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Karteikarten zu den Themen globale Fragmentierung, räumliche Disparitäten, Entwicklungsindikatoren, Entwicklungstheorien und -strategien.
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Disparitäten
Ungleiche Lebensbedingungen innerhalb eines genau definierten Raumes bzw. im Vergleich von zwei oder mehreren Räumen bezogen auf gesellschaftlich bedeutsame Merkmale; unterteilt in globale, nationale und regionale Disparitäten.
Kernregionen
Gebiete, die den Handel dominieren, in denen Wissen und Macht konzentriert sind, die über moderne Technologien verfügen und deren diversifizierte Volkswirtschaften eine hohe Produktivität besitzen.
Peripherien
Gebiete mit abhängigen und nachteiligen Handelsbeziehungen, veralteten Technologien und wenig entwickelten bzw. spezialisierten Ökonomien mit niedrigen Produktionsniveaus, die durch Kolonialisierung an Kernregionen gebunden wurden.
Semiperipherien
Gebiete mit mittlerer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung, die sowohl Merkmale von Kernregionen als auch von Peripherien aufweisen; sie sind teils von Kernregionen abhängig und unterhalten häufig ausbeuterische Handelsbeziehungen mit Peripherien.
NIC
Beginnende „Schwellenländer“ (Newly Industrializing Countries), die typische ökonomische Merkmale von Entwicklungsländern überwunden und sich dem Take-off (Beginn der ökonomischen Eigenständigkeit) angenähert bzw. diesen schon überschritten haben.
LDC
Am wenigsten entwickelte Länder (Least Developed Countries); Statusvergabe durch die UN nach drei Kriterien: BNE pro Kopf von weniger als 905US-$, Index „soziale Merkmale“ (Kindersterblichkeitsrate, Einschulungsquote etc.) und Index „Verwundbarkeit der Volkswirtschaft“ (Opferzahl bei Naturkatastrophen, Zugänglichkeit des Landes etc.).
LLDC
Durch ihre Binnenlage benachteiligte Entwicklungsländer (Landlocked Developing Countries).
HDI (Human Development Index)
Index für menschliche Entwicklung basierend auf 4 Indikatoren (Lebenserwartung, Bildung und BNE, welche die Lebensqualität abbilden); ein Wert von 1 kennzeichnet eine hohe Entwicklung, bei einem Wert unter 0,5 gilt ein Land als unterentwickelt.
Gini-Index
Maßzahl zur Erfassung der Vermögensverteilung auf die gesamte Bevölkerung; bei absoluter Gleichverteilung liegt der Koeffizient bei 0, je stärker die Unterschiede sind, desto näher rückt der Koeffizient an 1.
MPI (Multidimensional Poverty Index)
Ergänzung zum HDI zur Abbildung der Lebensqualität (z. B. Zugang zu Trinkwasser, Strom, Toilette und Brennstoff); ein Haushalt und alle darin lebenden Menschen gelten als arm, wenn der Prozentsatz der Benachteiligungen in Summe über 30% liegt.
Weltrisiko Index
Gibt das Risiko an, Opfer einer Katastrophe infolge von Naturgefahren zu werden; berücksichtigt die Gefährdung einer Region und ihre gesellschaftliche Vulnerabilität (erfasst über Verwundbarkeitskomponenten mit jeweils 5 Unterkategorien und bis zu 4 Einzelindikatoren aus globalen Datenbanken).
Vergleichsdaten zu Deutschland
Referenzwerte: BNE pro Kopf ca. 60.400USD; Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftssektoren 1−25−74; Schulbesuchsdauer 14,3Jahre; Lebenserwartung bei Frauen ca. 83Jahre und bei Männern ca. 79Jahre.
Entwicklungshilfe
Begriff aus der Anfangszeit des deutschen Engagements gegen Unterentwicklung; wird heute oft noch mit Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit gleichgesetzt.
Entwicklungszusammenarbeit
Die projekt- und politikbezogene Umsetzung der entwicklungspolitischen Ziele in Partnerschaft.
Entwicklungspolitik
Politisches Bemühen einzelner Länder oder nationaler und internationaler Organisationen, die Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern nachhaltig verbessern zu helfen.
Informeller Sektor
Bereich der Wirtschaft, der in vielen Entwicklungsländern als Einkommensquelle für über 50% der arbeitenden Bevölkerung dient; ein hoher Anteil an Beschäftigten im informellen Sektor gilt als wichtiger wirtschaftlicher Indikator für ein Entwicklungsland.
Modernisierungstheorie
Entwicklungstheorie, nach der Ursachen für Rückständigkeit endogen (im Land selbst) bedingt sind; geht davon aus, dass alle Länder allmählich den Wandel von einer Agrar- zu einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft vollziehen und Entwicklung nach dem Vorbild der Industrieländer (durch Investitionen und weltwirtschaftliche Verflechtung) nachzuholen ist.
Dependenztheorie
Entwicklungstheorie, nach der Unterentwicklung exogen durch Kolonialismus, Rohstoffausbeutung und Zerstörung von Sozial- und Wirtschaftsstrukturen entstanden ist; Hochentwicklung in Industrieländern und Unterentwicklung in Entwicklungsländern verlaufen parallel und begünstigen einander.
Strategien der Dependenztheorie
Handlungsansätze zur Überwindung von Abhängigkeiten: eine drastische Strategie (Neuordnung der Weltwirtschaft) und eine gemäßigte Strategie (temporäre Abkopplung vom Weltmarkt, um die Wirtschaft aus eigener Kraft von unten nach oben zu stabilisieren).
Angepasste Technik
Entwicklungsstrategie, bei der Technologien so beschaffen sind, dass sie an örtliche Gegebenheiten angepasst sind und ohne fremde Hilfe eingesetzt, gewartet und repariert werden können (z. B. Parabolspiegel zum Kochen in Afrika).
Vergabe von Kleinkrediten
Entwicklungsstrategie durch Vergabe von Darlehen (oft auch in Form von Naturalien) an Familien, um Land zu pachten und zu bearbeiten oder eigene Handwerksbetriebe aufzubauen; Rückzahlung erfolgt nach ausreichend erwirtschaftetem Ertrag.
Tourismus als Entwicklungsstrategie
Nutzung von Räumen, die für Industrie oder Landwirtschaft ungeeignet sind (z. B. Inseln, Gebirge); mobilisiert lokale Ressourcen, stärkt abgelegene Regionen gezielt und schafft ein wirtschaftliches Gegengewicht zu Großstädten.
Grundbedürfnisstrategie
Entwicklungsansatz, der unmittelbar bei der betroffenen Bevölkerung ansetzt mit dem primären Ziel, die Grundbedürfnisse aller Menschen zu befriedigen; bildet die Voraussetzung für gesunde und gebildete Arbeitskräfte.
Großprojekte
Infrastrukturmaßnahmen mit spezifischem Nutzen: Eisenbahnen erschließen Land, Telefonnetze dienen der privaten und wirtschaftlichen Kommunikation, Staudämme sichern Wasser- und Energiegewinnung, und Zuckerfabriken liefern Kohlenhydrate und Lagerungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Hungertoten (bergen jedoch das Risiko von Fehlernährung).
Fehlerhafte Daten
Verzerrungsfaktoren bei statistischen Vergleichen in der Entwicklungsgeografie: geschätzte Daten, „uralte“ Daten, unterschiedliche Abgrenzungskriterien, zu genaue Daten sowie verfälschte oder verzerrte Daten.
Naturräumliche Faktoren mehrdimensionaler Armut
Geografische Bedingungen, die Armut verstärken können: Klimabedingungen und -veränderungen, Desertifikation, schlechte Bodenbeschaffenheit, Dürreperioden und Wasserknappheit.
Sozioökonomische Faktoren der Unterentwicklung
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Ursachenkomplexe: politische und militärische Konflikte, wirtschaftliche Abhängigkeit von wenigen Exportgütern, gering entwickelte Gesundheitsversorgung, Ausbruch von Krankheiten sowie eingeschränkter Zugang zu Bildung.