1/96
Umfassende Sammlung von Lernkarten im Frage-Antwort-Stil zu den Entwicklungsphasen, Keimblättern, Organogenese, Plazentaentwicklung und dem fetalen Kreislauf basierend auf den BFH-Embryologie-Skripten.
Welche drei Phasen der pränatalen Entwicklung werden unterschieden?
Keimphase (1.–ca. 10. Tag p.c.), Embryonalstadium (2.–8. Woche p.c.) und Fetalstadium (ab 9. Woche p.c. bis zur Geburt).
Was passiert hauptsächlich in der Keimphase?
Befruchtung, Furchungsteilungen, Blastozystenbildung und Nidation.
Was passiert im Embryonalstadium?
Gastrulation, Ausbildung der drei Keimblätter und Anlage fast aller Organe (Organogenese).
Was passiert im Fetalstadium?
Vor allem Organreifung, Längenwachstum und Gewichtszunahme.
Was bedeutet die Abkürzung p.c.?
Post conceptionem: Zeit nach der Befruchtung.
Was ist der Unterschied zwischen haploidem und diploidem Chromosomensatz?
Haploid (1n): 23 Chromosomen, wie in Keimzellen. Diploid (2n): 46 Chromosomen in 23 Paaren, wie in der Zygote.
Wo findet die Befruchtung statt?
Im Eileiter (Tuba uterina) nach Zusammentreffen von Spermium und Eizelle.
Wie entsteht die Zygote?
Durch Verschmelzung von Spermium (23 Chromosomen) und Eizelle (23 Chromosomen) zu einer diploiden Zelle mit 46 Chromosomen.
Was sind Furchungsteilungen?
Schnelle mitotische Teilungen der Zygote in 2, 4, 8, 16 usw. Zellen.
Was ist die Morula?
Eine kompakte Zellkugel, die aus den ersten Furchungsteilungen hervorgeht und Richtung Uterus wandert.
Was ist die Blastozyste?
Eine Keimblase mit Blastozystenhöhle, Embryoblast und Trophoblast.
Was entsteht aus dem Embryoblasten?
Die eigentliche Embryonalanlage; zunächst die zweiblättrige Keimscheibe mit Epiblast und Hypoblast.
Was entsteht aus dem Trophoblasten?
Extraembryonale Hüllen und kindliche Anteile der Plazenta; er ermöglicht die Implantation.
Was ist die Zona pellucida und was geschieht vor der Implantation mit ihr?
Die Hülle der Eizelle; die Blastozyste löst sich vor der Einnistung daraus.
Was ist die Nidation?
Die Anlagerung und das Eindringen der Blastozyste in das Endometrium; Beginn etwa Tag 5–6 p.c., abgeschlossen etwa Tag 10.
Welche Trophoblastanteile gibt es und welche Funktion hat das Synzytium?
Zytotrophoblast und Synzytiotrophoblast; das Synzytium unterstützt das Eindringen in das Endometrium.
Welche Rolle spielen die Enzyme des Trophoblasten?
Sie ermöglichen der Blastozyste das Eindringen in die Gebärmutterschleimhaut.
Welche Aufgaben hat hCG zu Beginn der Schwangerschaft?
Es erhält die Funktion des Corpus luteum aufrecht und unterstützt so den Erhalt des Endometriums; hCG ist im Schwangerschaftstest nachweisbar.
Was ist Crossing-over?
Austausch von genetischem Material zwischen homologen Chromatiden während der Meiose; erzeugt neue Genkombinationen.
Wie unterscheiden sich Mitose und Meiose?
Mitose erzeugt genetisch weitgehend identische Tochterzellen; Meiose halbiert den Chromosomensatz zur Bildung haploider Keimzellen.
Was kennzeichnet die zweite Woche p.c.?
Zweiblättrige Keimscheibe mit Epiblast und Hypoblast, Fortsetzung der Implantation und Beginn des uteroplazentaren Kreislaufs.
Welche beiden Hohlräume sind früh wichtig?
Amnionhöhle und Dottersack; später entwickelt sich auch die Chorionhöhle.
Wie beginnt der uteroplazentare Kreislauf am 11./12. Tag?
Im Synzytiotrophoblast entstehen Lakunen; mütterliche Sinusoide werden eröffnet, und mütterliches Blut strömt in die Lakunen.
Wie wird der Embryo vor dem Beginn der eigenen Herzfunktion versorgt?
Durch Diffusion; laut Skript bis zum ersten Herzschlag um Tag 23 p.c.
Was ist Gastrulation?
Umwandlung der zweiblättrigen in eine dreiblättrige Keimscheibe in der 3. Woche p.c.
Was ist der Primitivstreifen?
Verdickung der Keimscheibe, über die Zellen einwandern und das intraembryonale Mesoderm bilden.
Wie heissen die drei Keimblätter?
Ektoderm (aussen), Mesoderm (mittig) und Entoderm (innen).
Welche Organe und Gewebe entstehen vor allem aus dem Ektoderm?
Nervensystem, Sinnesorgane und Haut.
Welche Organe und Gewebe entstehen vor allem aus dem Mesoderm?
Muskulatur, Bindegewebe, Knochen, Herz, Blut- und Lymphgefässe, Nieren und Keimdrüsen.
Welche Organe und Gewebe entstehen vor allem aus dem Entoderm?
Epithel von Verdauungs- und Atemtrakt sowie u. a. Leber, Pankreas und Schilddrüse.
Welche vier Bereiche des Mesoderms nennt die Vorlesung?
Viszerales, parietales, intermediäres und paraxiales Mesoderm.
Was entwickelt sich aus dem paraxialen Mesoderm?
Somiten, die unter anderem an der Entwicklung von Wirbelsäule, Muskulatur und Dermis beteiligt sind.
Welche Regionen bleiben bei der Gastrulation zweiblättrig?
Prächordalplatte und Kloakenmembran; daraus ergeben sich später Mund- bzw. Analregion.
Wo entstehen die ersten extraembryonalen Blutinseln?
Im Mesoderm der Dottersackwand, des Haftstiels und des Chorions.
Wann und wo entsteht die frühe Herzanlage?
Um Tag 18 p.c. aus Mesoderm im kranialen Bereich, der kardiogenen Platte.
Wann beginnt das embryonale Herz laut Skript zu schlagen?
Etwa am 23. Tag p.c.; der Herzschlauch zeigt rhythmische Kontraktionen.
Wie entsteht der einheitliche Herzschlauch?
Paarige hufeisenförmige Herzanlagen fusionieren während der embryonalen Abfaltung.
Welche Schichten des frühen Herzschlauchs nennt die Folie?
Endokard, Myokard und Perikard.
Was bedeutet kraniokaudale Krümmung und laterale Abfaltung?
Der Embryo krümmt sich längs und faltet sich seitlich; dadurch werden Herzanlage und Darmrohr räumlich verlagert bzw. geformt.
Wie entsteht das Darmrohr?
Aus dem Entoderm durch kraniokaudale Krümmung und laterale Abfaltung des Embryos.
Welche Funktionen hat der Dottersack laut Skript?
Er liefert frühe Stammzellen für Blut- und Keimzellen; später bildet er sich zurück.
Welche Bedeutung hat die Allantois?
Sie ist an der Entwicklung der Nabelschnurgefässe, des Chorions und der Harnblase beteiligt.
Wo entsteht die Lungenknospe?
Aus der ventralen Wand des Darmrohrs, aus dem Entoderm.
Welche Anteile des Respirationstraktes stammen aus Entoderm und Mesoderm?
Entoderm: epitheliale Auskleidung. Viszerales Mesoderm: Knorpel und glatte Muskulatur von Trachea und Lunge.
Was trennt Speiseröhre und Atemwege in der Entwicklung?
Das Septum oesophagotracheale trennt Ösophagus und Trachea mit Lungenknospen.
Was sind Alveolarzellen Typ I?
Flache Alveolarepithelzellen für den Gasaustausch; laut Folie ab etwa Woche 26 zunehmend ausgebildet.
Was sind Alveolarzellen Typ II?
Zellen, die Surfactant produzieren; laut Folie ab etwa Woche 24.
Warum ist Surfactant wichtig?
Es senkt die Oberflächenspannung und verhindert das Kollabieren der Alveolen nach der Geburt.
Was befindet sich vor der Geburt in den Lungen?
Flüssigkeit, wenig Schleim und Surfactant; mit Beginn der Atmung wird Flüssigkeit resorbiert.
Was ist Neurulation?
Entwicklung des Neuralrohrs aus Neuroektoderm durch Neuralplatten-, Neuralrinnen- und Neuralrohrbildung.
Wie entsteht das Neuralrohr?
Die Neuralplatte senkt sich zur Neuralrinne ein; Neuralfalten verschmelzen zum Neuralrohr.
Was entwickelt sich aus dem Neuralrohr?
Das zentrale Nervensystem (ZNS).
Was ist die Neuralleiste?
Eine Zellpopulation aus dem Ektoderm, die sich während der Neuralrohrbildung ablöst und u. a. zur Entwicklung des PNS beiträgt.
Was sind Somiten?
Paarige segmentale Zellblöcke des paraxialen Mesoderms, die die Grundgliederung des Rumpfes mitbestimmen.
Welche drei Teile entstehen aus Somiten?
Sklerotom (Wirbelsäulen-/Skelettanteile), Myotom (Muskulatur) und Dermatom (Haut-/Dermisanteile).
Wofür kann die Somitenzahl genutzt werden?
Zur ungefähren Altersbestimmung des frühen Embryos bis etwa zur 4./5. Woche.
Was bedeutet Organogenese?
Anlage und frühe Differenzierung der Organsysteme während der Embryonalperiode.
Warum ist die Embryonalperiode besonders vulnerabel?
Weil in dieser Zeit Organe angelegt werden und schädliche Einflüsse Fehlbildungen auslösen können.
Was bedeutet Teratogenität?
Schädigende Einflüsse auf die intrauterine Entwicklung, die morphologische Fehlbildungen verursachen können.
Warum wird Folsäure empfohlen?
Folat/Vitamin B9 unterstützt Zellteilung, Blutbildung und Neuralrohrschluss und senkt das Fehlbildungsrisiko.
Wann beginnen sich die Extremitäten zu entwickeln?
Armanlagen ab etwa Tag 26, Beinanlagen rund 1–2 Tage später.
Wie entstehen getrennte Finger und Zehen?
Durch programmierten Zelltod (Apoptose) in den Zwischenräumen der sich entwickelnden Finger-/Zehenanlagen.
Was sind Chorionzotten?
Fetale Ausstülpungen des Chorions, die sich verzweigen und den Stoffaustausch mit mütterlichem Blut ermöglichen.
Was ist der intervillöse Raum?
Der mit mütterlichem Blut gefüllte Raum um die Chorionzotten.
Was ist die Plazentaschranke?
Eine aus fetalem Gewebe bestehende Trennschicht zwischen mütterlichem und fetalem Blut.
Vermischen sich mütterliches und fetales Blut normalerweise direkt?
Nein; die Kreisläufe sind durch die Plazentaschranke getrennt.
Welche Transportwege über die Plazentaschranke nennt die Folie?
Diffusion, aktiver Transport, Pinozytose und Diapedese.
Über welche Zotten erfolgt der Stoffaustausch hauptsächlich?
Über freie Zottenbäumchen, nicht über die Stammzotten.
Was bedeutet immunologische Toleranz in der Schwangerschaft?
Das mütterliche Immunsystem toleriert fetales Gewebe; laut Skript tragen u. a. hCG, Progesteron und Zytokine dazu bei.
Welche Teile der Plazenta sind maternal?
Vor allem Decidua basalis/Basalplatte und Plazentasepten sowie mütterliche Spiralarterien und Venen.
Welche Teile der Plazenta sind fetal?
Unter anderem Chorionplatte, Chorionzotten und fetale Zotten-/Nabelgefässe.
Welche Hauptfunktionen hat die Plazenta?
Austausch von Nährstoffen, Abfallprodukten und Atemgasen; Hormonbildung und immunologische Funktionen.
Welche Hormone bildet die Plazenta laut Skript?
hCG, Progesteron und hPL.
Welche Rolle spielen IgG-Antikörper an der Plazenta?
Mütterliche IgG-Antikörper können zum Fetus gelangen und zum passiven Immunschutz beitragen.
Wann gilt die Plazenta laut Skript als ausgereift?
Ab etwa dem 4. Schwangerschaftsmonat.
Wie gross und schwer ist die reife Plazenta laut Folie ungefähr?
Am Schwangerschaftsende etwa 500–600 g, 15–20 cm Durchmesser und 2,5–3 cm Dicke.
Wie unterscheiden sich fetale und maternale Plazentaseite?
Fetal: vom Amnion bedeckt, mit Nabelschnurinsertion. Maternal: durch Septen in Kotyledonen untergliedert.
Welche Eihäute werden beschrieben?
Amnion und Chorion; die Folie nennt ausserdem Decidua capsularis und Decidua parietalis im Hüllenaufbau.
Welche Funktionen haben die Eihäute?
Bildung von Amnionflüssigkeit, Abgrenzung des Fetus und mechanische Verankerung.
Welche Funktionen hat das Fruchtwasser?
Stossdämpfung, Schutz vor Austrocknung, Bewegungsfreiheit, Wachstum, Wärmeregulation, bakteriostatische Wirkung und hydrostatischer Keil bei Geburt.
Wie ist die Nabelschnur aufgebaut?
Funiculus umbilicalis, ungefähr 50 cm lang; enthält Nabelgefässe, eingebettet in Wharton-Sulze.
Wie viele Nabelarterien und Nabelvenen gibt es?
Zwei Aa. umbilicales und eine V. umbilicalis.
Welche Richtung und Sauerstoffversorgung haben die Nabelgefässe?
V. umbilicalis bringt relativ O2-reiches Blut von der Plazenta zum Fetus; zwei Aa. umbilicales führen Blut vom Fetus zur Plazenta.
Wie verändert sich die Körperproportion während der Fetalperiode?
Der Kopf ist anfangs relativ gross (etwa die Hälfte der Länge), bei Geburt ungefähr ein Viertel.
Wie verändert sich das Wachstum im Fetalstadium?
Längen- und besonders Gewichtszunahme; laut Skript etwa 30 mm Ende Embryonalperiode und etwa 500 mm bei Geburt.
Warum benötigt der Fetus besondere Kreislaufverbindungen?
Die Lungen übernehmen vor der Geburt noch keinen Gasaustausch; die Plazenta versorgt den Fetus mit O2.
Welche drei Kurzschlussverbindungen hat der fetale Kreislauf?
Ductus venosus Arantii, Foramen ovale und Ductus arteriosus Botalli.
Was verbindet der Ductus venosus Arantii?
V. umbilicalis mit V. cava inferior; ein Grossteil des Blutes umgeht die Leber.
Was ist das Foramen ovale?
Eine Öffnung zwischen rechtem und linkem Vorhof, die den Lungenkreislauf teilweise umgeht.
Was verbindet der Ductus arteriosus Botalli?
Truncus pulmonalis mit Aorta; leitet einen Grossteil des Blutes an der Lunge vorbei.
Wie verläuft der Hauptweg des sauerstoffreicheren Blutes zum Fetus?
Plazenta → V. umbilicalis → Ductus venosus → V. cava inferior → rechter Vorhof → Foramen ovale → linker Vorhof → linker Ventrikel → Aorta.
Wie gelangt Blut vom rechten Ventrikel in den Körperkreislauf?
Rechter Ventrikel → Truncus pulmonalis → Ductus arteriosus Botalli → Aorta.
Wie gelangt fetales Blut zur Plazenta zurück?
Über die Aorta und Iliakalgefässe in die zwei Aa. umbilicales zur Plazenta.
Warum erhält das fetale Gehirn relativ sauerstoffreiches Blut?
Der fetale Kreislauf begünstigt den Zustrom des besser oxygenierten Blutes über Foramen ovale und linken Ventrikel zur aufsteigenden Aorta.
Was verändert sich nach der Geburt im Kreislauf?
Mit dem ersten Atemzug entfalten sich die Lungen; Foramen ovale und Ductus arteriosus schliessen funktionell, die Nabelgefässe verschliessen sich.
Warum wird das Foramen ovale nach der Geburt verschlossen?
Der Druck im linken Vorhof steigt durch vermehrten Lungenrückstrom; dadurch wird die Klappe des Foramen ovale angedrückt.
Was geschieht mit den Nabelgefässen nach der Geburt?
Nach Abnabelung kontrahieren und thrombosieren sie und werden später zu bindegewebigen Reststrukturen.