Inklusive Schule und Vielfalt-Karteikarten

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1
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Zwischen welchen Kernelementen befindet sich Inklusive Pädagogik?

bildungswissenschaftliche Grundlagen, Fachdidaktik, pädagogisch-praktische Studien, Fachwissenschaft

2
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Was ist Heilpädagogik (1861)?

aus Theologie, Thema: Mitleid -> kritisch beleuchtet, weil es nichts mit Heilung zu tun hat

3
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Was ist Sonderpädagogik (1941)?

Sondererziehung, aussondern von behinderten Menschen, eigene Schulen

4
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Was ist Behindertenpädagogik (1970)?

verbindet Heil- & Sonderpädagogik

Kritik: da von "den Behinderten" gesprochen wurde

Gefahr der Verabsolutierung (anderer sprach von der

Verflochtenheit des Menschen mit Lebensumfeld)

Verabsolutierung - so zu tun, als gäbe es nur eine Ursache oder einen Blickwinkel

Warnung vor Verabsolutierung bedeutet, dass weder der Mensch noch das Umfeld isoliert betrachtet werden dürfen - beide sind untrennbar miteinander verflochten

5
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Ab Mitte 20. Jhd spricht man von...

eher sozialrechtlich von Behinderung, Gruppe von Menschen mit bestimmten Rechten

6
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Was sind Rehabilitationspädagogik und Integrationspädagogik?

Rehabilitationspädagogik:

Ziel ist die Wiederherstellung von Fähigkeiten (im deutschsprachigen Raum selten verwendet)

Integrationspädagogik:

Forderung für gemeinsame Schule, gegen Separierung, Zwei-Gruppen-Theorie (weil immer noch Trennung von Menschen mit und ohne Behinderung)

7
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Was das Ziel von Inklusion und Inklusiver Pädagogik?

uneingeschränkte Teilhabe

und es wird gesprochen von Heterogenität und Diversität

8
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Auf was bezieht sich Inklusion?

nicht nur auf Schule sondern auf alle Bereiche des Lebens

9
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Was sind die 4 Kernelemente der Inklusion?

- Prozess: Inklusion ist als Prozess zu verstehen, der niemals endet

- Barrieren: alle jene, die man im schulischen Kontext finden kann (z.B. häusliche Gewalt, sozio-ökonomischer Status), nicht nur physische Barrieren, die vom Lernen abhalten

- Präsenz, Partizipation, Erfolg: alle SuS haben in einer Regelschulklasse Platz, müssen teilhaben können, miteinbezogen werden und die Möglichkeit eines Aufstieges geboten bekommen

- Exklusion, Marginalisierung: es wird immer vulnerable Gruppen geben, die marginalisiert werden, auf ihnen muss das Augenmerk liegen

10
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Was bedeutet und worauf bezieht sich Inklusionsverständnis?

meint die Haltung, dass alle Menschen – mit und ohne Behinderung – selbstverständlich und gleichberechtigt an allen Lebensbereichen teilhaben können sollen

Bezieht sich auf alle Lernenden, aber besondere Hervorhebung der vulnerablen Gruppen

11
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Was bedeutet inklusive Bildung?

verschiedene Meinungen:

- Integration von benachteiligten Kindern (zb Behinderungen oder Minderheiten)

- Aniscow sieht es als ein Prinzip, das alle politischen Maßnahmen beeinflussen muss („Every learner matters and matters eaqually.")

-> gemeint sind also nicht nur benachteiligte Kinder sondern alle und dies ist ein laufender Prozess kein Zustand

12
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Welche Barrieren gibt es bei der inklusiven Bildung?

physisch, politisch (zB Curriculum), angewandten Lehrmethoden und Vorurteile (über bestimmte Kinder)

-> Wechsel vom Reparieren der Kinder hin zu den Barrieren

13
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Welche 3 Stufen gibt es in der inklusiven Bildung?

Anwesenheit (Wer ist überhaupt anwesend?)

Partizipation (Wer ist involviert?)

Lernen (Wer nimmt etwas aus dem Unterricht mit?)

-> Fokus liegt auf allen Kindern, aber man muss ein besonderes Augenmerk auf verletzliche Gruppen legen

14
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Definition von inklusiver Bildung nach Ainscow

ist ein Prozess der Identifizierung & Beseitigung von Barrieren mit dem Ziel, Anwesenheit und Teilhabe aller SuS zu verbessern und dabei immer ein Auge auf die verletzlichen Kinder zu haben

Es geht darum, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen

Wichtigste: kollektiver Wille, Inklusion zu leben

15
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Was ist Exklusion?

Prozess der Ausgrenzung von Individuen aus einer Gesellschaft, Individuen werden meist gegen ihren Willen an den Rand der Gesellschaft gedrängt

16
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Was ist Marginalisierung?

Menschen oder Gruppen werden an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und bekommen dadurch weniger Teilhabe, Einfluss und Zugang zu wichtigen Ressourcen (wirtschaftlich, sozial und kulturell)

bedeutet, dass eine Person oder eine Gruppe aufgrund von Diskriminierung in eine Position geringerer Macht oder Isolation innerhalb der Gesellschaft gerät

17
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Was ist Segregation?

beschreibt die räumliche Absonderung von Gruppierungen aus einer Mehrheitsgesellschaft, die Absonderung kann aufgrund verschiedener Merkmale erfolgen, wie z.B. ethnischer Hintergrund, soziale Schicht

18
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Was ist Integration?

hebt den Zustand der Exklusion und Segregation auf, beschreibt den Prozess des Zusammenwachsens -> Individuen oder Gruppen werden in die Mehrheitsgesellschaft reintegriert, die Untergruppen bleiben aber weiterhin in der Gesellschaft bestehen

19
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Was ist Inklusion?

beschreibt den Zustand einer Gesellschaft der Vielfalt, bedeutet eine Gemeinschaft aufzubauen, die für alle zugänglich ist und in der alle gleichberechtigt sind, bedeutet Zugehörigkeit, gesellschaftliche Strukturen passen sich an die individuellen Bedürfnisse der Menschen an und nicht umgekehrt

20
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Was bedeutet Inklusion und Gerechtigkeit in der Bildung?

-Recht aller Kinder auf Bildung ist in zahlreichen Verträgen und Texten verankert

- Staaten sind verpflichtet, das Recht auf Bildung von allen Lernenden zu achten, zu schützen und zu erfüllen

- 263 Millionen Kinder und Jugendliche, vor allem Mädchen, können nicht zur Schule gehen

- Abgesehen von ärmeren Nationen gibt es auch in vielen wohlhabenden Ländern wachsende Ungleichheiten, die vor allem durch die Globalisierung und internationale Migration verschärft werden.

21
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Konzepte - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik

Inklusion und Gerechtigkeit sind übergreifende Prinzipien, die alle Bildungspolitik, Pläne und Praktiken leiten. Der Lehrplan und die Bewertungssysteme sind so konzipiert, dass sie allen Lernenden gerecht werden. Personen, die mit den Lernenden und ihren Familien arbeiten,verstehen und unterstützen die nationalen politischen Ziele zur Förderung von Inklusion und Bildungsgerechtigkeit. Systeme überprüfen die Anwesenheit, Teilnahme und Leistung der Lernenden innerhalb des Bildungssystems.

22
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Politische Stellungnahmen - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik

Wichtige nationale bildungspolitische Dokumente legen großen Wert auf Inklusion und Gleichberechtigung. Führungskräfte auf nationaler, Bezirks- und Schulebene übernehmen eine führende Rolle in Bezug auf Inklusion und Bildungsgerechtigkeit. Führungskräfte auf allen Ebenen formulieren politische Ziele, um inklusive und gerechte Bildungspraktiken zu entwickeln. Führungskräfte auf allen Ebenen lehnen nicht-inklusive, diskriminierende und ungerechte Praktiken ab.

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Strukturen und Systeme - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik

Es gibt hochwertige Unterstützung für vulnerable Lernende. Alle Einrichtungen und Institutionen, die mit Lernenden und ihren Familien zu tun haben, arbeiten bei der Koordination gerechter und inklusiver Bildungsstrategien und -praktiken zusammen. Die personellen und finanziellen Ressourcen sind so verteilt, dass sie vulnerablen Lernenden zugutekommen. Bei der Förderung von Inklusion und Chancengleichheit im Bildungswesen nehmen Sondereinrichtungen bzw. Sonderschulen und -abteilungen eine klare Rolle ein.

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Praktiken - Analyse der Inklusions- und Gleichstellungspolitik

Schulen und andere Lernzentren verfügen über Strategien zur Förderung der Anwesenheit, der Teilnahme und der Leistungen aller Lernenden. Schulen und andere Lernzentren bieten Unterstützung für Lernende, die von Leistungsschwäche, Marginalisierung und Ausgrenzung bedroht sind. Das Lehrpersonal wird während der Ausbildung darauf vorbereitet, auf die Vielfalt der Lernenden einzugehen. Das Lehrpersonal hat die Möglichkeit an Weiterbildungen zu inklusiven und bildungsgerechten Praktiken teilzunehmen

25
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Behinderung ist ein Zustand, etwas was man ist. Wahr oder Falsch

Falsch nur alltagssprachlich

1 Multiple Choice-Antwortoption

26
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Modelle von Behinderung - Medizinisches Modell

Schädigung oder dauerhafte Einschränkung der Funktionsfähigkeit eines Menschen, lebenspraktische Beeinträchtigungen

Kritik: an Individuum orientiert, vergisst Umwelt, verallgemeinernd

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Modelle von Behinderung - Soziales Modell

fokussiert auf Gesellschaft und Umstände, eingeschränkte Handlungsfähigkeit/Erwerbsfähigkeit eines Menschen, behindert werden: äußere Zustände hindern einen Menschen an gewissen Tätigkeiten (z.B. Haus betreten)

28
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Modelle von Behinderung - Kulturelles Modell

Dekonstruktion von Behinderung, identifiziert Behinderung/Nicht-Behinderung als kulturelles Deutungsmuster, fokussiert auf individuelle und gesellschaftliche Akzeptanz, soziale Repräsentation

29
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Modelle von Behinderung - Menschenrechtsmodell

UN-Behindertenrechtskonvention, besondere Betonung der Würde und Rechte von Menschen mit Behinderung

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Was ist impairment?

Schädigung, Beeinträchtigung, Funktionsstörung

31
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Was ist disability?

Teilhabebeschränkung und soziale Benachteiligung aufgrund einer impairment

32
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Blicke - Der staunende Blick

Sehr lange Zeit wurden Menschen mit Behinderungen mit Staunen betrachtet

Freakshows stellten sie aus und in China gibt es auch heute noch ein „Zwergen-Reich“, in dem kleinwüchsige Menschen leben

33
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Blicke - Der medizinische Blick

die Medizin zeigte großes Interesse an behinderten Menschen, wollten diese Krankheiten heilen

Im 19. Jahrhundert begann die Analyse der menschlichen „Deformation"

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Blicke - Der vernichtende Blick

Antike: „behinderte und schwächliche“ Neugeborene wurden getötet, besonders Blindheit wurde als größte Strafe gesehen

Mittelalter: Nächstenliebe und Sorge um Menschen mit Behinderung, dennoch Ausgrenzung oder Ausstellung auf Jahrmärkten

NS-Zeit: wurde Rassenreinheit propagiert, wurde gegen Menschen mit Behinderung gehetzt und vor dem „Qualitativen Bevölkerungsabstieg“ gewarnt, Idealfamilien wurden strahlend präsentiert.

In Schloss Hartheim wurden „lebensunwürdige Menschen“ ermordet. „Unheilbaren“ sollte der „Gnadentod“ gewährt werden

35
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Blicke - Der mitleidige Blick

18. Jahrhundert ist der Aberglaube über Menschen mit Behinderungen vorbei, jetzt Mitleid. So wurde ab da auch zur Spende für Kriegsbehinderte aufgerufen. Durch Mitleid konnte gut Geld gesammelt werden. So etwa in den 60er-Jahren durch die Aktion Sorgenkind. In den 90ern wurde sie in Aktion Mensch umbenannt –> Respekt statt Mitleid

36
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Blicke - Der bewundernde Blick

Schon früh begann man, Menschen mit Behinderung für die Bewältigung des Alltags zu bewundern. Auch für außerordentliche Leistungen in Kunst oder Sport bringt man diesen Menschen besondere Bewunderung entgegen.

37
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Blicke - Der instrumentalisierende Blick

Überwiegend in Atomkraft-Initiative verwendet. Mit Abschreckung gegen Atomkraft arbeiten (etwa Kindern aus Tschernobyl zeigen)

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Blicke - Der normalisierende Blick

-Jeder könnte jederzeit eine Behinderung bekommen (z.B. durch einen Autounfall)

-Behinderung ist relativ und situativ, man ist nicht in allen Lebensbereichen behindert

-Behinderung ist nicht die einzige Eigenschaft der betroffenen Menschen

„Wir sind nicht behindert, wir werden behindert" sagt aus, dass sich die Gesellschaft und nicht das Individuum ändern muss

39
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Blicke - Der eigene Blick

„Nothing about us without us."

Bekannte Vertreterin ist Frida Kahlo, die in ihren Bildern ihre eigene Sicht über ihre Behinderung darstellt. Auch mit Brille oder Lebensmittelallergie ist man behindert.

Behindert ist, wer Hilfe braucht. Also alle, oder?

40
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Was bestimmt die gesellschaftliche Einstellung zum Behinderten-Bild?

durch all diese Blicke werden die Betroffenen zum Objekt und sie bestimmen die gesellschaftliche Einstellung zum Behinderten-Bild

41
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Ist eine Definition von Behinderung möglich?

Nein, nicht ohne einen Bezugspunkt, auch der kulturelle Bezug ist wichtig

1 Multiple Choice-Antwortoption

42
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Welche Unterteilungen gibt es im Bildungskontext beim sonderpädagogischen Förderbedarf?

- organisch bedingte Behinderung (z.B. Sehbehinderung)

- Lern- und Verhaltensschwierigkeiten (z.B. ADHS)

- Benachteiligung

43
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Begriff Behinderung

sehr facettenreicher Begriff, der täuscht eine homogene Gruppe vor, obwohl er aus so vielen unterschiedlichen Menschen besteht

-> Wandel von Sonderpädagogik hin zu inklusiver Pädagogik

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Wie ist die Schulpflicht für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf geregelt?

Schulpflicht bis 9. Schuljahr (wie bei allen)

11. und 12. Schuljahr sind bewilligungspflichtig, Schulerhalter und zuständige Schulbehörde müssen zustimmen

Gesetz steht also im Weg und SuS werden damit oft in Sonderschulen gedrängt

45
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Wie ist das Ideal der Inklusion und Inklusiven Schule beschaffen und wie wird es im Bildungskontext verankert?

Das Ideal wurde dazu verwendet, Interventionen zu entwickeln, die Individuen und Gruppen, die am Rande der Gesellschaft leben, einschließen. Es entstand aus der Notwendigkeit heraus, ausgrenzende Praktiken zu bekämpfen. Alle Kinder, die vorher ausgeschlossen waren, sollten in Regelschulen unterrichtet werden.

46
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Wie wurde Inklusion und Inklusive Schule in internationalen Deklarationen definiert und entwickelt?

Ende 70er: durch Warnock Report wurden Kinder mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten in Regelschulen integriert, dennoch oft getrennt unterrichtet

Bewegungen von Menschen mit Behinderung und Eltern solcher Kinder betonten das Recht von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, in Regelschulen unterrichtet zu werden

UNESCO Salamanca-Erklärung 1994 führte das Konzept der inklusiven Bildung im Sinne eines Rechts auf Bildung in regulären Schulen ein

UN-Behindertenrechtskonvention 2006 bekräftigte das Recht auf Bildung in Regelschulen

die praktische Umsetzung dieser Forderungen nicht unproblematisch

47
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Wie wird das Recht auf Inklusion und Inklusive Schule in der Bildungstheorie, -politik und -praxis umgesetzt?

Unterschiedliche Positionen:

- Einen: Inklusion bedeutet, dass alle Kinder in Regelschulen unterrichtet werden sollten und dass diese Schulen flexibel auf Unterschiede reagieren können müssen, ohne spezielle Angebote zu schaffen

- Andere: sehen inklusive Bildung als in erster Linie durch besondere Unterstützung für die individuellen Bedürfnisse der Kinder gekennzeichnet

Großes Anliegen: der Versuch, Kindern mit Behinderung und Lernschwierigkeiten angemessene und qualitativ gute Bildung zu ermöglichen, sowie allen Kindern ganz allgemein

48
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UN-BRK - Definition Behinderung

Behinderung ist ein sich veränderndes Konzept. In der BRK wird Behinderung darum nicht definiert, sondern umschrieben. Behinderung entsteht erst aus der Wechselwirkung von Beeinträchtigungen und Barrieren, die die Gesellschaft aufbaut. Behinderung ist also nicht am Menschen festzumachen. Das ist die Grundvoraussetzung der BRK und entspricht dem sozialen Modell von Behinderung

49
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Worum geht es in Artikel 1-50 der BRK?

es geht um grundlegende Rechte von Menschen mit Behinderungen (eigentlich schon in der allg. Erklärung der Menschenrechte 1948 festgeschrieben -> aber nicht explizit auf Menschen mit Behinderungen eingegangen)

diese Rechte wurden ihnen noch oft aberkannt

50
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Was ist das Ziel der BRK?

Inklusion und selbstbestimmtes Leben

- Inklusion meint dabei die Anerkennung und Akzeptanz von Vielfalt

- Selbstbestimmtes Leben meint, dass ein Mensch mit Behinderung selbst entscheiden kann, wann Unterstützung benötigt wird

51
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Wer war bei der Entstehung der BRK dabei und wann trat sie in Kraft?

Vertreter der Disability Studies, also Menschen, die aus der Selbsterfahrungs-Perspektive zum Thema Behinderung forschen

Mai 2008

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Worum geht es in Artikel 1-18 des Fakultativprotokolls?

geht es um die Möglichkeit, sich direkt an den Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen in Genf zu wenden, wenn man sich als Mensch mit Behinderung in den eigenen Rechten eingeschränkt, behindert oder diskriminiert fühlt. Der Weg zu einer solchen Beschwerde ist allerdings sehr beschwerlich, zeit- und kostenintensiv. Zudem kann der Ausschuss in Genf nur rechtlich unverbindliche Empfehlungen an die Vertragsstaaten abgeben, die diese dann umsetzen können, aber eben nicht müssen

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Effektivität der Staatsprüfung zur Überprüfung der BRK?

ist ein Instrument, um einem Staat zu zeigen, ob in ihm im Sinne der UN-Konvention gehandelt wird und findet theoretisch mindestens alle vier Jahre statt. In der Praxis aber deutlich seltener, da die personellen Kapazitäten fehlen. Eine Staatenprüfung läuft so ab, dass der Staat einen Bericht abgibt und neben dem offiziellen auch Schattenberichte abgegeben werden. Der Ausschuss in Genf erstellt dann eine list of issues auf die der Staat angehen muss und erklären soll, wie das umgesetzt werden wird. Danach kommt es zu einem Gespräch vor Ort in Genf und daraus resultiert am Ende ein schriftlicher Bericht mit abschließenden Bemerkungen, die wiederum Handlungsempfehlungen sind

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Mit welchen drei Bereichen beschäftigt sich die inklusive Schule?

inklusive Kulturen schaffen (Beziehungen und verankerte Werte)

inklusive Strukturen etablieren (Organisation und Führung von Schule)

inklusive Praktiken entwickeln (gemeinsame Entwicklung von Lernbereichen)

55
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Wann ist sonderpädagogischer Förderbedarf notwendig?

wenn SuS nicht nur vorübergehend körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigungen haben, welche den Besuch des Unterrichts ohne SPF nicht möglich macht

Behinderung muss kausal dafür sein, nicht am Unterricht teilnehmen zu können

WICHTIG: Bevor der Antrag auf SPF gestellt werden kann, müssen alle pädagogischen Mittel ausgeschöpft worden sein, vom Bildungsministerium werden nur ca. die Hälfte der Ressourcen zur Verfügung gestellt, die man für SPF bräuchte

„Wenn Unterricht barrierefrei wäre, bräuchte man keinen SPF.“

56
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Wie Sinnvoll sind Vorschule oder Wiederholungen von Klassen?

Ein Besuch der Vorschule kann zu Ausgrenzung führen, wenn diese SuS dann beim Schuleinstieg älter sind als die anderen.

Je häufiger SuS eine Klasse wiederholen müssen, desto häufiger kommt es zu verfrühten Bildungsabbrüchen.

Auch werden Lernziele trotz Wiederholung oft nicht erreicht und auch das Verhalten ändert sich meist nicht, da die Motivation fehlt.

In Ländern wie z.B. Norwegen und Japan gibt es keine Klassenwiederholung. Diese Länder zählen in den PISA-Studien immer zu den besten. Dort wird die Klassenwiederholung als nicht wirksam gesehen

57
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Was ist das Problem mit Gutachten von Kindern?

Gutachten erwähnten meist nur Schächen der Kinder, fast nie Stärken, obwohl dies möglich wäre

58
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Was ist Herkunftsdialog?

verwehrt bestimmten Personen die Selbstbestimmung über ihre Zugehörigkeit (zB Alltagsrassismus)

59
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Was ist binäre Ordnung?

Durch binäre Ordnung versuchen wir, andere Menschen genau einer Kategorie zuzuordnen -> Abweichung von der Normalität = Nicht-Zugehörigkeit

60
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Was bedeutet Omnirelevanz?

dieses eine Merkmal einer Person (z.B. Herkunft oder Behinderung) wird immer wieder aufgegriffen, alle anderen Merkmale rücken in den Hintergrund

61
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Was bedeutet Heterogenität im schulischen Kontext?

wird positiv gesehen, von der früheren Homogenisierung abgekommen, fokussiert sich auf die Verschiedenheiten von Individuen

Eine Gruppe kann immer nur heterogen in Bezug auf etwas sein (zB auf Alter, Sprache,...)

62
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Was bedeutet Diversität?

- bezieht sich auf Unterschiede und Ähnlichkeiten von Personen hinsichtlich bestimmter Eigenschaften und Gruppenzugehörigkeiten.

- Keine Trennung zwischen sozialen Gruppen mehr

- Jedes Subjekt ist mehreren Gruppen zugehörig

63
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Was versteht man unter Intersektionaltität?

(von „Intersection“ = Kreuzung)

bildet ab, dass Diskriminierung aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen kann

zB afroamerikanische Frau kann sowohl von Rassismus als auch Sexismus betroffen sein

Das Justizsystem geht aber davon aus, dass immer nur eine Diskriminierung gleichzeitig passieren kann -> entspricht nicht der Realität

64
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Was bedeutet Intersection Onion?

jedes Individuum gehört mehreren Gruppen an (z.B. Alter, Geschlecht, Sprache,...)

Menschen können dadurch von Diskriminierung auf mehreren Ebenen betroffen sein

65
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Was sind Vorurteile?

feindselige oder negative Einstellungen gegenüber den Mitgliedern einer klar unterscheidbaren Gruppe

66
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Was ist Sterotypisierung?

"Gesetz der geringsten Anstrengung"

Wenn Informationen mit unseren Annahmen übereinstimmen, schenken wir diesen Informationen mehr Aufmerksamkeit

67
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Was ist Mikroagression?

eine kleine Form der Diskriminierung

alltägliche Kommentare, Fragen, verbale oder nonverbale Handlungen, die überwiegend marginalisierte Gruppen treffen und negative Stereotypen verfestigen

z.B. "Wo kommst du her?", "Wo kommst du wirklich her?", "Du bist zu hübsch, um lesbisch zu sein?", "Du sprichst so gut deutsch.", "Du bist so anders als die normalen Muslime"

68
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Was bedeutet Stigmatisierung?

ein Prozess der Abwertung von Menschen, der zu Diskriminierung, sozialer Isolation, erhöhtem Stress und Depressionen führt

69
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Was bedeutet Othering?

eine Fremdmachung von anderen Personengruppen. Es kann als eine Hierarchisierung der Gesellschaft verstanden werden, wobei sich eine „Mehrheit" (Wir) von einer „Minderheit" (Nicht-Wir) durch Zuschreibungen an diese abgrenzt und als privilegiert darstellt

Auch im schulischen Kontext auf institutioneller, curricularer, Lehrwerk- und Lehrkraft-Ebene

70
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Was sind Adverse Childhood Experiences?

sind potenziell traumatische Ereignisse, die negative und anhaltende Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffenen haben können (belastende Kindheitserlebnisse)

Verschiedene Formen von Kindheitsbelastungen treten meist nicht isoliert voneinander auf -> gemeinsames, zeitlich versetztes Auftreten

71
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Was ist Resilienz?

die Fähigkeit, Belastungen, Krisen oder Rückschläge zu bewältigen und sich danach wieder zu stabilisieren oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen

ein Beziehungskonstrukt, das Ergebnis eines Prozesses zwischen dem Kind und seinem sozialen Umfeld. Kein Kind ist per Geburt „resilient". Resilienz ist keine Ressource (verfügbares Potential), sondern eine Fähigkeit

72
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Was versteht man unter Vulnerabilität?

beschreibt die Eigenschaften, die bedingen, dass Belastungen schlechter verarbeitet werden. Je höher die Vulnerabilität einer Person ist, umso höher ist das Risiko, bei auftretenden Risiken eine psychische Krankheit zu entwickeln

Vulnerabilität = personaler Risikofaktor

Gegenteil von Resilienz

73
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Was sind Risikofaktoren?

sind Merkmale einer Person, ihrer Umwelt oder bestimmte Ereignisse, die die Auftretenswahrscheinlichkeit für negative Zustände (psychische Störungen) erhöhen

Risikofaktoren können kumulativ wirken

kumulativ - schrittweise aufsummiert oder mit der Zeit anhäuft

74
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Was sind Schutzfaktoren?

sind positive Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit senken, dass eine Störung auftritt. Schutzfaktoren kompensieren die pathogenen Auswirkungen von Risikofaktoren

75
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Ist Schule ein Schutz- oder Risikofaktor?

Kognitive, psychische und soziale Aspekte

Ressourcen: positives Schulklima, positive Peer-Beziehungen, positive Beziehungen zu Lehrer*innen, Selbstwirksamkeit, Leistungsfähigkeit

Risiken: Gewalterfahrungen, Stress

Prävention:

Aktives Handeln kann negativen Ereignissen vorbeugen

Risikozentriert: Risikofaktoren eliminieren

Ressourcenzentriert: Schutzfaktoren stärken

Kritik: Förderung von individuumsorientierten Aspekten verhindert Bestreben, ungünstige Sozialisationsbedingungen zu verändern

Wirksamste Interventionsprogramme: Förderung von Stärken, Ansetzen an zentralen Entwicklungsverläufen, Verringerung von veränderbaren Risiken

76
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Migration Begriffsdefinitionen - Ausländerin, Migrantin & Migrationshintergrund

Ausländer*in: Staatsbürgerschaft ausschlaggebend

Migrant*in: im Ausland geboren und in anderes Land gezogen (transnationale Migration) oder Migration innerhalb eines Staates (Binnenmigration)

Migrationshintergrund: beide Elternteile im Ausland geboren, wird nur bei der 1. Generation gezählt

77
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Migration Begriffsdefinitionen - Assimilation & Integration

Assimilation: eigene kulturelle Identität aufgeben, um in eine neue Gesellschaft zu passen

Integration: einen Teil der eigenen kulturellen Identität behalten und sich mit der ursprünglichen und der neuen Kultur identifizieren können

78
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Migration Begriffsdefinitionen - Arten der Migration

(Wanderung)

Aus- und Übersiedlung, Arbeitsmigration

Sonderform: Flucht (forced migration)

79
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Migration Begriffsdefinitionen - Flüchtlinge

Untergruppe der Migrant*innen

Anerkannte Flüchtlinge (Asylberechtigte): befristeter Aufenthaltstitel (3 Jahre), voller Zugang zum Arbeitsmarkt

Asylwerber: Personen während des Asylverfahrens

80
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Migration Begriffsdefinitionen - Ausländer-, Migrations - & Interkulturelle Pädagogik

Ausländerpädagogik: im Zentrum standen Sprachvermittlung und Allgemeinbildung

Migrationspädagogik: angeblich natürliche Einteilung in "die Einen" und "die Anderen" , Machtbwird in Gesellschaften verhandelt, indem Bilder und Narrative über Menschen verbreitet werden

Interkulturelle Pädagogik: Erziehung aller Gesellschaftsmitglieder, "kulturell anders" und "einheimisch deutsch"

81
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Was ist ein Trauma?

Ein traumatisches Ereignis ist ein außergewöhnliches Ereignis, das das Gefühl der eigenen Sicherheit in markanter Weise gefährdet und das sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern zu langanhaltenden psychischen Belastungen führen kann

Beispiele sind unter anderem die Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod, ernsthafte Verletzungen oder sexuelle Gewalt. Auch die Information, dass eine nahestehende Person ein traumatisches Erlebnis hatte, kann in einem Trauma resultieren.

Ob eine Erfahrung eine Person traumatisiert und ob/in welchem Ausmaß es zu Folgesymptomen kommt, hängt von situationsbezogenen und individuellen Faktoren ab.

82
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Häufigkeit des traumatischen Ereignisses - Einteilung in Typen

Typ-I-Traumata: einmalig/kurzandauernd

Typ-II-Traumata: sich wiederholend, langandauernd

83
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Welche Arten der Traumaverursachungen gibt es?

Interpersonelle Traumata: die vorsätzlich von einem anderen Menschen verursacht sind, wie Misshandlungen oder Krieg

Akzidentelle Traumata: zufällig auftretende traumatische Ereignisse wie Unfälle und Naturkatastrophen, z.B. Erdbeben, Flugzeugabsturz

84
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Trauma - Schule als sicherer Ort?

Ein achtsamer Umgang miteinander baut Spannung ab, Verlässlichkeit gibt Kontrolle zurück, Transparenz schafft Vertrauen, Rituale vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit, behutsam auf Veränderungen vorbereiten

Grenzen: Lehrpersonen sind keine Therapeut*innen und auch nur Menschen, innere Distanz macht handlungsfähig

85
New cards

Was bedeutet Universal Design?

bedeutet, dass Umgebungen oder Produkte so gestaltet sind, dass sie das größtmögliche Spektrum von Bedürfnissen von Nutzerinnen und Nutzern abdecken. Diese sollen die Umgebungen oder Produkte dann in gleicher Weise und gleicher Qualität nutzen.

Möglichst alle gemeinsam, keine Spezialanfertigungen.

Universal Design bedeutet, dass wir selbst entscheiden können, auf welche Weise wir ein Produkt oder eine Umgebung nutzen und dass wir dafür keine besonderen Umwege oder Mühen in Kauf nehmen müssen. Im Gegensatz zu Barrierefreiheit werden Menschen mit Behinderung hier nicht als gesonderte Gruppe betrachtet, für die gesonderte Lösungen geschaffen werden müssen.

86
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Was bedeutet UDL und was ist es?

Universal Design for Learning

Lernende arbeiten mit 3 neurologischen Netzwerken: kognitiven, strategischen und affektiven Netzwerken

Von Person zu Person in Verarbeitungsgeschwindigkeit und Stärke unterschiedlich ausgeprägt

UDL ist keine Methode, die den Bedürfnissen aller Lernenden gerecht wird

Ziel: flexible und variable Methoden einzusetzen, damit Bedürfnisse aller Lernen möglichst gut erfüllt werden

87
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Was ist das kognitive Netzwerk?

1. Prinzip

Das "Was" des Lernens

mehrere Darstellungsformen von Informationen bereitstellen

88
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Was ist das strategische Netzwerk?

2. Prinzip

Das "Wie" des Lernens

mehrere Optionen, wie Informationen verarbeitet und bearbeitet werden und mehrere Optionen, wie das Lernergebnis dargestellt wird

89
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Was ist das affektive Netzwerk?

3. Prinzip

Das "Warum" des Lernens

mehrere Möglichkeiten, wie Engagement und Motivation bei den Lernenden gefördert werden kann

90
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Was beschreibt das UDL-Classroom?

Die Ziele einer Lerneinheit müssen klar definiert werden. SuS wissen damit, wofür sie arbeiten.

Es sollen verschiedene Lösungen oder Wege zur Lösung von Aufgaben angeboten werden. Auch die physische Lernumgebung, also wie der Klassenraum gestaltet ist, ist ein wesentlicher

Bereich. Der Raum soll unterschiedlich gestaltete Bereiche für unterschiedliche Arbeitsformen bieten. Ein wichtiger Aspekt ist Feedback an die SuS. Die Lehrpersonen sprechen individuell mit ihnen über ihre Ziele und ermutigen sie, zu überlegen, wie sie sie erreichen können. Der letzte wichtige Punkt ist Digitalität, da sie eine große Flexibilität ermöglicht. Digital vorhandene Informationen lassen sich leicht unterschiedlich darstellen

91
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Was ist ein Assistive Technologie AT?

Die Technologie allein ist nicht die Lösung, es braucht das Service rundherum. Das Grundgerät braucht eine barrierefreie Schnittstelle. Entweder ist damit das Gerät dann schon zu benutzen, wenn derdie Nutzerin die grundlegenden Kompetenzen in der Informations- und Kommunikationstechnologie besitzt. Falls die barrierefreie Schnittstelle nicht ausreicht, braucht es assistierende Technologien. Dabei ist wichtig zu beachten, dass die ganze Kette barrierefrei ist, also nicht nur das Gerät sondern auch die zur Verfügung gestellten Dokumente usw. und auch die digitalen Skills müssen vorher erworben werden.

Skills sind einmal das Bedienen eines Computers ganz allgemein. Aber natürlich auch das Bedienen der AT, z.B. Screenreader (Vorleseprogramm) oder ein Programm, das den Bildschirminhalt an eine Braillezeile weitergibt

92
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Was ist Augmentative AT?

beeinträchtigte Fähigkeit wird unterstützt, z.B. eine Brille, die eingeschränkte Sehkraft unterstützt oder ein Mikrofon, um schwache Stimme zu unterstützen

93
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Was ist eine umleitende oder einfügende AT?

Stimmverstärker, um Verständlichkeit zu erhöhen stabilisierende Prothese, um das Handgelenk nutzen zu können

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Was ist ein alternatives AT?

Fähigkeiten ersetzen zB Kommunikationshilfen

95
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Nicht alle ATs verwenden Technik

Ein Kartenhalter wäre auch eine AT, ist aber „analog".

Eine Schnittstelle zwischen einer Person und einer Maschine kann erforderlich sein, wenn eine Person herkömmliche Eingabegeräte nicht beeinflussen kann oder wenn eine Person nicht in der Lage ist, verbale Sprache oder Gebärdensprache anzuwenden oder wenn eine Person nicht in der Lage ist, sich selbstständig zu bewegen, Geräte zu steuern oder auf ihre*seine Umgebung zuzugreifen.