Schichtmodelle in Verbindung mit Prestige & Status

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Prestige & Status - Grundlagen - zentrale Frage

- In den 1950er/60ern prägten Prestigemodelle die sozialwiss. Ungleichheitsforschung

Zentrale Frage: kann soziale Ungleichheit über das gesellschaftliche Ansehen (Prestige) und den soz. Status beschrieben werden?

-> Fokus verschiebt sich von Eigentum & Klassenkonflikten (Klassenmodelle) hin zur gesell. Stellung & Wertschätzung soz. Positionen

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Prestige

= die gesell. Wertschätzung, die Personen oder Gruppen aufgrund ihres soz. Status genießen

 -> entscheidend: nicht persönl. Ansehen d. einzelnen Person, sondern das gesell. Ansehen einer sozialen Position oder eines Berufs

besitzt eine objektive & eine subjektive Seite

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Objektive Seite (Prestige)

= Bestimmte Berufe oder Positionen genießen gesell. mehr oder weniger Ansehen & sind entsprechend ungleich verteilt

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subjektive Seite (Prestige)

= Prestige entsteht durch gesell. Bewertungen -> anders als Einkommen lässt es sich deshalb nicht einfach in einer objektiven Maßeinheit ausdrücken

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doppelte Bedeutung von Prestige

Objektive Seite = Bestimmte Berufe oder Positionen genießen gesell. mehr oder weniger Ansehen & sind entsprechend ungleich verteilt

Subjektive Seite = Prestige entsteht durch gesell. Bewertungen -> anders als Einkommen lässt es sich deshalb nicht einfach in einer objektiven Maßeinheit ausdrücken

Wegener verbindet beide Perspektiven -> Prestige ist einerseits das Ergebnis individueller Bewertungen, andererseits Ausdruck gesell. Strukturen => Individuelle Bewertungen spiegeln somit zugleich gesell. Ungleichheiten wieder

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Status

= allgemein die Stellung einer Person, innerhalb einer soz. Hierarchie -> kann sich auf verschiedene Merkmale beziehen, z.B. Beruf, Einkommen, Besitz, Macht, Bildung

-> Status ist gesellschaftlich & historisch veränderlich -> welche Merkmale als Statussymbol gelten, kann sich verändern (Bsp. Abi immer erreichbarer, verliert Exklusivität & damit möglw. Statuswert)

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Zusammenhang Prestige/ Status

=> Prestige kann also eine Grundlage von Status, ist aber nicht mit Status gleichzusetzen

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Statusinkonsistenz

Menschen können in verschiedenen Bereichen gleichzeitig unterschiedl. Statuslagen besitzen  -> Die Positionen auf verschiedenen Statusdimensionen weichen deutlich voneinander ab.  (bsp. hohes Einkommen, aber niedriger Bildungsabschluss oder hohe Bildung + hohes berufl. Prestige, aber niedriges Einkommen)

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Statuskonsistenz

Eine Person hat auf verschiedenen Statusdimensionen eine ähnlich hohe/niedrige Position. → z. B. hohes Einkommen + hohe Bildung + hohes berufliches Prestige.

Merksatz:
konsistent = Statusmerkmale passen zusammen
inkonsistent = Statusmerkmale widersprechen sich

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Verhältnis zu anderen Ansätzen

Weber = gesell. Ansehen spielt wichtige Rolle, insb. beim Begriff des Standes => Prestigemodelle greifen diesen Gedanken auf & versuchen, soz. Stellung empirisch über Prestige & Status zu erfassen

Marx = erklärt Ungleichheit v.a. über Eigentum & Klassenverhältnisse => Prestigemodelle richten Block dagegen auf gesell. Wertschätzung & Status

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Grundidee → Moore & Kleining → soz. Selbsteinstufung

-> Moore & Kleining -> versuchen Bevölkerung anhand der sozialen Selbsteinstufung (SSE) in soziale Schichten einzuordnen -> insb. Beruf im Mittelpunkt

-> Beruf als wichtigstes Merkmal zur Bestimmung der sozialen Schicht => die Schichtzugehörigkeit wird daher nicht primär über Einkommen/ Vermögen bestimmt => Beruf gilt als Ausdruck der gesell. Stellung

Besonderheit des Modells: Annahme, dass die Familie die kleinste gesell. Einheit bildet

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Methode: Soziale Selbsteinstufung (SSE)

-> die Befragten erhalten Liste mit 9 Berufsgruppen & ordnen sich selbst der Gruppe zu, die ihrem eigenen Beruf am nächsten kommt (die Berufsgruppen wurden auf Grundlage eigener Untersuchungen & Studien von Warner entwickelt)

-> aus dieser Selbsteinstufung wird anschließend die soz. Schicht abgeleitet

Ablauf: Beruf der Person -> Selbsteinstufung in eine Berufsgruppe -> Zuordnung zu einer sozialen Schicht

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SSE (M&K)

Soziale Selbsteinstufung

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Schicht als umfassendes Lebensmuster (M&K_SSE)

Moore & Kleining verstehen Schichtzugehörigkeit nicht nur als berufl. Einordnung

=> Menschen derselben Schicht ähneln sich ihrer Auffassung nach häufig auch hinsichtlich Familienleben, Kindererziehung, Konsum, Meinungen, Kleidung & Sprache => Die Schicht beeinflusst damit den gesamten Lebensstil

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Familie als Schichteinheit (M&K) SSE

Besonderheit des Modells: Annahme, dass die Familie die kleinste gesell. Einheit bildet -> deshalb wird die Schicht über den Beruf des Mannes bestimmt & diese Einstufung auf Frau & Kinder übertragen

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Ergebnis SSE → breite gesell. Mitte (M&K)

-> Moore & Kleining kommen zu Ergebnis: deutsche Gesellschaft weist keine extremen Gegensätze auf, sondern ist durch eine breite gesell Mitte geprägt => breite Mitte

=> Besonders groß: untere Mittelschicht & obere Unterschicht (zusammen 58% der Bevölkerung)

- Ähnl. Ergebnisse bei amerik. Untersuchung von Warner -> führen Moore & Kleining auf gemeinsame Merkmale typischer Industriegesellschaften zurück, Deutschland aber etwas stärker ausdifferenziert -> Wiederholungen bis in 1970er -> weitgehend stabile Ergebnisse

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Zentrale Aussagen (M&K-SSE)

Beruf → Schichtzugehörigkeit: Beruf ist das wichtigste Merkmal zur Bestimmung einer Schicht

SSE → Schichtzuordnung: Die Befragten ordnen sich selbst einer Berufsgruppe zu

Schicht → Lebensweise: Schichten unterscheiden sich auch hinsichtl. Einstellung, Sprache, Konsum & Familienleben

Breite Mitte → die Gesellschaft erscheint als stark von mittleren Schichten geprägt

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Verhältnis zu anderen Ansätzen (M&K-SSE)

Prestigemodelle: M&K setzen die Grundidee der gesell. Bewertung von Berufen empirisch um -> nicht Einkommen oder Vermögen stehen im Mittelpunkt, sondern die gesell. Stellung von Berufsgruppen

Weber: M&K verbinden, wie Weber, Berufe mit gesell. Stellung -> Weber erfasst dies theoretisch über den Stand -> Moore & Kleining versuchen diese Stellung empirisch zu erfassen

Marx: Marx erklärt Ungleichheit über Klassen & Eigentumsverhältnisse -> M&K beschreiben die Gesellschaft als Schichtgefüge unterschiedl. Berufsgruppen & gesell. Wertschätzung

=> M&K-Modell beschreibt v.a. die Gliederung der Gesellschaft, nicht primär die Ursachen soz. Ungleichheit oder gesell. Konflikte

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Grundidee → Scheuch - Indexbildung

-> 1961 entwickelt -> weiteres bedeutendes Prestigemodell der deutschen Schichtungsforschung

-> Scheuch versucht Prestige mithilfe eines Indexes zu messen -> dazu mehrere Merkmale bewertet & zu einem Gesamtwert zusammengefasst

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Prestigeindex (Scheuch)

-> Scheuch wollte Prestige möglichst objektiv messbar machen -> Unterschied zu SSE -> Wert wird von den Forschenden berechnet

-> Überlegung: Wenn bestimmte Merkmale mit gesell. Ansehen zusammenhängen, können sie mit Punkten bewertet & zu einem Gesamtwert kombiniert werden - Merkmale: insb. Bildung, Beruf & Einkommen

-> die einzelnen Merkmale erhalten Punktwerte, die anschließend addiert werden => höherer Gesamtwert = höheres Prestige  

(ursprünglich 9 Variablen → später vereinfacht auf 3 zentrale Merkmale: Schulbildung + Beruf + EInkommen → Prestigeindex)

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Bedeutung von Prestige (Scheuch)

Scheuch betrachtet Prestige als wichtigen Zugang zur Erklärung soz. Ungleichheit

-> es macht sichtbar, wie die Gesellschaft hierarchisch aufgebaut ist & welche soz. Positionen höher oder niedriger bewertet werden

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Zentrale Unterschiede Scheuch-Moore & Kleining

Wesentlicher Unterschied = die Methode

Moore & Kleining -> soz. Selbsteinstufung: Die Befragten ordnen sich selbst einer Berufsgruppe zu

Scheuch -> Indexbildung: Verschiedene Merkmale werden mit Punkten bewertet & zu einem Prestige-Gesamtwert zusammengefasst

=> Scheuch versucht, Prestige stärker standardisiert & messbar zu erfassen

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Ergebnisse - Scheuch

Durch die Indexbildung lassen sich Personen anhand ihres sozialen Prestiges hierarchisch zu Schichten ordnen.
→ Dabei zeigte sich eine hierarchische Struktur mit mehreren Prestige-/Statuslagen, statt klar voneinander abgegrenzter Klassen.

Für die Klausur wichtiger: Scheuch gehört damit zu den Ansätzen, die soziale Schichtung über Status/Prestige und nicht primär über Eigentum oder Klassenlage erfassen.

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Bolte Zwiebelmodell Grundidee

-> Bolte entwickelte 1967 mit dem Zwiebelmodell eines der bekannten deutschen Schichtmodelle

-> knüpft an Prestigemodelle von Moore & Kleining sowie Scheuch an -> verändert aber die Darstellung der Gesellschaft: => beschreibt die bundesdeutsche Gesellschaft als Zwiebel mit einer breiten Mitte

Ausgangspunkt: gesell. Entwicklung seit dem 2.WK -> durch wirt. Wachstum & steigenden Wohlstand gehören immer mehr Menschen weder eindeutig zur Ober- noch zur Unterschicht => viele verfügen über vergleichbare Lebensstandards, Konsummöglichkeiten & Wohnverhältnisse -> dadurch werden die Unterschiede zwischen den Schichten schwächer

=> Zwiebel = nur ein bildlicher Vergleich -> in der Mitte besonders breit, nach oben & unten schmaler -> entsprechend größter Teil der Bevölkerung im mittleren Bereich, während die oberen & unteren Randgruppen kleiner sind

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Fließende Schichtgrenzen (Bolte)

Schichten -> nach Bolte keine scharf voneinander abgegrenzten Gruppen -> zwischen ihnen bestehen fließende Übergänge -> Menschen können Merkmale besitzen, die teilweise für unterschiedliche Schichten typisch sind

-> wird zugleich deutlich, dass soz. Ungleichheit nicht vollständig über eine einzige eindeutige Rangordnung erfasst werden kann

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Statusinkonsistenz - Bolte

Bolte greift Begriff der Statusinkonsistenz auf -> verschiedene Statusmerkmale einer Person müssen nicht übereinstimmen (hoher Bildungsabschluss, niedriges Einkommen)

Statusinkonsistenz zeigt -> soz. Stellung ist mehrdimensional: Bildung, Beruf & Einkommen können zu unterschiedlichen Einschätzungen der sozialen Position führen

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Gesell. Wandel - Bolte

Bolte betont -A Gesellschaften verändern sich -> Schichtmodelle beschreiben deshalb immer eine Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt & sind keine zeitlosen Abbilder der soz. Wirklichkeit => sie müssen regelmäßig überprüft & ggf. angepasst werden

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Zentrale Aussagen - Bolte

Zwiebelmodell -> Gesellschaft mit breiter Mitte & kleinen Randgruppen

Fließende Übergänge -> Schichten lassen sich nicht eindeutig voneinander abgrenzen

Statusinkonsistenzen -> Eine Person kann gleichzeitig unterschiedl., teilweise widersprüchliche Statuslagen besitzen

Zeitgebundenheit -> Schichtmodelle müssen gesell. Veränderungen berücksichtigen

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Verhältnis Bolte - andere Ansätze

Moore & Kleining > beide beschreiben eine Gesellschaft mit einer großen gesell. Mitte => Bolte geht darüber hinaus, indem er die fließenden Grenzen zwischen den Schichten betont

Scheuch -> versucht soz. Unsicherheit über einen Prestigeindex messbar zu machen => Bolte richtet Blick stärker auf die Gesamtstruktur der Gesellschaft und deren Veränderung

Weber -> wie Weber geht Bolte davon aus, dass soziale Ungleichheit mehrdimensional ist & sich nicht aus einem einzigen Merkmal ableiten lässt

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Kritik an Prestigemodellen:

-> die Modelle waren zunächst einflussreich, gerieten aber zunehmend in die Kritik, weil sie soz. Ungleichheit zwar beschreiben, ihre Ursachen & gesell. Konflikte jedoch nur begrenzt erklären => diese Kritik = Übergang zu den neomarxistischen Klassenansätzen

1. Prestige ist schwer eindeutig zu bestimmen

2. Schichtgrenzen sind unscharf

3. Gesell. Wandel

4. Ursachen soz. Ungleichheit bleiben offen

5. Konflikte spielen kaum eine Rolle

Gesamtkritik: die Kritik bedeutet nicht, dass Prestigemodelle falsch oder wertlos sind -> sie können soz. Ungleichheit & gesell. Rangordnungen beschreiben -> problematisch ist vielmehr, dass sie nur einen Teil des Phänomens erfassen & insb. die Entstehung von Ungleichheit, sowie Macht- & Konfliktverhältnisse nicht ausreichend erklären

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5 Kritikpunkte an Prestigemodellen, ausführlicher

1. Prestige ist schwer eindeutig zu bestimmen – Prestige nicht direkt beobacht-/messbar -> beruht auf gesell. Bewertungen von Berufen/ gesell. Positionen -> Bewertungen können sich verändern & zwischen verschied. Gruppen unterscheiden => Prestige bleibt in gewissem Maß subjektiv – schwer eindeutig zu bestimmen

2. Schichtgrenzen sind unscharf – Menschen oft nicht endeutig Schicht zuzuordnen -> Bildung, Einkommen, Beruf können unterschiedl. Hinweise auf soz. Stellung geben -> entstehen Statusinkonsistenzen & unscharfe Schichtgrenzen

3. Gesell. Wandel – Gesellschaften ändern sich: Beruf, Wert von Bildungsabschlüssen/ Lebensformen können sic wanden -> Schichtmodelle können nicht dauerhaft unverändert gelten -> müssen an neue gesell. Bedingungen angepasst werden

4. Ursachen soz. Ungleichheit bleiben offen – Zentraler Kritikpunkt: Prestigemodelle zeigen, wie die Gesellschaft nach Prestige & Status gegliedert ist, erklären aber nur unzureichend, warum soz. Ungleichheit entsteht

5. Konflikte spielen kaum eine Rolle – Prestigemodelle richten Schwerpunkt auf Beschreibung gesell. Unterschiede -> Machtverhältnisse, wirt. Interessen & gesell. Konflikte stehen dagegen nicht im Zentrum -> gerade diese Begrenzung trägt dazu bei, dass sich die Ungleichheitsforschung später wieder stärker Klassenansätzen zuwendet (neomarxisitische Klassenansätze)

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Verhältnis zu anderen Ansätzen -> Prestigemodelle allgemein

Marx -> fragt stärker danach, warum Klassen & soziale Schichten entstehen

Prestigemodelle-> fragen stärker danach, wie Gesellschaft nach Prestige & Status gegliedert ist

Weber -> berücksichtigt neben Klassen auch Statusgruppen & Macht

Prestigemodelle -> greifen insb. den Statusgedanken auf , übernehmen aber nicht die gesamte Mehrdimensionalität von Webers Ansatz

Bolte -> Boltes Hinweise auf fließende Schichtgrenzen & Statusinkonsistenzen zeigen bereits, warum eine eindeutige Schichtzuordnung problematisch sein kann

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IMSF

Institut für Marxistische Studien & Forschungen

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IMSF-Ansatz - Grundidee

-> die neomarxistischen Ansätze greifen zentrale Gedanken von Marx wieder auf, entwickeln sie aber für die moderne Industriegesellschaft weiter

Zentraler Perspektivwechsel:

Prestigemodelle -> gesell. Ansehen & Status

IMSF -> Stellung im Produktionsprozess

-> das ISMF geht davon aus, dass soz. Ungleichheit nicht ausreichend über Prestige & Status erklärt werden kann -> entscheidend vielmehr -> welche Stellung Menschen im Produktionsprozess einnehmen

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Klassenmodell des IMSF

- Klassen können nach IMSF objektiv bestimmt werden -> Entscheidend sind insb.: Verhältnis zu den Produktionsmitteln, Funktion im Arbeitsprozess, Stellung innerhalb der betriebl Hierarchie

- die Einteilung umfasst u.a. Bourgeoisie (Kapitalbesitzer), Kleinbourgeoisie, Arbeiterklasse & lohnabhängige Mittelschichten -> die genaue Zuordnung  richtet sich danach, welche Funktionen Personen im Produktionsprozess übernehmen & ob sie Eigentum an Produktionsmitteln besitzen

= IMSF übernimmt Marx nicht unverändert -> IMSF berücksichtigt die komplexere Sozialstruktur moderner Industriegesellschaften & führt zusätzl. Gruppen ein => das grundlegende Klassenprinzip bleibt jedoch erhalten

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Ziel des IMSF-Ansatzes:

-> will Unterschiede zwischen soz. Gruppen beschreiben und v.a. deren gesell. Ursachen erklären

-> diese Ursachen liegen lt. IMSF-Modell in der unterschiedl. Stellung der Menschen innerhalb der Produktion

-> damit versteht sich das IMSF-Modell ausdrücklich als Gegenentwurf zu Prestigemodellen


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PKA

Projekt Klassenanalyse → neomarx. Ansatz der 1970er → wendet marxist. Klassenbegriff auf die differenzierte moderne kapitalist. Gesellschaft an.

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PKA Ziel & Fokus

Ziel: die Klassenstruktur der Gesellschaft anhand der ökon. Stellung im Produktions- & Verwertungsprozess systematisch zu bestimmen.

Im Mittelpunkt: nicht gesell. Prestige oder hierarch. Schichtposition, sondern die objektiven ökon. Verhältnisse und insb. die Stellung von Personen im Produktions- und Verwertungsprozess.

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Methode des PKA (Begriff)

ökonomische Formbestimmungen

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Methode des PKA - Erklärung

Der PKA-Ansatz geht von „ökonomischen Formbestimmungen“ aus. -> Für die Klassenlage insb. entscheidend:

  • Verhältnis zu den Produktionsmitteln,

  • Verfügung über bzw. Verkauf von Arbeitskraft,

  • Stellung im Produktions- bzw. Zirkulationsprozess.

Die Klassenzugehörigkeit wird objektiv aus den objektiven ökonom. Verhältnissen bestimmt, nicht aus der subjektiven Selbsteinschätzung oder gesell. Prestige.

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Klassenstruktur des PKA (Begriffe)

  1. Bourgeoisie / Kapitalistenklasse

→ Kapitaleigentümer

→ aktive bzw. fungierende Kapitalisten

  1. Mittelklasse

→ Kleinunternehmer

→ Lohnabhängige Mittelklasse

  1. Arbeiterklasse

→ Kommerzielle Lohnarbeiter

→ Produktive Lohnarbeiter

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Klassenstruktur des PKA (Erklärung)

1. Bourgeoisie / Kapitalistenklasse -> Produktionsmittelbesitzer mit best. Mindestumfang an Produktionsmitteln, konkret mindestens vier Beschäftigten.

Unterschieden werden:

  • Kapitaleigentümer

  • aktive bzw. fungierende Kapitalisten, die die Funktion des Kapitalisten tatsächlich ausüben.

2. Mittelklasse -> Der PKA unterscheidet zwei wichtige Gruppen:

Kleinunternehmer: besitzen Produktionsmittel, erzielen aber nur geringen Profit -> nehmen dadurch Zwischenstellung ein

Lohnabhängige Mittelklasse: Arbeitnehmer bei nicht gewinnorientierten Arbeitgebern (z. B. Staat, Wohlfahrtsverbände) -> verkaufen zwar ihre Arbeitskraft, aber nicht an Kapitalisten im PKA-Sinne

3. Arbeiterklasse -> Arbeitslose & Arbeiter bei gewinnorientierten Arbeitgebern   -> Die beschäftigten Arbeiter werden unterteilt in:

Kommerzielle Lohnarbeiter: arbeiten mit bereits produzierten Waren im Zirkulationsprozess des Kapitals

Produktive Lohnarbeiter: sind direkt im Produktionsprozess tätig.

Innerhalb Arbeiterklasse außerdem hierarchische Schichtung nach Qualifikation – von einfachen Tätigkeiten über technisch-wissenschaftliche Tätigkeiten bis hin zu Leitungsfunktionen.

Wichtig: höhere Qualifikation führt beim PKA nicht automatisch zur Mittelklasse. -> auch hochqualif. Personen können der Arbeiterklasse angehören

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Klassenstruktur beim IMSF

  • Kapitalistenklasse (Bourgeoisie) → Besitzer von Produktionsmitteln, die andere Arbeitskräfte beschäftigen.

  • Selbstständige Mittelschicht / Kleinbourgeoisie → Selbstständige mit eigenen Produktionsmitteln, aber ohne die typische Stellung großer Kapitalisten. (in etwa Kleinunternehmer beim PKA)

  • Lohnabhängige Mittelklasse → abhängig Beschäftigte, die aufgrund ihrer Qualifikation, Tätigkeit und Stellung im Betrieb eine Mittelposition einnehmen.

  • Arbeiterklasse → abhängig Beschäftigte ohne eigene Produktionsmittel, die ihre Arbeitskraft verkaufen.


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Gemeinsamkeiten PKA/IMSF

Beide Ansätze sind

  • neomarxistisch,

  • knüpfen an Marx an,

  • bestimmen Klassen über ökonomische Verhältnisse statt über Prestige &

  • versuchen, die Klassenstruktur der modernen Gesellschaft empirisch abzubilden.


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Unterschiede PKA/IMSF

Zentraler Unterschied

-> Der PKA betont stärker die ökon. Formbestimmungen & die konkreten Funktion im Produktions- bzw. Zirkulationsprozess

-> IMSF: u.a. Qualifikation spielt größere Rolle bei Zuordnung zur Mittelklasse

IMSF → Qualifikation + Stellung im Betrieb wichtiger für Mittelklasse
PKA → ökonomische Formbestimmung + Funktion im Produktions-/Zirkulationsprozess


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Emp. Ergebnisse

quantitativ schätzt PKA die Arbeiterklasse etwas kleiner & die Mittelklasse etwas größer ein als das IMSF -> Bourgeoisie bei beiden Ansätzen nur etwa 2–3 %

Für PKA-Modell (1978) ungefähr folgende Verteilung der Erwerbsbevölkerung:

  • ca. 66 % Arbeiterklasse

  • 31 % Mittelklasse (20 % lohnabhängige Mittelklasse, 11 % Kleinbourgeoisie)

  • 3 % Kapitalistenklasse

IMSF-Modell für 1970:

  • Arbeiterklasse: ca. 73 %

  • Mittelschichten: ca. 24 %

  • Kapitalistenklasse: ca. 3 %

=> Beide neomarx. Modelle zeigen eine große Arbeiterklasse und eine sehr kleine Bourgeoisie

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Abgrenzung PKA zu Prestige-/ Schichtmodellen

-> Im Gegensatz zu Prestige-/Schichtmodellen geht es beim PKA nicht um eine hierarch. Einordnung von oben nach unten, sondern um Klassenpositionen & gegensätzl. Klasseninteressen

-> daher ist das PKA-Modell dem Zwiebelmodell (Schichtmodell) grundsätzlich entgegengesetzt -> es beschreibt keine bloße Abstufung soz. Positionen, sondern eine Gesellschaft mit unvereinbaren Interessensgegensätzen zwischen Klassen

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Zentrale Punkte PKA

PKA = ökonomische Formbestimmung -> Klassenlage

Bourgeoisie: Produktionsmittelbesitzer; Kapitaleigentümer + aktive/fungierende Kapitalisten.

Mittelklasse: Kleinunternehmer + lohnabhängige Mittelklasse.

Arbeiterklasse: Arbeitslose + Arbeiter bei gewinnorientierten Arbeitgebern; produktive & kommerzielle Lohnarbeiter.

Qualifikation: → Qualifikation allein macht nicht zur Mittelklasse.(Unterschied zu IMSF)

Empirisches Ergebnis: große Arbeiterklasse, sehr kleine Bourgeoisie; PKA schätzt die Arbeiterklasse etwas kleiner und die Mittelklasse etwas größer als das IMSF.

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Zentrale Aussagen neomarx. Ansätze:

Rückkehr zum Klassenbegriff -> die neomarxistischen Ansätze greifen den marxistischen Klassenbegriff wieder auf

Produktion statt Prestige -> Nicht gesell. Ansehen, sondern die Stellung im Produktionsprozess entscheidet über die Klassenzugehörigkeit

Objektive Klassenlage -> Klassen ergeben sich aus der wirt. Stellung & nicht aus der Selbsteinschätzung

Weiterentwicklung von Marx -> Moderne Gesellschaften werden stärker ausdifferenziert, ohne das Klassenprinzip aufzugeben

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Neomarxistische Ansätze

Theorien der 1970er, die den marx. Klassenbegriff aufgreifen & für moderne Industriegsellschaften weiterentwickeln

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Produktionsprozess

Bereich, in dem Güter & Dienstleistungen hergestellt werden; für das IMSF ist die Stellung einer Person innerhalb dieses Produktionsprozesses für ihre Klassenzugehörigkeit entscheidend

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Klassenlage

objektive Stellung einer PErson innerhalb der wirtschaftl. Produktionsverhältnisse

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Zirkulationsprozess:

Bereich, in dem das bereits produzierte Kapital bzw. die Waren weiterbewegt und verkauft werden. Hier geht es vor allem um Kauf, Verkauf und Realisierung des Warenwerts. → z. B. Handel/Verkauf.

Produktionsprozess → Mehrwert wird produziert → Verwertungsprozess des Kapitals

Zirkulationsprozess → produzierte Waren werden verkauft → Wert wird realisiert

Daher unterscheidet der PKA auch:

produktive Lohnarbeiter → direkt im Produktions-/Verwertungsprozess
kommerzielle Lohnarbeiter → im Zirkulationsprozess des Kapitals.

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Verwertungsprozess: Verhältnis zu MA

Prozess, in dem Kapital eingesetzt wird, um Mehrwert zu erzeugen und sich zu vermehren. Im Produktionsprozess wird Arbeitskraft eingesetzt, sodass ein größerer Wert entsteht als der ursprünglich eingesetzte Kapitalwert.

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Verhältnis zu Marx:

Gemeinsam: Klassen entstehen aus wirt. Verhältnissen; Produktionsmittel spielen zentrale Rolle

Unterschied: IMSF & PKA differenzieren moderne Gesellschaften stärker & berücksichtigen mehr Klassen/ Zwischenpositionen als die vereinfachte Gegenüberstellung von Bourgeoisie  & Proletariat

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Verhältnis zu Prestigemodellen (IMSF/PKA)

Prestigemodelle: Prestige/ Status -> Schichten -> Beschreibung & Ordnung soz. Unterschiede

IMSF: ökon. Stellung/ Produktionsprozess -> Klassen -> Erklärung soz. Ungleichheit über Klassenverhältnisse

PKA: ökon. Formbestimmungen + Stellung im Produktions-/Zirkulationsprozess -> Klassen & Klassenfraktionen -> Erklärung & differenzierte Bestimmung der Klassenstruktur

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Stärken/ Schwächen neomarx. ANsätze

-> die neomarx- Ansätze der 1970er wollten soz. Ungleichheit wieder stärker über Klassenverhältnisse, Produktionsverhältnisse & ökon- Ursachen erklären

Stärke: gesell. Konflikte & die wirt. Grundlagen von Ungleichheit sichtbar machen

Schwäche: die theor. klare Einteilung in Klassen war empirisch schwer eindeutig umzusetzen

58
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Problem: Schwierige emp. Bestimmung von Klassen (neomarx)

Problem: theor. Klassenlage kann nicht immer eindeutig auf konkrete Personengruppen übertragen werden -> insb. schwierig: Zuordnung von Gruppen mit Zwischen- oder Sonderstellung im Produktionsprozesses -> können je nach Kriterien für Klassenzugehörigkeit unterschiedlich eingeordnet werden

Bsp.: hochqualif. Angestellte -> Unterschiede von IMSF & PKA zeigen dieses Problem -> beide greifen auf marx. Klassenkonzepte zurück, kommen aber bei bestimmten Gruppen nicht zwingend zur gleichen Klassenzuordnung

-> damit wird eine grundlegende Spannung deutlich: Theor. klare Klassenkategorien -> emp. schwer eindeutig abgrenzbare Gruppen

59
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Problem Klassenlage & Klassenbewusstsein (neomarx)

Problem:  Zusammenhang zwischen objektiver Klassenlage & Klassenbewusstsein

Neomarx. Ansätze gehen davon aus, dass eine gemeinsame Klassenlage gemeinsame Interessen hervorbringen kann -> daraus muss aber nicht automatisch ein gemeinsames Klassenbewusstsein entstehen

Zusammenhang Klassenlage -> Klassenbewusstsein -> gemeinsames Handeln lässt sich nicht eindeutig voraussetzen

60
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Klassenbewusstsein

Menschen erkennen ihre gemeinsamen Interessen, verstehen sich selbst als Angehörige derselben Klasse oder handeln gemeinsam politisch

61
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Zentrale Kritik (neomarx)

-> Kritik richtet sich nicht gegen Klassenmodelle grundsätzlich, sondern v.a. gegen die enge neomarx. Umsetzung

-> die theor. Grundlage war gerade eine Stärke der Ansätze: sie machten ökon. Ursachen & gesell. Konflikte wieder sichtbar

-> Problematisch wurde die emp. Umsetzung der theor. Klassenkategorien

62
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Zentrale Spannung/ grungleg. Schwierigkeit bei Ungleichheitsforschung

Nähe zu Marx -> Klassen sollen über objektive Produktionsverhältnisse bestimmt werden

Emp. Realität -> Moderne Gesellschaften sind komplexer & enthalten zahlreiche Gruppn mit Zwischen- & Mischpositionen

-> Die Herausforderung besteht daher darin, eine theor. überzeugende Erklärung soz. Ungleichheit zu entwickeln, ohne die tatsächliche Vielfalt moderner Gesellschaften durch zu starre Klassenkategorien zu vereinfachen

63
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Verhältnis zu den PRestigemodellen (Klassen-/neomarx. Modelle)

beide Perspektiven setzen unterschiedl. Schwerpunkte:

Prestige-/ Schichtmodelle → beschreiben gesell. Rangunterschiede & soz. Positionen

Klassen-/ neomarx. Modelle → erklären Ungleichheit über Produktionsverhältnisse, ökon. Interessen & Konflikte

→ damit stehen sich nicht einfach 2 richtige oder falsche Modelle gegenüber → sie betrachten soz. Ungleichheit aus unterschiedl. theor. Perspektiven

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Überblick - Ansätze dieses Kapitels

Schelsky -> nivellierte Mittelstandsgesellschaft

Dahrendorf -> Herrschaft & Konflikt in soz. Verbänden

Prestigemodelle -> soz. Ungleichheit über Ansehen & Status

Neomarx. Ansätze -> Klassenanalyse über Produktionsverhältnisse

65
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Klassenmodelle → Ungleichheit durch ökon. Verhältnisse

Klassenmodelle -> betrachten v.a. die wirt. Grundlage einer Gesellschaft -> zentral: Stellung im Produktionsprozess & Besitz/ Nichtbesitz von Produktionsmitteln

Klass. Unterscheidung:

Besitzer von Produktionsmitteln -> Bourgeoisie

Verkäufer von Arbeitskraft -> Proletariat

- > zusätzlich können Zwischenklassen berücksichtigt werden (Weber berücksichtigt verschiedene Klassenlagen/ neomarx. Ansätze beziehen zusätzl. Mittelklassen ein)

Merksatz: Klassenmodelle erklären soz. Ungleichheit v.a. aus ökon. Beziehungen & Eigentumsverhältnissen

66
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Einfluss von Klassen auf Lebensweise & Bewusstsein

Klassenposition ist nicht nur wirt. Kategorie -> kann Einstellungen, Handlungen & Lebensführung beeinflussen => aus gemeinsamen Interessen kann ein Klassenbewusstsein entstehen (z.B: gemeinsame Interessen der Arbeiter ggü. Unternehmern)

Wichtig: Klassenbewusstsein entsteht nicht automatisch -> gemeinsame Klassenlage kann dazu führen, muss aber nicht

67
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Klassenmodelle → Klassenkonflikt

Klassen häufig mit gegensätzlichen Interessen -> bspw. Arbeitnehmer: höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen/ Unternehmer: wirt. Gewinn => daraus können Klassenkonflikte entstehen

Hier unterscheiden sich die Ansätze:

Marxist. Modelle -> betonen stärker Gegensatz zwischen Klassen

Dahrendorf -> geht davon aus, dass Konflikte weiterhin bestehen, aber durch Institutionen abgeschwächt bzw. geregelt werden können

68
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Klassenmodelle - gesell. Wandel

Klassenmodelle interessieren sich nicht nur für den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft, sondern auch für deren Veränderung => Klassenkonflikte können dabei ein Motor gesell. Entwicklung sein

Im Mittelpunkt: Frage, wie sich gesell. Klassenverhältnisse insgesamt verändern

69
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Klassenmodelle & Ursachen soz. Ungleichheit

Schwerpunkt: Warum gibt es soziale Ungleichheit?

Klassenmodelle versuchen Ursachen soz. Ungleichheit theoretisch zu erklären, statt nur zu beschreiben, wer sich gesell. oben oder unten befindet

70
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Schichtmodelle - Beschreibungen ungleicher Lebensbedingungen

Schichtmodelle betrachten soz. Ungleichheit stärker über unterschiedl. Lebenslagen & soz. Positionen

Zentrale Frage: Welche Gruppen haben unterschiedliche Lebenschancen?

Wichtige Merkmale: Bspw. Beruf, Bildung, Einkommen, Berufsprestige (Person mit hoher Bildung, hohem Einkommen & angesehenem Beruf bspw. höherer Schicht zugeordnet)

Merksatz: Schichtmodelle beschreiben soz. Unterschiede anhand verschiedener Merkmale der Lebenslage

71
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Schichten/ Interessengruppen

Zugehörigkeit zu einer Schicht bedeutet nicht automatisch, dass Menschen gemeinsame Interessen, ein gemeinsames Bewusstsein oder einen Konflikt mit anderen Gruppen haben

-> 2 Personen können bspw. ähnliches Einkommen besitzen, ohne dieselben polit. Interessen zu vertreten

72
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Schichtmodelle → hier. Ordnung der Gesellschaft

Schichten bilden meist eine vertikale Ordnung: Oberschicht -> Mittelschicht -> Unterschicht

-> die Grenzen können aber unscharf sein -> Schichten sind daher keine reine Skala ohne Gruppen, sondern unterscheidbare gesell. Bereiche mit Übergängen

73
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Schichtmodelle/ Mobilität

Schichtmodelle beschäftigen sich stärker mit indiv. Bewegungen innerhalb der Sozialstruktur

=> Bspw. eine Person kann durch Bildung oder berufl. Erfolg in eine höhere Schicht aufsteigen

-> individuelle Auf- & Abstiegsprozesse damit stärker im Mittelpunkt als bei vielen Klassenmodellen

74
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Gemeinsamkeiten von Klassen- & Schichtmodellen

beide

  • teilen Gesellschaft vertikal ein

  • untersuchen soz. Ungleichheit

  • verwenden häufig ökon. Merkmale

  • gehen davon aus, dass soz. Positionen Verhalten & Lebensmöglichkeiten beeinflussen


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Zentrale Definitionen Klasse/ Schicht/ Klassenbewusstsein/-konflikt, soz. Mobilität

Klasse = soz. Gruppe, deren Position besonders durch ökon. Verhältnisse bestimmt wird -> zentral: Produktionsverhältnisse, Eigentum & Arbeitsverhältnis

Schicht = soz. Gruppe, die sich durch ähnlich Lebensbedingungen & soz. Positionen auszeichnet -> zentrale Merkmale: Beruf, Bildung, Einkommen, Prestige

Klassenbewusstsein = Bewusstsein einer Klasse über gemeinsame Interessen & ihre gesell. Lage

Klassenkonflikt = Gegensatz zwischen Klassen aufgrund unterschiedl. Interessen

Soziale Mobilität = Veränderung der soz. Position eines Individuums, bspw. durch Bildung & Beruf

76
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Verbindungen zu zentralen Theorien

Marx -> Marx ist eine zentrale Grundlage vieler Klassenmodelle -> Wichtig: Produktionsmittel, Gegensatz von Kapitel & Arbeit sowie Klassenkonflikte => Moderne Klassenmodelle können zusätzliche Zwischenklassen berücksichtigen

Weber -> Weber erweitert den Klassenbegriff -> Neben Klasse spielen auch Status & Macht/Partei eine Rolle -> damit verbindet Weber ökon- & soz. Dimensionen

Prestigemodelle -> Prestigemodelle gehören eher zur Schichtperspektive -> sie fragen nach der gesell. Wertschätzung soz. Positionen, während Klassenmodelle nach der ökon. Stellung von Gruppen fragen

77
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Zentrale Unterscheidung Klasse/ Schicht

Perspektivdifferenz:

Klassenmodelle -> erklären Ungleichheit aus Beziehungen zwischen Gruppen

→ Klassenforscher fragt: Welche gesell. Verhältnisse erzeugen Ungleichheit?

Schichtmodelle -> beschreiben Unterschiede zwischen soz. Positionen

→ Wie ist Ungleichheit in der Gesellschaft verteilt?

Klasse = Ursache, Konflikt, Produktion

Schicht = Position, Lebenslage, Hierarchie

=> Beide Modelle betrachten dieselbe Gesellschaft, setzen aber unterschiedl. theor. Schwerpunkte