Innovations- und Technologiemanagement 1

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Karteikartensatz im Vokabel-Stil zur Vorlesung Innovations- und Technologiemanagement (ITM) der UniversitĂ€t zu LĂŒbeck, umfassend wissenschaftliche Grundlagen, Technologiearten, Innovationsformen sowie das TM-Framework.

39 Terms

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Wissenschaft (McGinn, 1991)

Die gezielte Generierung von theoretischem Wissen ĂŒber (materielle) PhĂ€nomene, deren Hauptfunktion darin besteht, ein besseres VerstĂ€ndnis der Natur und empirischer PhĂ€nomene ĂŒber theoretische Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu erlangen.

2
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Technologie (Ewald, 1989)

Das anwendbare Wissen ĂŒber wissenschaftliche Erkenntnisse und deren technische Implikationen, das systematisch zur Lösung technischer Probleme eingesetzt wird (technologische Mittel-Ziel-Beziehungen).

3
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Technik (Ewald, 1989)

Die konkrete Anwendung von Technologien, die sich in materiellen Produkten oder Verfahren manifestiert und gezielt auf die Lösung bestimmter praktischer Probleme ausgelegt ist.

4
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Innovation

Die erfolgreiche VerknĂŒpfung von Idee und Markt: Innovation=Erfindung+Verwertung\text{Innovation} = \text{Erfindung} + \text{Verwertung}. Sie bezeichnet die Implementierung eines neuen oder merklich verbesserten Produkts, Prozesses oder Modells am Markt bzw. im Unternehmen.

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Erfindung (Invention)

Der gesamte Prozess und alle Anstrengungen, die darauf abzielen, neue Ideen und Konzepte originÀr zu kreieren und erstmalig technisch oder materiell umzusetzen.

6
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Verwertung (Exploitation)

Umfasst alle nachgelagerten Phasen der kommerziellen Entwicklung, Anwendung, Übertragung (Transfer) und breiten Marktdiffusion technologiebasierter Ergebnisse.

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Produkttechnologie

Technologien, die unmittelbar materieller oder funktionaler Bestandteil des Endprodukts sind (z. B. Komponenten eines Smartphones oder Elektroantriebs).

8
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Prozesstechnologie

Technologien, die zur betrieblichen Erstellung und Bereitstellung von SachgĂŒtern oder Dienstleistungen verwendet werden (z. B. Fließbandfertigung oder Laserschweißverfahren zur Kostensenkung und QualitĂ€tssteigerung).

9
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Erhaltende (inkrementelle) Technologie

Technologien, welche die Leistung und FunktionalitÀt bereits etablierter Produkte entlang bestehender Kundenanforderungen schrittweise verbessern, ohne bestehende MÀrkte fundamental zu destabilisieren.

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Disruptive Technologie

Technologien, die etablierte MÀrkte grundlegend aufbrechen, herkömmliche Produkte oder GeschÀftsmodelle verdrÀngen und die Spielregeln ganzer Branchen nachhaltig verÀndern.

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KomplementÀre Technologien

Technologien, die sich bei der Lösung eines Kundenproblems gegenseitig ergĂ€nzen und stĂŒtzen (z. B. UMTS/LTE fĂŒr mobile DatenĂŒbertragung als ErgĂ€nzung zur SprachĂŒbertragung), sodass die FunktionalitĂ€t beider gesteigert wird.

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Substitutionstechnologien

Technologien, welche dieselben oder Ă€hnliche KundenbedĂŒrfnisse mit neuartigen Mitteln lösen und dadurch bestehende Technologien sukzessive verdrĂ€ngen und ablösen (z. B. 5G/LTE anstelle von 3G).

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Kumulative Technologie

Technologische Entwicklung, bei der neue Generationen direkt auf den Erkenntnissen, Komponenten und Standards vorheriger Technologiegenerationen aufbauen (z. B. von Schwarz-Weiß- ĂŒber Farbdisplays hin zu Touchscreens).

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PfadabhÀngigkeit (Lock-in)

Ein Zustand, bei dem hohe Wechselkosten (Switching Costs), spezifische Investitionen, Netzwerkeffekte und Lerneffekte ein Unternehmen oder eine Branche an eine etablierte Technologierichtung binden (z. B. Verbrennungsmotor-Infrastruktur oder Tastaturlayouts wie QWERTZ).

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Konvergierende Technologien

Das systematische Zusammenwachsen vormals eigenstÀndiger Technologie- und Wissenschaftsbereiche zu neuen, interdisziplinÀren TechnologiedomÀnen (z. B. Bioinformatik aus Biologie, Informatik und Mathematik).

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Technologielebenszyklus (Arthur D. Little)

Phasenmodell, das Technologien anhand ihres Reifegrads und ihres Beitrags zu Wettbewerbsvorteilen in vier Stufen einteilt: Schrittmachertechnologie, SchlĂŒsseltechnologie, Basistechnologie und verdrĂ€ngte Technologie.

<p>Phasenmodell, das Technologien anhand ihres Reifegrads und ihres Beitrags zu Wettbewerbsvorteilen in vier Stufen einteilt: Schrittmachertechnologie, SchlĂŒsseltechnologie, Basistechnologie und verdrĂ€ngte Technologie.</p>
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Schrittmachertechnologie

Technologie im frĂŒhen Entwicklungsstadium (Ausbildung) mit hoher Unsicherheit bezĂŒglich Effizienz und LeistungsfĂ€higkeit, aber starkem Potenzial fĂŒr zukĂŒnftige Wettbewerbsvorteile (z. B. Nanotechnologie).

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SchlĂŒsseltechnologie

Technologie in der Wachstumsphase mit starkem Einfluss auf die Marktposition, die klare Differenzierung und erhebliche strategische Wettbewerbsvorteile ermöglicht (z. B. Biotechnologie).

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Basistechnologie

LĂ€nger am Markt etablierte Technologie in der Reifephase; wird von allen Wettbewerbern beherrscht, bietet kaum noch Differenzierungspotenzial, bildet jedoch die Grundvoraussetzung im Wettbewerb (z. B. Benzinmotor).

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VerdrÀngte Technologie

Technologie in der Degenerationsphase, deren LeistungsfĂ€higkeit und wirtschaftlicher Nutzen durch ĂŒberlegene Substitutionstechnologien ĂŒberholt wurden (z. B. mechanische Schreibmaschine).

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Produktinnovation

Die MarkteinfĂŒhrung eines Guts oder einer Dienstleistung, die im Hinblick auf funktionale Eigenschaften, Komponenten oder Verwendungszwecke neu oder signifikant verbessert ist (z. B. Smartphone, PC).

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Prozessinnovation

Die EinfĂŒhrung einer neuen oder wesentlich verbesserten Fertigungs-, Dienstleistungs- oder Liefermethode zur Senkung der StĂŒckkosten, Steigerung der QualitĂ€t oder Produktion neuartiger GĂŒter (z. B. Laserschneiden, Rapid Prototyping).

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GeschÀftsmodellinnovation

Die Neugestaltung oder Revolutionierung bestehender betriebswirtschaftlicher Logiken und Erlösmechanismen, um neue KundenbedĂŒrfnisse und MĂ€rkte zu erschließen (z. B. iTunes, Nespresso, Billigfluggesellschaften).

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Ökoinnovation

Schaffung marktfĂ€higer Waren, Verfahren und Systeme, die menschliche BedĂŒrfnisse befriedigen und die LebensqualitĂ€t steigern, wĂ€hrend der Ressourcenverbrauch und schĂ€dliche Umweltwirkungen minimiert werden.

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Umgekehrte Innovation (Reverse Innovation)

Entwicklung von kostengĂŒnstigen und robusten Produkt- oder Dienstleistungsinnovationen primĂ€r fĂŒr ressourcenbeschrĂ€nkte MĂ€rkte in SchwellenlĂ€ndern, die spĂ€ter teils auch in IndustrielĂ€ndern etabliert werden (z. B. Windkraftanlagen von Suzlon).

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Design-getriebene Innovation

Innovationsform, die ĂŒber die Ă€sthetische und haptische Gestaltung eines Produkts dessen emotionale Bedeutung und IdentitĂ€t im Alltag der Nutzer grundlegend verĂ€ndert (z. B. Apple iPod).

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Technologiemanagement (EITIM, 2000)

InterdisziplinÀres Bindeglied zwischen Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Management zur strategischen und operativen Planung, Entwicklung, Beschaffung, Nutzung und Absicherung technologischer FÀhigkeiten.

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Open Innovation

Innovationsparadigma, bei dem Unternehmen gezielt externe Ideen und Technologien einbinden (IP-Einlizensierung) sowie interne, nicht kernrelevante Erfindungen nach außen weitergeben (IP-Auslizensierung, Spin-outs).

<p>Innovationsparadigma, bei dem Unternehmen gezielt externe Ideen und Technologien einbinden (IP-Einlizensierung) sowie interne, nicht kernrelevante Erfindungen nach außen weitergeben (IP-Auslizensierung, Spin-outs).</p>
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TM-AktivitÀt: Identifikation

TM-KernaktivitĂ€t zur FrĂŒherkennung und Beobachtung technologischer Signale und Umfeldfaktoren ĂŒber Lebenszyklen hinweg, um Chancen, Risiken und eigene Potenziale in einem Technologie-Radar sichtbar zu machen.

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TM-AktivitÀt: Selektion

TM-KernaktivitÀt zur strategischen Bewertung und Priorisierung von Technologieoptionen anhand von Unternehmenszielen und Kernkompetenzen (Output: Technologiestrategie und Go/Maybe/Kill-Entscheidungen).

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TM-AktivitÀt: Beschaffung

TM-KernaktivitĂ€t zur Beantwortung der Make-Buy-Collaborate-Frage, die festlegt, ob benötigte Technologien intern (F&E), extern (Zukauf/Lizenzen) oder ĂŒber Partnerschaften akquiriert werden.

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TM-AktivitÀt: Schutz

TM-KernaktivitÀt zur Absicherung technologischen Wissens und Handlungsspielraums durch formale Schutzrechte (Patente, Marken) sowie informelle Mechanismen (Geheimhaltung, Mitarbeiterbindung).

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TM-AktivitÀt: Verwertung

TM-KernaktivitĂ€t zur marktwirksamen Umsetzung und ÜberfĂŒhrung von Technologien in vermarktbare Produkte, optimierte Prozesse und messbaren wirtschaftlichen Wertbeitrag.

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TM-AktivitÀt: Lernen

TM-KernaktivitĂ€t zur systematischen Reflexion und Übersetzung von Technologieprojekten in dokumentiertes Wissen, verbesserte Routinen und gestĂ€rkte Zukunftskompetenzen (Wissensmanagement).

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Kerntools des Technologiemanagements (Cetindamar, 2016)

Sechs zentrale Instrumente des TM: Patentanalyse, Portfoliomanagement, Roadmapping, S-Kurven, Stage-Gate-Verfahren und Wertanalyse.

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Treiber der zunehmenden Innovationsgeschwindigkeit („Alles wird schneller“)

FĂŒnf zentrale PhĂ€nomene der Beschleunigung im Marktumfeld:

  • Konsumentenverhalten: StĂ€ndige Nachfrage nach neuen Produkten
  • Wettbewerb: Schnellere Nachahmung erfolgreicher GeschĂ€ftsideen
  • Time-to-Market: Deutliche VerkĂŒrzung der ProdukteinfĂŒhrungszeiten
  • Produktlebenszyklus: Zunehmende VerkĂŒrzung der Lebenszyklen von Produkten am Markt
  • Arbeitswelt: Sinkende durchschnittliche BeschĂ€ftigungsdauer von Arbeitnehmern
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Bedeutung von Forschung und Entwicklung (F&E)

F&E-Investitionen bilden eine zentrale Quelle fĂŒr technologische Wettbewerbsvorteile und unternehmerisches Wachstum. Vor dem Hintergrund eines starken weltweiten Anstiegs der F&E-Ausgaben (insbesondere durch aufstrebende Konkurrenz aus China gegenĂŒber bisherigen US-MarktfĂŒhrern) sind kontinuierliche F&E-Budgets unerlĂ€sslich, um die eigene Marktposition zu sichern.

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Zentrale Herausforderungen im Management von Technologien

Vier wesentliche Treiber, die das Technologiemanagement vor Herausforderungen stellen:

  • Kosten, KomplexitĂ€t & Tempo: Steigende F&E-Kosten, hohe KomplexitĂ€t und beschleunigter technologischer Fortschritt
  • Vielfalt technologischer Quellen: Notwendigkeit, interne wie externe Wissensquellen zu erschließen
  • Globalisierung: Internationaler Wettbewerb und weltweite BĂŒndnisse/Allianzen
  • Informationstechnologien: Wachsender Einfluss moderner IT auf Produkte und Prozesse
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Die 6 SchlĂŒsselfragen des Technologiemanagements

Leitfragen zur operativen und strategischen Ausrichtung (korrespondierend zu den TM-AktivitÀten):

  1. Ausnutzen (Verwerten): Wie nutzen wir unsere Technologiewerte aus?
  2. Identifizieren: Wie identifizieren wir Technologien, die sich zukĂŒnftig auf unser GeschĂ€ft auswirken werden?
  3. Selektieren: Wie selektieren wir Technologie zum geschÀftlichen Nutzen?
  4. Erwerben (Beschaffen): Wie sollen wir neue Technologien erwerben?
  5. SchĂŒtzen: Wie können wir unsere Technologiewerte schĂŒtzen?
  6. Lernen: Wie können wir von bisherigen Erfahrungen lernen, um unsere FÀhigkeit zu verbessern, neue Technologien zu entwickeln und zu verwerten?