1/32
Vokabel-Lernkarten zu den Grundannahmen, Entwicklungsstufen, Schlüsselbegriffen, Untersuchungsmethoden und Kritiken der kognitiven Entwicklungstheorie von Jean Piaget.
Name | Mastery | Learn | Test | Matching | Spaced | Call with Kai | Chat |
|---|
No analytics yet
Send a link to your students to track their progress
Interiorisation
Die Verinnerlichung von Handlungen. Laut Piaget muss ein Kind eine Handlung zuerst real handelnd ausprobiert haben, bevor es sie logisch im Kopf durchdenken kann.
Konstruktivistisches Menschenbild
Die Auffassung, dass der Mensch kein passiver Empfänger ist, sondern als aktives Subjekt sein Wissenssystem, sein Denken und sein Weltbild durch Sortieren und Verarbeiten von Erfahrungen selbst konstruiert.
Kognitives Schema
Ein spezifisches Verhaltens- oder Denkmuster für ein bestimmtes Thema, das sich durch neue Erfahrungen schnell und flexibel verändert (Metapher: ein einzelnes Buch in einer Bibliothek).
Kognitive Struktur
Das gesamte neuronale Netzwerk, in dem alle kognitiven Schemata organisiert und miteinander verknüpft sind; entwickelt sich langsam in großen Entwicklungsstufen (Metapher: die gesamte Bibliothek).
Adaptation
Der Prozess der Anpassung an die Umwelt, bei dem bestehende kognitive Schemata erweitert, verändert oder neu gebildet werden, um neue Umweltreize adäquat zu verarbeiten.
Assimilation
Eine Form der Adaptionsleistung, bei der neue Umwelteindrücke in ein bereits vorhandenes Schema eingeordnet werden. Sie ist subjektbestimmt, da die Realität an das eigene Verständnis angepasst wird.
Akkommodation
Eine Form der Adaptionsleistung, bei der ein vorhandenes Schema verändert oder erweitert wird, um eine neue Situation zu bewältigen, die nicht mit dem bisherigen Schema gelöst werden kann. Sie ist objektbestimmt.
Äquilibration
Der angeborene dynamische Prozess und Motor der Entwicklung, der bei kognitiven Widersprüchen (Disäquilibrium) nach der Wiederherstellung eines inneren Gleichgewichts (Äquilibrium) auf höherem Komplexitätsniveau strebt.
Kreislauf der Äquilibration
Piagets vierstufiger Zyklus der kognitiven Entwicklung: 1. Gleichgewicht (Äquilibrium), 2. Kognitiver Konflikt (Disäquilibrium), 3. Ausgleich (Adaptation durch Akkommodation und Organisation), 4. Höheres Gleichgewicht.


Interpretation von Sinnesreizen
Der Prozess, bei dem Umweltreize über die Sinnesorgane an das Gehirn weitergeleitet und auf der Grundlage bisheriger Erfahrungen sowie vorhandener Schemata subjektiv gedeutet werden.
Interaktionismus
Die Auffassung, dass kognitive Entwicklung weder reine biologische Reifung noch reines Lernen aus der Umwelt ist, sondern aus dem ständigen Zusammenspiel von Reifung und aktiver Erfahrung hervorgeht.
Sensomotorische Stufe
Die erste Entwicklungsstufe nach Piaget (0 bis ca. 2 Jahre), in der der Säugling seine Welt ausschließlich über Sinneseindrücke (Sensorik) und körperliche Handlungen (Motorik) begreift.
Physikalischer Egozentrismus
Der Zustand in den ersten Lebenswochen, in dem der Säugling noch keine bewusste Unterscheidung zwischen sich selbst und Gegenständen seiner Umwelt treffen kann.
Objektkonzept / Objektpermanenz
Die in der 3. Phase der sensomotorischen Stufe (4–8 Monate) entstehende Fähigkeit zu begreifen, dass ein Gegenstand auch dann weiter existiert, wenn er nicht mehr direkt sichtbar ist.
Symbolische Repräsentation
Die am Ende der sensomotorischen Stufe (Phase 6, 18–24 Monate) beginnende Fähigkeit, konkrete Erfahrungen und Eindrücke mithilfe von Sprache und Symbolen geistig zu speichern.
Präoperationales Stadium
Die zweite Entwicklungsstufe nach Piaget (2–7 Jahre), auch 'Stadium des symbolischen Denkens' genannt, in der Sprache erworben wird und das Denken stark von Fantasie geprägt ist.
Animismus
Das Phänomen im präoperationalen Stadium, bei dem unbelebten Dingen menschliche Gefühle, Absichten oder Eigenschaften zugeschrieben werden (magisches Denken).
Finalismus
Die kindliche Annahme im präoperationalen Stadium, dass alle Erscheinungen und Ereignisse in der Natur zielgerichtet existieren und einen Zweck für den Menschen erfüllen.
Gedanklicher Egozentrismus
Die Haltung im präoperationalen Stadium, bei der das Kind die Welt ausschließlich aus der eigenen Perspektive betrachtet und nicht in der Lage ist, sich in die Sichtweise anderer Menschen hineinzudenken.
Zentrierung
Die Tendenz des Kindes im präoperationalen Stadium, sich bei einer Betrachtung auf nur ein einzelnes auffälliges Merkmal eines Gegenstandes oder Sachverhalts zu fokussieren.
Prinzip der Invarianz
Die Einsicht, dass Eigenschaften wie Menge, Volumen, Gewicht oder Anzahl gleich bleiben, selbst wenn sich die äußere Form oder Anordnung des Objekts verändert.
Seriation
Die Fähigkeit, Objekte nach einem bestimmten Merkmal (wie Größe, Länge oder Gewicht) schrittweise in eine systematische Reihenfolge zu ordnen.
Konkret-operationales Stadium
Die dritte Entwicklungsstufe nach Piaget (ca. 7–11 Jahre), in der logisches Denken, Reversibilität und Dezentrierung erworben werden, bezogen auf konkrete Objekte in der unmittelbaren Umwelt.
Reversibilität
Die kognitive Fähigkeit, eine Abfolge von gedanklichen Schritten oder Operationen im Kopf geistig wieder rückgängig zu machen.
Dezentrierung
Die Fähigkeit, bei der Betrachtung eines Sachverhalts oder im Vergleich mehrerer Elemente mehr als nur ein einzelnes Merkmal gleichzeitig zu berücksichtigen.
Formal-operationales Stadium
Die vierte Entwicklungsstufe nach Piaget (ab ca. 11 Jahren), die durch das Erreichen von abstraktem, hypothetischem und wissenschaftlichem Denken sowie Metadenken gekennzeichnet ist.
Induktives Denken
Eine Denkart des formal-operationalen Denkens, bei der aus einzelnen konkreten Beobachtungen oder Erfahrungen allgemeine Regeln aufgestellt werden.
Deduktives Denken
Eine Denkart, bei der abstrakt erkannte allgemeine Regeln gezielt auf neue Informationen, Phänomene oder Situationen übertragen werden.
Metadenken
Die Fähigkeit des Geistes zur theoretischen Reflexion über die eigenen Denkprozesse und kognitiven Abläufe.
Kritik an Piagets Forschungsmethoden (Zimbardo)
Zimbardo kritisiert, dass Piagets Aufgaben (z. B. Umschüttaufgabe) sprachliche und motorische Zusatzanforderungen stellten, wodurch das tatsächliche Verständnis kleinerer Kinder unterschätzt wurde.
Kritik nach Phillip G.
Kritik an Piagets ausschließlicher Fokussierung auf die rationale Denkweise; dadurch werde die unbewusste/intuitive Intelligenz vernachlässigt und ein verkrampfter Drang nach sofortiger Klarheit gefördert.
Kritik nach Guy Claxton
Claxton betont, dass intuitive und unbewusste Lernprozesse (implizites Wissen) auch bei Erwachsenen bestehen bleiben und Piagets einseitige Rationalität das Lernen in manchen Bereichen erschwere.
Klinisches Gespräch (Piagets Untersuchungsmethode)
Eine Methode mit offener Gesprächsführung, flexiblen Fragen, Tiefenbohrungen und Gegenfragen, um spontane Denkstrukturen von Kindern stufenweise zu untersuchen.