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Bezugsrahmen der Führung (Elemente und Zusammenhänge)
Umfasst Eigenschaften und Verhalten von Führenden und Geführten, deren Interaktion, Ziele, Ergebnisse sowie situative Faktoren (organisationale, gesellschaftlich-kulturelle und wirtschaftliche Situation). Sämtliche Elemente beeinflussen sich wechselseitig; Führungstheorien erklären den Führungserfolg durch unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb dieses Gesamtsystems.
Führungsstil
Ein relativ stabiles, situationsübergreifendes Verhaltensmuster einer Führungskraft. Es prägt insbesondere das hierarchische Verhältnis sowie den Entscheidungs- und Handlungsspielraum der Geführten.
Führungstechnik
Das situationsabhängig anpassbare „Wie“ der Führung. Sie regelt insbesondere das Ausmaß an Freiraum und Verantwortungsübernahme der Geführten (z. B. Management-by-Techniken).
Führungsinstrument
Ein konkret benennbares Hilfsmittel für das „Womit“ der Führung im operativen Alltag. Es lässt sich weitgehend unabhängig von einem spezifischen Führungsstil oder einer Führungstechnik einsetzen (z. B. Mitarbeitergespräch, Zielvereinbarung, Feedback, Anreizsystem).
Management by Direction and Control
Führungstechnik, bei der die Führungskraft exakt vorgibt, welche Aufgabe wie und bis wann zu erledigen ist. Verantwortung und Kontrolle liegen komplett bei der Führungskraft. Sie gilt als veraltet, wird in der Praxis aber mitunter noch angewendet.
Management by Delegation
Führungstechnik, bei der abgegrenzte Aufgabenbereiche samt Handlungs- und Entscheidungsverantwortung an Geführte übertragen werden. Es entlastet die Führungskraft und fördert Eigeninitiative, erfordert jedoch angemessene Unterstützung ohne Überforderung oder vollständiges Sich-selbst-Überlassen.
Management by Exception
Führungstechnik, bei der Geführte ihren Aufgabenbereich grundsätzlich eigenverantwortlich bearbeiten und die Führungskraft nur bei unerwarteten Abweichungen oder definierten Ausnahmefällen eingreift. Voraussetzung sind klar festgelegte Routinebereiche und Toleranz- bzw. Meldegrenzen.
Management by Objectives (MbO)
Ziel- und ergebnisorientierte Führungstechnik auf Vertrauensbasis: Ein Gesamtziel wird in kaskadierte Teilziele für Bereiche und Mitarbeitende zerlegt. Geführte wirken am Zielvereinbarungsprozess mit; vorausgesetzt werden realistische Ziele und eine teilweise Abgabe von Kontrolle.
Direkte vs. indirekte Führungsinstrumente
Direkte Instrumente: Wirken im unmittelbaren persönlichen Kontakt zwischen Führungskraft und Geführten (z. B. Mitarbeitergespräch, Zielvereinbarung, Feedback, Kritik, Partizipation, Vorbildverhalten).
Indirekte Instrumente: Wirken strukturell über die Gestaltung des Arbeitsumfelds (z. B. Personalauswahl, Teamzusammensetzung, Organisationskultur, Kontroll- und Anreizsysteme).
Verhältnis von Management by Objectives und Zielvereinbarung
Management by Objectives (MbO) bildet die übergeordnete Führungstechnik. Die Zielvereinbarung ist das zentrale, konkrete Führungsinstrument dieser Technik: Führungskraft und Geführte erarbeiten gemeinsam messbare Ziele und überprüfen deren Erreichung periodisch.
Eigenschaftsorientierte Führungsansätze
Postulieren, dass Führungserfolg primär von zeit- und situationsstabilen Persönlichkeitsmerkmalen (angeboren oder erworben) abhängt. Extremform: „Great-Man-Theory“, die jeglichen Erfolg ausschließlich herausragenden Eigenschaften einzelner Führungspersönlichkeiten zuschreibt.
Grenzen eigenschaftsorientierter Führungsansätze
Es existiert keine direkte, kausale Kette von Eigenschaften über Verhalten zum Erfolg. Kulturelle Normen, Interessen und situative Kontextfaktoren beeinflussen den Prozess maßgeblich. Eigenschaften erhöhen lediglich die Erfolgswahrscheinlichkeit, garantieren Führungserfolg jedoch nicht.
[ÜK] Führungsbegünstigende Eigenschaften nach von Rosenstiel
Mindestens durchschnittliche Intelligenz
Gute soziale Kompetenz
Hohe Zielbindung
Offenheit für neue Erfahrungen
Ausgeprägte Lernfähigkeit und Lernbereitschaft
[ÜK] Fallbeispiel Frau Schmidt: Studienleistungen & Karriere (Interpretation)
Deutet auf eine mindestens durchschnittliche Intelligenz hin. Die Beurteilung erfordert Vorsicht, da hervorragende Leistungen lediglich ein Indiz darstellen; Intelligenz alleine garantiert weder weitere führungsrelevante Eigenschaften noch künftigen Führungserfolg.
[ÜK] Fallbeispiel Frau Schmidt: Beharrliche Zielverfolgung trotz Widerständen
Zeigt eine hohe Zielbindung: Die motivations- und willensstarke Ausrichtung, ein erkanntes wichtiges Ziel auch gegenüber Hindernissen und Widerständen konsequent zu verfolgen.
[ÜK] Fallbeispiel Frau Schmidt: Wechsel einer ehemals erfolgreichen Methode
Zeigt ausgeprägte Lernfähigkeit und Lernbereitschaft: Handlungsorientierte Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, überholte Strategien bei veränderten Rahmenbedingungen aufzugeben.
[ÜK] Fallbeispiel Frau Schmidt: Reibungen in der Zusammenarbeit
Weist auf eine schwach ausgeprägte soziale Kompetenz hin, da die Fähigkeit fehlt, sich flexibel und einfühlend auf unterschiedliche Menschen und Interaktionssituationen einzustellen.
[ÜK] Fallbeispiel Frau Schmidt: Festhalten an Bekanntem & Meidung neuer Themen
Weist auf eine geringe Offenheit für neue Erfahrungen hin, da das flexible Einstellen auf neuartige Herausforderungen und situativen Wandel blockiert ist.
Eigenschafts- vs. verhaltensorientierte Führungsansätze
Führungsstile nach Kurt Lewin
Führungskontinuum nach Tannenbaum & Schmidt
Ein Kontinuum zwischen zwei Extrempolen:
Die Wahl der passenden Stufe hängt von Merkmalen der Führungskraft, der Geführten und der Situation ab.
Studienergebnisse zum Vergleich von autoritärem und kooperativem Führungsstil (31 Experimente)
Fazit: Ein universell optimaler Führungsstil existiert nicht.
Ohio-Studien zum Führungsverhalten (Methodik & Kernergebnis)
Beide Dimensionen können bei einer Führungskraft gleichzeitig hoch oder niedrig ausgeprägt sein.
Drei Verhaltensorientierungen der Führung und ihre Wirkung
Grundidee situationstheoretischer Ansätze (Kontingenzansätze)
Führungserfolg ist das Ergebnis des Zusammenspiels von Eigenschaften/Verhalten der Führungskraft und spezifischen Situationsvariablen. Es gibt keinen universell besten Führungsstil; der Erfolg hängt vom Passungsverhältnis (Fit) zur jeweiligen Situation ab.
Situationsmerkmale nach Fiedlers Kontingenztheorie
LPC-Wert nach Fiedler (Bedeutung & Interpretation)
Erfasst die Bewertung des am wenigsten geschätzten Mitarbeitenden (Least Preferred Coworker).
Besonderheit: Fiedler sieht Aufgaben- und Beziehungsorientierung als gegensätzliche Pole einer eindimensionalen Skala (im Gegensatz zu den Ohio-Studien).
Kontingenzhypothese nach Fiedler (Passung von Stil und Situationsgünstigkeit)
Hinweis: Diese Hypothese gilt empirisch nicht als durchgängig bestätigt.
Kritik an Fiedlers Kontingenztheorie
Reifegradbegriff nach Hersey und Blanchard
Setzt sich zusammen aus zwei Komponenten:
Der Gesamtreifegrad erstreckt sich von sehr niedrig (R1) bis sehr hoch (R4).
Reifegrad-Modell: Führungsstil bei niedriger Reife (R1)
Telling (Unterweisen / Dirigieren): Starke Aufgabenorientierung, schwache Mitarbeiterorientierung. Die Führungskraft gibt exakte Anweisungen und überwacht die Ausführung engmaschig.
Reifegrad-Modell: Führungsstil bei geringer bis mäßiger Reife (R2)
Selling (Überzeugen / Verkaufen): Starke Aufgabenorientierung, starke Mitarbeiterorientierung. Die Führungskraft gibt weiterhin Vorgaben, erläutert jedoch Entscheide und fördert die Motivation sozial-emotional.
Reifegrad-Modell: Führungsstil bei mäßiger bis hoher Reife (R3)
Participating (Partizipieren / Unterstützen): Schwache Aufgabenorientierung, starke Mitarbeiterorientierung. Die Führungskraft nimmt sich fachlich zurück und unterstützt vor allem beratend sowie motivierend.
Reifegrad-Modell: Führungsstil bei hoher Reife (R4)
Delegating (Delegieren): Schwache Aufgabenorientierung, schwache Mitarbeiterorientierung. Verantwortung für Entscheidungen und Durchführung wird vollständig übertragen (abzugrenzen von Laissez-faire).
Aufbau des Reifegrad-Modells nach Hersey und Blanchard
Grenzen und Kritik des Reifegrad-Modells
Normatives Entscheidungsmodell von Vroom und Yetton (Zweck & Funktionsweise)
Autoritäre Stile (AI und AII) nach Vroom und Yetton
Beratende und Gruppenstile (CI, CII, GII) nach Vroom und Yetton
Diagnosekriterien des Entscheidungsmodells von Vroom und Yetton
Empirische Beurteilung des Modells von Vroom und Yetton
Weg-Ziel-Theorie der Führung (Zentralorgan & Wirkungskette)
Ziel des Führungsverhaltens ist die Steigerung von Zufriedenheit und Motivation der Geführten. Führung unterstützt den Weg zur Zielerreichung, beseitigt Hindernisse und verknüpft Leistung mit geschätzten Belohnungen, was letztlich Leistung und Effizienz erhöht.
Individuelle Führungsunterstützung in der Weg-Ziel-Theorie
Kollektive Führungsunterstützung in Houses erweiterter Weg-Ziel-Theorie
Situationsfaktoren der Weg-Ziel-Theorie
Kritik an der Weg-Ziel-Theorie der Führung
Leader-Member-Exchange-Theorie (LMX)
Betrachtet Führung als System individueller, zweierbezogener Austauschbeziehungen (Dyaden) zwischen der Führungskraft und jedem einzelnen Geführten. Die Beziehungsqualität variiert stark und determiniert Leistung, Vertrauen und Spielräume.
In-Group vs. Out-Group im LMX-Modell
Drei Phasen der Beziehungsentwicklung im LMX-Modell
Ziel flächendeckend hochwertiger LMX-Beziehungen
Verhindert die Entstehung benachteiligter Out-Groups, fördert über das gesamte Team hinweg Motivation, Leistung, Zufriedenheit sowie Teaminteressen und erhöht die allgemeine Geführtenbereitschaft.
Transaktionale vs. transformationale Führung
Komponenten transaktionaler Führung
Die vier Strategien („4 I“) transformationaler Führung
Idealisierter Einfluss (Idealized Influence)
Die Führungskraft agiert als vorgelebtes Vorbild mit hoher ethischer Integrität. Dies erzeugt Respekt, Vertrauen und Stolz bei den Geführten sowie das Zutrauen, auch schwierige Hürden meistern zu können.
Inspirierende Motivation (Inspirational Motivation)
Die Führungskraft vermittelt eine attraktive, zukunftsweisende Vision, setzt anspruchsvolle Ziele und vermittelt Sinn, um Geführte emotional mitzureißen und zu begeistern.
Intellektuelle Anregung (Intellectual Stimulation)
Die Führungskraft regt zum kritischen Hinterfragen bestehender Routinen und Annahmen an, fördert kreative Problemfehlersuche und ermutigt zu neuartigen Lösungsansätzen.
Individuelle Wertschätzung (Individualized Consideration)
Die Führungskraft geht gezielt auf die individuellen Bedürfnisse, Stärken und Entwicklungspotenziale jedes einzelnen Mitarbeitenden ein und agiert als Coach und Mentor.
Charismatische Führung (Verständnis & Wirkung)
Charisma ist keine isolierte Eigenschaft, sondern ein interaktionales Beziehungsphänomen zwischen Führungskraft und Geführten. Es stiftet Sinn, löst starke emotionale Bindungen aus und bündelt Energien für übergeordnete Ziele.
Komponenten von Vertrauen als Charismagrundlage
Ambivalenz charismatischer Führung
Maßnahmen gegen den Missbrauch charismatischer Führung
Wirkungsweise von Führungsprototypen (Implizite Führungstheorien)
Mitarbeitende vergleichen reales Führungsverhalten mit ihren verinnerlichten Idealbildern („Prototypen“). Eine hohe Übereinstimmung führt zur spontanen Zuschreibung von Führungskompetenz, steigert die Akzeptanz und erhöht das Engagement.
Führungsprototypen vs. Eigenschaftsansätze
Symbolische Führung
Indirekte Steuerung durch die gezielte Nutzung wahrnehmbarer Symbole (Zeichen, Rituale, Sprache, Artefakte), um Werte, Bedeutung und Normen innerhalb der Organisation zu vermitteln.
Drei Arten von Symbolen in der symbolischen Führung
Symbolisierte vs. symbolisierende Führung
Macht und ihre Quellen in Organisationen
Macht ist das Potenzial, das Verhalten anderer zielgerichtet zu beeinflussen.
Führung von unten (Upward Leadership)
Geführte nehmen gezielt Einfluss auf das Verhalten und die Entscheidungen ihrer Vorgesetzten, z. B. durch Informationsfilterung, Einbringen von Expertenwissen oder strategische Allianzen.
Elf Einflusstaktiken in Organisationen
Zuordnung von Einflusstaktiken: Sachliche Begründung, Sanktionsdrohung, Bündnisbildung
Reaktionsformen Geführter auf Einflussnahme
Mikropolitik in Organisationen
Das strategische Ausnutzen von Handlungsspielräumen und Machtressourcen durch Akteure, um eigene oder gruppenspezifische Interessen (oft verdeckt oder gegen offizielle Ziele) durchzusetzen.
Neuroleadership
Die Anwendung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse auf Führungsfragen. Im Zentrum steht die Aktivierung des emotionalen Systems und insbesondere des neurologischen Belohnungssystems zur Verhaltenssteuerung.
Ansetzebenen von Neuroleadership
SCARF-Modell nach David Rock
Benennt fünf grundlegende soziale Bedürfnisse:
Anwendung: Führung sollte Bedrohungen in diesen Dimensionen minimieren und Belohnungsreize setzen.
Kritikpunkte und Grenzen von Neuroleadership
[ÜK] Shared Leadership
Ein dynamischer, wechselseitiger Einflussprozess im Team, bei dem Führungsverantwortung und -aufgaben auf mehrere Personen aufgeteilt werden. Es stellt keinen Einzel-Führungsstil dar, sondern eine geteilte Führungsstruktur.
[ÜK] Fünf Kernelemente von Shared Leadership
Einflussfaktoren zur Förderung von Shared Leadership
Vorteile von Shared Leadership
Nachteile und Grenzen von Shared Leadership
[ÜK] Fallbeispiel Vakanz: Gemeinsame Übernahme einer Leitungsstelle durch ein Trio
Shared Leadership: Mehrere befähigte Personen teilen sich Führungsaufgaben und -verantwortung. Voraussetzung für das Gelingen sind gemeinsame Zielorientierung, hohes gegenseitiges Vertrauen und klare Kommunikationsstrukturen.
Teaming
Das dynamische, flexible Koordinieren und Lernen in wechselnden, ad-hoc zusammengestellten Teams zur Bewältigung komplexer, neuartiger Aufgaben. Im Vordergrund stehen kontinuierliches Lernen und die rasche Vernetzung von Expertise.
Vier Handlungsprinzipien des Teaming
Vier Führungsaufgaben beim Teaming
Psychologische Sicherheit beim Teaming
Ein Klima des Vertrauens, in dem Teammitglieder ohne Furcht vor Repressalien oder Demütigung Bedenken äußern, Hilfe suchen, Fehler zugeben und neuartige Ideen einbringen können.