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Was ist Philosophie?
„Philosophie“ lässt sich nicht so einfach definieren. Wer philosophiert, entwickelt seine eigene Sicht der Dinge. Daher gibt es auch auf die Frage: „Was ist Philosophie?“ mindestens genauso viele Antworten wie potenzielle Philosoph:innen.
Was ist Philosophie? Aristoteles
„Staunen veranlasste zuerst – wie heute noch – die Menschen zum Philosophieren.“
Oft wird, wie von Aristoteles, das Staunen als Beginn philosophischen Denkens angeführt.
Andere: Philosophie beginnt in dem Moment, in dem Sachverhalte als selbstverständlich hingenommen werden und nicht mehr hinterfragt werden.
Was ist Philosophie?
Die Frage nach der Beschaffenheit der Wahrheit wird laut Ákos von Pauler (1989, S. 2) von keiner der Spezialwissenschaften gestellt. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass von einer allgemeinen und unveränderlichen Natur der Wahrheit gesprochen werden darf. Es gibt aber Fragestellungen, die sich nicht oder nur unzureichend mithilfe der analytisch-empirischen Wissenschaften beantworten oder auch nur bearbeiten lassen.
Diese Fragen sind, wie auch die Frage zur Wahrheit, meist auf der Metaebene angesiedelt.
Was ist „gut“?
Was ist „böse“?
Was ist „gerecht“?
Was ist „Wohlstand“?
Bei der Beantwortung dieser Fragen stützt sich die Philosophie, anders als z.b. Religionen allein auf die Vernunft (wobei man natürlich auch hier fragen kann: „Was ist Vernunft?“), in diesem Falle also auf rationale Argumentation, die keine weiteren Voraussetzungen fordert. Charakterisiert wird sie durch die Art ihrer Fragestellungen und ihre besondere Herangehensweise an ihre vielfältigen Gegenstandsbereiche und nicht durch die Begrenzung auf ein spezielles Gebiet oder eine bestimmte Methodologie.
Was macht Philosophie?
Hauptdisziplinen und weitere Grunddisziplinen
Hauptdisziplinen der Philosophie:
die Logik,
die Ethik und
die Metaphysik (In der Metaphysik beschäftigt man sich mit allen über einzelne Naturerscheinungen hinausgehenden Fragen des Seins.)
Weitere Grunddisziplinen:
Erkenntnistheorie
Wissenschaftstheorie, die sich mit den Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns im Allgemeinen und im Speziellen mit den Erkenntnisweisen der unterschiedlichen Einzelwissenschaften beschäftigen.
Was macht Philosophie?
Philosophische Arbeitsfelder
die Untersuchung von Methoden, Prinzipien und der Gültigkeit jeglicher Erkenntnisgewinnung wie auch der Argumente und Theorien auf wissenschaftlicher Ebene.
Philosophie = Grundlagenwissenschaft, die als Impulsgeberin für die Einzelwissenschaften fungieren kann und diese in ihrer Entwicklung, beispielsweise durch Hypothesenbildung, fördert.
Was macht Philosophie?
Die Philosophie kann aber auch als eine Art Korrektiv wirken. Wann?
wenn „sich die Wissenschaft in Annahmen und Absolutheiten verliert oder stecken bleibt“
Was macht Philosophie?
Neue Ansätze: (Pop?)-Philosoph:innen
Ganz in der Tradition des Fragenstellens und vor allem auch des Infragestellens haben sich in jüngster Zeit eine neue Garde an (Pop?)-Philosoph:innen unter anderem dem ökonomischen Feld und dem in größten Teilen noch immer ungebrochenen Glauben, dass Wohlstand nur durch (grenzenloses) Wachstum zu erreichen sei, gewidmet.
Philosophiert euch! − Enkelfähige Unternehmen: Anders Indset
Für Anders Indset, norwegischer Wirtschaftsphilosoph, sind Philosophie und Wirtschaft in der Vergangenheit zu lange voneinander getrennt gewesen. Heute mutet die Wirtschaft holistischer an und es werden sich mittlerweile die elementaren Grundfragen der Philosophie gestellt: Was kann ich wissen? Was muss ich tun? Was kann ich hoffen? Wirtschaft ist das Betriebssystem unseres Lebens geworden und kann jetzt die Grundlagen zur Sinnstiftung geben. Die Sinngebung als Bestandteil der Wirtschaft ist wiederum eng mit philosophischen Fragen verbunden, denn es geht nicht um die eine alleinige Lösung, sondern um den Weg.
Indset appelliert eindringlich: „Philosophiert euch!“ und sein Blick in die Zukunft lehnt sich an die Zukünftigkeitsethik von Hans Jonas an: Es brauche ein enkelfähiges Unternehmertum
Philosophiert euch! − Enkelfähige Unternehmen: Anders Indset - Beschreibe
Enkelfähig‘ ist Unternehmertum im 21. Jahrhundert. Es ist ein spielerischer Weg von Potenzialität zur Gestaltung einer ganzheitlichen, humanistischen und mitfühlenden Wirtschaft, in der es nicht darum geht, zu gewinnen oder zu verlieren (Endlichkeit), sondern möglichst lange mitzuspielen (Unendlichkeit → Enkelfähigkeit).
Es geht um die Verbundenheit, ein Mit-Mensch zu sein.
Entsprechend ist ein wesentlicher Aspekt von Enkelfähigkeit das Verständnis von Endlichkeit und Unendlichkeit in den Dimensionen Unternehmertum, Führung (Leadership), Ressourcenverbrauch, Stakeholder-Management und Technologie.
Enkelfähig zu sein bedeutet, wertorientiert zu leben und dies mit unternehmerischem Denken in Einklang zu bringen (Performance-Orientierung und Optimierung).
Enkelfähige Unternehmen sind technologiegetrieben; der enkelfähige Weg führt über neue Technologien und neue Geschäftsmodelle, die (fundamentale) Probleme der Menschheit beschreiben und lösen – von und für Menschen.
Enkelfähige Unternehmen nehmen Rücksicht auf globale und lokale Faktoren, indem eine grundlegende Ökosophie – ökologische und ökonomische Philosophie im Einklang – die essenzielle Rolle spielt: eine Verbundenheit über Generationen hinweg zwischen Mensch und Natur.
Enkelfähige Unternehmen streben ein dynamisches Äquilibrium an – einen Weg zu mehr Balance.
Enkelfähig ist wirtschaftliche Tragfähigkeit über Zeit statt auf Zeit, wobei Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sind.
Die Enkelfähigkeit (der Zustand) ist keine ideologische Vorstellung, sondern das Fundament für Unternehmertum im 21. Jahrhundert und wird durch ‚Enkelfähig‘ (die Aktivierung) gestaltet (enkelfähige Unternehmen).“
Im Grunde gut – ein neues altes Menschenbild: Hume und Bregman
schottische Philosoph David Hume (1711–1776) das aufklärerische Menschenbild:
Wir müssten „davon ausgehen, dass jeder Mensch ein Schurke sei, der bei allen seinen Handlungen kein anderes Ziel außer seine privaten Interessen verfolge“.
Annahme: Menschen von Natur aus egoistisch. Auch wenn es gleichzeitig eigentlich gar nicht den Tatsachen entspricht.
Rutger Bregman, Historiker aus den Niederlanden: stellt sich die Frage, ob vielleicht dieses Menschenbild, auf dem die Aufklärung und damit auch die moderne westliche Gesellschaft beruht, der Fehler im System ist.
Kooperation scheint das Mittel zur Wahl gewesen zu sein, dass sich der Mensch, wie er jetzt ist, durchsetzen konnte, nicht Stärke, Intelligenz, List – und Egoismus. (Natürliche Kooperationsbereitschaft des Menschen)
Annahme: vom Guten im Menschen ausgehen
Reimagine Capitalism in a world on fire: Henderson
„What if business could help solve the greatest problems of our time?“
Rebecca Henderson, BWL-Professorin in Harvard, stellt sich die Frage, was Kapitalismus ist.
Ist Kapitalismus die beste Möglichkeit, Wohlstand und Freiheit auf der ganzen Welt zu schaffen und zu bewahren oder ist er im Gegenteil die größte Bedrohung in der jüngsten Geschichte für den Planeten und dessen Lebewesen?
Für sie ist der Kapitalismus eine der besten Erfindungen, die es je gab: ein in ihren Augen unvergleichlicher Motor für Wohlstand, Innovation und individuelle Freiheit, der es geschafft hat, den größten Teil der Menschheit aus der absoluten Armut herauszuholen. Gleichzeitig stehen wir vor allem durch den Kapitalismus und seiner kompletten Ausrichtung auf die Maximierung des Shareholder Values kurz davor, den Planeten zu zerstören und die Gesellschaft endgültig zu zerrütten.
Henderson spricht sich für ein neues kapitalistisches Rahmenwerk:
positive gesellschaftliche Wirkung erzielen, indem sich dem Schutz der Umwelt und der Notwendigkeit, soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten anzugehen, gestellt wird und
nachhaltige finanzielle Leistung, um ein Wirtschaftswachstum zu gewährleisten, das Wohlstand und Wohlergehen für die Gesellschaft als Ganzes bringt.
Aussage: nachhaltiges Unternehmertum nicht nur eine Frage der Moral, sondern eine grundlegende Frage auch des Überlebens ist und sein wird.
Gemeinsamkeiten Anders Indset, Rutger Bregman und Rebecca Henderson
Sie suchen nach Antworten auf die Frage, wie ein nachhaltiger ökonomischer Wandel möglich werden kann, der auch zukünftige Generationen noch eine halbwegs intakte Umwelt und Gesellschaft vorfinden lässt.