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Metazoa – Systematik (Grundübersicht)
Metazoa = vielzellige Tiere. Die meisten Tiere gehören zu Bilateria. Bilateria werden in drei große Kladen unterteilt: Deuterostomia, Spiralia (Protostomia) und Ecdysozoa. Diese Einteilung ist molekularbiologisch gestützt.
Bilateria – Bedeutung
Zweischichtige Symmetrie (links/rechts), klarer anterior-posterior Körperplan. Enthält den Großteil der Tierarten.
Großkladen der Bilateria
1) Deuterostomia 2) Spiralia (Protostomia) 3) Ecdysozoa (Protostomia)
Ecdysozoa – Definition
Häutungstiere mit Chitin-Cuticula. Wachstum erfolgt nur durch periodische Häutung (Ecdysis).
Ecdysozoa – Schlüsselmerkmal
Chitin-Cuticula + Wachstum durch Häutung (Ecdysis), gesteuert durch Hormon Ecdyson.
Ecdysis (Häutung)
Abwerfen der alten Cuticula zur Ermöglichung von Wachstum. Notwendig bei Ecdysozoa.
Ecdyson
Fellhäutungshormon, steuert den Häutungsprozess bei Ecdysozoa.
Cuticula – Unterschied Ecdysozoa
Arthropoden: harte Cuticula → Exoskelett. Nematoden: flexible Cuticula → kein hartes Skelett.
Ecdysozoa – Artenreichtum
Extrem artenreich; umfasst mehr bekannte Arten als viele andere Großgruppen zusammen (Protisten, Pilze, Pflanzen + andere Metazoa laut Vorlesung).
Ecdysozoa – Hauptgruppen
zwei Großgruppen: Cycloneuralia und Panarthropoda.
Panarthropoda – Zusammensetzung
Arthropoda + Onychophora + Tardigrada.
Cycloneuralia – Zusammensetzung
Nematoda, Nematomorpha, Priapulida, Loricifera, Kinorhyncha.
Ecdysozoa – phylogenetische Bedeutung
Molekular begründete Klade; Abgrenzung zu Spiralia und anderen Protostomia.
Nematomorpha (Saitenwürmer) – Merkmal
Parasitische Würmer mit Verhaltensmanipulation des Wirts.
Nematomorpha – Beispiel
Paragordius tricuspidatus infiziert Waldgrillen → Wirt springt ins Wasser → Wurm tritt aus und schwimmt zur Fortpflanzung.
Nematomorpha – Bedeutung
Extremes Beispiel für Parasiten-induzierte Verhaltensmanipulation.
Nematoda – Grundmerkmale
Fadenwürmer; sehr artenreich; frei lebend oder parasitisch; Größenbereich
Nematoda – Lebensraum
Boden, Süßwasser, Meer, organisches Material sowie als Parasiten in Pflanzen und Tieren.
Nematoda – frei lebend
Leben in zersetzendem organischem Material. Wichtige Rolle im Abbau und Nährstoffkreislauf.
Nematoda – Modellorganismus
Caenorhabditis elegans: Eutelie (Zellkonstanz), schnelle Entwicklung (<24 h), wichtig für Genetik und Entwicklungsbiologie.
Nematoda – parasitische Beispiele
Dracunculus medinensis (Medinawurm), Wuchereria bancrofti (Elephantiasis), Ancylostoma duodenale (Hakenwurm), Trichinella spiralis (Trichinen), Ascaris lumbricoides/suum (Spulwürmer).
Dracunculus medinensis
Weibchen bis 1 m; dringt in Haut ein; verursacht schmerzhafte Ödeme; historische Entfernung durch Aufwickeln (Äskulapstab-Bezug).
Wuchereria bancrofti
Parasit in Lymphgefäßen → Elephantiasis.
Ancylostoma duodenale
Hakenwurm; dringt durch Haut ein (Barfußinfektion), Blutverlust im Dünndarm.
Trichinella spiralis
Larven encystieren im Muskel; Infektion durch rohes/ungenügend gegartes Fleisch; lebensmittelhygienisch relevant.
Ascaris lumbricoides/suum
Darmparasiten bis ca. 40 cm Länge.
Nematoda – Körperbau
Pseudocoelomat (falsche Leibeshöhle zwischen Mesoderm und Entoderm/ECM).
Nematoda – Verdauungssystem
Komplettes „Einweg“-System: Mund → Pharynx (Saugapparat) → Darm → After.
Nematoda – Kreislaufsystem
Kein Kreislaufsystem; Transport über Pseudocoelomflüssigkeit.
Nematoda – Atmung
Gasaustausch über Körperoberfläche (Hautdiffusion).
Nematoda – Muskulatur
Nur Längsmuskulatur; keine Ringmuskulatur → schlängelnde Bewegung.
Nematoda – Hautmuskelschlauch
Epidermis + Cuticula + Längsmuskulatur bilden funktionelle Einheit für Bewegung.
Nematoda – Exkretionssystem
Spezialisiertes System, vermutlich modifiziertes Protonephridium.
Nematoda – H-förmiges Exkretionssystem
Ascariden besitzen H-förmige Zelle mit Kanälen in Epidermisleisten; Ausführung über Exkretionsporus.
Nematoda – Nervensystem
Zentrales Ganglion + dorsale und ventrale Längsstränge; verbunden durch ringförmige Kommissuren.
Nematoda – Fortpflanzung
meist getrenntgeschlechtlich; innere Befruchtung; direkte Spermienübertragung.
Nematoda – Männchen (Fortpflanzung)
Spicula (kopulatorische Nadeln) zum Festhalten und Öffnen der weiblichen Geschlechtsöffnung.
Schweinespulwurm – Sexualdimorphismus
Weibchen größer als Männchen; Männchen kleiner mit gekrümmtem Hinterende und Kloake.
Schweinespulwurm – männlicher Aufbau
Unpaarer Schlauch: Hoden → Samenleiter → Kloake.
Schweinespulwurm – weiblicher Aufbau
Vagina → zwei Uteri → Eileiter → Ovarien (kontinuierlicher Übergang ohne klare Abgrenzung).
Schweinespulwurm – Fortpflanzungsorgane
Weibliche Genitalöffnung im vorderen Körperdrittel; sehr hohe Eiproduktion.
Cycloneuralia – Definition
Teil der Ecdysozoa; umfasst „Schlauchwürmer“: Nematoda, Nematomorpha, Priapulida, Loricifera, Kinorhyncha.
Panarthropoda – Definition
Arthropoda + Onychophora + Tardigrada; segmentierter Körperplan und komplexe Extremitätenentwicklung.
Arthropoda vs Nematoda
Arthropoda: Exoskelett + Segmentierung + Gelenkfüße. Nematoda: flexible Cuticula + keine echte Segmentierung + Längsmuskulatur.
Ecdysozoa – evolutionäre Bedeutung
Erfolgreiche Tiergruppe durch Häutungssystem und Cuticula-basiertes Wachstum; große morphologische Diversität.