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Was ist eine Einstellung und wie wird sie im Beispiel The Human Jungle gezeigt?
Eine Einstellung ist eine ununterbrochene Aufnahme ohne Schnitt.
Im Film The Human Jungle (Joseph M. Newman, 1954) zeigt eine Einstellung eine Szene, in der eine Frau im Sessel sitzt, ein Mann durch die Tür eintritt, sich ihr nähert, ihre Sorge kurz wertschätzt und dann weiter in den Raum geht, während er von seiner Arbeit erzählt. Die Frau steht schließlich auf und folgt ihm. Die Szene verdeutlicht, wie Bedeutung innerhalb einer einzelnen Einstellung entsteht.
Wie zeigen sich geschlechtsspezifische Blickwinkel in der Szene?
Die Szene zeigt typische geschlechtsspezifische Inszenierungen:
– Die Frau folgt dem Mann auf Schritt und Tritt
– Die Kamera folgt dem erzählenden Mann in der nächsten Einstellung
– In Piece Touchee wird diese Dynamik extrem und komisch zusammengeschnitten
→ Dadurch wird sichtbar, wie Film Blickführung, Macht und Rollenbilder vermittelt.
Was bedeutet der Begriff Diegese?
Diegese ist ein Begriff aus der Erzähltheorie und bezeichnet die erzählte Welt eines Films, Buches oder Spiels – also alles, was innerhalb der Filmwelt existiert (Figuren, Geräusche, Räume, Handlungen).
Wie versteht David Bordwell Filmgeschichte?
Bordwell versteht Filmgeschichte nicht als lineare Entwicklung von Montagetechniken, sondern als Geschichte von Problemlösungen und ästhetischen Strategien. Zentrale Frage ist, wie Filme den Informationsfluss und die Aufmerksamkeit der Zuschauer steuern.
Welche zwei Montageformen unterscheidet Bordwell?
Analytische Montage der klassischen Hollywood-Continuity: zergliedert Szenen für narrative Klarheit
Konstruktive Montage der sowjetischen Schule: Zuschauer setzt Raum aus einzelnen Ausschnitten selbst zusammen
Warum ist für Bordwell jede einzelne Einstellung wichtig?
Jede Einstellung zeigt, wie Filme funktionieren. Filmgeschichte soll daher Filmstile und kulturelle Praktiken untersuchen, z. B. Kameraarbeit, Mise-en-scène, Narration oder Genre-Konventionen – nicht nur den Schnitt.
Welche Montageformen gehören zur filmischen „Grammatik“?
In der Stummfilmzeit wurde die grundlegende „Grammatik“ des Films entwickelt, also die Regeln,
nach denen Filme Bedeutung erzeugen. Dazu gehören verschiedene Montageformen:
• Analytische Montage: Eine Szene wird in mehrere Einstellungen zergliedert, um die narrative
Klarheit zu steigern; Weiterentwicklung der Kontinuitätsmontage.
• Alternierende bzw. Parallelmontage: Zwei oder mehr Handlungen an unterschiedlichen
Orten werden zusammengeschnitten, um Gleichzeitigkeit darzustellen (Cross-Cutting).
• Konstruktive Montage: Zeigt nicht das Ganze, sondern einzelne Nah- oder Detailaufnahmen;
Szenen werden aus Teilen zusammengesetzt, wodurch im Kopf des Zuschauers eine neue, oft
symbolische Bedeutung entsteht.
• Intellektuelle Montage: Ziel ist nicht die Handlung, sondern die Darstellung einer Idee oder
eines Konzepts.
• Kontinuitätsmontage: Stellt räumlich-zeitliche Logik her, z. B. durch Match-on-Action oder
Shot/Reverse-Shot, und verbindet verschiedene Einstellungen desselben Raums.
• Linked Tableaux: Figuren verlassen einen Raum und betreten einen neuen; Räume werden
durch Montage verbunden.
• Point-of-View-Strukturen: Einsatz subjektiver Kamera und Blickachsen, um Perspektive und
Wahrnehmung der Figuren zu vermitteln
Wie entwickelte sich filmische Narration?
Frühe Filme (Lumière, Méliès) waren nicht narrativ, sondern Attraktionen oder Tableaus.
Mit Porter und Griffith entstand die klassische Narration:
– kausal-logische Handlung
– psychologisch motivierte Figuren
– klare Raum-Zeit-Struktur
→ Grundlage des classical Hollywood cinema.
Welche Bedeutung hat die Einführung des Tons?
Die Einführung des Tons führte zu einer medialen Transformation: Schauspielstil, Kameraarbeit und Montage veränderten sich, und die Wahrnehmung verlagerte sich von visuell zu audiovisuell. (Bordwell)
Was kennzeichnet Bordwells theoretischen Ansatz?
David Bordwell verfolgt einen neoformalistisch-funktionalen Ansatz. Filmgeschichte wird als Systementwicklung verstanden, in der technische, ökonomische und ästhetische Faktoren zusammenwirken. Ideologische oder rein technologische Erklärungen lehnt er ab.
Welche filmwissenschaftlichen Kategorien sind zentral?
Zentrale Kategorien sind Narration, Montage und Mise-en-scène.
Wichtige Fachbegriffe: Schnitt, Sound (Musik, Geräusche, Dialoge), Schauspiel, Licht, Kostüm, Bühnenbild, Setdesign, Kameraperspektive und Kameraposition. Filmfiguren existieren als eigenständige Figuren im Medium Film. (Bordwell)
Was bedeutet Staging im Film nach David Bordwell?
Staging ist für David Bordwell eine grundlegende Technik der filmischen Inszenierung und geht weit über das bloße Platzieren von Schauspielern hinaus. Es bezeichnet die bewusste Anordnung und Bewegung von Figuren und Objekten innerhalb eines ungeschnittenen Bildes, also innerhalb der Mise-en-scène.
Durch Staging lenkt der Regisseur die visuelle Aufmerksamkeit der Zuschauer, ohne zu schneiden. Dazu gehören Positionen im Raum, Bewegungsrichtungen, Blickachsen, Gestik sowie das Verhältnis der Figuren zueinander. Staging kann Machtverhältnisse, soziale Nähe oder Distanz und emotionale Spannungen sichtbar machen.
Was ist Staging in depth und warum ist es wichtig?
Staging in depth (Tiefeninszenierung) ist eine besondere Form des Stagings, bei der Handlungselemente gleichzeitig auf mehreren Tiefenebenen des Bildes stattfinden – im Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
Nach David Bordwell ermöglicht diese Technik visuelle Komplexität, ohne den Zuschauer zu überfordern. Der Blick wird gezielt geführt, während mehrere Informationen parallel sichtbar bleiben.
Im Unterschied zur Montage, die Bedeutung durch die Abfolge von Bildern erzeugt, strukturiert Staging in depth Bedeutung innerhalb eines einzelnen Bildes.
Welche Filmtheorien nutzt David Bordwell und wozu?
David Bordwell bezieht sich auf drei zentrale theoretische Ansätze:
– Narratologische Filmtheorie: untersucht, was erzählt wird, wie erzählt wird und wer erzählt; analysiert das Zusammenspiel von Inhalt und Form
– Kognitivistische Filmtheorie: betrachtet die mentale Interaktion zwischen Zuschauer und Film und erklärt Wahrnehmung, Verstehen und emotionale Reaktionen
– Neoformalistische Filmtheorie: analysiert Filme objektiv anhand formaler und stilistischer Merkmale
Bordwell kombiniert diese Ansätze, um zu zeigen, wie formale Entscheidungen die Wahrnehmung und das Verstehen von Filmen steuern – ohne ideologische Deutungen aufzuzwingen.
Welche Funktion haben visuelle Techniken im Film nach Bordwell?
Für David Bordwell sind visuelle Techniken keine bloßen ästhetischen Verzierungen, sondern analytische Parameter mit klarer Funktion. Sie steuern die Aufmerksamkeit der Zuschauer, machen Handlung verständlich und erzeugen emotionale Beteiligung.
Der Fokus liegt nicht auf der Interpretation von Bedeutung, sondern darauf, wie filmische Mittel kognitiv verarbeitet werden. Filmgeschichte versteht Bordwell daher als Geschichte der Lösungen für das Aufmerksamkeitsproblem: Jede Technik – insbesondere Montage und Staging – dient pragmatisch der Wahrnehmungslenkung.
Wie strukturieren Raum, Bewegung, Framing und Perspektive das Bild nach Chris Ware?
Nach Chris Ware beeinflussen formale Bildentscheidungen maßgeblich die Wahrnehmung:
– Tiefenraum (deep space) betont räumliche Tiefe durch Perspektive, Tiefenschärfe, Diagonalen sowie Vorder-, Mittel- und Hintergrund
– Flächenraum (flat space) reduziert Tiefe durch frontale Anordnung, flache Hintergründe, geringe Tiefenschärfe und Muster, wodurch das Bild zweidimensional wirkt
– Figuren- und Objektbewegung lenkt den Blick und gibt Orientierung
– Kamerabewegung (Schwenk, Fahrt, Zoom) strukturiert den Raum und führt Aufmerksamkeit
Framing und Perspektiven
Wahl des Bildausschnitts (framing)
Der Bildausschnitt definiert, welche Informationen zugänglich sind, und ist deshalb
ein erzählerisches Werkzeug, nicht nur ein ästhetisches.
• Framing steuert Aufmerksamkeit
• Framing = Entscheidungsinstanz für Klarheit des klassischen Hollywoodstils
• Detailaufnahme – isoliert Detail aus dem Geschehen
• Großaufnahme – fokussiert auf Gesicht, Mimik detailliert zeigen – Intimität, Fremdheit
• Nahaufnahme – reicht bis zur Brust, Mimik mit leichter Gestik oder Umgebung
• Halbnah – bis zur Taille/ Gürtellinie, Gespräche mit Gestik
• Amerikanische – bis zu den Knien, aus dem Western, ein wenig mehr als die Halbnahe
• Halbtotale – ganzer Körper in Aktion
• Totale – Figuren erkennbar, Fokus auf Umgebung
• Panorama – Figuren kaum erkennbar (Punkte), priorisiert Landschaft/ Masse
• Split Screens
Normalsicht (eye level shot) -> Kamera befindet sich auf Augenhöhe der Figuren
Untersicht (low angle shot) / Extreme Untersicht auch Froschperspektive -> Das Gezeigte wird von
unten her aufgenommen
Aufsicht/high angle / Extreme Aufsicht auch Vogelperspektive -> Kamera schaut von einem erhöhten
Standpunkt auf das Geschehen