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Was besagt der Cash Flow?
• Der Cash Flow (Kapitalflussrechnung) zieht von den Einzahlungen einer Periode die Auszahlungen ab.
• Bei der direkten (zahlungsorientierten) Ermittlung werden von den einzahlungswirksamen Erträgen die auszahlungswirksamen Aufwendungen abgezogen -> ergibt Brutto-Cash Flow
• Er ist die zentrale Größe für die Beurteilung der Finanzlage (das Pendant zum Jahresüberschuss, welcher die Ertragslage beurteilt).
• (Erläuterung: Der Cash Flow rechnet nur mit "echtem" Geld, das physisch aufs Konto fließt oder abfließt. Buchhalterische Rechentricks oder Abschreibungen zählen hier nicht. Er zeigt absolut ungeschönt, wie viel frisches Bargeld das Unternehmen in einer Periode wirklich erwirtschaftet hat.)
Was versteht man unter Kapitalbedarf und Kapitalbindung?
Kapitalbedarf: Ist stark branchenabhängig (produzierendes Gewerbe ist anlagenintensiv, Handel kurzfristiger) und kann einmalig (z.B. Gründung) oder periodisch (Nachfrageschwankungen) auftreten.
Er wird durch interne Entscheidungen (Produktvielfalt) und externe Faktoren (Rohstoffpreise) beeinflusst.
Beispiel: Ein Spielwarenhändler hat im Oktober sehr hohen Kapitalbedarf, weil er für das Weihnachtsgeschäft sein Warenlager füllen muss (Vorfinanzierung).
Kapitalbindung: Bezeichnet den Zustand, dass Geld festgesetzt ist, z.B. durch den Kauf einer Maschine, den Kauf von Rohstoffen oder durch die Entstehung einer noch unbezahlten Kunden-Forderung.
Die Kapitalbindungsdauer ist dabei die Zeitspanne zwischen der eigenen Auszahlung bei der Beschaffung und der tatsächlichen Einnahme beim Absatz.
(Erläuterung: Kapitalbindung heißt: Mein Geld liegt nicht flüssig auf der Bank, sondern steckt fest in einer Maschine oder im Lager. Die gesamte Menge an Geld, die ein Unternehmen braucht, um seine Existenz, Investitionen und Tätigkeiten zu finanzieren.)
Inwiefern kann der Cash Flow als Finanzindikator gesehen bzw. bewertet werden?
Er dient als Indikator für die Möglichkeit von Investitionen aus eigener Kraft und zeigt damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens an.
Er zeigt, ob ausreichend liquide Mittel für Schuldentilgung, Zinszahlungen und ggfs. Ausschüttungen an die Gesellschafter vorhanden sind.
Er ist das zentrale Warnsystem beim Monitoring der Insolvenzgefahr, denn ein anhaltend negativer Cash Flow führt zur Illiquidität.
(Erläuterung: Ein hoher, positiver Cash Flow ist das ultimative Fitnesszeugnis der Firma. Er beweist, dass das Unternehmen gesund genug ist, um alte Kredite abzubezahlen und neue Maschinen aus eigener Tasche zu kaufen, ohne dafür schon wieder bei der Bank um neues Geld betteln zu müssen.)
Was bewirken Kennzahlen im Finanzmanagement? (Kennzahlen erläutern…)
• Kennzahlen sind Messgrößen, die quantifizierbare Sachverhalte in konzentrierter Form wiedergeben.
• dienen dazu, finanzwirtschaftliche Ziele, Finanzierungsregeln und die Finanzierungskraft eines Unternehmens zu messen und zu kontrollieren.
• Zudem können Kennzahlen:
• Entwicklungen im Zeitverlauf beurteilen (z. B. die Gewinnentwicklung über Jahre).
• Unternehmensinterne oder externe Betriebsvergleiche ermöglichen (z. B. den Vergleich der eigenen Kostenstrukturen mit Konkurrenten).
• Eine Kontrolle durch Soll-Ist-Vergleiche durchführen (Abgleich Realität und Zielwerte).
• (Erläuterung: Kennzahlen sind das Armaturenbrett eines Unternehmens. Statt dicke Ordner mit Buchhaltungsdaten zu lesen, liefern sie dem Management sofort greifbare Werte, um zu erkennen, ob die Firma auf Kurs ist oder ob man gegensteuern muss.)
Welche Typen von Kennzahlen werden unterschieden?
• Absolute Kennzahlen: Nackte Zahlen oder Durchschnittswerte (z. B. der absolute Gewinn oder die Bilanzsumme).
• Gliederungskennzahlen: Zeigen prozentualen Anteil an einer übergeordneten Gesamtgröße (z. B. die Eigenkapitalquote als Teil des Gesamtkapitals)
• Beziehungskennzahlen: Verschiedene Größen werden in ein sachlich sinnvolles Verhältnis gesetzt (z. B. die Eigenkapitalrentabilität)
• Indexzahlen bzw. Indizes: dienen der Beschreibung von Entwicklungen im zeitlichen Verlauf (z. B. ein Rohstoffpreisindex)
• (Zusatzinfo: Für das Finanzmanagement besonders relevant sind dabei Renditekennzahlen, sowie Kennzahlen zur Vermögens-, Kapital- und Finanzstruktur)
• (Erläuterung: "Absolut" ist nur eine reine Menge (1 Million Euro). Erst durch "Gliederung" (Prozente) oder "Beziehung" (Verhältnisse) wird die Zahl aussagekräftig – 1 Mio. Euro Gewinn sind super für einen Bäcker, aber ein Alarmzeichen für VW.)
Erläutern Sie Kennzahlen zur Rendite eines Unternehmens
• Renditekennzahlen beantworten grundsätzlich die Frage: Hat sich der Kapitaleinsatz gelohnt (rentiert)?
• Eigenkapitalrentabilität (Gewinn / durchschnittliches Eigenkapital):
• Zeigt Verzinsung des eigenen Geldes; ist maßgeblich für Renditeanforderungen der Investoren.
• Gesamtkapitalrentabilität ((Gewinn + Fremdkapitalzins) / durchschnittliches Gesamtkapital):
• Zeigt wie effizient das Unternehmen insgesamt mit gesamtem zur Verfügung gestellten Kapital gearbeitet hat.
• Umsatzrentabilität / Gewinnspanne (Gewinn / Umsatz):
• Zeigt durchschnittliche, aus dem Umsatz erwirtschaftete Gewinnmarge
• liefert Erkenntnisse über Effizienz auf den Beschaffungs- und Absatzmärkten.
• (Erläuterung: EK-Rentabilität interessiert die Eigentümer ("Was wirft mein Geld ab?"). GK-Rentabilität zeigt die allgemeine Management-Leistung ("Wie gut arbeiten die Chefs mit dem Geld aller Geldgeber?"). Die Umsatzrentabilität zeigt das Tagesgeschäft ("Wie viel Cent bleiben von jedem verdienten Euro am Ende als Gewinn in der Kasse?").)
Erläutern Sie Beispiele von Vermögenskennzahlen
Anlagenintensität (Anlagevermögen / Gesamtvermögen): Gibt Auskunft über den Umfang des Produktionsprogramms, die Fertigungstiefe und den Automatisierungsgrad. Eine hohe Anlagenintensität bedeutet einen hohen Bedarf an langfristigem Kapital. (Kapitalbedarf)
Anlagenabnutzungsgrad (kumulierte Abschreibungen (Abschreibung bis zu einem gewissen Zeitpunkt insgesamt) / historische AK/HK des Sachanlagevermögens): Je höher dieser Wert ist, desto höher ist das durchschnittliche Alter der Sachanlagen.
Investitionsquote (Investitionen / Anlagevermögen Jahresanfang) gibt an, wie stark das Anlagevermögen eines Unternehmens durch Neuinvestitionen in einer Periode erneuert oder erweitert wurde und liefert (über mehrere Jahre betrachtet) Aussagen über die Investitionstätigkeiten.
(Erläuterung: Diese Zahlen verraten viel über den technischen Zustand der Fabrik. Die Intensität zeigt, wie abhängig man von schweren Maschinen ist. Der Abnutzungsgrad warnt vor veralteter Technik. Die Investitionsquote zeigt, ob die Firma gerade modernisiert (investiert) oder auf Verschleiß fährt.)
Erläutern Sie was man unter Break-Even Point und Cash Point versteht.
Break-Even Point (BEP) / "Gewinnschwelle": Dies ist jene Konstellation aus Absatzmenge ("kritische Menge") und Verkaufspreis ("kritischer Preis"), bei der die erzielten Umsätze den gesamten angefallenen Kosten (fixe und variable) entsprechen. Ab diesem Punkt werden alle Kosten gedeckt und man beginnt, buchhalterischen Gewinn zu machen.
Cash Point: Im Unterschied zum BEP ist dies der Punkt, bei dem nur alle zahlungswirksamen Kosten gedeckt sind. Zahlungsunwirksame Kosten (wie z. B. Abschreibungen, bei denen kein Geld vom Konto abfließt) werden hier ignoriert.
Daher wird der Cash Point deutlich früher erreicht als der BEP. Er ermittelt die benötigte Absatzmenge, die man zwingend absetzen muss, um kurzfristig liquide zu bleiben.
Zahlungsunwirksam (Gewinn wird verschmälert, aber noch kein Geld geflossen).
(Erläuterung: Der BEP ist das Ziel für die Bilanz – ab hier ist man profitabel. Der Cash Point ist das absolute Überlebens-Minimum: Ab hier hat man zumindest genug echte Geldscheine in der Kasse, um Rechnungen zu bezahlen und nicht sofort pleite zu gehen, selbst wenn man auf dem Papier (wegen der Abschreibungen) noch Verlust macht.)
Mögliche Rechenaufgabe: Eigenkapitalrentabilität, Eigenkapitalquote, Fremdkapitalrentabilität, statischer Verschuldungsgrad, Thesaurierungsquote. (Am Ende die Lösung interpretieren.)
• Eigenkapitalrentabilität (Gewinn / Eigenkapital):
• Zeigt: Zeigt Verzinsung des eigenen eingesetzten Geldes.
• Regel: Je höher, desto besser für die Investoren.
• Eigenkapitalquote (Eigenkapital / Gesamtkapital):
• Zeigt: Finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit.
• Regel: Je höher, desto krisenfester (Haftungspuffer).
• Fremdkapitalrentabilität (Fremdkapitalzinsen / Fremdkapital):
• Zeigt: Durchschnittliche Kosten der Schulden.
• Regel: Niedriger Wert = günstige Verschuldung (z.B. bei Banken).
• Statischer Verschuldungsgrad (Fremdkapital / Eigenkapital):
• Zeigt: Finanzielles Risiko.
• Regel: Wert > 1 (bzw. > 100 %) = Unternehmen ist stark fremdfinanziert (mehr Schulden als eigenes Geld).
• Thesaurierungsquote (Einbehaltener Gewinn / Jahresüberschuss):
• Zeigt: prozentuellen Anteil des Gewinns, der im Unternehmen bleibt (für Selbstfinanzierung) und nicht ausgeschüttet wird. $$
Welche Typen der Innenfinanzierung kennen Sie?
• Selbstfinanzierung (Gewinnthesaurierung).
• Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten.
• Finanzierung aus Rückstellungsgegenwerten.
• (Diese ersten drei nennt man auch "Finanzierung aus Umsatz").
• Finanzierung aus Kapitalfreisetzungen (aus Vermögensumschichtung).
• (Erläuterung: Bei der Innenfinanzierung beschafft sich die Firma das Geld nicht von außen (Bank/Aktionäre), sondern generiert es "aus eigener Tasche" aus dem laufenden Geschäftsprozess.) $$
Was versteht man unter Selbstfinanzierung bzw. Gewinnthesaurierung?
Der Effekt besteht darin, dass im Unternehmen Gewinne entstehen und diese zumindest teilweise in der Firma verbleiben (sie werden nicht ausgeschüttet).
Die Gewinne können in Rücklagen umgewandelt werden oder als Jahresüberschuss im Unternehmen verbleiben. Es gibt offene (bilanziell ausgewiesene) und stille Selbstfinanzierung (stille Reserven).
Unternehmen sind teilweise durch den Gesellschaftsvertrag oder das Aktienrecht gesetzlich zur Bildung von Rücklagen gezwungen.
Vorteile: Das Geld ist sofort verfügbar und es gibt keine Liquiditätsbelastung (keine Zinsen oder Tilgungen).
Nachteile: Gewinne sind schlecht planbar und begrenzt. Zudem ist es unattraktiv für Eigenkapitalgeber, die eigentlich regelmäßige Ausschüttungen (Dividenden) sehen wollen.
(Erläuterung: Das Unternehmen legt sich seinen eigenen Gewinn als Sparguthaben zur Seite, anstatt ihn an die Chefs/Aktionäre auszuzahlen. Das stärkt die Firma, verärgert aber oft die Geldgeber.)
Was versteht man unter Abschreibungsfinanzierung?
Abschreibungen berücksichtigen den Werteverzehr von abnutzbaren Anlagen (z.B. Maschinen) in der Buchhaltung. Sie sind Aufwand und mindern den Gewinn, sind aber keine Auszahlung (rein buchhalterisch).
Werden diese Abschreibungen als Kosten in die Verkaufspreise einkalkuliert (und am Markt durchgesetzt), fließen sie der Firma über den Umsatz als echte liquide Mittel wieder zu.
Dieser Mittelzufluss kann dann für andere Investitionen genutzt werden oder angespart werden, um am Ende der Nutzungsdauer die alte Maschine ersetzen zu können.
Voraussetzungen (Folie 40): Der Effekt funktioniert nur, wenn die Abschreibungen in die Verkaufspreise einkalkuliert sind, diese Preise am Markt auch tatsächlich durchgesetzt werden können und die Kunden die Rechnungen bezahlen (Einzahlungen entstehen).
Vorteile: Keine Zins- oder Tilgungsbelastung (unabhängig von Banken).
Nachteile: Streng abhängig von der Marktsituation (wenn Kunden den Preis nicht zahlen, verpufft der Effekt).
(Erläuterung: Wenn ich ein Auto für 10.000 € kaufe und es jedes Jahr 1.000 € an Wert verliert, buche ich 1.000 € Verlust. Mein Konto wird aber nicht um 1.000 € leerer. Wenn ich diese 1.000 € "Verlust" als Kosten in meine Produktpreise
Was versteht man unter Rückstellungsfinanzierung?
Rückstellungen werden für Schulden gebildet, deren exakte Höhe oder Fälligkeitsdatum noch ungewiss sind (z. B. Pensionszahlungen oder drohende Steuern).
Dabei wird sofort ein Aufwand gebucht (der den Gewinn und somit die aktuelle Steuerlast mindert), aber es erfolgt noch keine echte Auszahlung. Das Geld bleibt vorerst in der Kasse.
Je größer der zeitliche Abstand zwischen der Bildung der Rückstellung und der tatsächlichen Zahlung, desto größer ist dieser Finanzierungseffekt. (Meist sind sie kurzfristig, Ausnahme: Pensionsrückstellungen).
Vorteile: Zinsloser "Kredit" vom Finanzamt (Steuerstundungseffekt), wodurch liquide Mittel vorübergehend im Unternehmen bleiben und arbeiten können.
Nachteile: Das Geld steht nicht unbegrenzt zur Verfügung (zweckgebunden). Wenn der Grund für die Rückstellung eintritt, kommt es unweigerlich zu einem plötzlichen Liquiditätsabfluss.
(Erläuterung: Ich weiß, dass ich nächstes Jahr wahrscheinlich 50.000 € Steuern nachzahlen muss. Ich trage den Verlust heute schon ein, spare dadurch heute Steuern und behalte das Geld bis zur endgültigen Überweisung zinslos auf meinem Konto, um damit arbeiten zu können (Steuerstundungseffekt).)
Was versteht man unter Kapitalfreisetzung? Nennen Sie jeweils Vor- und Nachteile.
• Kapitalfreisetzung resultiert aus der Reduzierung der bilanziellen Aktiva (Gegenteil von Kapitalbindung).
• Maßnahmen sind z. B.:
• Verkauf von nicht-betriebsnotwendigem Vermögen ("Notverkäufe"), Sale-and-Lease-back, Outsourcing, Rationalisierung von Lagerbeständen (Just in Time).
• Vorteile: Maßnahmen generieren sehr kurzfristig neue Liquidität (z.B. in Krisensituationen) und sparen Lager- oder Instandhaltungskosten.
• Nachteile: (Ergänzung zur Recherche-Aufgabe auf Folie 49): Bei Notverkäufen erzielt man oft schlechte Preise (unter Wert); Durch Sale-and-Lease-back oder Outsourcing begibt man sich in starke Abhängigkeit von externen Dienstleistern.
• (Erläuterung: Die Firma durchsucht den eigenen Keller nach Dingen, die totes Kapital binden. Man verkauft die alte Lagerhalle oder das ungenutzte Dienstauto, um schnell an Bargeld zu kommen.)
Was versteht man unter Eigenkapital und Fremdkapital? Erläutern Sie die jeweiligen Vor- und Nachteile.
• Eigenkapital (EK): Geld der Eigentümer/Gesellschafter
• Vorteile: steht dem Unternehmen unbefristet zur Verfügung; keine Insolvenzgefahr durch feste Rückzahlungen; keine Zinsbelastung; stärkt die Kreditwürdigkeit (Krisenpuffer).
• Nachteile: EK ist sehr teuer (Eigentümer erwarten meist hohe Rendite/Gewinnbeteiligung); neue Eigenkapitalgeber fordern oft Mitspracherechte in der Firma.
• Fremdkapital (FK): geliehenes Geld von Gläubigern (z. B. Bankkredite) (befristet)
• Vorteile: FK ist günstiger als EK (niedrigere Zinsen); Zinsen sind steuerlich absetzbar; Banken erhalten keine Mitspracherechte
• Nachteile: Zinsen und Tilgungen müssen zwingend gezahlt werden (egal ob die Firma Gewinn macht oder nicht) – bei Nichtzahlung droht sofort die Insolvenz; die Laufzeit ist befristet.
• (Erläuterung: Eigenkapital ist wie ein treuer Partner: Er will zwar viel vom Gewinn abhaben und mitreden, bleibt aber auch in Krisen an deiner Seite. Fremdkapital ist wie ein strenger Vermieter: Er mischt sich nicht in dein Leben ein und ist billiger, wirft dich aber sofort raus, wenn du die monatliche Rate nicht pünktlich zahlst.)