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Internationale Geschäftstätigkeit (Definition)
Alle Wirtschaftsbeziehungen, die staatliche Grenzen überschreiten. Grundlage der internationalen Arbeitsteilung.
3 Ursachen der internationalen Geschäftstätigkeit
Ausgleich von natürlichen Überschüssen und Mangelerscheinungen • 2. Ausgleich von Kostenunterschieden zwischen Inland und Ausland • 3. Erhöhung der Angebotsvielfalt
Bedeutung für Unternehmen
Höhere Absatzmöglichkeiten → rationelle, kostengünstige Erzeugung großer Stückzahlen → höherer Umsatz.
Bedeutung für die Volkswirtschaft
Importe müssen mit Devisen bezahlt werden, Devisen bekommt man durch Exporte. Mehr als 50 % des österreichischen BIP werden durch Export verdient.
Zahlungsbilanz – Aufbau
Leistungsbilanz (Realwirtschaft) = Handelsbilanz (Waren) + Dienstleistungsbilanz • Kapitalbilanz (Finanzwirtschaft) = Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (Direktinvestitionen, Wertpapiere, Kredite)
Exportquote
Anteil der Exporte am BIP (in %).
Österreichs Außenhandel 2025
Exporte 190,1 Mrd. €, Importe 196,7 Mrd. €, Saldo −6,6 Mrd. €. Wichtigster Partner: Deutschland (Export 56,1 / Import 63,3 Mrd. €).
Globalisierung (Definition)
Zunehmende wirtschaftliche, politische und soziale Vernetzung der Welt.
3 Arten der Globalisierung + Beispiel
wirtschaftlich: Wertschöpfung wird global (Infineon) • politisch: Probleme durch Kooperation lösen (Covid-19) • sozial: mehr Social-Media-User • Folge: mehr Transporte und CO2
Globalisierungsindex – Indikatoren
wirtschaftlich: Handel mit Gütern/DL, Direktinvestitionen, Zölle/Importhemmnisse, internationale Verträge, Auslandsvertretungen • sozial: persönliche Kontakte, Informationsflüsse, kulturelle Nähe
Tarifäre Handelshemmnisse
Zölle – verteuern Importgüter und schützen die heimische Produktion. Sonderform: Strafzoll = Anti-Dumping-Zoll.
Nichttarifäre Handelshemmnisse (3 Arten)
preisbezogen: Exportsubventionen • mengenbezogen: Import- und Exportkontingente • administrativ: Vorschriften, Normen, Kennzeichnungs-, Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften
Anti-Dumping-Zoll
Strafzoll auf Waren, die unter ihren Kosten (Dumping) verkauft werden – z. B. 62,5 % auf chinesische Billigfahrräder.
LDC-Abkommen
Least Developed Countries: Die ärmsten Länder (z. B. Bangladesch) bekommen Handelserleichterungen → zollfreier Zugang zum EU-Markt.
CETA / MERCOSUR
Handelsabkommen der EU mit Kanada (CETA) bzw. Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay (MERCOSUR) → Abbau von Handelshemmnissen.
Stahlzölle der EU (Artikel 2026)
Nur noch 18,3 Mio. t zollfrei (Kontingent) • Darüber 50 % Zoll (bisher 25 %) → errichtet von der EU • Vorwurf: China subventioniert seine Stahlindustrie (961 Mio. t, mehr als die Hälfte der Weltproduktion)
3 Anfangskosten bei der Erschließung von Auslandsmärkten
Informationsbeschaffung über den Markt • Aufbau eines Vertriebs- bzw. Beschaffungsnetzes • Anpassung der Produkte an den Auslandsmarkt
Die 4 Risikogruppen + Sammelbegriff
politische Risiken = Länderrisiko • gesamtwirtschaftliche Risiken = Marktrisiko • vertragliche Risiken = Erfüllungsrisiko • andere Risiken = Kommunikationsrisiko
Transferrisiko / Zahlungsmoratorium / Zahlungsverbot
Transferrisiko: fällige Zahlungen dürfen nicht überwiesen werden • Zahlungsmoratorium: vorübergehender Zahlungsaufschub • Zahlungsverbot: Schulden dürfen gar nicht beglichen werden
Marktrisiken (4)
Fehleinschätzung der Märkte · Standortrisiko · Preisrisiko · Kursrisiko
Dubiosenrisiko
Gefahr der Zahlungsunfähigkeit, -unwilligkeit oder des Zahlungsverzugs des Importeurs (trifft den Exporteur).
Lieferungsrisiko vs. Annahmerisiko
Lieferungsrisiko trifft den Importeur (Frist, Qualität, Menge) • Annahmerisiko trifft den Exporteur (Ware wird nicht angenommen)
Kursrisiko – 5 Absicherungen
KV in eigener Währung • Factoring / Forfaitierung • Devisentermingeschäft • Devisenoptionsgeschäft • Fremdwährungskredit (nur bei Exporten)
Devisentermingeschäft vs. Devisenoption
Termingeschäft: feste Pflicht, später zu einem heute fixierten Kurs zu tauschen • Option: nur das Recht (Call = kaufen, Put = verkaufen) – kann man verfallen lassen
Factoring vs. Forfaitierung
Beide: Verkauf der Forderung an einen neuen Gläubiger, der das Dubiosenrisiko übernimmt. Forfaitierung für größere, längerfristige Forderungen.
Preisrisiko absichern
Preisabsprachen, Preisbindungen, langfristige Außenhandelsverträge.
Akkreditiv – was sichert es ab?
Dubiosen- und Annahmerisiko (Exporteur) sowie Lieferungsrisiko (Importeur). Bank zahlt nur gegen die vorgeschriebenen Dokumente.
Unwiderrufliches / bestätigtes Akkreditiv
unwiderruflich: kann nicht einseitig geändert oder aufgehoben werden • bestätigt: zusätzlich garantiert die Bank im Land des Exporteurs
Absicherung politischer Risiken
Politische Risikoversicherung (Lloyd’s), Betriebsunterbrechungsversicherung, Frühwarnsysteme, geografische Diversifikation, Exportkreditgarantie, Transfergarantie, Exportgarantien des Bundes (OeKB).
Transportrisiko absichern
Wahl der richtigen Incoterms, Transportversicherung, erfahrene Spediteure.
Die 3 Ebenen der Internationalisierungsstrategien
Inland: indirekter Export, direkter Export, Exportkooperation • Ausland – Vertragsbasis: Lizenzvergabe, Franchising, Vertragsfertigung • Ausland – Kapitalbasis: Joint Venture, Auslandsniederlassung
Indirekter Export
Hersteller verkauft an einen in- oder ausländischen Ausfuhrhändler, der die Ware im Ausland verkauft. + keine eigene Absatzorganisation, Risikoabwälzung / − Abhängigkeit, kaum Einfluss auf den Preis.
Direkter Export – Absatzwege
ohne ausl. Partner: Distanzverkehr, Außendienstmitarbeiter • mit ausl. Partnern: Handelsunternehmen (Groß-/Einzelhändler), Handelsvermittler (Handelsvertreter, Kommissionär)
Handelsvertreter vs. Kommissionär
Handelsvertreter: in fremdem Namen, auf fremde Rechnung • Kommissionär: im eigenen Namen, auf fremde Rechnung
Exportkooperation
Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen, meist als ARGE / Konsortium für Großprojekte (Kraftwerke, Stahlwerke).
Lizenzvergabe
Lizenzgeber überlässt einem ausländischen Lizenznehmer das Nutzungsrecht an Patent, Marke oder Urheberrecht gegen Lizenzgebühr. Risiko: Lizenznehmer wird Konkurrent.
Franchising
Franchisenehmer übernimmt gegen Franchisegebühr das gesamte Unternehmens- bzw. Vertriebskonzept (McDonald’s, 7-Eleven, ReMax).
Vertragsfertigung
Produktion bzw. Teile davon werden ins Ausland verlagert (Outsourcing), um Kosten zu sparen (H&M, IKEA, Adidas). Im Import: Veredelungsverkehr.
Joint Venture (Definition)
Unternehmensneugründung im Importland mit Partnern aus Export- und Importland (Kapitalbasis).
3 Gründe für Joint Ventures
Schutz der Industrie durch Einfuhrzölle • Devisenmangel im Importland • Bedarf an Know-how aus Industriestaaten
Chevron in Venezuela
Joint Venture Petroindependencia, Chevron hält 49 %; ca. 7 Mrd. USD Investition in 5 Jahren, Förderung auf 600.000 Barrel/Tag.
Auslandsniederlassung – 3 Vorteile
Transportkostenersparnis · niedrigere Produktionskosten · Umgehung von Importbeschränkungen und Zöllen. = intensivste Marktbearbeitung.
Global Sourcing – 6 Formen
Indirekter Import · Direkter Import · Lizenznahme · Vertragsfertigung · Joint Venture · Auslandsniederlassung
Betriebswirtschaftliche Folgen (4 Bereiche)
Produktion · Personalmanagement · Aufbauorganisation · Finanz- und Risikomanagement
4 Varianten der Aufbauorganisation
Stellen in bestehenden Abteilungen · Projektorganisation · eigene Abteilung · regionale Ausrichtung (Spartenorganisation)
Exportfinanzierung über die OeKB
Kreditgeber = Hausbank, die sich bei der OeKB refinanziert. Der Bund haftet für bis zu 80 % der Kreditsumme.
Kultur (Definition)
System von Bedeutungen, das von (fast) allen Mitgliedern einer Gruppe geteilt, an die nächste Generation weitergegeben wird und Verhalten, Denken, Wahrnehmung beeinflusst.
Die 6 Kulturdimensionen nach Hofstede
Power Distance · Individualism/Collectivism · Motivation Toward Achievement and Success (früher Masculinity/Femininity) · Uncertainty Avoidance · Long/Short Term Orientation · Indulgence/Restraint
Hofstede-Skala
0–100; 0–50 = niedrig, 51–100 = hoch. Basis: ca. 110.000 IBM-Mitarbeiter in 67 Ländern.
Power Distance hoch / niedrig
hoch: Hierarchien akzeptiert, Mächtige haben Privilegien • niedrig: Ungleichheit wird hinterfragt, Mitsprache erwartet
Individualism hoch / niedrig
hoch: jeder sorgt für sich, Eigeninitiative • niedrig (kollektivistisch): Loyalität zur Gruppe, Harmonie, Teamgeist
Achievement and Success hoch / niedrig
hoch: live to work, Erfolg, Durchsetzung, Geld • niedrig: work to live, Beziehungen, Bescheidenheit
Uncertainty Avoidance hoch / niedrig
hoch: strenge Regeln und Normen • niedrig: Toleranz gegenüber Unsicherheit, Praxis vor Prinzipien
Long Term Orientation (laut Buch)
hoch: Tradition, Sparsamkeit, Ziele werden langsam erreicht • niedrig: Traditionen werden angepasst, schnelle Ergebnisse erwartet
Indulgence hoch / niedrig
hoch: lockere Moral, Genuss wichtig • niedrig (restraint): strenge Moral, Gefühle selten offen gezeigt
Hofstede-Werte Österreich vs. Kuwait
PD 11/73 · IDV 77/28 · Achiev. 79/45 · UA 70/70 · LTO 47/31 · IND 63/29
High-context vs. Low-context (Hall)
High: Bedeutung „zwischen den Zeilen“, nonverbal, mündliche Vereinbarungen (Japan, arabische Welt) • Low: direkt, explizit, detaillierte schriftliche Verträge (USA, UK, NL; Österreich eher low)
Monochron vs. polychron (Hall)
monochron: eins nach dem anderen, Pünktlichkeit, Aufgabe vor Beziehung (Nordeuropa) • polychron: vieles gleichzeitig, flexible Zeitpläne, Beziehung vor Aufgabe (arabische Welt, Lateinamerika)
Regeln der Cross-cultural communication
Nie nach eigenen Maßstäben urteilen • Beobachten → neutral beschreiben → interpretieren • An Partner anpassen (high/low, direkt/indirekt, Status/Person) • Empathie und Geduld • Zeit- und Raumverständnis beachten
Cross-cultural management – 3 Situationen
Management IN fremden Kulturen (im Ausland) • Management FÜR andere Kulturen (vom Inland aus) • Management VON/MIT verschiedenen Kulturen (multikulturelle Teams)
Die 7 Incoterms für alle Transportmittel
EXW Ex Works · FCA Free Carrier · CPT Carriage Paid To · CIP Carriage and Insurance Paid To · DAP Delivered at Place · DPU Delivered at Place Unloaded · DDP Delivered Duty Paid
Was ist besonders an C-Klauseln?
Der Verkäufer zahlt den Transport bis zum Bestimmungsort, das Risiko geht aber schon beim ersten Frachtführer (bzw. an Bord) über → Kosten und Risiko trennen sich.
FOB und CIF (See-Klauseln)
FOB: Kosten und Risiko gehen an Bord im Verschiffungshafen über • CIF: Verkäufer zahlt Fracht und Versicherung bis zum Bestimmungshafen, Risiko geht an Bord im Verschiffungshafen über
Indien – 3 Wachstumsgründe
Starker Privatkonsum · hohe öffentliche Infrastruktur-Investitionen (ca. 130 Mrd. USD/Jahr) · junge Bevölkerung (68 % im Erwerbsalter) · IT-/Dienstleistungsexporte
Indien – 3 Kennzahlen
Reales BIP-Wachstum 7,6 % (2025) · BIP/Kopf 1.862 → 2.675 USD (2020–2025) · Arbeitslosigkeit 7,9 % → 4,2 %