinne nach caudal und wird in den Receptacula seminis des Partners gespeichert.

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Kokonbildung & Befruchtung

Nach der Trennung bildet das Clitellum einen neuen elastischen Sekretgürtel. Durch peristaltische Bewegungen des hydrostatischen Skeletts wird dieser Gürtel nach vorne (kopfwärts) geschoben. Dabei wird ein Ei aus der weiblichen Öffnung hineingelegt. Passiert der Gürtel die Receptacula seminis, wird das gespeicherte Fremdsperma hinzugefügt (äußere Befruchtung). Der abgestreifte Gürtel verschließt sich zu einem Kokon, in dem sich die Jungwürmer direkt entwickeln.

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Trochophora-Larve

Die charakteristische, freischwimmende Larvenform vieler Polychaeten nach einer Spiralfurchung. Sie ist kugelig/birnenförmig gebaut, besitzt einen durchgehenden Verdauungstrakt (Mund ventral, After terminal) und Protonephridien. Ein prominenter, äquatorialer Wimpernkranz (Prototroch) liegt vor dem Mund und teilt die Larve in eine obere Episphäre (mit Apikalorgan/Ganglion und Augen) und eine untere Hyposphäre mit einem schwächeren Metatroch hinter dem Mund.

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