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Vokabel-Karteikarten zu den Kernkonzepten der philosophischen Theorie moralischer Verantwortung und Führungskontrolle nach John Martin Fischer und Mark Ravizza.
Guidance control (Führungskontrolle)
Diejenige Form der Verhaltenskontrolle, bei der ein Handelnder sein tatsächliches Verhalten frei anleitet, basierend darauf, dass die Handlung aus seinem eigenen, hinreichend gründe-sensitiven Mechanismus hervorgeht. Sie erfordert im Gegensatz zur regulativen Kontrolle keine alternativen Handlungsmöglichkeiten.
Regulative control (Regulative Kontrolle)
Die traditionell mit freiem Willen verknüpfte Form der Kontrolle, welche eine duale Macht beinhaltet: die Fähigkeit, eine Handlung frei auszuführen, gepaart mit der Macht, alternativ frei etwas anderes zu tun oder die Handlung zu unterlassen.
Kausaler Determinismus (Causal determinism)
Die metaphysische These, dass für jeden beliebigen Zeitpunkt eine vollständige Beschreibung der Tatsachen dieses Zeitpunkts zusammen mit einer vollständigen Formulierung der Naturgesetze jede Wahrheit darüber logisch impliziert, was nach diesem Zeitpunkt geschieht.
Frankfurt-type cases (Fälle vom Frankfurt-Typ)
Gedankenszenarien (strukturell ähnlich den Beispielen von Harry Frankfurt wie etwa dem Fall Assassin), in denen ein kontrafaktischer Intervenient nur dann eingreifen würde, wenn der Akteur abzuweichen droht. Da er in der tatsächlichen Sequenz nicht eingreift, ist der Handelnde moralisch verantwortlich, obwohl er nicht anders handeln konnte.
Principle of the Transfer of Powerlessness (Transfer-Prinzip)
Ein modales Prinzip der indirekten Argumentation gegen Kompatibilismus: Wenn eine Proposition p für eine Person S zum Zeitpunkt T machtnotwendig ist (NS/T(p)) und wenn machtnotwendig ist, dass aus p q folgt (NS/T(Wenn p, dann q)), dann ist auch q für S zu T machtnotwendig (NS/T(q)).
Principle of the Fixity of the Past
Das Prinzip der Unabänderlichkeit der Vergangenheit, nach welchem keine Person zu einem gegebenen Zeitpunkt so handeln kann, dass ein tatsächliches Faktum über die Vergangenheit kein Faktum gewesen wäre.
Principle of the Fixity of the Laws
Das Prinzip der Unabänderlichkeit der Naturgesetze, nach dem keine Person jemals so handeln kann, dass ein tatsächlich bestehendes Naturgesetz kein Naturgesetz wäre.
Principle of the Transfer of Non-Responsibility (Transfer NR)
Ein von Peter van Inwagen formuliertes modales Prinzip für die direkte Argumentation: Wenn niemand moralisch verantwortlich für p ist und niemand dafür verantwortlich ist, dass aus p q folgt, dann ist auch niemand auch nur teilweise moralisch verantwortlich für q.
Semikompatibilismus (Semicompatibilism)
Die von John Martin Fischer und Mark Ravizza vertretene Position, dass moralische Verantwortung mit kausalem Determinismus vereinbar ist, unabhängig davon, ob kausaler Determinismus mit der Freiheit, anders zu handeln (regulative Kontrolle), vereinbar ist.
Actual-sequence account (Aktuelle-Sequenz-Ansatz)
Ein theoretischer Ansatz zur moralischen Verantwortung, der nicht auf das Vorhandensein alternativer Handlungsmöglichkeiten abstellt, sondern ausschließlich darauf, was der Handelnde tatsächlich tut und über welche Art von Mechanismus die Handlung zustande kommt.
Strong reasons-responsiveness (Starke Gründe-Sensitivität)
Eine Eigenschaft eines Mechanismus, bei der ein Akteur unter der Bedingung, dass dieser Mechanismus operiert und ein hinreichender Grund zum Andershandeln vorliegt, diesen Grund ausnahmslos erkennen, entsprechend wählen und handeln würde.
Weak reasons-responsiveness (Schwache Gründe-Sensitivität)
Eine Anforderung an Handlungsmechanismen, nach der es lediglich mindestens eine mögliche Welt mit denselben Naturgesetzen geben muss, in der derselbe Mechanismus operiert, ein hinreichender Grund zum Andershandeln vorliegt, der Akteur diesen Grund erkennt und aus diesem Grund anders handelt.
Moderate reasons-responsiveness (Moderate Gründe-Sensitivität)
Die Kernbedingung für Führungskontrolle: Sie erfordert, dass der tatsächliche Mechanismus regulär rezeptiv für Gründe ist (ein verständliches Muster der Gründe-Erkennung inklusive moralischer Gründe zeigt) und zugleich mindestens schwach reaktiv auf Gründe ist.
Reasons-receptivity (Gründe-Rezeptivität)
Die kognitive Fähigkeit eines Mechanismus, existierende Handlungsgründe zu erkennen; für moralische Verantwortung muss sie ein verständliches, geordnetes und minimal in der Realität verankertes Muster aufweisen.
Reasons-reactivity (Gründe-Reaktivität)
Die exekutive Fähigkeit eines Mechanismus, erkannte Gründe in Entscheidungen und Handlungen zu überführen. Da Reaktivität eine einheitliche Eigenschaft ist, genügt für moralische Verantwortung eine bloß schwache Reaktivität auf Gründe.
Tracing approach (Tracing-Ansatz)
Ein theoretisches Verfahren, das moralische Verantwortung für eine Handlung aus einem unempfänglichen Zustand (wie Trunkenheit) legitimiert, indem es in der Kausalgeschichte auf einen früheren Zeitpunkt zurückverfolgt, an dem der Akteur unter einem gründe-sensitiven Mechanismus agierte.
Asymmetry Thesis (Asymmetrie-These)
Die von Susan Wolf formulierte These, dass Akteure für gute Taten verantwortlich sein können, ohne anders handeln zu können, für schlechte Taten jedoch zwingend die Fähigkeit zum Andershandeln besitzen müssen; von Fischer und Ravizza mittels Beispielen wie Hero und Mechanic widerlegt.
Consequence-particulars (Konsequenz-Partikulare)
Individuelle, konkrete Ereignisse, für deren Identität der spezifische tatsächliche Kausalpfad ihrer Entstehung ein wesentlicher Bestandteil ist.
Consequence-universals (Konsequenz-Universale)
Allgemeine Sachverhalte oder Zustände (wie die Tatsache, dass eine Stadt bombardiert wird), die prinzipiell über verschiedene kausale Wege realisiert werden können.
Triggering event (Auslösendes Ereignis)
Ein Ereignis, dessen Eintreten eine Kausalkette in Gang setzen würde, die zu einer bestimmten Konsequenz führt. Bei der Beurteilung der Sensitivität des äußeren Kausalpfads wird das Nicht-Stattfinden nicht eingetretener auslösender Ereignisse festgehalten.
Bodily omissions (Körperliche Unterlassungen)
Einfache Unterlassungen, die vollständig durch eine bestimmte Körperbewegung oder das bewusste Stillhalten konstituiert werden und analog zu positiven Handlungen über Führungskontrolle analysiert werden.
Complex omissions (Komplexe Unterlassungen)
Unterlassungen, deren Ausführung über die bloße Körperbewegung hinausreicht und die im Herbeiführen eines fein spezifizierten negativen Konsequenz-Universals bestehen (wie die Tatsache, dass ein Kind nicht durch eine bestimmte Person gerettet wird).
Symmetric Principle of Moral Responsibility
Das Prinzip, wonach moralische Verantwortung sowohl für positive Handlungen als auch für Unterlassungen und Konsequenzen gleichermaßen symmetrisch auf Führungskontrolle beruht und in keinem dieser Bereiche alternative Möglichkeiten erfordert.
Reactive attitudes (Reaktive Einstellungen)
Die von Peter Strawson beschriebene Klasse von interpersonalen Haltungen und Emotionen (wie Empörung, Groll, Dankbarkeit, Liebe und Vergebung), für deren Adressierung ein Akteur ein moralisch verantwortliches Wesen sein muss.
Taking responsibility (Verantwortungsübernahme)
Der historische Prozess, durch den ein Akteur einen Handlungsmechanismus zu seinem eigenen macht; erfordert die Überzeugung, Urheber der Handlungen zu sein, sich im Rahmen der sozialen Praxis als faires Ziel reaktiver Einstellungen zu verstehen, und diese Haltung auf angemessene Evidenz zu stützen.
Ledger view (Hauptbuch-Auffassung)
Eine alternative Auffassung moralischer Verantwortung, nach der Verantwortungszuschreibungen primär theoretische Urteile über den moralischen Wert einer Person darstellen (wie Eintragungen von Guthaben oder Lasten in einem moralischen Kontobuch), denen reaktive Einstellungen erst sekundär folgen.
Aristotelische Bedingungen (Aristotelian conditions)
Die zwei klassischen negativen Bedingungen für das Fehlen moralischer Verantwortung: Unwissenheit (epistemische Bedingung) und äußerer bzw. unwiderstehlicher Zwang (Freiheits- oder Kontrollbedingung).