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Chronologie
Die historische Hilfswissenschaft und Praxis des Zeitmessens sowie der exakten Datierung und zeitlichen Einordnung vergangener Ereignisse.
Stolpersteine als historische Quelle
Physische Objekte im Stadtraum, die zugleich materielle Überreste, Denkmale und Medien der Erinnerungskultur darstellen und über Opfer sowie Formen des Erinnerns Auskunft geben.
Mondkalender (Lunarkalender)
Kalendersystem, das rein auf den Mondzyklen basiert (z. B. der islamische Kalender); das Mondjahr ist mit rund 354 Tagen etwa 11 Tage kürzer als das Sonnenjahr.
Sonnenkalender (Solarkalender)
Kalendersystem, das sich am Umlauf der Erde um die Sonne orientiert (z. B. ägyptischer und gregorianischer Kalender), wodurch die Jahreszeiten an feste Kalenderdaten gebunden bleiben.
Lunisolarkalender
Kalendersystem, das Mondmonate durch regelmäßige Schaltmonate an das Sonnenjahr anpasst (z. B. der jüdische und traditionelle chinesische Kalender).
Ausgangspunkt der jüdischen Zeitrechnung
Das Jahr 3761 v. Chr., das traditionell als Zeitpunkt der biblischen Erschaffung der Welt (Anno Mundi) festgelegt wurde.
Ausgangspunkt der islamischen Zeitrechnung
Das Jahr 622 n. Chr., das Jahr der Hidschra (Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina).
Französischer Revolutionskalender (1793)
Ein auf dem Dezimalsystem basierender, säkularer Neuentwurf der Zeitrechnung ab dem Revolutionsjahr 1792, der den christlichen Wochen- und Feiertagsrhythmus rationalistisch ersetzen sollte.
Sowjetischer Revolutionskalender (1929–1940)
Ein politisch verordnetes Arbeitszeitmodell mit rollierenden Fünf- bzw. Sechs-Tage-Wochen ohne allgemeinen Ruhetag, das auf kontinuierliche industrielle Produktivität ausgerichtet war.
Gregorianische Kalenderreform (1582)
Die von Papst Gregor XIII. dekretiert Korrektur des julianischen Kalenders zur Beseitigung der aufgelaufenen Schalttagsdifferenz, die anfangs in vielen protestantischen und orthodoxen Gebieten auf Widerstand stieß.
Tagesdifferenz zwischen julianischem und gregorianischem Kalender
16./17. Jahrhundert: +10 Tage; 18. Jahrhundert: +11 Tage; 19. Jahrhundert: +12 Tage; 20. Jahrhundert: +13 Tage.
Solarzeit (Ortszeit)
Die 'natürliche' Zeiteinteilung nach dem jeweiligen Sonnenstand vor Ort, bei der der höchste Sonnenstand den lokalen Mittag markiert.
Standardzeit
Eine überregional vereinheitlichte Zeitbasis (z. B. Prager Zeit für die k.k. Eisenbahnen), die durch den Ausbau von Eisenbahnnetzen und Telegrafie zur Vermeidung von Verkehrschaos erforderlich wurde.
Weltzeit (UTC)
Die 1972 eingeführte, hochpräzise globale Referenzzeit, die primär auf atomaren Zeitstandards (Atomuhren) anstelle von Erdrotationsbeobachtungen beruht.
Spatial Turn (Räumliche Wende)
Der geistes- und sozialwissenschaftliche Paradigmenwechsel seit den 1980er Jahren, der Raum nicht mehr nur als starre Naturkulisse, sondern als gesellschaftlich produziertes und veränderliches Konstrukt begreift.
Lange Dauer (longue durée) bezogen auf den Raum
Ein von der französischen Annales-Schule geprägtes Konzept, das beschreibt, wie geographische und naturräumliche Gegebenheiten menschliches Handeln über Jahrhunderte hinweg strukturieren.
Raum der Wahrnehmung (espace perçu)
Nach Henri Lefebvre der materiell greifbare, physische Raum der gebauten Realität (z. B. Straßen, Plätze und Architektur).
Raum der Vorstellung (espace conçu)
Nach Henri Lefebvre der konzipierte, gedachte Raum von Planern, Kartografen und Herrschenden, der in Karten, Plänen und städtebaulichen Entwürfen fixiert wird.
Gelebter Raum (espace vécu)
Nach Henri Lefebvre der von Menschen im Alltag symbolisch angeeignete, mit Erinnerungen, Emotionen und Bedeutungen aufgeladene Erlebnisraum.
Orientalismus (Edward Said, 1978)
Ein westlicher Wissens- und Herrschaftsdiskurs, der den 'Orient' als exotisches, rückständiges und statisches Gegenbild zu Europa konstruierte, um koloniale Vorherrschaft zu legitimieren.
Erinnerungsorte (lieux de mémoire)
Von Pierre Nora geprägter Begriff für materielle, symbolische oder funktionale Kristallisationspunkte des kollektiven Gedächtnisses einer Gruppe (z. B. Denkmäler, Feiertage oder Texte).
Geschichtsregion
Ein historisch und diskursiv abgegrenzter Raum (wie z. B. 'Osteuropa'), der durch spezifische historische, soziale und herrschaftliche Strukturmerkmale definiert wird.
Linguistische Wende (Linguistic Turn)
Der wissenschaftstheoretische Paradigmenwechsel, der postuliert, dass menschliche Erkenntnis und Realitätswahrnehmung grundlegend durch Sprache konstituiert und vermittelt sind.
Emplotment (Narratologie in der Geschichtswissenschaft)
Das von Hayden White beschriebene Verknüpfen historischer Ereignisse zu einer zusammenhängenden Erzählstruktur mit bestimmten literarischen Plotmustern (z. B. Tragödie, Komödie, Satire).
Standortgebundenheit (Johann Martin Chladenius)
Die hermeneutische Erkenntnis, dass jeder Beobachter und Quellenschreiber historische Ereignisse unausweichlich aus einem spezifischen, standortabhängigen 'Sehepunkt' wahrnimmt und darstellt.
Grenzen des geschichtswissenschaftlichen Relativismus
Das methodische Festhalten an Quellenkritik, Evidenz und überprüfbaren Fakten, um zu verhindern, dass Geschichtsschreibung mit reiner Fiktion oder politischer Propaganda gleichgesetzt wird.