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What does it mean to 'know a word'?
Ein Wort zu „kennen" ist komplex. Lexikalisches Wissen umfasst:
Form: Schreibung, Aussprache (inkl. Varianten)
Bedeutung: Grundbedeutung, metaphorische Bedeutungen, semantische Reichweite
Wortklasse und grammatische Eigenschaften
Verwendung: Register, Kollokationen, Konnotationen, Synonyme/Antonyme
Kultureller Kontext
Das mentale Lexikon ist dabei viel reichhaltiger als ein Wörterbuch – es ist dynamisch und ständig in Flux (McCarthy 1990).
Das mentale Lexikon (Mental Lexicon)
Das mentale Lexikon ist der interne „Wortspeicher" im Gehirn. Es ist hochgradig systematisch organisiert, nicht zufällig.
Organisationsprinzipien (Schmitt 2000):
Semantisch verwandte Wörter werden zusammen gespeichert (Synonymie, Antonymie, Hyponymie)
Kollokationen (häufig zusammen auftretende Wörter) bilden paradigmatische Verbindungen
Klang-ähnliche Wörter (clang associations) werden ebenfalls verknüpft
Das Word-frequency effect: Je mehr ein Wort gelernt wird, desto leichter lassen sich neue Wörter integrieren
Belege für die Struktur (Evidence):
Versprecher / Speech errors: z.B. „Easter" statt „Christmas", Verschmelzungen wie „toffible" (terrible + horrible) → zeigen phonologische und semantische Vernetzung
Wortassoziationstests: z.B. „hammer" → „nail", „salt" → „pepper" → Menschen wählen Wörter aus demselben semantischen Feld, oft den zugehörigen Partner, immer dieselbe Wortklasse
Das mentale Lexikon (Mental Lexicon):
Hypothesen zur L1/L2-Speicherung, Semantische Netzwerke & Chunks
Hypothese | Beschreibung |
|---|---|
Extended System | L1 & L2 in einem gemeinsamen Speicher |
Dual System | zwei getrennte, unabhängige Speicher |
Tripartite System | Kognaten in gemeinsamem Speicher, Rest getrennt |
Subset Hypothesis (favorisiert) | zwei Subsysteme, eng verbunden – erklärt Code-Switching und Interferenzen |
Semantische Netzwerke & Chunks:
Wörter werden nicht isoliert, sondern in Netzwerken gespeichert
Chunks = feste Mehrworteinheiten (Idiome, Kollokationen, Phrasal Verbs), die wie ein Wort gespeichert werden (Lewis 2008)
Häufige Kollokationstypen: Verb+Nomen, Adjektiv+Nomen, Nomen+Präposition+Nomen, Adverb+Adjektiv etc.
Challenges for Language Learners
EFL-Lernende haben ein grundlegend anderes mentales Lexikon als Muttersprachler:
Semantische Merkmale werden oft unvollständig gelernt (z.B. metaphorische Bedeutungen ignoriert)
Semantische Reichweite schwer zu bestimmen: z.B. to cry vs. to weep, dt. „groß" = big/tall/great/vast je nach Kontext
L1-Interferenz: dt. „Salat" = lettuce oder salad; dt. „Nebel/Dunst" ≠ haze/mist/fog; dt. „machen" ≠ to do/to make
Kollokationsfehler: fast food ✓ aber fast car ✓ – quick food ✗, quick car ✗
Register schwer einzuschätzen: pretty (informal) vs. fairly/somewhat (formal)
Aufbau semantischer Netzwerke in der L2 ist deutlich schwieriger als in der L1
Implications for Teaching: 10 allgemeine Prinzipien (Hutz)
Verankerung im mentalen Lexikon ist das Hauptziel
Hierarchische, syntagmatische und paradigmatische Relationen helfen beim Speichern und Abrufen
Kontextualisierung ist essenziell – isolierte Wortlisten sind wenig hilfreich
Neue Wörter mit bekannten verbinden stärkt das Netzwerk
Wortauswahl nach Frequenz, Lernbarkeit und semantischer Reichweite
Wiederholung ist unabdingbar – Wörter müssen viele Male gehört und verarbeitet werden
Multimodale Repräsentation (visuell, auditiv, motorisch) verbessert den Abruf
L1/L2-Gleichsetzung vermeiden – direkte Verbindungen in der Zielsprache bevorzugen
Kultureller Kontext beim Lernen einbeziehen
Vokabelaktivitäten sollen Organisationsprinzipien des mentalen Lexikons widerspiegeln (Wortfelder, Kollokationen, semantische Netze)
Implications for Teaching: Einführung neuer Wörter: P-M-S-C (Quetz 2007)
Schritt | Inhalt |
|---|---|
P – Pronunciation | Aussprache mehrfach üben (Lehrer → Klasse → Einzelne) |
M – Meaning | Bedeutung erklären, Synonyme/Umschreibungen einfordern |
S – Spelling | Wort an die Tafel schreiben |
C – Context & Collocation | Kollokationen und Verwendungskontexte geben |
Implications for Teaching: Lexikalische Aktivitäten (Hutz)
Word-ladders: Assoziationsketten, Geschichten schreiben
Word-spiders: visuelle Vernetzung im Wortfeld
Word thieves: Wörter aus gehörtem Text einem Thema zuordnen
Guessing the category: Oberbegriff aus Liste erraten
Categorizing items: Wörter nach Kategorien sortieren (Nomen, Verben, Adjektive…)
Antonyms: Antonyme in verschiedenen Kontexten finden
Bubble diagrams: Kollokationen visualisieren
Word-forks: to do vs. to make – ähnliche Wörter differenzieren
Finding collocations / Collocation research projects: Korpusarbeit, Google-Recherche
The Bigger Picture: Four Strands (Nation 2007)
Ein ausgewogener Vokabelkurs braucht je ~25% aus allen vier Bereichen:
Strand | Beschreibung |
|---|---|
Meaning-focused Input | Extensive Reading/Listening – beiläufiges Lernen durch verständliche Texte |
Meaning-focused Output | Sprechen und Schreiben – Vokabular aktiv verwenden |
Language-focused Learning | Bewusstes Vokabellernen: Karteikarten, intensive Lektüre, Wortteile |
Fluency Development | Flüssigkeit trainieren mit bereits bekanntem Vokabular (Speed Reading, 4-3-2-Aktivität, Free Writing) |
Zur Bedeutung von Extensive Reading:
Elley & Mangubhai (1981): Kinder in Fiji mit 3h/Woche Extensive Reading erzielten in 9 Monaten den Fortschritt von 15 Monaten
Waring & Takaki (2003): Nur wenige Wörter werden beim einmaligen Lesen tief gelernt, viele aber teilweise – wiederholte Begegnungen nötig
Karteikarten (Word Cards) – effektiv wenn:
Wort auf einer Seite, L1-Übersetzung auf der anderen
Kleine Pakete (~15–20 Wörter) zu Beginn
Spaced Repetition: nach wenigen Minuten, dann 1h, dann 1 Tag, dann 1 Woche
Semantisch ähnliche Wörter nicht zusammen lernen (Interferenz!)
Wörter laut sagen, Kollokationen mitnotieren
Die vier Hauptaufgaben der Vokabellehrperson (Nation)
Priorität | Aufgabe |
|---|---|
1 (wichtigste) | Planning – ausgewogenen Kurs planen, richtiges Vokabular für Niveau |
2 | Training – Lernstrategien trainieren (Kontexterschließung, Karteikarten, Wortteile, Wörterbuch) |
3 | Testing – Vocabulary Levels Test, Vocabulary Size Test |
4 | Teaching – direkte Wortschatzvermittlung (besonders wichtig bei kleinem Wortschatz) |
High-frequency vs. Low-frequency Vocabulary:
Ca. 2000 High-frequency Words decken 80–90% aller Texte ab (Michael West's General Service List, 1953)
Academic Word List (Coxhead 2000): 570 Wortfamilien, 10% akademischer Texte
Low-frequency words: tausende Wörter – kein Klassenraumunterricht, sondern Strategietraining zum Umgang damit
Zusammenfassung
Ein Wort zu kennen ist weit mehr als seine Übersetzung zu wissen – es geht um Form, Bedeutung, Verwendung, Register und kulturellen Kontext. Das mentale Lexikon speichert Wörter nicht isoliert, sondern in semantischen Netzwerken und Chunks. EFL-Lernende kämpfen besonders mit semantischer Reichweite, L1-Interferenz und Kollokationen.
Für den Unterricht bedeutet das: Wörter müssen kontextualisiert, vernetzt und multimodal eingeführt werden (P-M-S-C). Wiederholung und Spaced Repetition sind entscheidend. Ein guter Vokabelkurs ist ausgewogen über die vier Strandsverteilt (Nation) und legt den Schwerpunkt auf Planung, Strategietraining und Bewusstmachung. Die direkteste Vermittlung von Vokabeln ist die am wenigsten wichtige der vier Lehraufgaben – viel entscheidender sind ein guter Plan und das Training selbstständiger Lernstrategien.