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Zwischen welchen Kernelementen befindet sich Inklusive Pädagogik?
bildungswissenschaftliche Grundlagen, Fachdidaktik, pädagogisch-praktische Studien, Fachwissenschaft
Was ist Heilpädagogik (1861)?
aus Theologie, Thema: Mitleid -> kritisch beleuchtet, weil es nichts mit Heilung zu tun hat
Was ist Sonderpädagogik (1941)?
Sondererziehung, aussondern von behinderten Menschen, eigene Schulen
Was ist Behindertenpädagogik (1970)?
verbindet Heil- & Sonderpädagogik
Kritik: da von "den Behinderten" gesprochen wurde
Gefahr der Verabsolutierung (anderer sprach von der
Verflochtenheit des Menschen mit Lebensumfeld)
Verabsolutierung - so zu tun, als gäbe es nur eine Ursache oder einen Blickwinkel
Warnung vor Verabsolutierung bedeutet, dass weder der Mensch noch das Umfeld isoliert betrachtet werden dürfen - beide sind untrennbar miteinander verflochten
Ab Mitte 20. Jhd spricht man von...
eher sozialrechtlich von Behinderung, Gruppe von Menschen mit bestimmten Rechten
Was sind Rehabilitationspädagogik und Integrationspädagogik?
Rehabilitationspädagogik:
Ziel ist die Wiederherstellung von Fähigkeiten (im deutschsprachigen Raum selten verwendet)
Integrationspädagogik:
Forderung für gemeinsame Schule, gegen Separierung, Zwei-Gruppen-Theorie (weil immer noch Trennung von Menschen mit und ohne Behinderung)
Was das Ziel von Inklusion und Inklusiver Pädagogik?
uneingeschränkte Teilhabe
und es wird gesprochen von Heterogenität und Diversität
Auf was bezieht sich Inklusion?
nicht nur auf Schule sondern auf alle Bereiche des Lebens
Was sind die 4 Kernelemente der Inklusion?
- Prozess: Inklusion ist als Prozess zu verstehen, der niemals endet
- Barrieren: alle jene, die man im schulischen Kontext finden kann (z.B. häusliche Gewalt, sozio-ökonomischer Status), nicht nur physische Barrieren, die vom Lernen abhalten
- Präsenz, Partizipation, Erfolg: alle SuS haben in einer Regelschulklasse Platz, müssen teilhaben können, miteinbezogen werden und die Möglichkeit eines Aufstieges geboten bekommen
- Exklusion, Marginalisierung: es wird immer vulnerable Gruppen geben, die marginalisiert werden, auf ihnen muss das Augenmerk liegen
Was bedeutet und worauf bezieht sich Inklusionsverständnis?
meint die Haltung, dass alle Menschen – mit und ohne Behinderung – selbstverständlich und gleichberechtigt an allen Lebensbereichen teilhaben können sollen
Bezieht sich auf alle Lernenden, aber besondere Hervorhebung der vulnerablen Gruppen
Was bedeutet inklusive Bildung?
verschiedene Meinungen:
- Integration von benachteiligten Kindern (zb Behinderungen oder Minderheiten)
- Aniscow sieht es als ein Prinzip, das alle politischen Maßnahmen beeinflussen muss („Every learner matters and matters eaqually.")
-> gemeint sind also nicht nur benachteiligte Kinder sondern alle und dies ist ein laufender Prozess kein Zustand
Welche Barrieren gibt es bei der inklusiven Bildung?
physisch, politisch (zB Curriculum), angewandten Lehrmethoden und Vorurteile (über bestimmte Kinder)
-> Wechsel vom Reparieren der Kinder hin zu den Barrieren
Welche 3 Stufen gibt es in der inklusiven Bildung?
Anwesenheit (Wer ist überhaupt anwesend?)
Partizipation (Wer ist involviert?)
Lernen (Wer nimmt etwas aus dem Unterricht mit?)
-> Fokus liegt auf allen Kindern, aber man muss ein besonderes Augenmerk auf verletzliche Gruppen legen
Definition von inklusiver Bildung nach Ainscow
ist ein Prozess der Identifizierung & Beseitigung von Barrieren mit dem Ziel, Anwesenheit und Teilhabe aller SuS zu verbessern und dabei immer ein Auge auf die verletzlichen Kinder zu haben
Es geht darum, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen
Wichtigste: kollektiver Wille, Inklusion zu leben
Was ist Exklusion?
Prozess der Ausgrenzung von Individuen aus einer Gesellschaft, Individuen werden meist gegen ihren Willen an den Rand der Gesellschaft gedrängt
Was ist Marginalisierung?
Menschen oder Gruppen werden an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und bekommen dadurch weniger Teilhabe, Einfluss und Zugang zu wichtigen Ressourcen (wirtschaftlich, sozial und kulturell)
bedeutet, dass eine Person oder eine Gruppe aufgrund von Diskriminierung in eine Position geringerer Macht oder Isolation innerhalb der Gesellschaft gerät
Was ist Segregation?
beschreibt die räumliche Absonderung von Gruppierungen aus einer Mehrheitsgesellschaft, die Absonderung kann aufgrund verschiedener Merkmale erfolgen, wie z.B. ethnischer Hintergrund, soziale Schicht
Was ist Integration?
hebt den Zustand der Exklusion und Segregation auf, beschreibt den Prozess des Zusammenwachsens -> Individuen oder Gruppen werden in die Mehrheitsgesellschaft reintegriert, die Untergruppen bleiben aber weiterhin in der Gesellschaft bestehen
Was ist Inklusion?
beschreibt den Zustand einer Gesellschaft der Vielfalt, bedeutet eine Gemeinschaft aufzubauen, die für alle zugänglich ist und in der alle gleichberechtigt sind, bedeutet Zugehörigkeit, gesellschaftliche Strukturen passen sich an die individuellen Bedürfnisse der Menschen an und nicht umgekehrt
Was bedeutet Inklusion und Gerechtigkeit in der Bildung?
-Recht aller Kinder auf Bildung ist in zahlreichen Verträgen und Texten verankert
- Staaten sind verpflichtet, das Recht auf Bildung von allen Lernenden zu achten, zu schützen und zu erfüllen
- 263 Millionen Kinder und Jugendliche, vor allem Mädchen, können nicht zur Schule gehen
- Abgesehen von ärmeren Nationen gibt es auch in vielen wohlhabenden Ländern wachsende Ungleichheiten, die vor allem durch die Globalisierung und internationale Migration verschärft werden.
Konzepte - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik
Inklusion und Gerechtigkeit sind übergreifende Prinzipien, die alle Bildungspolitik, Pläne und Praktiken leiten. Der Lehrplan und die Bewertungssysteme sind so konzipiert, dass sie allen Lernenden gerecht werden. Personen, die mit den Lernenden und ihren Familien arbeiten,verstehen und unterstützen die nationalen politischen Ziele zur Förderung von Inklusion und Bildungsgerechtigkeit. Systeme überprüfen die Anwesenheit, Teilnahme und Leistung der Lernenden innerhalb des Bildungssystems.
Politische Stellungnahmen - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik
Wichtige nationale bildungspolitische Dokumente legen großen Wert auf Inklusion und Gleichberechtigung. Führungskräfte auf nationaler, Bezirks- und Schulebene übernehmen eine führende Rolle in Bezug auf Inklusion und Bildungsgerechtigkeit. Führungskräfte auf allen Ebenen formulieren politische Ziele, um inklusive und gerechte Bildungspraktiken zu entwickeln. Führungskräfte auf allen Ebenen lehnen nicht-inklusive, diskriminierende und ungerechte Praktiken ab.
Strukturen und Systeme - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik
Es gibt hochwertige Unterstützung für vulnerable Lernende. Alle Einrichtungen und Institutionen, die mit Lernenden und ihren Familien zu tun haben, arbeiten bei der Koordination gerechter und inklusiver Bildungsstrategien und -praktiken zusammen. Die personellen und finanziellen Ressourcen sind so verteilt, dass sie vulnerablen Lernenden zugutekommen. Bei der Förderung von Inklusion und Chancengleichheit im Bildungswesen nehmen Sondereinrichtungen bzw. Sonderschulen und -abteilungen eine klare Rolle ein.
Praktiken - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik
Schulen und andere Lernzentren verfügen über Strategien zur Förderung der Anwesenheit, der Teilnahme und der Leistungen aller Lernenden. Schulen und andere Lernzentren bieten Unterstützung für Lernende, die von Leistungsschwäche, Marginalisierung und Ausgrenzung bedroht sind. Das Lehrpersonal wird während der Ausbildung darauf vorbereitet, auf die Vielfalt der Lernenden einzugehen. Das Lehrpersonal hat die Möglichkeit an Weiterbildungen zu inklusiven und bildungsgerechten Praktiken teilzunehmen
Behinderung ist ein Zustand, etwas was man ist. Wahr oder Falsch
Falsch nur alltagssprachlich
1 Multiple Choice-Antwortoption
Modelle von Behinderung - Medizinisches Modell
Schädigung oder dauerhafte Einschränkung der Funktionsfähigkeit eines Menschen, lebenspraktische Beeinträchtigungen
Kritik: an Individuum orientiert, vergisst Umwelt, verallgemeinernd
Modelle von Behinderung - Soziales Modell
fokussiert auf Gesellschaft und Umstände, eingeschränkte Handlungsfähigkeit/Erwerbsfähigkeit eines Menschen, behindert werden: äußere Zustände hindern einen Menschen an gewissen Tätigkeiten (z.B. Haus betreten)
Modelle von Behinderung - Kulturelles Modell
Dekonstruktion von Behinderung, identifiziert Behinderung/Nicht-Behinderung als kulturelles Deutungsmuster, fokussiert auf individuelle und gesellschaftliche Akzeptanz, soziale Repräsentation
Modelle von Behinderung - Menschenrechtsmodell
UN-Behindertenrechtskonvention, besondere Betonung der Würde und Rechte von Menschen mit Behinderung
Was ist impairment?
Schädigung, Beeinträchtigung, Funktionsstörung
Was ist disability?
Teilhabebeschränkung und soziale Benachteiligung aufgrund einer impairment
Blicke - Der staunende Blick
Sehr lange Zeit wurden Menschen mit Behinderungen mit Staunen betrachtet
Freakshows stellten sie aus und in China gibt es auch heute noch ein „Zwergen-Reich“, in dem kleinwüchsige Menschen leben
Blicke - Der medizinische Blick
die Medizin zeigte großes Interesse an behinderten Menschen, wollten diese Krankheiten heilen
Im 19. Jahrhundert begann die Analyse der menschlichen „Deformation"
Blicke - Der vernichtende Blick
Antike: „behinderte und schwächliche“ Neugeborene wurden getötet, besonders Blindheit wurde als größte Strafe gesehen
Mittelalter: Nächstenliebe und Sorge um Menschen mit Behinderung, dennoch Ausgrenzung oder Ausstellung auf Jahrmärkten
NS-Zeit: wurde Rassenreinheit propagiert, wurde gegen Menschen mit Behinderung gehetzt und vor dem „Qualitativen Bevölkerungsabstieg“ gewarnt, Idealfamilien wurden strahlend präsentiert.
In Schloss Hartheim wurden „lebensunwürdige Menschen“ ermordet. „Unheilbaren“ sollte der „Gnadentod“ gewährt werden
Blicke - Der mitleidige Blick
18. Jahrhundert ist der Aberglaube über Menschen mit Behinderungen vorbei, jetzt Mitleid. So wurde ab da auch zur Spende für Kriegsbehinderte aufgerufen. Durch Mitleid konnte gut Geld gesammelt werden. So etwa in den 60er-Jahren durch die Aktion Sorgenkind. In den 90ern wurde sie in Aktion Mensch umbenannt –> Respekt statt Mitleid
Blicke - Der bewundernde Blick
Schon früh begann man, Menschen mit Behinderung für die Bewältigung des Alltags zu bewundern. Auch für außerordentliche Leistungen in Kunst oder Sport bringt man diesen Menschen besondere Bewunderung entgegen.
Blicke - Der instrumentalisierende Blick
Überwiegend in Atomkraft-Initiative verwendet. Mit Abschreckung gegen Atomkraft arbeiten (etwa Kindern aus Tschernobyl zeigen)
Blicke - Der normalisierende Blick
-Jeder könnte jederzeit eine Behinderung bekommen (z.B. durch einen Autounfall)
-Behinderung ist relativ und situativ, man ist nicht in allen Lebensbereichen behindert
-Behinderung ist nicht die einzige Eigenschaft der betroffenen Menschen
„Wir sind nicht behindert, wir werden behindert" sagt aus, dass sich die Gesellschaft und nicht das Individuum ändern muss
Blicke - Der eigene Blick
„Nothing about us without us."
Bekannte Vertreterin ist Frida Kahlo, die in ihren Bildern ihre eigene Sicht über ihre Behinderung darstellt. Auch mit Brille oder Lebensmittelallergie ist man behindert.
Behindert ist, wer Hilfe braucht. Also alle, oder?
Was bestimmt die gesellschaftliche Einstellung zum Behinderten-Bild?
durch all diese Blicke werden die Betroffenen zum Objekt und sie bestimmen die gesellschaftliche Einstellung zum Behinderten-Bild
Ist eine Definition von Behinderung möglich?
Nein, nicht ohne einen Bezugspunkt, auch der kulturelle Bezug ist wichtig
1 Multiple Choice-Antwortoption
Welche Unterteilungen gibt es im Bildungskontext beim sonderpädagogischen Förderbedarf?
- organisch bedingte Behinderung (z.B. Sehbehinderung)
- Lern- und Verhaltensschwierigkeiten (z.B. ADHS)
- Benachteiligung
Begriff Behinderung
sehr facettenreicher Begriff, der täuscht eine homogene Gruppe vor, obwohl er aus so vielen unterschiedlichen Menschen besteht
-> Wandel von Sonderpädagogik hin zu inklusiver Pädagogik
Wie ist die Schulpflicht für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf geregelt?
Schulpflicht bis 9. Schuljahr (wie bei allen)
11. und 12. Schuljahr sind bewilligungspflichtig, Schulerhalter und zuständige Schulbehörde müssen zustimmen
Gesetz steht also im Weg und SuS werden damit oft in Sonderschulen gedrängt
Wie ist das Ideal der Inklusion und Inklusiven Schule beschaffen und wie wird es im Bildungskontext verankert?
Das Ideal wurde dazu verwendet, Interventionen zu entwickeln, die Individuen und Gruppen, die am Rande der Gesellschaft leben, einschließen. Es entstand aus der Notwendigkeit heraus, ausgrenzende Praktiken zu bekämpfen. Alle Kinder, die vorher ausgeschlossen waren, sollten in Regelschulen unterrichtet werden.
Wie wurde Inklusion und Inklusive Schule in internationalen Deklarationen definiert und entwickelt?
Ende 70er: durch Warnock Report wurden Kinder mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten in Regelschulen integriert, dennoch oft getrennt unterrichtet
Bewegungen von Menschen mit Behinderung und Eltern solcher Kinder betonten das Recht von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, in Regelschulen unterrichtet zu werden
UNESCO Salamanca-Erklärung 1994 führte das Konzept der inklusiven Bildung im Sinne eines Rechts auf Bildung in regulären Schulen ein
UN-Behindertenrechtskonvention 2006 bekräftigte das Recht auf Bildung in Regelschulen
die praktische Umsetzung dieser Forderungen nicht unproblematisch
Wie wird das Recht auf Inklusion und Inklusive Schule in der Bildungstheorie, -politik und -praxis umgesetzt?
Unterschiedliche Positionen:
- Einen: Inklusion bedeutet, dass alle Kinder in Regelschulen unterrichtet werden sollten und dass diese Schulen flexibel auf Unterschiede reagieren können müssen, ohne spezielle Angebote zu schaffen
- Andere: sehen inklusive Bildung als in erster Linie durch besondere Unterstützung für die individuellen Bedürfnisse der Kinder gekennzeichnet
Großes Anliegen: der Versuch, Kindern mit Behinderung und Lernschwierigkeiten angemessene und qualitativ gute Bildung zu ermöglichen, sowie allen Kindern ganz allgemein
UN-BRK - Definition Behinderung
Behinderung ist ein sich veränderndes Konzept. In der BRK wird Behinderung darum nicht definiert, sondern umschrieben. Behinderung entsteht erst aus der Wechselwirkung von Beeinträchtigungen und Barrieren, die die Gesellschaft aufbaut. Behinderung ist also nicht am Menschen festzumachen. Das ist die Grundvoraussetzung der BRK und entspricht dem sozialen Modell von Behinderung
Worum geht es in Artikel 1-50 der BRK?
es geht um grundlegende Rechte von Menschen mit Behinderungen (eigentlich schon in der allg. Erklärung der Menschenrechte 1948 festgeschrieben -> aber nicht explizit auf Menschen mit Behinderungen eingegangen)
diese Rechte wurden ihnen noch oft aberkannt
Was ist das Ziel der BRK?
Inklusion und selbstbestimmtes Leben
- Inklusion meint dabei die Anerkennung und Akzeptanz von Vielfalt
- Selbstbestimmtes Leben meint, dass ein Mensch mit Behinderung selbst entscheiden kann, wann Unterstützung benötigt wird
Wer war bei der Entstehung der BRK dabei und wann trat sie in Kraft?
Vertreter der Disability Studies, also Menschen, die aus der Selbsterfahrungs-Perspektive zum Thema Behinderung forschen
Mai 2008
Worum geht es in Artikel 1-18 des Fakultativprotokolls?
geht es um die Möglichkeit, sich direkt an den Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen in Genf zu wenden, wenn man sich als Mensch mit Behinderung in den eigenen Rechten eingeschränkt, behindert oder diskriminiert fühlt. Der Weg zu einer solchen Beschwerde ist allerdings sehr beschwerlich, zeit- und kostenintensiv. Zudem kann der Ausschuss in Genf nur rechtlich unverbindliche Empfehlungen an die Vertragsstaaten abgeben, die diese dann umsetzen können, aber eben nicht müssen
Effektivität der Staatsprüfung zur Überprüfung der BRK?
ist ein Instrument, um einem Staat zu zeigen, ob in ihm im Sinne der UN-Konvention gehandelt wird und findet theoretisch mindestens alle vier Jahre statt. In der Praxis aber deutlich seltener, da die personellen Kapazitäten fehlen. Eine Staatenprüfung läuft so ab, dass der Staat einen Bericht abgibt und neben dem offiziellen auch Schattenberichte abgegeben werden. Der Ausschuss in Genf erstellt dann eine list of issues auf die der Staat angehen muss und erklären soll, wie das umgesetzt werden wird. Danach kommt es zu einem Gespräch vor Ort in Genf und daraus resultiert am Ende ein schriftlicher Bericht mit abschließenden Bemerkungen, die wiederum Handlungsempfehlungen sind
Mit welchen drei Bereichen beschäftigt sich die inklusive Schule?
inklusive Kulturen schaffen (Beziehungen und verankerte Werte)
inklusive Strukturen etablieren (Organisation und Führung von Schule)
inklusive Praktiken entwickeln (gemeinsame Entwicklung von Lernbereichen)
Wann ist sonderpädagogischer Förderbedarf notwendig?
wenn SuS nicht nur vorübergehend körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigungen haben, welche den Besuch des Unterrichts ohne SPF nicht möglich macht
Behinderung muss kausal dafür sein, nicht am Unterricht teilnehmen zu können
WICHTIG: Bevor der Antrag auf SPF gestellt werden kann, müssen alle pädagogischen Mittel ausgeschöpft worden sein, vom Bildungsministerium werden nur ca. die Hälfte der Ressourcen zur Verfügung gestellt, die man für SPF bräuchte
„Wenn Unterricht barrierefrei wäre, bräuchte man keinen SPF.“
Wie Sinnvoll sind Vorschule oder Wiederholungen von Klassen?
Ein Besuch der Vorschule kann zu Ausgrenzung führen, wenn diese SuS dann beim Schuleinstieg älter sind als die anderen.
Je häufiger SuS eine Klasse wiederholen müssen, desto häufiger kommt es zu verfrühten Bildungsabbrüchen.
Auch werden Lernziele trotz Wiederholung oft nicht erreicht und auch das Verhalten ändert sich meist nicht, da die Motivation fehlt.
In Ländern wie z.B. Norwegen und Japan gibt es keine Klassenwiederholung. Diese Länder zählen in den PISA-Studien immer zu den besten. Dort wird die Klassenwiederholung als nicht wirksam gesehen
Was ist das Problem mit Gutachten von Kindern?
Gutachten erwähnten meist nur Schächen der Kinder, fast nie Stärken, obwohl dies möglich wäre
Was ist Herkunftsdialog?
verwehrt bestimmten Personen die Selbstbestimmung über ihre Zugehörigkeit (zB Alltagsrassismus)
Was ist binäre Ordnung?
Durch binäre Ordnung versuchen wir, andere Menschen genau einer Kategorie zuzuordnen -> Abweichung von der Normalität = Nicht-Zugehörigkeit
Was bedeutet Omnirelevanz?
dieses eine Merkmal einer Person (z.B. Herkunft oder Behinderung) wird immer wieder aufgegriffen, alle anderen Merkmale rücken in den Hintergrund
Was bedeutet Heterogenität im schulischen Kontext?
wird positiv gesehen, von der früheren Homogenisierung abgekommen, fokussiert sich auf die Verschiedenheiten von Individuen
Eine Gruppe kann immer nur heterogen in Bezug auf etwas sein (zB auf Alter, Sprache,...)
Was bedeutet Diversität?
- bezieht sich auf Unterschiede und Ähnlichkeiten von Personen hinsichtlich bestimmter Eigenschaften und Gruppenzugehörigkeiten.
- Keine Trennung zwischen sozialen Gruppen mehr
- Jedes Subjekt ist mehreren Gruppen zugehörig
Was versteht man unter Intersektionaltität?
(von „Intersection“ = Kreuzung)
bildet ab, dass Diskriminierung aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen kann
zB afroamerikanische Frau kann sowohl von Rassismus als auch Sexismus betroffen sein
Das Justizsystem geht aber davon aus, dass immer nur eine Diskriminierung gleichzeitig passieren kann -> entspricht nicht der Realität
Was bedeutet Intersection Onion?
jedes Individuum gehört mehreren Gruppen an (z.B. Alter, Geschlecht, Sprache,...)
Menschen können dadurch von Diskriminierung auf mehreren Ebenen betroffen sein
Was sind Vorurteile?
feindselige oder negative Einstellungen gegenüber den Mitgliedern einer klar unterscheidbaren Gruppe
Was ist Sterotypisierung?
"Gesetz der geringsten Anstrengung"
Wenn Informationen mit unseren Annahmen übereinstimmen, schenken wir diesen Informationen mehr Aufmerksamkeit
Was ist Mikroagression?
eine kleine Form der Diskriminierung
alltägliche Kommentare, Fragen, verbale oder nonverbale Handlungen, die überwiegend marginalisierte Gruppen treffen und negative Stereotypen verfestigen
z.B. "Wo kommst du her?", "Wo kommst du wirklich her?", "Du bist zu hübsch, um lesbisch zu sein?", "Du sprichst so gut deutsch.", "Du bist so anders als die normalen Muslime"
Was bedeutet Stigmatisierung?
ein Prozess der Abwertung von Menschen, der zu Diskriminierung, sozialer Isolation, erhöhtem Stress und Depressionen führt
Was bedeutet Othering?
eine Fremdmachung von anderen Personengruppen. Es kann als eine Hierarchisierung der Gesellschaft verstanden werden, wobei sich eine „Mehrheit" (Wir) von einer „Minderheit" (Nicht-Wir) durch Zuschreibungen an diese abgrenzt und als privilegiert darstellt
Auch im schulischen Kontext auf institutioneller, curricularer, Lehrwerk- und Lehrkraft-Ebene
Was sind Adverse Childhood Experiences?
sind potenziell traumatische Ereignisse, die negative und anhaltende Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffenen haben können (belastende Kindheitserlebnisse)
Verschiedene Formen von Kindheitsbelastungen treten meist nicht isoliert voneinander auf -> gemeinsames, zeitlich versetztes Auftreten
Was ist Resilienz?
die Fähigkeit, Belastungen, Krisen oder Rückschläge zu bewältigen und sich danach wieder zu stabilisieren oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen
ein Beziehungskonstrukt, das Ergebnis eines Prozesses zwischen dem Kind und seinem sozialen Umfeld. Kein Kind ist per Geburt „resilient". Resilienz ist keine Ressource (verfügbares Potential), sondern eine Fähigkeit
Was versteht man unter Vulnerabilität?
beschreibt die Eigenschaften, die bedingen, dass Belastungen schlechter verarbeitet werden. Je höher die Vulnerabilität einer Person ist, umso höher ist das Risiko, bei auftretenden Risiken eine psychische Krankheit zu entwickeln
Vulnerabilität = personaler Risikofaktor
Gegenteil von Resilienz
Was sind Risikofaktoren?
sind Merkmale einer Person, ihrer Umwelt oder bestimmte Ereignisse, die die Auftretenswahrscheinlichkeit für negative Zustände (psychische Störungen) erhöhen
Risikofaktoren können kumulativ wirken
kumulativ - schrittweise aufsummiert oder mit der Zeit anhäuft
Was sind Schutzfaktoren?
sind positive Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit senken, dass eine Störung auftritt. Schutzfaktoren kompensieren die pathogenen Auswirkungen von Risikofaktoren
Ist Schule ein Schutz- oder Risikofaktor?
Kognitive, psychische und soziale Aspekte
Ressourcen: positives Schulklima, positive Peer-Beziehungen, positive Beziehungen zu Lehrer*innen, Selbstwirksamkeit, Leistungsfähigkeit
Risiken: Gewalterfahrungen, Stress
Prävention:
Aktives Handeln kann negativen Ereignissen vorbeugen
Risikozentriert: Risikofaktoren eliminieren
Ressourcenzentriert: Schutzfaktoren stärken
Kritik: Förderung von individuumsorientierten Aspekten verhindert Bestreben, ungünstige Sozialisationsbedingungen zu verändern
Wirksamste Interventionsprogramme: Förderung von Stärken, Ansetzen an zentralen Entwicklungsverläufen, Verringerung von veränderbaren Risiken
Migration Begriffsdefinitionen - Ausländerin, Migrantin & Migrationshintergrund
Ausländer*in: Staatsbürgerschaft ausschlaggebend
Migrant*in: im Ausland geboren und in anderes Land gezogen (transnationale Migration) oder Migration innerhalb eines Staates (Binnenmigration)
Migrationshintergrund: beide Elternteile im Ausland geboren, wird nur bei der 1. Generation gezählt
Migration Begriffsdefinitionen - Assimilation & Integration
Assimilation: eigene kulturelle Identität aufgeben, um in eine neue Gesellschaft zu passen
Integration: einen Teil der eigenen kulturellen Identität behalten und sich mit der ursprünglichen und der neuen Kultur identifizieren können
Migration Begriffsdefinitionen - Arten der Migration
(Wanderung)
Aus- und Übersiedlung, Arbeitsmigration
Sonderform: Flucht (forced migration)
Migration Begriffsdefinitionen - Flüchtlinge
Untergruppe der Migrant*innen
Anerkannte Flüchtlinge (Asylberechtigte): befristeter Aufenthaltstitel (3 Jahre), voller Zugang zum Arbeitsmarkt
Asylwerber: Personen während des Asylverfahrens
Migration Begriffsdefinitionen - Ausländer-, Migrations - & Interkulturelle Pädagogik
Ausländerpädagogik: im Zentrum standen Sprachvermittlung und Allgemeinbildung
Migrationspädagogik: angeblich natürliche Einteilung in "die Einen" und "die Anderen" , Machtbwird in Gesellschaften verhandelt, indem Bilder und Narrative über Menschen verbreitet werden
Interkulturelle Pädagogik: Erziehung aller Gesellschaftsmitglieder, "kulturell anders" und "einheimisch deutsch"
Was ist ein Trauma?
Ein traumatisches Ereignis ist ein außergewöhnliches Ereignis, das das Gefühl der eigenen Sicherheit in markanter Weise gefährdet und das sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern zu langanhaltenden psychischen Belastungen führen kann
Beispiele sind unter anderem die Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod, ernsthafte Verletzungen oder sexuelle Gewalt. Auch die Information, dass eine nahestehende Person ein traumatisches Erlebnis hatte, kann in einem Trauma resultieren.
Ob eine Erfahrung eine Person traumatisiert und ob/in welchem Ausmaß es zu Folgesymptomen kommt, hängt von situationsbezogenen und individuellen Faktoren ab.
Häufigkeit des traumatischen Ereignisses - Einteilung in Typen
Typ-I-Traumata: einmalig/kurzandauernd
Typ-II-Traumata: sich wiederholend, langandauernd
Welche Arten der Traumaverursachungen gibt es?
Interpersonelle Traumata: die vorsätzlich von einem anderen Menschen verursacht sind, wie Misshandlungen oder Krieg
Akzidentelle Traumata: zufällig auftretende traumatische Ereignisse wie Unfälle und Naturkatastrophen, z.B. Erdbeben, Flugzeugabsturz
Trauma - Schule als sicherer Ort?
Ein achtsamer Umgang miteinander baut Spannung ab, Verlässlichkeit gibt Kontrolle zurück, Transparenz schafft Vertrauen, Rituale vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit, behutsam auf Veränderungen vorbereiten
Grenzen: Lehrpersonen sind keine Therapeut*innen und auch nur Menschen, innere Distanz macht handlungsfähig
Was bedeutet Universal Design?
bedeutet, dass Umgebungen oder Produkte so gestaltet sind, dass sie das größtmögliche Spektrum von Bedürfnissen von Nutzerinnen und Nutzern abdecken. Diese sollen die Umgebungen oder Produkte dann in gleicher Weise und gleicher Qualität nutzen.
Möglichst alle gemeinsam, keine Spezialanfertigungen.
Universal Design bedeutet, dass wir selbst entscheiden können, auf welche Weise wir ein Produkt oder eine Umgebung nutzen und dass wir dafür keine besonderen Umwege oder Mühen in Kauf nehmen müssen. Im Gegensatz zu Barrierefreiheit werden Menschen mit Behinderung hier nicht als gesonderte Gruppe betrachtet, für die gesonderte Lösungen geschaffen werden müssen.
Was bedeutet UDL und was ist es?
Universal Design for Learning
Lernende arbeiten mit 3 neurologischen Netzwerken: kognitiven, strategischen und affektiven Netzwerken
Von Person zu Person in Verarbeitungsgeschwindigkeit und Stärke unterschiedlich ausgeprägt
UDL ist keine Methode, die den Bedürfnissen aller Lernenden gerecht wird
Ziel: flexible und variable Methoden einzusetzen, damit Bedürfnisse aller Lernen möglichst gut erfüllt werden
Was ist das kognitive Netzwerk?
1. Prinzip
Das "Was" des Lernens
mehrere Darstellungsformen von Informationen bereitstellen
Was ist das strategische Netzwerk?
2. Prinzip
Das "Wie" des Lernens
mehrere Optionen, wie Informationen verarbeitet und bearbeitet werden und mehrere Optionen, wie das Lernergebnis dargestellt wird
Was ist das affektive Netzwerk?
3. Prinzip
Das "Warum" des Lernens
mehrere Möglichkeiten, wie Engagement und Motivation bei den Lernenden gefördert werden kann
Was beschreibt das UDL-Classroom?
Die Ziele einer Lerneinheit müssen klar definiert werden. SuS wissen damit, wofür sie arbeiten.
Es sollen verschiedene Lösungen oder Wege zur Lösung von Aufgaben angeboten werden. Auch die physische Lernumgebung, also wie der Klassenraum gestaltet ist, ist ein wesentlicher
Bereich. Der Raum soll unterschiedlich gestaltete Bereiche für unterschiedliche Arbeitsformen bieten. Ein wichtiger Aspekt ist Feedback an die SuS. Die Lehrpersonen sprechen individuell mit ihnen über ihre Ziele und ermutigen sie, zu überlegen, wie sie sie erreichen können. Der letzte wichtige Punkt ist Digitalität, da sie eine große Flexibilität ermöglicht. Digital vorhandene Informationen lassen sich leicht unterschiedlich darstellen
Was ist ein Assistive Technologie AT?
Die Technologie allein ist nicht die Lösung, es braucht das Service rundherum. Das Grundgerät braucht eine barrierefreie Schnittstelle. Entweder ist damit das Gerät dann schon zu benutzen, wenn derdie Nutzerin die grundlegenden Kompetenzen in der Informations- und Kommunikationstechnologie besitzt. Falls die barrierefreie Schnittstelle nicht ausreicht, braucht es assistierende Technologien. Dabei ist wichtig zu beachten, dass die ganze Kette barrierefrei ist, also nicht nur das Gerät sondern auch die zur Verfügung gestellten Dokumente usw. und auch die digitalen Skills müssen vorher erworben werden.
Skills sind einmal das Bedienen eines Computers ganz allgemein. Aber natürlich auch das Bedienen der AT, z.B. Screenreader (Vorleseprogramm) oder ein Programm, das den Bildschirminhalt an eine Braillezeile weitergibt
Was ist Augmentative AT?
beeinträchtigte Fähigkeit wird unterstützt, z.B. eine Brille, die eingeschränkte Sehkraft unterstützt oder ein Mikrofon, um schwache Stimme zu unterstützen
Was ist eine umleitende oder einfügende AT?
Stimmverstärker, um Verständlichkeit zu erhöhen stabilisierende Prothese, um das Handgelenk nutzen zu können
Was ist ein alternatives AT?
Fähigkeiten ersetzen zB Kommunikationshilfen
Nicht alle ATs verwenden Technik
Ein Kartenhalter wäre auch eine AT, ist aber „analog".
Eine Schnittstelle zwischen einer Person und einer Maschine kann erforderlich sein, wenn eine Person herkömmliche Eingabegeräte nicht beeinflussen kann oder wenn eine Person nicht in der Lage ist, verbale Sprache oder Gebärdensprache anzuwenden oder wenn eine Person nicht in der Lage ist, sich selbstständig zu bewegen, Geräte zu steuern oder auf ihre*seine Umgebung zuzugreifen.