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Grundidee Geiger (Schichtmodell)
-> entwickelt Schichtmodell als Alternative zur marxistischen Klassentheorie
Schicht -> als allgemeinerer Begriff für soz. Gliederung
Klassen, Stände, Kasten -> als besondere Formen von Schichtung zu verstehen
Entscheidend: Trennung von sozialer Lage & Mentalität
1. Zunächst Menschen anhand objektiver soz. Merkmalen zu Schichten zusammengefasst => soziale Lage
2. Erst anschließend untersucht, welche typischen Einstellungen, Denkweisen & Lebensformen in diesen Schichten vorkommen => Mentalitäten
=> Schicht nicht über gemeinsame Mentalitäten definiert (Schicht ≠ Mentalität) => Mentalität wird erst nach der soz. Lage untersucht
=> Geiger versucht soz. Ungleichheit dynamisch statt als starre Gesellschaftsordnung zu verstehen
soziale Lage
Menschen werden anhand objektiver sozialer Merkmale zu Schichten zusammengefasst
Mentalität
→ die typischen Einstellungen, Denkweisen & Lebensformen in den Schichten
=> Schicht nicht über gemeinsame Mentalitäten definiert (Schicht ≠ Mentalität) => Mentalität wird erst nach der soz. Lage untersucht
Unterschiede Marx/ Geiger
Marx | Geiger |
Klassen | Schichten |
Produktionsmittel zentral | Verschiedene objektive Merkmale möglich |
Klassenbewusstsein zentral | Mentalität wird erst nachträglich untersucht |
Allgemeine Klassentheorie | Allgemeineres Schichtmodell |
=> Geigers Ansatz wichtig, weil er soziale Lage & Bewusstsein nicht vorschnell gleichsetzt
Geigers Fünf-Schichten-Modell
→ entwickelt auf Grundlage der Volkszählung von 1925 ein Fünf-Schichten-Modell → beschreibt die deutsche Gesellschaft der 1920er anhand berufl. Position, Qualifikation, Einkommen & Status → betrachtet soz. Lage insgesamt
=> Modell ausdrücklich historisch gebunden → nicht als zeitloses Schema gedacht
5 Schichten: (vertikales Schichtsystem - hierarchische Anordnung)
Oberschicht – wirtschaftlich und gesellschaftlich privilegierte Gruppen
Obere Mittelschicht – höhere Angestellte, Beamte, Selbstständige etc.
Mittlere Schicht – mittlere Angestellte, Beamte und qualifizierte Arbeiter
Untere Mittelschicht – weniger qualifizierte Angestellte, Beamte und Arbeiter
Unterschicht – wirtschaftlich und sozial benachteiligte Gruppen
zentraler Gedanke: Nach welchen Merkmalen ist eine Gesellschaft jeweils hauptsächlich strukturiert => Ungleichheit entsteht durch abgestufte soziale Lagen (nicht durch Klassenkonflikte wie bei Marx)
Das dominante Schichtungsprinzip
Geiger geht davon aus: in einer Gesellschaft können mehrere Formen soz. Schichtung gleichzeitig existieren → eine davon jw. besonders prägend
Dominantes Schichtungsprinzip = Das Merkmal, nach dem soz. Ungleichheit in einer bestimmten Gesellschaft/ Epoche hauptsächlich strukturiert ist
→ andere vorhandene, aber weniger bedeutsame Schichtungsmerkmale = subsidiäre Schichtung
Wichtig: Dominantes Prinzip nicht für alle Zeiten gleich => Gesellschaftl. Wandel kann dazu führen, dass ein anderes Merkmal wichtiger wird
Mehrere Schichtungsprinzipien gleichzeitig → eines ist dominant → dies kann sich historisch verändern
=> Geiger versucht soz. Ungleichheit dynamisch statt als starre Gesellschaftsordnung zu verstehen
Definition Dominantes Schichtungsprinzip und subsidiäre Schichtung
Dominantes Schichtungsprinzip = Das Merkmal, nach dem soz. Ungleichheit in einer bestimmten Gesellschaft/ Epoche hauptsächlich strukturiert ist
→ andere vorhandene, aber weniger bedeutsame Schichtungsmerkmale = subsidiäre Schichtung
→ Wichtig: Dominantes Prinzip nicht für alle Zeiten gleich => Gesellschaftl. Wandel kann dazu führen, dass ein anderes Merkmal wichtiger wird → soz. Ungleichheit dynamisch
Zentrales Problem des dominanten Schichtungsprinzips (Kritik)
Zentrales Problem des dominanten Schichtungssystems: Wie lässt sich überhaupt eindeutig feststellen, welches Schichtungsprinzip das wichtigste ist?
-> gesell. Wandel erschwert Bestimmung zusätzlich -> wenn sich soz. Strukturen schnell verändern, werden feste Schichtgrenzen schwerer erkennbar: schneller Wandel -> Schichten verändern sich -> dominantes Prinzip schwer bestimmbar -> Modell schwieriger anzuwenden
Besonders problematisch => Geiger konnte das von ihm entwickelte Prinzip für seine eigene Zeit selbst nicht überzeugend eindeutig bestimmen
wichtige Grundgedanken/ Bedeutung des dominanten Schichtprinzips
· Gesellschaften verändern sich -> Schichtmodelle dürfen nicht starr sein
· Soziale Lage allein reicht nicht aus -> auch typische Einstellungen, Denkweisen & Lebensformen (Mentalitäten) können relevant sein
· => diese Verbindung von Lage & Mentalität ist anschlussfähig für spätere Lebensstil- & Milieuansätze
Stärke/ Schwäche des Dominanten Schichtprinzips
Stärke: differenzierter & dynamischer als eine einfache Zweiteilung in Klassen
Schwäche: das zentrale dominante Prinzip ist empirisch schwer eindeutig zu bestimmen
Geiger im Vergleich
Marx: Produktionsverhältnisse bilden das zentrale Strukturprinzip
Weber: mehrere eigenständige Dimensionen - Klasse, Stand, Partei
Geiger: verschiedene Schichtungsmerkmale existieren gleichzeitig, aber jw. eines kann historisch dominant sein