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Umfassende Vokabel-Lernkarten zu den Modulen der Vorlesungsreihe Public Health I / Einführung in die Gesundheitswissenschaften: Soziale Determinanten, Public-Health-Grundlagen, Geschlecht und Gesundheit, Demografie und Alter sowie Gesundheits- und Krankheitsmodelle.
Public Health (DGPH 2012)
Die Wissenschaft und Praxis zur Vermeidung von Krankheiten, zur Verlängerung des Lebens und zur Förderung von physischer und psychischer Gesundheit unter Berücksichtigung einer gerechten Verteilung und effizienten Nutzung von Ressourcen.
Worauf zielen die Maßnahmen von Public Health ab?
Primär auf die Gesunderhaltung der Bevölkerung und einzelner Bevölkerungsgruppen durch organisiertes gesellschaftliches Handel. Public Health konzentriert sich auf die Bevölkerung und erweitert dadurch die Perspektive der klinischen Medizin, die sich in erster Linie auf Individuen und Krankheiten richtet.
Was ist der Bevölkerungs- und der Kontextbezug?
Im Gegensatz zur Individualmedizin bezieht sich Public Health auf die Gesundheit der Bevölkerung. Public Health ist eine Gemeinschaftsaufgabe und liegt in der Verantwortung der Gesellschaft. Dabei spielt sie Beiligung und die Befähigung von Menschen und Systemen eine ebenso große Rolle wie die nachhaltige Gestaltung von gesunden Lebenswelten.
Multidisziplinarität
Die Form der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, bei der mehrere Fachdisziplinen nebeneinander an einem gemeinsamen Thema oder einer Fragestellung arbeiten, ohne ihre Methoden zu integrieren.
Interdisziplinarität
Die enge, integrative Zusammenarbeit mehrerer wissenschaftlicher Fachdisziplinen, bei der Fragestellungen gemeinsam bearbeitet und Methoden sowie Ansätze wechselseitig verknüpft werden.
Warum benötigt es Multi- bzw. Interdisziplinarität bei Public Health
Public Health ist ein sehr großes Themengebiet. Um die Gesundheit der Bevölkerung zu verstehen und zu verbessern braucht man Wissen auf vielen verschiedenen Fachrichtungen zum Beispiel Medizin, Psychologie, Soziologie, Politik, Epidemiologie
Multidisziplinarität: Verschiedene Fachrichtungen arbeiten am gleichen Thema, jeder bringt ihre eigene Perspektive und Methode ein → beim Thema Übergewicht: Medizin untersucht körperliche Folgen, Psychologie untersucht Essverhalten (arbeiten getrennt voneinander)
Interdiszilinarität: Verschiedene Fachrichtungen arbeiten zusammen und verknüpfen ihre Methoden und wissen → Medizin, Psychologie und Soziologie entwickeln gemeinsames Programm um Übergewicht bei Kindern zu verhindern.
Was ist der Anwendungsbezug von Public Health?
Public Health ist die Theorie und Praxis. Wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Anwendung sind immer miteinander verbunden. Damit spielen auch Fragen der Angemessenheit von Maßnahmen sowie ihrer Folgen für die Gesellschaft eine wichtige Rolle.
Was bedeutet Beteiligung von Bürger*inne/Partizipation?
Partizipation (Bevölkerung aktiv an Entscheidungen beteiligt, die ihre Gesundheit betreffen)
Adressatenorientierung: Maßnahmen sollen sich an den Menschen orientieren, für die sie gemacht sind
Gesundheitliche Chancengleichheit (alle Menschen sollen möglichst die gleichen Chancen haben, gesund zu leben unabhängig von Einkommen, Herkunft oder sozialem Status)
Empowerment: Menschen zu stärken und zu befähigen, selbst Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.
Verhaltens- und Verhältnisorientierung: -Verhaltensorientierung, individuelle Verhalten eines Menschen soll verändert werden, -Verhältnisorientierung (Lebensbedingungen so gestalten, dass gesundes Vethalten leichter ist)
Gesundheitliche Ressourcen bzw. Risiken : man betrachtet, was die Gesundheit stärkt (Ressourcen) und was sie gefährdet (Risiken)
Lebenswelten (Orte an denen Menschen ihren Alltag verbringen)

McKeown-These
Die von Thomas McKeown (1976) formulierte These, dass der historische Rückgang der Sterblichkeit an Infektionskrankheiten wie Lungentuberkulose primär auf verbesserte Lebensbedingungen, Ernährung und Hygiene und kaum auf kurativ-medizinische Interventionen zurückzuführen ist.
→ These umstritten, Medizinische Fortschritte haben ebenfalls wesentlich zur Verbesserung der Gesundheit beigetragen.
Erkläre die Gesundheistpyramide von Thomas Frieden (2015)

WHO-Gesundheitsdefinition
Der in der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation definierte Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. Kritik: Definition wird am meisten genutzt, findet aber am wenigsten Anwendung (Begriffe müssten zunächst definiert werden)
Welche drei Bereiche spielen bei der Definition von Gesundheit eine Rolle und bedingen sich?
Körperlich, geistig und Sozial = Wohlergehen
Was sind die fünf Merkmale der WHO Definition?
1) Ganzheitlich (Gesundheit besteht aus drei Bereichen: körperlich, geistig und sozial)
2) Kontinuum ( Gesundheit ist nicht einfach nur entweder krank oder gesund, verschiedene Abstufungen, Gesundheit ist etwas individuelles und wird vom Menschen unterschiedlich erlebt.
3) Kulturübergreifend (Definition soll für alle Menschen auf der ganzen Welt gelten, unabhängig von der Kultur, Herkunft oder ihrem Land) → allerdings unterschiedliche Kulturen können unterschiedlich verstehen, was Wohlbefinden bedeutet
4) im Kontext sehen ( von 1946 → nach dem 2. Weltkrieg, damalige gesellschaftliche und politische Vorstellungen haben Definition mitgeprägt
5) Leitbild: idealer Zustand von Gesundheit beschrieben, für viele Menschen schwierig diesen dauerhaft zu erreichen, eher Orientierung statt Messlatte
Krankheit (nach BSG)
Ein nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts regelwidriger körperlicher oder geistiger Zustand, der entweder Behandlungsbedürftigkeit oder Arbeitsunfähigkeit oder beides zur Folge hat. Hinweis: Regelwiedrigkeit wird vom Arzt festgestellt, im SGB keine Definition von Gesundheit, sondern nur zur Krankenbehandlung, da dies wichtig ist um das Recht auf eine Behandlung zu klären.
Warum ist es wichtig die Gesundheit überhaupt zu definieren? Nenne 4 Aspekte
Versorgung → Definition beeinflusst wer welche medizinische Versorgung erhält
Steuerung → Definition bestimmt, welche Kennzahlen und gemessen und welche Gesundheitsziele erreicht werden sollen
Bildung: die Definition beeinflusst, was und wie über Gesundheit gelehrt wird→ beeinflusst Verständnis von Gesundheit, z.b. in der Ausbildung nur Krankheistlehre dann krankheitsorientierendes Verständnis, wenn in der Ausbildung auch Prävention (Prioritätensetzung hier viel stärker als früher) dann ein umfassenderes Gesundheitsverständnis
Forschung: Definition ist die Grundlage für wissenschaftliche Forschung, andere Definition→ andere Messwerte und anderes Ergebniss
Nenne zwei Klassifikationssysteme von Krankheiten und ihre Bedeutung?
-keine Eindeutige Definitionen von Gesundheit und Krankheit, aber Krankheitsbilder werden in Klassifikationssysteme weltweit beschrieben
1) ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) von der WHO → ICD-11 Kodierung
→ Einheitliche Erfassung und Sprache (Ärzte und medizinisches Personal können Krankheiten einheitlich bezeichen)
→ Morbiditäts- und Mortalitätsstatistiken (Krankheitshäufung und Sterblichkeit
→ Abrechnung von Leistungen (Dokumentationen)
2) DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)
→ speziell auf psychische Krankheiten ausgerichtet
→ Herausgeber ist die Fachgesellschaft: Amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft (APA)
→ WHO übernimmt diese in leicht modifizierter Form
Beispiel Homosexualität, war früher Teil einer ICD Kodierung und somit eine Krankheit → Kodierung kann sich verändern
Krankheitstheorie bei Janosch- der verrutschte Streifen
Monokausale Theorie von der Entstehung der Krankheit
Annahme das eine einzelne Ursache eine Krankheit auslöst und wenn diese Ursache beseitigt wird, die Gesundheit wieder hergestellt wirD → kaum der Fall
Merkmale von Modellen (nach Stachowiak)
Die drei klassischen Kennzeichen eines wissenschaftlichen Modells nach Herbert Stachowiak (1973): Abbildung (steht für ein reales Original), Verkürzung (erfasst nur wichtige ausgewählte Merkmale) und Pragmatik bzw. Zweck (gilt für spezifische Fragen, bestimmte Nutzer und Situationen)
Nenne drei Möglichkeiten, wie man Krankheit und Gesundheit beurteilen kann nach Klemperer?
1) Messwerte bestimmen, ob etwas auffällig ist (2 Standardabweichungen vom Mittelwert (95%) → 5%
→ nur weil ein Messwert außerhalb des Normalbereichs ist , nicht automatisch krank zum Beispiel Größe
2) Schwellenwert für die Steigerung einer Erkrankung (RR→Relatives Risiko) → Eingreifen dann, wenn Nutzen einer Behandlung größer ist als mögliche Nachteile und Nebenwirkungen
3) politisch oder kulturell erwünscht/ nicht erwünscht
→ wer als gesund, krank oder behandlungsbedürftig angesehen wird, hängt teilweise auch von gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen ab → wichtig: eine gesellschaftliche Bewertung macht einen nicht automatisch krank.
Wozu brauchen wir Modelle von Gesundheit und Krankheit?

Salutogenese
Geusndheitsorientierendes Modell → Was hält Menschen gesund, obwohl sie Stress, Belastungen und Risiken ausgesetzt sind → Widerstandsressourcen können helfen (Familie, Bewältigungsstrategien, Freunde)
Ein von Aaron Antonovsky in den 1970er-Jahren geprägtes Konzept, das die Entstehung und Aufrechterhaltung von Gesundheit erforscht und Gesundheit sowie Krankheit als dynamisches Kontinuum (Gesundheit und Krankheit sind keine zwei Komplet getrennte Zustände, bilden zwei Endpunkte auf einer Skala und Menschen können sich zwischen den beiden Polen bewegen) begreift.
Veränderungen entstehen über den Lebenslauf → Gesundheit verändert sich im Lauife unseres Lebens- Erfahrungen, Belastungen und Ressourcen beeinflussen, ob wir uns eher in Rihtung Gesundheit oder Krankheit bewegen.
→ Rahmenbedingen schaffen, damit Menschen erst gar nicht erkranken
Pathogenese
Entstehung und Entwicklung von Krankheiten und deren Risikofaktoren
Primäre Betrachtung sind Veränderungen auf Ebene von Organen, Geweben, Genen und Zellen
Stellen die Grunslafe der modernen Medizin und der medizinischen Forschung dar
→ Krankheitsorientierendes Modell

Biomedizinisches Krankheitsmodell
Ein mechanistisches Modell ('Körper als Maschine'), das Krankheiten als biologisch fassbare Defekte versteht, gegliedert in Ätiologie (spezifische Ursache), Nosologie (Symptome), Diagnostik, Prognose (Verschlimmert sich ohne Intervention) und Kuration (Therapie).
→ im Fokus: das Objektive/Sichtbare/Messbare
Kritik: nicht zwingend Ätiologie - eine spezifische Ursache
Psychische und soziale Ebene wird nicht berücksichtigt
Was sind große Erfolge des Biomedizinischen Modell?
Insulin 1921/22
Penicillin 1928
Polio- Impfung 1955
Herzchirurgie (erste Herztransplantation) 1967
Risikofaktorenmodell
Eine epidemiologische Erweiterung des biomedizinischen Modells ab den 1960ern, nach der Risikofaktoren keine direkten Monokausalen sind, sondern die statistische Wahrscheinlichkeit für das Eintreten einer chronischen Erkrankung erhöhen.
→ Ziel auftreten von schwerwiegenden Erkrankungen vorzubeugen (Krankheitsprävention)
Was erklärt und was erklärt das Risifaktorenmodell als Teil des biomedizinischen Modells nicht?
Erklärt: Krankheitsursachen und Mechanismen erklären, Krankheiten vorbeugen helfen und Risikofaktoren erkennen
Erklärt nicht: Menschliches Verhalten erklären, soziale Unterschiede berücksichtigen und Psychische und soziale Einflüsse erklären
→ Das Modell betrachtet vor allem körperliche Risikofaktoren, aber vernachlässigt häufig psychische und soziale Einflüsse
Framingham-Herzstudie
Eine seit 1948 in Framingham (Stadt) durchgeführte Kohortenstudie (15.000 Frauen und Männer) die kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, erhöhten Cholesterinspiegel und Blutzucker erkannt und umfassend beschrieben

Whitehall-Studien
Untersuchung britischer Staatsangestellten (Beamten) über mehrere Jahre
Whitehall (1) zwischen 1967 und 1985
Whithall (2) weitere Untersuchungen
→ insgesamt etwa 28.000 Teilnehmer (Zuordnung zur sozialen Schicht wurde erfragt im Gegensatz zur Frmingham- Studie)
Man wollte herausfinden, ob die soziale Stellung eines Menschen Einfluss auf seine Gesundheit und Lebenserwartung hat
→ Ergebnis: Menschen mit einem niedrigeren Beruflichen Rang hatten eine viermal höhere Prävalenz für koronare Herzkrankheiten und höhere Sterblichkeit als Beamte der obersten Hierarchiestufen

Biopsychosoziales Modell
Ein von George L. Engel begründetes systemisches Krankheitsmodell, das biologische, psychologische und soziale Faktoren gleichwertig in die Erklärung von Gesundheit, Krankheitsentstehung und Krankheitsverlauf einbezieht.
→ Gesundheit bedeutet auch, dass ein Mensch die Fähigkeit bestitzt, verschiedene Belastungen und Störungen zu bewältigen und lernen kann, mit krankheitsfördernden Faktoren umzugehen und die Gesundheit zu unterstützen. Ganzheitliche Betrachtung des Menschen
Eine Veränderung in einem Bereich kann Auswirkungen auf einen anderen haben
Welchem Gesundheitsmodell würden Sie die Definition von WHO zuordnen? (Prüfungsfrage)
Antwort: Biopsychosoziales Modell
→ Die WHO definiert Gesundheit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern als Zustand des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Das passt zu den drei Bereichen des biopsychosozialen Modell.
Soziale Determinanten der Gesundheit
Die nichtmedizinischen Lebens- und Rahmenbedingungen, unter denen Menschen geboren werden, aufwachsen, leben, arbeiten und altern, geprägt durch die globale, nationale und lokale Verteilung von Geld, Macht und Ressourcen.

Was passiert, wenn nur die Biomedizinische Perspektive oder nur die Psychosoziale Ebene fehlt (Beispiel Diabetiker im Schichtdienst und Demenz)
Bei Demenz: Bimedizinisch: medizinische Therapie: Biopsychosoziale Sichtweise: Alttagsbewältigung, Angehörige usw.
Definition Determinanten von Gesundheit


Modell der sozialen Determinanten (Dahlgren & Whitehead)
Das schichtenförmige 'Regenbogenmodell' (1991), das Gesundheitseinflüsse von unveränderlichen biologischen Kernfaktoren über individuelle Lebensweisen, soziale Netzwerke, Arbeits- und Lebensbedingungen bis hin zu allgemeinen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen strukturiert.
Sozialer Gradient
Der epidemiologische Befund, dass sich gesundheitliche Ungleichheiten stufenweise über die gesamte Gesellschaft und alle Statusgruppen hinweg ziehen, anstatt nur eine marginalisierte Randgruppe zu betreffen.
Zwischen allen Statusgruppen messbar.
Vertikale Ungleichheit
Die ungleiche gesellschaftliche Besser- bzw. Schlechterstellung von Menschen entlang hierarchischer Schichtungsmerkmale wie Einkommen, beruflicher Status und formaler Bildungsabschluss (sozioökonomischer Status) → viel davon obere Schicht, wenig davon untere Schicht
Auf der Folie: Bezeichnet die Ungleichheit einer in sozialen Schichten unterteilbaren Gesellschaft- die Ungleichheit der sozialen Ungleichen.
Was bedeutet Soziale Ungleichheit? Nach Hradil (1999)
Wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den „wertvollen Gütern“ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten.
Wertvolle Güter zum Beispiel: Geld, Bildung, kulturelle Teilhabe, Wohnraum. Gesundheit, Infrastruktur, Technologien (Individuell je nach Gesellschaft)
Horizontale Ungleichheit
Die Ungleichheit zwischen Individuen innerhalb derselben sozialen Schicht bzw. Statusgruppe, basierend auf Merkmalen wie Geschlecht, Familienstand, Staatsangehörigkeit oder Religion.
Was ist der Unterschied zwischen der Vertikalen und horizontalen Ungleichheit?
Vertikale Ungleichheit ist zwischen verschiedenen sozialen schichten, die horizontale unterschiede innerhalb einer sozialen Schicht
Kapitalformen nach der Theorie von Bourdieu
Die drei von Pierre Bourdieu beschriebenen Ressourcenklassen: Ökonomisches Kapital (Einkommen, Vermögen und Besitz), kulturelles Kapital (Bildung, Wissen, Titel, verinnerlichte Fähigkeiten und Geschmack) und soziales Kapital (Netzwerke, Beziehungen, Gruppenzugehörigkeiten).
Habitus (Bourdieu)
Verinnerlichte Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster ('strukturierte und strukturierende Struktur'), die als Endprodukt der Sozialisation Lebensstile sowie gesundheitsbezogene Verhaltensweisen prägen.
Strukturierte: Der Habitus wird durch die bisherigen Lebensbedingen geprägt
Strukturierende: Der Habitur beeinflusst wiederum, wie wir denken, entscheiden und Handeln
Was besagt die Theorie von Bourdieu?
Die drei Kapitalarten (Ökonomisches, Kulturelles und soziales) beeinflussen die Lebensbedingungen eines Mesnchen. Diese prägen über die Sozialisation seinen Habitus. Der Habitus beeinflusst wiederum seine alltäglichen Verhaltensweisen und damit auch seine Gesundheit.
Je nachdem wie stark das Kapital ausgeprägt ist, desto höher ist wahrscheinlich sein gesellschaftlicher Stand. → Gesundheitsverhalten ist kein reiner Willensakt, sondern Ausdruck sozialer Lage und Habitus.
Wie wird Armut definiert?
Keine Allgemeingültige Definition, Unterscheidung in drei Verständnisse:
1) Absolute Armut: es fehlen die Mittel zum Physischen Überleben → Für Deutschland im siebten Armuts- und reichtumsbericht der Bundesregierung kein passender Maßstab
2) Relative Armut: jemand hat im Vergleich zu den mittleren Standards der Gesellschaft nur geringe Ressourcen
3) politisch- normative Armut: jemand hat Anspruch auf Grundsicherung
Vier Wege der Krankheitsentstehung (Mielck)
Das Wirkmodell nach Andreas Mielck, das zeigt, wie Belastungen, Ressourcen, medizinische Versorgung und individuelles Verhalten zusammenwirken, wobei das Gesundheitsverhalten als Ergebnis der ersten drei Wege begriffen wird.
Der Weg des Verhaltens wird am häufigsten adressiert, ist aber am wenigsten wirksam, solange die drei ersten unverändert bleiben.
Präventionsdilemma
Das Problem, dass verhaltensorientierte Präventions- und Gesundheitsförderungsangebote vor allem statushohe Gruppen erreichen und jene benachteiligten Gruppen verfehlen, die den größten Bedarf aufweisen.
→ wichtig: verhaltensorientierte Präventionsmaßnahmen
→ müssen so gestaltet werden, dass sie jede erreichen zum Beispiel in der Schule
Wie verhält sich der Unterschied der niedrigsten und der höchsten Einkommensgruppe im Bezug auf die Lebenserwarung?
Niedrigere Lebenserwartung in niedrigeren Einkommesstufen
Bei Männern 8,6 Jahre, bei Frauen 4,4 Jahre
→ steigende Zahl
Relative Armut
Ein Zustand, bei dem eine Person im Vergleich zum mittleren Lebensstandard einer Gesellschaft über so geringe finanzielle und materielle Ressourcen verfügt, dass die gesellschaftliche Teilhabe stark eingeschränkt ist.
Sex (Biologisches Geschlecht)
Die biologisch determinierten Merkmale eines Organismus, definiert durch Chromosomen (Gene), hormonelle Ausstattung (Gonaden) und die Morphologie der inneren und äußeren Geschlechtsorgane (Genitalien).
Was sind Determinanten?
Einflussfaktoren, die die Gesundheit eines Menschen oder einer Bevölkerung beeinflussen.
Gender (Soziales Geschlecht)
Die soziokulturell geprägten Dimensionen des Geschlechts, bestehend aus individueller Identität, Rollennormen, strukturellen Machtverhältnissen und institutionellen Erwartungen.
Androzentrismus in der Medizin
Die historische Fixierung der medizinischen Forschung und Lehre auf den männlichen Körper als Norm (männliche Zellen, Tiere und Probanden), die zur Unterrepräsentation weiblicher Physiologie und Pathologie führte.
Yentl-Syndrom
Das von Bernadine Healy (1991) beschriebene Phänomen, wonach Frauen mit kardiovaskulären Erkrankungen häufig erst dann adäquat diagnostiziert und behandelt werden, wenn sie dem männlichen Mustersymptom entsprechen.
Krankenrolle (nach Parsons)
Das strukturfunktionalistische Modell von Talcott Parsons (1951), das die Krankenrolle über zwei Rechte (Befreiung von Rollenpflichten, keine Schuld am Zustand) und zwei Pflichten (Wille zur Genesung, Inanspruchnahme fachkundiger Hilfe) definiert.
Contergan-Katastrophe
Ein Arzneimittelskandal um 1960, bei dem das Beruhigungsmittel Thalidomid schwere Fehlbildungen bei Föten auslöste, da die Plazenta fälschlicherweise als undurchlässige Barriere für Wirkstoffe angesehen worden war.
Demografie
Die wissenschaftliche Untersuchung menschlicher Bevölkerungen bezüglich ihrer Größe, ihrer Zusammensetzung sowie ihrer Veränderung durch Fertilität, Mortalität und Migration.
Demographische Muster machen Unterschiede zwischen Bevölkerungssgruppen sichtbar und dienen der Politik als Entscheidungsgrundlage.
Totale Geburtenrate (Total Fertility Rate)
Die durchschnittliche Anzahl der Kinder, die eine Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren im Laufe ihres Lebens zur Welt bringen würde, berechnet anhand der aktuellen altersspezifischen Geburtenraten.
Rohe Geburtenrate (Crude Birth Rate)
Die demografische Kennziffer, die angibt, wie viele Lebendgeborene innerhalb eines Kalenderjahres auf 1.000 Einwohner einer Gesamtbevölkerung entfallen.
Reproduktionsniveau der Fertilität
Die Geburtenziffer von durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau, die erforderlich ist, damit eine Generation die Eltern generationenübergreifend zahlenmäßig ohne Zuwanderung ersetzt.

Mopedhügel
Der statistisch beobachtbare Anstieg der altersspezifischen Sterbewahrscheinlichkeit bei jungen Männern im Alter von ca. 15 bis 25 Jahren infolge von Unfällen, riskantem Fahrverhalten und Suiziden.
Demografische Transition
Das Modell des fünfphasigen Übergangs einer Gesellschaft von hohen Geburten- und Sterberaten über ein starkes Bevölkerungswachstum hin zu niedrigen Geburten- und Sterberaten.
Epidemiologische Transition
Das Konzept nach Abdel Omran (1971), das den historischen Wandel der primären Todesursachen von dominierenden Infektionskrankheiten hin zu chronisch-degenerativen Krankheiten beschreibt.
Dreifaches Altern
Die Alterung einer Bevölkerung, gekennzeichnet durch den Anstieg der absoluten Zahl Älterer (>60 Jahre), die relative Zunahme Älterer gegenüber Jüngeren und die Zunahme der Hochaltrigen.
Kompressionsthese
Die Annahme von James Fries (1980), dass durch verbesserte Lebensbedingungen und Prävention der Beginn chronischer Krankheiten nach hinten verschoben wird und die Krankheitsphase am Lebensende schrumpft ('compression of morbidity').
Medikalisierungsthese
Die Annahme nach Gruenberg (1977) und Verbrugge (1984), dass gewonnene Lebensjahre durch medizinisch-technische Lebensverlängerung überwiegend in Multimorbidität, chronischer Krankheit und Pflegebedürftigkeit verbracht werden ('expansion of morbidity').
Bi-Modalitätsthese
Die These, dass die Chance, gewonnene Lebensjahre in Gesundheit zu verbringen, sozial ungleich verteilt ist und alternde Gesellschaften in gesundheitliche Gewinner und Verlierer spaltet.
Soziale Determinanten der Gesundheit
Nichtmedizinische Faktoren und Lebensbedingungen, unter denen Menschen geboren werden, aufwachsen, arbeiten, leben und altern. Sie werden durch die Verteilung von Geld, Macht und Ressourcen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene geprägt und sind hauptverantwortlich für vermeidbare gesundheitliche Ungleichheiten.

Modell der sozialen Determinanten nach Dahlgren und Whitehead (1991)
Ein schichtenförmiges Modell ('Regenbogen'), das Einflussfaktoren auf die Gesundheit darstellt: von unveränderlichen biologischen Merkmalen im Zentrum über individuelle Lebensweisen, soziale und kommunale Netzwerke sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen bis hin zu allgemeinen sozioökonomischen, kulturellen und physischen Umweltbedingungen.
Soziale Ungleichheit (nach Hradil 1999)
Liegt vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den 'wertvollen Gütern' einer Gesellschaft (wie Bildung, Einkommen, Vermögen, Gesundheit oder Wohnraum) regelmäßig mehr erhalten als andere.
Vertikale Ungleichheit
Ungleichheit zwischen hierarchisch geordneten sozialen Schichten in einer Gesellschaft ('Ungleichheit der sozial Ungleichen'), bestimmt durch Dimensionen des sozioökonomischen Status wie Einkommen, Beruf und Bildung.
Horizontale Ungleichheit
Ungleichheit innerhalb derselben sozialen Schicht ('Ungleichheit der sozial Gleichen'), die auf Merkmalen wie Geschlecht, Familienstand, Staatsangehörigkeit oder Religion beruht.
Sozialer Gradient
Der Befund, dass gesundheitliche Unterschiede und Krankheitslasten nicht sprunghaft eine isolierte Randgruppe treffen, sondern sich stufenweise und kontinuierlich durch alle Statusgruppen der gesamten Gesellschaft ziehen.
Kapitalformen nach Bourdieu
Drei Formen gesellschaftlicher Ressourcen: Ökonomisches Kapital (Einkommen, Vermögen, Besitz), Kulturelles Kapital (Bildung, Wissen, akademische Titel, inkorporierte Fähigkeiten) und Soziales Kapital (Netzwerke, Beziehungen, Gruppenzugehörigkeiten).
Habitus (nach Bourdieu)
Verinnerlichte Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsschemata eines Menschen, die als 'strukturierte und strukturierende Struktur' das Endprodukt der Sozialisation bilden und Lebensstilentscheidungen (z. B. Ernährung, Bewegung, Krankheitsbewältigung) prägen.
Armutsdimensionen (Siebter Armuts- und Reichtumsbericht)
Drei Formen des Mangels an Mitteln: Absolute Armut (Fehlen der Mittel zum physischen Überleben), Relative Armut (Mangel an Ressourcen im Vergleich zum mittleren Lebensstandard der Gesellschaft) und Politisch-normative Armut (Vorliegen eines gesetzlichen Anspruchs auf staatliche Grundsicherung).
Vier Wege der Krankheitsentstehung (nach Mielck)
Erklärungsmodell, nach dem Belastungen, Ressourcen und Versorgung zusammenwirken und das individuelle Gesundheitsverhalten formen. Verhalten ist dabei das Ergebnis der ersten drei Wege und nicht deren alleinige Ursache.
Präventionsdilemma
Das Problem, dass verhaltensorientierte Präventionsangebote überproportional häufig von Menschen mit ohnehin gutem sozioökonomischem Status genutzt werden, während sozial benachteiligte Gruppen mit höherem Bedarf seltener erreicht werden.
Public Health (DGPH 2012)
Wissenschaft und Praxis zur Vermeidung von Krankheiten, Verlängerung des Lebens und Förderung von physischer sowie psychischer Gesundheit der Bevölkerung durch organisiertes gesellschaftliches Handeln, gerechte Ressourcenverteilung und effiziente Ressourcennutzung.
Multidisziplinarität
Das nebeneinander erfolgende Arbeiten mehrerer Fachdisziplinen an einem gemeinsamen Gegenstand oder Thema ohne methodische Verschmelzung.
Interdisziplinarität
Die enge Kooperation unterschiedlicher Fachdisziplinen, bei der wissenschaftliche Methoden, Theorien und Vorgehensweisen gezielt miteinander verknüpft werden.
McKeown-These (1976)
Historisch-epidemiologischer Nachweis, dass der massive Rückgang von Infektionskrankheiten wie der Lungentuberkulose bereits lange vor der Einführung spezifischer medizinischer Maßnahmen (wie Chemotherapie oder BCG-Impfung) primär durch verbesserte Lebens-, Hygiene- und Ernährungsbedingungen erfolgte.

Gesundheitspyramide nach Thomas R. Frieden (2015)
Konzept zur Wirksamkeit von Public-Health-Interventionen: Maßnahmen an der Basis der Pyramide (Veränderung sozioökonomischer Faktoren) erreichen die größte Bevölkerungszahl zu den geringsten Pro-Kopf-Kosten im Vergleich zu individualmedizinischen Interventionen an der Spitze.
Sex (Biologisches Geschlecht)
Die biologischen Merkmale eines Organismus, gegliedert in genetische Faktoren (Art und Anzahl der Sexualchromosomen), Gonaden (Keimdrüsen und Sexualhormone) sowie Genitalien (morphologische Ausprägung der äußeren und inneren Geschlechtsorgane).
Gender (Soziales Geschlecht)
Die gesellschaftlich konstruierten Dimensionen des Geschlechts, bestehend aus individueller Geschlechtsidentität, gesellschaftlichen Rollen und Normen, institutionalisierten Regelungen sowie geschlechtsspezifischen Macht- und Partizipationsverhältnissen.
Androzentrismus in der Gesundheitsforschung
Die historische Praxis, den männlichen Körper als universelle Norm klinischer Forschung zu betrachten (mittels männlicher Zellen, Versuchstiere und Probanden), während Frauen unter anderem wegen Zyklusschwankungen oder fruchtbarkeitsbezogenen Schutzannahmen ausgeschlossen wurden.
Contergan-Skandal (Thalidomid)
Medizinisches Desaster um 1960, bei dem tausende Kinder mit schweren Gliedmaßenfehlbildungen geboren wurden, weil das Beruhigungsmittel Thalidomid an Schwangeren eingesetzt worden war unter der fehlerhaften Annahme, die Plazenta sei eine undurchlässige Schutzbarriere.
Yentl-Syndrom (Bernadine Healy 1991)
Das Phänomen in der Kardiologie, dass Frauen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig erst dann dieselbe diagnostische und therapeutische Aufmerksamkeit erhalten wie Männer, wenn sich ihr Krankheitsbild an typisch männliche Manifestationen anpasst.
Arzt-Patienten-Geschlechterkonkordanz (Greenwood et al. 2018)
Der wissenschaftliche Befund, dass Frauen mit akutem Myokardinfarkt eine messbar höhere Überlebenswahrscheinlichkeit aufweisen, wenn sie von Ärztinnen statt von männlichen Ärzten behandelt werden.
Krankenrolle nach Talcott Parsons (1951)
Soziologisches Modell, das Kranksein als rollenspezifischen Zustand definiert mit zwei Rechten (Befreiung von regulären Pflichten; Schuldlosigkeit am Zustand) und zwei Pflichten (aktives Streben nach Genesung; Inanspruchnahme fachkundiger Hilfe).
Demografie (nach Mather et al. 2021)
Die wissenschaftliche Untersuchung menschlicher Bevölkerungen hinsichtlich ihrer Größe, ihrer strukturellen Zusammensetzung und ihrer dynamischen Veränderung durch Geburten (Fertilität), Sterbefälle (Mortalität) und Wanderungsbewegungen (Migration).
Totale Geburtenrate (Total Fertility Rate)
Die durchschnittliche Anzahl von Kindern, die eine Frau im Laufe ihres reproduktiven Alters (definiert von 15 bis 49 Jahren) gebären würde, wenn die altersspezifischen Geburtenraten eines bestimmten Kalenderjahres unverändert blieben.
Rohe Geburtenrate (Crude Birth Rate)
Demografische Kennzahl, die angibt, wie viele Lebendgeborene innerhalb eines Kalenderjahres bezogen auf 1.000 Einwohner einer Bevölkerung zur Welt kommen.
Reproduktionsniveau
Der Wert der zusammengefassten Geburtenziffer von durchschnittlich etwa 2,1 Kindern pro Frau, der in Industrieländern erforderlich ist, um eine Bevölkerung ohne Zuwanderung langfristig quantitativ konstant zu halten.
Fernere Lebenserwartung
Die durchschnittliche Zahl an weiteren Lebensjahren, die Personen ab dem Erreichen eines bestimmten Alters (beispielsweise mit 65 oder 80 Jahren) statistisch noch verbleiben, da frühere Lebensrisiken bereits erfolgreich überlebt wurden.
Diese ist höher als die Lebenserwartung bei der Geburt, da bestimmte Lebensrisiken bereits überlebt wurden.
Mopedhügel
Der in Sterbetafeln sichtbare Anstieg der Sterbewahrscheinlichkeit bei jungen Männern beim Übergang ins Erwachsenenalter (zwischen circa 15 und 25 Jahren), vorrangig verursacht durch risikoreiches Verhalten und Verkehrsunfälle.

Erkläre die Entwicklung der totalen Geburtenrate seit 1901 mit relevanten Einschnitten?
Jeanne Calment (1875–1997)
Die französische Supercentenarian, die mit einer amtlich dokumentierten Lebensspanne von 122 Jahren und 164 Tagen die bis heute am gründlichsten wissenschaftlich verifizierte älteste Person der Menschheitsgeschichte darstellt.