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Herzphysiologie, EKG (STEMI/NSTEMI) und Biomarker
Ein Patient ist nach einer Herzkatheteruntersuchung (PCI) stark kurzatmig und erschöpft, sobald er nur auf der Bettkante sitzt. Was ist die pflegefachliche Ursache (Ätiologie)?
Eine post-infarktbedingte Myokardschwäche und allgemeine körperliche Erschöpfung.
Auf welche Überlastungssymptome muss bei der Frühmobilisation eines KHK-Patienten dringend geachtet werden?
Auf Zyanose, Schwindel und kalten Schweiß.
Warum haben Patienten nach einer PCI im Akutstadium ein hohes Risiko für Obstipation?
Wegen post-interventioneller Bettruhe, mangelnder Bewegung, ungewohnter Ausscheidungssituation (Scham/fehlende Intimsphäre) und der darmträgheitsfördernden Gabe von Opioiden (z. B. Morphium).
Ein Herzpatient leidet unter Obstipation. Welcher Vorgang bei der Stuhlentleerung muss unbedingt vermieden werden und warum?
Das Valsalva-Manöver (starkes Pressen). Es erhöht den intrathorakalen Druck massiv und gefährdet das Herz durch Überlastung.
Welche pflegerischen Maßnahmen beugen einer Obstipation bei Herzpatienten (ohne Herzinsuffizienz) vor?
Angebot von ballaststoffreicher Kost, Steigerung der Trinkmenge auf 2–2,5 Liter (auch zur Kontrastmittelausscheidung) und absolute Wahrung der Intimsphäre (z. B. unterstützter Toilettengang statt Steckbecken).
Ein Patient äußert nach einem Herzinfarkt massive Zukunfts- und Re-Infarktängste. Welche pflegerische Basis-Maßnahme hat absolute Priorität?
Eine ruhige, kontinuierliche Präsenz (Nicht-Alleinlassen) sowie entängstigende Informationsvermittlung zur Erkrankung
Ab welchem Wert spricht man bei einem Erwachsenen von einer Tachykardie?
Bei einer Herzfrequenz von über 100 Schlägen/Minute.
Ab welchem Wert spricht man bei einem Erwachsenen von einer Bradykardie?
Bei einer Herzfrequenz von unter 50 Schlägen/Minute.
Was ist eine Arrhythmie?
Eine unregelmäßige Herzschlagfolge (Störung des Herzrhythmus).
Welche Gefäße führen das sauerstoffarme Blut aus der oberen und unteren Körperhälfte zum rechten Vorhof?
Die obere und untere Hohlvene (Vena cava superior und inferior).
Welches Gefäß leitet das sauerstoffarme Blut von der rechten Kammer zur Lunge?
Die Lungenarterie (Arteria pulmonalis / Truncus pulmonalis).
Welche Gefäße leiten das sauerstoffreiche Blut von der Lunge in den linken Vorhof?
Die Lungenvenen (Venae pulmonales).
Welches Gefäß pumpt das sauerstoffreiche Blut aus der linken Kammer in den großen Körperkreislauf?
Die Aorta (Hauptschlagader).
Welche Herzklappe (Segelklappe) liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Kammer?
Die Mitral- oder Bikuspidalklappe.
Welche Herzklappe (Segelklappe) liegt zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Kammer?
Die Trikuspidalklappe.
Aus welchen drei Hauptschichten besteht die Herzwand (von innen nach außen)?
Endokard (Herzinnenhaut)
Myokard (Herzmuskelschicht)
Epikard / Perikard (Herzbeutel)
Welche Funktion hat das Endokard (Herzinnenhaut)?
Es kleidet die Herzinnenräume glatt aus und sorgt für einen reibungsfreien Blutfluss ohne Gerinnselbildung.
Was befindet sich zwischen dem Epikard (Innenhaut) und dem Perikard (Außenhaut) des Herzbeutels und wozu dient es?
Ein flüssigkeitsgefüllter Spalt (seröse Höhle), der die Reibung bei den Herzbewegungen minimiert.
Welche Gefäße versorgen den Herzmuskel selbst mit Blut und wo entspringen sie?
Die Herzkranzgefäße (Koronararterien). Sie entspringen direkt oberhalb der Aortenklappe aus der Aorta.
Welche Arterie versorgt hauptsächlich die Vorder- und Seitenwand der linken Herzkammer?
Die linke Herzkranzarterie (LCA) mit ihren Ästen RIVA und RCX.
Welche Arterie versorgt neben dem rechten Herzen auch wichtige Strukturen des Reizleitungssystems (Sinus- und AV-Knoten)?
Die rechte Herzkranzarterie (RCA).
Welche Stationen durchläuft die Erregungsleitung des Herzens in der richtigen Reihenfolge?
Sinusknoten
AV-Knoten
His-Bündel
Tawara-Schenkel
Purkinje-Fasern
Welche Struktur ist der primäre, natürliche Schrittmacher des Herzens?
Der Sinusknoten (Erzeugt autonome Impulse mit einer Frequenz von ca. 60–80/min).
Was besagt das „Alles-oder-Nichts-Gesetz“ an der Herzmuskelzelle?
Ein elektrischer Reiz löst entweder gar keine Reaktion aus (unter der Reizschwelle) oder führt zu einer maximalen Kontraktion des gesamten Herzmuskels. Es gibt keine Teilkontraktionen.
Was ist eine Koronare Herzkrankheit (KHK)?
Eine Erkrankung, bei der es durch Einengung oder Verschluss der Herzkranzgefäße zu einer Durchblutungsstörung (Ischämie) des Herzmuskels kommt.
Welche kardiovaskulären Risikofaktoren sind nicht beeinflussbar?
Alter, Geschlecht (Männer erkranken früher) und genetische Disposition (familiäre Vorbelastung).
Ein Patient hat ein hohes Risiko für KHK. Welche beeinflussbaren Faktoren (Lebensstil/Erkrankungen) solltest du bei der Anamnese erheben?
Nikotinabusus, Fehlernährung / Übergewicht, Bewegungsmangel, Arterielle Hypertonie und dauerhaften psychosozialen Stress.
Welcher Grenzwert beim Waist-to-Hip-Ratio (WHR) deutet bei Männern auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin?
Ein Wert ab 0,90.
In welchen Schritten verläuft die Pathogenese der KHK?
Endothelverletzung
Ausbildung arteriosklerotischer Plaques
Einengung des Gefäßes führt zur Minderdurchblutung (Ischämie)
Sauerstoffmangel (Hypoxie) im Myokardgewebe.
Wie trägt LDL-Cholesterin zur Arteriosklerose bei?
Überschüssiges LDL dringt in die Gefäßwand ein, wird oxidiert und von Fresszellen zu Schaumzellen umgewandelt. Das triggert eine chronische Entzündung und führt zur instabilen Plaquebildung.
Ein Patient erhält Statine (Cholesterinsenker). Welches therapeutische Ziel wird damit neben der reinen LDL-Senkung verfolgt?
Statine stabilisieren bestehende arteriosklerotische Plaques (pleiotroper Effekt), sodass diese seltener aufreißen (rupturieren).
Welche klassischen Symptome zeigt ein Patient mit Angina Pectoris?
Ein plötzlich auftretendes Engegefühl (Brustenge), dumpf drückender retrosternaler Schmerz (oft mit Ausstrahlung in linken Arm, Kiefer oder Rücken), begleitet von Atemnot (Dyspnoe) und Todesangst.
Welche Faktoren können einen Angina-Pectoris-Anfall typischerweise auslösen?
Körperliche Anstrengung, psychischer Stress/Aufregung, Kälteexposition und üppige Mahlzeiten.
Ein Patient klagt beim Treppensteigen plötzlich über einen drückenden Schmerz hinter dem Brustbein, der in den linken Arm ausstrahlt, und wirkt panisch. Woran musst du zwingend denken?
An einen akuten Angina-Pectoris-Anfall oder einen beginnenden Herzinfarkt.
Was ist der Kernunterschied zwischen einer stabilen und einer instabilen Angina Pectoris?
Stabile AP: Tritt nur bei Belastung auf. Beschwerden lassen durch Ruhe oder Nitrospray innerhalb von 5–15 Minutennach.
Instabile AP: Tritt bereits in Ruhe auf (oder Erstangina/schnelle Zunahme). Beschwerden lassen durch Ruhe/Nitro kaum oder gar nicht nach (Notfallindikation!).
Eine ältere Patientin leidet akut unter unerklärlicher Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, Atemnot und starker Müdigkeit. Brustschmerzen verneint sie. Woran muss pflegerisch/medizinisch sofort gedacht werden?
An einen atypischen Herzinfarkt. Bei Frauen fehlen oft die klassischen Brustschmerzen; stattdessen stehen diese vegetativen Symptome im Vordergrund.
Was ist eine Koronarangiographie (CORO)?
Ein diagnostisches Röntgendarstellungs-Verfahren der Herzkranzgefäße mittels Kontrastmitteleinspritzung über einen Linksherzkatheter.
Was ist eine PTCA / PCI?
Ein therapeutisches Verfahren, bei dem verengte Herzkranzgefäße mittels Ballonkatheter aufgedehnt und durch einen Stent (Metallstütze) dauerhaft offengehalten werden.
Warum wird für eine PCI häufig der Zugang über die Arteria radialis (Handgelenk) gewählt?
Wegen der hohen Patientensicherheit (sehr geringes Nachblutungsrisiko). Es ist keine strenge Bettruhe erforderlich, der Patient ist sofort mobilisierbar.
Welcher anatomische Nachteil besteht beim Katheterzugang über die Arteria radialis?
Das Gefäßlumen ist sehr klein und anfällig für schmerzhafte Gefäßkrämpfe (Spasmen) während des Eingriffs.
Ein Patient erhält eine PCI über die Arteria femoralis (Leiste). Warum wird dieser Zugangsweg trotz höherer Risiken manchmal bevorzugt?
Weil das Gefäßlumen sehr groß ist und sich auch große Katheter- und Interventionsmaterialien leicht einführen lassen.
Welcher große pflegerische Nachteil besteht beim Zugang über die Arteria femoralis (Leiste)?
Ein deutlich höheres Nachblutungs- und Hämatomrisiko. Der Patient muss zwingend eine strikte, mehrstündige Bettruhe im Liegen einhalten.
Warum müssen vor einer PCI/Angiographie zwingend die Gerinnungswerte (Quick, pTT) kontrolliert werden?
Wegen des Blutungsrisikos bei der arteriellen Punktion.
Warum ist der Kreatininwert (Nierenwert) vor einer Herzkatheteruntersuchung entscheidend?
Da das verwendete Kontrastmittel nephrotoxisch sein kann und über die Nieren ausgeschieden werden muss.
Warum muss vor einer PCI der TSH-Wert (Schilddrüse) bekannt sein?
Da das Kontrastmittel Jod enthält und bei vorbelasteten Patienten eine lebensbedrohliche Thyreotoxikose auslösen kann.
Welche körperlichen Vorbereitungen müssen bei einem Patienten vor einer PCI getroffen werden?
Punktionsstelle rasieren (Leiste bds. oder Handgelenk), venösen Zugang legen, Nüchternheit sicherstellen und bestimmte Medikamente nach Arztanordnung pausieren.
Warum müssen vor einer Herzkatheteruntersuchung (Leiste) die Fußpulse im Seitenvergleich getastet und markiert werden?
Dies ist zwingend erforderlich für die Post-Interventionskontrolle, um später einen durch den Katheter ausgelösten akuten Gefäßverschluss im Bein schnell erkennen zu können.
Ein Patient kommt nach einer PCI über die Arteria femoralis auf Station. Welche Vorgabe gilt für die Lagerung?
Strikte Bettruhe einhalten. Das betroffene Bein muss absolut gestreckt bleiben.
Ein Patient nach PCI (Leistenzugang) hat einen Druckverband. Worauf musst du die Punktionsstelle engmaschig kontrollieren?
Auf Nachblutungen, Durchfeuchtung des Verbands und sich ausbreitende Hämatome (Gefahr eines retroperitonealen Hämatoms).
Welche Parameter werden bei der Durchblutungs- und Neurologiekontrolle (DMS-Schema) der betroffenen Extremität nach einer PCI geprüft?
Durchblutung (Tasten der markierten Pulse, Hautfarbe, Temperatur)
Motorik
Sensibilität
Ein Patient klagt nach einer PCI (Leiste) über ein kaltes, blasses Bein, und der zuvor markierte Fußpuls ist nicht mehr tastbar. Woran musst du sofort denken?
An einen akuten arteriellen Gefäßverschluss.
Ein kardiologisch stabiler Patient ist nach einer PCI mit Kontrastmittelgabe zurück auf Station. Zu welcher Maßnahme forderst du ihn auf und warum?
Zum reichlichen Trinken. Das nephrotoxische Kontrastmittel muss schnell über die Nieren ausgeschwemmt werden.
Ein Patient mit strikter Bettruhe nach Leisten-PCI verspürt Harndrang. Was ist pflegerisch zu beachten?
Er darf nicht aufstehen. Ihm wird ein Steckbecken oder eine Urinflasche gereicht. Dabei müssen Schutzzonen eingerichtet und die Intimsphäre absolut gewahrt werden.
Warum kann es während der Durchführung einer PCI im Herzkatheterlabor plötzlich zu Kammerflimmern kommen?
Durch die mechanische Reizung des Herzmuskels mit dem Katheterdraht.
Welche Gefäßkomplikationen können direkt an der Punktionsstelle einer PCI auftreten?
Dissektionen (Gefäßwandrisse), Thrombosen, Embolien oder die Entstehung eines Aneurysma spurium (falsches Aneurysma).
Wann ist eine medikamentöse KHK-Therapie (ohne PCI/Bypass) primär indiziert?
Bei einer stabilen, klinisch milden KHK ohne hochgradige Stenosen.
Was ist eine Bypass-Operation (Aortokoronaler Bypass)?
Eine herzchirurgische Operation, bei der Gefäßverengungen (Stenosen) mittels körpereigener Gefäße (Venen oder Arterien) überbrückt werden.
Bei welchen Patienten ist eine Bypass-Operation (statt einer PCI) indiziert?
Bei einer komplexen Mehrgefäß-KHK oder bei Hauptstammstenosen.
Wann wird eine Thrombolysetherapie (Lyse) bei einem Herzinfarkt heute überhaupt noch angewendet?
Nur als Notfalloption, wenn zeitnah (innerhalb von 90–120 Minuten) kein Herzkatheterlabor erreichbar ist.
Welche Kontraindikationen sprechen absolut gegen eine Thrombolysetherapie (Lyse)?
Frische Operationen, stattgehabte intrazerebrale Blutungen, schwere Traumata oder nicht einstellbare arterielle Hypertonie.
Warum kommt es nach einem massiven Herzinfarkt zu einem kardiogenen Pumpversagen (kardiogener Schock)?
Die abgestorbene Herzmuskelmasse ist so groß, dass die verbleibende Pumpleistung nicht mehr ausreicht, um das Minimal-Herzzeitvolumen aufrechtzuerhalten. Es folgt eine kritische Minderdurchblutung aller Organe.
Was bedeutet Kammerflimmern mechanisch für den Patienten und welche Maßnahme hat Priorität?
Mechanisch bedeutet Kammerflimmern einen sofortigen Herzstillstand. Absolute Priorität haben unverzügliche Reanimation und Defibrillation.
Was ist Koronarsport?
Eine medizinisch verordnete, ärztlich überwachte Bewegungstherapie in Gruppen zur langfristigen Stabilisierung und Sekundärprävention.
Welche körperliche Voraussetzung (Belastbarkeit) wird für die Teilnahme am Koronarsport gefordert?
Eine schmerz- und ischämiefreie Ergometer-Belastbarkeit von mindestens 1 Watt/kg Körpergewicht.
Welche Befunde im Belastungs-EKG sind ein Ausschlusskriterium für den Koronarsport?
Ischämische Zeichen (wie ST-Streckensenkungen oder Angina Pectoris).
Welche psychosozialen Ziele verfolgt der Koronarsport nach einem ACS?
Entängstigung (Abbau von Ängsten), Stärkung des Selbstvertrauens in den Körper, Krankheitsakzeptanz und soziale Integration.
Welche drei strengen Sicherheitsvoraussetzungen müssen beim Koronarsport (Personal/Material) zwingend erfüllt sein?
Speziell qualifizierter Übungsleiter mit Herzsportlizenz
Ständige Anwesenheit eines Arztes
Vollständige Notfall- und Reanimationsausstattung (inkl. AED)