Allgemein

0.0(0)
Studied by 0 people
call kaiCall Kai
learnLearn
examPractice Test
spaced repetitionSpaced Repetition
heart puzzleMatch
flashcardsFlashcards
GameKnowt Play
Card Sorting

1/54

flashcard set

Earn XP

Description and Tags

Testzeugs

Last updated 1:39 AM on 4/25/26
Name
Mastery
Learn
Test
Matching
Spaced
Call with Kai

No analytics yet

Send a link to your students to track their progress

55 Terms

1
New cards

proton kinoun akineton

Der Ausdruck setzt sich aus drei griechischen Wörtern zusammen:

  • prôton: das Erste / das Primäre (wie in „Prototyp“ oder „Protein“).

  • kinoûn: das Bewegende / der Beweger (Partizip von kinein (bewegen, in Bewegung setzen), wie in „Kino“ oder „Kinematik“).

  • akíneton: unbewegt / unbeweglich (das a- ist verneinend, wie in „asymmetrisch“).

Wörtlich übersetzt bedeutet prôton kinoûn akíneton also: das erste bewegende Unbewegte“ (PRO-ton ki-NUHN a-KIE-ne-ton)

Als Erste Ursache (lateinisch prima causa oder causa prima, auch: primum movens) bezeichnet man in der scholastischen Philosophie diejenige Substanz bzw. das Sein, auf das alles (andere) Seiende zurückgeht. Weil das nicht aus sich heraus Seiende, d. h. das Nicht-Notwendige (Kontingente) für seine Existenz stets einer Ursache bedarf, müsse es eine erste Ursache geben, die als solche absolut oder mit anderen Worten notwendig ist.

Aristoteles nutzt diesen präzisen Begriff in seiner Metaphysik (Buch XII/Kap. 7), um die Natur der höchsten Substanz zu definieren.

Interessanterweise ist dieses „erste bewegende Unbewegte“ für Aristoteles keine Person, die aktiv handelt oder die Welt erschaffen hat (wie der Gott der Bibel), sondern eine logische Notwendigkeit. Es ist reine Energie oder „reine Wirklichkeit“ (actus purus). Da es vollkommen ist, kann es sich nicht verändern – denn jede Veränderung würde bedeuten, dass es vorher unvollkommen war.

Es „bewegt“ die Welt also nicht durch einen Schubs, sondern durch seine bloße Existenz als höchstes Ziel der Sehnsucht.

Das Problem: Die unendliche Kette (Infiniter Regress)

Aristoteles beobachtete, dass alles, was sich bewegt (oder verändert), von etwas anderem bewegt werden muss. (im Gegensatz zu Parmenides, für den es keine Veränderung gibt)

  • Ein Dominostein fällt, weil der vorherige ihn anstößt.

  • Eine Pflanze wächst, weil die Sonne und das Wasser sie dazu bringen.

Würde man diese Kette unendlich fortsetzen, gäbe es laut Aristoteles keinen logischen Anfang. Eine unendliche Kette von Bewegern würde bedeuten, dass es nie eine „erste Ursache“ gab, was die Existenz von Bewegung heute unmöglich machen würde.

Die Lösung: Die erste Ursache

Um diesen unendlichen Regress zu vermeiden, postulierte Aristoteles, dass es am Anfang der Kette einen Ersten Beweger geben muss. Dieser muss zwei entscheidende Eigenschaften haben:

  1. Er bewegt alles andere: Er ist der Ursprung aller Dynamik im Kosmos.

  2. Er ist selbst unbewegt: Würde er sich selbst bewegen, bräuchte er wiederum einen Beweger über sich. Er muss also „rein aktuell“ sein (vollkommen verwirklicht), ohne Potenzial zur Veränderung.

Wie bewegt er, ohne sich zu bewegen?

Das ist die schwierigste Frage: Wie kann etwas Bewegung verursachen, ohne selbst aktiv zu werden? Aristoteles nutzt hier ein psychologisches Bild:

  • Der unbewegte Beweger bewegt „wie ein Geliebtes“.

  • Ein Ziel oder ein Ideal (das Geliebte) bewegt den Liebenden, ohne dass das Ziel selbst etwas tun muss. Es zieht den Liebenden allein durch seine Existenz und Vollkommenheit an.

Der unbewegte Beweger ist also das Ziel (Telos), auf das alles im Universum zustrebt. Da er vollkommen ist, verbringt er seine „Zeit“ laut Aristoteles mit der reinsten Form der Tätigkeit: dem Denken – und zwar dem Denken des Denkens (noesis noeseos).

Historische Bedeutung

Dieses Konzept war ein Meilenstein für die spätere Ideengeschichte:

  • Theologie: Im Mittelalter griff Thomas von Aquin diese Idee auf, um seinen „Gottesbeweis“ (den kosmologischen Beweis, genauer den kinesiologischen Gottesbeweis) zu führen. Er identifizierte den unbewegten Beweger mit dem christlichen Gott.

  • Physik: Bis zur Aufklärung war die Vorstellung eines geordneten Kosmos, der durch ein erstes Prinzip in Schwung gehalten wird, das dominante Weltbild.

Der unbewegte Beweger ist die logische Notwendigkeit eines Anfangs. Er ist die vollkommene, reine Form, die das Universum durch Sehnsucht nach Vollkommenheit in Bewegung setzt.

2
New cards

Entelechie

In der Philosophie versteht man unter Entelechie (altgriechisch ἐντελέχεια entelecheia) die Eigenschaft von etwas, sein Ziel (Telos) in sich selbst zu haben. Der Ausdruck Entelechie ist aus drei Bestandteilen (en-tel-echeia) zusammengesetzt: ἐν en, deutsch ‚in‘, τέλος telos, deutsch ‚Ziel‘, ἔχεια echeia von ἔχειν echein, deutsch ‚haben‘, ‚halten‘.

Der Begriff wurde von Aristoteles in der Metaphysik IX, 8 eingeführt (siehe auch Akt und Potenz). Er bezeichnet die ideale Form, die sich im Stoff verwirklicht, besonders im Sinne einer dem Organismus innewohnenden Kraft, die ihn zur Selbstverwirklichung bringt.

Das Wort setzt sich aus den griechischen Begriffen en (in), telos (Ziel) und echein (haben) zusammen. Wörtlich bedeutet es also: „das Ziel in sich selbst haben“.

In der Philosophie (Aristoteles)

Aristoteles nutzte den Begriff, um den Übergang von der bloßen Möglichkeit (Potenz) zur tatsächlichen Verwirklichung (Akt) zu beschreiben.

  • Das Beispiel der Eichel: Eine Eichel ist noch kein Baum, aber sie besitzt die Entelechie eines Eichenbaums. Das bedeutet, der „Bauplan“ und das Ziel, eine Eiche zu werden, sind bereits in ihr angelegt. Die Entelechie ist die Kraft, die die Materie in ihre vollendete Form bringt.

In der Biologie (Vitalismus)

Anfang des 20. Jahrhunderts griff der Biologe Hans Driesch den Begriff wieder auf. Er nutzte ihn, um zu erklären, warum sich Organismen selbst regulieren und heilen können. Für ihn war die Entelechie eine Art „nicht-materielle Naturkraft“, die das Leben steuert – eine Ansicht, die in der modernen, rein molekularbiologischen Wissenschaft heute allerdings als überholt gilt.


Zusammenfassung

Man kann sich die Entelechie als eine Art inneres Wirkungsprinzip vorstellen. Es ist die Kraft, die dafür sorgt, dass sich ein Lebewesen oder ein Ding genau so entwickelt, wie es seinem inneren Wesen entspricht.

Entelechie ist der Zustand der Vollendung, in dem eine Möglichkeit (Potenz) ihre volle Wirklichkeit (Akt) erreicht hat. 

3
New cards

Akt und Potenz

Die Begriffe Akt (lateinisch actus, altgriechisch ἐνέργεια energeia; weitgehend synonym ist entelecheia) und Potenz (lateinisch potentia, griechisch δύναμις, dynamis) sind im philosophischen Sprachgebrauch Gegenbegriffe. Akt (lat. actus = das Getriebenwerden) ist die scholastische Übersetzung des Begriffs energeia bei Aristoteles (um 384–322 v. Chr.). „Potenz“ bezeichnet die noch nicht realisierte Möglichkeit, zu der aber ein Vermögen (Fähigkeit) oder eine Disposition besteht. „Akt“ bezeichnet dagegen die Realisierung oder Verwirklichung dieser Möglichkeit.

In der Philosophie, speziell in der Metaphysik von Aristoteles und später in der Scholastik (z. B. bei Thomas von Aquin), sind Akt und Potenz die zwei Grundbegriffe, um Veränderung und das Werden der Dinge zu erklären.

Kurz gesagt: Es geht um das Verhältnis zwischen dem, was eine Sache jetzt gerade ist, und dem, was sie werden kann.

Für Aristoteles hat die Wirklichkeit eine ontologische Priorität vor der Möglichkeit. 

Es kann zwischen aktiver und passiver Potenz unterschieden werden. Die passive Potenz bedeutet die Empfangsmöglichkeit einem Akt gegenüber. Passive Potenz hat zum Beispiel ein Stück Lehm, das zu einer Vase geformt werden kann. Die aktive Potenz bedeutet das Vermögen, selbst einen Akt hervorzubringen. Aktive Potenz hat zum Beispiel ein Künstler, der aus einem Stück Lehm eine Vase oder einen Krug formen kann. Sowohl aktive wie passive Potenz betrifft die ontologisch sachhaltige Zuschreibung konkreter Vermögen und ist insofern mehr als logische Möglichkeit. Ein Sachverhalt ist nämlich schon dann logisch möglich, wenn sein Gegenteil nicht logisch notwendig ist; eine Potenz kommt einer Sache aber nur dann zu, wenn die aktuale Welt so eingerichtet ist, dass die Sache ein Vermögen zu einem entsprechenden Akt besitzt.

Akt (Wirklichkeit)

  • Lateinisch: actus | Griechisch: energeia oder entelecheia

  • Der Akt ist die Vollendung oder die tatsächliche Verwirklichung einer Möglichkeit. Wenn etwas „im Akt“ ist, dann existiert es in seiner vollendeten Form.

  • Beispiel: Der ausgewachsene Baum ist die Aktualisierung des Samenkorns.

Potenz (Möglichkeit)

  • Lateinisch: potentia | Griechisch: dynamis

  • Die Potenz beschreibt die Fähigkeit oder die Anlage eines Dinges, eine neue Form anzunehmen oder sich zu verändern. Es ist das „Noch-Nicht“, das aber bereits als reale Möglichkeit angelegt ist.

  • Beispiel: Ein Samenkorn ist der Potenz nach ein Baum. Es ist noch kein Baum, hat aber die reale Kapazität, einer zu werden.

Aristoteles definiert Bewegung (Veränderung) als den Übergang von der Potenz in den Akt.

-> Marmorblock (Potenz / Möglichkeit (Anlage))

 -> Bildhauer bearbeitet ihn (Bewegung / Aktualisierung)

-> Fertige Statue (Akt / Wirklichkeit (Vollendung))

Diese Unterscheidung löste ein altes philosophisches Problem:

  • Parmenides sagte: Veränderung ist unmöglich, weil aus Nichts nichts werden kann.

  • Aristoteles antwortete: Etwas entsteht nicht aus dem „Nichts“, sondern aus einer Möglichkeit (Potenz), die bereits im Sein vorhanden war.

Sonderfall: Der „Reine Akt“ (Actus Purus)

In der mittelalterlichen Philosophie wurde Gott als Actus Purus definiert. Das bedeutet:

  • Gott ist reine Wirklichkeit ohne jede Potenz.

  • Er hat keine Möglichkeiten mehr, die er noch nicht ausgeschöpft hat; er ist vollkommen und unveränderlich. Er „kann“ nicht erst etwas werden, er ist bereits alles in höchster Vollendung.

4
New cards

Perigäum

Der Punkt in der Ellipse, an dem ein Objekt der Erde am nächsten ist, im Gegensatz zum Apogäum, wo es am weitesten entfernt ist.

5
New cards

Kontingenz

Das Substantiv Kontingenz mit dem Adjektiv kontingent (altgriechisch ἐνδεχόμενα endechómenaetwas, was möglich ist“; mittellateinisch contingentiaMöglichkeit, Zufall“) ist ein philosophischer Terminus, der unter anderem in der Modallogik und Ontologie gebraucht wird. Im modallogischen Sinn ist eine Proposition (Aussageninhalt) kontingent, wenn sie weder notwendig noch unmöglich ist. Im ontologischen Sinn bezeichnet „Kontingenz“ den Status von Entitäten, deren Existenz oder Nicht-Existenz weder notwendig noch unmöglich ist.

Die drei Säulen der Modalität

Um Kontingenz zu verstehen, hilft ein Blick auf die drei Seinsweisen (Modalitäten) in der Logik und Metaphysik:

  1. Notwendigkeit: Etwas muss so sein (z. B. 2+2=4). Es kann nicht anders sein, ohne einen logischen Widerspruch zu erzeugen.

  2. Unmöglichkeit: Etwas kann nicht sein (z. B. ein rundes Quadrat).

  3. Kontingenz: Etwas ist möglich, aber nicht notwendig. Es ist die "Zone dazwischen". Dass du heute Morgen Kaffee statt Tee getrunken hast, ist kontingent. Es ist passiert, aber es gab kein Naturgesetz, das dich dazu gezwungen hat.

Der Begriff spielt in verschiedenen Epochen der Philosophie eine zentrale Rolle:

1. Mittelalter (Thomas von Aquin)

Hier wurde Kontingenz genutzt, um den Unterschied zwischen Schöpfung und Schöpfer zu erklären. Alles in der Welt ist "zufällig" (kontingent), weil es irgendwann einmal nicht existiert hat und irgendwann wieder vergehen wird. Nur Gott wurde als "notwendiges Wesen" angesehen, das existieren muss.

2. Existentialismus (Jean-Paul Sartre)

Für Sartre ist die menschliche Existenz zutiefst kontingent. Es gibt keinen vorgefertigten Plan oder Sinn für unser Leben. Das kann befreiend wirken, führt aber oft zur "Angst" oder zum Gefühl der Absurdität, weil wir erkennen, dass alles – auch wir selbst – eigentlich grundlos ist.

3. Moderne Soziologie & Systemtheorie (Niklas Luhmann)

Luhmann hat den Begriff für die Gesellschaftsanalyse geprägt. In einer komplexen Welt ist fast alles kontingent: Regeln, Werte und Strukturen sind nicht gottgegeben, sondern das Ergebnis von Entscheidungen. Das bedeutet: "Kontingent ist etwas, was weder notwendig noch unmöglich ist; was also so, wie es ist, ist, aber auch anders sein kann."

Das "Vielleicht" der Welt

Kontingenz erinnert uns daran, dass die Welt kein starres Uhrwerk ist.

  • Zufall: Kontingenz bedeutet oft, dass Dinge ohne erkennbaren Grund geschehen.

  • Freiheit: Ohne Kontingenz gäbe es keine echte Wahl. Wenn alles notwendig wäre, wären wir bloße Statisten in einem festgeschriebenen Drehbuch.

  • Risiko: Wenn alles anders sein könnte, gibt es keine absolute Sicherheit.

Merksatz: Wenn du dich fragst "Hätte das auch anders laufen können?" und die Antwort "Ja" lautet, dann hast du es mit Kontingenz zu tun.

6
New cards

Avicenna

Avicenna – eigentlich Ibn Sina (ca. 980–1037 n. Chr.) – war einer der bedeutendsten Universalgelehrten des „Goldenen Zeitalters des Islam“. In der westlichen Welt ist er vor allem als der „Vater der modernen Medizin“ und als brillanter Philosoph bekannt. 

Einige seiner philosophischen Ausarbeitungen wurden von späteren Mystikern des Sufismus rezipiert und beeinflussten die christlichen Scholastiker Thomas von Aquin und Albertus Magnus. Bis weit ins 16. Jahrhundert galt er als medizinisch-philosophische Autorität und hat insbesondere die Geschichte und Entwicklung der Medizin maßgeblich mitgeprägt. Sein Werk gehörte über fünf Jahrhunderte international zu den führenden medizinischen Lehrbüchern. 

Der „Kanon der Medizin“: Das medizinische Gesetzbuch

Sein einflussreichstes Werk, der Qanun fi al-Tibb (Kanon der Medizin), war eine gigantische Enzyklopädie, die das medizinische Wissen der Antike (Galen, Hippokrates) mit seinen eigenen Beobachtungen und Entdeckungen verschmolz.

  • Systematik: Er führte systematische klinische Tests und Experimente ein.

  • Bedeutung für Europa: Nachdem das Werk im 12. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt wurde, blieb es bis ins 17. Jahrhundert das Standardlehrbuch an europäischen Universitäten (z. B. in Montpellier und Löwen). Ohne Avicenna hätte die europäische Renaissance der Medizin deutlich später stattgefunden.

Die Brücke zur antiken Philosophie

In der Philosophie vollbrachte Avicenna eine Meisterleistung, indem er die Lehren von Aristoteles mit dem neuplatonischen Denken und der islamischen Theologie versöhnte.

  • Der „Fliegende Mensch“: Ein berühmtes Gedankenexperiment Avicennas besagt, dass ein Mensch, der ohne Sinneswahrnehmungen im Raum schwebt, dennoch ein Bewusstsein seiner Existenz hat. Dies nahm René Descartes’ berühmtes „Ich denke, also bin ich“ um Jahrhunderte vorweg.

  • Metaphysik: Er unterschied zwischen „notwendigem Sein“ (Gott) und „möglichem Sein“ (die Schöpfung). Diese Unterscheidung prägte die christliche Scholastik massiv.

Die Unterscheidung von Essenz und Existenz

Dies ist wohl Avicennas bedeutendster Beitrag zur christlichen Metaphysik. Er argumentierte, dass man bei allen geschaffenen Dingen verstehen kann, was sie sind (Sosein/Essenz), ohne zu wissen, ob sie sind (Dasein/Existenz).

  • Die Konsequenz: Nur in Gott fallen Essenz und Existenz zusammen. Alles andere ist „kontingent“ (zufällig), also auf einen Schöpfer angewiesen.

  • Wirkung: Thomas von Aquin übernahm diese Struktur fast vollständig, um die radikale Abhängigkeit der Schöpfung von Gott philosophisch zu beweisen.

Die Lehre von den Transzendentalien

Avicenna identifizierte Begriffe, die so allgemein sind, dass sie über alle Kategorien hinausgehen (z. B. „das Seiende“, „das Eine“, „das Wahre“).

  • Der "Fliegende Mensch": In einem berühmten Gedankenexperiment beschrieb Avicenna einen Menschen, der ohne Sinneswahrnehmung in der Luft schwebt. Dieser Mensch hätte keine Kenntnis von seinem Körper, wüsste aber dennoch: „Ich bin“.

  • Einfluss: Dies half Scholastikern wie Duns Scotus, die Metaphysik als eine eigenständige Wissenschaft vom „Seienden als Seienden“ zu etablieren, unabhängig von der Physik.

Psychologie und Erkenntnistheorie

Avicenna systematisierte die Lehre von den inneren Sinnen (Gedächtnis, Vorstellungskraft, Schätzung). Besonders prägend war seine Theorie des Intellectus Agens (des aktiven Verstandes).

  • Die Herausforderung: Avicenna glaubte, dass der aktive Verstand eine separate, übermenschliche Intelligenz sei, die die menschlichen Seelen „erleuchtet“.

  • Die Reaktion: Christliche Scholastiker wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin lehnten diese „Vergöttlichung“ des Verstandes ab. Sie „individualisierten“ den aktiven Verstand: Jeder Mensch besitzt demnach sein eigenes Licht der Vernunft, das jedoch von Gott geschenkt wurde.

Ohne Avicenna hätte die Hochscholastik kein begriffliches Werkzeug gehabt, um den „heidnischen“ Aristoteles mit dem christlichen Schöpfungsglauben zu versöhnen. Er lieferte die Terminologie, mit der die großen Summen des 13. Jahrhunderts erst geschrieben werden konnten. 

Avicenna war für das mittelalterliche Europa das Symbol für höchste Gelehrsamkeit. In einer Zeit, in der das Abendland wissenschaftlich noch im Schatten stand, lieferte er das intellektuelle Fundament, auf dem spätere europäische Denker die moderne Wissenschaft und Philosophie aufbauen konnten.

7
New cards

Averroismus

Als XXX bezeichnet man eine auf den arabischen Philosophen Averroes (Ibn Ruschd) zurückgehende Richtung in der europäischen Philosophie des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Sie erregte wegen der theologischen Konsequenzen der Auffassungen, die sie vertrat bzw. die ihr von gegnerischer Seite unterstellt wurden, großes Aufsehen. „Averroist“ ist nicht eine Selbstbezeichnung der Anhänger dieser Richtung, sondern ein von deren Gegnern in polemischer Absicht geprägter Begriff. Da Averroes und die Averroisten Aristoteliker waren, handelt es sich um eine Strömung innerhalb des Aristotelismus.

Ein erheblicher Teil der Werke des 1198 gestorbenen Averroes war den christlichen Gelehrten seit den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts zugänglich, da Michael Scotus (+1235) eine Reihe von teils umfangreichen Kommentaren des arabischen Philosophen zu Schriften des Aristoteles ins Lateinische übersetzt hatte. Die Wirkung in der lateinischsprachigen Welt war gewaltig. Im Spätmittelalter pflegten die Scholastiker von Aristoteles als „dem Philosophen“ schlechthin zu sprechen und von Averroes als „dem Kommentator“ schlechthin. Mit „Averroismus“ ist aber nicht die breite Averroes-Rezeption in ihrer Gesamtheit gemeint, sondern nur eine Anzahl von theologisch und philosophisch stark umstrittenen Positionen, die nach Ansicht der Gegner des Averroismus für diese Richtung charakteristisch sind.

Obwohl Averroes der Überzeugung war, seine Lehre stehe in völligem Einklang mit dem Koran, fand seine Philosophie in der islamischen Welt im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wenig Widerhall. Beachtung erhielt sie jedoch bei jüdischen Gelehrten. Ausgehend von hebräischen Averroes-Übersetzungen entwickelte sich ein jüdischer Averroismus in Spanien und Südfrankreich. Zur Unterscheidung vom jüdischen wird der Averroismus lateinischsprachiger Gelehrter auch als lateinischer Averroismus bezeichnet.

Er war also eine radikale philosophische Strömung an den mittelalterlichen Universitäten, besonders in Paris und Padua, die im 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. 

In der neuere Forschung spricht man allerdings kaum noch von Averroismus, da praktisch kein einzelner Gelehrter alle Thesen des Averroismus gleichzeitig vertreten hat, sondern nur bestimmte Punkte. Daher wird heute oft vom heterodoxen (von der als theologisch akzeptabel geltenden Lehre abweichenden) Aristotelismus.

Die Kernlehren des Averroismus

Die Anhänger des Averroismus (wie etwa Siger von Brabant (+1284)) vertraten Thesen, die im christlichen Mittelalter Sprengkraft besaßen:

  • Die Einheit des Intellekts (Monopsychismus): Die Averroisten behaupteten, dass alle Menschen an einem einzigen, unsterblichen Geist teilhaben. Das bedeutete im Umkehrschluss: Die individuelle Seele ist sterblich. Dies zerstörte die Grundlage für das Konzept von Fegefeuer, Himmel und Hölle.

  • Die Ewigkeit der Welt: Sie folgten Aristoteles in der Annahme, dass die Welt keinen Anfang und kein Ende hat (primum movens). Das stand im direkten Widerspruch zur biblischen Schöpfungsgeschichte.

  • Die Lehre von der "doppelten Wahrheit": Dies war der wohl folgenreichste Punkt. Averroisten behaupteten oft, dass etwas „philosophisch wahr“ sein könne (durch logische Beweise), während es „theologisch falsch“ sei (laut Offenbarung). Sie versuchten so, den Konflikt zu umgehen, indem sie beide Wahrheiten nebeneinander stehen ließen.

Genauer:

spezifische Merkmale des Averroismus nach heutiger Terminologie:

-> die Lehre von der Einheit und Einzigkeit des Intellekts (oft ungenau als „Monopsychismus“ bezeichnet). Die Averroisten meinten, dass der Intellekt – sowohl der tätige (intellectus agens) als auch der aufnehmende, passive (intellectus possibilis) – nur ein einziger und somit in allen Menschen derselbe ist, denn er befasst sich mit Allgemeinbegriffen, Naturgesetzen und Logik, die immer und überall gleich sind. Man müsste also eigentlich nicht sagen „Dieser konkrete Mensch Sokrates erkennt etwas“, sondern „In diesem Menschen Sokrates manifestiert sich ebenso wie in allen anderen der allgemeine Intellekt, indem er eine Erkenntnis herbeiführt“. Dem tätigen Intellekt wiesen die Averroisten eine Schlüsselrolle in der Weltordnung zu; manche identifizierten ihn sogar mit Gott.

-> das Bestreiten einer individuellen Unvergänglichkeit. Nach der kirchlichen Lehre ist die individuelle Seele unsterblich und das Individuum als solches für sein Verhalten vor Gott persönlich verantwortlich. Insoweit der Mensch als rationales Wesen aufgefasst wird, ist für die Steuerung seines Verhaltens der Intellekt zuständig. Wenn dieser aber – wie die Averroisten meinen – ein und derselbe ist, der in allen Menschen gleichermaßen tätig ist (soweit die körperlichen Gegebenheiten das im Einzelfall zulassen), verliert die Annahme, dass jedes Individuum persönlich vor Gott für seine Taten und Unterlassungen haftet, ihre Grundlage. Stirbt die Person, so bleibt nur der tätige Intellekt übrig, der schon vor der Zeugung dieses Menschen existiert hat. Also vergeht das Individuum als solches, und nur der allgemeine Intellekt ist unvergänglich. Somit gibt es kein persönliches Überleben des Todes und daher auch keine jenseitige Belohnung oder Strafe. Zu dieser Annahme passt die Überzeugung des Averroes, dass sich Gottes Vorsehung auf Gattungen und Arten, nicht auf einzelne Individuen bezieht. Das Schicksal der Individuen nimmt Gott gar nicht zur Kenntnis.

-> die Ewigkeit der Welt. So wie Aristoteles lehrte auch Averroes, dass das physikalische Universum keinen Anfang und kein Ende in der Zeit hat (primum movens). Eine Schöpfung aus dem Nichts lehnte er ab; für ihn ereignet sich Schöpfung in jedem Augenblick. Zwar meinte er, seine Auffassung sei mit der Vorstellung von Gott als Schöpfer vereinbar, doch bestand hier für christliche Gegner des Averroismus ein Widerspruch zur biblischen Schöpfungslehre und zur Eschatologie, zu der die Ankündigung eines künftigen Weltuntergangs gehört.

-> Autonomie der Vernunft. Die Vernunft darf in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich durch nichts in ihren Folgerungen beschränkt werden, und sie ist für alles zuständig, was ihr zugänglich ist. Diese Ansicht ist nicht speziell averroistisch, wird aber im Averroismus besonders scharf formuliert.

-> Die Averroisten neigten mehr oder weniger zu der Auffassung, dass das Weltgeschehen determiniert ist; zumindest erörterten sie deterministische Ideen. Averroisten verbreiteten die 1277 vom Pariser Bischof verbotene Lehre, dass der Weltenlauf sich alle 36.000 (40 mal 900) Jahre wiederhole. Gegner warfen ihnen vor, ihre Annahme von der Determiniertheit des Weltgeschehens sei unvereinbar mit der Lehre vom freien Willen des Menschen. Theologisch war die Willensfreiheit sehr wichtig, denn ohne sie fehlte die Basis für eine jenseitige Belohnung oder Strafe.

Der Konflikt mit der Kirche

Für die Kirche war der Averroismus eine Bedrohung, da er die Vernunft über die Offenbarung zu stellen schien.

  • Die Verurteilungen von 1270 und 1277: Der Bischof von Paris, Étienne Tempier, verbot hunderte von Thesen, die dem Averroismus (und teilweise auch Thomas von Aquin) zugeschrieben wurden. Wer diese lehrte, riskierte die Exkommunikation.

  • Thomas von Aquin als Gegner: Thomas schrieb seine berühmte Schrift De unitate intellectus contra Averroistas („Über die Einheit des Verstandes gegen die Averroisten“), um Averroes mit dessen eigenen Waffen (der Logik) zu schlagen und die individuelle Unsterblichkeit der Seele zu retten.

Wichtigste Vertreter waren:

Siger von Brabant +1284 (Pariser Philosophielehrer -> radikaler Aristotelismus)

Boetius von Dacien +1284 (schwedischer Philosoph, Schüler von Siger von Brabant)

-> flohen beide nach dem Urteil von Paris 1277 (angetrieben von Etienne Tempier) eben aus Paris

Johann von Jandun +1328 (einer der wichtigesten Aristoteliker des 14. Jh. - Johann von Jandun schrieb den ersten Reiseführer der Stadt Paris)

Etienne Tempier -> Pariser Verurteilungen 1270 (13 Thesen) und 1277 (219 weitere Thesen) -> Strafe wie üblich war die Exkommunikation

Gegner u.a.

Thomas von Aquin +1274 (Hochscholastik De unitate intellectus contra Averroistas (1270))

Roger Bacon +1292 (Franziskaner, Spätscholastik)

Albert der Große +1280 (Albertus Magnus, Thomas Lehrer, Hochscholastik)

Ramon Llull +1316 (Raimundus Lullus, Mallorquinischer Philosoph und franziskanischer Theologe)

Bedeutung und Nachwirkung

Warum ist der Averroismus heute noch wichtig?

  1. Beginn der Säkularisierung: Er markiert den ersten großen Moment in der westlichen Geschichte, in dem die Wissenschaft (Philosophie) beanspruchte, völlig unabhängig von der Religion zu existieren.

  2. Wissenschaftliche Freiheit: Die Averroisten ebneten den Weg für ein rein naturwissenschaftliches Weltbild, das nicht mehr nach "Gottes Absicht" fragte, sondern nach logischen Notwendigkeiten.

  3. Padua als Zentrum: Nachdem der Averroismus in Paris unterdrückt wurde, wanderte er nach Italien aus. Die Universität Padua wurde zu einer Hochburg des rationalen Denkens, was später den Boden für die Renaissance und Gelehrte wie Galileo Galilei bereitete.

8
New cards

Averroes

Abū l-Walīd Muhammad ibn Ahmad ibn Ruschd, im lateinischen Westen besser bekannt als Averroes (1126–1198), war ein andalusisch-arabischer Universalgelehrter. Er gilt als einer der einflussreichsten Denker des Mittelalters, dessen Werk paradoxerweise im christlichen Europa eine fast noch größere Wirkung entfaltete als in der islamischen Welt seiner Zeit. 

Averroes verfasste eine medizinische Enzyklopädie und fast zu jedem Werk von Aristoteles einen Kommentar (aber Wichtig, er übersetzte vom Arabischen ins Lateinische, da er keine Griechischkentnisse hatte). In der christlichen Scholastik des Mittelalters, auf die er großen Einfluss ausübte, wurde er deshalb als „der Kommentator“ bezeichnet (italienisch il commentatore, geprägt von Dante Alighieri +1321), so wie Aristoteles gelegentlich nur „der Philosoph“ genannt wurde. Eine Darstellung von Averroes wurde sogar von Raffael in sein Fresko Die Schule von Athen aufgenommen.

Averroes sah in der Logik die einzige Möglichkeit des Menschen, glücklich zu werden. Die aristotelische Logik lieferte für ihn die Möglichkeit, aus den Daten der Sinne zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen. Die Logik war für ihn das Gesetz des Denkens und der Wahrheit.

Seine Bedeutung: Der "Kommentator"

In der mittelalterlichen Scholastik genoss Averroes ein so hohes Ansehen, dass er schlicht "Der Kommentator" genannt wurde (während Aristoteles einfach "Der Philosoph" war).

  • Brücke zur Antike: Er widmete sein Leben der Reinigung der aristotelesischen Philosophie von späteren neuplatonischen Umdeutungen. Ohne seine detaillierten Kommentare hätten die Gelehrten an den jungen europäischen Universitäten (wie Thomas von Aquin) Aristoteles kaum in dieser Tiefe verstehen können.

  • Der "Averroismus": An der Pariser Universität entstand im 13. Jahrhundert eine ganze Denkschule, der lateinische Averroismus, der seine Thesen teils radikalisierte und damit massive Konflikte mit der Kirche heraufbeschwor.

Hauptaussagen:

Die Einheit des Intellekts (Monopsychismus)

Dies war seine umstrittenste These. Averroes lehrte, dass der Mensch zwar eine individuelle Seele besitzt, aber der tätige Verstand (Intellectus agens) eine universelle, für alle Menschen gemeinsame Substanz ist.

  • Konsequenz: Das individuelle "Ich" stirbt, aber das universelle Wissen der Menschheit bleibt bestehen. Dies widersprach der christlichen Lehre von der persönlichen Unsterblichkeit und der individuellen Vergeltung im Jenseits.

Das Verhältnis von Religion und Philosophie

In seinem Werk Fasl al-Maqal (Die entscheidende Abhandlung) legte er dar, wie Glaube und Vernunft koexistieren können:

  • Drei Klassen von Menschen:

    1. Die Massen (rhetorische Beweisführung durch Geschichten).

    2. Die Theologen (dialektische Beweisführung).

    3. Die Philosophen (demonstrative, logische Beweisführung).

  • Kein Widerspruch: Averroes betonte, dass "Wahrheit der Wahrheit nicht widersprechen kann". Wenn der Koran der Vernunft zu widersprechen scheint, muss der Text allegorisch (symbolisch) gedeutet werden.

Die Ewigkeit der Welt

Im Gegensatz zur theologischen Auffassung einer Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo) vertrat Averroes die aristotelische Ansicht, dass die Welt und die Bewegung ewig sind. Gott ist für ihn der "Erste Beweger", der die Welt dauerhaft in Ordnung hält, aber nicht zu einem spezifischen Zeitpunkt "begonnen" hat.

Die "Lehre von der zweifachen Wahrheit"

Oft wird Averroes zugeschrieben, er habe gelehrt, es gäbe zwei Wahrheiten: eine theologische und eine philosophische, die einander widersprechen dürfen.

Korrektur: Das ist ein historisches Missverständnis, das seinen Kritikern oder radikalen Anhängern entsprang. Averroes selbst war überzeugt, dass es nur eine Wahrheit gibt, die aber auf unterschiedlichen Wegen (Glaube vs. Logik) ausgedrückt wird.

Bedeutung:

Averroes ist die Schlüsselfigur, die das "Licht der Vernunft" aus der antiken griechischen Welt in das christliche Mittelalter rettete. Obwohl seine Bücher zeitweise verboten wurden und er in der islamischen Welt am Ende seines Lebens in Ungnade fiel, ist die moderne westliche Philosophie ohne seinen rationalistischen Impuls kaum denkbar. 

9
New cards

Hochscholastik

Die XXX war der Versuch, das Universum als ein logisches, von Gott geordnetes Ganzes zu begreifen. Während die Frühscholastik noch das Handwerkszeug (Logik) lernte und die Spätscholastik die Verbindung von Glaube und Vernunft wieder kritisch infrage stellte, herrschte in der Hochscholastik der Optimismus vor, dass der menschliche Verstand die göttliche Ordnung widerspiegeln kann. 

Drei wesentliche Entwicklungen ebneten den Weg für diesen geistigen Höhenflug:

  • Die Wiederentdeckung des Aristoteles: Über arabische Vermittler (wie Averroes (+1198 Ibn Ruschd) und Avicenna (+1037 Ibn Sina) gelangten fast alle Werke des Aristoteles nach Europa. Seine Logik und Naturphilosophie boten ein völlig neues, systematisches Weltbild, das weit über das bisherige Wissen hinausging.

  • Gründung der Universitäten: Aus den alten Domschulen entstanden Institutionen wie die Universität von Paris oder Oxford. Sie boten den institutionellen Rahmen für freieres Denken und professionelle Debatten (Disputationen).

  • Die Bettelorden: Die Dominikaner und Franziskaner (Bonaventura, Duns Scotus) stellten die intellektuelle Elite. Sie verbanden tiefen Glauben mit dem Drang, die Welt wissenschaftlich zu durchdringen, und besetzten die wichtigsten Lehrstühle.

Das Hauptziel war die "Synthese von Glauben und Vernunft" (fides quaerens intellectum – der Glaube, der nach Einsicht sucht).

  • Die Summen-Literatur: Man versuchte, das gesamte Wissen der Zeit in riesigen Lehrwerken zusammenzufassen (z. B. die Summa Theologica (Thomas)).

  • Die Scholastische Methode: Ein streng logisches Verfahren. Erst wurde eine Frage gestellt (Quaestio), dann wurden Gegenargumente aufgelistet, gefolgt von der eigenen Lösung (Responsio) und der Widerlegung (Refutatio) der Einwände.

  • Versöhnung der Autoritäten: Das Ziel war es, die biblische Offenbarung mit der antiken Philosophie (insbesondere Aristoteles) in Einklang zu bringen.

In der Hochscholastik bildeten sich verschiedene Denkschulen heraus, die oft hitzig miteinander debattierten.

Thomas von Aquin (+1274) -> Der bedeutendste Scholastiker. Er "christianisierte" Aristoteles und schuf das fundierteste System der katholischen Philosophie. (Summa Theologica (6. Dezember 1273))


Albertus Magnus (+1280) -> Lehrer von Thomas. Er besaß ein enormes naturwissenschaftliches Wissen und ebnete den Weg für die Aristoteles-Rezeption. (Summa de Creaturis (um 1240-1243))


Bonaventura (+1274) -> Ein Franziskaner, der stärker in der Tradition von Augustinus stand. Für ihn war die Erleuchtung durch Gott wichtiger als die reine Logik. (Itinerarium mentis in Deum (1259))


Duns Scotus (+1308) -> Bekannt als "Doctor Subtilis". Er betonte die Freiheit des Willens Gottes gegenüber der Vernunft (Voluntarismus).

Roger Bacon (+ um 1292) -> eigentlich einer der Hauptvertreter der Spätscholastik erkannte scharfsinnig die Schwächen des scholastischen Wissenschaftsbetriebs, vor allem seine extreme Theorielastigkeit, und versuchte, durch stärkere Einbeziehung von Erfahrungswissen einen Ausgleich zu schaffen. Mit seinem in die Zukunft weisenden Konzept einer Erfahrungswissenschaft (scientia experimentalis) und einer Fülle kühner, neuartiger Ideen eilte er seinen Zeitgenossen voraus. Er machte sich aber durch seine Neigung zu schroffer, schonungsloser Kritik in weiten Kreisen unbeliebt, und seine Ansätze wurden nicht so aufgegriffen, wie es für eine umfassende Reform der Scholastik erforderlich gewesen wäre.

10
New cards

Occams Rasiermesser

oder auch Parsimonitätsprinzip (lex parsimoniae = Gesetz der Sparsamkeit)

(auch novacula Occami  ("scharfes Messer" Occams) oder Occams Skalpell)

"Entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem" (bzw. ...sine necessitate)

"Wesenheiten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden."

(ca. 1654 von Johannes Clauberg (am bekanntesten, aber vorher schon 1639 beim Scotisten Johannes Poncius, der ihn als scholastische Maxime zitiert)

Ockhams Rasiermesser – auch Prinzip der Parsimonie, lex parsimoniae oder Sparsamkeitsprinzip – ist ein heuristisches Forschungsprinzip aus der Scholastik, das bei der Bildung von erklärenden Hypothesen und Theorien höchstmögliche Sparsamkeit gebietet. Das nach Wilhelm von Ockham (1288–1347) benannte Prinzip findet seine Anwendung in der Wissenschaftstheorie und der wissenschaftlichen Methodologie.

-> Von mehreren möglichen hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.

-> Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und diese in logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt folgt.

Die Idee, die einfachste Erklärung zu bevorzugen, reicht zurück bis zu Aristoteles. Meist wurde sie damit begründet, dass die Natur immer den einfachsten Weg wähle. Ockham lehnte diese Begründung allerdings ab, da sie die Allmacht Gottes limitiere. Eine solche Beschränkung des göttlichen Willens akzeptiert er nicht.

Ockhams Rasiermesser ist kein Beweis, sondern eine Methodenregel. Eine komplexere Theorie kann durchaus einer "einfacheren" vorgezogen werden, wenn sie einen größeren Bereich abdeckt!

Das Ziel ist es, unnötige Annahmen „abzurasieren“. Wenn du ein Hufgeklappern in der Münchner Innenstadt hörst, solltest du zuerst an Pferde denken und nicht an Zebras – nicht weil Zebras unmöglich sind, sondern weil die Annahme „Zebra“ zusätzliche, unwahrscheinliche Erklärungen erfordert (z. B. ein Ausbruch aus dem Zoo).

11
New cards

Hitchens’ Rasiermesser

XXX (englisch Hitchens’ razor) ist eine erkenntnis- und argumentationstheoretische Maxime. In einem Argument liegt demnach die Beweislast für eine Behauptung bei derjenigen Streitpartei, die die Behauptung aufstellt. Kann diese ihre Behauptung nicht begründen, so kann die Gegenpartei gemäß Hitchens’ Rasiermesser die Behauptung ohne weitere Begründungen verwerfen.

Die Maxime ist nach Christopher Hitchens (1949 - 2011; Autor, Literaturkritiker) benannt, der sie als Argumentationsfigur Anfang des 21. Jahrhunderts in seinen Veröffentlichungen mit großer Reichweite verwendete.

“What can be asserted without evidence can also be dismissed without evidence.” 

„Was ohne Nachweis behauptet werden kann, kann auch ohne Nachweis verworfen werden.“ 

Hitchens’ Rasiermesser ist auf die Übersetzung eines lateinischen Sprichworts zurückzuführen, das im 19. Jahrhundert verwendet wurde:

Quod gratis asseritur, gratis negatur.” 

Was grundlos behauptet wird, kann grundlos bestritten werden

(Bereits im 17. Jahrhundert war diese Formulierung publiziert worden)

Das Vorliegen falscher Beweisgründe kann wie das Nicht-Vorliegen von Beweisgründen behandelt werden. Demnach erlaubt Hitchens’ Rasiermesser, alle Aussagen zu verwerfen, die durch falsche Prämissen oder Fehlschlüsse begründet werden.

Die Bezeichnung als „Rasiermesser“ wurde in Analogie zu Ockhams Rasiermesser gewählt und spielt in der Skeptiker-Szene eine wichtige Rolle nach der Beweislastverschiebung.

12
New cards

Klitikon

ist ein Begriff aus der Sprachwissenschaft und bezeichnet ein unbetontes oder schwach betontes Morphem, das weniger selbständig ist als ein Wort, da es sich an ein benachbartes betontes Wort lautlich anlehnen muss. 

Beispiele wären:  "vorm Haus"  oder "Mama" die Musik leiser

13
New cards

Guillaume Amontons

war ein französischer Physiker und Erfinder, bekannt für seine Arbeiten zur Reibung und Thermodynamik sowie für die Entwicklung des Gesetz von XXX: für V = const → p/T = const

14
New cards

Junko Tabei

war eine japanische Bergsteigerin, die am 16. Mai 1975 als erste Frau den Gipfel des Mount Everest bestieg

15
New cards

Myriade

steht für eine Anzahl von 10.000 (altgriechisch μυριάς myrias „zehntausend, unzählbar große Menge“

16
New cards

Naypyidaw

ist seit 2005 die Hauptstadt von Myanmar - vorher Rangun

17
New cards

Apsis

bezeichnet in der Astronomie einen der zwei Hauptscheitel der elliptischen Umlaufbahn eines Himmelskörpers um einen anderen als Zentralkörper. (griechisch für Gewölbe ).. ..Plural: Apsiden.

(vgl.: ist ein im Grundriss halbkreisförmiger Raumteil, der an einen Hauptraum anschließt)

Die Apoapsis ist derjenige Scheitel mit der größten Entfernung zum Zentralkörper und die Periapsis der mit der geringsten; beide gemeinsam werden Apsiden genannt, ihre Verbindungsgerade heißt Apsidenlinie.

Ap(o) -> für den fernen (präfix apo = ab, weg, weg von, ohne, fern)

Peri -> für den nahen Hauptscheitelpunkt (präfix peri = um, herum)

Bsp:

helios - sonne -> Peri-hel; Ap-hel

selene - mond -> Peri-selen; Apo-selen

gaia - erde -> Peri-gäum; Apo-gäum

-jovum -> Jupiter

-ares -> Mars

18
New cards

Emanuel Lasker

(* 24. Dezember 1868 in Berlinchen, Neumark (heute Barlinek, Polen); † 11. Januar 1941 in New York) war ein deutscher Schachgroßmeister, Mathematiker und Philosoph.

Er war der zweite offizielle und zugleich bislang einzige deutsche Schachweltmeister (nach Wilhelm Steinitz (österr.- amerikanischer Schachgroßmeister 1836 Prag (Böhmen); 1900 New York)).

Er behauptete diese Position über einen Zeitraum von 27 Jahren (1894 bis 1921) und damit länger als jeder andere Träger dieses Titels. Beste Elo-Zahl: 2878 (Mai 1894; historische)

Arpad Emrick Elo, (* 25. August 1903 in Egyházaskesző, Österreich-Ungarn; † 5. November 1992 in Brookfield bei Milwaukee) war ein US-amerikanischer Physiker und Statistiker ungarischer Herkunft.

Magnus Carlsen (Norwegen): 2882 (Mai 2014 höchste offizielle Elo Zahl)

Die höchste historische Elo-Zahl wurde für Bobby Fischer berechnet; im Oktober 1971 betrug sie 2895.

19
New cards

Heuristik

(altgr. εὑρίσκω heurísko „ich finde“; von εὑρίσκειν heuriskein ‚auffinden‘, ‚entdecken‘) bezeichnet die Kunst, mit begrenztem Wissen (unvollständigen Informationen) und wenig Zeit zu guten Lösungen zu kommen. Es bezeichnet ein analytisches Vorgehen, bei dem mit begrenztem Wissen über ein System mit Hilfe von mutmaßenden Schlussfolgerungen Aussagen über das System getroffen werden. Die damit gefolgerten Aussagen können von der optimalen Lösung abweichen. Durch Vergleich mit einer optimalen Lösung kann die Güte der Heuristik bestimmt werden.

Bekannte Heuristiken sind zum Beispiel Versuch und Irrtum (trial and error) und das Ausschlussverfahren.

20
New cards

Anomie

(griech.: Kompositum aus α privativum zur Verneinung und der Endung -nomie nómos, deutsch ‚Gesetz, (Ver)ordnung, Regel, Sitte, Brauch; νόμος) bezeichnet in der Soziologie einen Zustand fehlender oder schwacher sozialer Normen, Regeln und Ordnung. Vor allem in England war der Begriff ursprünglich ein theologischer Ausdruck für das Brechen religiöser Gesetze. Zur Beschreibung einer Anomie wird umgangssprachlich und irreführend häufig auch das Wort Anarchie (Abwesenheit von Herrschaft archía „Herrschaft“) benutzt. Der Begriff der Anomie wurde von Émile Durkheim (franz. Soiologe), der ihn den Schriften des Philosophen Jean Marie Guyau entlehnt hatte, in die Soziologie eingeführt.

21
New cards

Abderit

ist eine Bezeichnung für einen Einfaltspinsel, einen Schildbürger, also einen naiven, dummen Menschen. Hergeleitet wird der Begriff von der antiken Stadt Abdera, die zwar die Heimat so bedeutender Männer wie Leukipp, Demokrit und Protagoras war, aber dennoch bei den Hellenen in den Ruf Schildas kam.

Abdera (polytonisch: altgriechisch Ἄβδηρα monotonisch: neugriechisch Άβδηρα, neugriechisch ausgesprochen: Avdira; alle Namensformen (n. pl.)) war eine bedeutende antike thrakische Stadt auf Kap Balustra 16 km nordöstlich der Mündung des Nestos in das Ägäische Meer.

22
New cards

Troglodyt

(griechisch τρωγλοδύτης „Höhlenbewohner“) steht für:

→ die Insassen der Höhle im platonischen Höhlengleichnis

→ verschiedene antike Volksstämme

23
New cards

Transsubstantiation

(lat.: „Wesensverwandlung“) bezeichnet in der christlichen Theologie die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi in der Heiligen Messe.

24
New cards

Agonie

als … wird eine Reihe von Erscheinungen im Sterben bezeichnet, welche – das allmähliche Erlöschen der Nerventätigkeit anzeigend – dem Eintritt des Todes unmittelbar vorausgehen. Der Begriff wird im Sinne von „Todeskampf“ inzwischen als unwissenschaftlich und unpräzise betrachtet.

Im weiteren Sinne wird der Begriff auch im Sinne von „Leid“ oder „qualvoller, auswegloser Zustand“ gebraucht.

Zu den möglichen Anzeichen des unmittelbar bevorstehenden Todes, die von Außenstehenden als qualvoll empfunden werden können, gehören: Unruhe, Beklemmung, Krämpfe, Kirchhofrosen (Totenflecke; zu Kirchhof als Synonym für Friedhof), unverständliches Reden, Flockenlesen (Krozidismus = zitteriges und ruheloses Herumfingern in der Luft oder über der Bettdecke; krokis = Flocke, nichts mit lat. Krokus zu tun), sodann schnarchende oder röchelnde Atmung bzw. „Schnappatmung“, kein fühlbarer Puls mehr, dem das Erkalten der Extremitäten folgt. Der Gesichtsausdruck von Patienten in einer Agonie wird mit dem klassischen Ausdruck der Facies hippocratica (siehe unten) beschrieben.

lateinisch für Hippokratisches Gesicht, ein „nach Hippokrates benannter Gesichtsausdruck“ eines Sterbenden

25
New cards

Caldera

(spanisch für Kessel) ist eine kesselförmige Struktur vulkanischen Ursprungs. (Krater)

26
New cards

Krokos

In der klassischen Mythologie war XXX (altgriechisch Κρόκος Krókos, lateinisch Crocus) ein sterblicher Jüngling, der von den Göttern aufgrund seiner unglücklichen Liebe zur Nymphe Smilax in eine Pflanze verwandelt wurde, den Krokus. Smilax hingegen wurde in ein Windengewächs verwandelt.

In einer anderen Variante des Mythos taucht Krokos als Begleiter des Hermes auf, der ihn versehentlich mit einem Diskus tötet. Hermes war darüber so verzagt, dass er mit Chloris’ Hilfe den Leichnam des Krokus in eine Blume verwandelte.

Chloris = die Göttin der blühenden Natur, siehe Flora (Römisch) → Flora


Diese Erzählung weist deutliche Parallelen zum Mythos von Apollo and Hyakinthos auf und könnte also eine Abwandlung jener Sage sein.

Apollon verliebte sich in den schönen Hyakinthos, tötete ihn jedoch aus Versehen mit einem Diskos. Aus dem vergossenen Blut ließ der trauernde Apollon eine Blume entstehen, deren Blütenblätter den Klageruf („AI AI“) darstellten.

27
New cards

Apostasie

Der Ausdruck XXX (griechisch αποστασία apostasía ‚Abfall‘; von ἀφίσταμαι aphistamai ‚abfallen‘, ‚wegtreten‘) bezeichnet die Abwendung von einer Religion durch einen förmlichen Akt (beispielsweise Kirchenaustritt oder Übertritt zu einem anderen Bekenntnis, Konversion). Jemand, der Apostasie vollführt, ist ein Apostat. Während Häresie nur eine oder mehrere überlieferte Lehren der Religion bestreitet, besteht die Apostasie in der Ablehnung der verlassenen Religion als solche.

28
New cards

Pejorativum

Ein XXX (lat. peiorare: „schlecht machen“) (Plural Pejorativa) oder Pejorativ (Plural Pejorative) (zu lateinisch peior, Komparativ von malus „schlecht“) ist ein sprachlicher Ausdruck, der das mit ihm Bezeichnete „implizit abwertet“, im Extremfall ein Schimpfwort.

Pejorativer Gebrauch umfasst auch die Verwendung eines sonst neutralen Wortes als Dysphemismus, etwa als bildlicher Vergleich mit als schlecht empfundenen Sachverhalten. Das Schwein zum Beispiel als neutrale Bezeichnung eines Tieres erhält durch den Ausruf „Du Schwein!“ eine negative Bedeutung; analog: „Du Sau.“ Verliert sich die neutrale Verwendung im Sprachgebrauch, wandelt sich das Wort ins Pejorative, sonst erweitert es nur sein Begriffsfeld (pejorative Konnotation).

Ein Beispiel für ein Pejorativ durch Pejoration ohne Begriffsfeldwandlung ist das Wort Weib als allgemein abwertende Bezeichnung für ‚Frau‘. Durch modernen Bedeutungswandel mittels der Bildung eines Kompositums ist der Begriff Mordsweib achtungsvoll konnotiert. Ein solches Gegenteil der Pejoration nennt sich Melioration.

Pejorativ ist das zugehörige Adjektiv und bedeutet „abfällig“ oder „abwertend“

Gegenteil ist meliorativ (Aufwertend) → (z. B. Marschall = hoher militärischer Dienstgrad, mittelhochdeutsch marschalc = Pferdeknecht) Substantiv Meliorativum

Melior

ist das lateinische Wort für “besser” (Komparativ von bonus “gut”) und steht symbolisch für Verbesserung, Fortschritt und das Streben nach Höherem.

29
New cards

Misogynie

XXX (von altgriechisch μισόγυνος misógynos „Weiberfeind“, gebildet aus μισεῖν misein „hassen“ sowie γυνή gyné „Frau“) bezeichnet die bereits in der griechischen Antike denkerisch und literarisch behandelte starke Abneigung gegen Frauen oder den „Frauenhass“.

XXX drückt sich in frauenfeindlichen Äußerungen und Polemiken in der Literatur wie in der Alltagssprache aus und manifestiert sich in vielfältigen Formen einschließlich restriktiven Regelungen und Gesetzen bis zur weltweit verbreiteten geschlechtsbedingten oder sexualisierten Gewalt gegen Frauen.

Die extreme Form der Misogynie ist der Femizid (l. femina = Frau), der aus geschlechtsspezifischen Vorurteilen begangene Mord an Frauen durch Männer.

Misanthropie bezeichnet den Menschenhass, Misandrie (μῖσος misos ‚Hass‘ und ἀνήρ anēr ‚Mann‘, Genitiv ἀνδρός andros) den Hass auf Männer.

Frau: Der Begriff lautet gynē (griechisch: γυνή, Plural: gynaikes).

Mann: Der Begriff lautet anēr (griechisch: ἀνήρ, Genitiv: andrós)

Androgyn

30
New cards

Meliorismus

XXX bezeichnet in der Philosophie und der Soziologie ein Konzept zur „Verbesserung“ des Menschen, seiner Beziehungen und der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen, die seine Lebensweise bestimmen. Sein Wortstamm findet sich auch in der Melioration, die jedoch im Unterschied dazu eine „Verbesserung“ bzw. Kultivierung in der Bodenkunde, Landschaftspflege oder Wasserwirtschaft benennt.

Der gesellschaftswissenschaftliche Begriff entstand im US-amerikanischen Pragmatismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts und wurde zuerst vom Mathematiker Charles Sanders Peirce geprägt. Später entlehnte ihn sein Freund und Psychologe William James. Beide wurden vor allem auch als Philosophen bekannt.

Melior

ist das lateinische Wort für “besser” (Komparativ von bonus “gut”) und steht symbolisch für Verbesserung, Fortschritt und das Streben nach Höherem.

bonus (gut) – melior (besser/lieber) – optimus (am besten/sehr gut)

31
New cards

Nevado Ojos del Salado

Der höchste Vulkan der Erde mit einer Höhe von 6.893 Metern. Er liegt in den Anden an der Grenze zwischen Chile und Argentinien und gilt zudem als der höchste aktive Vulkan der Welt. 

Er ist der höchste Gipfel in Chile und nach dem Aconcagua (in den argentinischen Anden ist mit 6961 m der höchste Berg Amerikas und der höchste Berg außerhalb Asiens) der zweithöchste Gipfel Südamerikas, womit er zu den Seven Second Summits zählt.

[ne-WA-do O-chos del sa-LA-do]

Der Name bedeutet "Verschneiter [Berg] der salzigen Augen" (Ojos del Salado = Salty Eyes)

32
New cards

Mauna Kea

Der Vulkan XXX (hawaiisch für Weißer Berg oder Mauna a Wākea) ist mit etwa 4205 m der höchste Berg auf Hawaii.

Bezieht man bei der Messung der Höhe den unterhalb der Meeresoberfläche liegenden Anteil mit ein, gilt der Mauna Kea mit 10.203 Metern als höchster Berg der Erde. Mauna Kea wird in der hawaiischen Kultur als ein heiliger Ort angesehen.

33
New cards

Chimborazo

Der aktive Vulkan XXX ist mit 6263 m Höhe über dem Meeresspiegel der höchste Berg in Ecuador.

Der Gipfel des XXX ist wegen seiner Nähe zum Äquator der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt auf der Erdoberfläche.

auch deutsch Tschimborasso

34
New cards

Perimeter

der Umfang einer geometrischen Figur. zB Quadrat = 4x Seitenlänge oder Rechteck = 2x (Länge + Breite)

(von altgriechisch peri ‚um herum‘ und metron ‚Maß‘)

35
New cards

Mercator Projektion

Die in der Kartografie verwendete XXX ist eine nach dem flämischen Kartografen Gerhard XXX benannte Form der Zylinderprojektion, bei der die Projektion in Richtung der Zylinderachse adäquat verzerrt ist, um eine winkeltreue Abbildung der Erdoberfläche zu erreichen. Die Mercator-Projektion ist keine Projektion in physikalischer Hinsicht und kann daher nicht geometrisch konstruiert werden. Die Winkeltreue ist gleichbedeutend mit Konformität, so dass geometrische Formen im Kleinen unverzerrt bleiben. Dagegen ist die Mercator-Projektion weder flächentreu noch richtungstreu über große Distanzen.

Übliche Darstellung, wird praktisch überall verwendet.

Gerhard Mercator (geboren als Gheert Cremer; latinisiert Gerardus Mercator; * 5. März 1512 in Rupelmonde, Grafschaft Flandern (Belgien); † 2. Dezember 1594 in Duisburg)

war ein Geograph und Kartograf, der schon zu Lebzeiten als der Ptolemäus seiner Zeit angesehen wurde und große Berühmtheit erlangte. Heute vorwiegend als Karten- und Globenhersteller bekannt, war Mercator im 16. Jahrhundert auch als Kosmograf, Theologe und Philosoph von großer Bedeutung und setzte Maßstäbe als Schriftkünstler.

Die Gall-Peters-Projektion beruht auf einem von Arno Peters 1974 (1916 Berlin - 2002) veröffentlichten Kartennetzentwurf. Er ist mit der von James Gall (1808–1895) entwickelten Gall’s Orthographic Projection identisch, erreichte aber erst durch Arno Peters’ Bemühungen eine vermehrte Verwendung. Die Projektion bildet die Größenverhältnisse flächengetreuer ab als die weitverbreitete Mercator-Projektion.

Sie ist flächen-, lage- und achsentreu. Ebenfalls eine Zylinderprojektion.

36
New cards

Fluchtgeschwindigkeit

Die XXX der Erde beträgt etwa 11,2 Kilometer pro Sekunde (ca. 40.320 km/h)

Dies ist die Geschwindigkeit, die ein Objekt erreichen muss, um das Gravitationsfeld der Erde dauerhaft zu verlassen, ohne weiteren Antrieb zu benötigen. In der Physik wird sie auch als zweite kosmische Geschwindigkeit bezeichnet.

  • 1. Kosmische Geschwindigkeit (Kreisbahngeschwindigkeit): Etwa 7,9 km/s. Mit diesem Tempo stürzt ein Objekt nicht zurück auf die Erde, sondern bleibt in einer stabilen Umlaufbahn (Orbit). zB ISS → (= ca. 28440 km/h)

  • 2. Kosmische Geschwindigkeit (Fluchtgeschwindigkeit): Etwa 11,2 km/s. Damit verlässt ein Objekt die Erdumlaufbahn und kann zu anderen Planeten fliegen.

  • 3. Kosmische Geschwindigkeit: Etwa 16,7 km/s (von der Erde aus gesehen = ca. 60120 km/h). Diese Geschwindigkeit ist nötig, um das gesamte Sonnensystem zu verlassen

  • 4. Kosmische Geschwindigkeit: ist die Fluchtgeschwindigkeit aus unserer Galaxie - der Milchstrasse. Sie liegt bei rund 320 Kilometern pro Sekunde. (= ca. 1152000 km/h

Interessanterweise ist die Fluchtgeschwindigkeit unabhängig von der Masse des fliehenden Objekts – ein Tennisball benötigt theoretisch dieselbe Geschwindigkeit wie eine schwere Rakete.

Dass diese Geschwindigkeit unabhängig von der Masse des entkommenden Objekts ist, liegt daran, dass Gravitationskraft und Bewegungsenergie (kinetische Energie) beide direkt proportional zur Masse des Objekts sind. Wenn die Masse zunimmt, steigen sowohl die erforderliche Energie zum Aufstieg als auch die Energie, die zum "Herausziehen" nötig ist, im gleichen Maße an.

Wichtig ist, dass die kosmischen Geschwindigkeiten idealisierte Werte sind. Zum Beispiel berücksichtigen sie nicht den Geschwindigkeitsverlust durch den Luftwiderstand beim Start einer Rakete. Zudem beziehen sich die angegebenen Werte auf die Erde beziehungsweise unser Sonnensystem und gelten nicht im gesamten Universum.

Die geostationäre Umlaufbahn (GEO) befindet sich in einer präzisen Höhe von

35.786 Kilometern über dem Äquator der Erdoberfläche. Aufgrund der Umlaufzeit von 24 Stunden, die der Erdrotation entspricht, stehen geostationäre Satelliten ortsfest über einem Punkt, häufig genutzt für Wetter- und Kommunikationssatelliten.

37
New cards

Epitheton

Mit Epitheton (gr. „das Hinzugefügte“, „das später Eingeführte“) bezeichnet man in der Rhetorik/Stilistik das Hinzufügen eines im Satzzusammenhang nicht unbedingt erforderlichen Attributs, zum Beispiel die „grüne Wiese“. 

Ein Epitheton kann auch eine Individualisierung, Charakterisierung oder Bewertung ausdrücken, z. B. „Iwan der Schreckliche“ oder „Land der Tausend Seen“. Ein besonderes Epitheton ist das epitheton ornans, der (entbehrliche, aber) schmückende (lat. ornare: „schmücken“) Zusatz. (zB eben "grüne Wiese", "listenreicher Odysseus").
Biologie: homo sapiens, homo erectus, etc...

38
New cards

Eschatologie

Eschatologie ([ɛsça-], griechisch εσχατολογία, von altgriech. τὰ ἔσχατα ta és-chata, „die äußersten/letzten Dinge“ und λόγος lógos ‚Lehre‘ ) ist ein theologischer Begriff, der das religiöse Konzept des Endzeitlichen, insbesondere die prophetische Lehre von der Hoffnung auf Vollendung des Einzelnen (individuelle Eschatologie) und der gesamten Schöpfung (universale Eschatologie) beschreibt. 

Früher verstand man darunter die Lehre von den „letzten Dingen“ und damit verbunden die „Lehre vom Anbruch einer neuen Welt“. (katholizismus: Endgericht u. Leben nach dem Tod)

39
New cards

Antepänultima

Die letzte Silbe eines Wortes nennt man Endsilbe oder Ultima (lateinisch [syllaba] ultima „die letzte [Silbe]“), die vorletzte Vorendsilbe oder Pänultima ([syllaba] paenultima „die vorletzte [Silbe]“, wörtlich „die beinahe letzte“) und die vorvorletzte Antepänultima ([syllaba] antepaenultima „die [Silbe] vor der vorletzten“)

zusammengesetzt aus dem lateinischen ante ‚vor‘ und paene ‚fast, beinahe‘ sowie ultima ‚letzte (Silbe)‘

40
New cards

Autopoiesis

Autopoiesis oder Autopoiese (altgriechisch αὐτός autos, deutsch ‚selbst‘ und ποιεῖν poieinschaffen, bauen“) ist der Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems.

In der Biologie stellt das Konzept der Autopoiesis einen Versuch dar, das charakteristische Organisationsmerkmal von Lebewesen oder lebenden Systemen mit den Mitteln der Systemtheorie zu definieren. Der vom chilenischen Neurobiologen Humberto Maturana geprägte Begriff wurde in der Folge seiner Veröffentlichungen aufgebrochen und für andere wissenschaftliche Disziplinen abgewandelt und fruchtbar gemacht, darunter die Soziologische Systemtheorie.

Das Konzept der Autopoiesis ist eine Teilmenge des allgemeiner gültigen ontologischen Konzepts der emergenten Selbstorganisation. Es betont besonders den phänomenologischen Prozess der kontinuierlichen Selbsterschaffung und -erhaltung, durch den ein System seine eigene Identität und Struktur bewahrt.

Das Gegenteil ist Allopoiesis.

Allopoiesis (altgriech. αλλ(ο)- allo „anders, verschieden“ und ποιεῖν poiein „schaffen, bauen“) bezeichnet ein System, das sich nicht selbst reproduzieren kann und dessen Produkte nicht es selbst sind. Allopoietische Systeme sind also nicht autonom. Der Begriff stammt aus der Systemtheorie und ist das Gegenteil von Autopoiesis.

Der Neurobiologe Humberto Maturana benutzt den Begriff für Systeme, die keine Lebewesen sind, denn diese sind nach seiner Definition autopoietisch. Ein Beispiel ist eine Fertigungsstraße, bei der das Produkt (zum Beispiel ein Kraftfahrzeug) im Regelfall nichts mit den zur Fertigung verwandten Maschinen zu tun hat. Ein weiteres Beispiel sind Viren, die keine Selbstreproduktion betreiben können und für die Reproduktion eine Wirtszelle brauchen.

41
New cards

Aristarchos von Samos

Aristarch(os) von Samos (griechisch Ἀρίσταρχος [ὁ Σάμιος] Arístarchos [ho Sámios]; um 310 v. Chr. auf Samos; † um 230 v. Chr.) war ein griechischer Astronom und Mathematiker
Er war einer der ersten griechischen Astronomen, die das heliozentrische Weltbild vertraten, wonach die Sonne und nicht die Erde im Zentrum des Weltalls steht. Daher gilt er auch als der „griechische Kopernikus“.
Sein weitergehendes heliozentrisches Weltbild wurde von
Kleanthes als Heterodoxie (= Häresie, ggt: Orthodoxie) und „Störung der Weltordnung“ bekämpft. Aristarchos stieß daher mit seiner Theorie kaum auf Anerkennung (Ausnahme: Seleukos von Seleukia), so dass seine Vorstellungen im Schatten der Arbeiten von Aristoteles (384 - 322) und Ptolemäus (100 - 160) standen.

Erst ungefähr 1800 Jahre nach Aristarch wurde das heliozentrische Weltbild von
Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543) erneut aufgegriffen und umfassend ausgearbeitet. Unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Aristarch propagierte Kopernikus das heliozentrische Weltbild in seinem Werk De revolutionibus orbium coelestium (1543).

Kleanthes (altgriechisch Κλεάνθης Kleánthēs, ca. 331 v. Chr. oder später in Assos in der Troas, heute Westtürkei; † ca. 232 v. Chr.) war ein antiker griechischer Philosoph der Stoa. (Nachfolger von Zenon von Kition (333 - 262), des Begrünjders der Stoa)

Seleukos von Seleukeia (auch Seleukos von Babylon; * um 190 v. Chr., † um 150 v. Chr.) war ein griechischer Astronom des 2. Jahrhunderts v. Chr. und Verfechter des heliozentrischen Weltbilds und stellte die Anziehungskraft des Monds als Ursache der Gezeiten fest. 

42
New cards

Almagest

Almagest nennt man eines der Hauptwerke der antiken Astronomie, das auf den Gelehrten Claudius Ptolemäus (ca. AD 100 - 160) zurückgeht.

Üblicherweise wird der Sternkatalog auf das Jahr 137 n. Chr. datiert. Heute gilt das Werk als Höhepunkt und Abschluss der antiken Astronomie. 

(von altgriechisch μαθηματική σύνταξις mathematiké sýntaxis, arabisch al-maǧisṭī)

Dieses Buch gilt als umfassendste und kompetenteste Darstellung des astronomischen Systems der griechisch-römischen Antike. Standardwerk der mathematischen Astronomie vom 2. bis zum 17. Jahrhundert.

Der Almagest beruht auf dem geozentrischen ptolemäischen Weltbild.

Gründet in vielen Teilen auf:

Hipparchos von Nicäa (Ἵππαρχος, deutsch Hipparch; * um 190 v. Chr. in Nikaia; † um 120 v. Chr. wahrscheinlich auf Rhodos) war der bedeutendste griechische Astronom seiner Zeit. Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Astronomie.

43
New cards

Peripetie

Es beschreibt den entscheidenden Wendepunkt in einem Drama bzw im Schicksal eines Menschen – meistens den Moment, in dem das Schicksal des Helden von Glück in Unglück umschlägt (oder umgekehrt). 

Der Begriff stammt direkt aus dem Altgriechischen: περιπέτεια (peripéteia).

  • peri- (περί): bedeutet „um“, „herum“ oder „umher“.

  • petein (πίπτειν): bedeutet „fallen“.

Zusammengesetzt bedeutet es also wörtlich so viel wie das „Herumfallen“ oder der „Umschlag“. Man kann es sich bildlich wie ein Umkippen der Situation vorstellen.

Anagnorisis (griechisch ἀναγνώρισιςWiedererkennung‘, Betonung auf dem „o“) bezeichnet in der griechischen und römischen Literatur den Umstand, dass sich zwei Personen wiedererkennen.  (zB Odysseus und seine Amme Eurykleia oder später seine Gattin Penelope)

Das Wort setzt sich aus drei griechischen Bestandteilen zusammen:

  • ana- (ἀνά): Eine Vorsilbe, die hier „wieder“ oder „zurück“ bedeutet.

  • gnō- (γνω): Der Wortstamm für „wissen“ oder „erkennen“ (verwandt mit dem deutschen kennen oder dem lateinischen cognoscere).

  • -isis (-ισις): Eine Endung, die einen Vorgang oder eine Handlung beschreibt.

Wörtlich übersetzt bedeutet es also „Wiedererkennung“ oder das „Zurückgelangen zu einer Erkenntnis“.

Nach der Poetik des Aristoteles (Kap. 11) ist die Anagnorisis eines der drei Grundelemente (gr. mére, „Teile“) einer komplizierten (wörtl. verflochtenen) Handlung (gr. mythos peplegménos) - neben Peripetie und schwerem Leid (pathos). 

Er definiert sie als Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis (gr. ex ágnoias eis gnôsin metabolé). Aristoteles fasst demnach den Begriff weiter und versteht darunter auch das Wiedererkennen von Gegenständen sowie die Erkenntnis, dass jemand etwas getan hat oder nicht getan hat. Auch Ödipus' Einsicht, dass er selbst der Mörder seines Vaters war (in Sophokles' König Ödipus), sieht Aristoteles als Anagnorisis an. Am besten sei die Anagnorisis von Personen, insbesondere, wenn sie gemeinsam mit der Peripetie eintrete wie im König Ödipus).

44
New cards

Pathos

Das Pathos (im 17. Jahrhundert entlehnt vom griechischen Neutrum πάθος páthos „Erlebnis, Leiden(schaft)“, zum Verb πάσχειν pás-che-in „erleben/erfahren, erleiden/erdulden“ [Gegenwort: „es selbst tun“]) bezeichnet in der Rhetorik ein Überzeugungsmittel der Rede.

Umgangssprachlich versteht man heute darunter eine emotionale Form der Artikulation, die suggeriert, dass das Gesagte mehr Gewicht habe als tatsächlich enthalten ist. 

In der klassischen Rhetorik seit Aristoteles bezeichnet Pathos eines der drei Überzeugungsmittel der Rede.

1. Während Pathos die Rede als emotionalen Appell auf das Publikum hin ausrichtet, bezieht 

2. Ethos („Charakter“, „Wesensart“, „Sitte“, „Brauch“, “Sinnesart” oder „Gewohnheit“) seine Überzeugungskraft aus der Integrität des Sprechers. 

3. Die prágma(ta) (etwas, das vollbracht wurde: Handlung, Tat, Ding, Sache → vergleiche Logos) schließlich sind Argumente, die der Sache selbst entnommen sind.

In einem 1986 erschienenen Essay hat der amerikanische Philosoph Harry Frankfurt die Verbindung von Pathos und fehlendem Signifikat (Bezeichnetes) als den Kern von Bullshit bestimmt.

45
New cards

Peripatos

Peripatos ist der Name der philosophischen Schule des Aristoteles. Wie die anderen philosophischen Schulen Athens (Akademie, Stoa, Kepos) leitet sich ihr Name von dem Ort ab, an dem der Unterricht stattfand, in diesem Fall vom Peripatos (altgriechisch περίπατος ‚Wandelhalle‘).

Entsprechend hießen die Angehörigen der Schule Peripatetiker. Heute werden die Begriffe „Peripatetiker“ und das Adjektiv „peripatetisch“ ausschließlich im Sinne von „Vertreter/Anhänger der Lehre des Aristoteles“ bzw. „auf die Lehre des Aristoteles bezogen“ verwendet.

Ursprünglich bezeichnete Peripatos einen überdachten, säulengeschützten Wandelgang, wie man ihn oft in griechischen Gymnasien (Sportstätten) fand. Aristoteles pflegte seine Lehrvorträge im Gehen zu halten – meistens im Garten des Lykeions (ein dem Apollon Lykeios geweihter Hain neben dem Gymnasion bei Athen). Aufgrund dieser Vorliebe für "wandelnde Vorlesungen" erhielt seine philosophische Schule den Namen Peripatetiker. Die Anhänger des Aristoteles waren also sprichwörtlich die "Umherwandelnden". (Umherwandern beim Telephonieren ist gleichsam eine reminiszenz an Aristoteles!)

Die Platonische Akademie (altgriechisch Άκαδήμεια Akadḗmeia oder Άκαδημία Akadēmía, latinisiert Academia) war die von Platon (428 - 348) gegründete antike Philosophenschule in Athen.
Die Platonische Akademie war die älteste und längstlebige Institution dieser Art in Griechenland. Bei dem Akademeia genannten Hain des attischen Heros Akademos im Nordwesten von Athen, außerhalb der Stadtmauer, kaufte Platon – wohl 387 v. Chr. – ein Grundstück, auf dem er einen Kultbezirk für die Musen einrichtete und philosophisch-wissenschaftlichen Unterricht zu erteilen begann. Im Laufe der Zeit wurde der Name von dem Hain auf die Schule übertragen, und für die Schulmitglieder wurde die Bezeichnung Akademiker (Ἀκαδημεικός Akadēmeikós) gebräuchlich. 

Die Stoa (auch stoische Philosophie oder Stoizismus) ist eine der wirkungsmächtigsten philosophischen Richtungen der Antike. Sie wurde von Zenon von Kition um 300 v. Chr. begründet. Der Name (griechisch στοὰ ποικίλη stoá poikílē, deutsch ‚bunte Vorhalle‘) geht auf eine Säulenhalle (Stoa) mit bunten Gemälden auf der Agora, dem Marktplatz von Athen, zurück, in der Zenon von Kition seine Lehrtätigkeit aufnahm.

Epikur (altgriechisch Ἐπίκουρος Epíkouros; * um 341 v. Chr. auf Samos; † 271 oder 270 v. Chr. in Athen) war ein griechischer Philosoph, Begründer des Epikureismus und der epikureischen Schule. Diese im Hellenismus parallel zur Stoa entstandene philosophische Schule hat durch die von Epikur entwickelte hedonistische Lehre seit ihren Anfängen zwischen Anhängern und Gegnern polarisierend gewirkt. Sie war und ist durch ein verbreitetes Missverständnis des epikureischen Lustbegriffs Fehldeutungen ausgesetzt. Da sich Epikur und seine Anhänger häufig in einem Garten versammelten, wird seine Schule nach dem griechischen Wort für Garten (κῆπος) auch Kepos genannt.

46
New cards

Energieerhaltungssatz

Ein fundamentaler physikalischer Grundsatz, der besagt, dass die Gesamtenergie eines isolierten Systems konstant bleibt; Energie kann nicht erschaffen oder vernichtet, nur umgewandelt werden.

47
New cards

Kinetische Energie

Die Energie, die ein Objekt aufgrund seiner Bewegung besitzt, berechnet mit der Formel: Ek=12mv2E_k = \frac{1}{2}mv^2, wobei mm die Masse und vv die Geschwindigkeit ist.

48
New cards

Holodomor

Der Begriff Holodomor (ukrainisch Голодомор ‚Tötung durch Hunger‘; russisch Голодомор Golodomor) steht für den Teil der Hungersnot in der Sowjetunion in den 1930er Jahren in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. In dieser Unionsrepublik fielen dem Hunger schätzungsweise drei bis sieben Millionen Menschen zum Opfer. Die Ukraine bemüht sich seit ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991 um eine internationale Anerkennung des Holodomors als Völkermord. Diese Bewertung ist umstritten und wird insbesondere von der Regierung Russlands kritisiert. International findet sie aber immer mehr Zustimmung.

Die Hungersnot in der Sowjetunion in den 1930er Jahren war die nach Todeszahlen größte Hungersnot in der Geschichte der Sowjetunion und die zweite der drei großen Hungersnöte der sowjetischen Geschichte. Während die Schuld der stalinistischen Regierung und ihrer Politik an der Hungersnot unbestritten ist, sind die Intentionen der Sowjetführung sowie die Einstufung der Hungersnot als Völkermord historische und politische Streitpunkte. (2022 auch von Deutschland als Völkermord (Genozid) eingestuft)

Schätzungen der Todeszahlen haben im Verlauf der Geschichte variiert, liegen aber nach neuestem Stand zwischen 8.000.000 und 9.000.000

Die Ursachen: Politik statt Naturkatastrophe

Im Gegensatz zu vielen historischen Hungersnöten war der Holodomor nicht die Folge von Missernten oder Wetterkapriolen, sondern das Ergebnis gezielter politischer Entscheidungen:

  • Zwangskollektivierung: Stalin wollte die Landwirtschaft radikal sozialisieren. Bauern wurden gezwungen, ihr Land und Vieh an staatliche Kolchosen abzugeben.

  • Vernichtung der „Kulaken“: Wohlhabende oder auch nur widerständige Bauern wurden als Klassenfeinde deklariert, enteignet, deportiert oder erschossen.

  • Unerfüllbare Quoten: Der Staat setzte die Abgabemengen für Getreide so extrem hoch an, dass den Bauern nichts mehr zum Überleben blieb. Selbst Saatgut für das nächste Jahr wurde beschlagnahmt.

  • Reiseverbote: Um die Flucht hungernder Menschen in die Städte oder in andere Regionen zu verhindern, wurden die Grenzen der Ukraine intern abgeriegelt.

Die Ziele Stalins

Historiker sind sich weitgehend einig, dass Stalin mit dieser harten Linie zwei Ziele verfolgte:

  1. Brechen des Widerstands: Die ukrainischen Bauern wehrten sich massiv gegen die Kollektivierung; der Hunger sollte ihren Willen brechen.

  2. Unterdrückung des Nationalismus: Stalin sah im ukrainischen Streben nach Eigenständigkeit eine Gefahr für die Einheit der Sowjetunion. Die Vernichtung der bäuerlichen Elite war gleichzeitig ein Schlag gegen die kulturelle Identität der Ukraine.

Beispiel: Gesetzt der Fünf Ähren (1932) -> Diebstahl von „Kollektivbauernhofbesitz“ wurde mit entweder mindestens 10 Jahren Gefängnis oder mit Hinrichtung bestraft. Es wurde verboten, die Erntereste auf den Kollektivbauernhöfen aufzusammeln.

49
New cards

Marasmus

Als XXX (Adjektive marantisch, marastisch, marasmatisch; von altgriechisch μαρασμός marasmós, deutsch ‚Schwachwerden, speziell das Abnehmen der Lebenskraft im hohen Greisenalter oder durch abzehrende Krankheit‘; früher auch Darrsucht oder Darmdrüsenzehrung genannt) bezeichnet man einen Proteinmangel bzw. Energiemangel, der zum Abbau aller Energie- und Eiweißreserven führt (auch PEM protein-energy-malnutrition). Anders Ausgedrückt ist Marasmus eine schwere Form der energetischen Mangelernährung aufgrund chronischer Unterernährung oder Infektionen (die die Energiegewinnung hindern, Malabsoption und Maldigestion).

Während beim sogenannten „Hungerbauch“ (Kwashiorkor) primär Protein (Eiweiß) fehlt, mangelt es beim Marasmus an allem: Kalorien, Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten (Energie)

In der Gerontologie bezeichnet Marasmus senilis den Abbau körperlicher Funktionen mit zunehmendem Alter und wird damit auch als Begriff für eine Todesursache verwendet. Diese Altersschwäche tritt besonders im Greisenalter auf.

50
New cards

Kwashiorkor

XXX ist eine schwere Form der Fehlernährung, die primär durch einen extremen Mangel an Proteinen (Eiweiß) verursacht wird (nicht gleichzusetzen mit Marasmus, bei dem es an allem mangelt, aber vorrangig um den Kalorien (Energie) Mangel geht) – und das oft bei einer gleichzeitig (einigermaßen) ausreichenden Zufuhr von Kalorien (meist durch Kohlenhydrate).

Der Name stammt aus der Ga-Sprache Ghanas und bedeutet sinngemäß „die Krankheit, die das Kind bekommt, wenn das nächste Kind geboren wird“. Dies beschreibt das typische Szenario: Ein Kind wird abgestillt, weil ein Geschwisterchen geboren wurde, und erhält danach nur noch proteinarme, kohlenhydratreiche Kost (wie Maisbrei oder Maniok).

Das bekannteste Merkmal von Kwashiorkor ist der stark vorgewölbte „Hungerbauch“.

Anders als man vermuten könnte, ist dies kein Zeichen von Fett oder Sättigung, sondern die Folge von Ödemen (Wassereinlagerungen). Da im Blut zu wenig Eiweiß (vor allem Albumin) vorhanden ist, kann der osmotische Druck nicht aufrechterhalten werden. Die Flüssigkeit tritt aus den Blutgefäßen in das umliegende Gewebe und die Bauchhöhle aus.

Während des Biafra-Krieges (nigerianischer Bürgerkrieg von 1967 bis 1970) wurde der Begriff „Biafra-Kind“ für die erkrankten Kinder geprägt.

51
New cards

Sui generis

Der lateinische Begriff XXX bedeutet wörtlich übersetzt: „eigener Art“ oder „von eigener Gattung“.

Man benutzt diesen Ausdruck immer dann, wenn etwas so speziell oder einzigartig ist, dass es sich nicht in bestehende Kategorien oder Schubladen einordnen lässt. Es ist ein „Sonderfall“, für den es keine direkten Vergleichswerte gibt.

Der Begriff wurde von der scholastischen Philosophie entwickelt, um eine Idee, eine Entität oder eine Wirklichkeit zu bezeichnen, die nicht unter ein höheres Konzept eingeordnet werden kann, sondern vielmehr nur durch sich selbst eine Klasse bildet.

Émile Durkheim (1858 - 1917): Der Soziologe argumentierte, dass „soziale Tatsachen“ (wie Religion oder Moral) Tatsachen sui generis sind. Man kann sie nicht allein durch die Psychologie des Einzelnen erklären, sondern muss sie als eigenständige gesellschaftliche Kraft betrachten.

52
New cards

Disputation

Die Disputation (lateinisch disputatio „Erörterung, Unterredung“) ist ein seit dem Mittelalter gebräuchlicher Begriff für ein gelehrtes Streitgespräch. Er leitet sich vom Verb disputāre ab, das „erwägen, erörtern, berechnen“ bedeutet und aus der Vorsilbe dis- (auseinander) sowie putāre (berechnen, meinen) zusammengesetzt ist.

Die Disputation ist eine mündliche Verteidigung, die als wissenschaftliches Streitgespräch den Abschluss eines Promotionsverfahrens bildet. Dabei wird die Dissertation (Doktorarbeit) vor einer Prüfungskommission präsentiert und verteidigt, oft inklusive anschließender Fachprüfung.

53
New cards

Scholastik

XXX (von altgriechisch σχολαστικός scholastikós „müßig, seine Muße den Wissenschaften widmend“, substantiviert gebraucht auch „Student, Stubengelehrter, Pedant, Scholast“; latinisiert scholasticus „schulisch, zum Studium gehörig“) ist die Denkweise und Methode der Beweisführung, die in der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters entwickelt wurde.

Sie ist die wissenschaftliche Denkweise und Methode des Mittelalters (ca. 11. bis 15. Jahrhundert).

Ihr Kernanliegen war es, den christlichen Glauben (die Offenbarung der Bibel) mit der menschlichen Vernunft (insbesondere der antiken Philosophie) in Einklang zu bringen. Man versuchte also zu beweisen, dass Religion und logisches Denken keine Widersprüche sind.

Die zentrale Methode: Die Disputation

Die Scholastik war keine lose Sammlung von Ideen, sondern eine extrem strenge Methode des Argumentierens. Der typische Ablauf einer scholastischen Untersuchung (Questio) sah so aus:

  1. Fragestellung: Eine klare Frage wurde formuliert (z. B. „Existiert Gott?“).

  2. Pro & Contra: Man sammelte alle Argumente von Autoritäten (Bibel, Kirchenväter, Aristoteles), die dafür oder dagegen sprachen.

  3. Conclusio: Der Gelehrte wog die Argumente logisch ab und formulierte eine begründete Antwort.

  4. Widerlegung: (Refutatio) Zum Schluss wurden die Gegenargumente im Detail entkräftet.

Die einzige Gemeinsamkeit aller Scholastiker war die Anwendung der scholastischen Methode, der einzigen damals im Universitätsbetrieb als wissenschaftlich akzeptierten Vorgehensweise. Sie bestand in einer Weiterentwicklung der antiken Dialektik, der Lehre vom richtigen (wissenschaftlich korrekten) Diskutieren.

Grundlegend war das Prinzip des Dialogs zwischen zwei Vertretern gegensätzlicher Auffassungen, aus dem sich die Lösung des gestellten Problems ergab, indem der eine den anderen widerlegte. 

Das typisch Scholastische war ein nahezu grenzenloses Vertrauen in die Macht und Zuverlässigkeit der Deduktion (Deduktives Prinzip), des Schließens vom Allgemeinen auf das Besondere. Man nahm an, dass die fehlerfrei durchgeführte Deduktion zur Erkenntnis von allem vernunftmäßig Erkennbaren und zur Beseitigung aller Zweifel führen kann. Voraussetzung war die korrekte Anwendung der Regeln des Aristoteles, besonders seiner Lehre von den Trugschlüssen.

Der Grundsatz, den man im Syllogismus als Obersatz (Prämisse) nahm, stammte sehr oft von Aristoteles. Solche Grundsätze waren zum Beispiel Die Natur macht nichts vergeblich; alles, was sie erzeugt, hat einen Sinn und Zweck oder: Die Natur erzeugt immer das Beste, was sie hervorbringen kann. Weitere allgemein akzeptierte Grundsätze waren Der Mensch ist das vornehmste Lebewesen und Die Natur kümmert sich um das Höherwertige mehr als um das Geringerwertige. 

Die Scholastiker waren überzeugt, dass theoretisches Wissen, das aus allgemeinen Grundsätzen logisch sauber hergeleitet wird, das sicherste Wissen ist, das es geben kann. Beobachtungen können falsch oder trügerisch sein oder falsch gedeutet werden, aber eine logisch saubere Folgerung aus einem allgemeingültigen Prinzip ist notwendigerweise irrtumsfrei. Darum mussten Phänomene, die einer solchen Folgerung zu widersprechen schienen, so gedeutet werden, dass sie in den von diesem Prinzip und seinen Konsequenzen gesetzten Rahmen hineinpassten. Dies wurde Bewahrung der Phänomene genannt und spielte besonders in der Physik und Astronomie eine zentrale Rolle.

Die Etappen der Scholastik

Die Epoche lässt sich grob in drei Phasen unterteilen:

  • Frühscholastik (ca. 1050–1150): Anfänge der logischen Analyse religiöser Dogmen. Berühmtester Vertreter: Anselm von Canterbury („Ich glaube, um zu verstehen“).

  • Hochscholastik (ca. 1150–1300): Die Blütezeit. Durch Übersetzungen gelangten die Werke von Aristoteles nach Europa und prägten das Denken massiv. Der wichtigste Kopf war Thomas von Aquin, der das monumentale Werk Summa Theologica verfasste.

  • Spätscholastik (14. Jahrhundert): Die Kritik an der Vernunftbeweisbarkeit des Glaubens nahm zu. Wilhelm von Ockham (bekannt für „Ockhams Rasiermesser“) trennte Glauben und Wissen wieder stärker voneinander.

Eine entscheidende Rolle spielte die im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts begonnene, in den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts größtenteils abgeschlossene Übersetzung der Schriften des Aristoteles ins Lateinische, wie jene von Michael Scotus (+1235). Ende des 12. Jahrhunderts lagen zudem Übersetzungen von Werken der muslimischen Philosophen al-Kindī, al-Farabi, Avicenna und al-Ghazālī (latinisiert Algazel) sowie des arabisch-jüdischen Ibn Gabirol (latinisiert Avicebron) vor, um 1235 auch die Aristoteleskommentare des Averroes († 1198, latinisiert durch zum Beispiel Jakob ben Abba Mari Anatoli). Averroes übte auf die lateinische Philosophie des Mittelalters großen Einfluss aus und wurde schlicht als „der Kommentator“ bezeichnet, so wie Aristoteles nur „der Philosoph“ genannt wurde. Dieses Schrifttum prägte fortan den Universitätsunterricht, und damit begann die scholastische Wissenschaft im Westen im eigentlichen Sinne.

Der Universalienstreit:

Ein zentrales Thema der Scholastik war die Frage: Sind Allgemeinbegriffe (wie „Menschheit“ oder „die Farbe Rot“) real existierende Dinge oder nur bloße Namen?

  • Realismus: Begriffe existieren wirklich (z. B. im Geiste Gottes).

  • Nominalismus: Es gibt nur Einzeldinge; Begriffe sind nur Namen (nomina), die wir ihnen geben.

Auch wenn die Scholastik heute oft als „trocken“ oder „spitzfindig“ (daher der Begriff Scholastizismus) belächelt wird, war sie enorm wichtig:

  • Sie führte zur Gründung der ersten Universitäten (z. B. Paris, Oxford, Bologna).

  • Sie schulte das präzise, logische Denken und Definieren, was die Grundlage für die spätere moderne Wissenschaft legte.

Merksatz: Die Scholastik ist der Versuch, den „Himmel“ (Glauben) mit den Mitteln der „Erde“ (Logik) zu erklären.

Gegner der Scholastik

Die Scholastik hatte drei Arten von Gegnern 

-> zB Bernhard von Clairvaux et al. (et alii) 

Sie meinten, dass die Anwendung der Methode auf theologische Fragen zu Folgerungen führen konnte, die mit der Lehre der Kirche unvereinbar waren. 

-> Prominente Humanisten wie Petrarca und Erasmus

Sie griffen die ganze scholastische Wissenschaft mit großer Schärfe an, weil sie steril sei und ihre Fragestellungen und Lösungen nutzlos und belanglos seien. Die Humanisten meinten, dass die Scholastiker Aristoteles nicht verstehen konnten, da sie ihn nur aus mangelhaften Übersetzungen kannten und aus der Perspektive des Averroës (Ibn Ruschd) betrachteten.

Francesco Petrarca (latinisiert Franciscus Petrarcha, auch Petrarch geschrieben; * 20. Juli 1304 in Arezzo; † 19. Juli 1374 in Arquà) war ein italienischer Dichter und Geschichtsschreiber. Er gilt als Mitbegründer des Renaissance-Humanismus und zusammen mit Dante Alighieri und Boccaccio als einer der wichtigsten Vertreter der frühen italienischen Literatur.

Desiderius Erasmus von Rotterdam oder nur Erasmus genannt (* 28. Oktober 1466/1467/1469 in Rotterdam; † 11./12. Juli 1536 in Basel) war ein niederländischer Universalgelehrter: Theologe, Philosoph, Philologe, Priester, Autor und Herausgeber von 444 Büchern und Schriften. Er ist der bedeutendste Vertreter des europäischen Humanismus, der bekannteste Renaissance-Humanist und war ein einflussreicher Kirchenreformer. Als kritischer Denker seiner Zeit zählt Erasmus, der auch als „Fürst der Humanisten“ bezeichnet wird, zu den Wegbereitern der europäischen Aufklärung. Seine Wirkung reicht bis in die heutige Zeit.

Averroës war ein andalusischer Philosoph, muslimischer Gelehrter, Jurist, Arzt und arabischsprachiger Schriftsteller. Averroes verfasste eine medizinische Enzyklopädie und fast zu jedem Werk von Aristoteles einen Kommentar. In der christlichen Scholastik des Mittelalters, auf die er großen Einfluss ausübte, wurde er deshalb als „der Kommentator“ bezeichnet. Er sah in der Logik (Aristoteles) die einzige Möglichkeit des Menschen, glücklich zu werden.

-> Pioniere des modernen Wissenschaftsverständnisses in der frühen Neuzeit. Die Kritik der konservativen Antidialektiker und der Humanisten konnte der Scholastik wenig anhaben, denn sie hatten keine konstruktiven wissenschaftlichen Alternativen anzubieten. In der frühen Neuzeit entstand aber eine dritte Art von Gegnerschaft, die in einem langen Prozess das Ende der Scholastik herbeigeführt hat. Man wollte sich nicht mehr damit begnügen, Beobachtungen so zu deuten, dass sie mit vorgegebenen Prinzipien und deren Konsequenzen vereinbar waren und sich eine widerspruchsfreie Theorie ergab. Stattdessen begann man empirisch vorzugehen, dadurch dem Erfahrungswissen Vorrang einzuräumen und nötigenfalls die Prinzipien zu ändern oder aufzugeben, also neben der Deduktion vorrangig die Induktion als wissenschaftliche Methode gelten zu lassen. Diese Kritik zielte auf die Hauptschwäche der deduktiven scholastischen Methode, nämlich den Umstand, dass die Ergebnisse der Scholastiker trotz allen Scharfsinns nicht besser sein konnten als die Prämissen, von denen sie ausgingen. Außerdem ersetzte die frühneuzeitliche Naturwissenschaft das qualitätsbezogene Denken der Scholastiker teilweise durch ein quantitätsbezogenes. Bei dieser Entwicklung spielte insbesondere Francis Bacon als Gegner der scholastischen Tradition eine wesentliche Rolle.

54
New cards

Ontologischer Gottesbeweis

Die erste bekannte Version des sogenannten ontologischen Gottesbeweises formulierte Anselm von Canterbury (1033–1109) im Proslogion (erstes Werk in der abendländischen Philosophiegeschichte in der ein ontologischer Gottesbeweis auftaucht). Auch René Descartes (1596–1650) hat auf diese Weise versucht, Gottes Existenz zu beweisen. Ontologisch wird diese Art des Gottesbeweises genannt, da Anselm und Descartes von der logisch-begrifflichen Ebene auf die Ebene des Seins (griech. to on, Genitiv ontos) schlussfolgern. Als erster bezeichnete Kant den Ansatz Anselms und Descartes als ontologisch. 

Er versucht, die Existenz Gottes rein aus der Logik und der Definition des Begriffs „Gott“ abzuleiten – ohne Beobachtungen aus der Welt (wie Design oder Ursache) zu benötigen.

Man nennt das einen Beweis a priori (vor jeder Erfahrung).

Anselm geht in seinem Werk Proslogion schrittweise vor. Sein Argument lässt sich in fünf logische Punkte zerlegen:

  1. Definition: Gott ist (per Definition) das Wesen, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. (Das vollkommenste Wesen).

  2. Prämisse: Selbst der „Tor“ (der Atheist), der sagt „Es gibt keinen Gott“, versteht diesen Begriff. Gott existiert also zumindest in seinem Verstand (als Gedanke).

  3. Vergleich: Es ist „größer“ (vollkommener), wenn etwas nicht nur im Verstand existiert, sondern auch in der Realität. (Ein realer Schatz ist wertvoller als der bloße Gedanke an einen Schatz).

  4. Widerspruch: Wenn Gott nur im Verstand existierte, dann könnte man sich ein Wesen vorstellen, das identisch ist, aber auch in der Realität existiert. Dieses Wesen wäre dann „größer“ als der Gott, der nur im Verstand existiert.

  5. Schlussfolgerung: Da Gott aber das Wesen ist, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, muss er auch in der Realität existieren. Sonst wäre er nicht das größte denkbare Wesen.

   

Gott wird definiert als: „das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“ 

 

Begriff Gottes im Denken
Wir können uns ein vollkommenstes Wesen vorstellen (Gott).

  1. Existenz im Denken vs. Realität
    Etwas, das wirklich (real) existiert, ist „größer“ (vollkommener) als etwas, das nur im Denken existiert. (Es gibt also quasi eine "Diskrepanz" in der "Mächtigkeit", "Vollkommenheit", "Größe", zwischen einem real Existierenden und einem bloß Vorgestellten)

  2. Schlussfolgerung
    Wenn Gott nur im Denken existieren würde, könnte man sich ein noch größeres Wesen vorstellen – nämlich eines, das auch real existiert.

  3. Widerspruch
    Das widerspricht der Definition Gottes als das „größte denkbare Wesen“.

👉 Also muss Gott auch in der Realität existieren.

also:

Gott = größtes denkbares Wesen

Etwas, das real existiert ist immer größer, als etwas nur Gedachtes.

falls Gott nur gedacht ist, könnten wir uns etwas Größeres als ihn vorstellen, das real existiert -> Widerspruch zur Definiton als größes denkares Wesen.

Anselm wendet sich mit seinem Beweis ausdrücklich an Gläubige, die die Inhalte ihres Glaubens verstehen wollen, oder sachlich gesagt, an einen das Verstehen suchenden Glauben („fides quaerens intellectum“). Ein solcher Glaube hat einen Begriff von Gott als einem, „worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“ („quo nihil maius cogitari potest“). Dieser „Begriff“ ist nach Anselm gedanklich nur dann widerspruchsfrei nachzuvollziehen, wenn Gott wirklich existiert. Seine Argumentationsstruktur beginnt mit einer Annahme des Gegenteils:

  1. Annahme des Gegenteils: Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann [d.  i. Gott], existiert nicht in Wirklichkeit, sondern nur im Verstand.

  2. Wenn (1), dann kann etwas gedacht werden, das größer ist als das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann (nämlich ebendieses, jedoch mit der zusätzlichen Qualität, dass es auch in Wirklichkeit existiert, was dann größer ist als das lediglich Gedachte, welches nicht in der Wirklichkeit existiert).

  3. Wenn etwas gedacht werden kann, das größer ist als das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, dann ist das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, etwas, worüber hinaus Größeres gedacht werden kann.

  4. Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, ist etwas, worüber hinaus Größeres gedacht werden kann [aus (1), (2) und (3) durch zweimalige Anwendung des Modus ponens].

  5. (4) ist widersprüchlich und daher (1) falsch, d. h.: Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann [d.  i. Gott], existiert in Wirklichkeit und nicht nur im Verstand [aus (1)–(4) durch reductio ad absurdum].

Die Rezeption des Proslogion fokussiert sich auf das „unum argumentum“ („das eine Argument“) in den Kapiteln 2–4. Damit wird außer Acht gelassen, dass Anselm einerseits nicht rein rational argumentiert, sondern stets als Glaubender spricht, was durch die gebetsartigen Abschnitte zum Beispiel in Kapitel 1 verdeutlicht wird. Andererseits geht er in Kapitel 15 einen Schritt weiter und stellt die These auf, dass Gott größer ist, als gedacht werden kann.

Die berühmte Kritik: Gaunilos Insel

Schon zu Anselms Lebzeiten gab es Kritik. Ein Mönch namens Gaunilo von Marmoutier (11.Jh. in seinem Werk Liber pro insipiente) antwortete mit dem Beispiel der „vollkommenen Insel“:

  • Ich kann mir eine Insel vorstellen, die vollkommener ist als jede andere bekannte Insel.

  • Nach Anselms Logik müsste diese Insel existieren, denn wenn sie nicht existierte, wäre sie ja nicht die vollkommenste Insel.

  • Das Problem: Nur weil ich mir eine perfekte Insel denke, erscheint sie nicht plötzlich im Ozean.

Anselm entgegnete darauf, dass seine Logik nur auf Gott anwendbar sei, da eine Insel ein begrenztes, zufälliges Ding ist, Gott hingegen das notwendige, absolute Sein.

Die wohl bekannteste Kritik kam Jahrhunderte später von Immanuel Kant. Er zertrümmerte den Beweis mit einem einfachen Satz:

"Sein ist kein reales Prädikat."

Was meinte er damit? Wenn ich ein Ding beschreibe (z. B. einen Taler), dann füge ich Eigenschaften hinzu: Er ist rund, aus Gold, glänzend. Wenn ich nun sage „...und er existiert“, füge ich der Beschreibung des Talers nichts Neues hinzu. Die Existenz ist keine Eigenschaft wie „Größe“ oder „Schönheit“. Ein Gott, der existiert, ist in seiner Definition nicht „größer“ oder „vollkommener“ als ein Gott, der nicht existiert – er ist einfach nur da.

Kurt Gödel (1906–1978) entwickelte 1970 eine Rekonstruktion des ontologischen Gottesbeweises in der Modallogik, die auf drei Definitionen und fünf Axiomen beruht. Das Anliegen Gödels „bestand […] im Nachweis, daß ein ontologischer Gottesbeweis auf eine Art und Weise geführt werden könne, die modernen logischen Maßstäben gerecht wird“. Gödel zögerte bei der Veröffentlichung seines Beweises, da er befürchtete, sein Anliegen würde als selbstständiger Versuch, einen gültigen Beweis aufzustellen, missverstanden. Die formale Korrektheit von Gödels Beweis wurde mittels maschinengestützten Beweisens aufgezeigt.

55
New cards

Frühscholastik

Als Epoche der XXX wird das 11. Jahrhundert (oder auch nur dessen zweite Hälfte) und zumindest der Anfang des 12. Jahrhunderts betrachtet.

Die XXX (ca. 1050 bis 1150) markiert den Aufbruch des europäischen Denkens aus dem „Dunkel“ des frühen Mittelalters hin zu einer systematischen Wissenschaft. Es war die Zeit, in der man begann, den Glauben nicht mehr nur hinzunehmen, sondern ihn mit der Logik zu untermauern. 

Drei Faktoren waren entscheidend dafür, dass die Philosophie nach Jahrhunderten der Stagnation wieder erwachte:

  • Bildungsreform (Karolingische Renaissance): Schon unter Karl dem Großen wurden Klosterschulen ausgebaut. Im 11. Jahrhundert entwickelten sich daraus die Kathedralschulen (z. B. in Chartres oder Paris), die Vorläufer der Universitäten.

  • Wiederentdeckung der Logik: Man besaß zu dieser Zeit zwar nur wenige Schriften der Antike (hauptsächlich Teile von Aristoteles’ Logik in der Übersetzung von Boethius), doch diese reichten aus, um das Interesse an formaler Dialektik (der Kunst des logischen Streitgesprächs) zu entfachen.

  • Kirchenreformen: Die Kirche suchte nach Wegen, ihre Lehren präziser zu formulieren, um sich gegen Irrlehren (Häresien) zu wappnen.

In dieser Phase wurde das Fundament für alles Weitere gelegt:

  1. Die Dialektik wurde zur wichtigsten wissenschaftlichen Methode.

  2. Die Vernunft wurde zur Dienerin des Glaubens (Ancilla theologiae).

  3. Der Universalienstreit (Existieren Begriffe wie „Mensch“ wirklich oder sind es nur Namen?) wurde zum Hauptthema der Philosophie.

Anselm von Canterbury (1033–1109)

(auch Anselm von Aosta (Italien)) Er gilt als der Vater der Scholastik. Sein gesamtes Werk lässt sich in seinem berühmten Leitspruch zusammenfassen:

Fides quaerens intellectum – Der Glaube, der nach Einsicht (Verständnis) sucht.

  • Sein Ansatz: Er wollte nicht erst den Verstand benutzen, um zum Glauben zu kommen, sondern er setzte den Glauben voraus, um ihn dann rational zu durchleuchten. Credo ut intelligam (ich glaube, damit ich erkennen/verstehen kann) .

  • Berühmtestes Werk: Das Proslogion (erstes Werk in der abendländischen Philosophiegeschichte in der ein ontologischer Gottesbeweis auftaucht), in dem er den ontologischen Gottesbeweis formulierte. Er argumentierte rein logisch: Gott ist das Wesen, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Da es größer ist, zu existieren, als nur gedacht zu werden, muss Gott zwingend existieren.

Pierre Abaillard (kurz Abaelard)  (1079–1142)

Auch Petrus Abaelardus. Er war der „Popstar“ der Frühscholastik („Sokrates der Gallier“) – brillant, streitlustig und berühmt für seine tragische Liebesaffäre mit Héloïse.

  • Sein Ansatz: Abaelard war ein Meister der Dialektik. In seinem Werk Sic et Non (Ja und Nein (wörtlich: So und nicht) stellte er widersprüchliche Aussagen der Bibel und der Kirchenväter gegenüber.

  • Die Methode: Er forderte, dass man nicht blind zitieren dürfe, sondern Widersprüche durch logische Analyse der Begriffe auflösen müsse. Er sagte: „Durch das Zweifeln gelangen wir zur Untersuchung, durch die Untersuchung zur Wahrheit.“

Abaelard vertrat viele Jahrhunderte vor der Aufklärung den Vorrang der Vernunft nicht nur in der Philosophie, sondern auch in Glaubensfragen. Durch diese und andere kontroverse Lehren, aber auch wegen der Liebesaffäre mit seiner Schülerin Heloisa (E-lo-ihs), geriet er in zahlreiche Konflikte.

Ab 1114 konnte Abaelard in Paris Logik und Theologie unterrichten. Dort wurde er um 1116/17 Hauslehrer von Heloisa, einer begabten jungen Frau, zu der er bald eine Liebesbeziehung aufbaute. Ihr Onkel und Vormund, der Kanoniker Fulbert, bemerkte die Beziehung erst, als Heloisa bereits schwanger war. Sie flüchtete auf Geheiß Abaelards zu dessen Familie nach Le Pallet, wo sie ca. 1118 einen Sohn zur Welt brachte, der den Namen Astralabius erhielt. Abaelard bemühte sich inzwischen um einen Ausgleich mit Fulbert. Obwohl Heloisa mit Blick auf Abaelards Reputation als Gelehrter entschieden dagegen war, wollte Abaelard sich mit ihr vermählen, vorausgesetzt, die Ehe bliebe geheim. Fulbert willigte ein, setzte jedoch Heloisa, die von Abaelard nicht lassen wollte, zunehmend unter Druck. Heloisa wurde darauf auf Anordnung Abaelards Nonne im Kloster Argenteuil. Fulbert betrachtete dies als Versuch Abaelards, sich seiner Verpflichtung zur Eheschließung zu entziehen. Zutiefst gekränkt und voller Zorn ließ Fulbert Abaelard überfallen und entmannen. Er wurde danach Mönch und es wurden sogar Werke von ihm nach einem Streit mit Bernhard von Clairvaux in Rom öffentlich verbrannt.

 Bernhard von Clairvaux (1090–1153)

Er war der große Gegenspieler Abaelards. Bernhard war eigentlich kein Scholastiker im Sinne der Logik, sondern ein Mystiker. (Gegner der Scholastik und deren Methode)

  • Bedeutung: Er warnte davor, Gott „zerdenken“ zu wollen. Er bekämpfte Abaelards rationalistischen Ansatz und betonte, dass man Gott durch Liebe und Demut erfährt, nicht durch dialektische Spielereien. Dieser Konflikt zwischen „Gefühl/Glaube“ und „Logik/Vernunft“ prägte die gesamte Epoche.

Die Schule von Chartres (z. B. Bernhard von Chartres)

Diese Schule war bekannt für ihren „Platonismus“. Sie interessierte sich besonders für die Naturphilosophie und die Schöpfung. Berühmt ist das Zitat, das Bernhard von Chartres (Schartre) zugeschrieben wird:

Wir sind wie Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen.“ (Womit er die Gelehrten der Antike meinte).