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Was war der Ausgangspunkt der globalen Herausforderungen, die unsere heutige Gegenwart bestimmen?
1769: die Industrielle Revolution und die Erfindung der Dampfmaschine in England
Erkenntnis: die ökonomische und die soziale Sphäre sowie das ökologische System sind aufs engste miteinander verzahnt. bei Veränderungen in einem Bereich treten Interdependenzen zu den beiden anderen Bereichen auf.
Folge: durch die bessere Versorgung mit Gütern und die steigenden Einkommen während der ersten Jahrzehnte der Industrialisierung stiegen die durchschnittliche Lebenserwartung und auch die Bevölkerungszahlen stark an.
Negativfolge: Landflucht und Urbanisierung führten im Umfeld der Städte zur Belastung von Ökosystemen, insbesondere da in den Ballungsgebieten Entsorgungssysteme fehlten. Seuchen und die ärmeren Bevölkerungsschichten verelendeten zunehmend
Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew veröffentlichte 1926 seine Theorie der Langen Wellen. Erkläre
Ausgangspunkt: Paradigmenwechsel und die damit verbundenen innovationsinduzierten Investitionen.
Dabei wird massiv in neue Techniken investiert und somit ein Aufschwung hervorgerufen. Bislang wenig oder gar nicht genutzte Ressourcen und Fähigkeiten treten ins allgemeine Bewusstsein und erlangen eine breite Bedeutung.
Die Systemtransformationen wurden jeweils durch bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen bzw. die Ausbreitung von Basisinnovationen wie Computer oder Biotechnologie ausgelöst und waren in der Regel auch mit massiven Veränderungen des wirtschaftlichen Handelns verbunden.


Wo befinden wir uns aktuell?
Derzeit befinden wir uns in der besonderen Situation, dass zwei Systemwandel sich überlappen.
Seit etwa fünfzehn Jahren befinden wir uns in der Disruptionsphase der fünften Kondratjew-Welle, der Transformation von der analogen Welt in die Digitalität.
Herausforderungen der Digitalisierung für die Gesellschaft: das Leben in Echoräumen oder Social-Media-Sucht.
Herausforderungen für Digitalkonzerne im Zusammenhang mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit: sie betreiben Raubbau an den Daten ihrer Nutzer:innen und erzeugen eine neue Art von Externalitäten, indem sie keine Verantwortung für die Folgen ihrer Geschäftstätigkeit übernehmen: Hasspostings, Fake News, Gewaltverherrlichung, Kinderpornografie, Wahlbetrug, Cybermobbing und andere Cyberverbrechen.
Ende 2015 wurde mit dem Pariser Klimaabkommen und der Veröffentlichung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele der zweite uns aktuell betreffende Systemwandel manifestiert. Diese neue Welle wird erstmalig nicht primär von technischen Innovationen getrieben, sondern von den sozialen Themen Nachhaltigkeit, Gesundheit und Bildung geprägt.
wir befinden uns in der Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, die wir aber nur erfolgreich vollziehen können, wenn wir uns auch von den alten industriellen Strukturen und den Schäden, die sie verursachen, befreien
Was sind Basisinnovationen (Kondratjew- Wellen)
führen zu großen Umsätzen
Lassen Milionen neuer Arbeitsplätze entstehen
Lösen beträchtliche Produktionsverbesserungen und Modernisierungsimpulse in der ganzen Wirtschaft aus
Prägen den Strukturwandel über mehrere Jahrzehnte

Entwicklungsgeschichte von 1750 bis 2020
Wenn man die Entwicklung der Industrialisierung seit dem Ende des 18. Jahrhunderts betrachtet, kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Die Lebenserwartung, der Lebensstandard sowie auch das allgemeine Bildungsniveau und viele weitere Faktoren, die unser Leben maßgeblich bestimmen, haben sich verbessert.
Folgen des Fortschritts der Entwicklungen der Industrialisierung
Universelle statt punktuelle Probleme = Herausforderungen sind heutzutage universell statt punktuell
Komplexe statt einfache Wirkungen = Komplexe Systeme, die miteinander zu Netzwerken verknüpft sind
Größere „Betroffenheitsdistanz“ = Soziale Entfremdung in Form von fehlender oder gestörter Verbundenheit mit Mitmenschen
Irreversible statt reversible Wirkungen = Unumkehrbare Auswirkungen von Handlungen (Rückgang Artenvielfalt)
Folgen des Fortschritts der Entwicklungen der Industrialisierung
Universelle statt punktuelle Probleme:
Früher: man konnte ökologische Probleme dort lösen, wo sie auftraten (z.b. Renaturierung von Flächen, die Reinigung von Gewässern oder die Dekontaminierung von Böden) Es waren Probleme, die es punktuell/regional oder national zu lösen galt.
Heute: Herausforderungen universell (z. B. die grenzübergreifende Reinhaltung von Gewässern, das Stoppen der globalen Erwärmung etc.).
Folgen des Fortschritts der Entwicklungen der Industrialisierung
Komplexe statt einfache Wirkungen
Unsere Lebenswelt wird mehr und mehr von komplexen Systemen bestimmt.
Komplexe Systeme bestehen aus zahlreichen einzelnen Elementen, die miteinander zu Netzwerken verknüpft sind.
Komplexität entsteht, wenn die unterschiedlichen Bauteile eines Systems und ihre Verbindungen sich gegenseitig beeinflussen und sich in engerer Abhängigkeit voneinander über die Zeit hinweg verändern.
Beispiel Finanzsystem: sind die einzelnen Elemente die Banken, die über Netzwerke von Kontrakten, Krediten oder Versicherungen miteinander verbunden sind. Die Eigenschaft einer Bank, beispielsweise wieviel Geld sie hat, bestimmt, welche Kontrakte sie in Zukunft eingehen kann. Die Eigenschaft „verfügbare Geldmenge“ einer Bank bestimmt, wie das Netzwerk der Kontrakte sich im nächsten Augenblick verändern kann. Das Netzwerk der Kontrakte wiederum bestimmt, wie sich der Reichtum der Banken verändern wird, denn diese Kontrakte bestimmen den Geldfluss.
Im Vergleich sind die Planetenbewegungen in unserem Sonnensystem zwar kompliziert, aber nicht komplex. Die Bauteile, in diesem Fall die Sonne und die Planeten, ändern sich nicht, nur ihre Positionen ändern sich jeweils.
Unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, unser Finanzsystem genauso wie das Klima oder Gesundheitssystem sind komplexe dynamische Systeme, die über weite Strecken erstaunlich stabil und robust sind. Aber wenn sie an einen Tipping Point gelangen, kollabieren sie unvermittelt.
Folgen des Fortschritts der Entwicklungen der Industrialisierung
Komplexe statt einfache Wirkungen → Erklärung Tipping Point
Ein Tipping Point (oder Kipppukt) ist ein „Übergangspunkt“. Nachdem ein System einen solchen Punkt erreicht, ist nichts mehr wie vorher. Das Tauen der Permafrostböden gilt beispielsweise als Tipping Point für das globale Klima.
Folgen des Fortschritts der Entwicklungen der Industrialisierung
Größere „Betroffenheitsdistanz“
Früher: Umweltschädigungen etwa durch Geruchsbelästigung, visuelle Eintrübung von Luft und Gewässern oder landschaftliche Veränderungen direkt erfahrbar
Heute: Gefahren wie die Ozonschichtschädigung oder der Klimawandel nur indirekt über längere Zeiträume oder durch wissenschaftliche Studien nachweisbar.
Hinzu kommt die immer stärker spürbare soziale Entfremdung, die sich in Form von fehlender oder gestörter Verbundenheit mit den Mitmenschen ausdrückt. (z. B. in den Gehaltsstrukturen : die sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen, wie Krankenpfleger/Krankenschwestern, Altenpfleger:innen oder Kindergärtner:innen oft nicht angemessen entlohnt. Das hängt auch mit der Privatisierung im öffentlichen Sektor zusammen und den damit einhergehenden Tendenzen in diesen Bereichen Profite erwirtschaften zu wollen). Zudem die stetig weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich sowie vielfältige Formen der Ausbeutung, die nur vereinzelt Proteste oder konkrete Gegenmaßnahmen nach sich ziehen. Ein Beispiel sind die Arbeitsbedingungen in den für die Fast-Fashion-Industrie produzierenden Sweatshops
Folgen des Fortschritts der Entwicklungen der Industrialisierung
Größere „Betroffenheitsdistanz“ → Erklärung Sweatshop
Bezeichnet Ausbeutungsbetriebe, vorwiegend in Entwicklungsländern (wobei diese durchaus auch in hochentwickelten Ländern zu finden sind), in denen Menschen zu Niedriglöhnen arbeiten. Konzerne lagern ihre Arbeitsplätze mit vornehmlich manuellen Tätigkeiten und mäßigen Bildungsanforderungen oft in Sweatshops aus, um Lohnstückkosten zu senken.
Folgen des Fortschritts der Entwicklungen der Industrialisierung
Irreversible statt reversible Wirkungen
Anthropogene Umweltveränderungen ( Bezeichnet Veränderungen durch menschliche Eingriffe in die Natur) haben oftmals nicht mehr umkehrbare Auswirkungen. Beispielhaft ist der unwiederbringliche Rückgang der Artenvielfalt