04 Histrionischer Persönlichkeitsstil

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30 Terms

1
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Was sind die typischen Manifestationen eines histrionischen Stils?
• Zeigen von Verhalten, um Aufmerksamkeit zu erhalten/im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller zu stehen.
• Durch Dramatik und Selbstinszenierung gekennzeichnet.
• Erwartung, dass Interaktionspartner fortlaufend signalisieren, dass ihnen die histrionische Person am Wichtigsten ist (z.B. uneingeschränkte Aufmerksamkeit).
• Theatralik, die der Wirkung verpflichtet ist: Erreichbar u.a. durch das Erzählen spannender Geschichten.
• Übertreiben, Hineinsteigern, Hochschaukeln.
2
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Was lässt sich bei histrionischen Personen bezüglich Langeweile sagen?
• Präferenz für Neues, Aufregendes und Aussergewöhnliches
--> Aversion gegen Langeweile und Stillstand.
• Risikobereitschaft
• Bereitschaft, sich über Konventionen hinwegzusetzen
3
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Weshalb haben histrionische Personen eine erhöhte Kreativität?
• Wegen Neigung, Neues auszuprobieren.
• Wegen Neigung, unkonventionell zu denken.
• Wegen Neigung, den eigenen spontanen Intuitionen zu folgen.
• Wegen fehlender Hemmung, aufzufallen und exzentrisch zu wirken.
• Ideen für "grosse Entwürfe" und wenig Interessen an Details (--> Gemeinsamkeit zu Narzissmus)
4
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Welches Geschlecht ist eher von Histrionie betroffen und weshalb?
Nach epidemiologischen Untersuchungen vorwiegend Frauen betroffen: Vermutlich, da die histrionischen Manifestationen eher zu einem gesellschaftlichen Frauenbild pass(t)en. Daher wohl bei Mädchen von den Eltern/ Umfeld eher akzeptiert als bei Jungen.
5
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Welches Motiv wird hier frustriert?
Das Motiv der Wichtigkeit
6
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Biografie: Wie kommt es zu einem histrionischen Stil?
Frustration des Wichtigkeitsmotivs: Nur selten wurde der Person von den Bezugspersonen das Gefühl vermittelt, wichtig zu sein (bzw. deutlich weniger, als sie es gebraucht hätte).
Stattdessen hat die histrionische Person in der Kindheit durchweg, in vielen Kontexten, und über lange Zeit hinweg z.B. Erfahrungen gemacht, dass ihre Anliegen nicht erst genommen wurden und sie ignoriert wurde.

Insb. das Ignoriert-werden durch die Eltern ist entscheidend!
7
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Was ist der Wunsch einer histrionischen Person in Bezug auf die Frustration des Wichtigkeitsmotivs?
Im Leben anderer Personen eine bedeutende Rolle zu spielen und das auch mitgeteilt bekommen.
Ersehntes Feedback, das die eigene Wichtigkeit signalisieren, betrifft: Aufmerksamkeit, Gesehen werden, Ernst genommen werden, Dazugehörig sein.
8
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Welches Beziehungsmotiv ist der histrionischen Person besonders wichtig?
Beziehungsmotiv Solidarität.
9
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Wie fühlt sich eine histrionische Person, wenn ihr Solidaritätsmotiv befriedigt/ frustriert wird?
Befriedigt: Es resultiert ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit.

Frustriert: Es resultiert Unsicherheit, Traurigkeit und das Gefühl, im Stich gelassen zu werden.
10
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Welche Selbstschemata bilden sich aufgrund des histrionischen Stils beispielsweise?
Ich bin nicht wichtig.
Ich spiele im Leben anderer keine Rolle.
So, wie ich bin, werde ich nicht wahrgenommen.
11
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Wie werden die Selbstschemata aktiviert?
Die zentralen, meist hochgradig hyperallergischen Selbstschemata werden leicht aktiviert, wenn z.B.
ein Interaktionspartner nicht ganz aufmerksam zuhört/ einmal gähnt/ einmal auf die Uhr schaut.
12
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Welche Gefühle kann das Selbstschemata hervorrufen und welches Gefühl ist die Konsequenz davon?
Die Schema-Aktivierung ruft Gedanken auf, wie z.B. "Ich werde wieder nicht ernst genommen." Dies kann Traurigkeit auslösen, jedoch auch schnell Regelschemata aktivieren, die Ärger erzeugen.
13
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Welche Konsequenzen hat das negative Selbstschemata auf die Informationsverarbeitung der Person?
Kann diese verzerren.
Dabei werden z.B. existierende Wichtigkeits- und Solidaritätssignal durch andere unterschätzt.
Verzerrte Informationsverarbeitung kann auch als selbsterfüllende Prophezeiung wirken.
14
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Welche Konsequenzen bringen die Normschemata der Person?
Das Umsetzen der Normen erfordert das ständige Scannen der Interaktionspartner und der Situation.
Die Aufmerksamkeit wird hauptsächlich nach aussen gerichtet. D.h. für Aufmerksamkeit auf eigenes Verhalten und Erleben reichen Kapazität nicht mehr aus.
Für die histrionische Person folgt die Entfremdung vom Motivsystem (Alienation).
15
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Von welchen Annahmen geht die Person aufgrund ihrer Regelschemata aus?
Interaktionspartner haben ihre Regeln uneingeschränkt zu befolgen.
Interkationspartner müssen diese Regeln erkennen und wissen, auch, ohne dass sie ihnen explizit gesagt werden.
Die Person ist legitimiert, diese Regeln aufzustellen und bei nicht-Einhaltung die andere Person zu bestrafen.
16
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Regelschemata werden zur Kompensation negativer Beziehungsannahmen entwickelt. Welche Regelschemata gibt es beispielsweise?
Ein Interaktionspartner hat mir uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu geben.
Man hat mich ernst zu nehmen und sich mit mir auseinanderzusetzen.
Man hat sich um mich zu kümmern.
Man hat an meiner Seite zu stehen.
17
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Was sind Normschematas? Was sind Beispiele davon?
Bestimmtes Handeln werden als Normen erkannt, um die bedrohlichen negativen Selbst- und Beziehungsschemata zu kompensieren.

"Sorge dafür, dass du Aufmerksamkeit erhältst."
"Bringe andere dazu, dich ernst zu nehmen."
"Sei der Wichtigste."
18
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Was geschieht, wenn ein Interaktionspartner die Regeln der histrionischen Person nicht befolgt? (Regelschemata)
Regeln sind insb. bei histrionischen Personen hyperallergische Schemata.
Heftiger Ärger, wenn ein Interaktionspartner eine Regel nicht befolgt. Der Ärger mündet oft in korrespondierendes Verhalten (da keine Konfliktscheue).
19
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Ist eine histrionische Person manipulativ? Wenn ja, welche Strategien benutzt sie generell?
Sehr ausgeprägt Manipulation!
Verwendung positiver und negativer Strategien.
Massive, subtile und extreme Strategien.
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Welche positiven Manipulationsstrategien verwenden histrionische Personen?
• Unterhaltsam sein: gut und spannende Geschichten erzählen (oder erfinden), lustige Anekdoten, Storys aus eigenem Leben oder dem Leben anderer.
• Attraktiv sein: sich gut kleiden, elegant oder extravagant sein, sich gut schminken, usw.
• Erotische Ausstrahlung haben: gut flirten, erotische Signale senden, usw.
• Ein "Gesamtkunstwert" darstellen (Gestik, Mimik, Sprache, usw.)
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Welche negativen Manipulationsstrategien wendet eine histrionische Person an?
• Kritisieren und nörgeln (Interaktionspartner offen oder verdeckt kritisieren)
• Ständig Unzufriedenheit kommunizieren
• Den Partner unter Druck setzen ("Wenn wir um 8 Uhr vereinbart sind, hast du um 8 Uhr zu kommen.")
• Strafreize setzen (beleidigt, eingeschnappt reagieren, usw.)
• Symptome produzieren (z.B. Kopfschmerzen vorgeben, damit sich Partner um sie kümmern)
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Welche massiven Manipulationsstrategien wenden histrionische Personen an?
Erfindung oder Dramatisierung von Symptomen:
• z.B. keine oder nur leichte Rückenschmerzen werden zum Problem aufgebauscht, auf das der Interaktionspartner reagieren muss
• Massive Strategie:
--> Schmerzverzerrtes Gesicht, langsame Bewegungen, massives Stöhnen und verbale Aussagen darüber, wie extrem schlecht es einem gehe.
--> "Armes-Schwein-Spiel": Dem Interaktionspartner demonstrieren, dass man "arm dran" und hilflos sei und dass der Interaktionspartner einen nun unbedingt retten müsse.
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Welche subtilen Manipulationsstrategien wenden histrionische Personen an?
Erfindung oder Dramatisierung von Symptomen
• z.B. keine oder nur leichte Rückenschmerzen werden zum Problem aufgebauscht, auf das der Interaktionspartner reagieren muss.
• Vorgeben, dass man "sich nicht unterkriegen lässt", aber dezentes Stöhnen bei jeder Bewegung.
• Will jemand helfen, sagen "Lass mich das ruhig alleine machen" (und zwar so, dass der andere genau dies niemals tun wird).
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Welche extremen Manipulationsstrategien wenden histrionische Personen an?
Erfindung oder Dramatisierung von Symptomen
• z.B. keine oder nur leichte Rückenschmerzen werden zum Problem aufgebauscht, auf das der Interaktionspartner reagieren muss
• Erpressung ("Wenn du jetzt gehst, dann muss ich mich umbringen!")
25
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Welche Ressourcen und Gewinne haben histrionische Personen?
• Es gelingt immer wieder im Mittelpunkt zu stehen, Aufmerksamkeit zu bekommen und dabei bewundert und angehimmelt werden.
• Es gelingt immer wieder, Partner dazu zu veranlassen, viel für einen zu tun.
• Histrionische Personen erzeugen selbst in ihrem Leben viel Spass, Action, Abwechslung, Aufregung und aussergewöhnliche Erfahrungen.
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Welche Kosten hat ein histrionischer Stil?
• Beziehungskosten --> Werden Manipulationen und Regelsetzungen übertrieben, werden Interaktionspartner verärgert
• Können so an ihre Manipulation gewöhnt sein, dass sie den "Kipp-Punkt" in eine negative Beziehung nicht rechtzeitig bemerken. --> Erkennen oft ihren Anteil an der Entwicklung nicht und ändern ihr Verhalten nicht.
• Wenig Befassung mit der eigenen Person --> Kein Wissen darüber, was man eigentlich wirklich will.

• Anstrengender Stil: Ständiges Prüfen, ob man genug Aufmerksamkeit bekommt. Ständig dafür sorgen müssen, dass man Aufmerksamkeit erhält. Ständiges Produzieren von Action.
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Wie kann man die Kosten reduzieren?
• Feststellen, ob man einen histrionischen Stil hat.
• Analyse, z.B. welche Motive man hat und welche Manipulationsstrategien man anwendet.
• Prüfen, wie andere auf das eigene Handeln reagieren.
• Sich selbst verdeutlichen ("Andere existieren nicht, um das zu tun, was man möchte)
• Spontanität manchmal bremsen
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Wie soll man einer histrionischen Person gegenüber die Beziehung gestalten?
Komplementarität bedetuet:
• der Person so viel Aufmerksamkeit geben, wie man kann und will.
• Komplimente explizit sagen.
• Histrionischen Person immer wieder sagen, dass sie einem wichtig ist.
• Wenn es Probleme gibt, das Gegenüber ernst nehmen und sich mit ihm auseinandersetzen.
• Daran denken, dass die histrionische Person das, was sie tut, nicht tut, um einen zu ärgern.
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Wie grenzt man sich von einer histrionischen Person ab?
• Freundlich, aber auch sehr deutlich, klarmachen, was man selbst will.
• Die Erwartung verdeutlichen, dass sich das histrionische Gegenüber auch mit einem auseinandersetzt, verhandelt und sich an Absprachen hält.
• Freundlich, aber auch sehr deutlich, sagen, was einen stört, und darüber verhandeln, was geändert werden kann.
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Wie kann man mit histrionischen Personen umgehen, wenn sie einen versuchen zu manipulieren?
• Versuchen zu erkennen, wie das Gegenüber manipuliert: Was will es, welche Strategien verwendet es?
• Nicht auf Images und Appelle hereinfallen, keine fiktiven Storys glauben.
• Entscheiden, auf welche Manipulationen man eingehen will und auf welche nicht.
• Manipulationen transparent machen.
• Klarstellen, dass man bestimmte Dinge nicht tun wird.
• Von unverschämten Regeln abgrenzen, dabei keine Machtkämpfe (sagen, was man denkt und möchte ohne Vorwurf).
• Den Wunsch kommunizieren, dass Beschwerden usw. offen geäussert werden dürfen; das Gegenüber dafür loben, wenn es das tut.
• Kritik immer in Wichtigkeitssignale einbetten ("Schatz, ich liebe dich und es ist mir sehr wichtig, eine gute Beziehung zu dir zu haben. Aber ich möchte dir auch sagen, dass mich XY stört."); damit rechnen, dass dies zuerst zu einer Krise führt, dass das Gegenüber sich aber beruhigt und man dann reden kann.
• Verhindern, dass sich Aktionen hochschaukeln (Pause machen, rausgehen, abkühlen lassen).
• Klärungen und Verhandlungen nie in einer Krise; in Krise versuchen abzuwiegeln, zu beruhigen, nicht zu argumentieren.