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Begriffsklärung: Soziale emotionale Entwicklung
Die soziale emotionale Kompetenz ist die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und zu regulieren, sowie positive soziale Interaktion zu fördern. (Mayer und Salovely)
SEK= breiter Sammelbegriff für verschiedene Fertigkeiten, die sich auf die Wahrnehmung von, die Kommunikation über und den Umgang mit Emotionen beziehen
Modell von Tina Malti
Tina Malti's Modell beschreibt die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen als einen dynamischen Prozess, der durch Erfahrungen in verschiedenen sozialen Kontexten beeinflusst wird.
In der Schule, mit der Familie, Peer & Freizeit
Emotionsregulation als zentrale Rolle
⇒Entwicken dabei: Mitgefühl, Selbstwirksamkeit, Emotionsuregulation und Emotionswahrnehmung und - verständnis
Emotionsregulation
Emotionsregulation bezeichnet die Fähigkeit, aktiv die Qualität, Intensität sowie Dauer und den Ausdruck einer Emotion zu beeinflussen (Gross)
Zwei wichtige Komponenten: Physikalische Reaktivität; Regulationsstrategien
Achtsamkeit trägt zu einer günstigen Emotionsregulation bei
Mitgefühl
Unter Mitgefühl versteht man die Fähigkeit einer Person, mit der emotionalen Situation einer anderen Person mit empfinden und besort zu sein, ohne jedoch im selben emotionalen Zustand wie die andern Person zu sein
Empathie / Mitgefühl entwickelt sich vom globalen Mitgefühl zum kontextuellen
Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
Emotionale Selbstwirksamkeit ist das Akzeptieren des eigenen emotionalen Erlebens
Selbstwirksamkeit entsteht aus körperlicher Erregung, verbaler Kommunikation, Lernen am Modell und direkter Erfahrung
Emotionswahrnehmung und -vertändnis
Emotionsverständnis hängt mit der sprachlichen Entwicklung zusammen und verläuft in mehreren Phasen
1. Mimik und Ausdruck von Emotionen
2. Entwicklung von kognitivem Verständnis und Emotionen
3. Anwendung dieses Verständnisses
Begründung für Soziale emotionales Lernen
Schule als Lern- und Lebensraum für soziales Lernen (LP+)
- Begegnung mit unterschiedlichen Persönlichkeiten
- Tägliche soziale Interaktionen im Schulalltag
- Zusammenarbeit in Partner- und Gruppenarbeit
Teil des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schüler (bay. Verfassung)
- Schule vermittelt nicht nur Wissen, sondern auch Werte und soziale Kompetenzen
- Förderung von Toleranz und respektvollen Umgang miteinander
- Erreichen zentraler Bildungs- und Erziehungsziele der Schule
Beispiele Sozialkompetenzen
Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Umgangsformen…
aber auch: Leistungsbereitschaft, Selbsteischätzung, Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen
Zusammenhang von mangelnder SEK und Schulproblemen
Mangelnde sozial-emotionale Kompetenz bei der Einschulung führt oft zu negativem Emotionsausdruck und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation
Dadurch fällt die Anpassung an das schulische Umfeld schwer, was zu geringer Integration in die Klasse sowie Akzeptanzproblemen bei Mitschülern und Lehrern führen kann
Diese Probleme verursachen:
Schulunlust
geringe Lernbereitschaft
schulische Misserfolge
Langfristig können Leistungsdefizite, Klassenwiederholungen oder auffälliges Sozialverhalten wie Bullying oder Substanzmissbrauch entstehen.
Definition: Emotionsregulation
„Emotionsregulation bezeichnet die Fähigkeit, aktiv die Qualität, Intensität sowie Dauer und den Ausdruck einer Emotion zu beeinflussen.“ (Gross, 1998)
Ziel der Emotionsregulation
Unangenehme Emotionen im Empfinden, im Verhalten oder in den Gedanken umzuformen und idealerweise abzubauen
Aber auch angenehme Emotionen zu intensivieren oder zeitlich auszudehnen
Möglichkeiten der Emotionsregulation
Günstige Strategien
Kognitive Neubewertung: Das Umdenken von Gedanken und Ereignissen auf eine positive oder konstruktive Weise.
Problemlösen: Analytisches Vorgehen, um Lösungen für emotionale Herausforderungen zu finden.
Akzeptieren: Die Bereitschaft, Emotionen und Situationen anzunehmen, ohne sie zu verändern.
Suche nach sozialer Unterstützung: Das Einholen von Hilfe oder Rat bei anderen, um emotionale Belastung zu verringern.
Ungünstige Strategien
Grübeln: Intensives, häufig zwanghaftes Nachdenken über eine Situation oder Emotion.
Unterdrücken des Emotionsausdrucks: Das Verbergen oder Ignorieren von Emotionen, um äußere Reaktionen zu kontrollieren.
Vermeiden: Der aktive Versuch, emotional belastende Situationen oder Gedanken aus dem Weg zu gehen
Möglichkeiten der Emotionsregulation: 3 genauer mit Schulbeispielen
Kognitive Neubewertung: Das Umdenken von Gedanken und Ereignissen auf eine positive oder konstruktive Weise.
Beispiel: Der Schüler denkt, dass es eine wertvolle Lernerfahrung ist, bei einem Projekt nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, und nutzt das Feedback zur Verbesserung.
Problemlösen: Analytisches Vorgehen, um Lösungen für emotionale Herausforderungen zu finden.
Beispiel: Eine Schülerin spricht mit ihrem Lehrer über ihre Schwierigkeiten in einem Fach und erarbeiten gemeinsam einen Plan, wie sie ihre Notizen verbessern kann.
Grübeln: Intensives, häufig zwanghaftes Nachdenken über eine Situation oder Emotion.
Beispiel: Ein Schüler denkt immer wieder nach, warum seine Mitschüler ihn ausgrenzen, was seine Konzentration im Unterricht beeinträchtigt.
Trainingskonzept (Petermann, Petermann, Nitkowdski) Ziel, Methoden, Themen der Sitzungen
Ziele im Bereich der vier globalen emotionalen Komponenten
Methoden: Ton Übung (Anlehnung an eine Achtsamkeitsübung/Fokussierung; zu Beginn jeder Sitzung), Skelettierung-Gefühle neu entdecken, Gefühlsquiz (als Sitzungsabschluss)
Themen der 11 Sitzungen: 1. Sitzung: Gefühle – woher sie kommen und was sie bewirken, 2. Sitzung: Im Gefühlschaos, 3. Sitzung: versteckte Gefühle aufspüren, 4. Sitzung: Welche Gefühlsstrategien gibt es?, 5. Sitzung: jede Gefühlsstrategie hat ihren Nutzen, 6. Sitzung: unangenehme Gedanken-unangenehme Gefühle, 7. Sitzung: Trauer und Enttäuschung annehmen lernen, 8. Sitzung: mit Gefühl geht alles besser, 9. Sitzung: einen Gute-Laune-Plan erstellen-aber wie?, 10. Sitzung: mutig werden-aber wie?, 11. Sitzung: Gefühlsexperten
Sozialzielekatalog (Weidner)
= Lehrgang zur systematischen Steigerung der sozialen Kompetenz
Er formuliert klar, verständlich und übersichtlich die sozialen Verhaltenserwartungen von Schülern und Lehrkräften
Regeln, Normverdeutlichungen und Grenzziehungen werden im SoZiKa operationalisiert und als einzelne Sozialfertigkeiten formuliert, die in speziellen Unterrichtseinheiten thematisiert, mit (beobachtbaren!) Indikatoren versehen, reflektieren und konkret eingeübt werden
Wir betrachten den SoZiKa an unserer Schule als einen verbindlichen, gemeinsam von Schülern & Lehrern erarbeiteten Verhaltenskontext als Mindeststandards unseres Umgangs miteinander
Ziele des Sozialzielekatalogs
bessere Selbstwahrnehmung, erfolgreiches Selbstmanagement
Anerkennung & Respektieren von Bedürfnissen und Gefühlen anderer
Ausbau von Toleranz, Friedensfertigkeit und Mitgefühl mit anderen
Anbahnung und Pflege förderlichen Kommunikationsverhaltens (wertschätzender und respektvoller Umgang miteinander)
Steigerung von Konfliktkompetenz
Schulversuch Soziales Lernen in der Mittelschule
Sozialkompetenzen (siehe 2.2 Beispiele Sozialkompetenzen) sollen vermittelt werden
Organisationsformen zum Erwerb von Sozialkompetenz können unterschiedlich sein
Anpassung an Schule und Situation vor Ort notwendig
Umsetzungsmöglichkeiten
Verteilung der Schwerpunkte (ausgewählte Sozialkompetenzen) auf unterschiedliche Klassenstufen
Verteilung der Schwerpunkte (ausgewählte Sozialkompetenzen) auf unterschiedliche Schuljahre -> Teilkompetenzen als Jahresthema in das Schulprogramm aufnehmen
Bausteine mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen
=> soziales Lernen sollte den gleichen Wert wie fachliches Lernen haben, denn es bildet die Basis für das Zusammenleben, für erfolgreiches Lernen und erfolgreiche Integration in die Arbeitswelt!
Definition Konfliktbewältigung
„Konflikt = Unvereinbarkeiten im Denken, Fühlen und Wollen verschiedener Personen oder Gruppen.“ – Glasl 2004
Was als Konflikt gesehen wird, hängt stark von den gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab.
Arten von Konflikten
Intrapersonell: beschränkt sich auf eine Ebene (Individualebene; in der Schule: ein einzelner Schüler/eine einzelne Schülerin),
interpersonell: bezieht sich immer auf mehrere Personen (in der Schule: z.B. die Klassenebene),
organisatorisch: bei einer Ausweitung des Konflikts auf das gesamte System einer Organisation spricht man von einem organisatorischen Konflikt (in der Schule: Schulebene)
Merkmale von Konflikten
mindestens 2 Parteien vorhanden (dies kann auch nur eine Person sein =intrapersoneller Konflikt)
gemeinsames Konfliktfeld vorhanden (eine der häufigsten Varianten, den Konflikt zu beenden, ist das Verlassen des Konfliktfeldes, z.B. durch Krankheit, (innere) Kündigung usf.)
unterschiedliche Handlungsabsichten
Vorhandensein von Gefühlen (hierbei spielen nur die negativen Gefühle "Angst" und "Wut" eine Rolle, sie dienen im Konflikt als Antriebselement)
gegenseitige Beeinflussungsversuche (auch über Dritte, also indirekt)
Strategien zur Konfliktbewältigung
Rückzug - Vermeiden
Nachgeben
Problem lösen
Druchsetzen
Kompromiss
Konsens
9 Eskalationsstufen (Glasl)
1. Win-Win:
- Stufe 1 &2: Konfliktparteien können Konflikt eigenständig lösen
-Stufe 3: Konflikt kann nicht mehr durch beteiligte gelöst werden, ein dritter (Streitschlichter/Konfliktmoderator) unbeteiligter wird benötigt
2. Win-Lose (Hauptphase):
-Stufe 4,5&6: zeitweilige Trennung der Konfliktparteien zwingend erforderlich & Konfliktbearbeitung durch ausgebildeten Mediator notwendig
3. Lose-Lose (Eskalationsphase):
-Stufe 7,8&9: keine Konfliktbearbeitung im Rahmen der Möglichkeiten einer Ausbildungseinrichtung nicht mehr möglich.
Eisbergmodell der Konfliktbewältigung
Das Bild stellt das Eisberg-Modell eines Konflikts dar. Es zeigt, dass Konflikte oft zwei Ebenen haben:
1.Sachebene: (sichtbarer Teil des Eisbergs)
->es geht um die konkreten Themen, Inhalte oder Aufgaben
2.Psychosoziale Ebene: (unsichtbarer Teil)
->es geht um emotionale Faktoren wie Ängste, Bedürfnisse oder Sympathien, die oft den eigentlichen Konflikt antreiben.
Beispiel des Eisbergmodells
-> Situation:
Eine Gruppe von Schülern soll ein gemeinsames Projekt erarbeiten. Zwei Schüler, Franziska und Ben, geraten dabei in einen Streit.
-> Sachebene:
-Franziska möchte die Präsentation visuell gestalten, Ben bevorzugt einen ausführlichen Text.
-Sie können sich nicht einigen, wer welche Aufgabe übernimmt.
-Der Abgabetermin rückt näher, und es gibt Stress.
-> Psychosoziale Ebene:
-Franziska fühlt sich von Ben nicht ernstgenommen, weil er ihre Vorschläge ignoriert.
-Ben hat Angst, dass das Projekt schlecht bewertet wird und möchte deshalb mehr Kontrolle haben.
- Beide empfinden Antipathie, weil sie sich in der Vergangenheit schon öfter gestritten haben.
- Franziska denkt, Ben wollte sie absichtlich schlecht dastehen lassen, während Ben glaubt, Franziska sei unzuverlässig.
-> Fazit:
Während es oberflächlich um das Projekt geht, liegt der wahre Konflikt in Emotionen, Wahrnehmungen und früheren Erfahrungen. Eine Lehrkraft oder Mediation könnte helfen, diese verborgene Ebene anzusprechen und den Streit zu lösen.
Interventionsmöglichkeiten - Mediation: Rolle des Mediators
strukturiertes Verfahren zur Konfliktlösung mit einer neutralen Person von außerhalb (Mediator)
Rolle des Mediators:
hilft dem Team eine Lösung zu finden
begleitet den Prozess und gibt eher keine eigenen Lösungsvorschläge
- Vertraulichkeit (Verschwiegenheitsverpflichtung) - Neutralität (Mediator)
- Informationsaustausch (Ehrlich & vollständig) - Freiwilligkeit (Teilnahme)
- Eigenverantwortung (Lösungsorientiert) - Ergebnisoffen (Möglichst Vorgabenfrei)
Phasen der Meditation
1. Einleitung
- Begrüßung, Vorstellung der beteiligten Personen
- Das Prinzip der Schlichtung erklären
- Freiwilligkeit betonen
- Rolle der Schlichter erklären (kein Richter, unparteiisch)
- Vertraulichkeit zusichern
- Regeln des Gesprächs erklären:
ausreden lassen
keine Beleidigungen, Beschimpfungen
keine Gewalt
Ehrlichkeit
- Einverständnis zu den Regeln einholen
- Nächsten Schritt erklären
- Klären, wer von den Konfliktparteien anfängt
2. Die verschiedenen Sichtweisen der Konfliktparteien
- Die Konfliktparteien tragen ihre Sichtweisen nacheinander vor
- Jede Konfliktpartei wird nacheinander gespiegelt (d.h. Sichtweisen wiederholen)
- Nachfragen, wenn etwas unklar ist
- Zusammenfassen: Worum geht es in dem Konflikt?
- Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausstellen
3. Hintergründe des Konflikts und Vertiefung
- Nachfragen
- Motive und Gefühle herausfinden, Gefühle benennen
- Gemeinsame Interessen hervorheben, positive Elemente stärken
- Darauf achten, dass beide Konfliktparteien vornehmlich über sich selbst sprechen
- Abschließende Fragen:
"Wie geht es euch jetzt?"
"Seid ihr jetzt bereit, nach Lösungen zu suchen?"
4. Lösungen suchen
- Lösungsideen mit Hilfe von Brainstorming sammeln (Parteien schreiben Ideen auf Karteikarten)
- Lösungen sollen von den Konfliktparteien selbst kommen. Schlichter hält sich zurück
- Lösungen werden vorgelesen und sortiert, nach Gemeinsamkeiten abgesucht
- Diskussion und positives Umformulieren der Vorschläge
- Vorschläge auswählen, mit denen beide Parteien einverstanden sind
5. Ein Abkommen schließen
- Mit Hilfe der Lösungsvorschläge Vereinbarungen formulieren
- Vereinbarungen vorlesen
- Vereinbarungen im Schlichtungsbogen aufschreiben
- Schlichtungsbogen mit Vereinbarungen von allen Beteiligten unterschreiben lassen
- Kopien für die Konfliktparteien anfertigen
- Vereinbarungen evtl. mit Handschlag besiegeln
- Verabschiedung
- Schlichtungsprotokoll im Ordner abheften
Gesprächstechniken der Meditation
Ich-Botschaften senden (Gewaltfreie Kommunikation)
Zum Reden einladen (Spiegeln, Nachhaken, aktives Zuhören)
Paraphrasieren (normal & lösungsorientiert, „Doppeln“)
Fronten aufweichen (Skalierungsfragen, „Gute“ Zeiten finden)
Szenarien-/Framewechsel („Best-Case“-Fragen, Zirkulären Fragen)
Visualisierungen (Sociogramming, Mindmapping)
Friedenstreppe
geeignet für: Konflikt zw. Zwei Personen; Jgst. 1-7 benötigt wird:
-> Ein Mediator (Lehrkraft oder Schüler aus zB Streitschlichter AG)
-> Gesprächskarten
vor dem Gespräch: Zuerst erklärt Mediator die Regeln:
- Gegenüber nicht unterbrechen
- Keine Beleidigungen
- Keine Gewalt
-> Gesprächsablauf:
Mediator erteilt das Wort und achtet auf Regeleinhaltung;
Schüler sprechen abwechselnd
Phase 1: Was ist passiert?
Phase 2: Wie geht es mir jetzt? (Gefühle)
Phase 3: Dir geht es? (Schlüpfe in die Haut des Gegenübers)
Phase 4: Was wünsche ich mir?
Phase 5: Wozu bin ich bereit?
Phase 6: Und so machen wir es. (Die Lösung wiederholen)
(Verschiedene Einteilung der Phasen sind möglich)
Beispiel für die Friedenstreppe
Situation:
Zwei Schüler, Max und Leon (Klasse 4), geraten in der großen Pause in einen Streit. Max behauptet, dass der Fußball ihm gehört und Leon ihn ohne Erlaubnis genommen hat. Leon sagt, dass der Ball für alle da ist. Der Streit eskaliert, und beide schreien sich an. Eine Lehrkraft bemerkt den Konflikt und schlägt vor, die Friedenstreppe zur Lösung des Problems zu nutzen.
Ablauf:
- Mediator (Streitschlichter aus Klasse 6) erklärt die Regeln: „Ihr dürft euch nicht
unterbrechen, keine Beleidigungen, keine Gewalt.“
- Phase 1: Was ist passiert? Max: „Leon hat einfach meinen Ball genommen, ohne
zu fragen!“ Leon: „Ich dachte, der Ball gehört dem ganzen Pausenteam!“
- Phase 2: Wie geht es mir jetzt? Max: „Ich bin wütend, weil das mein Ball ist und
Leon nicht gefragt hat.“ Leon: „Ich bin traurig, weil ich den Ball nicht mit Absicht
geklaut habe.“
- Phase 3: Dir geht es…(Perspektivwechsel) Max: „Dir geht es nicht gut, weil du
dachtest, dass der Ball für alle ist und du mich nicht ärgern wolltest.“ Leon: „Du bist
wütend, weil du denkst, dass ich einfach deine Sachen nehme.“
- Phase 4: Was wünsche ich mir? Max: „Ich wünsche mir, dass mein Ball
respektiert wird und man mich vorher fragt.“ Leon: „Ich wünsche mir, dass wir den
Ball gemeinsam benutzen können.“
- Phase 5: Wozu bin ich bereit? Max: „Ich bin bereit, den Ball mit Leon zu teilen,
wenn er mich vorher fragt.“ Leon: „Ich bin bereit, Max zu fragen, bevor ich den Ball
nehme.“
- Phase 6: Und so machen wir es. Beide wiederholen die Lösung: „Leon fragt Max
in Zukunft, bevor er den Ball nimmt. Max teilt den Ball, wenn er gefragt wird.“
Ergebnis: Der Streit ist beigelegt, beide verstehen sich besser und die Pause kann
friedlich weitergehen.
Trainingsraumkonzept Ziel+Beispiel
Ziel:
- SuS sollen lernen über ihr Verhalten selbst entscheiden und daher auch selbst
für ihr Verhalten verantwortlich sind.
- Das Bewusstsein für Regeln, Regelverletzungen und Regeleinhaltung soll
gestärkt werden.
- Die SuS unterstützen eine lernförderliche Umgebung zu schaffen.
-> Beispiel
Situation: Paul (Klasse 7) stört im Mathematikunterricht mehrfach, indem er laut
dazwischenruft, andere Schüler zum Reden animiert und sich nicht an die Anweisungen der Lehrkraft hält. Die Lehrkraft geht nach dem Trainingsraumkonzept vor.
Ablauf:
1. Frageprozess im Unterricht: Lehrkraft: „Paul, was machst du gerade?“ Paul: „Nichts, ich rede nur mit Tim.“ Lehrkraft: „Wie lautet die Regel, gegen die du verstoßen hast?“ Paul: „Man soll im Unterricht nicht reinrufen und nicht andere ablenken.“ Lehrkraft: „Möchtest du am Unterricht teilnehmen?“ Paul: „Ja, ich bin ruhig.“
2. Zweite Störung und Entscheidung für den Trainingsraum: Nach wenigen Minuten beginnt Paul erneut zu reden und zu stören. Lehrkraft: „Du hast dich entschieden, jetzt in den Trainingsraum zu gehen.“
3. Ablauf im Trainingsraum: Der Trainingsraumlehrer begrüßt Paul freundlich. Paul schildert die Situation aus seiner Sicht. Er wird gefragt, gegen welche Regel er verstoßen hat und welche Folgen sein Verhalten hatte. Paul erstellt seinen Rückkehrplan, in dem er beschreibt, wie er sich in Zukunft verhalten wird, um wieder am Unterricht teilnehmen zu dürfen.
4. Rückkehr in den Unterricht: Paul zeigt der Lehrkraft seinen ausgefüllten Rückkehrplan. Er wird wieder in den Unterricht aufgenommen.
Ergebnis: Paul reflektiert sein Verhalten, erkennt die Konsequenzen und erhält die Möglichkeit, sein Verhalten im Unterricht zu verbessern. „Let’s Talk“ – Konfliktbehandlung in der Schulklasse
Ziel: Entwicklung eines konstruktiven Konfliktverständnisses durch Förderung konfliktregulierender, emotionaler und sozialer Kompetenzen.
Mobbing - Begriffsherkunft, Synonym und weitere Bezeichnungen
Begriffsherkunft: to mob -> pöbeln oder jemanden schikanieren
Synonym: to bully / bullying -> jemanden schikanieren/drangsalieren
Weitere Bezeichnungen: analoges Mobbing, Traditionelles Mobbing (Cybermobbing, digitales Mobbing)
- Mobbing ist die Form von körperlicher oder seelischer Gewalt, die an Schulen am häufigsten vorkommt
Mobbing - Erscheinungsformen
A) Physisches Mobbing: körperliche (leicht-schwer) Attacken mit dem Ziel, die betroffene Person z. B. durch Schlagen, Treten, Schubsen, etc. zu verletzen
B) Verbales Mobbing: verbale verletzende Attacken, z. B. Beschimpfungen, Nachäffen, Beleidigen und abwertende Kommentare
C) Relationales (auch soziales oder indirektes) Mobbing: Zerschlagen sozialer Kontakte sowie das Herausdrängen aus z. B. der Klassengemeinschaft -> oft durch Verbreitung von Gerüchten und Unwahrheiten
D) Sexualisiertes Mobbing: z. B. Demütigung und/oder Gerüchte zur sexuellen Orientierung der gemobbten Person sowie verletzende Bilder, Filme etc., sowie um Verstöße, die den höchstpersönlichen Lebensbereich betreffen.
Mobbing - Ursachen und Motive
- Oft sehr vielschichtig
- Attackierende Person möchte eigene Bedürfnisse befriedigen (z.B. Macht, Anerkennung in der Gruppe, Spaß und Unterhaltung, Rache, Demütigung)
- Eigene Frustration / Schamverletzungen abreagieren / kompensieren
- Gemeinsamkeit: Betroffene sind Kinder mit Schwierigkeiten im Sozialverhalten. Sie können sich nicht so gut einfühlen und sind in ihrem Verhalten sehr selbstbezogen.
- ! WICHTIG! der/die Gemobbte ist nie selbst schuld! -> Vorurteil: Gemobbte weisen besondere auf (Haare, Gewicht, Verhalten, ...)
Mobbing - Rollenverteilung der Schüler
Betroffene Person:
- Opfer holen meist keine Hilfe! (Schamgefühl, Angst, Hilflosigkeit)
- Brauchen Hilfe, um aus der Situation herauszukommen
Akteur/in:
- Ergreifen die Initiative, um jemanden aktiv zu schikanieren und übernehmen die Führungsrolle in der Gruppe.
- Haben meist ein Gespür für Verletzlichkeit und geschwächte Positionen
Verstärker/innen:
- Unterstützen das schädigende Verhalten, indem sie Anerkennung signalisieren (z.B. lachen, applaudieren)
Mitläufer/innen (Assistent/innen):
- Orientieren sich am Verhalten der Akteurin bzw. des Akteurs und unterstützen diese bzw. Diesen vorbehaltlos
- Jugendliche haben das Bedürfnis, den sozialen Status zu verbessern und sehen das Vorgehen als Chance dazu an
- Gefühl der Loyalität genießen, starkes Wir-Gefühl (Zusammengehörigkeit)
Verteidiger/innen:
- Stellen sich zunächst auf die Seite der betroffenen Person und versuchen diese zu schützen.
Außenstehende:
- Erleben spürbar die zunehmende (negative) Veränderung im Klassenklima, sind aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht bereit, sich einzumischen. Ihre Passivität kann als Billigung interpretiert werden.
- Angst davor selbst Opfer zu werden oder den Täter/innen negativ aufzufallen
- Wollen ihren sozialen Status beibehalten – Risiken werden vermieden
Mobbing - Verantwortung der Lehrer und Schulleitung
LK:
Fürsorgepflicht (SuS vor Schaden bewahren), Anti-Mobbing-Team bilden, Vorbildfunktion im Schulleben, Ignoranz legitimiert Gewalt, nicht mitmachen, allen eine Chance auf Neustart ohne Vorverurteilung geben, Meldung an Schulleitung, schriftliche Dokumentation, Empfehlung von Gesprächen
Schulleitung:
Verankerung von präventiven Maßnahmen, wirksame Intervention, Beratung, Vernetzung mit staatlichen Schulberatungsstellen (Multiplikatoren/Koordinatoren)
Fallbeispiel zu Mobbing
1. Mobbingform und Mobbingmotive:
a. Schädigungsabsicht; Machtungleichgewicht; Wiederholungsaspekt; Hilflosigkeit
b. Physisches Mobbing; Verbales Mobbing
c. Benjamin versucht eigenen Status zu erhöhen, Paula erfährt eine Status Erhöhung durch die Nähe zu Benjamin. Weiter Motive können Langeweile und Spaß sein
2. Einordnung in Eskalationsstufen:
a. Stufe 3 oder 4
3. Rechtliche Rahmenbedingungen:
a. Schule muss Aufsichtspflicht nachkommen, keine strafrechtlichen Aspekte so lange kein tätlicher Angriff vorliegt
4. Mögliche Vorgehensweisen: (Impulsfragen)
a. Welche Interventionsmethoden? sind diese altersgerecht? Dauer der Methoden? Wer muss einbezogen werden? -> No Blame Approach
Präventionsmaßnahmen - Schulebene
Anti-Mobbing-Team errichten
konsequent bei Gewalt & Mobbing vorgehen
Werteerziehung
freundlicher & achtsamer Umgang miteinander
positives Schulklima schaffen
Verbesserung von Pausenaufsicht und Präsenz
Programme zur Förderung von Sozialkompetenz und Gewaltprävention systematisch durchführen
Präventionsmaßnahmen - Klassenebene
verbindliche Festlegung der Konsequenzen bei Nichteinhaltung
Schaffen eines Erzählklimas
Einführen und regelmäßiges Abhalten des Klassenrats
Vorleben eines demokratischen Miteinanders
Pflegen einer vertrauensvollen Beziehung zu den Eltern
Präventionsmaßnahmen - Unterrichtsebene
Thema Mobbing im Unterricht behandeln
Film zum Thema Mobbing in der Klasse ansehen und bearbeiten
Austausch mit Kollegen
kooperatives Lernen anbieten
Präventionsmaßnahmen - individuelle Ebene
Problem (wenn möglich) in der Schule/Klasse lösen
intensive Gespräche mit Akteurinnen/Akteuren und Betroffenen führen
ggf. nicht aktiv am Mobbing beteiligte SuS als potenzielle Helfer/Helferinnen einbeziehen
Interventionskonzept - No Blame Approach
Eckpfeiler:
Vertrauen in Kinder und Jugendliche und deren Kompetenzen
Problemlösung auf Augenhöhe – Schüler als Experten und Helfer
Lösungsfokussierung anstelle von Problemorientierung
Verzicht auf Schuldzuweisung und Sanktionen
Wirkung kleiner Schritte
Transformation des Mobbingsystems
Lösungsorientierte Vorgehensweiße
Ziel: Vertrauen und Zuversicht schaffen, potenzielle SuS für Unterstützergruppen erfragen
1. Schritt: Gespräch mit Mobbing – Betroffenen
- Stärkenliste erstellen
2. Schritt: Gespräch mit Unterstützergruppe
- Zusammensetzung: Anführer und Mitläufer (50%) + SuS ohne Rolle (50%)
3. Schritt: Nachgespräche
- Mit Mobbing-Betroffenen
- Mit SuS der Unterstützergruppe
Begriffsklärung - Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörung
Aus pädagogischer Sicht liegt eine Verhaltensstörung dann vor, wenn die Erziehungssituation oder der Unterricht durch das Verhalten einer Schülerin oder eines Schülers gestört wird und Lernen deshalb nicht mehr in der beabsichtigten Weise möglich ist. Sie sind somit Ereignisse, „die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigten, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen“ (Menzel 2009)
Unterschiede zwischen Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörung
Verhaltensauffälligkeiten können von Verhaltensstörungen unterschieden werden
Der Unterschied liegt maßgeblich in der Häufigkeit und Stärke gleicher Verhaltensweisen
Unter beiden Begriffen werden eine Vielzahl von abweichenden Verhaltensweisen zusammengefasst
Im schulischen Kontext werden die Begriffe häufig synonym verwendet
Definition: Unterrichtsstörung
„Unterrichtsstörungen sind Ereignisse, die den Lehr-, Lernprozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen stattfinden kann, teilweise oder gar ganz außer Kraft setzen.“ (Lohmann 2003)
Umgang mit Unterrichtsstörungen
Analysen haben gezeigt, dass das Verhalten der Lehrkraft vor der Störung präventiv bedeutsamer war als eine intervenierende Zurechtweisung.
Präventive Strategien von Unterrichtsstörungen auf verschiedenen Ebenen
Beziehungsebene:
- Kommunikation
- Humor
- aktives Zuhören
- Klassenklima fördern
- respektvolle Sprache
- Lob und Ermutigung
Unterrichtsebene:
- Breite Aktivierung
- Unterrichtsfluss
- Kooperationsbereitschaft der SuS
Disziplin-Management Ebene:
- Klassenregeln
- Anreize + Konsequenzen
- Routinen + Signale
- Klassenrat
- Organisation des Klassenzimmers
Ursachen von Unterrichtsstörungen
Schülerbezogene Ursachen:
- mangelnde Motivation
- Pubertät
- neurobiologische Störungen
- Selbsterprobungsabsicht des Schülers
Umfeldbezogene Ursachen:
- bildungsfernes Milieu (soziale und erzieherische Defizite)
- Mittelschicht (verschärfter Konkurrenzdruck)
- Bildungsoberschicht (Sorge, hohe Qualitätsansprüche)
- unterschiedliche Erziehungsstile
- Wandel der Jugendkultur (mediale Möglichkeiten, Trends, Jugendsprache)
Institutionelle Ursachen:
- personelle Unterbesetzung (Unterrichtsausfälle, …)
- Schulpflicht
- Schulsystem (Selektions- und Leistungsdruck)
- bauliche Voraussetzungen (akustischer Dauerstress)
Lehrerbezogene Ursache:
- Lehrerpersönlichkeit (Identifikation mit dem Beruf)
- Unzuverlässigkeit
- Ineffektive Klassenführung
- Ungeeignete Intervention
- Mangelnde Transparenz (Erwartung, Themenwahl, Regelgestaltung)
Der Konfliktzirkel
beschreibt, wie eine Krise entsteht und sich verstärkt Ablauf:
1. Ereignis/Auslöser tritt auf
2. Dies löst beim Schüler starke Gefühle aus (z.B. Wut, Angst, Frustration)
3. Reaktion mit problematischen Verhalten
4. Reaktionen anderer Personen verstärken Emotionen (Peers, Lehrkräfte)
5. Stress steigt an
6. Endet mit Krise oder Explosion des Verhaltens
Schritte des LSIC
-> Das Gespräch vorbereiten
Zuerst muss eine ruhige Gesprächssituation geschaffen werden
-> Wichtige Aspekte:
Ruhiger, ungestörter Ort
LK zeigt Verständnis für emotionale Situation
Gefühle des Schülers werden ernst genommen
Ziel des Schrittes: Der Schüler ist bereit, sich auf das Gespräch einzulassen
-> Den Ablauf der Krise beschreiben:
Schüler ist meist noch emotional und versucht
sich zu rechtfertigen
anderen die Schuld geben
Aufgabe der Lehrkraft:
gemeinsam den genauen Ablauf der Krise rekonstruieren
Situation wird chronologisch (Zeitlinie) aufgearbeitet.
Ziel: gemeinsames Verständnis darüber, wie Krise entstanden ist
-> Den zentralen Problempunkt finden (GS geht nur bis hier)
jetzt wird eigentlicher Kern des Problems gesucht
LK nutzt Hinweise aus dem Gespräch, um zu verstehen:
Welche Gefühle hinter dem Verhalten stehen
Welche Bedürfnisse/Ängste eine Rolle spielen
Aktives Zuhören und Verständnis der LK ist entscheidend!
Dadurch wird sichtbar, wie SuS mit bestimmten Gefühlen umgehen und wie sich diese Gefühle im Verhalten zeigen
-> Lösung wählen
nun wird gemeinsam eine Lösung entwickelt
Wichtig:
Lösung muss für die Schüler sinnvoll und wertvoll sein
Diese orientiert sich an seinen Zielen und Wertvorstellungen
Lösung von Schülern muss selbst kommen, nicht von der LK vorgegeben werden
-> Umsetzung planen
Jetzt wird geplant, wie Lösung praktisch umgesetzt wird
Dabei wird überlegt:
Was könnte passieren, wenn Schüler die Lösung umsetzen?
Wie könnten andere reagieren?
Welche Gefühle können auftreten?
Hilfreich: Rollenspiele zwischen LK und Schüler im Voraus planen
-> Rückkehr vorbereiten
Letzter Schritt bereitet Rückkehr in Situation oder Gruppe vor
Die Lehrkraft:
Zeigt Vertrauen, dass die Schüler die Lösungen umsetzen können
Bespricht noch einmal konkrete Handlungsschritte (Welches VH gegenüber Mitschülern? Wie kann er stressfrei zurück in UR?)
Ziel: Schüler fühlen sich bereit, die Lösung umzusetzen und in die Situation
zurückzukehren, ohne dass der Konflikt erneut entsteht.