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Welche externen Einflüsse zwingen Unternehmen zum Umdenken in Bezug auf Nachhaltigkeit?
Unternehmen werden durch globale Megakräfte beeinflusst, die sich in Preisveränderungen und erhöhter Preisvolatilität (z.B. Rohstoffe, Energie, Abfallentsorgung), neuen Regulierungen, Auflagen, Steuern und Abgaben sowie physischen und Wetterveränderungen manifestieren. Auch verändertes Verbraucherverhalten, notwendige Anpassungen der Geschäftsmodelle und Ressourcenknappheit in der Produktion spielen eine Rolle.
Wie hat sich die Anzahl der klimawandelbezogenen Gesetzgebungen seit 1997 entwickelt?
Eine Studie des Grantham Research Institute an der London School of Economics aus dem Jahr 2015 ergab, dass sich die Anzahl der klimawandelbezogenen Gesetzgebungen seit 1997 alle fünf Jahre verdoppelt hat.
Welche kurzfristigen externen Einflüsse sind für Unternehmen besonders spürbar?
Kurzfristig sind für Unternehmen insbesondere Preisveränderungen und eine erhöhte Preisvolatilität spürbar, verstärkt durch Ressourcenknappheit und steigende Nachfrage. Die Preisvolatilität von Rohstoffen ist seit den 1990er-Jahren um etwa 40 % gestiegen, und auch die Energiekosten steigen kontinuierlich.
Welche Risiken ergeben sich für Unternehmen aus dem globalen Transformationsprozess?
Aus dem globalen Transformationsprozess ergeben sich Risiken unterschiedlicher Natur, die eng miteinander verknüpft sein können. Dazu gehören Rechtsstreitigkeiten und Prozessrisiken (z.B. bei Nichteinhaltung regulatorischer Umweltvorgaben), Reputationsrisiken (verstärkt durch neue Kommunikationstechnologien und soziale Netzwerke), Marktrisiken, soziale Risiken und die Gefährdung der Fähigkeit, talentierte Mitarbeiter zu rekrutieren und zu binden.
Welche Risiken fürchten Vorstände am meisten und warum?
Vorstände fürchten am meisten die sogenannten Reputationsrisiken. Durch neue Kommunikationstechnologien und die allgegenwärtige Vernetzung kann jeder zum unmittelbaren Reporter werden, der Nachrichten ungefiltert und in Echtzeit in sozialen Netzwerken verbreitet. Dies erhöht den Druck auf Unternehmen und kann Produkte, Dienstleistungen und Marken negativ beeinflussen, Absatzmärkte beeinträchtigen und die Mitarbeitergewinnung gefährden.
Welche Chancen ergeben sich für Unternehmen aus dem globalen Transformationsprozess?
Unternehmen können kurzfristige Gewinne durch Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerung erzielen, beispielsweise durch einen verringerten Verbrauch von Energie und Rohstoffen. Zudem können sie Wettbewerbsvorteile durch Innovationsprozesse, neue Dienstleistungen, Produkte und Märkte sowie die Veränderung oder Neuerfindung von Geschäftsmodellen erarbeiten. Ein nachhaltig ausgerichtetes Risikomanagement kann den Zugang zu Kapital erleichtern, und eine ganzheitliche Unternehmensführung stärkt die Zukunftsfähigkeit sowie immaterielle Vermögenswerte wie Image und Marke.
Wie hat sich der Schwerpunkt der Unternehmensführung bis in die 1980er-Jahre entwickelt?
Bis in die 1980er-Jahre lag der Schwerpunkt der Unternehmensführung in erster Linie auf Kosteneinsparungen und -minimierung.
Was kennzeichnete den Ansatz des Shareholder Value in den 1990er-Jahren?
In den 1990er-Jahren setzte sich der Shareholder-Value-Ansatz durch, der zusätzlich zum Kostenmanagement neue Kennzahlen einführte. Der Fokus lag auf der Optimierung der Steuerlast und dem Wertbeitrag für die Anteilseigner, oft mit dem Ziel kurzfristiger Erfolge und positiver Steuerungskennzahlen zur Beeinflussung des Aktienkurses.
Welche Kritik wird an den Steuersparmodellen und dem kurzfristigen Denken der 1990er-Jahre geübt?
Die Steuersparmodelle und das kurzfristige Denken der 1990er-Jahre stehen heute stark in der Kritik. Steueroptimierung ist nur bis zu einer gesellschaftlich-ethischen Grenze akzeptabel. Auch die Debatte um Managergehälter im Spannungsfeld zwischen unternehmerischer Freiheit und der gesellschaftlichen Schere zwischen Arm und Reich ist ein Kritikpunkt.
Wann begann die neue Ära der Corporate Governance und was kennzeichnete sie?
Die neue Ära der Corporate Governance begann mit der Jahrhundertwende, wobei der Siemens-Korruptionsskandal als Zäsur fungierte. Es wurden neue Gesetze für mehr Transparenz, neue Standards und ein neues Bewusstsein für Werte, Ethik und Risikomanagement eingeführt. Dieser Trend wurde durch ökologische und gesellschaftliche Aspekte, Compliance und die Berücksichtigung aller Stakeholderinteressen ergänzt.
Was rückt in der modernen Unternehmensführung in den Mittelpunkt?
In der modernen Unternehmensführung rückt die Verantwortung des Unternehmens für sein Tun und die Auswirkungen der geschäftlichen Tätigkeit auf das unternehmerische Umfeld in den Mittelpunkt. Manche Unternehmen fragen sogar nach dem Sinn und Zweck (Purpose) des Unternehmens und dem sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Nutzen.
Wie wird Nachhaltigkeit heute im unternehmerischen Kontext verstanden?
Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext bedeutet, Gewinne grundsätzlich umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften. Es geht darum, ökologische, soziale und ethische Grundprinzipien in die ökonomische Entscheidungsfindung einzubeziehen, sich der Auswirkungen des eigenen Handelns bewusst zu sein und dafür Verantwortung zu tragen. Unternehmen müssen die Erwartungen ihrer Stakeholder kennen und berücksichtigen.
Was ist der Unterschied zwischen dem Shareholder-Value-Prinzip und dem Stakeholder-Value-Prinzip?
Das Shareholder-Value-Prinzip verpflichtet Unternehmen, nur ihren Anteilseignern gegenüber verantwortlich zu sein und deren Gewinn zu maximieren. Das Stakeholder-Value-Prinzip hingegen bedeutet, dass das Unternehmen Wert für alle Anspruchsgruppen im direkten oder indirekten Umfeld schafft, einschließlich Kunden, Mitarbeitern, Zulieferern, Gemeinden und Aktionären.
Welches Beispiel verdeutlicht die Forderung nach einem gerechteren Kapitalismus?
Ein jüngstes Beispiel ist der US-amerikanische Verband der Unternehmenslenker „Business Round Table“, dem Persönlichkeiten wie Jamie Dimon, Jeff Bezos und Tim Cook angehören. Sie fühlen sich nicht mehr nur der Gewinnmaximierung für Aktionäre verpflichtet, sondern in der Verantwortung gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Zulieferern, Gemeinden und Aktionären.
Was ist die Basis eines systematischen Nachhaltigkeitsansatzes für Unternehmen?
Die Basis eines systematischen Nachhaltigkeitsansatzes ist ein klares Verständnis, welchen Mehrwert das Unternehmen für die Volkswirtschaft und die Gesellschaft schafft und wo die eigentliche Wertschöpfung stattfindet. Dies erfordert eine umfassende Analyse des Wirkens des Unternehmens über die eigenen Aktivitäten hinaus, über die gesamte Lieferkette und den gesamten Lebenszyklus seiner Produkte und Dienstleistungen.
Welche Vorteile bietet eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Wertschöpfungskette im Rahmen der Nachhaltigkeit?
Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Wertschöpfungskette ermöglicht es Unternehmen, negative und positive Einflüsse zu erkennen, diese gezielt zu steuern und Maßnahmen für eine nachhaltige Gesamtentwicklung einzuleiten. Dies kann kurzfristig Kosten reduzieren, ein enormes Innovationspotenzial entfalten sowie Risiken erkennen und neu bewerten.