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Lingua tedesca I: fonetica, morfologia e sintassi
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Germanistik
Umfasst germanistische Linguistik, deutsche Literaturwissenschaft (Untersuchung von Texten, Büchern und Autoren) und Mediävistik (Sprache und Literatur des Mittelalters).
Grammatik (polysemer Begriff)
Kann bedeuten: (1) Norm/Regeln einer Sprache; (2) Buch mit Sprachregeln; (3) in der Linguistik: strukturelle Beschreibung, wie eine Sprache aufgebaut ist und funktioniert.
Phonetik/Phonologie (Teilbereich der Grammatik)
Untersucht die Laute einer Sprache und wie sie zusammen funktionieren.
Morphologie (allgemein)
Teilbereich der Grammatik, der untersucht, wie Wörter aufgebaut sind und gebildet werden.
Syntax (allgemein)
Teilbereich der Grammatik, der untersucht, wie Wörter zu Phrasen und Sätzen kombiniert werden.
Zwiebelmodell der sprachlichen Ebenen
Modell, das zeigt, dass Sprache aus mehreren Schichten besteht: Phonologie/Morphologie/Lexikon im Zentrum, dann Syntax, Semantik, Pragmatik, und außen Gesellschaft, Sprachpolitik, Sprachkontakt.
Semantik
Untersucht die feste Bedeutung von Wörtern, ohne Kontext.
Pragmatik
Untersucht, was man mit Sprache in der Realität machen kann und wie man sie benutzt, z. B. Höflichkeitsformen.
Sprachpolitik
Ein Staat regelt den Gebrauch der Sprache und wählt die offizielle Sprache.
Sprachkontakt
Sprachen können sich gegenseitig beeinflussen (z. B. Einfluss des Englischen auf das Deutsche).
Synchron
Man untersucht die Sprache, wie sie heute ist.
Diachron
Man untersucht die Geschichte und Entwicklung der Sprache.
Amtssprache
Offizielle Sprache, die institutionell verwendet wird.
Minderheitensprache
Sprache, die von einer Minderheit gesprochen wird (z. B. Zimbrisch und Bersntolerisch in Italien).
Vollzentrum
Land, in dem Deutsch die Hauptsprache ist und auch offiziell verwendet wird (Deutschland, Österreich, Schweiz).
Halbzentrum
Land oder Region, in der Deutsch nur eine von mehreren Sprachen ist oder nur eine Region Deutsch spricht (Liechtenstein, Belgien, Luxemburg, Südtirol).
Varietät
Eine Form einer Sprache, zum Beispiel ein Dialekt oder die Standardsprache.
Variante
Verschiedene Formen innerhalb einer Varietät.
Dialekt
Eine Sprache bzw. Sprachform einer Sprache mit eigenen Regeln; vollwertige Sprache, die die Standardsprache beeinflussen kann.
Indoeuropäische (indogermanische) Sprachen
Sprachfamilie, zu der die meisten Sprachen Europas bis Indien gehören; charakterisiert durch (historisch) stark ausgeprägte Deklination und Konjugation.
Germanische Sprachen
Schicht der indoeuropäischen Sprachen, aus der Deutsch hervorgegangen ist (Indoeuropäisch → Germanisch → Deutsch).
Erste Lautverschiebung
Veränderung des Konsonantensystems, die die germanischen Sprachen von den anderen indoeuropäischen unterscheidet; Laute wurden weniger okklusiv (z. B. lat. pater vs. dt. Vater [p]→[f]).
Akzentwandel
Entwicklung des typischen germanischen Akzentmusters, des Trochäus (akzentuierte + nicht-akzentuierte Silbe), z. B. MOnat, LIEbe.
Trochäus
Akzentmuster: akzentuierte Silbe + nicht-akzentuierte Silbe, typisch für germanische Sprachen.
Reduzierung der Kasusformen
Historische Vereinfachung des germanischen Kasussystems; alte Formen bleiben als sprachliche Fossilien (z. B. nach Hause).
Starke Verben
Verben, die den Stammvokal ändern (Ablaut) und das Partizip II auf -en bilden (z. B. singen–sang–gesungen); älter als schwache Verben, gehören zum Grundwortschatz.
Schwache Verben (historisch)
Regelmäßige Verben, die Präteritum und Partizip II mit einem dentalen Laut (-te/-t bzw. ge-…-t) ohne Änderung des Stammvokals bilden (z. B. lernen–lernte–gelernt).
Westgermanische Sprachen
Gruppe, zu der Deutsch, Englisch, Niederländisch gehören.
Nordgermanische Sprachen
Gruppe, zu der Schwedisch, Norwegisch, Isländisch gehören.
Zweite Lautverschiebung
Veränderung bestimmter germanischer Konsonanten im Deutschen, die das Deutsche vom Englischen und Niederländischen unterscheidet (z. B. /p/→/pf/, /t/→/ts/, /k/→/x/, /d/→/t/).
Periodisierung des Deutschen
Konventionelle Phasen: Althochdeutsch (500–1050), Mittelhochdeutsch (1050–1350), Frühneuhochdeutsch (1350–1650), Neuhochdeutsch (ab 1650).
Mundart
Synonym für Dialekt, regionale Varietät des Deutschen.
Umgangssprache
Informelle Verwendung der Sprache.
Gruppensprache
Sprache mit einer einzigen Lexik, die innerhalb einer eigenen sozialen Gruppe verwendet wird (z. B. im Freundeskreis).
Standardsprache
Über Mundarten, lokalen Umgangssprachen und Gruppensprachen stehende, allgemein verbindliche Sprachform; gesprochene und geschriebene Erscheinungsform der Hochsprache; funktioniert als Amtssprache.
Plurizentrische Sprache
Sprache mit mehreren Zentren (Nationen/Regionen); das Deutsche hat drei Zentren: Deutschland, Österreich, Schweiz.
Austriazismus
Nationale Variante des Deutschen, typisch für Österreich (z. B. der Erdapfel für „Kartoffel").
Helvetismus
Nationale Variante des Deutschen, typisch für die Schweiz (z. B. das Velo für „Fahrrad").
Teutonismus
Nationale Variante des Deutschen, typisch für Deutschland (z. B. der Friseur).
Herkunft der Varianten
Varianten können aus der Verwaltungssprache, aus dem dialektalen Substrat oder aus Kontaktsprachen entstehen.
Modellsprecher/-schreiber
Personen, deren Sprache als Vorbild gilt (Schriftsteller, Journalisten, Sprecher in den Medien); ihre Texte heißen Modelltexte.
Normautoritäten
Personen oder Institutionen, die die Sprache korrigieren und bewerten (z. B. Lehrer).
Sprachkodex (Kodifizierer)
Die festen Regeln einer Sprache für Grammatik, Rechtschreibung und Wortgebrauch (z. B. Duden).
Sprachexperten (Fachurteile)
Fachleute (Linguisten), die sich wissenschaftlich mit Sprache beschäftigen und fachliche Urteile geben.
Asymmetrie der Zentren
Die Zentren des Deutschen haben nicht dieselbe Wichtigkeit; Deutschland dominiert bei der Kodifizierung, die für die anderen Vollzentren lückenhaft ist.
Mediale Diglossie
Situation, in der die verwendete Sprachform vom Kommunikationsmedium abhängt (Schreiben vs. Sprechen); typisch für die Deutschschweiz (Hochdeutsch schreiben, Schweizerdeutsch sprechen).
Schweizerdeutsch
Gruppe alemannischer Dialekte, die in der Schweiz hohes Prestige haben und auch in Werbung, Fernsehen, Radio und Alltag verwendet werden.
Phonetik
Beschreibt die materielle Seite des Sprechens und Hörens (Produktion, Übertragung, Wahrnehmung von Lauten); naturwissenschaftlich orientierte Methoden; Grundeinheit: das Phon, in eckigen Klammern [ ].
Phonologie
Untersucht die Funktion und Position der Laute im Lautsystem als bedeutungsunterscheidende Einheiten; geisteswissenschaftlich orientierte Methoden; Grundeinheit: das Phonem, in Schrägstrichen / /.
Phon/Laut
Konkrete sprachliche Einheit (Phänomen der Parole/Performanz), z. B. [r], [R].
Phonem
Abstrakte Einheit des Sprachsystems (Phänomen der Langue/Kompetenz), die Bedeutungen unterscheidet, z. B. /r/.
IPA (International Phonetic Association)
Internationales System zur phonetischen Transkription, entwickelt, weil es keine direkte Relation zwischen Buchstaben und Lauten gibt.
Knacklaut
Laut [ʔ], realisiert am Anfang eines Wortes, das mit Vokal beginnt, oder bei jeder akzentuierten Silbe, die mit Vokal beginnt (z. B. Apfel, Theʔater).
Plosiv/Okklusiv
Konsonant, bei dem der Luftstrom vollständig blockiert wird (Synonyme: Plosiv, Okklusiv).
Frikativ
Konsonant, bei dem die Luft nur leicht blockiert wird.
Affrikate (Doppellaut)
Kombination aus einem Plosiv und einem Frikativ (z. B. [pf] in Pferd, [ts] in Zeit, [tʃ] in Matsch).
Nasal
Konsonant, bei dem die Luft durch die Nase geht (z. B. [m] Mutter, [n] Nase, [ŋ] Ring).
Lateral
Konsonant, bei dem die Luft an den Seiten der Zunge vorbeigeht (z. B. [l] Laut).
Vibrant
Konsonant, bei dem ein Teil des Mundes vibriert (z. B. uvularer Vibrant [R] in Ring); der alveolare Vibrant [r] ist im Standarddeutschen nicht vorhanden, aber typisch für bestimmte Dialekte (Bayern, Schweiz).
Auslautverhärtung
Phonologischer Prozess: ein stimmhafter Laut am Wortende wird stimmlos (z. B. Leiden [d] vs. leid [t]; schreibe [b] vs. schreib [p]).
Komplementäre Distribution
Zwei Phone können nie an derselben Position stehen (z. B. [ç] und [x] als Realisierungen des Phonems /ç/, abhängig vom vorangehenden Laut).
Freie Variation
Verschiedene Phone (z. B. [r], [R], [ʁ]) bilden keine funktionalen Oppositionen und gehören zum gleichen Phonem.
Vokaltrapez (Vokaldreieck)
Schema zur Klassifizierung der Vokale nach Zungenlage (vorne, zentral, hinten) und Zungenhöhe (hoch/geschlossen, mittel, tief/offen); hat Trapezform, weil hohe Vokale mehr Variationsmöglichkeiten zeigen als tiefe.
Zungenposition
Kriterium zur Vokalbeschreibung: vorne, in der Mitte oder hinten.
Gespanntheit
Kriterium zur Vokalbeschreibung: gespannte Vokale sind meist lang, ungespannte Vokale sind meist kurz (z. B. Miete vs. Mitte).
Lippenrundung
Kriterium zur Vokalbeschreibung: ob die Lippen gerundet [o] oder nicht gerundet [a] sind.
Minimalpaar
Wörter, die sich nur in einem Laut unterscheiden und zeigen, dass dieser Laut einen Bedeutungsunterschied macht (z. B. fühlen–füllen, bieten–bitten).
Schwa
Vokal [ə] in der Mitte des Vokalraums, produziert bei Ruhestellung der Artikulationsorgane; steht typischerweise am Ende von Wörtern (z. B. müde, gehe); wichtiger Vokal für das Deutsche.
Tief-Schwa (vokalisiertes r)
Dem Schwa ähnlicher, aber geöffneter artikulierter Vokal [ɐ]; kommt vor, wenn Wörter auf -r enden (z. B. größer, Filter, Leiter) oder in Präfixen wie versprechen.
Reduzierte Silbe
Unbetonte Nebensilbe, die meistens einen schwachen Schwa-Laut enthält; das Deutsche kennzeichnet sich durch eine Alternanz von vollen und reduzierten Silben (im Gegensatz zum Italienischen).
Vokallänge
Im Deutschen bedeutungsunterscheidend, im Italienischen nicht.
Morphologie
Teildisziplin der Linguistik, die den Aufbau/die Struktur von Wörtern untersucht; Teilbereiche: Wortbildung und Flexion.
Morph
Kleinstes formales, bedeutungstragendes Bauelement der gesprochenen Sprache (konkrete Einheit, analog zum Phon).
Morphem
Abstrakte kleinste bedeutungstragende Einheit einer Sprache, die durch Morphe realisiert wird (z. B. -t und -et sind zwei Morphe desselben Morphems der 3. Person Singular Indikativ Präsens).
Allomorphe
Morphe, die das gleiche Morphem realisieren (z. B. -e, -n, -en, -s, -er, -Ø für das Morphem „Plural").
Nullallomorph
Realisierung des Plurals ohne sichtbares Morphem (z. B. Meister-Ø).
Wortstamm
Das, was übrigbleibt, wenn man die Flexionsendungen abtrennt.
Wortbildung
Teilbereich der Morphologie, der die Bildung von Stämmen untersucht (Komposition, Derivation, Konversion usw.).
Flexion
Teilbereich der Morphologie, der die Bildung der Wortformen (Deklination und Konjugation) untersucht, ohne neue Wörter ins Lexikon zu bringen.
Verkettende Morphologie
Morphologie, bei der man Morpheme (Endungen oder Präfixe) an ein Wort anhängt; im Deutschen und Italienischen dominant; von schwachen Verben verwendet.
Nicht verkettende Morphologie
Morphologie, bei der das Wort im Inneren verändert wird, statt eine Endung anzuhängen (z. B. bleiben→blieb, Haus→Häuser); heute weniger produktiv, zeigt sich oft durch Umlaut.
Freies Morphem
Morphem, das alleine als Wort in einem Satz auftreten kann (z. B. nur, heute, Haus); heißt auch Grundmorphem, Basismorphem oder Wurzel.
Gebundenes Morphem
Morphem, das nur zusammen mit anderen Morphemen auftreten kann (z. B. zer-, -lich, -e, -st, -en).
Lexikalische Bedeutung
Bedeutungstyp von Morphemen wie Tür, morgen, renn-.
Grammatische Bedeutung
Bedeutungstyp von Morphemen wie -e, -t, auf, ein; Ergebnis von Grammatikalisierungsprozessen.
Derivationsmorphem
Gebundenes Morphem, das Wortstämme bildet (z. B. wohnen→Wohn-ung).
Flexionsmorphem
Gebundenes Morphem, das die Flexionsformen eines flektierbaren Wortes bildet (z. B. Verbendungen, Pluralendungen).
Präfix
Gebundenes Morphem, das links vom Stamm steht (z. B. be-suchen).
Suffix
Gebundenes Morphem, das rechts vom Stamm steht (z. B. Mensch-en).
Zirkumfix
Diskontinuierliches gebundenes Morphem, das den Stamm umgibt (z. B. ge-mach-t).
Grammatikalisierung
Wandel einer autonomen lexikalischen Einheit zu einem grammatischen Funktionswort bzw. zu einem grammatischen Morphem (z. B. sein/haben als Vollverb → sein/haben als Auxiliarverb).
Lehmanns Modell (Autonomie)
Modell, nach dem lexikalische Zeichen autonom und grammatische Zeichen abhängig sind; Autonomie wird durch drei Aspekte definiert: Gewicht, Kohäsion, Variabilität.
Gewicht
Aspekt nach Lehmann: Unterscheidbarkeit eines Zeichens gegenüber anderen Zeichen (hoch bei lexikalischen, niedrig bei grammatischen Zeichen).
Kohäsion
Aspekt nach Lehmann: Verbindung zu anderen Zeichen (stark bei grammatischen, schwach bei lexikalischen Zeichen).
Variabilität
Aspekt nach Lehmann: Austauschbarkeit mit anderen Zeichen (gering bei grammatischen, hoch bei lexikalischen Zeichen).
Schwaches Präteritum (Entstehung)
Form, die aus der Verschmelzung der Infinitivform des Vollverbs mit der Präteritalform des Verbs tun entstanden ist (z. B. „weil sie suchen taten" → „weil sie suchten").
Reanalyse
Prozess, bei dem Sprecher eine sprachliche Form neu interpretieren und die ursprüngliche Zusammensetzung nicht mehr erkennen (z. B. -t wird als grammatisches Zeichen für das Präteritum analysiert).
Funktionale Domäne
Ein Bedeutungsbereich (z. B. Ausdruck von Zeit), der in einer Sprache auf verschiedene Weise ausgedrückt werden kann (z. B. Temporaladverbien vs. Tempusflexion).
Isolierende Sprachen
Sprachtyp, bei dem ein Wort immer einem Morphem entspricht; grammatische Beziehungen werden durch die Wortstellung ausgedrückt (Beispiel: Chinesisch).
Agglutinierende Sprachen
Sprachtyp, bei dem Morpheme zu mehrsilbigen Wörtern kombiniert werden, jedes mit einer grammatischen Bedeutung (Beispiel: Türkisch, ev-ler-im).