1/31
Looks like no tags are added yet.
Name | Mastery | Learn | Test | Matching | Spaced | Call with Kai |
|---|
No analytics yet
Send a link to your students to track their progress
Kernmerkmale des
Persönlichkeitsbegriff:
(a) nicht pathologische Unterschiede zwischen Menschen
(b) Stabilität von Persönlichkeitseigenschaften:
• temporale (zeitliche) Stabilität
• transsituative Konsistenz
(c) Referenzialität zu einer Vergleichspopulation
Das heißt:
(a) man würde pathologische Ausprägungen von Persönlichkeitseigenschaften weniger der Persönlichkeitspsychologie, sondern z. B. eher der Klinischen Psychologie zuordnen,
(b) dass Persönlichkeitseigenschaften über Stabilität verfügen müssen, die sich in zwei Aspekten zeigt und zwar:
• in der Stabilität über die Zeit (im Sinne von Lebenszeit) als auch
• in der Stabilität über Situationen hinweg und
(c) dass die Ausprägung der Eigenschaften zwischen den Menschen variieren und in Bezug gesetzt werden können zu den Ausprägungen von Referenzpopulationen
Disposition
Abstrakte, breite und stabile Merkmale: Ihnen liegt eine hohe genetische Verankerung zugrunde, die eher wenig durch die Umwelt beeinflusst werden kann. Dispositionen sind stabil (zeitlich wie situativ) und schwer zu verändern (z. B. durch Lernen) und können auch als „Veranlagung“ bezeichnet werden.
Dispositionen sind nicht direkt beobachtbar, sondern manifestieren sich im Verhalten. Manche Menschen neigen z.B. mehr dazu, intensive negative Gefühle zu erleben – ein Phänomen, das mit dem Begriff „dispositionaler Negativität“ beschrieben ist. Betroffene sind meist ängstlicher, unsicherer, kritischer und unzufriedener im Vergleich zu anderen Personen
Temperament
Setzt sich aus den drei globalen Komponenten Erregung, Emotionalität und Selbstregulation zusammen und bezeichnet biologisch verankerte individuelle Unterschiede zwischen Menschen hinsichtlich ihrer Reaktivität auf Stimuli sowie die Fähigkeit, Erregung und emotionale Reaktionen aktiv zu kontrollieren
Trait-Theorie
Persönlichkeit wird anhand stabiler, biologisch verankerter Merkmale, die gewisse Regelmäßigkeiten im Erleben und Verhalten hervorrufen, beschrieben
Wie sich Menschen verhalten, hängt aber nicht nur von ihren stabilen Persönlichkeitsmerkmalen ab, sondern wird auch von der aktuellen Situation beeinflusst
Trait: Dispositionen im Sinne einer zeitlich überdauernden und über Situationen generalisierten Verhaltensbereitschaft. Es handelt sich bei einem Trait also um ein zeitlich stabiles Merkmal. Ein Beispiel dafür ist Ängstlichkeit, also die generelle Tendenz Angst zu empfinden.
State: Ein vorübergehender psychischer Zustand, ist zeitlich fluktuierend und situationsspezifisch. Ein Beispiel dafür ist momentane Angst vor einem konkreten Objekt oder einer konkreten Situation.
Hans Eysenck (1916–1997)
Persönlichkeitsdimensionen
Extraversion vs. Introversion und Stabilität vs. Labilität
melancholiker: intro labil
choleriker: extro labil
phlegmatiker: intro stabil
sanguiniker extro stabil
Goldberg, 1990; McCrae & Costa, 2008 neopi
Big-Five-Modell:
• Offenheit für Erfahrungen (Openness to experience)
• Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness)
• Extraversion (Extraversion)
• Verträglichkeit (Agreeableness)
• Neurotizismus (Neuroticism)
Die Beschreibung erfolgt dimensional
Alternative; HEXACO-Modell
Ehrlichkeit-Demut (H, Honesty-Humility),
Emotionalität (E, Emotionality),
Extraversion (X),
Verträglichkeit (A, Agreeableness),
Gewissenhaftigkeit (C, Conscientiousness) und
Offenheit für Erfahrungen (O, Openness to Experience).
Stellt Big Five nicht grundsätzlich in Frage, beide überschneiden sich
Selbst- vs. Fremdbewertung
Selbstbewertung: manipuliert,ökonomisch, auch gruppentestungen
fremdbewertung:aufwändiger,abhängig von der Einschulung der Fremdbeurteiler:innen auf das entsprechende Erhebungsinstrument, wie auch der Menge der Information, die über die zu beurteilende Person vorliegt
Sigmund Freud
Psychodynamische Theorie der Persönlichkeit
Es stellt den primitivsten Teil der Persönlichkeit dar, unbewusste Prozesse, die immerzu nach schnellstmöglicher Befriedigung verschiedenster grundlegender Bedürfnisse oder Triebe verlangen(=Grundbedürfnisse Schlaf und Nahrungsaufnahme, der Überlebenstrieb, der Sexualund Fortpflanzungstrieb (Libido) sowie der Aggressionstrieb (Thanatos))
Es agiert nach dem Lustprinzip, die sofortige Befriedigung der Bedürfnisse wird angestrebt, ohne auf andere Faktoren oder Konsequenzen zu achten
Über-Ich handelt nach dem Moralitätsprinzip, Werte und Normvorstellungen
Bewertet die Wünsche des Es und beachtet dabei eigene Ideale sowie verinnerlichte, von der Gesellschaft anerkannte soziale Normen, Gebote und Verbote =Gewissen
Anspruch des Über-Ichs ist Perfektion und sollte es nicht gelingen, dieser zu entsprechen, kommt es zu Gewissensbissen.
Zum überwiegenden Teil unbewusst, kann aber ins Bewusstsein gebracht werden.
Ich= Vermittler zwischen Es und Über-Ich, Realitätsprinzip
Größtenteils bewusst, aber hat auch unbewusste Elemente.
Handelt nach dem Realitätsprinzip und versucht, Triebe und Wertevorstellungen zusammenzubringen, was bedeutet, dass die Befriedigung von grundlegenden Trieben (Es) mit den moralischen Idealen (Über-Ich) in Einklang gebracht werden sollen
-> Ergebnis sollten rationale Lösungen sein, wie zum Beispiel der Aufschub bestimmter Bedürfnisse in unpassenden Situationen.
Es= unbewusst
Über Ich/Ich= unbewusst und bewusst, ich bewusster als über ich
Humanistische Psychologie
in den 1960er Jahren als Gegenbewegung zur Psychoanalyse und zum Behaviorismus:
Nicht das Krankheitsbild, sondern das Wachstumspotenzial einer Person im steht Vordergrund:
• Die Phänomenologie: Jedes Individuum nimmt die Realität auf seine ganz persönliche Art und Weise wahr.
• Die subjektive Wahrnehmung und Interpretation der Realität beeinflusst das Denken und Handeln des Individuums.
• Das Erleben und Verhalten einer anderen Person kann man nur dann wirklich verstehen, wenn man die Welt aus ihrer Perspektive sieht.
• Das eigene Selbstkonzept stellt ein wichtiges Merkmal der Persönlichkeit dar.
• Jeder Mensch strebt nach Selbstverwirklichung.
Selbstkonzept: Selbstbild, beeinflusst frühe Erfahrung und soziale Interaktionen
Carl Rogers
Zentraler Vertreter
Kongruenz, bedingungslose Akzeptanz und Empathie als Grundvoraussetzung seitens des Therapeuten beziehungsweise der Therapeutin, um eine Veränderung der Persönlichkeit des Individuums bestmöglich zu unterstützen. Die drei Begriffe sind wie folgt zu verstehen:
Kongruenz: Echtheit im therapeutischen Setting. Der Therapeut beziehungsweise die Therapeutin sollte dem Individuum so gegenübertreten, wie er oder sie tatsächlich ist. Es ist in diesem Sinne weder indiziert, ein Vorbild darzustellen, noch sich hinter einer Fassade oder Rolle zu verstecken.
Bedingungslose Akzeptanz: jeder Aspekt der Gefühle oder Erfahrungen des Individuums wird akzeptiert. Es bedeutet, sich fürsorglich um das Gegenüber zu kümmern, das als eigenständige Person über eigene Gefühle und Erfahrungen verfügt, egal ob positiv, negativ, angstbesetzt, freudig oder abnorm.
Empathie: Einfühlen in die Welt des Individuums, als wäre es die eigene, ohne aber jemals den Bezug zur Realität zu verlieren. Dadurch gelingt es, die Gefühle des Individuums besser verstehen und verbalisieren zu können und dadurch die Bedeutung der Erfahrungen auszusprechen, von denen das Individuum selbst oft kaum Kenntnis hat.
Abraham Maslow
Jedes Individuum besitzt ein positives Wachstumspotential, psychische Störungen resultierten daraus, dass individuelle Selbstverwirklichung durch gesellschaftliche Restriktionen gehemmt werde -> Aufgabe der Gesellschaftspolitik, diese Hindernisse zu beseitigen.
Bedürfnispyramide: alle Bedürfnisse sind angeboren, aber ein Bedürfnis einer höheren Stufe kann sich erst entwickeln, wenn die darunterliegenden Bedürfnisse befriedigt sind, unterschiedliche Stärke
Kritik eindimensional, westlich kultur bezogen
Charlotte Bühler
Begründerin der Wiener Schule der Kleinkinder- und Jugendpsychologie, Wegbereiterin der Gerontopsychologie (Psychologie des Alterns bzw. des Älter- und Altwerdens) und nach Ihrer Emigration in die USA als Mitbegründerin der humanistischen Psychologie in den USA und insgesamt als Begründerin der modernen Entwicklungspsychologie
Grundtendenzen menschlichen Strebens:
• Tendenz nach persönlicher Zufriedenheit
• Anpassung zur Erlangung von Sicherheit
• Kreativität und Selbstentfaltung
• Aufrechterhaltung der innerer Ordnung
soziale und kognitive Theorien
charakteristischen Merkmale der sozial-kognitiven Lerntheorien sind nach Cervone und Pervin :
• Betonung des aktiven Handelns (gegenüber rein passivem Reagieren)
• Betonung des sozialen Umfelds als Verhaltensdeterminante (z. B. Beobachtung des Verhaltens anderer Menschen und der Umwelt, in der das Verhalten auftritt)
• Betonung kognitiver Prozesse, d. h. wie eine Situation vom Individuum beurteilt wird
• Betonung des Lernens komplexer Verhaltensmuster unabhängig von ihrer Verstärkungswirkung
Neobehaviorismus
Julian Rotter
soziale Lerntheorie der Persönlichkeit & Kontrollüberzeugungen
VPxsv = f(exsv x VWsv)
Vpxsv = Verhaltenspotenzial, Wahrscheinlichkeit. dass Verhaltem X in Situation S mit aussicht auf Verstärker V auftritt
Exsv = Erwartung, Einschätzung Wahrscheinlichkeit, mit der Verhalten X in Situation S zu Verstärker V führt
VWsv = Verstärkungswert, individuelle Einschätzung, wie attraktiv Verstärker V in situation S ist
internale/externale Kontrollüberzeugungen:
Verhalten als Konsequenz von inter/extern Faktoren
Albert Bandura
Theorie des sozial-kognitiven Lernens, Modellbeobachtungen bobodoll, Selbstwirksamkeitserwartung
menschliches Verhalten als Ergebnis eines Wechselspiels von (primär kognitiven) Personenfaktoren und Umwelteinflüssen, wobei die Wahrnehmung wahrscheinlicher Handlungsfolgen (positive beziehungsweise negative Konsequenzen) das Verhalten beeinflusst
Kernannahmen:
• Menschliches Verhalten ist größtenteils kognitiv bedingt (im Sinne von internen Prozessen der Selbstregulation).
• Lernen besteht vor allem in der Wahrnehmung von Handlungskonsequenzen.
• Lernen am Modell: Lernen erfolgt durch die Beobachtung anderer.
Testete seine Hypothese über Lerneffekte durch Modellbeobachtungen (Lernen am Modell) in Bobo-Doll-Experimenten(-> Kapitel 5.3.5)
Erfahrungsquellen von Selbstwirksamkeit an:
• Eigene Wirksamkeitserfahrungen durch die Überwindung von Hindernissen durch Beharrlichkeit.
• Stellvertretende Erfahrung sozialer Modelle: Beobachtung von Menschen mit ähnlichen Merkmalen, die durch Beharrlichkeit erfolgreich sind.
• Verbale Persuasion: Mündliche Überzeugung durch andere, dass man das Zeug dazu hat, erfolgreich zu sein.
• Interpretation physiologischer Befindlichkeiten: Physiologische Stressreaktionen sollten positiv interpretiert werden, zum Beispiel als energetisierend anstatt hemmend.
Walter Mischel
das kognitive Persönlichkeitsmodell/variablen, Belohnungsaufschub Marshmallow-experiment
Verfolgte einen integrativen Ansatz, indem er verschiedene vorangegangene Persönlichkeitsmodelle miteinander kombinierte
Verstand Persönlichkeit als ein kognitives Verarbeitungssystem, das durch individuelle Lernerfahrungen und Sozialisierung geprägt wird, und postulierte fünf Persönlichkeitsvariablen, die sogenannten „Cognitive social learning person variables“, die miteinander interagieren:
Kognitive und verhaltensbezogene Konstruktionskompetenz:
zeitlich stabile, situationsübergreifende mentale Fähigkeiten des Individuums, unter geeigneten Bedingungen unterschiedliche, anpassungsfähige Verhaltensweisen zu konstruieren/erzeugen.
Kodierung und Kategorisierung von Ereignissen:
Kodierung und Gruppierung von Informationen ist von Person zu Person unterschiedlich. Wie jemand beobachtetes Verhalten verschlüsselt, welche persönlichen Kategorien oder Konstrukte (z. B. über sich selbst, andere Personen, Situationen, Ereignisse etc.) angelegt werden und auf welche Stimuli aus der Umwelt geachtet wird, hat großen Einfluss darauf, was gelernt wird.
Ergebniserwartungen (hinsichtlich Verhalten und Stimuli):
Spezifische Erwartungen hinsichtlich der Folgen unterschiedlicher Verhaltensmöglichkeiten in einer bestimmten Situation. Die Erwartungen einer Person müssen dabei nicht zwingend mit den objektiven Eventualitäten in der Situation übereinstimmen und können individuell verschieden sein.
Subjektive Werte:
Jeder Mensch verfügt über individuelle Werte – Präferenzen und Aversionen gegenüber bestimmten Reizen. Diese Reize können sowohl positive als auch negative emotionale Zustände in der Person hervorrufen und entsprechend als Anreize beziehungsweise Verstärker für Verhalten fungieren oder dazu führen, dass gewisses Verhalten nicht ausgeführt wird.
Selbstregulationssysteme und Pläne:
Selbst ohne externe Einschränkungen und soziale Restriktionen setzen sich Personen individuelle (Leistungs-)Ziele. Verhalten wird durch selbst auferlegte Standards und Konsequenzen modifiziert. Je nachdem, ob die Ergebnisse von diesen selbst definierten Zielen oder selbst auferlegten Kriterien abweichen oder nicht, kann es zu Selbstkritik oder Selbstzufriedenheit kommen.
Marshmallow-Experiment: doppelte belohnung nach 15 min, kinder die machten waren später erfolgreicher
George Kelly
Das kognitive Persönlichkeitsmodell, Rep-Test
Ansatz einer „Psychologie der persönlichen Konstrukte“, Persönlichkeit anhand einzigartiger mentaler Konstrukte zu beschreiben = individuelle Muster, geprägt von eigenen Erfahrungen, Vorstellungen und Interpretationen des Erlebten.
Persönliche Konstrukte können sich im Laufe des Lebens verändern. Während ein Konstrukt an einem Punkt im Leben einer Person funktioniert, sind möglicherweise Anpassungen oder Änderungen notwendig, wenn sich die Situation/Lebensumstände ändern.
rep test: soziale rollen konkretisieren, dann dreiergruppen und 1 bestimmen welches nicht reinpasst
Persönlichkeitsdiagnostik
Individuum steht im Fokus und wie die Persönlichkeitsmerkmale einer Person im Vergleich zu einer Referenzpopulation individuell ausgeprägt sind und im Sinne von durchschnittlich, überdurchschnittlich und unterdurchschnittlich entsprechend klassifiziert werden können.
Von Interesse ist, wie sich die Ausprägung einer Persönlichkeitseigenschaft zwischen zwei Messpunkten intraindividuell verändert.
Raymond Cattell
Informationsquellen zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen:
L-Daten: Daten aus der Biographie einer Person sowie typisches alltägliches Verhalten einer Person – sogenannte „Life-record data“
Q-Daten: Selbsteinschätzungen, Selbstberichte einer Person zum Beispiel über die eigenen Gefühle und Einstellungen – sogenannte „Questionnaire data“
T-Daten: Informationen, die auf Basis von Ergebnissen objektiver Tests gewonnen werden – sogenannte „Test data“, die auf Verhaltensleistung basieren
Persönlichkeitsmerkmale und deren Ausprägung werden in der wissenschaftlichen Psychologie und in der Praxis der psychologischen Diagnostik häufig durch Selbstberichte der befragten Personen erfasst durch standadisierte Persönlichkeitsfragebögen und Interviews („Q-Daten“)
Weitere psychologisch-diagnostische Methoden sind Objektive Persönlichkeitstests, die der Gruppe „T-Daten“ entsprechen sowie Verhaltensbeobachtung und -beurteilung („L-Daten“).
Projektive Verfahren stellen eher umstrittene Verfahrensgruppe psychologischer Tests dar, zielen darauf ab, unbewusste Prozesse und Aspekte der Persönlichkeit zu erfassen und sind heute eher von geringer praktischer Bedeutung.
Testgütekriterien/psychometrische Gütekriterien
Gütekriteren psychologisch-diagnostischer Verfahren teilen sich in die Gruppen Haupt- und Nebengütekriterien auf:
Zu den Hauptgütekriteren, die die zentralen Qualitätsmerkmale psychologischer Tests darstellen, zählen Objektivität, Reliabilität und Validität
Die Qualität der Verfahren wird daran gemessen, in welchem Ausmaß sie diesen Gütekriterien gerecht werden.
Unterschiedliche Ansätze und Methoden zur Persönlichkeitsdiagnostik:
Minnesota Multiphasic Personality Inventory
erste Fassung des MMPI wurde 1942 von Starke Hathaway und Charnley McKinley herausgegeben
Weltweit eines der am häufigsten verwendeten Persönlichkeitstestsysteme für den klinisch-psychologischen Gebrauch
Aktuelle Version beansprucht auch die Anwendbarkeit im eignungsdiagnostischen Bereich, zum Beispiel in der Personalauswahl
Ziel des Verfahrens ist die ausführliche Beschreibung wichtiger Persönlichkeitseigenschaften und psychischer Störungen
Das deutschsprachige Minnesota Multiphasic Personality Inventory liegt aktuell in der Fassung MMPI-2 vor; Das MMPI-2 umfasst neben zehn klinischen Skalen (z. B. Hypochondrie, Depression, Schizophrenie, soziale Introversion) weitere fünfzehn Inhaltsskalen (z. B. Zwanghaftigkeit, Zynismus, Negatives Selbstwertgefühl) und drei Validitätsskalen (z. B. Lügen-Skala; misst die Neigung, sich in der Testsituation zu verstellen) sowie Zusatzskalen, die allerdings ausschließlich für Forschungszwecke gedacht sind (siehe (Hank & Schwenkmezger, 2003)
MMPI-2 kann als Einzel- als auch in Form einer Gruppentestung durchgeführt werden. Die Bearbeitung der 567 dichotomen Items nimmt etwa eine Stunde in Anspruch
->Dichotom bezieht sich auf das Antwortformat und bedeutet, dass für die Beantwortung der Items zwei Kategorien zur Verfügung stehen. Im Fall des MMPI sind die Items mit „richtig“ oder „falsch“ im Sinne von zutreffend oder nicht zutreffend zu beantworten.
Das NEO-Persönlichkeitsinventar nach Costa und McCrae
Vielzahl an Variationen des amerikanischen Originals, basiert auf dem “Big-Five-Modell”
Besteht aus 240 Items, die insgesamt 30 Persönlichkeitsfacetten erfassen, von denen jeweils sechs den fünf Hauptskalen zugeordnet sind bzw. diese konstituieren: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.
Die Items werden mittels einer fünfstufigen Antwortskala (Extrempole: stimme überhaupt nicht zu – stimme voll und ganz zu) beantwortet
Es steht neben der Selbstberichtsform, die von der Testperson selbst bearbeitet wird (Form S), auch eine Form zur Fremdbeurteilung (Form F) zur Verfügung, die zum Beispiel von einem Familienmitglied oder einer Person aus dem beruflichen Umfeld der Testperson bearbeitet werden kann
Facette
Subskalen, die einer übergeordneten Skala zugeordnet sind bzw. diese konstituieren und die versuchen, die Teilaspekte der übergeordneten Skala vollständig und transparent zu erfassen. So wird beispielsweise im NEOPI-R die Hauptskala Verträglichkeit in den sechs Facetten Vertrauen, Freimütigkeit, Altruismus, Entgegenkommen, Bescheidenheit und Gutherzigkeit mittels jeweils acht Items erhoben
Das Freiburger Persönlichkeitsinventar
Ein in Deutschland entwickelter Test ist das Freiburger Persönlichkeitsinventar, das von Jochen Fahrenberg, Rainer Hampel und Herbert Selg herausgegeben wurde und seit 2020 in revidierter Form (FPI-R) in der 9. Auflage vorliegt, erste Auflage des Tests erschien bereits im Jahr 1970. Umfasst zehn Standardskalen (z. B. Lebenszufriedenheit, Soziale Orientierung, Leistungsorientierung, Erregbarkeit, Aggressivität) und zwei Sekundärskalen (Extraversion und Emotionalität im Sinne von Eysenck)
Insgesamt 138 Items werden auch bei diesem Test im dichotomen Antwortformat bewertet (mit stimmt oder stimmt nicht), 20 bis 30 Minuten
Psychologisch-diagnostisches Interview
Gespräche, die mit dem Ziel geführt werden, systematisch Informationen über den Gesprächspartner beziehungsweise die Gesprächspartnerin zu erhalten. Meist werden sie im eignungsdiagnostischen (z. B. bei der Personalauswahl) und im klinischen Bereich eingesetzt
• Die Rollen der teilnehmenden Personen sind festgelegt: Es gibt eine befragende und eine befragte Person.
• Das Interview ist zielgerichtet: Es soll Aufschluss über vorab definierte (Persönlichkeits-)Merkmale der befragten Person geben.
• An das Ergebnis des Interviews werden Entscheidungen geknüpft, z. B. hinsichtlich Auswahlentscheidungen in der Eignungsdiagnostik oder bezüglich weiterer Behandlungsschritte im klinisch-therapeutischen Setting.
unstrukturiert:ohne vorher festgelegte Struktur, Frageninhalte oder Auswertevorgehen durchgeführt. Fragen können „frei aus dem Bauch heraus“ formuliert werden oder sich je nach Verlauf des Interviews ergeben.
Vorteil: frei fließende Konversation, Nachteile wenn viele Bewerbende bezüglich ihrer Persönlichkeitsmerkmale in einem Auswahlkontext objektiv zu beurteilen sind: Eine faire und objektive Vergleichbarkeit ist schwer möglich, wenn jede Person individuelle Fragen erhält.
teilstrukturiert:
Interviewleitfaden vor, der alle zu stellenden Fragen enthält. Die Reihenfolge der Fragen ist bei dieser Form des Interviews flexibel und die befragte Person kann vollkommen frei antworten.
vollstrukturiert: Interviewleitfaden mit vorgegebenen Fragen, bei dem die Fragen in festgelegter Reihenfolge gestellt werden. Die befragte Person beantwortet alle Fragen anhand vorgegebener Antwortkategorien.
Es nicht vorgesehen, dass dem oder der Interviewten Freiheit bezüglich eigener Ideen oder Ansichten zu den gestellten Fragen eingeräumt wird bzw. dass sich in dem Interview ein freies Gespräch zu Teilaspekten entwickelt
Der Strukturierungsgrad eines Interviews hat Vor- sowie auch Nachteile; Je unstrukturierter, desto stärker wäre das Ergebnis abhängig von der Atmosphäre des Gesprächs und den persönlichen Vorstellungen der interviewenden Person ->daher wichtig das Interview zu strukturieren, damit das Ergebnis von diesen irrelevanten Variablen weniger abhängig ist.
Wenn Interviews zu sehr strukturiert werden, entsteht oft das Problem, dass es sich eigentlich nicht mehr um ein Gespräch handelt, sondern eigentlich „nur“ mehr um eine Befragung, die in einem Gesprächssetting stattfindet, was zu künstlichen Situationen führen kann.
Außerdem können vollstrukturierte Interviews wichtige Bereiche übersehen, die in einem weniger strukturierten Interview auftauchen würden, weil es dieses Format auch zulassen würde.
Qualitätssicherung von Interviews:
Schulungen: Psychologisch-diagnostische Interviews sollten von qualifizierten und dafür eingeschulten Personen durchgeführt werden.
Interviewleitfäden & Strukturierung: Befragende Personen müssen der befragten Person unvoreingenommen gegenübertreten sowie sicherstellen, dass alle Befragten gleichbehandelt werden.
Eignungsmerkmale: Die Merkmale, die im Rahmen des Interviews erfragt werden, sollten vorab durch konkrete Verhaltensweisen sowie Ausprägungsgrade beschrieben werden.
Interviewprotokoll: Der Verlauf des Gesprächs sowie die Antworten der befragten Person sollten in geeigneter Form festgehalten werden, z. B. in Schriftform, durch ergänzende Video- oder Tonbandaufzeichnungen.
Auswertung: Die Auswertung der Antworten sollte, um einen objektiven und fairen Ablauf sicherzustellen, regelgeleitet erfolgen, z. B.: Welche Antworten erhalten die volle Punktzahl? Wofür gibt es Punkteabzug? Es sollte genau ein Auswertungsschema geben, das auf alle Interviews angewendet wird.
Verhaltensbeobachtung und -beurteilung
Dient der Beschreibung des beobachtbaren Verhaltens einer Person; Persönlichkeitsmerkmale einer Person lassen sich nicht direkt beobachten, das heißt, man kann nicht sofort sehen, ob eine Person zum Beispiel über ein hohes Maß an Gewissenhaftigkeit oder Extraversion verfügt
Das Ziel ist es, durch beobachtbare Indikatoren – das Verhalten einer Person in einer bestimmten Situation – auf nicht direkt beobachtbare Merkmale zu schließen
Richtet sich auf „alle visuell und akustisch wahrnehmbaren Aktivitäten und Veränderungen des Zustands einer Person“ (Renner, 2005, S. 149).
Kann entweder einen zentralen diagnostischen Stellenwert einnehmen (z. B. wenn andere Informationsquellen nicht verfügbar sind) oder als ergänzende, relativierende Informationsquelle herangezogen werden (z. B. Beobachtung einer Person während eines Einstellungsinterviews oder während der Bearbeitung eines Tests)
Das Verhalten einer Person wird im Rahmen einer Verhaltensbeobachtung systematisch analysiert, um anschließend auf Grundlage der Beobachtungsergebnisse die Ausprägung der Persönlichkeitsmerkmale zu diagnostizieren
Verhaltensbeobachtung und -beurteilung Arten
Unsystematische vs. systematische Beobachtung: Die freie oder unsystematische Verhaltensbeobachtung erfolgt ohne vorher festgelegte Kriterien und entspricht im Wesentlichen einer Alltagsbeobachtung, wohingegen eine systematische Beobachtung anhand festgelegter Kriterien (z. B. hinsichtlich Ort, Zeit, Auswertung) erfolgt – etwa im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens.
Labor- vs. Feldbeobachtung:
Eine Beobachtung „im Feld“ heisst unter natürlichen Bedingungen, wie im beruflichen oder privaten Umfeld. Eine Beobachtung im Labor hingegen findet in einer künstlichen Situation statt, über die der verantwortliche Diagnostiker bzw. die verantwortliche Diagnostikerin volle Kontrolle hat, z.B. im Rahmen einer Datenerhebung für eine psychologische Studie.
Teilnehmende vs. nicht teilnehmende Beobachtung:
Interagiert die beobachtende Person mit dem oder der Beobachteten, spricht man von einer teilnehmenden Beobachtung. Dies könnte zum Beispiel in einem Rollenspiel im Rahmen eines Assessment-Centers der Fall sein, in das die beobachtende Person aktiv involviert ist.
Direkte vs. indirekte Beobachtung:
Die direkte Verhaltensbeobachtung erfolgt in der Situation, sozusagen während des Geschehens. Die indirekte Beobachtung erfolgt asynchron, zum Beispiel auf Basis einer Videoaufzeichnung.
Selbst- vs. Fremdbeobachtung:
Bei einer Selbstbeobachtung ist die Person angehalten, das eigene Verhalten und Erleben durch Selbstreflexion zu beobachten und festzuhalten. Die Fremdbeobachtung meint die Beobachtung einer anderen Person durch geschulte Diagnostiker:innen.
Objektive Persönlichkeitstests (OPT)
Verfahren, in denen Versuchspersonen in hoch standardisierten Testsituationen Aufgaben bearbeiten, in denen für sie nicht erkennbar ist, welche Eigenschaft gemessen wird (die Verfahren verfügen über keine sog. face validity oder Augenscheinvalidität)
Die beobachteten Reaktionen sollen anschließend Rückschlüsse über die Persönlichkeit geben. Als objektive Parameter gelten etwa Reaktionszeit oder die Anzahl gelöster Aufgaben. Objektive Persönlichkeitstests gelten als „objektiv“, weil keine Selbstbeurteilung der zu erhebenden Eigenschaft durch die Testperson erfolgt
Vorteil: für die getesteten Personen nicht augenscheinlich, welche Merkmale erfasst werden
-> weniger anfällig für Verzerrungen durch die Testperson
Verschiedene Arten Objektiver Persönlichkeitstests, die sich hinsichtlich Testkonzept, Testmaterial undBewertungsschema unterscheiden, Ursprung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts
Die erste Generation geht auf Raymond Cattell zurück, zweite Generation der OPTs konnte stark davon profitieren, dass Computer für die Durchführung genutzt werden konnten
Die als Leistungstest „getarnten“ OPTs erwecken den Anschein, dass eine Leistungsaufgabe möglichst rasch und fehlerfrei bearbeitet werden soll
Andere Kategorie von OPTs zielt darauf ab, „echte“ Lebenssituationen zu simulieren, in denen mehr oder weniger komplexe Aufgaben bearbeitet werden sollen
Projektive Tests
Psychologische Verfahren, bei denen die Reaktion der Testperson auf mehrdeutige Items (z. B. Bilder) im Fokus steht. Bei diesen Tests wird davon ausgegangen, dass Menschen bei der Deutung von Bildern oder formalen Strukturen ihre Einstellungen, Wünsche und Motive in die Deutung „projizieren“ und damit ein Rückschluss auf die Persönlichkeit möglich ist
Es gibt Form-Deute Verfahren, verbal-thematische Verfahren sowie zeichnerische und Gestaltungsverfahren. Verwendet werden z. B. symmetrische Klecksfiguren (Rorschach-Test) oder Bilder von Personen in speziellen Kontexten (Thematischer Apperzeptionstest, TAT)
Auf ähnlichen theoretischen Überlegungen bauen Satzergänzungsverfahren auf, bei denen die Testpersonen angefangene Sätze vervollständigen müssen.
-Rorschach Test: Kleckfiguren
Verbal-thematische Verfahren
Thematische Apperzeptionstest (TAT, 1943 Henry Murray): Testperson wird mit mehrdeutigen Bildernkonfrontiert, in denen soziale Situationen dargestellt sind und zu denen „dramatische“ Geschichten erfunden werden sollen. Die Testperson wird dabei durch Fragen wie „Wie ist es zu der Situation gekommen?“ oder „Wie wird die Geschichte weitergehen?“ unterstützt.
Ursprünglich als Hilfsmittel zur Exploration im klinischen Kontext entwickelt – anhand der Interpretation der Testperson und ihrer Zuschreibungen an die dargestellten Figuren sollten ihre Motive (Bedürfnisse) und Zukunftserwartungen offenbart werden